In der Box: die vier Berlin-Krimis von Pieke Biermann

Januar 3, 2022

Das ist ein Schatz der deutschen Krimi-Geschichte, den der Argument-Verlag hier gehoben hat. Denn so etwas wie kontinuierliche Klassikerpflege gibt es in der notorisch geschichtsvergessenen deutschen Krimi-Geschichte nicht. Wer kennt heute noch Hansjörg Martin, Friedhelm Werremeier und seine Trimmel-Romane (ja, „Taxi nach Leipzig“), den Sozio- und den Frauenkrimi?

Da ist Pieke Biermann mit ihren vier Berlin-Krimis eine wichtige Stimme. Wobei sie, wenn ich mir aktuell tätige Krimiautorinnen ansehe, letztendlich mehr Solitär und weniger Vorbild und Vorreiterin für andere Autorinnen ist.

Sie ist auch die einzige Frau, die Thomas Wörtche 2006 in seiner im Bücher Spezial veröffentlichten Liste der „10 deutschsprachige Classics von Glauser bis Steinfest“ aufgenommen hat. Er schreibt über Pieke Biermann: Sie „führte die Realität der Polizeiarbeit u. a. vermittels des Personals ihres Kommissariats in die deutschsprachige Kriminalliteratur ein und die exakten sozialen Realitäten von Berlin, einschließlich Huren als stolze Hauptfiguren. Sie mobilisierte virtuos sämtliche Verfahren der Moderne: Polyphonie, Rollenprosa, Montage, radikale Komisierung etc., Verzicht auf ‚Erklärungen‘ und epische Breite, öffnete damit die Feuilletons für deutsche Kriminalliteratur, machte sie international sichtbar und erreichte gleichzeitig ein breites Publikum.“

Uff, was kann gegen so viel überschwängliches Lob gesagt werden?

Vielleicht einige nüchterne Fakten.

Potsdamer Ableben“, „Violetta“, „Herzrasen“ und „Vier, fünf, sechs“ erschienen zwischen 1987 und 1997 im Rotbuch und, der vierte Roman, im Goldmann Verlag. Sie zeigen Berlin unmittelbar vor und nach dem Mauerfall. Es sind die Jahre, bevor Berlin wieder zum Regierungssitz wurde.

Damit sind die vier Krimis dann auch die Chronik eines heute vergangenen Westberlins, der damaligen Szenen, Befindlichkeiten und Klüngel.

Pieke Biermann war damals, also vor der Veröffentlichung von „Potsdamer Ableben“ als Aktivistin der Frauenbewegung und ‚Frontfrau‘ der Hurenbewegung bekannt. Heute ist sie auch als Journalistin und Übersetzerin bekannt. Sie übersetzte unter anderem Werke von Agatha Christie, Liza Cody, Dorothy Parker und Walter Mosley.

In ihrem Krimidebüt „Potsdamer Ableben“ stirbt bei der Präsentation der Band „Richard Röhm und die Kerle“ (das war noch vor Rammstein und der Neuen Deutschen Härte, aber die Krupps und Laibach traten schon auf) die großmäulige Radiomoderation Beatrice Bitterlich am Buffet. Kriminalhauptkommissarin Karin Lietze beginnt mit ihrem Team zu ermitteln. Oder besser gesagt ’stochert herum‘.

In „Violetta“ müssen Lietze und ihr Team im Sommer 1989 (und damit vor dem Fall der Mauer) in zwei Mordserien ermitteln. In der einen werden Prostituierte ermordet. Der Täter schreibt ihnen in Sütterlin den Anfangsbuchstaben ihrer Nationalität auf die Stirn. In der anderen werden junge Männer nach dem Geschlechtsverkehr getötet.

In „Herzrasen“ ist die Mauer gefallen und Berlin eine wiedervereinigte Stadt, die nach ihrer Identität sucht, während die Kommisare nach dem Mörder eines Kindes suchen.

In „Vier, fünf, sechs“, dem vierten und letzten Krimi mit Kommissarin Karin Lietze, geht es um die bombige Ermordung eines hochrangigen Polizisten im Flughafen Tempelhof während einer Anti-Terror-Übung.

Allerdings interessieren Pieke Biermann diese Fälle und die sich daraus ergebenden Ermittlungen nicht sonderlich. Sie sind Nebensache gegenüber einem wilden Ritt durch das Leben der irgendwie von den Taten betroffenen Menschen. Sie sind eine Polyphonie von Geräuschen, die durch den Fall einen Anfang und ein Ende bekommen.

Deshalb sind ihre Bücher für Fans traditioneller Kriminalromane ein Graus.

