Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.
Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.
„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)
Die Musik ist von Philip Glass.
mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti
Ein so klares Scheitern am eigenen Anspruch hat man selten. Theaterregisseur Frank Hoffmann sagt im Presseheft für seine mit Pol Cruchten inszenierte Friedrich-Schiller-Adaption „Die Räuber“, dass sie ein eigenständiges Kinowerk schaffen wollten und sein Co-Drehbuchautor Erick Malabry es geschafft habe, von Anfang an das potentiell Theatralische aus dem Drehbuch zu eliminieren. Und dass die Oper überhaupt keine Referenz gewesen sei. Co-Regisseur Pol Cruchten weist vor allem auf den Film Noir als Vorbild hin und dass von Schillers Stück nicht viel übrig geblieben sei.
Dafür verlegten sie Schillers Drama in die Gegenwart in die luxemburgische Bankenwelt. Bankierssohn Karl Escher (Eric Caravaca) hat gerade eine dreijährige Haftstrafe wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung verbüßt. Er war zwar unschuldig, aber er nahm die Schuld auf sich, um seinen Vater und ihre Bank zu schützen.
Jetzt will er wieder zurück in den Schoß der Familie. Sein Vater (Maximilian Schell in seiner letzten Rolle) hadert. Seine Schwester glaubt ihm und sie versucht ihren Vater zu überzeugen, dass Karl wieder in den Bankvorstand zurückkehren kann.
Außerdem glaubt Karl, dass sein Bruder Franz der Drahtzieher hinter den Manipulationen war, für die er ins Gefängnis ging. Mit einem namenlosen Gangsterboss, den er im Gefängnis kennenlernte, will er bei Überfällen auf Banken und Wohnhäuser die nötigen Beweise beschaffen.
Das ist natürlich ein potentieller Thriller-Plot mit Lug und Trug in einer Bankerdynastie, die gut als Spielfilm funktionieren kann. Aber genau das inszenierten Hoffmann und Cruchten nicht. Beim Sehen hatte ich sogar den Eindruck, dass sie keinen herkömmlichen Spielfilm, sondern einen eigentümlichen und sperrigen Bastard zwischen Theater, Kunstkino und Gangsterthriller, garniert mit einigen Landschaftsaufnahmen aus der Saar-Lor-Lux-Region inszenieren wollten. Denn die meisten Dialoge können und wollen nie ihre Herkunft vom Theater verleugnen. Das Spiel der Schauspieler ist extrem künstlich. Die Sets konzentrieren sich ebenfalls auf die künstlichen Aspekte. Es sind oft menschenleere Hotelflure und Hotelzimmer. Das Anwesen der Escher-Familie ist für den großen Auftritt vor potentiellen Geschäftspartnern als musealer Ausstellungsraum, als Theaterbühne, inszeniert. Die Szenen mit den Gangstern scheinen aus einem älteren französischen Gangsterfilm herauskopiert worden zu sein. Die Überfälle zitieren eher das US-amerikanische Actionkino. Und vor allem bleibt man als Zuschauer immer, wie beim Theater, in einer Beobachterposition. Man sitzt im Saal und sieht sich das kaum modernisierte Geschehen auf der Bühne an.
Als sich zwischen die Stühle setzendes Experiment ist „Die Räuber“, das seine Herkunft vom Theater nie verleugnen kann und will, durchaus einen Blick wert.
Am eigenen Anspruch sind Hoffmann und Cruchten mit ihrer plakativen und nicht besonders glaubwürdigen Räuberpistole (Ein Banker, der zum Räuber wird um seine Unschuld zu beweisen?) allerdings vollkommen gescheitert.
3sat, 22.35 Fear X(USA 2003, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
Der introvertierte Sicherheitsbeamte Harry Caine sucht den Mörder seiner Frau. Er glaubt, dass er den Täter auf den Überwachungsbändern einer Shopping-Mall findet. Da entdeckt er in einen Nachbarhaus einen Hinweis und er macht sich auf den Weg nach Montana. „Fear X“ ist ein zunehmend surrealer Thriller, der gerade wegen seiner Andersartigkeit gefällt.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre Hinweise
Jetzt sitzt der Brenner beim Arbeitsamt und dank seines Lebenslaufes ist er ein gesellschaftliches Neutron, das keinen Anspruch auf einen Cent Unterstützung hat. Da fällt ihm ein, dass in seinem Geburtsort Puntigam noch immer das ihm vererbte Haus seiner Eltern steht.
Er kehrt nach Ewigkeiten zurück nach Puntigam. Das elterliche Anwesen ist eine Ruine, der Nachbar nicht erfreut über seine ein veritables Chaos verursachenden Instandsetzungsarbeiten und die alten Freunde sind – nun, alte Freunde, mit denen er damals die Polizeischule absolvierte. Der eine ist ein Trödelhändler, der vor allem mit Erpressungen sein Geld verdient. Der andere ist der Polizeichef von Graz, der ihn gleich mit einer Pistole bedroht.
Kurz darauf liegt Brenner mit einer Schussverletzung im Krankenhaus. Seine Therapeutin sagt, er habe versucht, sich umzubringen. Er ist dagegen felsenfest davon überzeugt, dass jemand ihn umbringen wollte und er wird den Täter überführen. Er vermutet, dass es der Polizeichef ist.
Das Motiv für den Mordversuch liegt nämlich in Brenners Vergangenheit, als er und seine Freunde vor Jahrzehnten auf der Polizeischule nicht nur Gesetze büffelten.
Kurz darauf wird der Trödelhändler ermordet und Brenner, der von der Polizei neben der Leiche gefunden wird, meint nur, er sei es nicht gewesen.
Jetzt muss Brenner auch noch einen vollendeten Mord aufklären.
„Das ewige Leben“ ist nach „Komm, süßer Tod“ (2000), „Silentium“ (2005) und „Der Knochenmann“ (2009) der vierte Brenner-Film, der wieder von dem bewährten Team Wolfgang Murnberger (Regie und Drehbuch), Wolf Haas (Vorlage und Drehbuch) und Josef Hader (Hauptrolle und Drehbuch) gedreht wurde. Deshalb ist „Das ewige Leben“, das gewohnt frei mit der Vorlage von Wolf Haas umgeht, in erster Linie ein willkommenes, dieses Mal etwas melancholischer geratenes Wiedersehen mit dem abgeklärtesten Privatdetektiv von Österreich, der älter, aber nicht weißer wurde. Entsprechend gering, aber durchaus deutlich sind die Unterschiede zu den vorherigen Brenner-Filmen. Und das ist gut so.
