LV: Stefan Aust: Der Baader Meinhof Komplex, 1985 (danach mehrere überarbeitete Neuausgaben)
Buch zum Film: Katja Eichinger: Der Baader Meinhof Komplex – Das Buch zum Film, 2008
Von der Länge her epische, vom Tempo her hektische Verfilmung der Geschichte der RAF von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende. Da stimmt die Ausstattung, aber für die Vertiefung der einzelnen Charaktere bleibt wenig Zeit.
Mit Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Bruno Ganz, Simon Licht, Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Nadja Uhl, Hannah Herzsprung, Niels-Bruno Schmidt, Stipe Erceg, Daniel Lommatzsch, Volker Bruch, Bernd Stegemann, Tom Schilling, Katharina Wackernagel, Anna Thalbach, Jasmin Tabatabai, Hans Werner Meyer
Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James, USA 1939)
Regie: Henry King
Drehbuch: Nunnally Johnson (nach historischen Recherchen von Rosalind Shaffer und Jo Frances James)
Ein Westernklassiker, der die Geschichte der Brüder Frank und Jesse James erzählt, die sich an der Eisenbahngesellschaft für erlittenes Unrecht rächen wollen und zu Verbrechern werden.
mit Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott, Henry Hull, Brian Donlevy, John Carradine, Lon Chaney jr.
Shoplifters – Familienbande(Manbiki Kazoku, Japan 2018)
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.
TV-Premiere. Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.
Als Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) 1942 auf der Fahrt zu einem Durchgangslager ein halbes Baguette gegen ein in persisch geschriebenes Buch tauscht, sieht das nach einem schlechten Tauschgeschäft aus. Gilles kann kein Farsi und das, zugegeben teuer aussehende, Buch ist im Zweiten Weltkrieg nichts wert. Aber kurz darauf rettet es Gilles das Leben.
Die SS-Leute halten den Wagen an und erschießen auf einer Waldlichtung die Passagiere, die sie für Juden halten. Gilles hält das Buch hoch und behauptet, kein Jude, sondern ein Perser zu sein. Weil ihr Lagerkommandant, SS-Hauptsturmführer Klaus Koch, unbedingt Farsi lernen will, nehmen sie Gilles mit. Immerhin hat er zehn Dosen Fleisch als Belohnung ausgesetzt. Und den Juden können sie auch später umbringen.
Im Lager kann Gilles den herrischen Lagerkommandanten Koch (Lars Eidinger), der selbstverständlich überzeugt ist, Lügner sofort enttarnen zu können, mit einigen Worten überzeugen, dass er ein Perser ist. Koch zwingt ihn, ihm die fremde Sprache beizubringen. Nach dem Krieg will er in Teheran mit seinem dort lebendem Bruder ein Restaurant eröffnen.
Also bringt Gilles Koch Farsi bei. Weil Gilles kein Farsi spricht, muss er eine orientalisch klingende Sprache erfinden.
Im Lager ist seine Situation einerseits privilegiert, immerhin erhält er als Kochs Lehrer einige Vergünstigungen, und andererseits hochgradig gefährdet. Bei der ersten falschen Vokabel wird Koch ihn umbringen. Und Kochs Untergebene wollen den Betrüger Gilles enttarnen und so in der SS-Hierarchie aufsteigen.
„Persischstunden“, der neue Film von Vadim Perelman („Haus aus Sand und Nebel“) basiert auf der Kurzgeschichte „Die Erfindung einer Sprache“ von Wolfgang Kohlhaase und erzählt eine schöne Köpenickiade oder Schwejkiade. Immerhin schlawinert Gilles sich bauernschlau durch das Lager, während die Filmgeschichte die Nazis und ihre Ränkespiele bloßstellt. Denn hier intrigieren die Nazis munter gegeneinander. In jeder Szene geht es auch um den Widerspruch von Schein und Sein und um sich stetig verändernde Machtverhältnisse. Perelman erzählt das ohne jeglichen satirischen Furor ziemlich brav und bieder als Drama mit differenziert gezeichneten Figuren und didaktischer Absicht.
