TV-Tipp für den 26. Mai: Wahl 2019 – Europa und Bremen

Mai 25, 2019

ARD, 17.30/ZDF, 17.35

Wahl 2019 – Europa und Bremen

In den letzten Tagen wurde schon in anderen EU-Staaten gewählt, Großbritannien hatte Probleme bei der Durchführung der Wahl (Bin auf die Klagen gespannt.), in Deutschland schließen die Wahllokale um 18.00 Uhr, in Italien um 23.00 Uhr. D. h. am Abend gibt es nur Hochrechnungen und die Ergebnisse der Bremen-Wahl.

Ab 23.00 Uhr gibt es beim Bundeswahlleiter die Ergebnisse.


TV-Tipp für den 25. Mai: Cop Land

Mai 24, 2019

ZDFneo, 21.40

Cop Land (Cop Land, USA 1997)

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte mit einer Action-All-Star-Besetzung „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich

Hinweise

Wikipedia über „Cop Land“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Cop Land“

Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)

Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Ansel Elgort ist „Jonathan“ und sein Zwillingsbruder

Mai 24, 2019

Auf den ersten Blick ist der 24-jährige Jonathan ein ganz normaler junger Mann. Vielleicht etwas höflicher, ordentlicher und zurückgezogener, als man es von einem allein lebenden Mittzwanziger erwarten würde. Er arbeitet in einem Architekturbüro und sein Chef würde ihm gerne in das Team für ein großes Projekt aufnehmen. Dafür müsse Jonathan allerdings mehr im Büro arbeiten. Teilweise auch an den Abenden. Jonathan lehnt das Angebot für eine Vollzeitstelle, für das andere morden würden, mit einem Hinweis auf seine besonderen Verpflichtungen ab.

Und das mit dem ‚allein leben‘ stimmt so auch nicht. Denn in dem sauberen Apartment stehen zwei getrennte Betten. In dem einen schläft Jonathan. In dem anderen sein Zwillingsbruder John.

Die beiden Brüder sehen sich niemals. Sie kommunizieren über Video und SMS. Sie erzählen sich alles, damit der eine Bruder immer für den anderen einspringen kann.

Spätestens jetzt dürften Genrefans an Tommy Wirkolas „What happened to Monday?“ (What happened to Monday?, Großbritannien 2017) denken. In dem SF-Thriller spielt Noomi Rapace Monday und ihre sechs Geschwister sich ein Leben. Sie leben in einer überbevölkerten Welt, in der es eine strenge Ein-Kind-Geburtenkontrolle gibt. An jedem Tag verlässt eine Schwester das Haus. Eines Tages kehrt Monday nicht zurück.

In Bill Olivers Spielfilmdebüt „Jonathan“ steht der Protagonist vor einem anderen Problem. Denn Jonathan und John leben in dem gleichen Körper. Damit sich die beiden Brüder nicht ständig im Kopf ihres Wirts streiten, folgen sie auf Jonathans Drängen seit Ewigkeiten einem strengen Regelbuch. Von 7.00 bis 19.00 Uhr lebt Jonathan, von 19.00 bis 7.00 Uhr Jonas in dem von ihnen bewohntem Körper. Das läuft gut, bis Jonathan herausfindet, dass John ihm nicht alles verrät und er eine Freundin hat.

„Jonathan“ erzählt klinisch kühl die Geschichte einer extrem Persönlichkeitsspaltung, die zu einem Machtkampf zwischen den beiden Brüdern wird. Das ist eine Idee, die aus einer „The Twilight Zone“-Episode stammen könnte und wie eine überlange „The Twilight Zone“-Episode wirkt „Jonathan“ dann auch. Nachdem die Prämisse etabliert ist, verflacht die langsam erzählte, an wenigen Orten spielende Geschichte zunehmend. Als haben die Macher nicht gewusst, was sie mit ihrer Idee anfangen sollen.

Die Hauptrolle übernahm Ansel Elgort, der hier mit seinem subtilen Spiel überzeugt. Bekannt wurde er als Caleb Prior in den „Divergent“-Filmen und „Baby Driver“ (so auch der Filmtitel). Demnächst spielt er in Steven Spielbergs „West Side Story“ mit.

Jonathan (Jonathan, USA 2018)

Regie: Bill Oliver

Drehbuch: Gregory Davis, Peter Nickowitz, Bill Oliver

mit Ansel Elgort, Patricia Clarkson, Suki Waterhouse, Matt Bomer, Douglas Hodge

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jonathan“

Metacritic über „Jonathan“

Rotten Tomatoes über „Jonathan“

Wikipedia über „Jonathan“


Neu im Kino/Filmkritik: „All my loving“ – drei Kurzfilme über drei Geschwister und ihr Leben

Mai 24, 2019

Stefan (Lars Eidinger), Julia (Nele Mueller-Stöfen) und Tobias (Hans Löw) sind Geschwister. Aber zusammen sind sie nur am Anfang und Ende von „All my loving“. Zwischen dem Prolog und dem Epilog verfolgt Edward Berger („Jack“) sie in drei getrennten, etwa gleich langen Episoden.

Stefan ist ein Pilot, der wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr Fliegen darf. Also benutzt er seine Pilotenuniform für One-Night-Stands. Jetzt hat er sich, für Julia und Tobias überraschend, bereit erklärt, für ein verlängertes Wochenende auf Julias Hund Rocco aufzupassen. Für seine Tochter Vicky, Ergebnis einer dreizehn Jahre zurückliegenden kurzen Affäre, ist er kein Vater, sondern höchstens ein alle Verantwortung ablehnender Freund. Trotzdem gerät er in Panik, als sie für eine Nacht verschwindet.