Das ewige Leben (Österreich 2015)
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
LV: Wolf Haas: Das ewige Leben, 2003
mit Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Roland Düringer, Margarethe Tiesel, Christopher Schärf, Sasa Barbul, Johannes Silberschneider, Wolf Haas (Cameo)
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Die selbstverständlich lesenswerte Vorlage
Wolf Haas: Das ewige Leben dtv, 2015 208 Seiten
8,95 Euro
– Erstausgabe
Hoffmann und Campe Verlag, 2003
– Hinweise
Jennifer Lopez spielt Claire Peterson, High-School-Lehrerin und alleinerziehende Mutter eines siebzehnjährigen Sohnes. Ihr fremdgehender Ehemann würde gerne wieder in den Schoß der Familie zurückkehren und umwirbt sie und seinen Sohn entsprechend galant. Aber sie kann ihm den Seitensprung mit seiner Sekretärin nicht verzeihen.
Als in das Nachbarhaus Noah (Ryan Guzman) einzieht, um seinen pflegebedürftigen Onkel zu pflegen, gefällt ihr der gut aussehende, freundliche, hilfsbereite und handwerkliche begabte Junge. Eines Nachts, nach einem desaströsen Date, ist sie alleine in ihrer Wohnung und, als er sie unter einem Vorwand anruft, geht sie rüber in das Nachbarhaus und sie haben heißen Sex, den er ohne ihr Wissen aufnimmt.
Am nächsten Tag bereut sie es. Denn der neunzehnjährige Noah ist einer ihrer Schüler, der wegen einiger Probleme die Schule wechselte und noch nicht mit ihr fertig ist. Er ist auch schlau und belesen. Vor allem in der antiken Literatur, die sie in diesem Schuljahr unterrichtet. Eigentlich ist er ein echter Vorzeigeschüler, der, wie Claire jetzt schnell herausfindet, einen kleinen psychischen Schaden hat. Denn er will jetzt ihr ein gemeinsames Leben beginnen und er ist bereit, alle Hindernisse, die seiner Fantasie im Weg stehen könnten, mit Psychospielchen, Erpressung und Mord aus dem Weg zu räumen.
Nachdem zuletzt in den USA an einigen Universitäten sogar Beziehungen zwischen Hochschullehrern und Studierenden verboten wurden, ist, vor dem derzeitigen gesellschaftlichen Klima in den USA, diese Bettgeschichte von Claire so hirnverbrannt, dass die weitere Handlung ziemlich egal ist.
Aber Drehbuchautorin Barbara Curry hätte trotzdem eine Geschichte erfinden können, die nicht in jeder Sekunde wie eine 08/15-Version von „Eine verhängnisvolle Affäre“ mit vertauschten Geschlechtern aussehen würde. Wobei der größere Altersunterschied und die Lehrer-Schüler-Beziehung der Geschichte jeden Anschein von Plausibilität nimmt.
„The Fast and the Furious“-Regisseur Rob Cohen gewinnt dieser munter die bekannten Erotik-Thriller-Klischees aneinanderreihenden Geschichte auch keine neuen Aspekte oder überraschenden Wendungen ab. Von der ersten bis zur letzten Minute spult „The Boy next Door“ überraschungsfrei sein Programm ab. Und ohne die immer wieder fotogen in Szene gesetzten Kurven von Jennifer Lopez wäre ‚der Junge von nebenan‘ direkt im DVD-Regal neben all den anderen vernachlässigbaren Erotik-Thrillern gelandet.
Kann man ohne die Kenntnis von „Die Bestimmung – Divergent“ oder der Lektüre der enorm erfolgreichen „Die Bestimmung“-Jugendbuchromantrilogie von Veronica Roth überhaupt „Die Bestimmung – Insurgent“ verstehen und vollumfänglich genießen? Ich befürchte, obwohl Regisseur Robert Schwentke sich viel Mühe gibt, nicht. Wobei auch der vorherige Film beim Verständnis der Handlung und Konflikte kaum hilft.
„Die Bestimmung – Insurgent“ ist der Mittelteil einer in der Zukunft spielenden Trilogie, die 2016 und 2017 im Kino als Zweiteiler „Allegiant“ (Die Bestimmung – Letzte Entscheidung), wieder inszeniert von Schwentke, ihren Abschluss finden soll. Die Heldin der Serie ist Beatrice ‚Tris‘ Prior (Shailene Woodley). Sie ist ein sogenannter Divergent, eine Unbestimmte. Denn in dieser sektenhaft christlich konnotierten und Dystopie werden die Menschen ausgehend von ihren Fähigkeiten in fünf Fraktionen aufgeteilt: die Altruan sind die Selbstlosen, die Amite die Freundlichen und Friedfertigen, die Candor die Freimütigen, die Ferox die Furchtlosen und die Ken die Gelehrten. Jede Fraktion übt dann in der friedlichen Gesellschaft, die auch keine äußeren Feinde hat, eine bestimmte Tätigkeit aus: zum Beispiel die Landarbeit, die Forschung oder die Verteidigung. Und obwohl die Sechzehnjährigen (in dem Alter wird der Eignungstest gemacht) sich danach freiwillig für eine Fraktion entscheiden können, sind sie implizit verpflichtet, die Fraktion zu wählen, zu der sie nach dem Eignungstest gehören. Ein späterer Wechsel ist ausgeschlossen. Und dann gibt es noch die Fraktionslosen. Sie sind die Ausgestoßenen, die in „Die Bestimmung – Divergent“ als eine Mischung aus Zombie und Obdachloser stumm in der Gegend herumhängen. In „Die Bestimmung – Insurgent“ sind sie dann eine äußerst kämpferische Widerstandsbewegung, die aus nie geklärten Gründen gegen das System kämpft. Naja, die Revolution ist in dem Film auch nur eine vernachlässigbare Nebensache und gegen das System zu kämpfen ist ja prinzipiell in Ordnung.
Im Mittelpunkt steht eine superwichtige, fünfeckige Box mit einem unbekannten Inhalt. Jeanine Matthews (Kate Winslet), die schon im ersten Teil mit blonder Betonfrisur und viel Schminke die Bösewichtin war, hat sie in ihrem Besitz. Sie sucht jetzt Unbestimmte. Denn nur sie haben, so glaubt Jeanine, die Fähigkeit, die Box zu öffnen, weil, – ähem -, die Unbestimmten in ihrem Denken die Fähigkeiten von allen Fraktionen aufnehmen können und nur so kann die Box geöffnet werden.
Jeanine, die zu der Fraktion der Gelehrten zählt (die es in dieser Gesellschaft wohl nicht so mit dem freien Denken haben), schickt die Soldaten (also die furchtlosen Ferox) los. Sie sollen in der gesamten Stadt Unbestimmte suchen und, wenn ihr Unbestimmtheitsgrad (vulgo die Fähigkeit zum freien Denken) hoch genug ist, verhaften und in Jeanines bestens gesichertes Forschungslabor bringen.