Dagegen sind dann ein immer nett verhuscht in die Kamera blickender Nahuel Pérez Biscayart und ein grandios aufspielender Lars Eidinger machtlos. Eidingers Rolle lebt, zugegeben, von dem für uns offensichtlichen Widerspruch zwischen den tiefen Gefühlen, die Koch in seine auf Farsi gesprochenen Sätze legt, und unserem Wissen, dass es sich um vollkommen sinnloses Gebrabbel handelt. Dass er betrogen wird.
„Persichstunden“ ist ein gut gemachter, aber auch etwas dröger Film.
Persischstunden (Deutschland/Russland 2020)
Regie: Vadim Perelman
Drehbuch: Ilya Zofin
LV: Wolfgang Kohlhaase: Die Erfindung einer Sprache (Kurzgeschichte)
mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay, Leonie Benesch, Alexander Beyer, David Schütter, Luisa-Céline Gaffron, Giuseppe Schillaci, Antonin Chalon, Mehdi Rahim-Silvioli
Callboy Betrand gibt ein geklautes Manuskript für sein Werk aus. Das Stück wird ein Erfolg. Jetzt soll Bertrand ein neues Stück veröffentlichen. Er zieht sich zum Schreiben auf eine Berghütte zurück. Dort trifft er die alte Edelprostituierte Eva, in die er sich verliebt, – was keine gute Idee ist.
Auf der Berlinale, wo der Film 2018 im Wettbewerb lief, kam der Film nicht so gut an. Einen deutschen Kinostart gab es nicht. Und so ist das heute die Gelegenheit, Jacquots Erotic-Thriller zu entdecken.
Denn ein Film mit Isabelle Huppert kann nicht ganz schlecht sein.
Pinky Brühl behauptet, der vierte Mord gehe nicht auf sein Konto und weil die Polizei ihm nicht glaubt, flüchtet er aus der Haft. Das Nachtschicht-Team jagt ihn.
Und wieder gibt es eine aufregende Nacht für die Hamburger Polizisten mit gut aufgelegten Schauspielern und pointierten Dialogen.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Peter Kremer, Misel Maticevic, Lars Rudolph, Katja Flint, Olli Dietrich, Joachim Król
Die spannend wie ein Polit-Thriller erzählte Vorgeschichte zum Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1967 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Frankfurt am Main vor Gericht verhandelt wurde.
In dem Film versucht ein junger Staatsanwalt, unter der Aufsicht von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in jahrelanger mühseliger Kleinarbeit die nötigen Beweise für eine Anklage gegen die Täter in dem Konzentrationslager Auschwitz zu bekommen, während in Deutschland gerade das Wirtschaftswunder und das kollektive Vergessen gefeiert wurden.
mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek
TV-Premiere. Kathryn Bigelows technisch brillante, emotional packende, genau recherchierte, aber analytisch und politisch äußerst bedenkliche Chronik der mehrtägigen Rassenunruhen in Detroit im Juli 1967, bei denen 43 Menschen starben. 33 von ihnen waren Afroamerikaner. 24 von ihnen wurden von Polizisten und National Guardsmen erschossen.
Im Zentrum von „Detroit“ stehen die fast in Echtzeit geschilderten Ereignisse im Algier Motel in der Nacht vom 25. zum 26. Juli, als weiße Polizisten gnadenlos ihre Macht gegenüber den afroamerikanischen Verdächtigen und zwei weißen jungen Frauen ausnutzen und auch vor Mord nicht zurückschrecken.
Wiebke betreibt einen Pferdehof, auf dem sie für die Reiterstaffel der Polizei Pferde trainiert. Bei ihr lebt ihre nette Tochter. Und wenn sie wie ein Cowboy über ihre Ranch geht, wirkt sie glücklich. Zu ihrem Glück fehlt nur noch, nein, kein Mann, sondern ein zweites Kind, das wieder eine Auslandsadoption sein soll.
