
Aufgrund des Wetters ein sachdienlicher Hinweis.
Ansonsten: ein toller Krimi aus einer Zeit, als der Inhalt nichts mit der Verpackung zu tun haben musste. So auch in diesem Fall.

Aufgrund des Wetters ein sachdienlicher Hinweis.
Ansonsten: ein toller Krimi aus einer Zeit, als der Inhalt nichts mit der Verpackung zu tun haben musste. So auch in diesem Fall.
ARD, 22.45
Der Trafikant (Österreich/Deutschland 2018)
Regie: Nikolaus Leytner
Drehbuch: Klaus Richter, Nikolaus Leytner
LV: Robert Seethaler: Der Trafikant, 2012
TV-Premiere. Nicht wirklich schlechtes, aber auch niemals wirklich packendes Drama über den 17-jährigen Franz, der im Sommer 1937 aus seinem Heimatdorf nach Wien kommt, dort bei einem früheren Liebhaber seiner Mutter in die Lehre geht (in einem Tabak- und Schreibwarengeschäft, das in Österreich Trafik genannt wird), Dr. Sigmund Freud kennen lernt und sich in ein Mädchen verliebt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Simon Morzé, Bruno Ganz, Johannes Krisch, Emma Drogunova, Regina Fritsch, Karoline Eichhorn, Michael Fitz
Wiederholung: Mittwoch, 12. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Der Trafikant“
Moviepilot über „Der Trafikant“
Wikipedia über „Der Trafikant“
Meine Besprechung von Nikolaus Leytners „Der Trafikant“ (Österreich/Deutschland 2018)
Arte, 22.45
Die verborgene Festung (Kakushi toride no san-akunin, Japan 1958)
Drehbuch: Akira Kurosawa
Drehbuch: Shinobi Hashimoto, Ryuzo Kikushima, Hideo Oguni, Akira Kurosawa
Japan, 16. Jahrhundert: die Fürstenhäuser bekriegen sich. Die junge Prinzessin Yukihime heuert einen Samurai an. Er soll ihr helfen, ihren Besitz zurück zu erobern.
Selten gezeigter Samuraifilm von Akira Kurosawa, der auf der Berlinale für die Regie einen Silbernen Bären erhielt, nie in den deutschen Kinos lief und großen Einfluss auf George Lucas‘ „Krieg der Sterne“ hatte.
Ausgehend von der angekündigten Länge zeigt Arte die Originalfassung und nicht die um gut zwanzig Minuten gekürzte deutsche Fassung.
Vielleicht präsentiert Arte (oder ein anderer Sender) mal eine kleine Kurosawa-Werkschau.
mit Toshiro Mifune, Misa Uehara, Takashi Shimura, Susumu Fujita, Eiko Miyoshi, Minoru Chiaki
Hinweise
Rotten Tomatoes „Die verborgene Festung“
Wikipedia über „Die verborgene Festung“ (deutsch, englisch)
3sat, 21.45
Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.
Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner
Wiederholung: Montag, 10. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Die lesenswerte Vorlage
Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro
–
Erstausgabe
Liebeskind, 2010
–
Hinweise
Perlentaucher über den Roman „Das finstere Tal“
Moviepilot über „Das finstere Tal“
Wikipedia über „Das finstere Tal“
Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)

Beginnen wir mit den nicht wirklich überraschenden Meldungen: Das Krimifestival Crime Cologne wurde verschoben. Die Preisverleihung des „Crime Cologne Award 2020“ findet als Live-Stream statt. Das war und ist bei anderen Preisverleihungen im Moment ja normal.
Und nun kommen wir zur Neuigkeit: die Shortlist für den Crime Cologne Award wurde heute veröffentlicht. Nominiert sind:
Max Annas: Morduntersuchungskommission – Rowohlt Hundert Augen
Horst Eckert: Im Namen der Lüge – Heyne Verlag
Tom Hillenbrand: Qube – Verlag Kiepenheuer & Witsch
Petra Ivanov: Entführung – Unionsverlag
Thomas Ziebula: Der rote Judas – Wunderlich Verlag
Die Preisverleihung ist am 6. September.