Tris, die am Ende von „Die Bestimmung – Divergent“ mit ihren Freunden aus Chicago in das nahe gelegene Umland flüchtete, ist in einer friedlichen Landkommune untergetaucht. Als Eric (Jai Courtney) und seine Soldaten auf der Suche nach Unbestimmten die Kommune verwüsten, können Tris und einige ihrer Freunde, auch weil die Bösewichter alle extrem schlechte Schützen sind, flüchten. In Chicago treffen sie auf eine Gruppe Widerstandskämpfer. Der Kopf der Widerstandsbewegung ist Evelyn (Naomi Watts), die totgeglaubte Mutter von ihrem Freund Tobias ‚Four‘ Eaton (Theo James).
Und dann beginnt ein furchtbar kompliziertes, aber auch furchtbar banales und fürchterlich unlogische Spiel zwischen den verschiedenen Gruppen. Ich hatte immer das Gefühl, dass im Film nur einige Höhepunkte und wichtige Szenen aus dem Roman aneinandergereiht werden. Die jugendlichen, eher weiblichen Fans freuen sich über die Bebilderung des ihnen bekannten Buches. Die anderen runzeln die Stirn über die mangelnde erzählerische Stringenz dieses zweistündigen Trailers zum Buch. Denn obwohl es mehrere Szenen gibt, in denen die Vorgeschichte ausführlich ausgebreitet und die Motivationen angesprochen werden, stolpern die Charaktere kopflos und fremdbestimmt durch den Plot.
Zum Beispiel nachdem Tris und ihre Freunde gerade einen großen Angriff der Ferox auf ihre zeitweilige Unterkunft bei den freimütig-wahrheitsliebenden Candor (fragt nicht warum. Es ist halt so und im Roman wird das sicher schlüssig erklärt) abwehren konnten und, ziemlich früh im Film, ein wichtiger Bösewicht umstandslos erschossen wird (da sieht man, dass der Film nicht der Dramaturgie eines Einzelspielfilms, sondern der Dramaturgie einer TV-Serie oder eines Fortsetzungsromans folgt), begibt Tris sich freiwillig und ohne Not in die Hände von Jeanine. Sie hat nur die irrationale Hoffnung, dass sie, ein ziemlich normales und bis jetzt unwichtiges Mädchen, den Krieg von Jeanine gegen die anderen Fraktionen beenden könne. Natürlich wird sie von Jeanine gezwungen, mit ihren geistigen Kräften die Box zu öffnen, die bis jetzt zum Tod von jeder Person führte, die es vor ihr versuchte. Um die Box zu Öffnen, begeben wir uns mit Tris in eine halluzinatorische Simulation, das SIM. Diese Illusionen sind natürlich ein Fest für die Programmierer, während wir emotional unbeteiligt ein CGI-Effektgewitter bestaunen dürfen.
Währenddessen und off screen stürmt ihr Freund Four die Festung und, gerade als er Tris aus ihrer gefährlichen Lage befreien konnte (Merke: auch Amazonen wollen vor allem von Männern gerettet werden), geht sie freiwillig wieder zurück in das Labor. Dabei hat Tris in dem Moment viele Gründe, das Gebäude, mit oder ohne Box, zu verlassen und keinen in ihm zu bleiben.
Genauso konfus wie die Handlung sind auch die Strukturen der Gesellschaft. Auch wenn man den ersten Teil gesehen hat, kann man mit dieser Welt wenig anfangen. Denn furchtbar viel Sinn ergibt das System nicht. Aber dafür gibt es jetzt auch eine plötzlich aufpoppende Untergrundgewegung und irgendein Beziehungsgeflecht und Konflikte zwischen den Fraktionen, die alle in einem Chicago leben, das ein fotogener Mix aus Ruinenstadt und High Tech ist. Ich meine: hätten sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht die Stadt wieder aufbauen und für ein einheitliches Technik-Niveau sorgen können? So ist die „Die Bestimmung“-Welt einer Siedlergemeinschaft um 1900 im Wilden Westen nachempfunden, die unter einer Käseglocke lebt und einige moderne Computer und High-Tech-Spielereien, aber keine Videoüberwachung oder ein anderes Ortungssystem hat.
Und, wenn wir zum Konzept der Fraktionen zurückkehren: einerseits basiert es auf Vorherbestimmung und einer Negation des freien Willens. Diese Prämisse wird aber nicht stringent durchgehalten. Einen freien Willen und einen moralischen Kompass, der uns bestimmte Handlungen verbietet, gibt es immer dann, wenn es den Machern gerade passt. Deshalb müssen am Ende von „Die Bestimmung – Divergent“ die Soldaten auch mit einer Droge infiziert werden, die sie zu willenlosen Werkzeugen von Jeanine machen.
Das Ende von „Die Bestimmung – Insurgent“ ist in ähnlicher Weise idiotisch und hat noch nicht einmal einen vielversprechenden Cliffhanger.
Die schlüssigste Erklärung vor die von der bekennenden Christin Veronica Roth in ihren Romanen entworfene Welt ist, dass sie eine Metapher für ihrer eigenen, widersprüchlichen Gefühle am Beginn ihres Studiums ist. Sie steht, wie Tris, nach einigen Beratungsgesprächen über ihre Interessen vor der Frage, welches Studienfach sie wählen soll und sie glaubt, dass diese Wahl ihr gesamtes Leben bestimmen wird.
Das erklärt dann auch, warum Tris, die keine Probleme hat, Männer zu verkloppen und zu töten, am liebsten die ‚damsel in distress‘ ist, die natürlich immer wieder von ihrem Traumprinz aus der Bredouillie gerettet werden muss. Der kriegt dann dafür einen Augenaufschlag und einen dicken Schmatzer.
Da ist die „The Hunger Games/Die Tribute von Panem“-Heldin Katniss Everdeen erheblich selbstständiger und die Welt von Panem ist auch deutlich schlüssiger.
Immerhin ist die immer unblutige Action in „Die Bestimmung – Insurgent“ von Robert Schwentke kompetent inszeniert. Die Tricks sind gut, aber nicht weltbewegend. Vor allem die Szenen, die im Kopf von Tris spielen, sind ein Fest für die CGI-Crew. Dann darf die Heldin durch Glas springen, aus einem Hochhaus springen und durch die Hochhäuserschluchten fliegen, während um sie herum Hochhäuser fotogen zerfallen. Sie muss auch ihre ‚Mutter‘ aus einem fliegendem Containerhaus retten. Das sieht zwar gut aus, wurde in den vergangenen Jahren, seit „Matrix“, aber auch so oft gezeigt, dass es inzwischen nicht mehr besonders aufregend ist.
Der 3D-Effekt störte mich fast während des gesamten Film. Das lag vielleicht auch an meinem Sitzplatz am linken Rand des Kinosaals.