Julia ist mit ihrem Mann Christian für ein verlängertes Wochenende nach Turin geflogen. Die Hundenärrin will ihrer erlahmenden Beziehung neue Impulse geben. Aber zuerst findet sie auf der Straße einen verletzten kleinen Straßenhund, den sie sofort in ihr Herz schließt und gesund pflegen will. Christian toleriert ihre neue Obsession mit engelsgleicher Geduld.

Zur gleichen Zeit besucht Tobias ihre Eltern. Er ist ein sanfter Langzeitstudent, der mit seiner Diplomarbeit nicht weiterkommt, während seine Frau Geld verdient. Er übernimmt die Hausarbeit und die Erziehung ihrer Kinder.

Weil seine beiden Geschwister beschäftigt sind, soll er die Eltern besuchen und ihren herrischen Vater überreden, einen Arzt wegen seiner Gesundheit zu konsultieren. Als er das elterliche Haus betritt, bemerkt er, dass der schlechte Gesundheitszustand seines Vaters nicht das größte Problem seiner Eltern ist.

„All my loving“ erzählt in drei Kurzfilmen aus dem Leben von sehr bürgerlichen Vierzigjährigen. Sie sind Geschwister. Aber sonst verbindet sie wenig. Ihre Lebensmodelle sind grundverschieden. Regisseur Edward Berger und seine Frau und Co-Autorin Nele Mueller-Stöfen haben die Familien nach dem Prinzip der größten Distanz entworfen. Damit leben Stefan, Julia und Tobias in so unterschiedlichen Welten, dass sie sich letztendlich nichts zu sagen haben und auch ihr Leben nichts miteinander zu tun hat. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch Bergers Entscheidung, hintereinander aus dem Leben der Geschwister zu erzählen.

Diese haben bei all den Unterschieden in ihrem Alltag und ihren heterosexuellen Beziehungen (was dann immerhin eine Gemeinsamkeit ist), einen gemeinsamen Charakterzug. Alle sind introvertiert und verschlossen. Sie und ihre Partner reden nicht über ihre eigenen und ihre gemeinsamen Probleme. Als Zuschauer muss man sich dann langsam zusammenreimen, was sie nicht sagen. Ein wirkliches Interesse an den Personen, ihren Problemen, Pseudoproblemen, Lebenslügen und Antworten darauf entsteht so allerdings nicht.

Bergers Erzählweise betont diese Sprachlosigkeit weiter. In den einzelnen Kurzfilmen passiert kaum etwas. Es sind betont undramatische Einblicke in das Leben der Protagonisten. Es ist ein Ausschnitt von einigen Tagen. Eine Entwicklung gibt es nicht und vor eine wirklich existenzielle Entscheidung wird keiner von ihnen gestellt.

So entsteht diese typisch deutsche Mischung, die Langsamkeit und Schweigsamkeit für Bedeutungsschwere und Inhalt hält. Diese Ereignislosigkeit hat leicht eine seditative Wirkung.

All my loving (Deutschland 2019)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen

mit Lars Eidinger, Nele Mueller-Stofen, Hans Löw, Christine Schorn, Manfred Zapatka, Matilda Berger, Valerie Pachner, Zsá Zsá Inci Bürkle, Valerie Koch

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „All my loving“

Moviepilot über „All my loving“

Rotten Tomatoes über „All my loving“

Wikipedia über „All my loving“

Berlinale über „All my loving“

Meine Besprechung von Edward Bergers „Jack“ (Deutschland 2014)


TV-Tipp für den 24. Mai: Die Katze

Mai 23, 2019

3sat, 22.25

Die Katze (Deutschland 1988)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Uwe Erichsen, Christoph Fromm

LV: Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze, 1984 (später “Die Katze”)

In der Düsseldorfer Innenstadt endet ein Bankraub in einer Geiselnahme. Die Polizei umstellt die Filiale und ein nervenzerfetzendes Duell beginnt. Aber die Polizisten wissen nicht, dass sie von Probek beobachtet werden und dieser alles geplant hat.

Grandioser deutscher Action-Thriller, der sich nicht vor amerikanischen Vorbildern verstecken muss.

“Für einen bundesdeutschen Spielfilm zeigt ‘Die Katze’ eine erstaunliche Professionalität: präzise Kamera- und Schauspielerführung, eine funktionelle Dramaturgie, eine funktionierende Geschichte.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)

Beim Cognac Festival du Film Policier gab’s dafür den “Grand Prix” und den “FR3 Grand Prix” (Unwichtige Bonus-Information: Guy Hamilton war der Juryvorsitzende).

mit Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter

Hinweise

Filmportal über „Die Katze“

Wikipedia über „Die Katze“ (deutsch, englisch)

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichson

Vierundzwanzig über „Die Katze“ (Interview mit Christoph Fromm)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „John Wick: Kapitel 3“ wird aufgeschlagen

Mai 23, 2019

Am Ende von „John Wick: Kapitel 2“ hatte der ehemalige Profikiller John Wick (Keanu Reeves) es sich mit der Hohen Kammer, dem obersten Entscheidungsgremium der streng geheimen, obskuren Regeln folgenden und Killern umfassenden Schutz gebenden Assassinen-Gilde, gründlich verscherzt. Er hatte am falschen Ort ein anderes Mitglied der Profikiller-Gilde getötet. Die Strafe dafür ist ein Ausschluss aus dem Verein. Und als ob das noch nicht genug wäre, setzt die Hohe Kammer ein Kopfgeld von vierzehn Millionen auf ihn aus.