RTL II, 20.15
Source Code (Source Code, USA 2011)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.
Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar
Wiederholung: Samstag, 8. August, 01.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Source Code“
Wikipedia über „Source Code“ (deutsch, englisch)
Script Shadow redet mit Drehbuchautor Ben Ripley über „Source Code“ (9. Februar 2010)
We got this covered redet mit Ben Ripley über „Source Code“ (20. März 2011)
Trailer Addict stellt Ben Ripley einige Fragen über „Source Code“
WGA redet mit Ben Ripley über „Source Code“
Indie Wire unterhält sich mit Ben Ripley und Duncan Jones über „Source Code“ (15. März 2011)
Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film
Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)
Meine Besprechung von Duncan Jones“ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)
Als Streifenpolizistin Renee Lomito-Smith (Mary J. Blige) sich noch am Tatort das Video ansieht, auf dem zu sehen ist, wie ihr Kollege bei einer nächtlichen Routine-Verkehrskontrolle ermordet wurde, staunt sie. Denn er wurde von einem vom Himmel kommendem, nur schattenhaft erkennbarem Wesen geschnappt, durch die Luft geschleudert und regelrecht massakriert. Weil ihre Kollegen ihr nicht glauben – die Dashcam-Aufnahmen aus dem Streifenwagen und die Bodycam-Aufnahmen des Polizisten wurden gelöscht -, beginnt Renee auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre erste Spur führt zu Taneesha Branz. Taneeshas Sohn wurde vor kurzem von einigen Polizisten getötet.
Jetzt ist die Afroamerikanerin spurlos verschwunden. Und weitere Polizisten werden im schönsten „Alien“-Stil getötet.
„Body Cam – Unsichtbares Grauen“ ist ein hübscher kleiner, sehr stilbewusster B-Horror-Copthriller. Malik Vitthal lässt die Geschichte vor allem in der Nacht spielen und die Polizisten laufen gerne mit Taschenlampen durch leere Straßen und leere Häuser. In den Momenten entwickelt der Thriller immer wieder eine ordentliche Portion Suspense. Denn natürlich wartet im Dunkeln immer wieder, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eine Überraschung. Wenn sie dann kommt, zuckt man auch immer wieder zusammen. Nach mehreren Minuten Stille erfüllt auch nur ein lautes Geräusch zuverlässig seinen Zweck. Und Vitthal hat ein Gespür für Stille.
Neben diesen nächtlichen Suspense-Szenen beschwören die langen Fahrten im Auto durch die Großstadtnacht eine schöne Noir-Stimmung in der bekannten „Blade Runner“-Tradition.
Bei all diesem Stilbewusstsein wird die Story nebensächlich. Die sehr langsam erzählte Mörderjagd bleibt an der dunkelblau und schwarz schimmernden Oberfläche. Vitthal erzählt die Geschichte von Renees Jagd nach dem anscheinend übernatürlichem Polizistenmörder mit einem fast schon pathetischen Ernst. Immerhin geht es um die Zustände in US-amerikanischen Städten, Rassismus, Vorurteilen und Polizeigewalt.
Gerade angesichts dieser wichtigen Themen und der Auflösung hätten „Body Cam“ mehr B-Picture-Schmutz und richtig verstandenes Trashgefühl gut getan. Denn ein Polizisten ermordendes übernatürliches Monster mit einer politischen Agenda ist eine wundervolle Idee für einen hemmungslos Blut, Ärger und Empörung spritzenden Thriller, der Moral- und Sittenwächter entsetzt aufschreien lässt, während die afroamerikanische Community die krude Rachegeschichte genießt. Gerne gewürzt mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor. Der fehlt hier völlig.
So ist „Body Cam“ vor allem ein gut inszenierter und edel aussehender Happen für Zwischendurch für den doch etwas genügsamen Horrorfilm- und Polizeifilmfan.