Aber, das muss konstatiert werden: Regisseur Robert Schwentke, der mit „Tattoo“, „Flightplan“ und „R. E. D.“ kompetente Genrefilme ablieferte, gelingt es, die Geschichte, die nur auf den dritten und abschließenden Teil vorbereiten soll, so zügig zu erzählen, dass es nie wirklich langweilig wird. Und Schwentkes Stammkameramann Florian Ballhaus fand schöne Bilder.
Für die Filmgeschichte sind sie ja nicht verantwortlich.
Vox, 22.35 96 Hours (Taken, Frankreich 2008)
Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen
Ein überraschend gelungener Actionkracher aus der Fabrik von Luc Besson. Dieses Mal jettet ein Ex-CIA-Spezialagent nach Paris. Er will seine Tochter aus den Klauen von einigen widerwärtigen Entführern retten und nimmt dabei wenig Rücksicht auf die körperliche Unversehrtheit der Bösewichte.
Liam Neeson, bis dahin vor allem als seriöser Schauspieler bekannt, wollte auch mal einen richtigen Actionfilm drehen. Aber dann war der Film so erfolgreich, dass er sich mit „96 Hours“ als Actionstar neu erfand. Seitdem spielt er vor allem in mehr oder weniger gelungenen Thrillern mit. Die beiden Fortsetzungen von „96 Hours“ zählen zu den weniger gelungenen.
Mit Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Leland Orser, Jon Gries, Xander Berkeley Wiederholung: Freitag, 20. März, 02.45 Uhr (Taggenau!)
Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…
Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 38 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.
Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem “Total Recall”-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.
mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings
WDR, 23.15 Drive (Drive, USA 2011)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini
LV: James Sallis: Drive, 2005 (Driver, später wegen des Films „Drive“)
Der namenlose Fluchtwagenfahrer führt ein ruhiges, zurückgezogenes Leben, bis er sich in eine Frau verliebt und ihrem Freund bei einem Überfall helfen will. Der Überfall geht schief… Allseits abgefeierten Neo-Noirs, der schon jetzt als Kultfilms gelabelt wird. Mehr gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Albert Brooks, Oscar Isaac, Christina Hendricks, Ron Perlman, Kaden Leos Hinweise
Arte, 20.15 Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, USA 1945)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Raymond Chandler
Johnny kehrt aus dem Krieg heim und erwischt seine Frau mit einem anderen Mann. Kurz darauf ist sie tot – und er ist natürlich der Hauptverdächtige. Aber die Frau des Nebenbuhler hilft ihm bei der Tätersuche.
Damals war der Film ein gewaltiger Kassenschlager. Alan Ladd und Veronika Lake spielten nach „Die Narbenhand“ (This gun for hire, USA 1942) und „Der gläserne Schlüssel“ (The glass key, USA 1942) wieder zusammen. Der beim amerikanischen Publikum sehr beliebte William Bendix hatte eine wichtige Nebenrolle und die Story verband gelungen einen Krimi mit einer pessimistischen Beschreibung der damaligen Gesellschaft. Dafür erhielt Raymond Chandler eine Oscar-Nominierung. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Anschließend, um 21.50 Uhr, läuft „Unter falschem Verdacht“ (Frankreich 1947, Regie: Georges Clouzot). Dranbleiben lohnt sich.
Mit Alan Ladd, Veronica Lake, Willam Bendix, Howard da Silva, Doris Dowling Wiederholung: Donnerstag, 19. März, 23.35 Uhr
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Anschließend, um 22.20 Uhr, läuft „Die unglaubliche Geschichte des Hollywood-Produzenten Robert Evans“ (USA 2002), der auch „Chinatown“ produzierte.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young
Lady Vengeance – Leben für die Rache (Sudkorea 2005, Regie: Park Chan-wook)
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong
Geum-ja saß dreizehn Jahre im Gefängnis für den Mord an einem kleinen Jungen, den sie nicht begangen hat. Jetzt will sie sich an dem wirklichem Täter, einem honorigem Englischlehrer, rächen.
Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Oldboy“. Die Kritiker waren vom Abschluß der Rachetrilogie des Südkoreaners begeistert, die zahlenden Zuschauer ebenso – und das Erste zeigte die TV-Premiere, wie erwartet, nach Mitternacht.
Mit Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Kim Bu-seon
ServusTV, 22.00 Rampart – Cop außer Kontrolle(Rampart, USA 2011)
Regie: Oren Moverman
Drehbuch: James Ellroy, Oren Moverman
Los Angeles, kurz nach dem Rampart-Skandal: der rassistische Streifenpolizist Dave Brown verprügelt vor laufender Kamera einen Mann. Jetzt soll Brown geopfert werden, um das Image der Polizei wieder herzustellen.
Woody Harrelson hält diesen Film zusammen und als erstklassig besetzte Charakterstudie überzeugt „Rampart“, der eindeutig vom US-amerikanischen New Hollywood der siebziger Jahre, als der „Taxi Driver“ und „Der Pate“ das Publikum mit komplexen und wenig vorbildlichen Charakteren konfrontierte, und dem europäischen Kino inspiriert ist. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung, die mit vielen O-Tönen von Oren Moverman und Woody Harrelson garniert ist.
mit Woody Harrelson, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon, Steve Buscemi, Ice Cube, Sigourney Weaver, Ben Foster, Ned Beatty, Jon Bernthal, Brie Larson Wiederholung: Samstag, 14. März, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Sie halten die Daniel-Craig-James-Bond-Filme für zu psychologisch? Sie lieben die alten James-Bond-Filme? Vor allem die mit Sean Connery? Und Sie sind keiner der James-Bond-Fans, die nur die von Eon produzierten Bond-Filme goutieren? Dann ist „Kingsman: The Secret Service“ definitiv einen Blick wert.
Am Anfang stand, während des Drehs von „Kick-Ass“, ein Gespräch zwischen Comicautor Mark Millar und Regisseur Matthew Vaughn, in dem sie sich fragten, warum die Macher des James-Bond-Films „Casino Royale“ in dem Film nicht die Ausbildung von James Bond, der damals erstmals von Daniel Craig gespielt wurde, gezeigt haben. Denn so eine Geheimagentenausbildung liefert Stoff für viele Anekdoten. Und sie erinnerten sich an die Geschichte zum ersten James-Bond-Film „James Bond 007 jagt Dr. No“/„Dr. No“, in der Regisseur Terence Young Sean Connery die richtige Kleidung und die richtigen Manieren für einen Geheimdienst ihrer Majestät beibrachte.
Ausgehend von diesem Gespräch entwickelten Autor Mark Millar („Kick-Ass“), Regisseur Matthew Vaughn (die Verfilmung von „Kick-Ass“) und Zeichner Dave Gibbons („Watchmen“) die Geschichte für den Comic „Secret Service“. Schon damals hatten sie eine Verfilmung im Hinterkopf, die jetzt von Matthew Vaughn auch realisiert wurde und die, trotz einiger Änderungen, dem Geist des Comics treu bleibt.