So ist in „Potsdamer Ableben“ bis kurz vor Schluss vollkommen unklar, woran die Radiojournalistin auf Seite 24 gestorben ist. Stattdessen stürzt Biermann sich in eine Abfolge von Szenen, die ein Porträt der Stadt und ihrer subkulturellen Milieus, Kämpfe und Aktionen ergeben.

Damit ähnelt sie -ky (aka Horst Bosetzky). Er beschreibt in seinen seit den frühen Siebzigern entstandenen, oft in Berlin spielenden Krimis ähnlich genau Milieus, Szenen und Lebenslagen. Seine Geschichten sind allerdings wesentlich traditioneller aufgebaut.

Wer also etwas über das Berlin vor einigen Jahrzehnten erfahren möchte, es literarisch avancierter mag, als Krimifan auch mal auf einen Krimiplot verzichten kann, der/die/das sollte zugreifen.

P. S.: Schöne Covers!

Pieke Biermann: Das Berlin-Quartett – Schuber mit 4 Bänden

Ariadne, 2021

1104 Seiten

50 Euro

Die Einzelromane

Pieke Biermann: Potsdamer Ableben

Ariadne, 2021

192 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Violetta

Ariadne, 2021

304 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Herzrasen

Ariadne, 2021

320 Seiten

15 Euro

Pieke Biermann: Vier, fünf, sechs

Ariadne, 2021

288 Seiten

15 Euro

Die Karin-Lietze-Krimis

Potsdamer Ableben, 1987

Violetta, 1990 (Deutscher Krimipreis Platz 1)

Herzrasen, 1993 (Deutscher Krimipreis Platz 1)

Vier, fünf, sechs, 1997 (Deutscher Krimipreis Platz 2)

Hinweise

Ariadne über Pieke Biermann

Krimi-Couch über Pieke Biermann

Lexikon deutscher Krimi-Autoren über Pieke Biermann

Wikipedia über Pieke Biermann

Meine Besprechung von Pieke Biermanns „„Wir sind Frauen wie andere auch!“ – Prostituierte und ihre Kämpfe“ (2014 deutlich erweiterte Neuauflage, Erstausgabe 1980)


Hit-Girl trifft „Kick-Ass: Frauenpower“

Januar 3, 2022

Kurz bevor der neue, mehrmals verschobene „Kingman“-Film endlich im Kino anläuft, lohnt es sich einen Blick auf eine andere von Mark Millar erfundene, hm, Welt zu werfen. Während „Kingsman“ beginnend mit dem Comic „The Secret Service“ zu einer erfolgreichen Kinoserie wurde, die mit zwei rotzfrechen James-Bond-Varianten (dem klassischen Bond, nicht dem Craig-Bond) begann und die mit dem neuen Film „The King’s Man: The Beginning“ die Anfänge dieses nicht-staatlichen geheimen Geheimdienstes erkundet, lebt „Kick-Ass“ nach zwei Kinofilmen und mehreren von Mark Millar geschriebenen Comics, im Moment nur als Comic fort. Auch wenn Matthew Vaughn, der Regisseur des ersten „Kick-Ass“-Films und der „Kingsman“-Filme, kürzlich sagte, dass an einem Reboot gearbeitet werde.

In der „Hit-Girl“-Comciserie lassen bekannte Autoren wie Jeff Lemire, Kevin Smith und Daniel Way und Zeichner wie Eduardo Risso, Rafael Albuquerque und Goran Parlov Hit-Girl um die Welt reisen und Verbrecher töten. Das sind immer kurze, mit kulturellen und popkulturellen Details zum Reiseziel gespickte Einzelstücke.

Für „Kick-Ass: Frauenpower“ hat Steve Niles („30 Days of Night“) zusammen mit Zeichner Marcelo Frusin („Hellblazer“, „Loveless“) einen anderen Ansatz gewählt. Bei ihm wurde aus dem ursprünglichen Kick-Ass, dem weichlichen Schüler Dave Lizewski, der erst durch die liebevolle Anleitung von dem jüngeren Mädchen Mindy McCready zu einem halbwegs anständigem Kämpfer wurde, die Ex-Soldatin Patience Lee. Sie versucht in Albuquerque, New Mexico, als alleinerziehende Mutter zu überleben. Sie besorgt sich ein „Kick-Ass“-Kostüm und geht auf Verbrecherjagd. Zuerst um ihre spärliche Soldatenpension und ihr Minigehalt in einem Diner aufzubessern. Schnell bemerkt sie, dass sie als Kick-Ass auch die Einwohner von Albuquerque vor Verbrechern schützen und die Stadt sicherer machen kann. Sie übernimmt die Führung der verschiedenen Verbrecherbanden, strukturiert sie um und legt sich mit der Russenmafia und mexikanischen Drogenkartellen an. Diese schließen sich gegen Kick-Ass zusammen.