„John Wick: Kapitel 3“ beginnt unmittelbar danach. In einem verregneten „Blade Runner“-New York läuft John Wick um sein Leben. In wenigen Minuten, um 18.00 Uhr, ist er excommunicado und damit Freiwild. Ab diesem Moment werden aller Killer und Möchtegernkiller in der Millionenstadt versuchen, ihn zu töten.

Nach dem ersten Kampf, einer epischen, in einer Bibliothek beginnenden Schlacht durch halb Manhattan, geht Wick zum Angriff über. Er will ein Gespräch mit The Elder, einem der wichtigsten und respektiertesten Mitglieder der Hohen Kammer. Er will, dass sein Todesurteil rückgängig gemacht wird.

Sein Reise führt ihn zunächst nach Marokko, wo schon die nächsten Killer auf ihn warten.

Viel mehr Plot benötigen Autor Derek Kolstad und Regisseur Chad Stahelski, von denen auch die ersten beiden „John Wick“-Filme sind, nicht. Der erste Film erzählte noch eine klassische B-Picture-Rachegeschichte, in der John Wicks Rache für seinen toten Hund für einen grotesk-blutigen Gewaltexzess sorgte. In „John Wick: Kapitel 3“ haben sie sich von traditionellen Hollywood-Erzählmustern verabschiedet. Die Geschichte und damit die Logik des Filmplots gehorcht der Dramaturgie von Comicheften, die weitgehend unabhängig voneinander gelesen werden können. Es gibt grandiose Actionszenen, garniert mit kurzen Auftritten bekannter Schauspieler (als überzeugende und erinnerungswürdige Neuzugänge sind Anjelica Huston und Halle Berry dabei), und einem Minimalplot, der der Action immer vor einem Abgleiten in das reine l’art pour l’art abhält. Dabei sind die Charaktere höchst sparsam charakterisiert. Laurence Fishburne heißt nur Bovery King, Anjelica Huston ist The Director (vom der Tarkovsky Ballettschule/Theater), Asia Kate Dillon ist The Adjudicator, Mark Dascados ist Zero, Saïd Taghmaoui ist The Elder, Ian McShane ist immer noch Winston, der Manager des New Yorker Continental Hotel, und Lance Reddick ist immer noch Charon, der überaus diskrete und höfliche Concierge des Continental Hotel.

Allein schon die Namen deuten an, wie viel Spaß die Macher beim Entwerfern ihrer Comicwelt hatten, in der Killer Mitglieder einer quasi-religiösen Gilde sind, deren Regeln befolgen und niemals Ärger mit der Polizei haben. Denn in der Welt von John Wick gibt es keine Polizei.

Und die Action – mit Fäusten, Messern, Schusswaffen, zu Fuß, auf dem Pferd und Motorrad – ist mal wieder grandios mit wenigen Schnitten und viel Stilbewusstsein inszeniert. Sie sind hyper-ästhetisiert, einfallsreich, abwechslungsreich und sie liefern den Fans der ersten beiden „John Wick“-Filme das, was sie und Actionfilmfans lieben: handgemachte Action, die zwar unwahrscheinlich, aber nicht vollkommen unmöglich ist. Sie wurde auch, teils mit der Hilfe von Drähten, durchgehend live vor Kamera ausgeführt.

Neben den Kämpfen in „John Wick: Kapitel 3“ wirkt der Schlusskampf in „Avengers: Endgame“ wie ein schlecht choreographiertes, zu dunkel inszeniertes, mit CGI zugekleistertes laues Lüftchen.

Insgesamt entwickelt „John Wick: Kapitel 3“ konsequent die Stärken der vorherigen beiden „John Wick“-Filme weiter. Stahelski nimmt sich dabei noch mehr Zeit für die Actionszenen. Die stilisierte Neo-Noir-Optik gefällt. Die von Kolstak erfundene Mythologie entwirft eine vergnügliche, aber auch vollkommen abstruse Parallelwelt. Und die Schauspieler sind mit offensichtlichem Vergnügen dabei. Mit 132 Minuten ist „John Wick: Kapitel 3“ der längste Film der Serie.

Vor „John Wick: Kapitel 3“ sagten die Macher zwar, dass sie das „John Wick“-Franchise nicht bis in alle Ewigkeit fortführen würden und deuteten an, dass der dritte „John Wick“-Film auch der letzte sei.

Das Ende von „John Wick: Kapitel 3“ ist allerdings so, dass es unbedingt nach einem vierten „John Wick“-Film verlangt. Inzwischen und nach dem überaus erfolgreichen Kinostart in den USA ist der vierte „John Wick“-Film für den 21. Mai 2021 angekündigt.

John Wick: Kapitel 3 (John Wick: Chapter 3 – Parabellum, USA 2019)

Regie: Chad Stahelski

Drehbuch: Derek Kolstad, Shay Hatten, Chris Collins, Marc Abrams (nach einer Geschichte von Derek Kolstad) (basierend auf von Derek Kolstad erfundenen Charakteren)

mit Keanu Reeves, Halle Berry, Ian McShane, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Tobias Segal, Anjelica Huston, Saïd Taghmaoui, Jerome Flynn, Randall Duk Kim, Margaret Daly, Robin Lord Taylor, Susan Blommaert

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „John Wick: Kapitel 3“

Metacritic über „John Wick: Kapitel 3“

Rotten Tomatoes über „John Wick: Kapitel 3“

Wikipedia über „John Wick: Kapitel 3“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Staheskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 2“ (John Wick: Chapter 2, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Aladdin“, ein Geist aus der Flasche, ein fliegender Teppich und mehr Orient-Klischees als eine Wüste Sandkörner hat

Mai 23, 2019

Das ist kein Guy-Ritchie-Film. Weder einer seiner guten, noch einer seiner schlechten Filme.