Im Film, und das ist die schönste und stilvollste Idee, wurde der Geheimdienst ihrer Majestät (der im Comic der Arbeitgeber unseres Helden wird) zum noblen Herrenschneider in der Savile Row. Diese Herrenschneider gründeten schon vor Jahrhunderten einen an König Arthurs Tafelrunde angelehnten Geheimbund und Geheimdienst, der von keiner Regierung Befehle entgegennimmt. Sie sind nur dem allgemeinen Wohl der Menschheit verpflichtet. Sie arbeiten im Verborgenen. Niemand weiß von ihnen. Und dank ihres Berufs haben sie Zugang zu allen Hinterzimmern der Mächtigen.
Als bei einem Einsatz einer der Kingsmen stirbt, wird ein Nachfolger gesucht. Jedes Mitglied der illustren Runde darf einen Kandidaten vorschlagen, der dann einem harten Auswahlprozess unterzogen wird. Harry Hart (Colin Firth), Codename Galahad, schlägt Gary ‚Eggsy‘ Price (Taran Egerton) vor.
Vor siebzehn Jahren starb Eggsys Vater bei einem Einsatz. Er rettete so Hart und sein Team. Seitdem steht er moralisch in der Schuld der Price-Familie. Und er glaubt, dass der Kleinverbrecher ohne Schulabschluss das Potential für einen echten Kingsman hat.
Währenddessen muss Hart auch gegen Richmond Valentine kämpfen. Valentine ist im Comic ein noch jugendlicher Milliardär, der mit Handys reich wurde. Er ist die größenwahnsinnige Ausgabe von Mark Zuckerberg. Im Film wird der Bösewicht von Samuel L. Jackson (mit einer gruseligen, immer irritierenden Synchronstimme) gespielt. Er ist ein ebenfalls durch technische Innovationen reich gewordener Milliardär mit eher nerviger HipHop-Attitüde. Denn auch wenn nicht mehr jeder HipHopper ein Zwanzigjähriger ist, ist Jackson zu alt für so ein pubertäres Gehabe.
Das verstrahlt-geniale Vorhaben von Valentine änderte sich nicht: er will etwas gegen die Überbevölkerung tun. Er will den Planeten retten, indem er fast die gesamte Menschheit durch ein Signal, das sich über seine Mobiltelefone verbreitet, vernichtet. Nur einige Auserwählte dürfe in seinem in den Bergen gelegenem Hauptquartier überleben.
Und nur unser James-Bond-Nachfolger Eggsy kann das verhindern.
„Kingsman: The Secret Service“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde eine James-Bond-Pastiche mit einem ordentlichen „Kick-Ass“-Vibe. Deshalb ist Matthew Vaughns Film auch deutlich brutaler als einer der klassischen Bond-Filme. Aber er ist auch enorm stilvoll. Immerhin müssen die Herrenausstatter für die gesellschaftliche Oberschicht selbst auch gut gekleidet sein und die richtigen Accessoires haben, teils mit verstecktem Q-Zubehör. Und natürlich ist ein Colin Firth (The King’s Speech, A single man) als James Bond ein Besetzungscoup. Da ist Michael Caine als Chef der Kingsmen (vulgo M) nur folgerichtig. Immerhin spielte Caine in den Sechzigern in drei Len-Deighton-Verfilmungen den Geheimagenten Harry Palmer, der einmal auch gegen „Das Milliarden Dollar Gehirn“ kämpfen musste.
Wenn Kenneth Branaghs „Cinderella“ der Film für achtjährige Mädchen, die gerne Prinzessin wären, ist, dann ist „Kingsman: The Secret Service“ der Film für pubertierende Jungs, die niemals einen Anzug anziehen würden, weil Anzüge uncool sind, und die sich niemals rasieren, weil Bartwuchs in dem Alter kein Problem ist. Ratet mal, zu welcher Gruppe ich gehöre?
Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service, 2012/2013 (Secret Service)
mit Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton, Michael Caine, Sofia Boutella
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Die Vorlage (meine Besprechung)
Die Geschichte von Aschenputtel (manchmal auch Aschenbrödel oder bei den Amis Cinderella) ist ja bekannt. Aber heute, wo gefühlt jedes Märchen mit einem anderen Schwerpunkt neu erzählt wird, fällt Kenneth Branaghs Version von Aschenputtel schon auf. Denn er erzählt das Märchen einfach noch einmal so, wie wir es aus unseren Kindertagen kennen. Nur die Tricktechnik ist besser als in den älteren Filmen.
Das ist, angesichts der zahlreichen mehr oder weniger missglückten Neuinterpretationen, schon etwas. Modernisierungen, wie „Maleficent – Die dunkle Fee“ (inspiriert von Dornröschen) oder „Snow White and the Huntsman“ (inspiriert von Schneewittchen), ließen einen oft kopfschüttelnd zurück. Da wurde die Geschichte aus der Sicht eines Nebencharakters erzählt und plötzlich war die böse Fee gar nicht mehr so böse, sondern nur noch eine strenge Mutter und die ganze Geschichte hatte nicht mehr die Prägnanz des Originals. Da wurde aus der Heldin eine veritable Actionheldin, die mit dem alten Märchen wenig, mit aktuellen Fantasy-Filmen viel zu tun hat und die natürlich alles das weg lässt, was wir am Original mochten.
Aber gleichzeitig fragte ich mich, warum Kenneth Branagh, der immerhin mit zwei Shakespeare-Neuinterpretationen, die allgemein abgefeiert wurden und damals William Shakespeare für viele Zuschauer erstmals erschloss, dieses Mal so konservativ vorgeht und er sich – ohne jede Not – zum willigen Erfüllungsgehilfen von Walt Disney degradieren lässt. Dieser konservative Ansatz macht dann auch „Cinderella“ zu einem Film für achtjährige Mädchen. Alles ist offensichtlich. Es gibt keinen Subtext, keine aktuellen Bezüge oder einen individuellen Zugriff auf die Geschichte. Es gibt nur die Geschichte von einem verschüchterten, passiven Mädchen, das sich in den Traumprinz verliebt und ihn am Ende, nachdem er sie im ganzen Land suchte, auch bekommt.
Diese sattsam bekannte Geschichte wird in prachtvollen Bildern, die im Luxus schwelgen und mit einigen bekannten Schauspielern (Cate Blanchett, Helena Bonham Carter, Stellan Skarsgard, Derek Jacobi) garniert, mit Liebe zum malerischen Detail, überraschungsfrei und, immerhin, erstaunlich kitschfrei erzählt. Denn allzuleicht hätte der Märchenfilm in eine jungmädchenhafte Schwärmerei ausarten können.