Katrin Gebbe („Tore tanzt“) lädt die ersten Bilder in ihrem neuen Film „Pelikanblut – Aus Liebe zu meiner Tochter “ mit einem so hohen Kitschfaktor auf, dass alle Inga-Lindström/Rosamunde-Pilcher-Filme dagegen blass wirken. Aber Wiebke wird von Nina Hoss gespielt, die in so einem banalen Sonntagabendkitschfilm niemals mitspielen würde. Später ändern sich in „Pelikanblut“ die Farben und der Kamerastil. Aus der Schnulze geht es in Richtung eines Horrorfilms und eines düsteren Psychodramas, in dem die Protagonistin sich mit ihrem Tunnelblick konsequent Richtung Verderben bewegt. Die Bilder sind eine offensichtliche und äußerst plakative Illustration von Wiebkes seelischem Zustand. Sie zeigen, wie sie sich fühlt und wie sie die Welt wahrnimmt.
Als Wiebke aus Bulgarien die Nachricht erhält, dass sie die fünfjährige Raya adoptieren kann, ist sie glücklich. Vor allem, weil Raya sich bei ihrer ersten Begegnung als ein überaus liebenswertes Kind präsentiert.
Das ändert sich, als Raya in Deutschland ihr wahres Gesicht zeigt. Raya ist ein vollkommen gefühlloser Mensch. Gefühle und menschliche Reaktionen imitiere sie nur. Gleichzeitig verdränge sie, so erklärt ein Kinderpsychologe Wiebke, ein schweres Trauma. Wiebke möchte Raya helfen. Aber Ray ist ein tobendes, schreiendes und intrigantes Kraftbündel, das Wiebke, ihre erste Adoptivtochter, die neunjährige Nikolina, und ihre Umgebung mal mehr, mal weniger subtil terrorisiert.
Aber Wiebke will Raya nicht weggeben. Im Gegensatz zu Rayas vorherigen Eltern will sie Raya behalten und, wie ihre Pferde, erziehen. Dabei entfernt sie sich immer mehr von ihrem bisherigen Leben.
Dieser Wahn und der damit verbundene Tunnelblick wird von Nina Hoss gut gespielt und stilistisch, wie gesagt, von der Regie unterstützt. Die anfänglichen Pilcher-Bilder werden düsterer. Die Farben bleichen immer mehr aus. Die Kamera wird unruhiger und rückt näher an die Figuren. Es scheint keinen Ausweg mehr zu geben.
Allerdings wird auch immer unklarer, warum Wiebke sich so sehr für Raya engagiert und sie dabei jede Grenze überschreitet. Grenzen, die sie bei ihren geliebten Pferden mühelos einhalten kann.
Damit kommen wir zum dritten Akt und einer Wendung, bei der ich mich fragte, ob Gebbe das wirklich ernst meint. Plötzlich verlässt sie zugunsten eines Eso-Trips das Feld rationaler Erklärungen, die bis dahin den Film bestimmten. Da zweifelt dann nicht nur ihr neuer Freund, der überaus nette, alleinerziehende und zur Polizeireiterstaffel gehörende Benedikt, an ihrem Verstand.
Pelikanblut – Aus Liebe zu meiner Tochter (Deutschland 2019)
Regie: Katrin Gebbe
Drehbuch: Katrin Gebbe
mit Nina Hoss, Adelina-Constance Ocleppo, Murathan Muslu, Yana Marinova, Katerina Liposvksa
Die gesamte Familie kommt zu einem Wochenende zusammen. Der Mutter Lily geht es nicht gut. Schon die ersten Bilder, wenn sie mühsam aufsteht, sich anzieht und die Treppe zur Küche hinuntergeht, zeigen, dass sie nicht mehr lange Leben wird. Etwas später erfahren wir, dass dies ihr letztes Wochenende ist. Sie will noch einmal ihre Kinder, deren Familien und ihre beste Freundin sehen. Danach will sie sich töten. Sie hat ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Sie weiß, dass sie die Beherrschung über ihren Körper bald vollständig verlieren wird.