Außerdem hat ihr krimineller Schwager herausbekommen, dass Patience Kick-Ass ist. Als er aus dem Koma erwacht, macht er ihr am Anfang des dritten „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelbandes ein Angebot, das sie am liebsten ablehnen würde.

Am Ende des dritten Bandes berichten Reporter in den TV-Nachrichten über Patiences Aktionen als Kick-Ass. Hit-Girl Mindy sieht das. Sofort macht sie sich auf den Weg nach Albuquerque, um den falschen Kick-Ass zu töten.

Auf den ersten Seiten des vierten „Kick-Ass: Frauenpower“-Bandes köpft und erschießt sie auf dem Highway auf dem Weg nach Albuquerque eine verbrecherische Biker-Gang. Danach wird munter weitergemordet.

Der jetzt erschienene vierte „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband enthält den Abschluss von Steve Niles‘ „Kick-Ass“-Geschichte und es ist ein feuriges und tödliches Abenteuer. Schließlich haben Hit-Girl, Kick-Ass und die Verbrecherbanden nichts gegen exzessive Gewalt. Auch wenn die Geschichte unabhängig von den vorherigen drei Bänden gelesen werden kann – dann hat man immerhin noch ein weiteres gelungenes „Hit-Girl“-Abenteuer -, sollte doch die gesamte Geschichte von Patience Lee gelesen werden. Niles‘ Geschichte ist, ausgehend von Mark Millars im ersten „Kick-Ass: Frauenpower“-Sammelband formulierten Prämisse, eine überaus interessante und gelungene Neuinterpretation von Kick-Ass, die aus einem Comic-Nerd eine erwachsene, mit alltäglichen Problemen kämpfende Frau macht.

P. S.: Die Besprechung von „The King’s Man: the Beginning“ gibt es zum Kinostart. Der ist, nach etlichen Verschiebungen, am Donnerstag.

Steve Niles/Marcello Frusin: Kick-Ass: Frauenpower (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2021

132 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass vs Hit-Girl # 1 – 5

November 2020 – März 2021

Steve Niles/Marcello Frusin: Kick-Ass: Frauenpower (Band 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2020

148 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass (2018) # 13 – 18

April 2019 – Oktober 2019

Hinweise

Homepage von Steve Niles

Meine Besprechung von Steve Niles/Ben Templesmiths „30 Days of Night – Die Barrow-Trilogie“ (30 Days of Night, 2002; 30 Days of Night: Dark Days, 2004; 30 Days of Night: Return to Barrow, 2004)

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerques „Prodigy: Die böse Erde“ (Prodigy: The evil earth # 1 – 6, 2019)

Meine Besprechung von Mark Millar/Simone Bianchis „Sharkey the Bounty Hunter – Krawall im All“ (Sharkey the Bounty Hunter # 1 – 6, 2020)

Verfilmungen

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Golden Circle“ (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Andere Autoren in Millarworld

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“ (Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, 2018/2019)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Hollywood“ (Hit-Girl (2018) Season Two #1 – 4, Februar 2019 – Mai 2019)

Meine Besprechung von Steve Niles/Marcelo Frusins „Kick-Ass – Frauenpower (Band 2)“ (Kick-Ass (2018) # 7 – 12, September 2018 – Februar 2019)

Meine Besprechung von Rob Williams/Simon Frasers „Kingsman: Jagd auf Red Diamond“ (Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6, September 2017 – Februar 2018)


Baru schickt uns auf die „Autoroute du soleil“

Dezember 30, 2021

Der 17-jährige Alexandre Barbieri bewundert Karim Kemal grenzenlos. Im Arbeiterviertel, in dem sie leben, hat der fünf Jahre ältere Karim allerdings einen schlechten Ruf. Er soll mit Kartenspielen Geld verdienen, illegale Drogen verkaufen und sich von reichen Frauen für Sex bezahlen lassen. In jedem Fall ist er ein Frauenliebling.

Seine neueste Eroberung sorgt allerdings für Ärger. Sie ist die Frau von Doktor Raoul Faurissier, dem Spitzenkandidaten der rechtsextremen Elan National. Kurz bevor Karim von Faurissiers Bodyguards entdeckt und zusammengeschlagen wird, kann er entkommen.

Zusammen mit Alexandre flüchtet er quer durch Frankreich. Denn Faurissiers Schläger sind ihnen auf den Fersen.

