TV-Tipp für den 26. November: Pulp Fiction

November 25, 2019

Nitro, 22.00

Pulp Fiction (Pulp Fiction, USA 1994)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)


„Cassandra Darke“ hat Probleme und eine Pistole

November 25, 2019

Cassandra Darke ist eine ältere, übergewichtige, notorisch schlecht gelaunte, Menschen hassende Kunsthändlerin. In London wohnt sie im noblen Chelsea und danach scheinen die Geschäfte wirklich gut zu gehen. Scheinen. Denn als bekannt wird, dass sie Fälschungen verkauft, bekommt sie Probleme mit der Justiz.

Nachdem die 71-jährige zu einer Bewährungsstrafe und Sozialstunden verurteilt wurde, entdeckt sie in der Kellerwohnung ihres Hauses eine Pistole, die wahrscheinlich Nicki Boult gehörte.

Nicki ist eine mittellose Aktionskünstlerin, die einige Monate bei Cassandra lebte. Sie verliebte sich in einen Mann und geriet so in kriminelle Kreise. Dabei gelangte auch die Pistole, die ein Verbrechen beweisen könnte, in ihre Hände.

Jetzt überlegt Cassandra, was sie mit der Waffe tun soll – und ob sie Nicki helfen soll.

Posy Simmonds erzählt diese Geschichte als bebilderte Kurzgeschichte. Denn für einen Comic gibt es zu viele Fließtextteile. Und für eine Kurzgeschichte gibt es dann wiederum zu viele Zeichnungen, teils mit, teils ohne Sprechblasen. Teils das Geschriebene illustrierend, teils die Geschichte weiter erzählend. Diese ungewöhnliche Mischung funktioniert ausgezeichnet.

Die Geschichte selbst ist dann weniger eine Kriminalgeschichte, sondern mehr eine mit bösem Humor erzählte Charakterstudie mit Krimi-Beilage.

Posy Simmonds: Cassandra Darke

(übersetzt von Sven Scheer)

Reprodukt, 2019

96 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Cassandra Darke

Jonathan Cape, 2018

Hinweise

Reprodukt über Posy Simmonds

Wikipedia über Posy Simmonds


TV-Tipp für den 25. November: Mission

November 25, 2019

Arte, 21.35

Mission (The Mission, Großbritannien 1986)

Regie: Roland Joffé

Drehbuch: Robert Bolt

Südamerika, 1750: Pater Gabriel will im Urwald Indios bekehren. Begleitet wird er bei seiner gefährlichen Reise von einem bekehrten ehemaligen Sklavenhändler. Gemeinsam geraten sie in politische Machtkämpfe.

Bildgewaltiges Epos, das in Cannes die Goldene Palme erhielt.

‚Mission‘ ist totales Kino mit Pathos und moralischem Anspruch. Der Film erinnert an ein unrühmliches Kapitel der europäischen Kolonialgeschichte und steht auf Seiten der Missionare und Indianer.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Ennio Morricone schrieb einen hochgelobten Soundtrack.

Robert Bolt schrieb auch die Drehbücher für „Lawrence von Arabien“, „Doktor Schiwago“, „Ryans Tochter“ (läuft am Sonntag, den 1. Dezember, um 20.15 Uhr auf Arte) und „Die Bounty“.

mit Robert De Niro, Jeremy Irons, Liam Neeson, Aidan Quinn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mission“

Wikipedia über „Mission“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. November: Carol

November 23, 2019

Arte, 20.15

Carol (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)

New York, 1950: zwei Frauen verlieben sich ineinander – und verstoßen damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen.

Gelungene, sehr stilbewusste und sensible Patricia-Highsmith-Verfilmung, die kein Kriminalfilm (was man bei Highsmith ja erwartet), sondern eine tragische Liebesgeschichte ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Carrie Brownstein, Kyle Chandler, Jake Lacy, Cory Michael Smith

Wiederholung: Freitag, 29. November, 13.55 Uhr

Hinweise
Moviepilot über „Carol“
Metacritic über „Carol“
Rotten Tomatoes über „Carol“
Wikipedia über „Carol“ (deutsch, englisch) und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Kriminalakte über Patricia Highsmith


Neu im Kino/Filmkritik: Cate Blanchett ist „Bernadette“

November 23, 2019

Bernadette Fox (Cate Blanchett) verlässt ihr Haus in Seattle nur selten; – wobei Haus die falschen Assoziationen weckt. Es ist ein von Brombeerhecken umranktes herrschaftliches Anwesen, das inzwischen eine richtiggehende Bruchbude ist. Dort lebt die ehemalige Stararchitektin mit ihrem liebevollen Mann Elgie (Billy Crudup), einem IT-Manager bei Microsoft, und ihrer fünfzehnjährigen, sehr, sehr begabten Tochter Bee (Emma Nelson). Sie sind eine wirklich harmonische Familie, die immer auch Raum für Fantasie und etwas, fast schon britische Schrulligkeit hat. Wobei Bernadettes Schrulligkeit auch von ihrer Psyche und den Tabletten kommen kann.

Jetzt wünscht Bee sich eine gemeinsame Reise in die Antarktis. Bernadette ist entsetzt, weil sie dafür ihr sie beschützendes Haus verlassen müsste.

Ab diesem Moment wartet man auf den Beginn der Reise. Oder wenigstens wie Bernadette versucht, diese Reise zu verhindern. Stattdessen reiht Richard Linklater zunehmend redundante Szenen aus dem Leben von Bernadette, Elgie und Bee aneinander. Das ist immer witzig, genau beobachtet und gut gespielt. Vor allem Cate Blanchett kann als Bernadette brillieren.