„Blackbird – Eine Familiengeschichte“ ist das Remake von Bille Augusts Drama „Silent Heart – Mein Leben gehört mir“. Christian Thorpe schrieb wieder das Drehbuch. Roger Michell („Notting Hill“, „Morning Glory“, „Meine Cousine Rachel“) übernahm die Regie. Er entschied sich, seinen Film in einem Haus, mit natürlichem Licht und fast vollständig chronologisch zu drehen. Die Schauspieler waren daher, wie ein Theaterensemble, während des gesamten Drehs anwesend. Außerdem entschied Michell sich, sein Ensemble – Susan Sarandon, Sam Neill, Kate Winslet, Mia Wasikowska, Bex Taylor-Klaus, Rainn Wilson, Lindsay Duncan und Anson Boon – immer möglichst zusammen und in einem Bild zu präsentieren. Das sind, auch wenn in Innenräumen, wie dem großen Wohnzimmer des Anwesens, gedreht wurde, Bilder für eine große Leinwand. Denn nur dort sind alle Schauspieler und ihre Reaktionen aufeinander gut zu sehen. Halt wie in einem Theater.
Die Filmgeschichte dreht sich dann kaum um den von Lily geplanten Suizid, bei dem ihr Mann Paul, ein pensionierter Arzt, ihr helfen wird. Darüber hat die Familie bereits vor längerem gesprochen und den einstimmigen Beschluss gefällt, Lilys Wunsch zu respektieren. Im Film ist Lilys geplanter Suizid und Pauls damit verbundene Sterbehilfe nur noch der MacGuffin, der Lilys Familie dazu bringt, sich an ihrem Totenbett zu versammeln.
Im Mittelpunkt des Dramas stehen die kleinen Konflikte einer gutsituierten Familie. So sind die beiden Schwestern sehr verschieden. Jennifer ist eine stockkonservative, pedantische Vorstadtmutter. Ihre jüngere Schwester Anna ist eine in einer chaotischen Beziehung lebende, sich selbst verwirklichende Künstlerin. Lilys beste Freundin ist selbstverständlich ebenfalls dabei. Sie ist immer dabei. Se sind seit der gemeinsam verbrachten Studienzeit miteinander befreundet. Damals lernte Lily auch ihren Mann Paul kennen. Und Jennifers Sohn ist in dem Alter, in dem er von den Älteren gefragt wird, was er später werden möchte. Da werden dann ein, zwei Geheimnisse aufgedeckt, es geht emotional etwas hoch her und Lilys letzter Wunsch vor ihrem Tod wird erfüllt. Sie möchte, Monate vor Weihnachten, stilecht Weihnachten feiern.
Das plätschert unaufgeregt vor sich hin. Die Stimmung ist heiter bis freundlich, selten dramatisch und eigentlich nie traurig. Auf die Tränendrüse drückende schmalzige Taschentuchmomente gibt es auch nicht. Dafür einige großmütterliche Lebensweisheiten.
Diese Konfliktchen und das größtmögliche Umschiffen aller mit der Sterbehilfe zusammenhängenden Fragen lenken die gesamte Aufmerksamkeit schnell auf das Ensemble und ihr Zusammenspiel. Hier sind großartige Schauspieler versammelt, die sich elegant die Bälle zuspielen. Das ist großes Theater um fast nichs.
Blackbird – Eine Familiengeschichte (Blackbird, USA/Großbritannien 2019)
Regie: Roger Michell
Drehbuch: Christian Torpe
mit Susan Sarandon, Sam Neill, Kate Winslet, Mia Wasikowska, Bex Taylor-Klaus, Rainn Wilson, Lindsay Duncan, Anson Boon
LV: Scott B. Smith: A simple plan, 1993 (Ein ganz einfacher Plan, Ein einfacher Plan)
Im verschneiten Minnesota finden drei Freunde in einem abgestürzten Flugzeug einen Koffer mit vier Millionen Dollar. Sie wollen das Geld behalten, aber Eifersucht, Paranoia und Dummheit führen zu einem anderen Ergebnis.