Baru ist das Pseudonym des 1947 in Lothringen geborenen Hervé Barulea. Zu seinen früheren, nur teilweise ins Deutsche übersetzten Werken gehören „Bleierne Hitze“ (nach einem Roman von Jean Vautrin), „Wut im Bauch“, „Wieder unterwegs“ und „Die Sputnik-Jahre“. 2010 erhielt er den „Grand Prix de la Ville d’Anglulême“. Seit 2013 ist er Ritter des „Ordre des Arts et des Lettres“.

Für „Autoroute du soleil“ erhielt er den Alph’art. Der über vierhundertseitige SW-Comic ist ein rasantes, oft absurd witziges Roadmovie, das mehr „Easy Rider“ als Thriller ist. Sicher, Alexandre und Karim werden gejagt und schweben fast ständig in Lebensgefahr. Schließlich gehen ihre Verfolger fast so brachial wie der „Terminator“ vor. Aber die Dynamik zwischen den beiden Jungs und ihre Begegnungen mit anderen Menschen stehen eindeutig im Zentrum dieser Noir-Geschichte. Für Alexandre ist sie auch eine Coming-of-Age-Geschichte. Außerdem entsteht bei ihrer Flucht ein Bild von Frankreich in den frühen neunziger Jahre abseits von Paris.

Baru: Autoroute du soleil

(übersetzt von David Basler)

Reprodukt, 2021

432 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

L’autoroute du soleil

Casterman 1995

Deutsche Erstausgabe

Carlsen, 2007

Hinweise

Reprodukt über Baru

Wikipedia über Baru (deutsch, französisch)


Unsortierte Gedanken zur Neuübersetzung von Raymond Chandlers Philip-Marlowe-Geschichte „Die Lady im See“

Dezember 29, 2021

Aus mir unbekannten Gründen habe ich Hellmuth Karaseks alte Diogenes-Übersetzung jetzt nicht zur Hand. Dabei habe ich Raymond Chandlers vierten Philip-Marlowe-Krimi „The Lady in the Lake“ vor Ewigkeiten in seiner Übersetzung gelesen. Aber ohne das Buch in Griffnähe zu haben, kann ich die Übersetzungen nicht miteinander vergleichen.

Das gesagt, liest sich Robin Detjes neue Übersetzung sehr gut. Und zwar so gut, dass aus den wenigen Seiten, die ich Lesen wollte, um die Qualität der Übersetzung zu prüfen, eine erneute Lektüre des gesamten Romans wurde; – nun, es gibt schlechtere Methoden, um seine Zeit zu verbringen.

In „Die Lady im See“ soll Philip Marlowe im Auftrag von dem Unternehmer Derace Kingsley dessen seit einem Monat spurlos verschwundene Frau suchen. Zuletzt wurde Crystal Kingsley in dem kleinen Haus, das die Kingleys in den Bergen am Little Fawn Lake haben, gesehen.

Marlowe fährt dorthin und trifft Bill Chess, der dort als Hausmeister seine Invalidenrente aufbessert. Chess erzählt Marlowe, dass er Streit mit seiner Frau hatte. Das war vor einem Monat. Danach verschwanden die beiden Frauen gleichzeitig.

Als die beiden Männer zum See gehen, entdecken sie im See die titelgebende Frau im See. Chess hält die Wasserleiche für seine Frau.

Marlowe beginnt nun auch den Mörder der Wasserleiche zu suchen. Dabei stochert er in der Vergangenheit der beiden Frauen herum und stolpert über die Leiche von Crystal Kingsleys Liebhaber. Er wurde erschossen.

Bei der wiederholten Lektüre fällt auf, wie zeitlos und schnörkellos elegant Raymond Chandlers Sprache ist. Die Story selbst bewegt sich zügig voran und sie wirkt ebenfalls nicht veraltet. Sicher, heute müsste Marlowe keine Münzfernsprecher mit Geld füttern. Er würde mit einem Handy telefonieren. Aber immer noch müsste er mit vielen Verdächtigen, Zeugen und potentiellen Zeugen reden. Immer noch hätte er Ärger mit der Polizei. Er würde zusammengeschlagen werden und er würde auf gutaussehende Frauen treffen, die ihn mit einer Waffe in der Hand begrüßen.

Angenehm ist auch, dass sich der gesamte Roman auf Marlowes Auftrag und seine Jagd nach dem Mörder konzentriert. Über Marlowe selbst und sein Privatleben erfahren wir nichts. Und das ist gut so.