Aber es ist ein Stillstand, in dem Bernadette sich gut eingerichtet hat. Denn nichts deutet darauf hin, dass sie ihre momentane Lebenssituation verändern möchte. Das augenfälligste Symbol dafür ist das Haus, in dem sie leben. Es ist ein Ruine, ein Schandfleck in dem noblen Viertel. Bernadette unternimmt noch nicht einmal halbherzige Versuche, es zu renovieren. Stattdessen telefoniert sie ständig mit ihrer abwesenden Sekretärin, lässt sich Pakete anliefern und fährt Bee zur Schule. Ihre Vergangenheit als große Hoffnung der Architektur hat sie hinter sich gelassen zugunsten eines privilegierten Lebens in der Provinz (Sorry, Seattle.). Der Grund für diesen Rückzug wird erst spät enthüllt und er überzeugt nicht wirklich. Oder anders gesagt: wenn das der Grund war, ist bei ihrem nächsten Architekturprojekt für einen fremden Auftraggeber die nächste Katastrophe schon vorprogrammiert.

Dieser Stillstand wird erst spät in dem Film überwunden, wenn Bernadette ohne sich von Elgie und Bee zu verabschieden in Richtung Antarktis verschwindet. Elgie und Bee verfolgen sie und auf dieser Reise scheinen sie sich immer nur um Tage und Stunden zu verpassen.

Bernadette“ ist ein Feelgood-Roadmovie, das sich viel zu spät auf die Reise begibt.

Bernadette (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater, Holly Gent Palmo, Vincent Palmo

LV: Maria Semple: Where’d you go, Bernadette, 2012 (Wo steckst du, Bernadette?)

mit Cate Blanchett, Kristen Wiig, Billy Crudup, Emma Nelson, Laurence Fishburne, Troian Bellisario, Judy Greer, Steve Zahn

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Bernadette“

Metacritic über „Bernadette“

Rotten Tomatoes über „Bernadette“

Wikipedia über „Bernadette“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Richard Linklater in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. November: Zerrissene Umarmungen

November 22, 2019

One, 22.10

Zerrissene Umarmungen (Los Abrazos rotos, Spanien 2009)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodóvar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Wiederholung: Montag, 25. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutschenglisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ (Dolor y gloria, Spanien 2019)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Official Secrets“ sind auch Geheimnisse

November 22, 2019

Katharine Gun (Keira Knightley) ist eine junge Übersetzerin beim britischen Nachrichtendienst GCHQ. Am 31. Januar 2003 liest sie bei ihrer Arbeit eine streng geheime E-Mail des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA. Mit der Mail werden sie aufgefordert, fünf Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Mit dem Material sollen diese Staaten zur Zustimmung einer UN-Resolution für den Irakkrieg erpresst werden. Damals war die von den USA forcierte Invasion in den Irak heftig umstritten. Die von der amerikanischen Regierung unter Präsident George W. Bush präsentierten Beweise für die irakischen Massenvernichtungsmittel waren schon damals sehr dünn und viele bezweifelten sie. Heute ist bekannt, dass sie falsch waren. Die britische Regierung unter Premierminister Tony Blair bemüht sich in den Monaten um möglichst blinden Gehorsam gegenüber den USA. Beide Länder wollten eine UN-Resolution, um eine völkerrechtliche Legitimation für den Angriff auf den Irak zu haben.

Als Gun das Memo liest, ist sie schockiert und empört über den Rechtsbruch zu dem sie aufgefordert werden.

Nach längerem Zögern gibt sie eine Kopie der E-Mail an die Anti-Kriegs-Aktivistin Yvonne Ridley, die es an einen vertrauenswürdigen Journalisten weitergeben soll. Nach einer ausführlichen Recherche veröffentlicht der „Observer“ am 2. März 2003 die Geschichte.

Sofort danach beginnt im Nachrichtendienst die Jagd nach dem Verräter. Offiziell wird die Echtheit des NSA-Memos bestritten.

Damit ihr Geheimnisverrat nicht umsonst war, gesteht Gun ihre Tat. Sie wird wegen eines Verstoßes gegen den „Official Secrets Act“ angeklagt und zum Schweigen verdonnert. Auch gegenüber ihren Anwälten.

Und auch wenn Gavin Hood in seinem spannenden, auf Tatsachen basierendem Thriller „Official Secrets“, noch erzählt, wie Katharine Gun mit der auf Menschenrechtsverletzungen spezialisierten Kanzlei Liberty und dem erfahrenen Anwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes) gegen ihre Verurteilung kämpft, sagte ich mir in diesem Moment, philosophisch, nicht juristisch geschult, dass die Ankläger mit ihrer Klage in eine Falle gelaufen waren, die sie selbst aufgestellt hatten. Sie behaupteten, dass Gun Geheimnisse verraten habe. Sie leugneten im gleichen Moment, dass das NSA-Memo echt sei; – was dann ja hieße, dass sie kein Geheimnis verraten habe und damit die Anklage nichtig sei.

Gleichzeitig verweigerten sie ihr für ihre Verteidigung den Zugriff auf Dokumente, die ihre Unschuld beweisen könnten, weil alle diese Dokumente geheim sein. Und sie sagten, dass sie nichts über und gegen die Anklage sagen dürfe, weil sie aufgrund der von ihr unterschriebenen Arbeitsverträge zum Stillschweigen verpflichtet sei.

Die Verteidigung plant dann eine andere Verteidigungsstrategie. Am 25. Februar 2004 steht sie vor Gericht. Angeklagt als Geheimnisverräterin.

Hood erzählt diese Geschichte chronologisch, den verschiedenen Verästelungen folgend und immer nah an den Fakten. Das gute Drehbuch, das die komplexen Vorgänge, Dilemma und Überlegungen der einzelnen Figuren nachvollziehbar erzählt, und die guten Schauspieler tragen zum Verständnis der damaligen Ereignisse bei.