„Aladdin“ ist ein Disney-Musical für Kinder. Ritchie selbst nennt seinen Film „ein Musical in seiner reinsten traditionellen Form“.

Dummerweise bin ich zwar Musikfan, aber kein Freund von Musicals.

Die Geschichte dürfte bekannt sein. Aladdin (amerikanisiert, bei uns Aladin), ein junger, überaus sympathischer Tagdieb in der irgendwo im Orient liegenden Hafenstadt Agrabah, verliebt sich in die Prinzessin Jasmin, die er zunächst für die Zofe der Prinzessin hält. Er zeigt ihr seine Wohnung mit fabelhaftem Blick über die Stadt.

In der Nacht schleicht er sich in den gut bewachten Hof des Sultans und, nachdem er sich von Jasmin verabschiedet, wird er von der Palastwache erwischt. Der böse Zauberer Jafar, zweiter Mann im Staat mit Ambitionen auf die Herrschaft über das Sultanat, zwingt Aladdin, aus einer Höhle eine besondere Lampe zu stehlen.

Als Aladdin in der Höhle den Staub von der Lampe abreibt, befreit er aus der Wunderlampe den dort seit Ewigkeiten gefangenen Flaschengeist. Dieser Flaschengeist soll Aladdin drei Wünsche erfüllen.

Neben dem altbekannten Märchen basiert Guy Ritchies Film vor allem auf Disneys enorm erfolgreichen Zeichentrickfilm „Aladdin“ (USA 1992). Nur dass jetzt, wie in den letzten Jahren bei vielen anderen Disney-Klassikern, aus dem Trickfilm ein Realfilm wird. Mit viel CGI. Wobei Aladdins Flüge mit dem Fliegenden Teppich erstaunlich schlecht animiert sind. Die Lieder von Disney-Komponist Alan Menken wurden von dem 1992er „Aladdin“ übernommen, neu eingespielt und um den neuen Song „Speechless“ ergänzt.

Um dem Vorwurf des White-Washing zu begegnen, wurden die verschiedenen Rollen mit Menschen besetzt, die mehr oder weniger aus dem Orient kommen oder entsprechende Vorfahren haben. Am Ende ist „Aladdin“ der diversest besetzte Film in der Geschichte Disneys. Bis auf Will Smith, der den meistens computeranimierten, ständig gut gelaunten, nervigen, blauen Flaschengeist spielt, sind die anderen Schauspieler weitgehend unbekannt. Aber durchgehend liebenswert.

Auf die sattsam bekannten Orient-Klischees wurde allerdings nicht verzichtet. „Aladdin“ sieht wie einer dieser „Geschichten aus 1001 Nacht“-Filme aus den vierziger Jahren aus. Alles ist bunt. Alles entspricht dem Klischeebild des Westens vom Orient. Nichts davon hat etwas mit der Realität zu tun.

In einem neuen Film ist ein so altmodisches Klischee-Orient-Bild einfach nur ärgerlich. Denn das in „Aladdin“ vermittelte Fantasie-Orientbild ist für Kinder das erste Bild, das sie vom Orient erhalten.

Für Erwachsene ist dann erstaunlich, wie mühelos man den Kampf zwischen dem bösen, machtgierigen Zauberer und dem edlen Aladdin tagespolitisch interpretieren kann. Jafar hat aufgrund seiner Herkunft keinen Anspruch auf den Thron, aber er ist machtgeil, skrupellos und er will überkommene Traditionen und einen schwachen, Kriegen abgeneigten Sultan beseitigen. Jafar will Agrabah zu einem Staat machen, der sich nicht von anderen ausbeuten lässt, der stark ist und über andere dominiert. Notfalls mit Gewalt und Abschottung. Das ist das Bild, das Donald Trump von sich inszeniert; auch wenn es mit seiner Vita nichts zu tun hat. Jasmin, die Tochter des Sultans und Thronfolgerin, will dagegen auf ihr Volk hören, weshalb sie sich immer wieder unter unerkannt unter die normalen Leute mischt, und sie will das Land reformieren. Da ist Alexandria Ocasio-Cortez nicht weit weg. Auch wenn sie erst nach dem Ende der Dreharbeiten, die von August 2017 bis Januar 2018 waren, die politische Bühne betrat.

Der nicht nach Macht strebende Aladdin will als Mann von der Straße nur das Herz der Prinzessin erobern. Im Gegensatz zu einem Wähler muss er nicht mehr von ihren Ansichten überzeugt werden. Er steht auch nicht vor der Frage, ob er Jasmins oder Jafars Pläne für das Königreich besser findet.

Und der Sultan steht, wenn wir in dem Bild bleiben, für die republikanische Partei, die dem Bösewicht keinen Widerstand entgegensetzt.

Aber wahrscheinlich ist das eine hemmungslose Überinterpretation. Denn letztendlich ist „Aladdin“ ein buntes Nichts.

Aladdin (Aladdin, USA 2019)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: John August, Guy Ritchie

mit Will Smith, Mena Massoud, Naomi Scott, Marwan Kenzari, Navid Negahban, Numan Acar, Nasim Pedrad, Billy Magnussen

Länge: 129 Minuten (Wer hat noch einmal behauptet, Kinder könnten heute keine fünf Minuten mehr still sitzen?)

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Aladdin“

Metacritic über „Aladdin“

Rotten Tomatoes über „Aladdin“

Wikipedia über „Aladdin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)


TV-Tipp für den 23. Mai: Theo gegen den Rest der Welt

Mai 23, 2019

3sat, 22.25

Theo gegen den Rest der Welt (Deutschland 1980)

Regie: Peter F. Bringmann

Drehbuch: Matthias Seelig

Ruhrpottjungen Theo Gromberg, bekannt aus dem in den letzten Jahren öfter gezeigten TV-Film „Aufforderung zum Tanz“, ist inzwischen stolzer LKW-Besitzer. Dummerweise wird ihm der Brummi während einer Pinkelpause geklaut. Aber der Dieb hat nicht damit gerechnet, dass Theo ihn durch halb Europa verfolgt.

Wundervolles, witziges Road-Movie, das damals ein Kinohit war. 1980 war „Theo gegen den Rest der Welt“ der erfolgreichste Film des Jahres, der „hemmungslos in Actionkino- und Hollywoodmustern schwelgte (…) diese Zutaten sind so alt wie das Kino selbst. Sich auf sie besonnen zu haben und aus ihnen einen unverbraucht wirkenden Film mit unvergesslichen Typen und herrlich haarsträubenden Situationen geschaffen zu haben, ist das große Verdient von Regisseur Bringmann und Brechbuchautor Matthias Seelig.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film, 1981)

mit Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi, Claudia Demarmels,, Peter Berling, Horst Bergmann, Marquard Bohm

Hinweise

Filmportal über „Theo gegen den Rest der Welt“

Wikipedia über „Theo gegen den Rest der Welt“


Aus Cannes: Europäische Filmemacher*innen fordern zur Teilnahme an der Europawahl auf

Mai 22, 2019

In Cannes wurde nicht nur der neue Film von Quentin Tarantino gezeigt, sondern auch ein Manifest europäischer Filmemacher*innen vorgestellt, in dem die fünfhundert Unterzeichnenden zur Teilnahme an der Wahl zum Europäischen Parlament aufrufen. In Deutschland ist die Wahl am Sonntag.

Das Manifest beruht auf einer Initiative des Verbands der französischen Filmregisseur*innen (SRF), der Quinzaine, der European Film Academy (EFA), des Verbandes der europäischen Filmregisseur*innen und der Gesellschaft der audiovisuellen Autor*innen (SAA).

Unterzeichnet wurde es unter anderem von Jacques Audiard, Susanne Bier, Costa-Gavras, Luc und Jean-Pierre Dardenne, Julie Delpy, Ralph Fiennes, Stephen Frears, Neil Jordan, Valeria Golino, Miguel Gomes, Agnieszka Holland, Alan Parker, Pawel Pawlikowski, Jim Sheridan, Céline Sciamma und Stellan Skarsgaard. Aus Deutschland sind Feo Aladag, Fred Breinersdorfer, Wim Wenders, C. Cay Wesnigk, Dominik Wessely und Rita Ziegler, um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen, dabei.

In ihrem Manifest (französische und englische Fassung und alle Unterzeichnenden) sagen sie:

Ja, es ist wahr: Europa ist nicht vollkommen.

Wir werfen der EU manchmal – und zu Recht! – vor, Seele und Emotionen vermissen zu lassen und eine Sprache zu sprechen, die nur wenige von uns verstehen.

Wir werfen ihr vor, die ökologischen, sozialen und politischen Krisen nicht meistern zu können, die sie heute erschüttern, und auch der Flüchtlingstragödie nicht gewachsen zu sein.

Doch trotz aller Schwächen und Mängel finden wir auch Menschlichkeit und Schönheit in Europa. Und wir bemühen uns, Europa zu beschreiben – in feinsinnigen Bildern und einer Sprache, die all seine Völker leichter verstehen.

Wir sollten nicht vergessen, dass sich die Völker Europas vereint haben, um in Frieden miteinander zu leben. Aus ursprünglich sechs Mitgliedstaaten sind mittlerweile 28 geworden – eine einzigartige Union, die der gesamten Menschheit als Inspiration dient.

Die Europäische Union gründet auf der Überwindung von Grenzen, auf Freizügigkeit, Austausch, Brüderlichkeit und Solidarität, mithin auf Werten, die heute von allen Seiten bedroht sind, und zwar auch von innen.

Sie ist aber auch eine Union der Kultur. In einem Europa, dessen tragende Säulen schon immer Innovation und Kreativität waren, ist die Kultur ein Herzensanliegen.

Ein freies und demokratisches Europa: Das ist auch ein Europa der Gedanken- und Meinungsfreiheit. Es ist unsere Pflicht, dieses Europa gegen Extremismus und rückwärtsgewandtes Denken zu verteidigen.

Dieses brüchige Gleichgewicht muss gewahrt und verstärkt werden. Es muss vor denen geschützt werden, die es zerstören wollen, indem sie spalten, sich von ihm lossagen, fliehen oder sich absondern.

Die wesentliche Frage lautet: Wie lässt sich das Europa schaffen, das wir uns wünschen, ein Europa, das alle eint, ein offenes Europa, das Freiheit und Frieden Raum bietet?

Unsere Antwort muss sein, dass wir uns dafür einsetzen und Ideen ins Feld führen, damit die Waffen auch künftig schweigen.

Daher geben wir bei der Europawahl vom 23. bis zum 26. Mai unsere Stimme ab. Es geht um unsere gemeinsame Zukunft – oder aber darum, ob wir überhaupt eine Zukunft haben.


TV-Tipp für den 22. Mai: Personal Shopper

Mai 22, 2019

Arte, 20.15

Personal Shopper (Personal Shopper, Frankreich/Deutschland 2016)

Regie: Olivier Assayas

Drehbuch: Olivier Assayas

Maureen ist die persönliche Einkäuferin für die ständig durch die Welt jettende Kyra. Neben diesem Brotjob wartet sie auf ein Zeichen von ihrem verstorbenen Zwillingsbruder und vertreibt Geister aus Häusern.