Schlecht ist allerdings die Lösung des Falles. Die zaubert Chandler ziemlich aus dem Hut in einer Mischung aus nicht mit dem Leser geteiltem Wissen und wilden Vermutungen. Echte Beweise hat Marlowe erst durch das anschließende Geständnis des Täters.

The Lady in the Lake“ ist Raymond Chandlers vierter Philip-Marlowe-Roman. Davor schrieb er „The big Sleep“ (1939, Der tiefe Schlaf/Der große Schlaf), „Farewell, my Lovely“ (1940, Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling) und „The high Window“ (1942, Das hohe Fenster). Danach „The little Sister“ (1949, Die kleine Schwester), „The long Good-Bye“ (1953, Der lange Abschied) und „Playback“ (1958, Spiel im Dunkel/Playback). Bis auf „Playback“ sind alle seine Marlowe-Romane Klassiker.

The Lady in the Lake“ wurde mehrmals ins Deutsche übersetzt und als „Einer weiß mehr“, „Die Tote im See“ und jetzt „Die Lady im See“ veröffentlicht.

Neben Dashiell Hammett definierte Raymond Chander das Privatdetektiv-Genre.

Ohne Chandler gäbe es Spenser nicht. 1989 durfte Spenser-Erfinder Robert B. Parker mit „Poodle Springs“ ein von Chandler geschriebenes Fragment fertig schreiben.

Chandlers Roman wurde 1947 von Robert Montgomery als „Die Dame im See“ (Lady in the Lake) verfilmt. Mit etlichen Freiheiten. So wurde die Handlung in die Vorweihnachtszeit verlegt und es gibt eine Rahmengeschichte, in der Marlowe Autor von Pulp-Romanen werden will. Gedreht wurde hauptsächlich in Innenräumen. Es wurde auch weitgehend auf Action verzichtet. Das lag nicht an der Unlust, vor Ort zu drehen, sondern an den technischen Herausforderungen des Films. Denn Montgomery erzählte die Geschichte als Ich-Erzählung. In einem Roman, vor allem in einem Privatdetektiv-Roman, der normalerweise immer in der ersten Person Singular geschrieben ist, funktioniert das problemlos. In einem Film nicht. So erfahren wir nicht, wie der Erzähler auf etwas reagiert. Immer wenn Marlowe sich bewegte, musste die damals noch sehr unhandliche Kamera bewegt werden. Es musste auch geguckt werden, wie man Marlowes Arme richtig im Bild positioniert. Und es gibt, neben den üblichen Gefahren, denen das Gesicht eines Privatdetektivs (hier die Kamera) bei seinen Abenteuern ausgesetzt ist, wie Schläge und Küsse, eine ziemlich spektakulär gefilmte Autoverfolgungsjagd. Denn als Marlowe auf einer einsamen Landstraße von einem anderen Auto verfolgt wird, muss er sich immer wieder umdrehen, damit wir genug mitbekommen, um die Verfolgungsjagd gespannt mitverfolgen zu können.

Insofern ist die Bewältigung der technischen Herausforderungen in „Die Dame im See“ beeindruckend. Ein guter Film ist so allerdings nicht entstanden.

Chandlers Hardboiled-Roman „Die Lady im See“ ist dagegen ein Klassiker, der jetzt in einer neuen Übersetzung wieder entdeckt werden kann.

Raymond Chandler: Die Lady im See

(mit einem Nachwort von Rainer Moritz)

(übersetzt von Robin Detje)

Diogenes, 2021

336 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

The Lady in the Lake

A. A. Knopf, 1943

Frühere deutsche Übersetzungen

Einer weiß mehr

(übersetzt von Mary Brand)

Nest 1949

Die Tote im See

(übersetzt von Hellmuth Karasek)

Diogenes, 1976

Die Verfilmung

Die Dame im See (Lady in the Lake, USA 1947)

Regie: Robert Montgomery

Drehbuch: Steve Fisher

mit Robert Montgomery, Lloyd Nolan, Audrey Totter, Tom Tully, Leon Ames, Jayne Meadows

Hinweise

Thrilling Detective über Philip Marlowe

Thrilling Detective über Raymond Chandler

Krimi-Couch über Raymond Chandler

Mordlust über Raymond Chandler

Rotten Tomatoes über „Die Dame im See“

Wikipedia über „Die Lady im See“ (Roman), „Die Dame im See“ (Film) (deutsch, englisch), Philip Marlowe (deutsch, englisch) und Raymond Chandler (deutsch, englisch)


Über Frank Schmolkes Comic-Adaption von Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“

Dezember 13, 2021

In Berlin ermordet in der Vorweihnachtszeit ein Unbekannter Mütter, entführt ihre Kinder und gibt dem Vater 45 Stunden und 7 Minuten, sein Kind zu retten. Bis jetzt wurden alle entführten Kinder tot aufgefunden. Immer fehlte das linke Auge. Die Presse nennt ihn deshalb in schönster Boulevard-Manier den „Augensammler“.