Temporeiche, schwarze Komödie, die natürlich an „Fargo“ erinnert, aber über eigene Qualitäten verfügt und von Raimi erstaunlich unblutig und psychologisch glaubwürdig inszeniert wurde. Denn damals war Raimi in erster Linie als der „Tanz der Teufel“-Macher bekannt, heute ist er selbstverständlich der Mann, der Spiderman inszenierte.
Mit Bill Paxton, Bridget Fonda, Billy Bob Thornton, Jack Walsh
Nachdem ich mich die Woche vor allem mit inzwischen weitgehend gelösten Computerproblemen herumschlug, werden die aktuellen Kinostarts (Blackbird, Pelikanblut, Persischstunden) später als erhofft besprochen. Hierfür sollte es noch eine längere Ankündigung geben. Und dann sind noch einige Buchbesprechungen in der Pipeline und dieser Mann hat demnächst einen runden Geburtstag. Deshalb gibt es im Moment nur einen rockigen TV-Tipp
Arte, 22.00
Janis: Little Girl Blue (Janis: Little Girl Blue, USA 2015)
Regie: Amy J. Berg
Drehbuch: Amy J. Berg
Die Doku „Janis: Little Girl Blue“ über die Sänderin Janis Joplin ist informativ, kurzweilig und geizt nicht mit Konzertaufnahmen; wobei die durchaus etwas kürzer hätten ausfallen können. Aber andererseits: wer kann schon etwas gegen gute Musik einwenden?
mit Janis Joplin, Peter Albin, Sam Andrew, Karleen Bennett, Dick Cavett, John Cooke, David Dalton, Cornelius ‚Snooky‘ Flowers, Country Joe McDonald, Clive Davis, Melissa Etheridge, Dave Getz, Laura Joplin, Michael Joplin, Michael Joplin, Julius Karpen, Juliette Lewis, Alecia Moore, J. Dave Moriaty, Dave Niehaus, D.A. Pennebaker, Travis Rivers, Powell St. John, Bob Weir, Jae Whitaker, Chan Marschall (Cat Power, Erzählerin in der Originalfassung)
Mein Leben als Zucchini(Ma vie de courgette, Schweiz/Frankreich 2016)
Regie: Claude Barras
Drehbuch: Céline Sciamma, Germano Zullo (Mitarbeit), Claude Barras (Mitarbeit), Morgan Navarro (Mitarbeit)
LV: Gilles Paris: Autobiographie d’une Courgette, 2002 (Autobiographie einer Pflaume, Mein Leben als Zucchini)
Nach dem Tod seiner Mutter wird der neunjährige Zucchini in das Kinderheim von Madame Papineua geschickt. Er muss neue Freunde finden und verliebt sich auch ein wenig in Camille. Doch dann soll Camille das Heim verlassen.
Wunderschöner, sehr gelungen sehr viele, sehr ernste Themen ansprechender Trickfilm, der auch für den Oscar als bester Animationsfilms des Jahres nominiert war. Den Preis als Bester Europäischer Animationsfilm und den Preis des Züricher Filmfest als bester Kinderfilm erhielt er. Neben einigen anderen.
Die heutige Nachtausstrahlung dient natürlich nur dazu, dass Erwachsene sich den Film ansehen und ihn dann, so schnell es geht, mit ihren Kindern wieder ansehen.
TV-Premiere. Andreas Dresens breit abgefeiertes Biopic über Gerhard Gundermann, Tagebau-Baggerfahrer in der Lausitz und von seinen Fans verehrter DDR-Musikerstar.