Hoods Aufruf zur Zivilcourage ist, wie bei Scott Z. Burns vor wenigen Tagen gestartetem, ebenso sehenswertem Drama „The Report“ (über das CIA-Folterprogramm nach dem 11. September 2001), konventionell inszeniert. Nichts soll von der Geschichte und den erschreckenden Fakten ablenken.

Official Secrets“ ist eine sehenswerte Geschichtsstunde, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat und die eindrucksvoll zeigt, wie wichtig Whistleblower für eine demokratische Gesellschaft sind.

Das sagt auch „Observer“-Journalist Martin Bright: „Dieser Krieg hat all unsere zentralen Institutionen zersetzt: unser Justizsystem, unser politisches System, die Geheimdienste und die Presse. Der Krieg hat also weiterhin einen großen Einfluss auf unser öffentliches Leben. Das ist der Kern dieser Geschichte. Katharine enthüllte nicht einfach nur einen Rechtsverstoß. Sie enthüllte, dass in unseren nationalen und internationalen Institutionen etwas ganz grundlegend nicht stimmt.“

Official Secrets (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gregory Bernstein, Sara Bernstein, Gavin Hood

LV: Marcia Mitchell, Thomas Mitchell: The Spy who tried to stop a War: Katharine Gun and the secret plot to sanction the Iraq Invasion, 2008

mit Keira Knightley, Matt Smith, Adam Bakri, Matthew Goode, Ralph Fienes, Rhys Ifans

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Official Secrets“

Metacritic über „Official Secrets“

Rotten Tomatoes über „Official Secrets“

Wikipedia über „Official Secrets“ (deutsch, englisch) und über Katharine Gun (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)


TV-Tipp für den 22. November: Jack

November 22, 2019

Arte, 20.15

Jack (Deutschland 2014)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen

Als der zehnjährige Jack nicht von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt wird, haut er ab. In Berlin wartet allerdings niemand auf ihn. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder beginnt Jack seine, mal wieder, spurlos verschwundene Mutter zu suchen.

Mitreisendes, mehrfach ausgezeichnetes Sozial- und Jugenddrama, das immer auf Jacks Augenhöhe bleibt, während er durch die große Stadt läuft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ivo Pietzcker, Georg Arms, Luise Heyer, Nele Mueller-Stöfen, Vincent Redetzki, Jacob Matschenz

Hinweise

Moviepilot über „Jack“

Wikipedia über „Jack“

Berlinale über „Jack“

Meine Besprechung von Edward Bergers „Jack“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Edward Bergers „All my loving“ (Deutschland 2019)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“

November 21, 2019

Keine Ahnung, wie es der Werbeabteilung gelang, den Verleih von dem Titel „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ zu überzeugen. Denn der Originaltitel ist, wie der Buchtitel „Doctor Sleep“ und unter diesem Titel erschien auch die deutsche Ausgabe von Stephen Kings Roman. An der Kinokasse wird wahrscheinlich immer nach „Doctor Sleep“ gefragt werden und so werde ich den Horrorfilm fortan nennen.

Doctor Sleep“ ist die jetzt von Mike Flanagan verfilmte, 2013 erschienene Fortsetzung von „Shining“ und es hilft, sich vor dem Kinobesuch noch einmal Stephen Kings Roman und Stanley Kubricks Verfilmung ins Gedächtnis zu rufen. Der Roman bezieht sich, weil King Kubricks Verfilmung nicht gefällt, nur auf den Roman. Flanagans Verfilmung auf den Roman und auf Kubricks Film. Denn er bewundert den Roman und die Verfilmung und er will in seinem Film beide Visionen miteinander vereinigen und in seinen Film einfließen lassen.

In „Shining“ nimmt Jack Torrance über den Winter eine Stelle als Hausmeister des abgelegen in den Bergen liegenden Overlook Hotels an. In diesen Monaten sind nur er, seine Frau Wendy und sein fünfjähriger Sohn Danny im Hotel. Jack will in dieser Zeit ein Theaterstück schreiben. Kurz darauf verliert Jack, ein Alkoholiker, den Verstand in dem von Geistern bevölkerten Hotel. Er will seine Familie töten. Wendy und Danny gelingt die Flucht. Jack verbrennt im Hotel.

1980 verfilmte Stanley Kubrick Stephen Kings Roman. Der Film mit Jack Nicholson als schon von der ersten Minute an verrücktem Jack Torrance war ein Hit und gilt als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Stephen King war mit den von Kubrick vorgenommenen Änderungen und der Verfilmung allerdings immer unzufrieden. Vor allem gefiel ihm nicht, dass der Film-Jack-Torrance von Anfang an verrückt ist und er daher keine emotionale Entwicklung hat.

2013 veröffentlichte King „Doctor Sleep“. In dem Roman erzählt er die Geschichte von Dan ‚Danny‘ Torrance weiter und in all den Flashbacks und Erinnerungen, die Dan an seine Eltern und das Overlook Hotel hat, bezieht er sich auf die Ereignisse aus dem Roman. Flanagan auf die Ereignisse aus dem Roman und dem Film.

King und Flanagan erzählen in „Doctor Sleep“ zuerst in epischer Breite, was Dan Torrance (Ewan McGregor) in den Jahren nach den Ereignissen im Overlook Hotel zustieß, wie er Alkoholiker wurde und in der New-Hampshire-Kleinstadt Frazier eine Heimat fand. Dort arbeitet er in einem Hospiz und hilft den Menschen beim Sterben. Deshalb wird er auch ‚Doctor Sleep‘ genannt.