Arte, 20.15 Peaky Blinders – Gangs of Birmingham: Geschenk des Todes/Waffenpoker(Großbritannien 2013, Regie: Otto Bathurst)
Drehbuch: Steven Knight
Birmingham, 1919: Tommy Shelby und seine Straßengang, die Peaky Blinders, sind die ungekrönten Herrscher in ihrem Viertel. Als seine Männer durch Zufall eine Waffenlieferung des Militärs erbeuten, glauben sie, das große Los gezogen zu haben. Aber der skrupellose Chief Inspektor Chester Campbell von der Royal Irish Constabulary wird aus London in die Industriestadt geschickt. Er soll die Waffen finden. Egal wie. Und dabei gleichzeitig unter den Verbrecherbanden, Gewerkschaften, den Linken, der IRA und allen Feinden der Krone aufräumen.
Ab heute zeigt Arte in Doppelfolgen die erste Staffel von „Peaky Blinders“, einer aufwenig produzierten Gangstersaga, die zwar vor gut hundert Jahren spielt, aber in der Wahl ihrer filmischen Mittel und der Musik ist die Serie absolut zeitgenössisch. Der Titelsong „Red Right Hand“ ist von Nick Cave and The Bad Seeds und es gibt noch mehr Alternative Rockmusik. Auch die starke Rolle der Frauen, die während des Krieges die Verbrecherbanden führten, wäre so in älteren Filmen nicht vorgekommen.
Die Story selbst zitiert immer wieder lustvoll Gangsterfilmklassiker und Steven Knight („Eastern Promises“) entwirft ein reichhaltiges Bild der damaligen Zeit und der politischen Wirren, die in den kommenden Jahrzehnten die Geschichte Englands bestimmten. Ich sage nur: IRA.
Und so ist „Peaky Blinders“ gleichzeitig mitreisendes Gangsterepos und Sozialstudie.
Die dritte Staffel ist bereits bestellt.
mit Cillian Murphy, Sam Neill, Helen McCrory, Paul Anderson, Joe Cole, Sophie Rundle, Eric Campbell, Ned Dennehy, Annabelle Wallis, Tony Pitts
–
Die DVD ist bei Koch Media erschienen
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 322 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise BBC Two über „Peaky Blinders“ Moviepilot über „Peaky Blinders“ Arte über „Peaky Blinders“
Wikipedia über „Peaky Blinders“ (deutsch, englisch)
Mit seinem neuesten Film „The November Man“ kehrt Pierce Brosnan zurück in die Welt der Geheimagenten und, auch wenn die Story ziemlich verwickelt ist, steht der Film eher in der James-Bond- als in der „Der Schneider von Panama“-Tradition.
Brosnan spielt Peter Devereaux, einen Ex-CIA-Agenten, der jetzt in Lausanne als Gastwirt eine ruhige Kugel schiebt. Da bittet ihn sein alter Vorgesetzter Hanley um Hilfe. Natalia Ulanova hat Beweise, die dem zukünftigen russischen Präsidenten Arkady Federov die Macht kosten könnten und die sie an den Westen weitergeben möchte. Wenn sie – Schöne Grüse von „Liebesgrüße aus Moskau“ – von Devereaux aus Moskau herausgeholt wird. Devereaux lehnt ab. Er ist dann aber doch im richtigen Moment in Moskau und kann sie vor ihren russischen Verfolgern retten. Auf ihrer Flucht wird sie allerdings von dem US-amerikanischen Rettungsteam, das ebenfalls vor Ort ist, erschossen.
Weil Natalia eine alte Freundin von Devereaux ist, will er sie rächen und die Hintergründe für den ganzen Schlamassel herausfinden. Seine beste Spur ist Alice Fournier (Olga Kurylenko), eine Sozialarbeiterin, die minderjährigen Prostituierten hilft.
In Belgrad beginnt ein leichengesättigtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Devereaux und der CIA und seinem ehemaligen Schüler David Mason (Luke Bracey) und einem russischen Ein-Frau-Killerkommando, bei dem nicht auffällt, dass Roger Donaldsons Film auf einem dreißig Jahre altem Agenten-Thriller basiert.
Bill Granger schrieb zwischen 1979 und 1993 dreizehn Romane mit Devereaux, einem Agenten für die R Sektion, die von Präsident Kennedy gegründet wurde, um die Überwacher zu überwachen. Für den Film wurde – was ja nicht immer der Fall ist – die Geschichte von „There are no spies“ umfassend modernisiert und in die Gegenwart verlegt. Die Konflikte, die politischen Hintergründe und die Technik ebenso. Denn als Granger den siebten „November Man“-Roman schrieb waren Handys und die modernen Überwachungstechniken noch Science-Fiction. Dafür gab es den Ostblock noch.
Roger Donaldson, der bereits mit „No Way Out“, „Der Einsatz“ und „Bank Job“ (wobei hier der Gangsterfilm im Vordergrund steht) gelungene, im Agentenmilieu spielende Thriller inszenierte und Pierce Brosnan vor „Dante’s Peak“ vulkanös in Szene setzte, hat mit seinem neuesten Film wieder gutes Erzählkino abgeliefert. Es ist grundsolide Genreware, für die sich niemand zu schämen braucht und die vor allem auf die Cleverness des Helden setzt.
An „The November Man“ sieht man aber die verheerenden Folgen von „24“ für solche sich mit mittleren Budgetrahmen bewegende Spionagethriller. Denn „24“ und einige andere hochkarätige TV-Serien sehen so gut aus, dass sie sich vor Kinofilmen nicht mehr verstecken müssen. Im Gegenzug sehen die Kinofilme dann zu sehr nach TV aus und irgendwie erwartet man noch ein, zwei Wendungen, gleichzeitig mehr und weniger Handlung und der Protagonist soll noch etwas zwiespältiger sein. Dabei ist Devereaux, wie man es aus den Siebziger-Jahre-Thrillern kennt, ein eiskalter, illusionsloser Killer, der gnadenlos und ohne Gewissensbisse Gewalt einsetzt. Sein schlechtes Gewissen, falls er überhaupt eines hat, bekämpft er mit Alkohol. Jedenfalls trinkt er Schnäpse wie andere Menschen Säfte. Und er würde niemals zu einem Therapeuten gehen oder sich von seinem Land für deren Politik einspannen lassen. Das unterscheidet ihn von einem Jack Bauer oder einem Jason Bourne.
Auch wenn die Kritiken gemischt waren – vor allem wurde bemängelt, dass der Film nicht mehr als ein solider Genrefilm sein will -, haben die Produzenten bereits einen zweiten Film mit Devereaux ankündigt.
Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für den Genrejunkie, der natürlich darauf hofft, dass das Potential des Charakters stärker ausgeschöpft wird.