Alexander Zorbach ist ein Ex-Polizist, Sensationsreporter und eher abwesender Vater. Sein Sohn ist meistens bei seiner Mutter. Er berichtet über den Fall, stört seine ehemaligen Kollegen (die ihn wie die Pest hassen) bei den Ermittlungen und gerät jetzt in Verdacht, der Serienmörder zu sein. Denn seine Brieftasche wurde am Tatort gefunden. Um seine Unschuld zu beweisen, tut er sich mit der blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev, die ihn auf seinem Hausboot erwartet, zusammen. Sie behauptet, sie habe bei einem ihrer Patienten eine Vision gehabt, die sie zu dem Mörder führen könne. Zorbach hält das zwar für ausgemachten Unfug, aber eine bessere Spur hat er nicht.

In seiner Comicadaption von Sebastian Fitzeks Bestseller „Der Augensammler“ begeht Frank Schmolke einen Fehler nicht, den bei den Verfilmungen der Bücher von Fitzek Drehbuchautoren und Regisseure gemacht haben. Sie nahmen einfach das Buch, einen Pageturner mit vielen Wendungen, Dialogen und kurzen Kapiteln, und übertrugen die Geschichte 1-zu-1 in den Film. Aber Dinge, die in einem Roman prächtig funktionieren, funktionieren in einem Film nicht unbedingt. In den späteren Verfilmungen änderte sich das und die Filme wurden besser.

Frank Schmolke versucht erst gar nicht, den gut vierhunderfünfzigseitigen Roman mit seinen ganzen Wendungen 1-zu-1 in ein anderes Medium zu übertragen. Er nimmt die Geschichte und adaptiert sie für ein anderes Medium. Und das heißt halt auch, notwendige Veränderungen vorzunehmen. Schließlich sagt ein Bild manchmal mehr als tausend Worte und in einem zweihundertseitigen Comic muss halt einiges verändert werden.

Er taucht Berlin und die Thrillergeschichte in ein düsteres Noir-Licht, das durch die wenigen Farbtupern noch verstärkt wird. Es ist ein verschneites, kaltes Berlin, dessen Atmosphäre an Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ erinnert. Zur Noir-Atmosphäre trägt außerdem bei, dass der unschuldig gejagte Zorbach mit seinem Hut und seinem Mantel in einem Film der Schwarzen Serie zwischen Humphrey Bogart und Robert Mitchum nicht negativ auffallen würde. Und natürlich erlebt Zorbach eine fast schon archetypische Noir-Geschichte.

Schmolkes erschuf eine überaus gelungene und sehr eigenständige Adaption von Fitzeks Thriller.

Das sieht auch Sebastian Fitzek so. Im Vorwort des Comics schreibt er: „die fiktive Realität [von Schmolke, A.d.V.) entsprach sogar in vielen Punkten meiner inneren Gedankenwelt. Manchmal aber war ich erstaunt darüber, wie Frank meine Geschichte gesehen hatte. Und – das gestehe ich ganz offen – hin und wieder gefiel mir seine Sichtweise sogar besser als meine eigene. Dieses Werk stellt in meinen Augen keine herkömmliche Adaption dar, sondern ist ein komplexes, eigenständiges Werk, das nicht nur den Leserinnen und Lesern gefallen wird, denen ‚Fitzek‘ ein Begriff ist.“

Frank Schmolke (Textadaption, Zeichnungen, Farbe): Der Augensammler (nach dem Roman vo Sebastian Fitzek)

Splitter, 2021

200 Seiten

35 Euro

Die Vorlage

Sebastian Fitzek: Der Augensammler

Droemer, 2010 (gebundene Ausgabe)

464 Seiten

10,99 Euro (Taschenbuch)

Hinweise

Homepage von Frank Schmolke

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Passagier 23“ (2014) und Alexander Dierbachs Verfilmung „Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Zsolt Bács‘ Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)

 


Buchbesprechung: John le Carrés letzter Roman: „Silverview“

Dezember 11, 2021

Das ist er also: der neue Roman von John le Carré. Gleichzeitig – er starb vor einem Jahr am 12. Dezember 2020 – ist es sein letzter Roman und natürlich beeinflusst dieses Wissen die Lektüre und die Rezeption. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich mich den allgemeinen Jubelarien zu seinen vorherigen Büchern nicht so richtig anschließen konnte. Zu oft hatte ich den Eindruck, dass es in den Besprechungen weniger um sein aktuelles Buch und mehr um seinen Ruf als ‚größter Spionageschriftsteller aller Zeiten‘ ging. Auch „Silverview“ wird allgemein abgefeiert. Und wieder finde ich den Roman nicht so gut. Dabei ist auf den ersten Blick alles drin, was einen le Carré ausmacht. Aber die Story funktioniert nicht. Eigentlich ist es keine Story sondern mehr eine Skizze, bei der fast bis zur letzten Seite unklar ist, was uns le Carré erzählen will.