Zur gleichen Zeit fährt der „Wahre Knoten“ durch die USA. Sie sind, angeführt von Rose the Hat (Rebecca Ferguson, charismatisch), eine vampirähnliche Gruppe, die durch das Steam, was der letzte Atemzug von Menschen mit dem Shining ist, ewig leben können. Der Steam ist bei jungen Menschen besonders stark. Als sie den ‚Baseball-Jungen‘ töten, werden sie von der mehrere hundert Meilen entfernt lebenden Abra Stone (Kyliegh Curran) beobachtet. Abra verfügt über ein besonders starkes Shining und sie will nicht, dass der Wahre Knoten weitere Kinder tötet, foltert (das verstärkt den Steam) und ihren Steam einatmet. Sie trifft sich mit Dan. Mit ihm unterhielt sie sich bislang nur mental. Aber er ist der einzige Mensch, den sie kennt, der ihre Fähigkeiten versteht und der ihr helfen kann, damit umzugehen.

Gemeinsam beschließen sie und ein, zwei Freunde, gegen Rose the Hat und ihre Bande vorzugehen.

An diesem Punkt ist man ungefähr in der Mitte des siebenhundertseitigen Romans, der über viele Seiten Dan Torrances Lebensgeschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht, wie er zum Alkoholiker und Ex-Alkoholiker wird und über viele Jahre das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker absolviert. „Doctor Sleep“ ist vor allem die Geschichte eines Kampfes gegen die Sucht (was vor allem ein Kampf gegen verschiedene innere Dämonen ist) und vom Finden des Sinn des Lebens. Die Horrorgeschichte verdeckt das kaum. Für eine Verfilmung ist diese epische Struktur denkbar ungeeignet. Zu viele Episoden sind schon auf den ersten Blick für die Hauptgeschichte (den Kampf von Dan und Abra gegen Rose the Hat) vollkommen unwichtig. Die wenigen Informationen, die wirklich wichtig sind, um den Kampf von Dan und Abra gegen Rose the Hat und den Wahren Knoten zu verstehen, könnten auch mühelos in die Hauptgeschichte eingefügt werden.

Der Roman ist ein langes, sich langsam entwickelndes sinfonisches Werk, in dem bestimmte Motive immer wieder auftauchen und wichtiger werden. Dank Stephen Kings Schreibstil liest man das gerne, aber auch etwas desinteressiert auf der Suche nach dem schon im Klappentext angekündigtem Plot.

In seiner Verfilmung behielt Flanagan die Struktur des Romans bei. Auch wenn er einige Figuren strich und einige Ereignisse in der Chronologie etwas verschob. Einige Figuren und Orte, die im Roman wichtig sind, werden auch im Film groß eingeführt und dann nicht weiter beachtet. Das gilt für eine Drogensüchtige und ihr Kleinkind und, in Frazier, Dr. John Dalton (Bruce Greenwood) und Orte, wie die Teenytown Railway in Frazier. Einige Personen und mit ihnen verbundene Handlungsstränge, wie Abras Urgroßmutter, fehlen.

Das ändert aber nichts daran, dass die ersten 75 Minuten des 150-minütigen Films reichlich spannungsfrei vor sich hin plätschern. Wer den Roman nicht kennt, wird diese Hälfte vor allem als eine Abfolge aus weitgehend zusammenhanglos aufeinander folgenden Szenen wahrnehmen und sich fragen, wann endlich die Geschichte beginnt.

In der zweiten Hälfte wird es dann spannender und beim Finale setzt Flanagan dann eigene Akzente. Im Roman ist die finale Konfrontation in der Overlook Lodge. Im Film treffen sie im immer noch stehenden Overlook Hotel aufeinander. Das seit Jahrzehnten verlassene Hotel sieht noch genauso aus wie in Kubricks Film. Flanagan verbindet hier Kings Roman mit Kubricks Film zu einem eigenständigem Ende, das deutlich Kubricks Film zitiert. Dan stellt sich seinen Dämonen, tritt in die Fußstapfen seines Vaters (ohne nach der nächsten Schnapsflasche zu greifen) und versucht mit seinem Shining und den Dämonen, die er in den vergangenen Jahrzehnten in seinem Gehirn in Kassetten einschloss, und den im Hotel lebenden Geistern Rose the Hat zu besiegen.

Dieses Finale ist dann vielleicht nicht hundertprozentig gelungen und das Ende ist, nun, diskussionswürdig. Mir gefällt das aus meiner Sicht positivere Romanende besser. Aber immerhin hört Flanagan in diesen Minuten endlich auf, den Roman zu bebildern.

Von genau dieser Eigenständigkeit hätte ich mir während des gesamten Films mehr gewünscht. So ist der Film eine gekürzte Version des Romans, bei der immer unklar ist, worum es ihm eigentlich geht. Er findet nie die richtige Balance zwischen Alkoholikerdrama, Horrorgeschichte und Coming-of-Age-Geschichte.

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen (Doctor Sleep, USA 2019)

Regie: Mike Flanagan

Drehbuch: Mike Flanagan

LV: Stephen King: Doctor Sleep, 2013 (Doctor Sleep)

mit Ewan McGregor, Rebecca Ferguson, Kyliegh Curran, Cliff Curtis, Zahn McClarnon, Emily Alyn Lind, Selena Anduze, Robert Longstreet, Carl Lumbly, Bruce Greenwood, Jacob Tremblay, Henry Thomas

Länge: 152 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage, jetzt mit dem Filmcover

Stephen King: Doctor Sleep

(übersetzt Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2019 (Filmausgabe)

720 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2013

Originalausgabe

Doctor Sleep

Scribner, New York, 2013

Die Vorgeschichte, wieder erhältlich mit neuem Cover

Stephen King: Shining

(übersetzt von Harro Christensen)

Bastei-Lübbe, 2019

624 Seiten

11 Euro

Deutsche Erstausgabe 1980, seitdem unzählige Neuauflagen.