The November Man (The November Man, USA 2014)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Michael Finch, Karl Gaydusek
LV: Bill Granger: There are no spies, 1986 (Wiederveröffentlichung mit dem Filmtitel „The November Man“; was dummerweise auch der Titel des ersten Devereaux-Romans ist, der dafür jetzt einen anderen Titel hat)
mit Pierce Brosnan, Olga Kurylenko, Luke Bracey, Bill Smitrovich, Will Patton, Lazar Ristovski, Amila Terzimehic, Mediha Musliovic
– DVD
Universum Film
Bild: 1,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Horgeschädigte
Bonusmaterial (27 Minuten): Featurettes „Pierce Brosnan ist zurück!“, „Schauplatz Belgrad“, Making Of, Trailer, Wendecover
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Moviepilot über „The November Man“ Metacritic über „The November Man“ Rotten Tomatoes über „The November Man“
Wikipedia über „The November Man“ (deutsch, englisch) und Bill Granger SpyGuysAndGals über Devereaux
Arte, 20.15 Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)
Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Drehbuch: Gérald Hustache-Mathieu, Juliette Sales (Mitarbeit)
Jura: Der Krimi-Autor David Rousseau will herausfinden wer die Dorfschönheit und Wetterfee Candice Lecoeur ermordete.
Und weil Candice eine große Bewunderin von Marilyn Monroe war, gibt es in dieser gelungenen Krimikomödie auch zahlreiche Anspielungen auf MMs Leben. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot, Arsinée Khanjian, Eric Ruf Wiederholung: Donnerstag, 12. März, 13.50 Uhr
Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag, Chuck Norris!
Deshalb
Tele 5, 20.15 Black Tiger (USA 1979, Regie: Ted Post)
Drehbuch: Bruce Cohn, Mark Medoff (nach einer Geschichte von Joseph Fraley)
1973, während der Friedensverhandlungen zur Beendigung des Vietnamkrieges, geht eine Befreiung von amerikanischen Kriegsgefangenen aus einem nordvietnamesischem Lager schief. Einige Jahre später erfährt John T. Booker (Chuck Norris), dass seine Einheit verraten wurde und jetzt auch seine damals überlebenden Kameraden sterben sollen. Das – ähem – gefällt ihm überhaupt nicht.
„Black Tiger“ (Good Guys wear black) war einer der ersten „Missing in Action“-Filme, die einige Jahre später äußerst populär waren. Davon abgesehen ist Ted Posts Film ein nicht sonderlich bemerkenswerter billiger Action-Film, der immerhin mit Siebziger-Jahre-Flair punkten kann.
Eigentlich hat sich Chuck Norris 2001, nach dem Ende der TV-Serie „Walker, Texas Ranger“, die es immerhin auf gut zweihundert Folgen und neun Staffeln brachte, zur Ruhe gesetzt. In „The Expendables II“ hatte er dann seinen bislang letzten Auftritt, der vor allem ein Fan-Service war (und er für seine actionarme Rolle einen eigenen Stuntman hatte). Seine popkulturell wichtigste Zeit waren die achtziger Jahre, als er zuverlässig einen Action-Kracher nach dem nächsten ablieferte, oft mit einer politisch bedenklichen Botschaft: „Missing in Action“ (mehrere Filme), „Invasion U. S. A.“, „Delta Force“, „McQuade, der Wolf“ und „Cusack, der Schweigsame“ sind seine bekanntesten Werke.
Im Anschluss, um 22.05 Uhr, läuft – anscheinend zum ersten Mal im TV und vielleicht sogar ungekürzt – mit „Octagon – Die Rache der Ninja“ (The Octagon, USA 1980) ein weiterer Chuck-Norris-Film.
mit Chuck Norris, Anne Archer, James Franciscus, Lloyd Haynes, Dana Andrews, Jim Backus Wiederholung: Freitag, 13. März, 00.20 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Black Tiger“
Wikipedia über „Black Tiger“ und Chuck Norris Chuck Norris in der Kriminalakte
Während in den USA David Cronenbergs neuer Film gerade in den Kinos anläuft, erscheint er bei uns schon auf DVD – und ich nehme die Gelegenheit wahr, mir den Film wieder ansehen und meine erste Meinung zu überprüfen. Zum Kinostart schrieb ich:
Natürlich muss in einem Film nicht alles logisch sein. Manchmal muss man halt die Logik links liegen lassen und wenn der Rest stimmt, habe ich als alter Alfred-Hitchcock-Fan kein Problem damit. Auch eine Abfolge absurder Zufälle kann ich akzeptieren. Wenn der Rest stimmt. In David Cronenbergs neuem Film „Maps to the Stars“ gibt es eine überschaubare Zahl absurder Zufälle, aber viel zu viele vollkommen unlogische Momente; sowohl in der Realität als auch in der Fantasie und wie beide Welten miteinander zusammenhängen. Denn „Maps to the Stars“ spielt in Hollywood. Die Traumfabrik ist natürlich Thema des Films und fast alle Charaktere haben Probleme mit der Realität. Sie haben immer wieder Visionen und Geister hängen überall herum in der Stadt der Engel. Insofern zeigt Cronenberg wieder einmal eine dystopische Welt, in der Schauspieler von ihren Alpträumen verfolgt werden und sie ein gestörtes Verhältnis zu sich und ihrem Körper haben. So will Havanna Segrand (Julianne Moore), deren Karriere vor sich hin dümpelt, in einem Biopic unbedingt ihre Mutter, zu der sie keine gute Beziehung hatte, spielen. In ihren Tagträumen wird sie von ihrem Geist verfolgt. Auch der dreizehnjährige Jungstar Benji Weiss (Evan Bird) sieht Geister. Denn der drogensüchtige, frisch aus der Therapie entlassene Kotzbrocken glaubt, dass alle jüngeren Schauspieler ihm die Show stehlen wollen. Seine Eltern kümmern sich, abgesehen von seiner Karriere, nicht um ihn. Sie pflegen die Fassade des heilen Familienlebens. Benjis Mutter Cristina (Olivia Williams) managt seine Karriere und damit ihr Einkommen. Sein Vater Stafford (John Cusack) ist ein gut verdienender Selbsthilfeguru mit einer TV-Show, der seine Hollywood-Patienten mit einer Gaga-Therapie therapiert, die – immerhin sind wir in einem Cronenberg-Film – an eine Vergewaltigung, bei der das Opfer Geld dafür bezahlt, erinnert. Ihre Tochter verleugnen sie so gut, dass anscheinend niemand etwas über sie weiß. Sie wurde einfach vor einigen Jahren aus der Familie ausradiert. Agatha (Mia Wasikowska), die diese Tochter ist, was wir allerdings erst relativ spät im Film erfahren (bis dahin ist sie nur eine junge, schüchterne Frau mit Verbrennungen), kehrt am Filmanfang aus einer geschlossenen Anstalt (auch das erfahren wir erst sehr spät und noch später erfahren wir, warum sie dort war) vom anderen Ende des Landes in einem