Bocy Cam – Unsichtbares Grauen (Body Cam, USA 2020)
Regie: Malik Vitthal
Drehbuch: Nicholas McCarthy, Richmond Riedel (nach einer Geschichte von Richmond Riedel)
mit Mary J. Blige, Nat Wolff, David Zayas, Anika Noni Rose, David Warshofsky, Ian Casselberry, Philip Fornah, Lara Grice, Demetrius Grosse, Naima Ramos-Chapman
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
ZDFneo, 20.15
The Big Lebowski (The Big Lebowski, USA 1998)
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Ein echter Kultfilm.
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Hinweise
Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen
Rotten Tomatoes über „The Big Lebowski“
Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)
Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)
Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)
Beginnen wir mit dem Regisseur von „Irresistible“ (oder wie im Abspann mit farbigen Buchstaben angedeutet wird: „IrRESISTible“). Er heißt Jon Stewart und er schrieb auch das Drehbuch. Dieser Jon Stewart war von 1999 bis 2015 Moderator und kreativer Kopf der „The Daily Show“. In seiner Late-Night-Show erklärte er mit satirischen Mitteln Politik so gut, dass sie für viele, vor allem jüngere Zuschauer, zu einer politischen Informationssendung wurde. Und, dank YouTube, wurde Stewart auch bei uns bekannt. Seit dem Ende seiner täglichen Show verfolgte er verschiedene Projekte und trat einige Male in „The Late Show with Stephen Colbert“ auf.
Wenn dieser Mann jetzt eine Polit-Satire dreht, dann erwartet man, nun, scharfzüngige, äußerst konzentrierte, zum Nachdenken anregende, äußerst schnell erzählte Satire. Also irgendetwas in Richtung von „The Big Short“, „Vice“ oder etwas in der Tradition von Aaron Sorkin. Die Geschichte von „Irresistible“ ist für so eine Herangehensweise prädestiniert.
Nach der Wahl von Donald J. Trump ist der Politikberater Gary Zimmer (Steve Carell) am Boden zerstört. Als er einen YouTube-Clip von einem Auftritt von Colonel Jack Hastings (Chris Cooper) sieht, ist er begeistert. Hastings ist ein pensionierter Veteran, verwitwet und Milchbauer. Während einer Gemeindeversammlung in dem Kaff Deerlaken, Wisconsin, ergriff er für die im Ort lebenden illegalen Einwanderer und gegen eine sie diskriminierende Regel das Wort. Hastings hielt eine wahrhaft demokratische, patriotisch die US-amerikanischen Werte hochhaltende Rede im US-amerikanischen Hinterland; dem Landstrich, der eigentlich fest in republikanischer Hand ist.
Zimmer macht sich auf den Weg nach Deerlaken. Er will Hastings zur neuen Hoffnung der Demokraten aufbauen. Der erste Schritt ist ein erfolgreicher Wahlkampf gegen den seit Ewigkeiten amtierenden Bürgermeister.
Zimmer kann Hastings von seinem Vorhaben überzeugen. Kurz nach Hastings ersten Wahlkampfaktivitäten, kommt Faith Brewster (Rose Byrne) nach Deerlaken. Sie ist für eine langjährige Wahlkampfmanagerin der Republikaner und schon seit Ewigkeiten Zimmers Intimfeindin, mit der ihn eine Hassliebe verbindet.
Das klingt doch nach der Ausgangslage für eine zünftige Polit-Satire über den frei drehenden Wahlkampfwahnsinn in den USA, die aktuellen politischen Befindlichkeiten und die kulturellen Kämpfe und Gräben zwischen Washington, D. C., und der Provinz.
Aber genau das ist „Irresistible“ nicht. Es ist eine sehr betulich erzählte kleine Provinzschnurre, die niemand weh tun will. Alles plätschert nett harmlos vor sich hin. Nichts wird wirklich zugespitzt. Die Zahl der Pointen ist überschaubar. Die Menschen in Deerlaken sind sympathisch und nett. Politische Konflikte scheint es, außerhalb der Blase der beiden verfeindeten Wahlkampfmanager, nicht zu geben. Und Zimmer und Brewster sind vor allem daran interessiert, Gegensätze zu inszenieren, um mehr Geld für ihren Wahlkampf zu bekommen. Auch die von ihnen nach außen gezeigte Abneigung kann nie ihre Zuneigung füreinander überdecken. Die Landschaft zeigt sich von ihrer fotogensten Seite. Alles ist wundervoll entschleunigt. So wie es halt vor fünfzig, sechzig, siebzig oder achtzig Jahren war, als Mr. Smith nach Washington ging.