Originalausgabe

The Shining

Doubleday & Co, 1977

Stephen Kings neuer Roman, geeignet für lange Herbst- und Winterabende am Kaminfeuer

Seit einigen Tagen käuflich erhältlich: In „Das Institut“ werden paranormal begabte Kinder in einem hermetisch abgeschirmten Institut in Maine (Wo sonst?) gefangen gehalten. Als der zwölfjährige Luke Ellis dorthin entführt wird, beginnt er seine Flucht zu planen. Das einzige Problem ist, dass das bislang noch niemandem gelungen ist.

Die ersten Kritiken über diesen Thriller sind weitgehend positiv, auch wenn Kirkus Reviews meint, „Das Institut“ sei nicht so furchteinflößend wie „Shining“ oder „Es“. Der Boston Globe schreibt, „Das Institut“ lese teilweise wie eine Neu-Interpretation von „Feuerkind“ für die Gegenwart.

Im Moment ist eine Verfilmung als TV-Miniserie geplant. Aber weil von ungefähr jedem King-Werk eine Verfilmung geplant ist, sagt das wenig.

Stephen King: Das Institut

(deutsch von Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2019

768 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

The Institut

Scribner, New York, 2019

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Doctor Sleep“

Metacritic über „Doctor Sleep“

Rotten Tomatoes über „Doctor Sleep“

Wikipedia über „Doctor Sleep“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Ouija: Ursprung des Bösen“ (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Before I wake“ (Before I wake, USA 2015)


TV-Tipp für den 21. November: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

November 21, 2019

Tele 5, 20.15

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)

In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.

Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.

Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini

Wiederholung: Samstag, 23. November, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Rotten Tomatoes über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Wikipedia über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Godeys „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ (The Taking of Pelham One Two Three, 1973)

„The Taking of Pelham 123“ in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. November: Verbotene Spiele

November 19, 2019

Arte, 20.15

Verbotene Spiele (Jeux interdits, Frankreich 1951)

Regie: René Clément

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, René Clément

LV: Francis Boyer: Les Jeux Inconnus, 1947

Während des 2. Weltkriegs beginnen die fünfjährige Paulette, eine Kriegswaise, und der etwas ältere Michel mit seltsamen Beerdigungsritualen, in denen sie den Krieg nachspielen.

„‚Vergessene Spiele‘ gilt als René Cléments Meisterwerk und als einer der besten Filme über die Auswirkungen des Krieges überhaupt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

„Ein erschütternder Film, der in der Stilisierung und Idealisierung einer ‚heilen‘ Kinderwelt schonungslos die Grausamkeit und Gedankenlosigkeit des alltäglichen Lebens aufzeigt. Zugleich beklagt er eindringlich den Verlust der Unschuld durch den Krieg und denunziert vehement pseudoreligiöses Verhalten.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clément inszenierte auch „Nur die Sonne war Zeuge“, „Der aus dem Regen kam“, „Brennt Paris?“ und „Wie Raubkatzen“.

mit Brigitte Fossey, Georges Poujouly, Lucien Hubert, Suzanne Courtal, Jacques Marin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verbotene Spiele“

Wikipedia über „Verbotene Spiele“ (deutsch, englisch, französisch)


Cover der Woche

November 19, 2019


Neu im Kino/Filmkritik: Über Wang Xiaoshuais „Bis dann, mein Sohn“

November 19, 2019

Über drei Stunden nimmt sich Wang Xiaoshuai, um in seinem neuen Film „Bis dann, mein Sohn“ die sich über drei Jahrzehnte erstreckende Geschichte zweier Familien zu erzählen.

Sein Epos beginnt in den frühen achtziger Jahren im Norden Chinas. Liu Yaojun, seine Frau Wang Liyun, Shen Yingming und seine Li Haiyan arbeiten in einer Metallfabrik. Sie wohnen im dazu gehörendem Wohnheim. 1982 kommen am gleichen Tag ihre Kinder Xingxing und Haohao zur Welt. Als Liyun vier Jahre später wieder schwanger wird, wird sie von ihrer Freundin und Vorgesetzten Haiyan im Rahmen der kompromisslos durchgesetzten Ein-Kind-Politik zur Abtreibung gezwungen. 1994 stirbt Xingxing im Staudamm bei einem Badeunfall. Sein Freund Haohao war dabei.

Danach ziehen Yaojun und Liyun nach Südchina. Sie adoptieren eine Jungen, den sie Xingxing nennen. Sie leben ärmlich und isoliert von den Einheimischen.

2011 besuchen sie wieder die Industriestadt im Norden Chinas, die sie kaum wiedererkennen. Aus der früheren Arbeiterstadt wurde eine moderne Metropole. Sie treffen auch Yingming, Haiyan und Haohao wieder.

Wang Xiaoshuai („Beijing Bicycle“, „Shanghai Dreams“) erzählt diese sich über drei Jahrzehnte erstreckende Geschichte in langen Einstellungen, in denen wenig geredet und wenig erklärt wird. Damit bleiben dann sicher viele Anspielungen, die Chinesen sofort verstehen, für alle anderen unverständlich. Verständlich sind in jedem Fall die Folgen der rücksichtslos durchgesetzten Ein-Kind-Politik, die Wang erstaunlich negativ darstellt. Auch die Vergangenheit erscheint sehr oft in einem sehr düsteren Licht, was aufgrund der totalitären Strukturen Chinas und der staatlichen Zensur durchaus erstaunlich ist. Abgemildert wird die Kritik an China durch die im Film erzählte Zeitspanne. Während das Leben in Nordchina und in der Fabrik mit angegliedertem Wohnheim in seiner Kargheit noch sehr an die fünfziger Jahre erinnert und es in Südchina nicht fortschrittlicher aussieht, unterscheidet sich die Arbeiterstadt 2011 optisch kaum von einer westlichen Großstadt. Insofern erzählt „Bis dann, mein Sohn“ auch die Geschichte einer umfassenden, in wenigen Jahren vollzogenen Modernisierung. Jedenfalls an der Oberfläche.