Im Mittelpunkt stehen drei Männer: Stewart Proctor ist der Chef der Inlandssicherheit. Der Geheimdienstler erhält einen Brief und beschäftigt sich daraufhin mit der Vergangenheit von Edward Avon. Edward war, als er vor Ewigkeiten angeworben wurde und im damals noch bestehendem Ostblock spionierte, ein von seiner Mission überzeugter Geheimagent. Das änderte sich während des Bosnienkrieges. Jetzt lebt er zusammen mit seiner ebenfalls pensionierten Frau Deborah in Silverview, einem Anwesen am Ortsrand eines Küstenstädtchens in East Anglia. Sie war die beste Nahost-Analystin des Geheimdienstes. Sie hat Krebs im Endstadium.

Edward trifft sich öfter mit dem Buchhändler Julian Lawndsley. Der 33-jährige Julian war in London ein erfolgreicher Börsenmakler. Diese Arbeit gab er aus bis nach dem Buchende unbekannten Gründen auf zugunsten des Lebens als schlecht verdienender Buchhändler, der von Büchern keine Ahnung hat. Edward schlägt ihm vor, im Keller seiner Buchhandlung ein besonderes Buchangebot einzurichten. Außerdem ist er, so sagt er, ein Schulfreund von Julians verstorbenem Vater.

Selbstverständlich sind diese beiden Plots – der eine ist Proctors Recherchen in Edward Avons Vergangenheit, der andere ist die beginnende Freundschaft zwischen Edward und Julian – miteinander verknüpft. Aber bis zum Ende laufen sie unverbunden nebeneinander her. Das Ende hinterlässt dann auch einige Fragen.

Le Carré schrieb die Geschichte zwischen 2013 und 2015, war allerdings nicht mit ihr zufrieden und legte sie zur Seite. Sein Sohn Nicholas Cornwell (der unter den Pseudonymen Nick Harkaway und Aidan Truhen Romane veröffentlicht) hat das Manuskript nach dem Tod seines Vaters aus der Schublade geholt und vor der Veröffentlichung um einige wenige Sätze und Absätze ergänzt.

Nach der Lektüre verstehe ich, warum le Carré mit der Geschichte unzufrieden war und sie, so mein Eindruck, nicht fertig schrieb. Der jetzt veröffentlichte Roman wirkt wie ein Fragment, das so wohl niemals für eine Veröffentlchung gedacht war.

Denn die Geschichte funktioniert nicht. Das liegt an ihrer Konstruktion, die lange Zeit beide Handlungsstränge vollkommen unverbunden nebeneinander her laufen lässt. Das liegt an den vielen Lücken, die in einer späteren Fassung geschlossen würden. Dann wüssten wir auch mehr über die Motive der verschiedenen Figuren. In der vorliegenden Fassung sind sie höchstens erahnbar.

Außerdem spielt die Geschichte inzwischen in einer seltsam unbestimmbaren Zeit. Es gibt nämlich keinerlei Hinweise auf das Handlungsjahr. Damit könnte sie, wie le Carrés andere Romane zum Zeitpunkt der Veröffentlichung spielen. Andererseits wirkt vieles so, als würde es in der nahen Vergangenheit spielen. Das betrifft die skizzenhaften Biographien der Figuren und den Umgang mit Computern, der eher zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre zurück in die Vergangenheit verweist. Und auch damals wäre unklar gewesen, welches für England gefährliche Wissen Edward und seine Frau hätten ausplaudern können.

In „Silverview“ wird Edwards Biographie, die an andere le-Carré-Figuren erinnert, auf wenigen Seiten abgehandelt. Dabei hätte sein Leben durchaus die Basis für einen Roman sein können. Der in der Gegenwart spielende Teil, also Edwards Plan, ist nicht mehr als eine hastig auf einen Zettel geschriebene Notiz. Ausformuliert hätte auch das ein guter Spionageroman werden können. Beides hat le Carré in der Vergangenheit schon mehrmals gelungener erzählt. Und so ist le Carrés letzter Roman immer ein Roman, der an seine früheren und besseren Romane erinnert.