Und genau das ist „Irresistible“ letztendlich: ein archetypischer Frank-Capra-Film mit einigen kleinen Modernismen (ein, zwei Wahlkampfspots, einige Telefone) und einer allumfassenden Warmherzigkeit, die nur die versöhnenden Dinge sieht. Stewart zeigt, ohne erkennbare Brechungen, ein weißes Amerika, das es so niemals gab. Die Kamera nimmt das brav auf im Seitenverhältnis 1,66, das heute doch sehr an ein TV-Bild erinnert.
Und genau dort gehört Jon Stewarts rundum harmloser Film auch eigentlich hin.
Ach ja: es lohnt sich, sich den Abspann anzusehen. Dann erklärt ein Experte, wie realistisch die im Film gezeigten Ereignisse sind.

Irresistible – Unwiderstehlich (Irresistible, USA 2020)
Regie: Jon Stewart
Drehbuch: Jon Stewart
mit Steve Carell, Rose Byrne, Chris Cooper, Mackenzie Davis, Topher Grace, Natasha Lyonne, Brent Sexton, Blair Sams, Will McLaughlin, Will Sasso, C. J. Wilson, Andrea Frankle
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Irresistible“
Metacritic über „Irresistible“
Um das Warten auf seinen neuen Film „Tenet“ (der Ende August bei uns in den Kinos anlaufen soll) zu verkürzen
Kabel 1, 20.15
Inception (Inception, USA/GB 2010)
Regie: Christopher Nolan
Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.
Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.
mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas
Wiederholung: Donnerstag, 6. August, 01.45 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über “Inception”
Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)
Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)
Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)
Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)
Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren pünktlich zum Monatsbeginn ihre Liste der besten Krimis für diesen Sommer(ferien)monat (obwohl es schon spürbar früher dunkel wird):
1. Zoë Beck – Paradise City (Plazierung im Vormonat: 4)
Suhrkamp, 280 Seiten 10 Euro.
2. Lee Child – Der Bluthund (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Wulf Bergner. Blanvalet, 448 Seiten, 22 Euro.
3. Guillermo Martinez – Der Fall Alice im Wunderland (Plazierung im Vormonat: 1)
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. Eichborn, 320 Seiten, 16 Euro.
4. William Boyle – Eine wahre Freundin (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf. Polar, 364 Seiten, 22 Euro.
5. Hideo Yokoyama – 50 (Plazierung im Vormonat: 2)
Aus dem Japanischen von Nora Bartels. Atrium, 352 Seiten, 22 Euro.
6. Max Annas – Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit (Plazierung im Vormonat: /)
Rowohlt, 336 Seiten, 20 Euro.
7. James Lee Burke – Blues in New Iberia (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 586 Seiten, 22 Euro.
8. Joseph Incardona – One-Way-Ticket ins Paradies (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Französischen von Lydia Dimitrow. Lenos, 310 Seiten, 22 Euro.
9. Lauren Wilkinson – American Spy (Plazierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Antje Althans, Anne Emmert, Katrin Harlaß, Jenny Merling. Tropen, 366 Seiten, 16 Euro.
10. Tommie Goerz – Meier (Plazierung im Vormonat: /)
Ars Vivendi, 164 Seiten, 18 Euro.