Im Gegensatz zur allgemeinen Euphorie fand ich den Film letztendlich ärgerlich.
mit Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl, Thorsten Merten, Eva Weißenborn, Benjamin Kramme, Kathrin Angerer, Milan Peschel, Bjarne Mädel, Peter Sodann, Alexander Schubert, Horst Rehberg
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Das Buch zum Film
Andreas Leusink (Herausgeber): Gundermann – Von jedem Tag will ich was haben, was ich nicht vergesse…
LV: Jake La Motta mit Joseph Carter und Peter Savage: Raging Bull: My Story, 1970
Düsteres Biopic über den Boxer Jake La Motta. Scorsese drehte die zwischen 1941 und 1964 spielende Geschichte eines schnellen Aufstiegs und tiefen Falls stilbewusst in Schwarzweiß und Hauptdarsteller Robert De Niro ging vollständig in seiner Rolle auf. Dafür erhielt er einen Oscar und einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller.
Mit Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci, Frank Vincent
Polizei greift ein(Pickkup on South Street, USA 1953)
Regie: Samuel Fuller
Drehbuch: Samuel Fuller (nach einer unveröffentlichten Kurzgeschichte von Dwight Taylor)
Ein Taschendieb klaut von der Geliebten eines kommunistischen Agenten einen Mikrofilm. Fortan wird er von einem Polizisten, einem FBI-Agenten und dem Bestohlenen gejagt.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter Noir-Klassiker, der für die deutsche Kinoauswertung gekürzt und inhaltlich verändert wurde. Auf dem Mikrofilm war nicht mehr die Formel für die Herstellung von Atomwaffen sondern für synthetisches Rauschgift.
„Ein Film noir vom äußersten (rechten) Rand, wenn auch mit doppeltem Boden“ (Paul Werner: Film noir)
Fuller gelingt „ein äußerst sehenswerter, ebenso düsterer wie fatalistischer Noir, in dem es dem Zufall überlassen ist, ob jemand stirbt oder lebt, ob jemandem etwas schwerfällt oder leicht von der Hand geht; in jedem Fall aber scheint es dem Schicksal zu obliegen, die Richtung zu bestimmen…“ (Paul Duncan, Jürgen Müller, Hrsg.: Film noir; – „Polizei greift ein“ gehört zu den im Buch ausführlich vorgestellte fünfzig Noir-Klassikern)
In der „Rough Guide to film noir“ gehört „Polizei greift ein“ ebenfalls zu dem aus fünfzig Filmen bestehendem Kanon wichtiger Noirs.
mit Richard Widmark, Jean Peters, Thelma Ritter, Murvyn Vye, Richard Kiley
Geheime Staatsaffären (L’Iveresse du Pouvoir, Frankreich 2006)
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski
Die taffe Pariser Untersuchungsrichterin Jeanne Charmant-Killman (was für ein Name für Madame Huppert) ermittelt in einem Korruptionsfall zwischen hochrangigen Politikern und einem Industriekonzern. Die versuchen ihre Ermittlungen zu beenden.
Claude Chabrols letztes Meisterwerk: ein von dem Skandal um den Ölkonzern Elf Aquitaine inspirierter Politthriller/Farce, grandios gespielt, süffig präsentiert. Halt ein echter Chabrol.
Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die brandneue, einstündige Doku „Isabelle Huppert – Leben für den Film“ (Frankreich 2020).
P. S.: Eigentlich hätte Arte, wie ein Blick auf das Geburts- und Todesdatum von Claude Chabrol (24. Juni 1930 – 12. September 2010) zeigt, dieses Jahr eine kleine Claude-Chabrol-Reihe präsentieren müssen.
mit Isabelle Huppert, François Berléand, Patrick Bruel, Marilyne Canto, Robin Renucci, Thomas Chabrol, Jean-François Balmer, Pierre Vernier, Jacques Boudet, Philippe Duclos, Roger Dumas
Jimi Hendrix „Hear my Train a comin’“ (Jimi Hendrix: Hear my Train a comin‘, USA 2013)
Regie: Bob Smeaton
Spielfilmlange Doku über den am 18. September 1970 (yep, heute vor fünfzig Jahren) verstorbenen Rockgitarrisen Jimi Hendrix mit (damals) neu entdeckten zeitgenössischen Amateuraufnahmen und neuen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Mitch Mitchell, Noel Redding, Eddie Kramer, Paul McCartney und Steve Winwood.