Wang springt dabei in seiner doppelten Familiengeschichte immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. Dabei ist nicht immer ersichtlich, wann die Szene spielt. Außerdem richtet sich sein Film vor allem an ein chinesisches Publikum, das die Anspielungen mühelos versteht und die Hintergründe kennt. Für einen Westler, der wenig über China weiß, bleibt da etliches unverständlich. Vielleicht auch deshalb empfand ich nach den drei Stunden vor allem Bewunderung für jeden nur denkbaren Aspekt des Films, aber keine echte Begeisterung.

Auf der Berlinale erhielt „Bis dann, mein Sohn zwei Silberne Bären. Yong Mei als beste Darstellerin. Wang Jingchun als bester Darsteller.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang, Volksrepublik China 2019)

Regie: Wang Xiaoshuai

Drehbuch: A Mei, Wang Xiaoshuai

mit Wang Jingchun, Yong Mei, Qi Xi, Wang Yuan, Du Jiang, Ai Liya, Xu Cheng, Li Jingjing, Zhao Yanguozhang

Länge: 185 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Länge

Homepage zum Film

Moviepilot über „Bis dann, mein Sohn“

Metacritic über „Bis dann, mein Sohn“

Rotten Tomatoes über „Bis dann, mein Sohn“

Wikipedia über „Bis dann, mein Sohn“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Bis dann, mein Sohn“


TV-Tipp für den 19. November: Kleine Germanen

November 19, 2019

Arte, 20.15

Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene (Deutschland 2019)

Regie: Frank Geiger, Mohammad Farokhmanesh

Drehbuch: Frank Geiger, Mohammad Farokhmanesh, Armin Hofmann

TV-Premiere. Sehenswerter, zum Nachdenken anregender Dokumentarfilm über Kindheiten in der rechten Szene mit Trickszenen (die eine wahre Geschichte nacherzählen), Expertenstatements (u. a. von Bernd Wagner, Gudrun Heinrich und Michaela Köttig) und Gesprächen mit Rechten, wie Sigrid Schüßler und Götz Kubitschek, die darüber reden, wie ihre Kindheit war und wie sie ihre Kinder erziehen.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kleine Germanen“

Moviepilot über „Kleine Germanen“


TV-Tipp für den 18. November: Boyhood

November 17, 2019

Arte, 20.15

Boyhood (Boyhood, USA 2014)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater

„Boyhood“ erzält eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Allerdings anders gewohnt. Denn Richard Linklater drehte den Film über zwölf Jahre. Jedes Jahr holte er die Schauspieler für einige Drehtage zurück.

So sehen wir wie Mason junior (Ellar Coltrane) und seine Filmeltern langsam älter werden und wie Mason junior vom Kind zum Mann wird.

Die Kritiker waren begeistert.

Mit Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater, Tamara Jolaine, Nick Krause

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Boyhood“

Wikipedia über „Boyhood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Richard Linklater in der Kriminalakte

Bonushinweis: am Donnerstag läuft sein neuer Film an:


Neu im Kino/Filmkritik: „Le Mans 66: Gegen jede Chance“ kämpft ‚Ford v Ferrari‘

November 17, 2019

Mitte der sechziger Jahren war Ferrari cool und gewann reihenweise Autorennen. Ford war, nun, das Gegenteil. Und auch wenn ein amerikanischer Junge nicht das Geld hatte, sich einen Ferrari-Sportwagen zu kaufen, investierte er sein Geld definitiv nicht in einen Ford, der damals das Synonym für ‚langweilige Familienkutsche‘ war. Um das zu ändern, beauftragt der Autokonzern Ford den Ex-Rennfahrer und Auto-Designer Carroll Shelby innerhalb kürzester Zeit einen Rennwagen zu entwickeln, der in Le Mans beim legendären 24-Stunden-Rennen Ferrari besiegen kann und soll. Das Rennen stellt allein schon aufgrund seiner Dauer höchste Ansprüche an Fahrer und Fahrzeuge.

Shelby nimmt den unmöglichen Auftrag an. Helfen soll ihm Ken Miles, ein Autoschrauber und Testfahrer, bei dem Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Denn so brillant Miles als Fahrer und Tüftler ist, so unverträglich ist er gegenüber fast allen Menschen und er ist absolut nicht teamfähig. Aber Shelby verspricht ihm, dass er am 24-Stunden-Rennen teilnehmen wird. Auch wenn dieses Versprechen nicht leicht einzuhalten ist.

Sie machen sich an die Arbeit, die damals vor allem aus einer Folge von Versuchen und Irrtümern mit verschiedenen munter ausgetauschten und ausgebauten Fahrzeugteilen besteht. Im Zweifelsfall wird auf jedes Gramm Gewicht verzichtet und die heutigen Sicherheitsbestimmungen waren damals noch nicht einmal angedacht.

1966 schickt Ford dann seine Fahrzeuge und Fahrer ins 24-Stunden-Rennen. Miles ist einer der Fahrer. Shelby der Leiter des Rennteams.

