TV-Tipp für den 16. Oktober: Deepwater Horizon

Oktober 15, 2020

Pro7, 20.15

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

Grandioses Drama über die von BP grob fahrlässig verursachte und extrem kostspielige Katastrophe auf der Olbohrplattform „Deepwater Horizon“, die am 20. April 2010 im Golf von Mexiko in Flammen aufging. Elf Arbeiter verloren ihr Leben. Die danach folgende Umweltkatastrophe wird im Abspann erwähnt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Wiederholung: Samstag, 17. Oktober, 22.25 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Peter Bergs „Mile 22“ (Mile 22, USA 2018)


„Quantenträume“ aus China

Oktober 15, 2020

Cixin Liu ist Schuld. Seine mit „Die drei Sonnen“ fulminant beginnende Trisolaris-Trilogie war ein weltweiter Erfolg dank einer Übersetzung ins Englische 2014, einem gewonnenem Hugo Award als bester Roman, Nominierungen für den Nebula Award, den Locus Award, den Prometheus Award und den John W. Campbell Memorial Award, und Lob von Präsident Barack Obama, Mark Zuckerberg und George R. R. Martin. Diese Übersetzung ins Englische führte zu weiteren Übersetzungen (die deutsche Ausgabe erschien 2017). Science-Fiction-Fans verschlangen Cixin Lius dicke Bücher. Aber auch Leser außerhalb der Science-Fiction-Szene griffen zu und waren begeistert. Das Interesse an Zukunftsgeschichten aus China stieg. Nur: welche Autoren sollen gelesen werden?

Um sich einen schnellen Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene zu verschaffen und um neue Autoren zu etablieren, ist daher ein Sammelband eine gute Gelegenheit. Vor allem wenn der Sammelband genau mit dem Ziel zusammengestellt wurde, um chinesische Science-Fiction-Autoren einem nicht-chinesischem Publikum vorzustellen.

Mit „Quantenträume – Erzählungen aus China über Künstliche Intelligenz“ legt der Heyne-Verlag jetzt innerhalb eines halben Jahres einen zweiten Band mit chinesischen Science-Fiction-Geschichten vor. Der erste Sammelband „Zerbrochene Sterne“, zusammengestellt von Ken Liu, gab (und gibt) einen guten Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene hinsichtlich wichtiger Autoren, Stile und Themen. Es wird auch deutlich, wie sehr sich chinesische Science-Fiction-Geschichten von den uns vertrauteren angloamerikanischen Science-Fiction-Geschichten unterscheiden. Die Geschichten reflektieren auch immer die Gesellschaft in der sie spielen und wie in ihnen das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft gesehen wird. In den in „Zerbrochene Sterne“ gesammelten Geschichten ist das Individuum öfter Teil eines Kollektivs. Außerdem spielen sie oft in der Vergangenheit oder in Fantasy-Welten.

Quantenträume“ konzentriert sich dagegen auf das Thema der künstlichen Intelligenz und der damit verbundenen Frage, was eine künstliche Intelligenz von einem Menschen unterscheidet. Also ob eine Künstliche Intelligenz einen eigenen Willen haben kann und ob ihr die Rechte zugeschrieben werden können und sollen, die ein Mensch hat. Oder ob eine Künstliche Intelligenz letztendlich nur eine Sache ist, die wie ein Staubsauger benutzt werden kann. Die von Xia Jia, Liu Yang, Fei Dao, Sun Wanglu, Luo Longxiang, Shuang Chimu, Qiufan Chen, Gu Shi, Liu Weijia, Wang Jinkang, Hao Jingfang, Baoshu, A Que, Ling Chen und Han Song geschriebenen Geschichten sind dabei deutlich weniger von einem bestimmten Gesellschaftsbild geprägt als die in „Zerbrochene Sterne“ publizierten Geschichten. Künstliche Intelligenz, Computer und die Ideen für eine Interaktion zwischen Mensch und Computer unterscheiden sich in ihrer Anwendung und theoretischen Diskussion darüber zwischen dem Westen und China kaum. Im Westen werden diese Fragen in Geschichten (und uns hier nicht interessierenden Sachbüchern, Aufsätzen, Essays und Berichten) schon lange diskutiert, während Myriaden mehr oder weniger intelligenter und bedrohlicher Roboter den Menschen helfen oder ihnen das Leben zur Hölle machen. Manchmal machen sie ihnen das Leben zur Hölle, indem sie ihnen helfen wollen.

Auch wenn die Autoren in ihren zwischen 2000 und 2020 in der Zeitschrift „Renmin Wenxue – Volksliteratur“ erschienenen Geschichten immer wieder eigene Akzente setzen, drängt sich immer wieder der Eindruck auf, dass man diese Geschichten so ähnlich schon einmal gelesen hat und die Pointe deshalb kennt.

Im Gegensatz zu „Zerbrochen Sterne“, der die Tür weit aufstieß zu einer bislang unbekannten Science-Fiction-Kultur, ist „Quantenträume“ insgesamt etwas enttäuschend. Die fünfzehn Geschichten sind okay, aber keine begeistert wirklich. Letztendlich wirken sie oft wie die Versuche eines durchaus begabten Schülers, der seinen Meister nachahmt.

Jing Bartz, Shi Zhanjun, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ‚Renmin Wenxue – Volksliteratur‘ (Hrsg.): Quantenträume – Erzählungen aus China über künstliche Intelligenz

(mit einem Vorwort von Cixin Liu)

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling, Marc Hermann, Michael Kahn-Ackermann und Eva Lüdi Kong)

Heyne, 2020

512 Seiten

15,99 Euro

 


TV-Tipp für den 15. Oktober: Oblivion

Oktober 14, 2020

Vox, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Samstag, 17. Oktober, 22.10 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)


„Das Jahr des Schurken“ mit Auftritten der bekannt-beliebt-gefürchteten DC-Bösewichtern

Oktober 14, 2020

Der Joker, Black Mask, Sinestro, der Riddler, Harley Quinn, Lex Luthor und Ocean Master sind die Namen einiger Bösewichter, die DC-Fans aus unzähligen Comics und inzwischen sehr vielen Filmen kennen. Besiegt werden diese Bösewichter immer wieder von den DC-Helden Batman, Superman, Green Lantern und Aquaman, die ihre sinistren Pläne immer wieder in letzter Minute verhindern.

Um frisches Leben in diese Routine der Verbrechensbekämpfung zu bringen, hat Bösewicht Lex Luthor jetzt „Das Jahr des Schurken“ ausgerufen. Damit das Jahr ein voller Erfolg für das Verbrechen wird, bietet er den Superbösewichtern alles an, um ihre Träume zu verwirklichen und ihren Heldenerzfeind endgültig zu vernichten.

Das ist die Prämisse, die den jetzt in zwei Sammelbänden vorliegenden Geschichten zugrunde liegt. Die kurzen Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden.

Im ersten Sammelband sind „Der Joker. Das Jahr des Schurken“ (geschrieben von John Carpenter [der bekannte Horrorfilmregisseur] und Anthony Burch, gezeichnet von Philip Tan), „Black Mask: Das zweite Gesicht“ (geschrieben von Tom Taylor, gezeichnet von Cully Hamner), „Sinestro: Mikronen-Management“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Yildiray Cinar) und „Der Riddler: Danke für Nichts“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Scott Godlweski) enthalten.

Im zweiten Sammelband sind „Lex Luthor: Nur Luthor“ (geschrieben von Jason Latour, gezeichnet von Bryan Hitch), „Ocean Master: König“ (geschrieben von Dan Watters, gezeichnet von Miguel Mendonca) und „Harley Quinn: Harley Quinns Schurke des Jahres“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Mike Norton) enthalten.

Auf den ersten Blick ist es eine schöne Idee, den bekannten Schurken eine eigenständige Geschichte zu geben. Sie zum Protagonisten einer Geschichte zu machen und ihre Wünsche Realität werden lassen. Auf den zweiten Blick bemerkt man schnell ein Problem, das in den Geschichten nicht oder nur unbefriedigend gelöst wird. Denn jetzt müssen die Bösewichter irgendwie zu einem Werkzeug für das Gute werden oder sich einem bislang unbekanntem persönlichen Problem, das einem bis dahin herzlich egal war, stellen. Die Bösewichter dürfen letztendlich das Angebot von Lex Luthor, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gegner zu töten, nicht annehmen.

Dabei gefällt einem bei den Comicbösewichtern gerade, dass sie so unverhohlen, ungebremst, radikal Böse sind. Und ihre grandiosen Pläne in schönster Regelmäßigkeit scheitern, weil die Superhelden doch schlauer sind. .

Das Jahr des Schurken – Band 1

Panini Comics, 2020

140 Seiten

16,99 Euro

enthält

The Joker: Year of tje Villain 1 (Dezember 2019)

Black Mask: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)

Sinestro: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)

The Riddler: Year of the Villain (Dezember 2019)

Das Jahr des Schurken – Band 2

Panini Comics, 2020

108 Seiten

13 Euro

enthält

Lex Luthor: Year of the Villain 1 (November 2019)

Ocean Master: Year of the Villain 1 (Februar 2020)

Harley Quinn’s Villain of the Year 1 (Februar 2020)


TV-Tipp für den 14. Oktober: Enemy

Oktober 13, 2020

Arte, 20.15

Enemy (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Javier Gullón

LV: José Saramago: O Homen Duplicado, 2002 (Der Doppelgänger)

Uniprofessor Adam Bell entdeckt in einem Spielfilm einen Statisten, der sein Doppelgänger sein könnte. Er beginnt ihn zu suchen, trifft ihn – und es wird immer undeutlicher, was real ist, was nicht und was das alles miteinander zu tun hat.

Herrlicher Mindfuck von Denis Villeneuve, der gerade mit „Dune – Der Wüstenplanet“ beschäftigt ist. Seine hochkarätig besetzte Frank-Herbert-Verfilmung soll, nach aktueller Planung, irgendwann Ende 2021 (und damit ungefähr ein Jahr später als ursprünglich geplant) in unsere Kinos kommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Mélanie Laurent, Sara Gadon, Isabella Rossellini, Josh Peace

Hinweise
Moviepilot über „Enemy“
Metacritic über „Enemy“
Rotten Tomatoes über „Enemy“
Wikipedia über „Enemy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)


Cover der Woche

Oktober 13, 2020


TV-Tipp für den 13. Oktober: Das schweigende Klassenzimmer

Oktober 12, 2020

ZDF, 20.15

Das schweigende Klassenzimmer (Deutschland 2018)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Lars Kraume

LV: Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer, 2006

Eisenhüttenstadt, DDR, 1956: eine Abiturklasse steht spontan für eine Schweigeminute für die Opfer des ungarischen Volksaufstands auf. Der Regierung gefällt das überhaupt nicht. Sie will unbedingt den oder die Rädelsführer dieser subversiven, staatsgefährdenden Tat finden.

TV-Premiere der äußerst gelungenen politischen Version von „Der Club der toten Dichter“. Kraumes Drama ist ein überzeugendes, auf einer wahren Geschichte basierendes Plädoyer für Zivilcourage.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel, Florian Lukas, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek

Die lesenswerte Vorlage (hier die Ausgabe zum Filmstart)

Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer

Ullstein, 2018

256 Seiten (plus 16-seitiger Bildteil)

12 Euro

Hinweise

Filmportal über „Das schweigende Klassenzimmer“

Moviepilot über „Das schweigende Klassenzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das schweigende Klassenzimmer“

Wikipedia über „Das schweigende Klassenzimmer“

Berlinale über „Das schweigende Klassenzimmer“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Das schweigende Klassenzimmer“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 12. Oktober: Eine reine Formalität

Oktober 11, 2020

Arte, 21.50

Eine reine Formalität (Una pura formalità, Italien/Frankreich 1993)

Regie: Giuseppe Tornatore

Drehbuch: Giuseppe Tornatore, Pascal Quignard (Dialoge)

Ein Inspector (Roman Polanski) verhört den bekannten Schriftsteller Onoff (Gérard Depardieu). Er glaubt, Onoff habe einen Mord begangen.

In CinemaScope gedrehtes Kammerspiel, das bei uns seine Premiere im Fernsehen hatte.

Brillanter mysteriöser Psychothriller, der durch die kafkaeske Atmosphäre und die vielen ungelösten Fragen einen intensiven Grad der Verstörung erreicht.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Zu Giuseppe Tornatores anderen Filmen, zu denen er auch normalerweise das Drehbuch schrieb, gehören „Cinema Paradiso“ (Nuovo Cinema Paradiso, 1989), „Allen geht’s gut“ (Stanno tutti bene, 1990), „Die Legende vom Ozeanpianisten“ (Novecento – La leggenda del pianista sull’oceano, 1998) und „Der Zauber von Malèna“ (Malèna, 2000).

mit Gérard Depardieu, Roman Polanski, Sergio Rubini, Nicola Di Pinto, Tano Cimarosa, Paolo Lombardi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eine reine Formalität“

Wikipedia über „Eine reine Formalität“ (englisch, italienisch)


TV-Tipp für den 11. Oktober: Das Geheimnis der falschen Braut

Oktober 10, 2020

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange Doku „Belmondo, der Unwiderstehliche“ (Frankreich 2017)

Am Montag, den 19. Oktober, präsentiert Arte einen François-Truffaut-Abend mit „Die Braut trug schwarz“ (Frankreich/Italien 1968; ebenfalls nach einem Roman von Cornell Woolrich) (um 20.15 Uhr) und „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969) (um 22.00 Uhr).

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert

Wiederholung: Freitag, 16. Oktober, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Geheimnis der falschen Braut“

Wikipedia über „Das Geheimnis der falschen Braut“ (deutsch, englisch, französisch) und Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


Verlosung: Wer will die Vorlage für den neuen Film mit Isabelle Huppert haben?

Oktober 10, 2020

Sie kennen den Film (naja, die meisten wahrscheinlich noch nicht. Denn „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ läuft erst seit Donnerstag im Kino)

 

jetzt wollen Sie das Buch kennen lernen?

Dank der netten Pressedamen, die mir ein Angebot machten, das ich nicht ablehnen konnte (Drogen waren nicht im Spiel), kann ich zwei Exemplare von Hannelore Cayres „Die Alte“ verlosen.

Die Verlosung der zwei Romane endet am Freitag, den 16. Oktober, um Mitternacht (also um 23.59 Uhr).

In den Betreff müsst ihr „Verlosung Cayre“ schreiben und in der Mail an info@axelbussmer.de muss eine deutsche Postadresse stehen.

Darum geht es im Roman: Als die Polizeidolmetscherin Patience Portefeux bei einer Überwachung bemerkt, dass sie die Mutter des Drogenkuriers als liebevolle Pflegerin ihrer Mutter kennt, greift sie spontan in die polizeiliche Maßnahme ein. Vor seiner Verhaftung kann der Kurier die Ware verstecken. Kurz darauf bringt Patience die riesige Menge Haschisch in ihren Besitz. Verkleidet als Madame Ben Barka verkauft sie es an die Pariser Drogenhändler, während die Polizei nach der plötzlich aufgetauchten Drogenverkäuferin mit er 1-A-Ware fahndet.

Das Urteil: köstliche schwarzhumorige Noir-Gaunerkomödie. Absolut lesenswert und mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Die Verfilmung

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomé Hannelore-Cayre-Verfilmung „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020)


TV-Tipp für den 10. Oktober: Silence

Oktober 9, 2020

Servus TV, 20.15

Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

1648: Zwei Jesuitenpater reisen in das gottlose Japan. Dort soll ihr Mentor Gott abgeschworen haben.

Alle paar Jahre dreht Martin Scorsese einen seiner religiösen Filme. „Silence“ ist, trotz beeindruckender Bilder, sein schwächster dieser Filme. Das Drama ist ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Wiederholung: Sonntag, 11. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Shusaku Endos „Schweigen“ (Chinmoku, 1966)


Neu im Kino/Filmkritik: „Vergiftete Wahrheit“ – ein Thriller über einen biederen Anwalt, der für DuPont zum Alptraum wurde

Oktober 9, 2020

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 9. Oktober: Don’t Breathe

Oktober 8, 2020

RTL II, 22.30

Don’t Breathe (Don’t Breathe, USA 2016)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Schnell mal einen Einbruch begehen und mit der Kohle abhauen wollen die drei jugendlichen Kleinkriminellen. Dummerweise kehrt der Hausbesitzer zurück. Zum Glück ist er blind. Dummerweise hört er sehr gut und er ist extrem stinkig.

Fieser kleiner Spannungsthriller, der genau das hält, was er verspricht.

Danach drehte Fede Alvarez den Elisabeth-Salander-Thriller „Verschwörung“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik

Wiederholung: Samstag, 10. Oktober, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Don’t Breathe“

Metacritic über „Don’t Breathe“

Rotten Tomatoes über „Don’t Breathe“

Wikipedia über „Don’t Breathe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Isabelle Huppert ist „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Oktober 8, 2020

Auf diesen Film freue ich mich seit einigen Monaten. Als ich für meine Besprechung von Hannelore Cayres Krimi „Die Alte“ Hintergrundmaterial sammelte, erfuhr ich, dass Cayres Noir von Jean-Paul Salomé mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle verfilmt wird.

Über Isabelle Huppert muss wohl nichts mehr gesagt werden.

Jean-Paul Salomé ist deutlich unbekannter. Einige dürften immerhin seine ab und zu im Fernsehen laufenden, vor historischer Kulisse spielenden Abenteuerfilme/Thriller „Arsène Lupin“ und „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ kennen.

In Salomés neuem Film spielt Huppert Patience Portefeux, die titelgebende ‚Frau mit berauschenden Talenten‘. Auch wenn Madame Portefeux auf den ersten Blick wie eine taffe Mittfünfzigerin, die nichts erschüttern kann, wirkt, ist ihr Leben gar nicht so rosig. Die Pariserin lebt allein – ihr Mann starb vor zwanzig Jahren und sie hat erst jetzt seine Schulden abbezahlt -, die beiden erwachsenen Töchter leben ihr Leben und ihre Mutter liegt in einem Pflegeheim, das sie jeden Monat 3200 Euro kostet. Eine Menge Geld.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Übersetzerin. Freiberuflich und ohne Altersvorsorge. Für das Drogendezernat belauscht und übersetzt sie die auf arabisch geführten Gespräche der Drogenhändler und ihrer Familien.

Als ihre Mutter wegen unbezahlter Rechnungen in ein anderes Heim verlegt werden soll und sie aus einem abgehörtem Telefonat erfährt, dass der junge Drogenhändler, der verhaftet werden soll, der Sohn von Khadidja, einer Pflegerin ihrer Mutter, ist, greift sie spontan in die geplante Verhaftung ein. Sie informiert Khadidja. Die informiert ihren Sohn. Der kann vor seiner Verhaftung die Drogen verstecken.

Patience ergreift die sich ihr bietende Chance. Wenn sie die Drogen vor der Polizei und den Cherkaoui-Brüdern, die auf ihre Lieferung warten, findet, kann sie sich finanziell sanieren. Mit Geduld, detektivischem Gespür und dem pensionierten Drogenhund DNA findet sie vor allen anderen die Drogen. Sie versteckt sie im Keller des Mietshaus, in dem sie wohnt und beginnt sie an arabische Drogenhändler zu verkaufen. Immerhin kennt sie von ihrer Arbeit als Übersetzerin die potentiellen Großeinkäufer, ihre Nöte und die aktuellen Preise.

Und weil die Polizei schnell versucht, die neu in der Szene aufgetauchte geheimnisvolle Drogenhändlerin zu verhaften, muss sie weiter die Ermittlungen der Polizisten, mit denen sie seit längerem vertrauensvoll zusammenarbeitet, sabotieren. Ihr aktueller Freund Philippe ist sogar der Leiter der Drogenfahnder und er ist grundehrlich.

Jean-Paul Salomé macht aus Hannelore Cayres schwarzhumoriger Romanvorlage einen ebenso schwarzhumorigen, niemals moralisierenden, angenehm respektlosen Film, der genau deshalb Claude Chabrol in jeder Beziehung gefallen hätte. Auch dass die Frauen gegenüber den doch meist arg tumben Männern ein besseres Bild abgeben, hätte ihm gefallen. Sie wissen, wie Probleme ohne Gewalt gelöst werden können. Beispielsweise mit einem kleinen Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. So versteht Patiences Hausverwalterin sofort Patiences Vorschlag für ein Geschäft. Denn irgendwie muss das Drogengeld gewaschen werden. Davor und danach bringt die kleine Patience den deutlich größeren und ihr körperlich überlegenen arabischstämmigen Macho-Drogenhändlern Manieren und Disziplin bei.

Salomé schrieb das Drehbuch zusammen mit Cayre. Gemeinsam machten sie die Romangeschichte filmischer und verzichteten auf einige Hintergrundinformationen zu Patiences Familiengeschichte.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)


TV-Tipp für den 8. Oktober: Streik

Oktober 7, 2020

WDR, 23.30

Streik (En guerre, Frankreich 2018)

Regie: Stéphane Brizé

Drehbuch: Stéphane Brizé, Olivier Gorce

im strukturschwachen Agen soll eine Fabrik geschlossen werden. Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) führt seine Kollegen in einen harten Kampf um ihre Arbeitsplätze.

TV-Premiere. Starkes Drama. „Das niederdrückend realistische, fast dokumentarische Drama bemüht sich um eine sorgfältige Darstellung des Arbeitskampfes und der beteiligten Prozesse.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Isabelle Rufin, Olivier Lemaire

Hinweise

AlloCiné über „Streik“

Metacritic über „Streik“

Rotten Tomatoes über „Streik“

Wikipedia über „Streik“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Heiße Küste

Oktober 6, 2020

Arte, 23.25

Heiße Küste (Un barrage contre le Pacifique, Frankreich/Belgien/Kambodscha 2008)

Regie: Rithy Panh

Drehbuch: Michel Fessler, Rithy Panh

LV: Marguerite Duras: Un barrage contre le Pacifique, 1950 (Heiße Küste)

Französisch-Indochina, 1931: die von Madame Dufresne als Versorgung für ihre Kinder geplante Reisplantage ist ein Verlustgeschäft. Als letzte Rettung vor dem Ruin will Madame Dufresne ihre sechzehnjährigen Tochter Suzanne mit einem reichen Chinesen verheiraten.

TV- und anscheinend auch Deutschlandpremiere von Rithy Panhs anscheinend nicht besonders gelungener Verfilmung von Marguerite Duras autobiographisch inspiriertem Roman „Heiße Küste“.

mit Isabelle Huppert, Gaspard Ulliel, Astrid Bergès-Frisbey, Randal Douc, Vanthon Duong, Stéphane Rideau, Lucy Harrison

Hinweise

Arte über „Heiße Küste“ (bis zum 13. Oktober in der Mediathek)

AlloCiné über „Heiße Küste“

Rotten Tomatoes über „Heiße Küste“

Wikipedia über „Heiße Küste“ (englisch, französisch)


Cover der Woche

Oktober 6, 2020


TV-Tipp für den 6. Oktober: Nachtschicht: Reise in den Tod

Oktober 5, 2020

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Reise in den Tod (Deutschland 2012)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Während einer Polizeikontrolle verliert ein Schleuser einen Teil seiner aus Afrika kommenden Fracht, eine aus Afrika kommende Hausangestellte beschwert sich bei der Polizei über ihre Arbeitgeber und das bewährte „Nachtschicht“-Team erlebt wieder eine unruhige Nacht, in der alles mit allem zusammen hängt.

Das Lexikon des internationalen Films meint: „Dicht inszenierter und gut gespielter (Fernseh-)Kriminalfilm.“ Besser hätte ich es auch nicht sagen können.

Ach ja: gewohnt gut besetzt.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Götz George, Jeanette Hain, Peter Kremer, Hadnet Tesfai, Dominique Siassia, Clemens Schick, Filip Peeters, Christian Redl, Jan-Gregor Kremp

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Über Sven Heucherts „Alte Erde“

Oktober 5, 2020

Thies Frühreich kehrt mit seiner Freundin Monique und einem Koffer voller nicht legal erworbenem Geld zurück in seine alte Heimat. In dem menschenleeren Gebiet zwischen Vierheilig und Altglück veränderte sich in den vergangenen vierzehn Jahren, in denen er fort war und keinen Kontakt zu seiner Familie hatte, wenig. Erst jetzt, durch den geplanten Bau eines riesigen Warenlagers für einen Internetversandhändler, scheint sich seine alte Heimat grundlegend zu verändern.

Dort trifft Thies seinen Bruder Karl, den alte Revierjäger Wouter Bisch und einige weitere alte Bekannte. Und er erinnert sich an seine Vergangenheit in der deutschen Provinz.

Als vor drei Jahren Sven Heucherts Debütroman „Dunkels Gesetz“ erschien, war die Begeisterung groß. Auch bei mir. „Dunkels Gesetz“ ist zwar kein perfekter Roman, aber ein sehr gelungener Versuch, Noir- und Hardboiled-Topoi nach Deutschland und in die deutsche Provinz zu versetzen, ohne beim biederen Regiokrimi zu enden. Heuchert gelang nicht alles, aber er machte so viel richtig, dass ich mich auf seinen nächsten Roman freute.

Der liegt jetzt vor, heißt „Alte Erde“ und ist eine riesige Enttäuschung. Der Klappentext und auch die ersten Seiten versprechen einen Noir, der wieder in der deutschen Provinz spielt, ohne provinziell zu sein. Aber dann hat Heuchert an diesem Krimiplot kein Interesse. Der Koffer mit dem Geld wird anfangs noch heimlich von einem Zimmer zum nächsten Zimmer transportiert. Aber nachdem Karl das Geld entdeckt und sofort verbrennt, löst sich in dem Moment, der auf Seite 73 ist, der auf den ersten Seiten angekündigte Konflikt über die Beute in Luft auf.

Im folgenden – und es spricht prinzipiell nichts dagegen, Erwartungen zu enttäuschen, einen ganz anderen Weg zu beschreiten, als es Anfangs aussieht, oder sogar das Genre zu wechseln – verschwindet jeglicher Krimiplot zugunsten einer in Gegenwart und Vergangenheit spielenden Abfolge von unzusammenhängenden Episoden, in denen teils nicht erkennbar oder nur erahnbar ist, wer gerade „er“ oder „sie“ ist. Es werden auch viele Menschen und Tiere getötet. Auch hier ist im ersten Moment nicht immer klar, ob gerade ein Mensch oder ein Tier erschossen wurde. Dieses Töten geschieht so beiläufig, dass man schon einmal einen Tod überlesen kann. Weil man überhaupt keine emotionale Verbindung zu dem Getöteten hat, ist auch egal, wer gerade gestorben ist. Es hat auch keinerlei Auswirkung auf die in diesem Moment nicht mehr erkennbare Handlung.

Alte Erde“ reiht nämlich schnell Episoden aneinander, die auch in jeder anderen Reihenfolge stehen könnten. Entsprechend zäh gestaltet sich die Lektüre des Romans, den ich nur zu Ende las, weil mir Heucherts Debüt so gut gefiel und er mit zweihundert Seiten erfreulich kurz ist.

Sven Heuchert: Alte Erde

Ullstein, 2020

224 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Sven Heuchert

Meine Besprechung von Sven Heucherts „Dunkels Gesetz“ (2017)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Blue Steel

Oktober 4, 2020

Arte, 21.35

Blue Steel (Blue Steel, USA 1990)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Kathryn Bigelow, Eric Red

Während ihres ersten Einsatzes erschießt Streifenpolizistin Megan Turner in einem Supermarkt einen bewaffneten Räuber. Ein klarer Fall von gerechtfertigtem Einsatz der Schusswaffe, wenn nicht ein Kunde, Eugene Hunt, die Waffe des Räubers eingesteckt hätte. Kurz darauf beginnt Hunt mit dieser Waffe (und Megans Name auf den Kugeln) Menschen zu erschießen. Außerdem nähert er sich ihr als verständnisvoller Liebhaber.

In Bigelows optisch überzeugendem, spekulativem Polizistinnenthriller erlebt und tut eine Frau all die Dinge, die sonst nur ein Mann tut. Das war damals verdammt ungewöhnlich.

mit Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Pena, Louise Fletcher, Philip Bosco, Kevin Dunn, Richard Jenkins, Tom Sizemore

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blue Steel“

Wikipedia über „Blue Steel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)