Am 3. Oktober 2009 überfielen Taliban Camp Keating. Der Militärstützpunkt lag in einem Tal in den Bergen nahe der Stadt Kamdesh in der nordafghanischen Provinz Nuristan und sollte einige Tage später geräumt werden. Die von Feinden umzingelten 54 US-Soldaten kämpften zwölf Stunden um ihr Leben. Acht US-Soldaten starben. Ebenso vier afghanische alliierte Mitarbeiter. 27 US-Soldaten wurden verwundet.
Die Zahl der gefallenen Taliban verschweigt Rod Lurie in seinem Kriegsfilm „The Outpost – Überleben ist alles“. Nach Angaben des US Militärs wurde das Camp von ungefähr 300 Taliban angegriffen und ungefähr 150 Angreifer starben.
Die Schlacht gehört zu den blutigsten Auseinandersetzungen des Afghanistankrieges.
Die an dem Gefecht beteiligten Soldaten wurden mit Orden überschüttet und Militärstützpunkte, die offensichtlich nicht zu verteidigen sind, wie Camp Keating, wurden geschlossen.
„The Outpost“ ist einer der Kriegsfilme, der definitiv kein Antikriegsfilm ist und sich nicht für das genaue Nachzeichnen der einzelnen strategischen Entscheidungen während des Gefechts interessiert. Dafür war es auch zu chaotisch. Die Soldaten mussten sich und ihren Stützpunkt so gut es ging, spontan und ohne großen Plan verteidigen. Die Angreifer bleiben eine gesichtslose Masse, die, wie früher die Indianer in einem Western, angreifen und erschossen werden. Ihre Motive sind egal. Ihr Sterben interessiert nicht.
Stattdessen singt Lurie das Hohelied auf den einfachen, tapferen Soldaten, der im Gefecht vor allem seine Kameraden beschützen und retten will.
In der ersten Stunde zeigt Lurie den Alltag der Soldaten, die in kurzen Szenen einen Hauch von Individualität erhalten. Die jungen Männer, unter anderem gespielt von Scott Eastwood (der vom Gesicht her sehr an seinen Vater erinnert), Caleb Landry Jones und Orlando Bloom, langweilen sich und werden regelmäßig – in der Realität ungefähr alle zwei Tage, im Film, so wirkt es, deutlich öfter – von Taliban aus den Bergen heraus beschossen. Es ist der Alltag im Kriegsgebiet zwischen Langeweile und Adrenalinschüben.
Die zweite Hälfte des Kriegsfilms spielt am 3. Oktober 2009. Diese Chronik der „Schlacht von Kamdesh“ ist eine beeindruckende Schlachtplatte. Jetzt stört auch die bis dahin nervige wackelige Handkamera, die vor einigen Jahren State-of-the-art war, nicht mehr. In langen, ungeschnittenen Szenen, als habe er sich Sam Mendes‘ „1917“ zum Vorbild genommen, stürzt Kameramann Lorenzo Senatore („Hellboy“ [2019], Second Unit u. a. bei „Spectre“, „Wonder Woman“ und „London has fallen“) sich in das Kampfgetümmel. Während um ihn herum Soldaten erschossen werden und Bomben explodieren, verfolgt er sie durch das Lager.
Das ist unbestritten gut gemacht und technisch beeindruckend, ohne jemals die Qualität von „1917“ oder „Dunkirk“ zu erreichen. Gegen diese Kriegsfilme (die ich im Kino sah) wirkt der chronologisch erzählte Kriegsfilm „The Outpost“ (den ich zu Hause sah) wie der kleine, auf Video gedrehte Bruder.
The Outpost – Überleben ist alles(The Outpost, USA/Bulgarien 2020)
Regie: Rod Lurie
Drehbuch: Paul Tamasy, Eric Johnson
LV: Jake Tapper: The Outpost: An untold Story of American Valor, 2012
mit Scott Eastwood, Caleb Landry Jones, Orlando Bloom, Jack Kesy, Cory Hardrict, Milo Gibson, Jacob Scipio, Taylor John Smith, Alexander Arnold