James Mangold, der zuletzt mit „Logan“ begeisterte, erzählt in seinem neuen Film „Le Mans 66: Gegen jede Chance“ die Geschichte von dem Duell zwischen Ford und Ferrari nach. Im Mittelpunkt des Dramas stehen die miteinander befreundeten Rennfahrern Shelby und Miles, gespielt von Matt Damon und Christian Bale, die auch gegen Widerstände im Ford-Konzern auf das Ziel hinarbeiteten, den unbesiegbaren Ferrari-Rennstahl zu besiegen. Sie sind damit in doppelter Weise Underdogs. Mangold erzählt ihre Geschichte von Ende der fünfziger Jahre, als Shelby aufgrund eines schweren Herzleidens seine Karriere als Rennfahrer aufgeben muss, bis hin zu dem Autorennen 1966 in Le Mans, das im letzten Filmdrittel über fast vierzig Minuten gezeigt wird.

Diese Geschichte erzählt Mangold, wie in einer großen Reportage, souverän zwischen Einzelschicksalen, zwischen Detail- und Hintergrundinformationen, zwischen der Arbeit von Shelby und Miles in der Werkstatt und auf dem Testgelände und der großen Firmenpolitik in den Chefetagen von Ford wechselnd. Dabei hat er, auch wenn er sich auf Details konzentriert, immer das große Ganze im Blick. Ausstattung und Schauspieler überzeugen ebenso.

Le Mans 66“ ist klassisches Erzählkino, das trotz seiner epischen Laufzeit von zweieinhalb Stunden immer spannend bleibt und auch Nicht-Rennsportfans von der ersten bis zur letzten Minute begeistert.

Damit gehört Mangolds Film schon jetzt, neben „Grand Prix“ (1966) und „Rush“ (2013), zu den wenigen gelungenen Filmen über die Rennsportszene. Erwähnen könnte man noch die deutlich unbekannteren Filme „Le Mans“ (1971) und „Weekend eines Champions“ (1971). „Le Mans“ war von Hauptdarsteller Steve McQueen ursprünglich als Dokumentarfilm geplant. „Weekend eines Champions“ ist ein fast unbekannter Dokumentarfilm von Roman Polanski, der 1971 Rennfahrer Jackie Stewart beim Großen Preis von Monaco begleitet.

Le Mans 66: Gegen jede Chance (Ford v Ferrari, USA 2019)

Regie: James Mangold

Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, Jason Keller

mit Matt Damon, Christian Bale, Jon Bernthal, Caitrano Balfe, Tracy Letts, Josh Lucas, Noah Jupe, Remo Girone, Ray McKinnon, JJ Field, Jack McMullen

Länge: 153 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweis: Der US-Titel ist „Ford v Ferrari“, der UK-Titel ist „Le Mans ’66“.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Le Mans 66: Gegen jede Chance“

Metacritic über „Le Mans 66: Gegen jede Chance“

Rotten Tomatoes über „Le Mans 66: Gegen jede Chance“

Wikipedia über „Le Mans 66: Gegen jede Chance“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Le Mans 66: Gegen jede Chance“

Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)

Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „My Zoe“, für dich würde ich alles tun

November 17, 2019

Isabelle Perrault (Julie Delpy) arbeitet in Berlin in einem Labor als Genetikerin. Die Erziehung ihrer über alles geliebten Tochter Zoe teilt sie sich mit ihrem Ex-Mann James Lewis (Richard Armitage), einem egozentrischen und erfolgreichen Architekten. Aufgrund ihrer Arbeit, gelegentlicher Auslandsaufenthalte, fehlender vor Ort lebender Großeltern und gegenseitiger Vorwürfe gestaltet sich das gemeinsam ausgeübte Sorgerecht schwierig. Denn jede Begegnung von Isabelle und James scheint den Graben zwischen ihnen zu vergrößern.

Aus diesem Post-Scheidungsdrama wird im zweiten Akt ein Drama um Zoes Überleben. Isabelle findet ihre Tochter reglos im Bett. Im Krankenhaus sagen ihnen die Ärzte, dass Zoe eine Hirnblutung hatte. Nach der Operation liegt Zoe im Koma und es ist unklar, ob sie bleibende Schäden haben wird. Falls sie überhaupt aufwacht.

Und aus diesem Medizindrama wird im dritten Akt etwas ganz anderes. In dem Moment taucht dann auch der schon auf dem Plakat prominent erwähnte Daniel Brühl als in Moskau arbeitender Arzt auf.

Dieser dritte Akt bricht dem schon vorher nicht besonders überzeugendem Drama „My Zoe“ endgültig das Genick. Bis dahin war es ein zäh erzähltes Scheidungsdrama, in dem die Eltern sich angiften, aus dem ein ebenso zähes Medizindrama wurde, in dem die Eltern sich gegenseitig Vorwürfe machen und besorgt am Bett ihrer im Koma liegenden Tochter sitzen. So dankbar das für die Schauspieler in langen Szenen zu spielen ist, so undankbar ist es anzusehen. Denn in den Momenten passiert wenig. Aber immerhin verhielten Isabelle, ihr Ex-Mann, ihr neuer Freund und ihr Umfeld sich bis dahin plausibel.

In Moskau und im Epilog nicht mehr.

Außerdem kommen die in Moskau spielenden Ereignisse, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Zukunft weiterspinnen, aus heiterem Himmel. Mit dem vorher gezeigten haben sie nichts zu tun. Und dass in dem Moment klar wird, dass „My Zoe“ in der nahen Zukunft spielt, macht das Gezeigte nicht glaubwürdiger.