Greyhound-Bus nach Hollywood zurück, lässt sich von einem Chaffeur (Robert Pattinson), der natürlich in Hollywood Karriere machen möchte, in einer Nobellimousine wie ein Landei, das zum ersten Mal in Hollywood ist, durch die Stadt kutschieren, steigt dann in einem billigem Motel ab und erhält zufällig eine Arbeit bei Havanna Segrand. Bei ihren Eltern meldet sie sich nicht. Die erfahren auch nur zufällig, dass ihre Tochter wieder zurück ist. Gerade am Anfang sieht „Maps to the Stars“ wie eine weitere Satire auf Hollywood auf, die gelungen und mit offensichtlichen Anspielungen an Meisterwerke wie Billy Wilders „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, Robert Altmans „The Player“ oder David Lynchs „Mulholland Drive“ anknüpft. Schon früh bewegt Cronenberg sich allerdings von der Hollywood-Satire weg zu einem Geisterfilm. Plötzlich hängen überall Geister herum und sie erscheinen auch jedem; oft ohne dass ein direkter und konkreter Bezug zu den Taten, Wünschen und Ängsten der Person, die sie sieht, erkennbar ist. Eben diese Beliebigkeit, die eine gute Szene mehr schätzt als eine sinnvolle Gesamtkonstruktion der Geschichte, lässt das Interesse schnell erlahmen. Denn ein irgendwie nachvollziehbarer Ursache-Wirkungszusammenhang ist nicht mehr zu erkennen. Aber das ist noch nicht die letzte Drehung in dieser Geschichte, die zunächst wie ein Ensemblefilm angelegt ist. Die verschiedenen Plots laufen, ziemlich gewollt, zu einem Porträt einer dysfunktionalen und vollkommen verkorksten Familie zusammen, das allerdings wenig interessiert, weil in dem Moment nur noch ein Anything-goes-Gefühl herrscht. Entsprechend wenig schockierend fallen dann die letzten Enthüllungen der Geheimnisse der Familie Weiss aus. Sie bestätigen nur den Eindruck, dass Regisseur David Cronenberg und Autor Bruce Wagner („Wild Palms“) nicht wussten, was sie letztendlich erzählen wollten. Wenn man den Film allerdings als einen surrealen Traum sieht, bei dem nichts wirklich zusammenpasst, bei dem jede Erklärung von dem nächsten Bild sabotiert wird, bei dem man sich nur auf den Augenblick konzentriert, dann entwickelt er sicher ungeahnte Qualitäten.
Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Julianne Moore, die vor wenigen Tagen für ihre Rolle in „Still Alice“ den schon lange verdienten Oscar gewonnen hat. Für „Maps to the Stars“ hätte sie ihn, wenn der Film nicht erst vor einigen Tagen regulär in den US-Kinos angelaufen wäre, auch bekommen können. Für die nächste Oscar-Preisverleihung dürfte Cronenbergs Film dann schon etwas zu alt sein.
Und jetzt zu David Cronenbergs „Sunset Boulevard“ (Boulevard der Dämmerung). Auch beim zweiten Sehen ist erschreckend, wie sehr „Maps to the Stars“ in der zweiten Hälfte in sich zusammenfällt. Denn anstatt bei der Hollywood-Satire zu bleiben, wird „Maps to the Stars“ über weite Strecken zu einem Familiendrama, das nicht sonderlich interessiert. Dafür sind die Charaktere zu eindimensional und zu sehr auf Satire getrimmt. Die Enthüllungen aus der Familie Weiss, die uns schockieren sollen, sind in diesen Momenten zu beliebig. Anstatt zu schockieren, lösen sie höchstens das Da-will-aber-jemand-unbedingt-ein-Tabu-brechen-Achselzucken aus. Denn im Gegensatz zu „Chinatown“, wo am Ende Privatdetektiv J. J. Gittes (Jack Nicholson) mit der Fassung ringt, gibt es in „Maps to the Stars“ nur gähnende Langeweile. In diesen Momenten wird die Filmgeschichte nicht mehr von den Charakteren, sondern nur noch vom Willen des Drehbuchautors nach einer einer weiteren Plotwendung vorangetrieben. Also gibt es eine Enttarnung (Inzest!), ein, zwei Morde, Tote und einen erschossenen Hund, dessen Tod von seinem Besitzer wirklich betrauert wird. Im Gegensatz zu all den anderen Toten.
Das ist schade. Denn gerade in der ersten Hälfte gelingen Cronenberg herrlich verdichtete Szenen aus einer sonnigen Vorhölle, in denen alles stimmt.
Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Interviews mit den Beteiligten, die vor dem Filmstart für das EPK (Eletronic Press Kit) gemacht wurden. Deshalb konzentriert es sich weniger auf das Informative, sondern mehr auf das Werbliche. Aber gerade die insgesamt gut 33 Minuten Interviewschnipsel geben auch einige Einblick in die Filmgeschichte, ohne etwas Grundlegendes zu verraten. Immerhin sollen die Interviewclips ja in Berichten über den Film verwandt werden und da wäre es blöd, wenn das Ende verraten würde.
Die beiden Featurettes sind in knapp vier Minuten angesehen und die dreizehn Minuten B-Roll sind halt B-Roll.
Maps to the Stars (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
mit Julianne Moore, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Carrie Fisher
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– DVD
MFA
Bild: 1.85:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DTS HD 5.1),
Unertitel: Deutsch, SDH (Untertitel für Hörgeschädigte)
Bonusmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack; Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz; B-Roll; Zwei Featurettes; Zwei TV-Spots; Trailer
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Die „Maps to the Stars“-Pressekonferenz vom Toronto International Film Festival (TIFF)
– Bonushinweis
Immer noch nicht gelesen, aber David Cronenbergs erster Roman „Verzehrt“ erhielt schon einige lobende Worte und ganz schlecht kann er nicht sein. Er erzählt von einer Journalistin und einem Fotograf, die viel miteinander skypen. Sie recherchiert in Paris einen Mordfall: der berühmte Philosoph Aristide soll seine Frau ermordet haben. Er fotografiert in Budapest eine riskante Operation und verliebt sich in die Patientin.
Er drehte auch, obwohl sie nichts Ungewöhnliches zeigen, einige sehr verstörende Trailer zum Buch:
Und zum Abschluss einige Worte vom Meister. Alle gesprochen im Umfeld der Veröffentlichung von „Verzehrt“:
Er liest aus seinem Roman vor und spricht über ihn (St. Francis College, 2. Oktober 2014)
Ein Gespräch zum Roman „Verzehrt“; nicht nur über den Roman (aufgenommen Ende September in Toronto bei einer öffentlichen Prösentation; Bild und Ton sind – naja):
Und Wired hat sich ebenfalls mit David Cronenberg über seinen Roman unterhalten: