Arte, 21.45 (VPS 21.44) Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen (Großbritannien 2014, Regie: Andre Singer)
Drehbuch: Lynette Singer
Sehenswerte Doku über die von Alfred Hitchcock geplante Dokumentation für die Deutschen über die Konzentrationslager – und warum der Film nach dem Kriegsende nicht fertiggestellt wurde.
Auf der Berlinale 2014 wurde neben dieser Doku auch die rekonstruierte Fassung von Hitchcocks Lehrfilm gezeigt.
mit Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein, Billy Wilder
Hinweise Arte über „Night will fall“ Berlinale über „Night will fall“ Rotten Tomatoes über „Night will fall“ (Frischegrad: 100 %) Wikipedia über „Night will fall“ Alfred Hitchcock in der Kriminalakte
Ich könnte jetzt die Schauspieler und die Optik loben und sagen, dass „Hunted – Vertraue Niemandem“ gar nicht so schlecht ist, aber allein schon die Zeit, die ich benötigte, um mir die achtstündige TV-Serie anzusehen, liebevoll gestreckt mit tagelangen Pausen und Filmen, die schon seit Jahren auf meiner Festplatte liegen, sagt genug: „Hunted“ ist eine schlechte Agentenserie.
Dabei ist der Auftakt gar nicht so schlecht: Während einer Mission in Tanger wird Sam Hunter (Melissa George) verraten. Bei einem Treffen soll sie ermordet werden. Schwer verletzt überlebt sie den Anschlag, lässt einige Leichen zurück und taucht unter.
Ein Jahr später meldet sie sich in London bei ihrem früheren Arbeitgeber, der privaten Sicherheitsfirma Byzantium, zurück. Als beste Agentin der Firma wird sie auch sofort wieder aufgenommen und sie darf auch gleich bei einer Operation mitmachen. Obwohl keiner ihrer Kollegen weiß, was damals in Tanger geschah und wo sie seitdem war. Naja, sie vertraut ihren Kollegen auch nicht. Denn sie will den Verräter finden und einer ihrer Kollegen ist es. Sie würde auch gerne wissen, warum sie verraten wurde.
Nach dem durchaus spannenden Anfang, bei dem vor allem die klischeehaften Dialoge stören, geht es abwärts. Die Mission plätschert vor sich hin. Sie sollen für einen unbekannten Auftraggeber Informationen über Jack Turner, den Bösewicht der Serie, beschaffen. Es geht um irgendeinen großen Wirtschaftsdeal. Das „warum“ und „wieso“ ist diesen Söldnern egal. Immerhin stimmt die Kohle.
Für diese selbstverständlich gefährliche und für einige Menschen auch tödliche Mission wird Hunter in die Familie Turner eingeschleust. Schnell erwirbt sie das Vertrauen von Stephen Turner und seinem Sohn Edward, der immer noch seiner verstorbenen Mutter hinterhertrauert.
Die Beziehung von ihr zu Edward ist gänzlich konfliktfrei. Der Junge fasst sofort Vertrauen zu ihr und sie wird seine über alles geliebte Ersatz-Mutter. Auch Stephen verknallt sich in die nette Frau, während der immer misstrauische Jack Turner ihr nicht traut.
Die Beziehung von Stephen zu seinem Vater Jack Turner, dem Chef des Unternehmens, plätschert ebenfalls ohne eine Entwicklung vor sich hin. Meistens gehen die Konfrontationen zwischen Vater und Sohn so: „Papa, ich will Verantwortung in der Firma übernehmen.“ – „Du bist ein Weichei.“ – „Oh, gut, dann halt nicht.“ Dieses Gespräch dürfen wir mindestens einmal pro Folge miterleben und auch beim dritten Mal erfahren wir nichts, was wir nicht schon nach dem ersten Vater-Sohn-Gespräch wissen.
Sam Hunter darf mindestens einmal pro Folge einige böse Jungs verkloppen, was auch keine großen Erkenntnisse bringt, aber immerhin etwas von ihrer ergebnislosen Suche nach dem Verräter ablenkt. Es ist nicht so, dass sie eine Spur verfolgt und dann die nächste. Sie stochert etwas herum. Ihre Strategie scheint darin zu bestehen, dass der Verräter sie wieder verraten wird und sie ihn dann enttarnen kann.
Es gibt einige Flashbacks aus ihrer Vergangenheit, die natürlich irgendetwas mit dem Mordkomplott gegen sie zu tun haben sollen. Als Kind soll sie irgendetwas gesehen haben, weshalb sie jetzt sterben muss. Der Mord an ihrer Mutter, mitten in England, kann es nicht gewesen sein. Die Flashbacks werden am Ende der ersten Staffel, die aufgrund sinkender Quoten auch das Ende der Serie war (jedenfalls sieht es immer noch so aus), nur andeutungsweise aufgelöst. Doch zum kryptischen Ende komme ich später.
Denn vor dem Ende wird noch alles in die Geschichte hineingeworfen, was zu einem Agententhriller gehört: böse multinationale Unternehmen, globale, sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte erstreckende Verschwörungen, der britische Geheimdienst, unmoralische Geschäfte in Dritte-Welt-Ländern (heuer Pakistan), eine verkorkste Kindheit (inclusive ermordeter Mutter, Gefangenschaft in einem Verlies mitten in England und sexuellem Missbrauch), Verrat an jeder Ecke, Explosionen und unzählige Tote, die immer dann in die Geschichte eingefügt werden, wenn es langweilig werden könnte. Da hat dann die Explosion eines Bürogebäudes keine Auswirkung auf die Geschichte. Außer dass Jack Turner danach sein Kaufangebot erhöhen kann. Aber es gibt keine Polizei und keinen Geheimdienst, der nach den Bombenlegern fahndet. Auf ein ausländisches Staatsoberhaupt wird ein Anschlag verübt und einer aus dem Team soll als Strohmann für die Tat herhalten. Ein Polizist wird ermordet und mitten in London, der Stadt mit der höchsten Dichte an Überwachungskameras, auf einer Straße, wie ein benutztes Butterbrotpapier, abgelegt. Kurz darauf ist er schon vergessen.
Sowieso wird in „Hunted“ unglaublich viel unglaublich pompös aufgebaut und irgendwann, wie ein plötzlich uninteressant gewordenes Spielzeug, schnöde links liegengelassen. Die Wohnung, in der Sam Hunter ihre Informationen über ihren Verräter gesammelt hat, taucht irgendwann nicht mehr auf. Der Plot mit dem britischen Geheimdienst wird, nachdem der MI6-Abteilungsleiter Ballard (so ein George-Smiley-Typ) hinterhältig auf offener Straße ermordet wurde, nicht mehr weiterverfolgt. So als sei der Mord an ihm der ultimative Beweis dafür, dass es dort keine wichtigen Informationen gibt, weshalb seine designierte Nachfolgerin auch erst einmal aus der Geschichte verschwindet und später etwas anderes zu tun hat, als sich um die Hinterlassenschaft ihres ermordeten Chefs zu kümmern.
Ein geheimnisvoller Killer wird eingeführt. Der ist so gut, dass Hunters Firma nichts, aber auch absolut nichts über diesen Über-Killer weiß und auch wir erfahren nicht mehr über Sams Schutzengel. Später wird von einer überraschend auftauchenden Superduperkillerin (sexy in Leder) behauptet, er wolle Hunter töten. Warum er das eine oder das andere tun will, wird dagegen nicht erklärt.
Undsoweiterundsofort.
Außerdem zeigt „Hunted“, wieder einmal, dass einige Ideen in einem ersten Entwurf gut klingen, aber letztendlich normalerweise nicht funktionieren. Es ist eine ganz schlechte Idee, wenn der Held keinen klaren Gegner hat. Es ist auch nicht gut, uns über die Mission, deren Sinn und Ziel im unklaren zu lassen. Das mag als Analogie zum Spionagegeschäft ganz gut klingen. Es kann auch als Metapher für das moderne Leben verkauft werden, in dem wir uns als Marionetten fühlen und Aufträge erfüllen, ohne ihre Bedeutung und Sinn zu überblicken. Aber es führt auch dazu, dass das Interesse an der Geschichte schnell erlischt. Denn, und das ist eine uralte Dramaturgie-Regel, der Protagonist muss ein klares, schwer erreichbares Ziel haben. Wir müssen das Ziel kennen und jede Handlung des Protagonisten muss auf dieses Ziel gerichtet sein.
Das Ende von „Hunted“ – immerhin war sie als achtstündige Miniserie geplant, mit der Möglichkeit einer Verlängerung – ist dann eine Frechheit, weil letztendlich nichts auch nur halbwegs ordentlich aufgelöst wird.
Ich kann mir zwar zusammenpuzzeln, wie vieles davon gemeint war, wenn ich die Plotlöcher großzügig mit eigenen Vermutungen ausfülle und viele Verästelungen als ‚falsche Spuren‘ ignoriere. Aber genau das sollte von den Serienmachern erledigt werden. Und eine Serie sollte in den wichtigsten Punkten zu einer Lösung kommen. Also hier: wer war der Verräter in Tanger? Warum soll Sam Hunter sterben? Worum ging es bei dem Auftrag? Wobei diese Frage noch am befriedigsten geklärt wird. Naja, so befriedigend, wie sich mit Leichtbier betrinken.
Dabei war „Hunted“ von der BBC als Nachfolgeserie zur erfolgreichen Geheimdienstserie „Spooks“, die von 2002 bis 2011 lief, geplant. Diese Qualität erreicht die von Frank Spotnitz erfundene Serie nie.
Er hat bei bei den TV-Serien „Millenium“, „Akte X“ und „Strike Back“ mitgearbeitet. Aber auch bei „Transporter – Die Serie“. Und er schrieb das Drehbuch für die Philip-K.-Dick-Miniserie „The Man in the High Castle“. Ab dem 15. Januar kann die erste Episode bei Amazon Prime Instant Video angesehen werden.
Als Bonusmaterial gibt es knapp zwölf Minuten „geschnittene Szenen“.
Ab Dienstag, den 13. Januar, zeigt RTL II, nach „Game of Thrones“, „Hunted“ in Doppelfolgen. Der Auftakt ist um 23.30 Uhr. Eine Woche später geht es bereits um 22.25 Uhr los.
Hunted – Vertraue Niemandem (Hunted, Großbritannien 2012)
Regie: S. J. Clarkson, Daniel Percival, Alrick Riley, James Strong
Drehbuch: Frank Spotnitz, Simon Allen, Smita Bhide, Amira El-Nemr, Christian Spurrier
Erfinder: Frank Spotnitz
mit Melissa George, Stephen Dillane, Adam Rayner, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Morven Christie, Stephen Campbell Moore, Oscar Kennedy, Patrick Malahide, Lex Shrapnel, Tom Beard, Maddy Griffiths, Jane Riley, Doc Brown, David Sterne, Souad Faress, Scott Handy, Indira Varma
– DVD
Entertainment One
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Geschnittene Szenen
Länge: 480 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise BBC über „Hunted“ Wikipedia über „Hunted“
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.
Heute läuft die Kinofassung der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit, der von David Fincher geremaked wurde, gut gefallen.
mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath
Im Kino war die neueste Marvel-Verfilmung „Guardians of the Galaxy“ überraschend erfolgreich und natürlich soll sich der Erfolg jetzt auch im heimischen Kino fortsetzen. Zum Kinostart schrieb ich:
Schon die ersten Bilder und Trailer weckten vor Ewigkeiten freudige Erwartungen. Wir sahen eine Gruppe seltsamer Wesen. Denn neben einem Mensch, einer an ihrer Hautfarbe erkennbaren außerirdischen Schönheit, einem Muskelprotz (auch, erkennbar an seiner Hautfarbe, nicht-irdischen Ursprungs), starrten uns ein Waschbär (mit einem beeindruckendem Sündenregister) und ein Baumwesen an. Diese Gruppe Misfits sollten die Beschützer der Galaxis sein? Naja, immerhin nur selbsternannt. Und dann gab es noch bunte Bilder von fremden Planeten, Weltraumschlachten, Witze und gut abgehangene Siebziger-Jahre-Musik. Yeah, da konnte man schon „Hooked on a Feeling“ sein, ein episches Weltraumabenteuer erwarten, wie es seit „Krieg der Sterne“ (die Originaltrilogie!) nicht mehr im Kino lief, und, man hat ja schon tausende Trailer gesehen, die besser als der Film waren, befürchten, dass sich die ersten Bilder beim Ansehen des Films als heiße Luft entpuppen. Nun, sie tun es nicht. „Guardians of the Galaxy“ ist ein zünftiges, von James Gunn („Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Super“) flott und über etwaige Logiklöcher lässig hinweggehendes Weltraumabenteuer, bei dem man die fast schon Marvel-üblichen Story-Schwächen gerne verzeiht. Denn der Gegner der Guardians of the Galaxy ist schwach, austauschbar und langweilig. Eine ziemliche Nullnummer. Aber immerhin will Ronan (Lee Pace) den Orb (so ein Ding, mit dem man Herrscher über den gesamten Kosmos wird) haben und den Planeten Xandar vernichten. Gegen ihn bringen sich die Guardians in Stellung und sie sind ein so herrlich abgedrehter Haufen von Außenseitern, dass da schon fast egal ist, um was es geht, solange es genug Action und flotte Sprüche gibt. Beides gibt es in rauhen Mengen. Immerhin müssen Peter Quill (Chris Pratt), intergalaktischer Vagabund, der sich selbst Star-Lord nennt, als Kind von der Erde entführt wurde (was die Musik erklärt) und jetzt das aktuelle „Han Solo“-Update ist, Gamorra (Zoe Saldana), hübsche Killerin mit einer Mission, Rocket Racoon (im Original: Bradley Cooper), genetisch veränderter, kybernetisch manipulierter Waschbär, Kopfgeldjäger, Söldner und waffenverliebt (vor allem wenn die Waffe seine Körpergröße toppt), sein Kumpel Groot (im Original: Vin Diesel), eine humanoide Baumkreatur mit besonderen Fähigkeiten und eingeschränktem Vokabular, und Drax the Destroyer (Dave Bautista), der den Tod seiner Familie rächen will und dafür Leichenberge hinterlässt, sich in diesem Abenteuer zusammenraufen. Trotz unterschiedlicher Interessen haben sie, wie sie nach einigen Kämpfen gegeneinander und Verhandlungen miteinander erkennen, immerhin ein gemeinsames Ziel: Ronan. Und das verfolgen sie über mehrere Planeten, inclusive einem Gefängnisausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, und Begegnungen mit mehr oder weniger menschlichen Wesen, die oft höchst egoistische Interessen haben und nicht vor Gewalt zurückschrecken. „Guardians of the Galaxy“ ist, endlich wieder, ein witziges Weltraumabenteuer – und das ist gut so.
Auch beim zweiten Ansehen gefällt „Guardians of the Galaxy“ wegen der Helden, ihren Sprüchen und ihren Konflikten. Untereinander und mit anderen Wesen. Nur der Bösewicht bleibt – in jeder Beziehung – arg blass.
Das Bonusmaterial bei der DVD befindet sich ungefähr an der Wahrnehmungsschwelle. Es gibt nämlich nur ein zweiminütiges Werbefeaturette über die Dreharbeiten zum nächsten Marvel-Film „Avengers: Age of Ultron“ und die allseits bekannte Szene mit dem lachenden Rocket, die sich so in einer späteren Version auch im Film befindet.
Auf der Blu-ray soll es dann mehr Bonusmaterial geben.
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn
– DVD
Marvel/Walt Disney Company
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, italienisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Türkisch
Bonusmaterial: Featurette, Zusätzliche Szene
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Texas, 1878: Das junge Halbblut Pacer Burton muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gehört. Den Weißen oder den Indianern. Dabei möchten er und seine Familie doch nur ihre Ruhe haben.
Pessimistischer Western über die Verpflichtungen und Anforderungen an Menschen, die zwischen zwei verfeindeten Gruppen stehen – und wissen, dass jede Entscheidung falsch ist.
„Es liegt durchaus eine gewisse Tragik darin, dass Elvis sein filmisches Meisterwerk nicht wirklich dominieren konnte, weil der Part überwiegend passiver Natur und ‚Flaming Star’ von seiner Struktur her ein Ensemblestück ist. Und in seiner nüchtern-illusionslosen Grundhaltung macht ‚Flaming Star’ natürlich überdeutlich klar, dass Don Siegel keineswegs der tumbe, rechtslastige Law-and-Order-Bolzen sein konnte, den spätestens nach ‚Dirty Harry’ viele partout in ihm sehen wollten, allerdings auch kein den Zeitgeist hofierender und auf verlogene Sentimentalitäten und Versöhnlichkeiten (die in diesem Fall die amerikanische Realgeschichte schon gar nicht hergab) setzender Liberaler.“ (Ulrich van Berg in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)
„Es wird immer Menschen geben, deren Vorurteile so tief sitzen, dass für sie keine Hoffnung besteht.“ (Don Siegel in Stuart M. Kaminsky: Don Siegel: Director)
Mit Elvis Presley, Dolores del Rio, Steve Forrest, John McIntire, Barbara Eden, Richard Jaeckel, L. Q. Jones
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Nach den ersten furiosen Minuten ist klar, dass Damián Szifrón mit „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ keine Gefangenen machen will und man fragt sich ängstlich, ob er das Niveau des ersten Kurzfilms halten kann. „Pasternak“ ist von der Länge her ein Sketch über zwei, drei, vier, viele Passagiere in einem Flugzeug, die zufällig einen gemeinsamen Bekannten haben. Die Geschichte entwickelte sich so absurd schnell zur grandiosen Pointe, dass ich mich fragte, wie Szifrón das übertreffen will und wie er das Niveau halten will.
Denn „Wild Tales“ besteht aus sechs Kurzfilmen, in denen jemand Unrecht geschieht und er sich rächen kann. Manchmal, weil sich gerade eine günstige Gelegenheit ergibt. Manchmal, weil es einfach zu viel ist. Aber wollen sie das auch? Über hehre moralische Grundsätze wird dagegen weniger gesprochen. So trifft in einem Schnellimbiss eine Bedienung auf den Kredithai, der ihren Vater in den Selbstmord trieb – und die Köchin bietet ihr an, das Essen mit etwas Rattengift abzuschmecken. In der nächsten Geschichte überholt auf einer einsamen Landstraße ein junger Geschäftsmann einen langsameren Autofahrer und zeigt ihm dabei den Mittelfinger. Kurz darauf hat er eine Reifenpanne – und was folgt erinnert natürlich an „Duell“, weil jeder Film mit zwei Fahrzeugen auf einer einsamen Straße an „Duell“ erinnert, aber in „Straße zur Hölle“ ist der Verlauf noch tödlicher bis zur liebevollen Schlußbemerkung. In „Bombita“ will ein Sprengstoffexperte und Familienvater nicht mehr akzeptieren, dass eine Abschleppfirma willkürlich auch sein Auto abschleppt. In „Die Rechnung“ überfährt ein Magnatensohn im Drogenrausch eine Schwangere. Sein Vater und der Familienanwalt wollen das Problem aus der Welt schaffen, indem sie den Hausgärtner überzeugen, für etwas Geld die Schuld und die Haft auf sich zu nehmen. In der sechsten und letzten Geschichte erfährt die Braut während der Hochzeit, dass ihr Mann sie betrügt. Für eine heißblütige Südamerikanerin gibt es nur eine Antwort auf diese Schmach.
Szifrón schrieb die Geschichten, während er verschiedene Filmprojekte nicht realisieren konnte, zur Entspannung. Schnell bemerkte er, dass sie sich immer mit Vergeltung, Katharsis und auch den verständlichen, aber nicht immer unbedingt gerechtfertigten Reaktionen auf Ungerechtigkeiten beschäftigen. Manchmal liegt die Ungerechtigkeit im Verhältnis zwischen den Beteiligten, manchmal an den Strukturen der kapitalistischen und argentinischen Gesellschaft. Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, wie eine Geste, manchmal mehr. Aber immer beschließt ein Handelnder, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und weil niemand nachgeben will, entwickelt sich eine teils slapstickhafte Dynamik zwischen den Kontrahenten, die hier allerdings mit so viel schwarzem Humor, Sarkasmus und Satire abgeschmeckt wird, dass das Lachen immer einen bitteren Beigeschmack hat. Auch weil es die Selbsterkenntnis gibt, dass man selbst auch gerne einmal so durchdrehen würde.
Natürlich knüpft „Wild Tales“ an thematische Anthologien an, die es in Buchform immer noch gibt (in Deutschland allerdings selten, weil die Kurzgeschichte hier nicht wirklich gepflegt wird), im Fernsehen früher gab (ich sage nur „The Twilight Zone“ und „Alfred Hitchcock präsentiert“/“Alfred Hitchcock zeigt“) und im Kino immer eine Nischenexistenz hatte und es in diesen Kinofilmen oft Füller-Geschichten gibt.
In „Wild Tales“ gibt es keine einzige schwache Geschichte und auch wenn man nach einigen Geschichten das unbarmherzige Prinzip der Geschichten verstanden hat, wird es nie langweilig oder wirklich vorhersehbar.
Außerdem helfen die „Wild Tales“, den Frust über einen desaströsen Tag abzubauen. Zur Nachahmung sind sie allerdings nicht empfohlen.
In Argentinien war der Episodenfilm an der Kinokasse der erfolgreichste argentinische Film bis jetzt (was ja nichts über die Qualität aussagt) und er erhielt, was einiges über die Qualität aussagt, zehn argentinische Filmpreise, unter anderem als bester Film, für das beste Drehbuch und die beste Regie. In elf weiteren Kategorien war er, teilweise mehrfach, nominiert. Kein Wunder, dass Argentinien den Film für die diesjährigen Oscars einreichte.
Wild Tales – Jeder dreht mal durch!(Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)
Regie: Damián Szifrón
Drehbuch: Damián Szifrón
mit Ricardo Darin, Dario Grandinetti, Oscar Martinez, Leonardo Sbaraglia, Érica Rivas, Rita Cortese, Julieta Zylberberg, Maria Marull, Mónica Villa, César Bordón, Walter Donado, Ricardo Darín, Nancy Dupláa, María Onetto, Alan Daicz, Osmar Núnez, German de Silva, Diego Gentile
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise Deutsche Homepage zum Film Film-Zeit über „Wild Tales“ Moviepilot über „Wild Tales“ Metacritic über „Wild Tales“ Rotten Tomatoes über „Wild Tales“
Wikipedia über „Wild Tales“ (deutsch, englisch)
Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, Regie: Tim Burton)
Drehbuch: John August
Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)
Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.
Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet, ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.
Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)
Das ist die Magie des Kinos. Ich meine nicht die großen Weltraumschlachten, Monster und sich durch Großstadtschluchten schwingende Superhelden. Das erinnert eher an eine Geisterbahn, die man auf einem Jahrmarkt besucht, um sich erschrecken zu lassen und man schon beim Lösen der Eintrittskarte seinen Unglauben über die kommenden Ereignisse ignoriert.
Nein, es geht um Charaktere wie Vincent. Ein Stinkstiefel, Spieler und Alkoholiker, mit dem wir im wirklichen Leben keine fünf Minuten verbringen möchten. Aber im Kino freuen wir uns auf zwei Stunden mit ihm. Dass er von Bill Murray gespielt wird, hilft. Und dass „St. Vincent“ als Komödie angelegt ist, ebenfalls. So sind seine Ausfälle gegenüber Mitmenschen, seine katastrophale finanzielle Situation (Pleite ist gar kein Ausdruck), seine vollkommen vermüllte Wohnung und seine stockbesoffene Heimfahrt, bei der er beim Einparken seinen Gartenzaun überfährt und er anschließend in seiner Wohnung slapstickhaft hinfällt, gut für einige Lacher.
Auch als er am nächsten Morgen von zwei ununterbrochen redenden Möbelpackern geweckt wird, die beim Einparken auf dem Nachbargrundstück seinen Baum touchieren. Ein Ast fällt krachend auf Vincents Rostlaube, die er als Antiquität bezeichnet. Selbstverständlich will er eine finanzielle Wiedergutmachung für seinen Schaden haben und er lernt gleich seine neuen Nachbarn kennen: Maggie (Melissa McCarthy) und ihren elfjährigen Sohn Oliver (Jaeden Lieberher). Sie befindet sich gerade in einem Scheidungsverfahren, das später zu einem Sorgerechtsstreit wird.
Während sie im Krankenhaus als Schwester Überstunden schiebt, bittet sie – aus reiner Verzweiflung – Vincent, auf ihren Sohn aufzupassen – und selbstverständlich entwickelt sich, zwischen Rennbahn (wegen den Wetten), Bar (wegen dem Alkohol), Strip-Club (wegen einer „Lady of the Night“), Altersheim (wegen einer anderen Frau) und Schule (wegen Olivers Klassenkameraden) eine Beziehung zwischen den Beiden. Vincent wird für Oliver zu einem Vater, den er nie hatte, und einem Onkel, mit dem man Abenteurer erleben kann.
Ted Melfi erzählt, nach einem TV-Film, mehreren Kurz- und Werbefilmen (unter anderem der „Pizza Guy“-MTV-Spot), diese Geschichte in seinem Kinodebüt flott in vielen pointierten Szenen, die gelungen die Tiefen des Stoffes umschiffen. Die Charakterstudie „St. Vincent“ ist als Komödie angelegt, die vor allem ein Bill-Murray-Showcase ist.
Naomi Watts darf als Freundin und schwangere Prostituierte (im Original mit einem dicken russischen Akzent) etwas Gossencharme versprühen.
Und wer Melissa McCarthy nur aus ihren letzten Filmen als großkotzig aufspielendes, wandelndes Katastrophengebiet kennt, wird erstaunt sein, wie zurückgenommen sie hier eine alleinerziehende Mutter spielt, weshalb in ihrer großen dramatischen Szene, wenn sie vor dem Schuldirektorund Olivers Klassenlehrer ihre Probleme schildert, kaum geschnitten wird.
Aber solche Szenen sind rar. Normalerweise sucht und findet Melfi immer eine Pointe, einen witzigen oder absurden Aspekt. Und wenn es nur Vincents bewegungslos in die Kamera blickende Katze oder Bill Murrays ebenso bewegungsloser Blick ist.
Dennoch – oder gerade deswegen – ist „St. Vincent“ ein herzerwärmender Film, der mit der titelgebenden Heiligsprechung von Vincent endet.
Nächste Woche zeigt Rupert Wyatt in dem Drama „The Gambler“ mit Mark Wahlberg in der titelgebenden Hauptrolle die andere Seite der Spielsucht.
Nachdem „Taken“, der bei uns „96 Hours“ hieß, ein Überraschungserfolg war, der Liam Neeson als Actionhelden etablierte, gab es natürlich „Taken 2“, der ebenfalls sehr erfolgreich lief und, trotz der Beteuerungen der Macher, dass es kein „Taken 3“ geben werde, gibt es jetzt „Taken 3“, weil man natürlich nicht wirklich gegen die nackten Zahlen argumentieren will. Denn an der Kinokasse war der Film sehr erfolgreich und für „Taken 3“ sehen die Prognosen ähnlich gut aus. Was natürlich nichts über die Qualität des Films sagt.
Jedenfalls ist das alte Team, vor und hinter der Kamera, wieder zusammen gekommen und dieses Mal wird auch wirklich eine andere Geschichte erzählt. Allerdings keine bessere als in „Taken 2“ oder in den zahllosen anderen Luc-Besson-Produktionen.
In „96 Hours – Taken 3“ wird Lenore Mills (Famke Janssen), die Ex-Frau von Bryan Mills (Liam Neeson), ermordet. In seinem Bett und, als hätten die Bösewichter sich nicht schon genug Mühe gegeben, ihn zum Täter zu machen, fasst der Ex-CIA-Agent mit den besonderen letalen Fähigkeiten die Tatwaffe, ein großes Messer, an. Sofort taucht die Polizei auf und nach einer Verfolgungsjagd über mehrere Hinterhöfe kann Mills durch die Kanalisation entkommen. Er wird jetzt den Mörder seiner Frau jagen, während er von der Polizei gejagt wird.
Das ist natürlich ein klassischer Krimiplot, der hier mit einer ordentlichen Portion Action aufgebrezelt wird. Es ist allerdings auch ein Plot, der wohl selten so lieblos und so unlogisch erzählt wurde. Das mündet in der Schlussszene, wenn Mills und Frank Dotzler (Forest Whitaker), der Polizist, der ihn verfolgte, zusammensitzen und Dotzler Mills sagt, dass er von Anfang an gewusst habe, dass er nicht der Mörder sei. Nur, warum hat er dann den ganzen Film damit verbracht, die halbe Polizei von Los Angeles hinter einem Unschuldigen hinterherlaufen zu lassen? Warum hat er nicht nach dem wirklichen Täter gesucht?
Immerhin haben wir bis dahin die Kameraden von Mills, die dieses Mal eine größere Rolle übernehmen dürfen, besser kennen gelernt.
Aber wegen des diffizilen Plots sieht sich niemand einen „Taken“-Film an. Schon im ersten „Taken“-Film war die Entführung von Mills‘ Tochter in Paris die Entschuldigung für ein brachiales Actionfeuerwerk der eher altmodischen Sorte, das genau deshalb gefiel. In „Taken 3“ enttäuschen die wenigen Actionszenen. Sie sind wieder einmal so zerschnipselt, dass letztendlich nichts wirklich erkennbar ist. Die ganzen Abläufe sind nur noch erahnbar und wenn dann auf einem Highway etliche Autos geschrottet werden, fragt man sich, warum das nicht wie früher gezeigt wird, als man sich an den Zerstörungsorgien erfreuen konnte. Jetzt ist man damit beschäftigt, den Ablauf zu rekonstruieren.
Da bleibt Olivier Megaton („Transporter 3“, „Columbiana“, „Taken 2“) sich treu. Viele Schnitte und Farbfilter – wie man es bei Michael Bay und den anderen Filmen der Besson-Fabrik kennt.
Und, auch wenn viel geballert wird, sterben, so mein Eindruck, in „96 Hours – Taken 3“ deutlich weniger Menschen als in den vorherigen „Taken“-Filmen. Was sicher daran liegt, wie wir spätestens seit „The Rock – Fels der Entscheidung“ wissen, dass ein guter Amerikaner keine Landsleute tötet. Jedenfalls keine Unschuldigen.
Letztendlich ist „96 Hours – Taken 3“ ein weiteres liebloses Produkt aus der Besson-Fabrik, das dieses Mal sogar den Humor des zweiten Teils vermissen lässt. Denn die Standortbestimmung mit Handgranaten tagsüber im Zentrum von Istanbul und die von Bryn Mills für seine fahrunerfahrene Tochter gegebene Fahrstunde, sie sie wie eine Rennfahrerin durch die Innenstadt brettern lässt, waren hirnverbrannt, dass sie schon wieder witzig waren.
Aber, auch wenn die Macher im Presseheft betonen, dass „Taken 3“ das Ende einer Trilogie sei, wird es, wenn die Kasse stimmt, einen vierten Teil geben. Dann ist es halt eine aus vier Teilen bestehende Trilogie. Mit Tochter und Enkeltochter gibt es am Ende von „Taken 3“ ja noch genug Familienmitglieder, die von Bösewichtern belästigt werden können. Zum Beispiel mexikanische Drogenkartellbabyhändler, die das Baby wegen irgendwelcher Organe oder eine extrem seltenen Blutgruppe entführen…
Das muss für Jüngere angesichts von Filmen wie „Let’s be Cops – Die Party Bullen“ wie ein Märchen aus einer weit, weit entfernten Galaxis klingen: es gab einmal eine Zeit, als man sich auf die nächste Buddy-Cop-Komödie freute. Das waren Filme, in denen es reichlich Humor und Action gab. Ich sage nur „48 Stunden“, „Red Heat“, „Zwei stahlharte Profis“ (Lethal Weapon) und „Bad Boys“. Oft gab es erfolgreiche Fortsetzungen und sogar in schlechteren Buddy-Cop-Komödien, wie „Diese zwei sind nicht zu fassen“ (Running Scared), gibt es reichlich Humor und Action.
In „Let’s be Cops“ gibt es keine nennenswerten Action-Szenen und die, die es gibt, wären schon vor dreißig Jahren in einer TV-Serie verbraten worden. Der Humor bewegt sich konstant auf Blödel-Niveau. Das mag witzig gemeint sein, ist aber nur nervig im Eddie-Murphy-Gedächtnismodus.
Die Story: Ryan (Jake Johnson) und Justin (Damon Wayans Jr.) sind zwei erfolglose Mitt-Dreißiger, die schon vor Ewigkeiten aus der Kleinstadt nach Los Angeles gezogen sind. Der eine arbeitet als erfolgloser Schauspieler, der andere ist nachrangiger Spieleentwickler in einer großen Firma. Eines Tages ziehen sie als Party-Kostüm ein Polizeiuniformen an, werden für Polizisten gehalten und genießen den Respekt der Bevölkerung. Dummerweise legen sie sich mit einem Gangstersyndikat an und, nun, die Dinge laufen etwas aus dem Ruder.
Irgendwann läuft Andy Garcia auf der Suche nach seiner Lohntüte durch das Bild und wahrscheinlich freut er sich, dass dieses Werk nicht mit seinem Namen beworben wird.
Und weil der Film in den USA locker sein Budget einspielte, wird es sicher eine Fortsetzung geben.
Natürlich erwartet niemand von einer Nicholas-Sparks-Verfilmung hohe Filmkunst. Immerhin liefen in den vergangenen Jahren acht Sparks-Verfilmungen erfolgreich im Kino unter dem Etikett „Schmonzette“ und auch in der neuesten Sparks-Verfilmung „The Best of Me – Mein Weg zu dir“ geht es um Liebe.
Nach zwanzig Jahren, nach dem Tod von Onkel Tuck, treffen sich Amanda (Michelle Monaghan) und Dawson (James Marsden) wieder in dessen Haus, in dem sie viel Zeit verbrachten. Sie erinnern sich nach den zwei Jahrzehnten, in denen sie getrennte Leben führten, an ihre Vergangenheit und Michael Hoffman illustriert die Erinnerungen von Dawson, einem linkischen jungen Mann, der ein begeisterter Automechaniker ist und in einer White-Trash-Familie lebt, und Amanda, einer Schönheit aus besserem Haus, die sich natürlich sofort in den Jüngling verliebt. Nachdem Dawson aus dem Haus seiner Familie flüchtet, wird er von Tuck, einem Witwer und Besitzer einer Autowerkstatt, aufgenommen. In Tucks Haus verleben Dawson und Amanda (jaja, Romeo und Julia) glückliche Tage, bis es zu Ereignissen kommt, die zu der jahrelangen Trennung führten und die erst gegen Filmende aufgelöst werden.
In den viel zu langen Rückblenden werden die Liebenden von Luke Bracey und Liana Leberato gespielt, die beide höchstens eine entfernte Ähnlichkeit mit Marsden und Monaghan haben. Dass das besser geht, hat die Krimiserie „Cold Case“, in der die Aussagen der von den Polizisten befragten Personen immer mit Rückblenden illustriert wurden, in denen ein jüngeres Alter Ego des Befragten agierte, sieben Jahre lang bewiesen.
Michael Hoffman (zuletzt die unwitzige Komödie „Gambit – Der Masterplan“) erzählt diese Südstaaten-Schnulze mit schönen Bildern, viel Kitsch und Schmonzettentunke. Wenn nicht Onkel Tuck (gespielt von Gerald McRaney, ein Bruder des Privatdetektivduos „Simon & Simon“) einige knorrige Auftritte hätte, wäre „The Best of Me“ ein vollkommen ungenießbares Kitschfest, das sogar die Die-hard-Fans von James Marsden und Michelle Monaghan enttäuschen würde. Denn beide haben eigentlich nur Nebenrollen und die Rückkehr des verlorenen Sohns, der sich prompt wieder in die Angelegenheiten seiner Verbrecherfamilie einmischt, überzeugt noch nicht einmals gutwillige Geister.
Was hätte Lasse Hallström, der ja auch zwei Sparks-Romane verfilmt hat, aus dieser Geschichte gemacht? In jedem Fall einen besseren Film. Ein Film mit mehr Gefühl und weniger Kitsch.
Neues Jahr, neuer Monat, neue KrimiZeit-Bestenliste: 1 (1) James Lee Burke: Regengötter
2 (-) Denise Mina: Das Vergessen
3 (3) Kim Zupan: Die rechte Hand des Teufels 4 (2) Max Annas: Die Farm
5 (8) Volker Kutscher: Märzgefallene
6 (4) Franz Dobler: Ein Bulle im Zug
7 (10) Andrew Brown: Trost
8 (7) Oliver Harris: London Underground
9 (6) Jo Nesbø: Der Sohn
10 (-) Nathan Larson: Boogie Man
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
Im dritten „Stitched“-Sammelband „Sieben Schwerter“ geht es nach Japan. Und was gibt es in Japan? Die Yakuza – und Kenji Nakamura kann im Kampf gegen eine andere Yakuza-Bande die Hilfe der Stitches gut gebrauchen. Wobei er natürlich keine Ahnung hat, wer oder was die Stitches genau sind und welche Geister er heraufbeschwört.
Wir wissen es.
Jedenfalls wenn wir die vorherigen „Stitched“-Sammelbände „Die lebenden Toten“ (geschrieben von Garth Ennis), über die tödliche Begegnung von Soldaten mit ihnen in Afghanistan, und „Das schwarze Fass“, über einen missglückten Kaufversuch eines Sammlers auf Sri Lanka, gelesen haben.
Die Stitches sind gnadenlos mordende, nur auf eine Geräusche von sich gebende Dose reagierende Untote. Es sind Menschen, deren Körperöffnungen ihnen bei lebendigem Leib zugenäht wurden, nachdem ihnen eine schwarze Flüssigkeit eingeflößt wurde. Sie entstand vor Jahrhunderten nach der Vereinigung eines Dämonen mit einer Frau. Die Stitches sollen das afghanische Volk vor den Aggressionen des Westens schützen. Aber sie können von ihrem Herrscher auch gegen andere Menschen eingesetzt werden. Zum Beispiel, wie in „Sieben Schwerter“ geschildert wird, gegen konkurrierende Yakuza-Banden. Allerdings weiß Nakamura, als er den Handel mit Rashid Salib abschließt, nicht, dass die schwarze Flüssigkeit wieder aufgefüllt werden muss.
Das ist, wie die vorherigen „Stitched“-Geschichten von den Autoren Garth Ennis und Mike Wolfer (der mit dem achten Heft die Autorenschaft übernahm) flott und spannend erzählt und kann auch ohne die Kenntnis der vorherigen beiden, in sich abgeschlossenen Geschichten, gut verstanden werden. Denn die wichtigen Hintergründe über die Herkunft der Stitches werden wieder erklärt und der Auftakt für eine größere Geschichte, die ich am Ende von „Das schwarze Fass“ vermutete, wird in „Sieben Schwerter“ nicht fortgeführt. Es ist Horror meets Yakuza und das Blut spritzt.
Zwei Wermutstropfen gibt es allerdings: Nach dieser Geschichte hörte Mike Wolfer auf. Nach neunzehn Heften, die in drei Sammelbänden gesammelt sind, wurde die Serie beendet.
– Mike Wolfer/Fernando Furukawa: Stitched: Sieben Schwerter (Band 3) (übersetzt von Gerlinde Althoff) Panini, 2014 148 Seiten
16,99 Euro
– Originalausgabe
Stitched # 14 – 19
Avatar Press, 2013/2014
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ZDFneo zeigt an den Wochentagen täglich einen Fall von Lieutenant Columbo. Und davor darf Privatdetektiv Thomas Magnum Gangster im Paradies jagen.
Heute gibt es ein Highlight der Serie:
ZDFneo, 17.55
Columbo: Etude in Schwarz (USA 1972, Regie: Nicholas Colasanto, Peter Falk [ungenannt], John Cassavetes [ungenannt])
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Dirigent Alex Benedict will nicht auf die unverschämten Forderungen seiner Geliebten eingehen. Also bringt er sie um und tarnt es als Selbstmord. Aber Lt. Columbo mag Selbstmorde, vor allem Selbstmorde von jungen Frauen nicht, und sucht ihren Mörder.
Bochcos Drehbuch war für einen Emmy nominiert.
Und die Besetzung ist auch nicht schlecht.
mit Peter Falk, John Cassavetes, Blythe Danner, James Olson, Myrna Loy, Pat Morita
ZDF, 20.15/23.40 James Bond 007 – Skyfall(Skyfall, GB/USA 2012)
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan
LV: Charakter von Ian Fleming
James Bond jagt Raoul Silva, der zuerst die Datei mit den Identitäten von allen Geheimagenten, die undercover in Terroristennetzwerken arbeiten, entwendet und dann den gesamten britischen Geheimdienst ins Nirvana schicken will, weil M(ama) nicht nett zu ihm war.
Insgesamt ein sehr erfreulicher James-Bond-Film, in dem wir letztendlich mehr über Bond erfahren, als wir jemals wissen wollten – und den ich zum Kinostart ausführlich besprochen habe.
Mal sehen, was der nächste Bond-Film „Spectre“, der gerade gedreht wird, bringt. Die Besetzung überzeugt und Spectre steht eigentlich für schön altmodische Welteroberungspläne.
mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney, Rory Kinnear, Ola Rapace
Eigentlich hat der 53-jährige Literaturprofessor Marc, ein gescheiterter Schriftsteller, es ganz gut getroffen. Er unterricht an einer Universität, lebt mit seiner Schwester in einem malerisch in den Bergen gelegenem Chalet und er geht mit möglichst vielen Studentinnen ins Bett. Eine seiner Bettgesellinnen, die 23-jährige Barbara, überlebt dummerweise die Nacht mit ihm nicht. Wahrscheinlich hat sie zu viel von den falschen Drogen genommen. Marc ruft allerdings nicht den Notarzt oder die Polizei. Immerhin ist sie mausetot und die öffentliche Aufregung über eine tote Studentin in seinem Bett würde ihn garantiert für nichts und wieder nichts die Stelle kosten. Vor allem, weil sie sein Seminar besuchte.
Also schleppt er sie vor seiner ersten Unterrichtsstunde in den Wald und wirft sie in eine Felsspalte, die er vor Jahren zufällig mit seiner Schwester entdeckte.
Problem gelöst. Und dem Kommissar, der die verschwunden Studentin sucht, sagt man, dass man nicht wisse, wohin Barbara verschwunden ist.
Kurz darauf trifft Marc Myriam, die gut fünfzigjährige und, so Marcs Schürzenjägermeinung, verdammt gut aussende Stiefmutter von Barbara. Von Marc möchte sie mehr über Barbara erfahren – und der Universitätslehrer macht eine neue Erfahrung: denn er verliebt sich in die verheiratete Myriam, die deutlich älter als alle seine bisherigen Eroberungen ist.
„Liebe ist das perfekte Verbrechen“, der neue Film der Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrie, basiert auf dem Roman „Die Rastlosen“ von Philippe Djian, dessen Bestseller „Betty Blue“ erfolgreich verfilmt wurde und der in seinen Romane immer wieder das Feld zwischen Sex, außergewöhnlicher Liebe und Verbrechen auslotet. Auch „Liebe ist das perfekte Verbrechen“ ist ein, hm, erotischer Kriminalfilm, der die Krimi-Aspekte in Djians Geschichte betont.
Denn nach dem flotten Auftakt beginnt im Roman die Geschichte zunehmend vor sich hin zu plätschern, während Marc sich mit Myriam zu Schäferstündchen trifft, er um seine ungeliebte Arbeit kämpft (immerhin ist er zu alt, um etwas Neues anzufangen) und wir mehr über die seltsame Beziehung zwischen ihm und seiner Schwester erfahren, ehe alles mit eine Knalleffekt endet. Dabei sind die Charaktere und ihre verkorksten Beziehungen durchaus interessant.
Die werkgetreue Verfilmung überzeugt dagegen als ruhiger Noir-Psycho-Thriller. Der von Mathieu Amalric gespielte Hochschullehrer ist von der ersten Minute an viel zwiespältiger als im Roman – und man erinnert sich an Amalrics ähnlich gelagerte Rollen in Roman Polanskis „Venus im Pelz“ und in seiner Georges-Simenon-Verfilmung „Das blaue Zimmer“ (ab 5. Februar 2015 im Kino). Beide Male verstrickt der Mann sich hoffnungslos und eher passiv in die Netze schöner Frauen und taumelt dem Abgrund entgegen.
Auch Myriam umgibt von Anfang an ein Geheimnis. Denn warum sollte die frisch Verheiratete sich ausgerechnet mit dem Lehrer ihrer Stieftochter einlassen, während ihr Mann auf einer lebensgefährlichen Auslandsmission ist?
Das Bonusmaterial der DVD ist mit einem Making of und Interviews erfreulich informativ ausgefallen. Vor allem wenn Arnaud und Jean-Marie Larrie über den Film sprechen.
Liebe ist das perfekte Verbrechen(L’amour est un crime parfait, Frankreich 2013)
Regie: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
Drehbuch: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrie
mit Mathieu Amalric, Karin Viard, Maïwenn, Sara Forestier
– DVD Alamode Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews, Making of, Trailer, Wendecover
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Die Vorlage
Philippe Djian: Die Rastlosen (übersetzt von Oliver Ilan Schulz) Diogenes, 2014 224 Seiten
10,90 Euro
– Deutsche Erstausgabe
Diogenes, 2012
– Originalausgabe
Incidences
Éditions Gallimard, 2010
– Hinweise
Arte, 22.10 Go Go Tales (Italien/USA 2007, Regie: Abel Ferrara)
Drehbuch: Abel Ferrara, Scott Pardo
Ray Ruby hat ein großes Herz und er leitet einen Stripclub, der kurz vor der Pleite steht. Mit einem Lotto-Gewinn will er alle glücklich machen.
In den Neunzigern war Abel Ferrara Gott. Ich sage nur „King of New York“ und „Bad Lieutenant“. Aber seitdem fanden seine neuen Werke kaum noch den Weg nach Deutschland, geschweige denn ins Kino. Auch „Go Go Tales“, immerhin schon acht Jahre alt, erlebt heute seine große Deutschlandpremiere. Denn nach der Premiere in Cannes wurde der Film in Deutschland nur auf einigen Festivals gezeigt.
Dabei kam Ferraras Komödie, die seine Version von John Cassavetes‘ „Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers“ ist, bei den Kritikern gut an. Über die grandiose Besetzung muss nichts gesagt werden.
mit Willem Dafoe, Bob Hoskins, Matthew Modine, Asia Argento, Riccardo Scamarcio, Sylvia Miles, Roy Dotrice, Joe Cortese, Burt Young, Stefania Rocca, Anita Pallenberg Hinweise Rotten Tomatoes über „Go Go Tales“ Wikipedia über „Go Go Tales“