Inspector Morse – – – ist bei uns wohl am bekanntesten aus zwei Spin-off-TV-Serien. Die eine heißt „Lewis – Der Oxford Krimi“. In ihr ermittelt DI Robert „Robbie“ Lewis in Oxford. Davor war er der Assistent von Inspector Morse. Die andere ist „Der junge Inspektor Morse“ und sie erzählt von Fällen, die Morse als junger Polizist in den sechziger Jahren in Oxford aufklärte. Der Ursprung für beide Serien ist die bei uns fast unbekannte Serie „Inspektor Morse“. Diese Serie basiert auf dem von Colin Dexter erfundenem Ermittler, der vor seinem TV-Leben in einigen hochgelobten Kriminalromanen Verbrecher jagte.
Sein erster literarischer Auftritt war 1975 in „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock, 1975).
Einige Jahre später schrieben die Krimikritiker Rudi Kost und Thomas Klingenmaier in „Steckbriefe“ über Colin Dexter und Inspector Morse: „Es gibt ihn noch, den guten alten englischen Krimi, mit all seinen Tugenden: Gepflegter Stil, sophisticated bis ironisch, schrullige Figuren, jede Menge falscher Fährten, die Verrätselung bis zum verblüffenden Schluss. Colin Dexter bedient sich ungeniert in der Trickkiste, mit der Selbstsicherheit eines Autors, der sich der Tradition, der Spielregeln, bewusst ist, aber auch der gutgeölten Mechanismen, die eine Geschichte am Laufen halten und der deswegen mit ihnen augenzwinkernd spielen kann. Seine Bücher sind mit einem Wort zu kennzeichnen: gepflegt. Colin Dexter nimmt eine bekannte Formel auf, misst sie an modernen kriminalistischen und psychologischen Erkenntnissen und passt sie sodann geschmeidig an.“
Der von Colin Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist, wie es sich für einen traditionellen Rätselkrimi gehört, ein von privaten und psychischen Problemen angenehm unbelasteter Ermittler. Er hat kein Privatleben, das die Ermittlung stört und den Roman um Dutzende, wenn nicht sogar hunderte Seiten verlängert. Er lebt allein. Hat keine Beziehung. Hört gern klassische Musik. Liest gerne. Löst leidenschaftlich Kreuzworträtsel. Das alles ist nicht so wahnsinnig interessant, macht ihn aber in seiner Gewöhnlichkeit sehr sympathisch. Vor allem ist er ein schlauer Ermittler.
„Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist der achte Morse-Roman. Er erhielt den „Gold Dagger“ und ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Morse-Roman.
Morse wird mit einem Magengeschwür und -blutungen ins Krankenhaus eingeliefert und sofort notoperiert. Sein jahrelanger übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, gepaart mit einem Hang zur körperlichen Bewegungslosigkeit, forderten ihren Tribut. Im Krankenbett liest er, zwischen den Kontrollbesuchen von Ärzten und Schwestern, einem Bericht über einen historischen Mordfall. Bei der Beschreibung des Tathergangs fallen ihm einige Unstimmigkeiten auf. Daher vermutet er, dass 1859 die falschen Männer für den Mord an Joanne Franks gehenkt wurden. Also beginnt er vom Krankenbett aus, unterstützt von einigen ihm bei der Beschaffung historischer Dokumente helfenden Hände, den Täter zu suchen. Denn Mord verjährt nicht.
Und, da verrate ich jetzt kein Geheimnis, er kann den Fall lösen.
Dabei war für Morse diese Ermittlung zunächst nur eine Ablenkung vom Klinikalltag mit seinen Regeln, die ihn dazu zwingen, bestimmte feste (ein Schundroman mit eindeutigem Cover) und flüssige Gegenstände (etwas Alkohol) vor neugierigen Augen zu verbergen. In diesen Momenten liefert Colin Dexter eine wunderschön süffige des damals (der Roman erschien 1989) wohl schon etwas der Vergangenheit angehörenden drakonischen Krankenhausalltags mit festen Besuchszeiten, Peinlichkeiten bei der Lektüre der falschen Literatur, strengen Schwestern und Ärzten, die Aufgrund der medizinischen Werte sofort den Alkoholkonsum des Patienten treffend einschätzen. Bei dem Aufnahmegespräch gab Morse selbstverständlich zu geringe Mengen an.
„Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist auch die Geschichte eines alten Mannes, der noch einige neue Dinge entdeckt. Inzwischen sind diese Second Chances-Geschichten ja ein etabliertes Genre, in dem Sechzigjährige (oder noch ältere) es noch einmal wissen wollen oder die wirklich große Liebe entdecken.
Außerdem: welche unsportliche Leseratte wäre nicht gern wie der alleinstehende, übergewichtige Inspector Morse, dem auf dem Krankenbett fast alle Frauenherzen zufliegen?
Colin Dexter erzählt dies alles mit süffigem Humor. Er weiß, welche Klischees er bedient. Er tut dies mit spürbarer Wonne. Und der Fall ist gut geplottet.
„Gott sei ihrer Seele gnädig“ bewegt sich, wie seine anderen Romane, im Feld des traditionellen Rätselkrimis, der heute in dieser Form kaum noch gepflegt wird. Einerseits, weil zwei-/dreihundertseitige Bücher zugunsten dickerer Bücher aus der Mode gekommen sind. Andererseits – und das ist der wichtigere Grund -, ist es verdammt schwierig, einen guten Rätselplot mit überzeugenden falschen Fährten und einer ebenso logischen, wie überraschenden Auflösung zu erfinden.
In Deutschland erschienen die Morse-Krimis zuerst im Rowohlt-Verlag und seit zwei Jahren im Unionsverlag. Diese überarbeiteten Neuauflagen machen die Krimis so einer neuen Leserschaft zugänglich.
Und „Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist ein guter Einstieg in die Morse-Welt. Denn, auch das ist etwas aus der Mode gekommen, die Morse-Romane können in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden.
–
Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig – Ein Fall für Inspector Morse
(übersetzt von Christiane Friederike Bamberg, durchgesehen von Eva Berié)
Unionsverlag, Zürich, 2020
208 Seiten
12,95 Euro
–
Originalausgabe
The Wench is dead
Macmillan, London, 1989
–
Deutsche Erstausgabe
Mord am Oxford-Kanal
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1990
–
Ebenfalls wieder neu erschienen

Colin Dexter: Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse
(übersetzt von Marie S. Hammer, durchgesehen von Eva Berié)
Unionsverlag, Zürich, 2020
272 Seiten
12,95 Euro
–
Originalausgabe
The Secret of Annexe 3
Macmillan, London, 1986
–
Deutsche Erstausgabe
Hüte dich vor Maskeraden
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1988
–
Hinweise
Unionsverlag über Colin Dexter
Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“
Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“
Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“
Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“
Meine
ARD, 20.15
Leberkäsjunkie (Deutschland 2019)
Regie: Ed Herzog
Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog
LV: Rita Falk: Leberkäsjunkie, 2016
In der Ruine des abgebrannten Mooshammerhofs wird eine Frauenleiche gefunden. Dorfpolizist Franz Eberhofer muss den Mörder suchen. Gleichzeitig muss er eine strenge Diät befolgen, die ihm, unter anderem, das Essen von Leberkäse verbietet.
TV-Premiere. Für die sechste Eberhofer-Krimikomödie wurde nichts an der bewährten Rezeptur geändert: „Leberkäsjunkie“ ist gewohnt witzig-kurzweilige Unterhaltung mit einem bestens eingespieltem Stammensemble und spielfreudigen Gaststars. Der Fall selbst ist dabei nebensächlich.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Eva Mattes, Robert Stadlober, Manuel Rubey, Anica Dobra, Castro Dokyi Affum, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Ferdinand Hofer, Thomas Kügel, Frederic Linkemann, Lara Mandoki, Michael Ostrowski, Harry G.
Wiederholung: Dienstag, 3. August, 00.35 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Leberkäsjunkie“
Moviepilot über „Leberkäsjunkie“
Wikipedia über „Leberkäsjunkie“
Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)
Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)
Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)
Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Leberkäsjunkie“ (Deutschland 2019)
Pro7, 20.15
Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Rebecca Blunt
Nach seiner Entlassung bei einer Baufirma hat Jimmy Logan einen Plan: während eines Nascar-Rennens will er die Einnahmen klauen. Er braucht dabei nur etwas Hilfe und seine Helfer sehen nicht wie vertrauenswürdige Diebe, sondern wie dusselige Hinterwäldler aus.
Wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie von Steven Soderbergh. Sozusagen die Hillbilly-Version von „Ocean’s Eleven“. Dass der minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde, ist da egal.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Inzwischen ist auch das Rätsel um die Identität der Drehbuchautorin Rebecca Blunt enthüllt. Es ist Soderberghs Frau Jules Asner.
mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank
Wiederholung: Montag, 3. August, 00.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“
Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)
Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)
Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)
Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD
Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)
ZDFneo, 22.00
Internal Affairs – Trau ihm, er ist ein Cop (Internal Affairs, USA 1990)
Regie: Mike Figgis
Drehbuch: Henry Bean
Ist der allseits beliebte, hilfsbereite Polizist Dennis Peck (Richard Gere) korrupt? Der interne Ermittler Raymond Avilla (Andy Garcia) will es herausfinden.
Hübsch düsterer, in Los Angeles spielender Cop-Thriller von Mike Figgis („Stormy Monday“, „Leaving Las Vegas“) mit Richard Gere, besetzt gegen sein Image, als bad guy.
„Es gibt keine sauberen Polizisten mehr in diesem ungemein spannenden und dichten Polizeifilm, (…) der (…) vor allem durch seine atmosphärisch stimmige und dicht an den Figuren bleibenden Inszenierung besticht.“ (Fischer Film Almanach 1991)
mit Richard Gere, Andy Garcia, Nancy Travis, Laurie Metcalf, Richard Bradford, William Baldwin, Annabella Sciorra, Michael Beach, Xander Berkeley, Elijah Wood
Wiederholung: Sonntag, 2. August, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Internal Affairs“
BR, 22.45
Mein großer Freund Shane (Shane, USA 1953)
Regie: George Stevens
Drehbuch: A. B. Guthrie jr., Jack Sher
LV: Jack Schaefer: Shane, 1949 (Mein großer Freund Shane)
Revolverheld Shane hilft einigen Siedlern gegen einen bösen Viehzüchter.
Ein Westernklassiker für Erwachsene mit einem mythologischen Helden. Sowohl Roman als auch Film eroberten Publikum und Kritik im Sturm.
Mit Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Elisha Cook jr.
Hinweise
Wikipedia über „Mein großer Freund Shane“ (deutsch, englisch)
Turner Classic Movies über “Shane”
Filmsite: Tim Dirks über “Shane”
Western-Autor Richard S. Wheeler über „Shane“ von Jack Schaefer
MDR, 23.40
Der andere Liebhaber (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon, in Zusammenarbeit mit Philippe Piazzo
LV: Joyce Carol Oates: Lives of the Twins, 1987 (Der Andere; Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Rosamund Smith)
Die hoffnungslos neurotische Chloé verliebt sich in ihren Psychotherapeuten – und seinen Zwillingsbruder. Das führt zu einigen mörderischen Verwicklungen.
TV-Premiere zu einer indiskutablen Uhrzeit.François Ozons Psychothriller ist ein wunderschöner intellektueller Spaß mit überraschenden Wendungen bis zur letzten Minute. Immer nach dem alten Thriller- und Horrorfilmprinzip „nichts ist, wie es scheint“; – was natürlich auch eine Täuschung sein kann.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Marine Vacth, Jérémie Renier, Jacqueline Bisset, Myriam Boyer, Dominique Reymond
Hinweise
Französische Homepage zum Film
Moviepilot über „Der andere Liebhaber“
AlloCiné über „Der andere Liebhaber“
Metacritic über „Der andere Liebhaber“
Rotten Tomatoes über „Der andere Liebhaber“
Wikipedia über „Der andere Liebhaber“ (deutsch, englisch, französisch)
Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)
Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)
Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)
Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)
Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)
Meine Besprechung von Joyce Carol Oates‘ „Pik-Bube“ (Jack of Spades, 2015)