My Zoe (My Zoe, Frankreich/Deutschland/Portugal/Großbritannien 2019)

Regie: Julie Delpy

Drehbuch: Julie Delpy

mit Julie Delpy, Richard Armitage, Daniel Brühl, Gemma Arterton, Saleh Bakri, Sophia Ally, Lindsay Duncan, Nicolette Krebitz, Jördis Triebel, Nina Kuzendorf

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „My Zoe“

Moviepilot über „My Zoe“

Metacritic über „My Zoe“

Rotten Tomatoes über „My Zoe“

Wikipedia über „My Zoe“


TV-Tipp für den 17. November: Frantz

November 16, 2019

ZDF, 01.00

Frantz (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon (frei nach „Broken Lullaby“ von Ernst Lubitsch)

Quedlinburg, 1919: Am Grab ihres im Krieg gefallenen Mannes trifft Anna auf den Franzosen Adrien. Sie findet ihn sympathisch und sie glaubt, dass er etwas über den Tod ihres Mannes weiß.

TV-Premiere zu einer unverschämten Sendezeit. Denn Ozons Lubitsch-Interpretation ist verdammt gelungen (vor allem die erste Hälfte) und selbstverständlich einen Blick wert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stötzner, Marie Gruber, Johann von Bülow, Anton von Lucke, Cyrielle Clair, Aliche de Lencquesaing

Hinweise

AlloCiné über „Frantz“

Moviepilot über „Frantz“

Metacritic über „Frantz“

Rotten Tomatoes über „Frantz“

Wikipedia über „Frantz“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)


TV-Tipp für den 16. November: Die Erfindung der Wahrheit

November 15, 2019

Vox, 20.15

Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)

Regie: John Madden

Drehbuch: Jonathan Perera

Miss Sloane (Jessica Chastain gewohnt überzeugend) ist in Washington eine Top-Lobbyistin. Als sie strengere Waffengesetze blockieren soll, wechselt sie die Seiten. Ihre früheren Auftraggeber sind davon nicht begeistert und die Schlacht der Lobbyisten beginnt.

Als Porträt von „Miss Sloane“ funktioniert „Die Erfindung der Wahrheit“ gut. Als Polit-Thriller lässt einen der kühle, in den entscheidenden Momenten zu naive und zu plakative Film dann doch etwas unbefriedigt zurück. Trotz überraschender Enthüllungen und langfristig angelegter Fallen und Finten.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jessica Chastain, Mark Strong, John Lithgow, Alison Pill, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Sam Waterston, Jake Lacey

Hinweise

Moviepilot über „Die Erfindung der Wahrheit“

Metacritic über „Die Erfindung der Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Die Erfindung der Wahrheit“

Wikipedia über „Die Erfindung der Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot – Gnadenlose Jagd“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von John Maddens „Eine offene Rechnung“ (The Debt, USA 2010) (ebenfalls mit Jessica Chastain)

Meine Besprechung von John Maddens „Die Erfindung der Wahrheit“ (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: PJ Harvey ruft „A Dog called Money“

November 15, 2019

Zwischen 2012 und 2014 bereiste die Musikerin PJ Harvey den Kosovo, Afghanistan und Washington, DC.

2016 veröffentlichte sie ihre CD „The Hope Six Demolition Project“. Die Lieder waren von ihren Reisbeobachtungen inspiriert.

Und dieses Jahr veröffentlichte Seamus Murphy den Film „PJ Harvey – A Dog called Money“, das diese Reisen und die Aufnahmen für die CD nachzeichnet.

Allerdings nicht als Dokumentarfilm, sondern als filmisches Essay. Er zeigt, wie PJ Harvey durch die verschiedenen Kriegsgebiete geht, sich Notizen macht, sich manchmal mit Einheimischen unterhält und Musikinstrumente ausprobiert. Über diese Bilder legt er von PJ Harvey geschriebene und gesprochene Texte.

Später beobachtet er sie und ihre namenlos im Hintergrund agierende Band bei den Proben und Aufnahmen für die CD. Sie mieteten sich im Somerset House in London ein und errichteten für die Aufnahmen vom 14. Januar bis zum 14. Februar 2015 ein ‚Recording in Progress‘-Studio. Das Studio war ein abgeschlossener, durch Einwegspiegelglas einsehbarer Raum, in dem die Musiker die Songs für die CD erarbeiteten und einspielten. Fans konnten diese öffentlichen Proben beobachten.

Murphys Film springt dabei zwischen beiden Zeitebenen hin und her und immer steht die Musikerin im Mittelpunkt.

Entstanden ist eine PJ-Harvey-Collage für die Fans der Musikerin, die nicht genug von ihr bekommen können.

Wer allerdings mehr wissen möchte, wird mit der Personality-Show „PJ Harvey – A Dog called Money“ wenig anfangen können. Es gibt keine Interviews mit ihren Musikern oder mit ihr. Es gibt auch keine Gespräche mit den Einheimischen. Sie bleiben, auch wenn es von PJ Harvey so wohl nicht intendiert ist, die Staffage für die Inszenierung einer Musikerin, die fremde Länder besucht und aus diesen Ländern Dinge mitnimmt, die ihr gefallen und die sie in ihre Musik integriert. Allerdings so, dass sie ihrer Musik einfach eine neue Klangfarbe beifügen.

Seamus Murphy hat für PJ Harveys Alben „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project“ mehrere Kurzfilme inszeniert.

PJ Harvey – A Dog called Money (A Dog called Money, Irland/Großbritannien 2019)

Regie: Seamus Murphy

Drehbuch: Seamus Murphy

mit PJ Harvey (aka Polly Jean Harvey), John Parish, Terry Edwards, Kenrick Rowe, Enrico Gabrielli, Mike Smith, Alessandro Stefana, James Johnston, Alain Johannes, Adam ‚Cecil‘ Bartlett, Flood, Jean-Marc Butty, Mick Harvey, Linton Kwesi Johnson

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A Dog called Money“

Metacritic über „A Dog called Money“

Rotten Tomatoes über „A Dog called Money“

Wikipedia über PJ Harvey (deutsch, englisch)

Homepage von PJ Harvey

AllMusic über PJ Harvey