Olivier Assayas‘ Version eines Geisterfilms: sehr europäisch, sehr träumerisch und mit zahlreichen Anspielungen. Sehr sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Lars Eidinger, Sigrid Bouaziz, Anders Danielsen Lie, Nora von Waldstätten, Benjamin Biolay

Hinweise

Moviepilot über „Personal Shopper“

Metacritic über „Personal Shopper“

Rotten Tomatoes über „Personal Shopper“

Wikipedia über „Personal Shopper“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen) und der DVD

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Personal Shopper“ (Personal Shopper, Frankreich/Deutschland 2016)

–

Bonushinweis

Am 6. Juni läuft sein neuer Film „Zwischen den Zeilen“ (Doubles vies, u. a. mit Juliette Binoche und Guillaume Canet) bei uns an (und dann gibt es die Besprechung). Seine dialoglastige Bestandsaufnahme der Gegenwart ist wie ein Eric-Rohmer-Film, der die Gespräche über Liebe und Beziehungen durch Gespräche über die Literatur, das Internet, und die Befindlichkeiten der Bourgeoisie ersetzt.


Cover der Woche

Mai 21, 2019


„Once upon a Time in Hollywood“ – der Trailer

Mai 21, 2019

Nach dem Teaser-Trailer gibt es jetzt den Trailer für Quentin Tarantinos neuen Film und der sieht richtig gut aus. Auch wenn er absolut nichts über die Filmgeschichte verrät. Viel mehr verrät dagegen die fast inhaltsfreie Synopse (ein Schauspieler und sein Stuntman versuchen ihren Platz im neuen Hollywood zu finden) und der Hinweis,, das Margot Robbie die 1969 ermordete Sharon Tate spielt und dass der Film 1969 spielt.

Viel Spaß!


TV-Tipp für den 21. Mai: Man of Tai Chi

Mai 20, 2019

Wenige Stunden bevor Keanu Reeves wieder als John Wick gegen Bösewichter kämpft, zeigt er in seinem Regiedebüt ebenfalls seine Fähigkeiten als Kämpfer

Nitro, 22.10

Man of Tai Chi (Man of Tai Chi, USA/Volksrepublik China 2013)

Regie: Keanu Reeves

Drehbuch: Michael G. Cooney

Das überraschend gelungene Regiedebüt von Keanu Reeves. Er erzählt, mit vielen Kämpfen, die Geschichte von dem arglosen Paketboten und talentiertenTai-Chi-Kämpfer Chen Tiger Hu Chen), der von Donaka Mark (Keanu Reeves) immer mehr in die Szene illegaler und tödlicher Kämpfe hineinmanipuliert wird.

Mehr über das kampfeslustige B-Picture in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tiger Hu Chen, Keanu Reeves, Karen Mok, Hai Yu, Simon Yam

Wiederholung: Mittwoch, 22. Mai, 23.50 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Man of Tai Chi“

Metacritic über „Man of Tai Chi“

Rotten Tomatoes über „Man of Tai Chi“

Wikipedia über „Man of Tai Chi“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von keanu Reeves‘ „Man of Tai Chi“ (Man of Tai Chi, USA/Volksrepublik China 2013)


Black History Tage: Über Attica Lockes Kriminalroman „Bluebird, Bluebird“

Mai 20, 2019

So langsam – der Beginn war am 28. Februar mit „The Hate U Give“ – sind es Monate und Attica Lockes Kriminalroman „Bluebird, Bluebird“ passt nur so halb hinein. Obwohl Attica Locke eine Afroamerikanerin ist und ihr Romanheld, der Texas Ranger Darren Mathews, ein Afroamerikaner ist und es auch um Rassismus geht.

In Lark, einem Dorf in Osttexas, werden die weiße, zwanzigjährige, verheiratete Dorfschönheit Melissa ‚Missy‘ Dale und der durchreisende afroamerikanische, in Chicago lebende, fünfunddreißigjährige, ebenfalls verheiratete Anwalt Michael Wright ermordet. Zuerst findet man Wrights Leiche im Attoyac Bayou. Einige Tage später findet man Dales Leiche.

Mathews vermutet selbstverständlich einen rassistischen Hintergrund. Der Dorfsheriff ist anderer Ansicht. Trotzdem ermitteln sie, nachdem die Kompetenzen geklärt sind, mehr oder weniger gemeinsam.

Das ganze Set-Up erinnert sehr an John Balls 1966 von Norman Jewison verfilmten Roman „In der Hitze der Nacht“(In the Heat of the Night). Damals war der Afroamerikaner ein gebildeter, höflicher Mann, der dem Dorfpolizisten in jeder Beziehung haushoch überlegen war. Gebildet ist auch Mathews. Er ist allerdings – so haben sich die Zeiten geändert – ein Alkoholiker mit Eheproblemen. Diese und Mathews Erinnerungen nehmen einen großen Teil von Attica Lockes Roman „Bluebird, Bluebird“ ein. Der Kriminalfall selbst ist dagegen vernachlässigbar und auch bei den allzu oft alkoholdurchtränkten Ermittlungen muss sich Mathews mit der für die Lösung des Falls schon auf den ersten Blick erkennbar unwichtigen Vergangenheit der in den Fall involvierten Personen herumschlagen.

Insofern funktioniert „Bluebird, Bluebird“ nur bedingt als Polizeiroman. Dafür wird der Plot zu wenig vorangetrieben. Dafür wird ein fast schon episches Bild der Rassenkonflikte in Texas und vor allem in Lark entworfen.

Deshalb funktioniert „Bluebird, Bluebird“ besser, wenn man an das Buch mit den Leseerwartungen an einen Roman oder literarischen Kriminalroman herangeht. Dann kann man das ruhige, fast schon meditative Erzähltempo genießen. Wirklich überzeugend ist die dröge erzählte Geschichte auch dann nicht.

Vor allem wenn man „Bluebird, Bluebird“ mit anderen Romanen vergleicht, die das gleiche Thema behandeln. Mit dem Rassismus in Texas beschäftigt Joe R. Lansdale sich deutlich kurzweiliger. Mit dem Rassismus in den USA, wobei Washington, D. C., seine Spielwiese ist, George Pelecanos. Um nur zwei auch sprachlich überzeugendere Autoren zu nennen.

In den USA erhielt der Roman letztes Jahr zahlreiche Preise. Zu den für Krimifans wichtigen Preisen gehören der Edgar Award for Best Novel, Anthony Award for Best Novel und der CWA Ian Fleming Steel Dagger Award und die Nennungen in Listen wie der Washington Post 10 Best Thrillers and Mysteries of 2017 und der Kirkus Best Mysteries and Thrillers of 2017.

Attica Locke: Bluebird, Bluebird

(übersetzt von Susanna Mende)

Polar Verlag, 2019

336 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe

Bluebird, Bluebird

Mulholland Books/Little, Brown and Company, 2017

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Hinweise

Homepage von Attica Locke

Polar über Attica Locke

Wikipedia über Attica Locke (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Bluebird, Bluebird“


TV-Tipp für den 20. Mai: The Salesman

Mai 20, 2019

Arte, 20.15

The Salesman (Fourshande, Iran/Frankreich 2016)

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi

Teheran, Gegenwart: Der beliebte Lehrer Emad inszeniert mit seiner Ehefrau Rana in der Hauptrolle Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“. Eines Abends wird sie in ihrer gemeinsamen neuen Wohnung überfallen und verletzt. Geplagt von Schuldgefühlen beginnt Emad den Täter zu suchen. Außerdem verschwimmen in seiner freien Adaption von Millers Stück die Grenze zwischen dem Stück und der Realität immer mehr.

Mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film 2017 ausgezeichnetes tolles Drama. Im Iran war der Film ein Kassenhit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi, Farid Sajjadihosseini, Mina Sadati, Maral Bani Adam, Mehdi Kooshki

Wiederholung: Dienstag, 28. Mai, 13.50 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Salesman“

Metacritic über „The Salesman“

Rotten Tomatoes über „The Salesman“

Wikipedia über „The Salesman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Le Passé – Das Vergangene“ (Le Passé, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „The Salesman“ (Fourshande, Iran/Frankreich 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Offenes Geheimnis“ (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018)


TV-Tipp für den 19. Mai: John Wick: Kapitel 2

Mai 19, 2019

Wenige Tage bevor John Wick wieder im Kino kämpft (Jubelarie zum Filmstart), gibt es heute den zweiten John-Wick-Actionkracher. So als Vorbereitung.

RTL, 23.00

John Wick: Kapitel 2 (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

Regie: Chad Stahelski

Drehbuch: Derek Kolstad

Der Kampf geht weiter. Wir erfahren mehr über John Wicks Welt. Es gibt mehr Kämpfe und Tote – und am Ende von „Kapitel 2“ läuft John Wick um sein Leben.

„John Wick: Kapitel 3“ schließt am 23. Mai im Kino nahtlos daran an.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Ian McShane, Ruby Rose, Common, Claudia Gerini, Lance Reddick, Laurence Fishburne, John Leguizamo, Bridget Moynahan, Franco Nero, Peter Stormare

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „John Wick: Kapitel 2“

Metacritic über „John Wick: Kapitel 2“

Rotten Tomatoes über „John Wick: Kapitel 2“

Wikipedia über „John Wick: Kapitel 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Staheskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 2“ (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

 

 


TV-Tipp für den 18. Mai: John Wick

Mai 17, 2019

Wenige Tage bevor John Wick wieder im Kino kämpft (Jubelarie zum Filmstart), gibt es heute und morgen die ersten beiden John-Wick-Filme. So als Vorbereitung.

Pro7, 22.30

John Wick (John Wick, USA 2014)

Regie: Chad Stahelski, David Leitch (ungenannt)

Drehbuch: Derek Kolstad

Als der missratene Sohn eines Mafiosos den Hund von John Wick tötet, packt der Ex-Killer John Wick seine eingelagerten Waffen wieder aus.

Actionfilm der wegen seines Stils und seiner furiosen Actionszenen begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „John Wick“

Metacritic über „John Wick“

Rotten Tomatoes über „John Wick“

Wikipedia über „John Wick“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)

Meine Besprechung von Chad Stahelskis „John Wick: Kapitel 2“ (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

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Der Trailer für den dritten John-Wick-Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Once again – Eine Liebe in Mumbai“ zwischen einer Köchin und einem Filmstar

Mai 17, 2019

Tara, eine verwitwete Mutter, betreibt in Mumbai ein kleines Restaurant. Zu ihren Kunden gehört der allein in einem Hochhaus-Apartment lebende Filmstar Amar. Er bestellt täglich Essen bei ihr. Gesehen hat sie ihn bis jetzt nur auf der großen Leinwand. Aber sie telefonieren häufig miteinander. Über die Zeit werden ihre langen Telefonate immer intimer. Nur getroffen haben sie sich noch nicht.

Eines Tages begibt Amar sich auf den Weg zu Taras Restaurant.

Im Mittelpunkt von „Once again – Eine Liebe in Mumbai“ stehen zwei schüchtern-introvertierte, einsame Menschen, die mehr schweigen als reden. Immer wieder starren die Schauspieler lange sehr ernst und nachdenklich in die Gegend, während wir uns überlegen können, was Tara und Amar gerade denken. Das erschwert eine emotionale Verbindung zu den beiden Figuren, die sich ihre Liebe nicht gestehen.

„Once again“ hat damit die Probleme, die fast alle Filme mit passiven und schweigsamen Figuren haben: die Geschichte wirkt träge, weil nichts passiert und die Figuren bleiben einem fremd, weil man ihre Probleme und Gefühle mehr erahnt und vermutet als durch ihre Handlungen erfährt.

Vor allem wenn Kamera und Regie das Verhalten und Innenleben der Figuren spiegeln.

Einige mögen bei den nächtlichen Bildern von Mumbai eine poetische Note erkennen. Mich spricht diese Liebe in Mumbai überhaupt nicht an.

Once again – Eine Liebe in Mumbai (Deutschland/Indien/Österreich 2018)

Regie: Kanwal Sethi

Drehbuch: Kanwal Sethi

mit Shefali Shah, Neeraj Kabi, Rasika Dugal, Bidita Bag, Priyanshu Painyuli, Bhagwan Tiwari

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Once again – Eine Liebe in Mumbai“

Moviepilot über „Once again – Eine Liebe in Mumbai“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Under the Tree“ neben Nachbars Garten

Mai 17, 2019

So ein Baum im Garten spendet Schatten. Er kann in einer Reihenhaussiedlung auch für Ärger sorgen, wenn die neue, junge und sportbegeisterte Frau des Nachbarn sich gerne sonnen würde und der Baum das verhindert. Also sollte er mindestens gestutzt werden. Aber Baldvin und vor allem Inga, auf deren Grundstück der Baum steht, denken nicht daran. Inga, schon auf den ersten Blick das Gegenteil von Eybjörg, ist eine wirklich schlecht gelaunte, grantige, nicht wahnsinnig auf ihr Äußeres achtende Großmutter. Sie begegnet der neuen Nachbarin mit blanker Abneigung.

Während dieser Konflikt, angetrieben von den Frauen, langsam über die normalen Stufen eines Nachbarschaftsstreit eskaliert, quartiert sich Ingas Sohn wieder bei ihnen ein.

Atli wurde nämlich eines Nachts von seiner Frau beim Ansehen eines Pornos erwischt. Weil der Sexfilm zeigt, wie Atli mit einer anderen, ihr ebenfalls bekannten Frau Geschlechtsverkehr hat, wirft sie Atli sofort aus der gemeinsamen Wohnung und verbietet ihm jeden Kontakt zu ihrem gemeinsamen Kind. Er möchte, allerdings denkbar ungeschickt, den Ehestreit wieder beenden.

„Under the Tree“ hat auf den ersten Blick alles, was zu einer Schwarzen Komödie gehört. Aber eine Schwarze Komödie ist das Drama erst am Ende, wenn der Konflikt um den Baum grotesk, blutig und rasant innerhalb weniger Minuten eskaliert und endet. In dem Moment wirkt dieses Blutbad allerdings weniger wie eine lange überfällige Eruption unterdrückter Gefühle, sondern wie eine Verzweiflungstat von Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurðsson, um seinen bis dahin sehr drögen Film zu beenden.

Die Figuren sind – abgesehen von der Idee, dass die Frauen die treibenden Kräfte und die Männer eher passiv sind – blass und eindimensional. Die Handlung ist, abgesehen von einigen abschweifenden Episoden, wie die Mieterversammlung in Atlis Haus, vorhersehbar.

Und schwarzhumorig ist letztendlich nur das Ende. Bis dahin gibt es keinen Humor, sondern Tristesse und Schwermut, die einen Ingmar-Bergman-Film wie ein fröhliches Fest des Lebens wirken lässt.

Under the Tree (Undir trénu, Island 2017)

Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson

Drehbuch: Huldar Breiðfjörð, Hafsteinn Gunnar Sigurðsson (nach einer Idee von Huldar Breiðfjörð)

mit Steinþór Hróar Steinþórsson, Edda Björgvinsdóttir, Sigurður Sigurjónsson, Þorsteinn Bachmann, Selma Björnsdóttir, Lára Jóhanna Jónsdóttir, Dóra Jóhannsdóttir, Sigrídur Sigurpálsdóttir Scheving

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Under the Tree“

Moviepilot über „Under the Tree“

Metacritic über „Under the Tree“

Rotten Tomatoes über „Under the Tree“

Wikipedia über „Under the Tree“


TV-Tipp für den 17. Mai: Messer im Kopf

Mai 16, 2019

3sat, 22.25

Messer im Kopf (Deutschland 1978)

Regie: Reinhard Hauff

Drehbuch: Peter Schneider

Bei einer Razzia wird der Biogenetiker Dr. Berthold Hoffmann (Bruno Ganz) von einem Polizisten angeschossen. Durch den Kopfschuss hat er sein Gedächtnis verloren. Die Polizei behauptet, dass Hoffmann ein gefährliche Terrorist sei und den Polizisten angegriffen habe. Seine Freunde sagen, er sei ein harmloser Bürger und Opfer des Polizeiterrors.

Packender Polit-Thriller, der das damalige Klima des Deutschen Herbst aufgreift und immer mehr zu einem intelligentem Psychodrama wird, das bis zum letzten Bild (und darüber hinaus) zum Nachdenken über die eigene Position anregt.

Lief seit Ewigkeiten nicht mehr im TV.

mit Bruno Ganz, Angela Winkler, Hans-Christian Blech, Heinz Hönig, Hans Brenner, Udo Samel, Eike Gallwitz, Hans Noever

Hinweise

Filmportal über „Messer im Kopf“ und über Terrorisms im deutschen Film

Rotten Tomatoes über „Messer im Kopf“

Wikipedia über „Messer im Kopf“ (deutsch, englisch)