John le Carré: Silverview

(übersetzt von Peter Torberg)

Ullstein, 2021

256 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Silverview

Viking, PRH, London, 2021

Hinweise

Bookmarks über „Silverview“

Perlentaucher über „Silverview“

Wikipedia über „Silverview“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte

 


Hari Kunzru nimmt am Wannsee die „Red Pill“

Dezember 8, 2021

Der wenig verdienende US-Schriftsteller kann sein Glück kaum fassen. Das Deuter-Zentrum gewährt ihm ein dreimonatiges Stipendium. Er hat zwar von dieser Stiftung noch nichts gehört, aber die Bedingungen sind gut: es gibt Geld, er hat Zeit für seine Arbeit und er hat einen Arbeitsplatz in deren Villa in Berlin am Wannsee. Die notwendigen Arrangements mit seiner Frau Rei sind schnell erledigt. Sie arbeitet als Anwältin in einer Organisation für Einwanderung und bürgerliche Freiheiten und sie verdient in der Familie das meiste Geld. Gemeinsam hat das in Brooklyn lebende Paar eine dreijährige Tochter. Mit dem Geld, das er als Stipendiat erhält, kann auch in New York ein Babysitter, der seine Aufgaben übernimmt, bezahlt werden. Das Thema für seine Arbeit ist auch schnell gefunden. Es geht um die Konstruktion des Ich in der Lyrik.

Als er am Wannsee eintrifft, ist er von der großen Residenz des Deuter-Zentrums beeindruckt. Aber für ihn gibt es bei den vom Zentrum vorgeschriebenen Arbeitsbedingungen einige Probleme. Er ist daran gewohnt, allein in seinem stillen Kämmerlein zu arbeiten. Hier muss er in einem großen Raum zusammen mit den anderen Stipendiaten arbeiten. Wir können uns das wie die Arbeit in einer Universtitätsbibliothek vorstellen. Und er soll am Gesellschaftsprogramm, also den gemeinsamen Mahlzeiten und Gesprächen, teilnehmen. Auch das gefällt ihm nicht. Er zieht sich in sein Schlafzimmer zurück, sieht die brutale TV-Polizeiserie „Blue Lives“, verfällt ihr immer mehr, entdeckt ungeahnte Metaebenen in ihr und lernt, auf der Berlinale, den Erfinder der Serie, Gary ‚Anton‘ Bridgeman, kennen. Er verfällt dem Charme dieses geheimnisvollen Mannes.

Und was dann zu einer Zauberlehrlingsgeschichte oder einer Erkundung rechter, faschistoider Umtriebe werden könnte, zersplittert in vier weitgehend unabhängige Kapitel, die letztendlich die Geschichte eines Nervenzusammenbruchs erzählen. Das individualisiert und trivialisiert die real existierende Bedrohung von Rechts zum Wahngebilde eines psychisch kranken Mannes.

Diese Entwicklung, die ja durchaus eine spannende Lektüre ergeben könnte, erfolgt immer wieder in großen Sprüngen. Im ersten Kapitel ist der Literat fast nur im Deuter-Zentrum. Das zweite Kapitel besteht aus Monikas Geschichte. Sie ist Zimmermädchen im Deuter-Zentrum und schon etwas älter. Sie erzählt von ihrer Vergangenheit als Punk-Musikerin in der DDR und wie sie von der Stasi beobachtet wurden. Mit der restlichen Geschichte hat dieser Rückblick in die DDR nichts zu tun. Im dritten Kapitel lernt der Schriftsteller Gary Bridgeman kennen und verfolgt ihn, weil er ihn ihm den Heiland sieht, durch halb Europa. Im abschließenden vierten Kapitel ist er wieder zurück im Kreis seiner Familie und es wird erklärt, wie er von Europa wieder zurück nach Brooklyn gekommen ist.

Das hat durchaus seine morbiden und faszinierenden Momente, aber insgesamt ist „Red Pill“ ein enttäuschendes Werk.

P. S.: Natürlich ist der Titel „Red Pill“ eine Anspielungen auf den Film „Matrix“. Aber so eine offensichtiche Anspielung muss ja nicht mehr erklärt werden.

Hari Kunzru: Red Pill

(übersetzt von Werner Löcher-Lawrence)

Liebeskind, 2021

352 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Red Pill

Alfred A. Knopf, New York, 2020

Simon & Schuster, London, 2020

Hinweise

Homepage von Hari Kunzru

Wikipedia über Hari Kunzru (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Red Pill“

Bookmarks über „Red Pill“


„Filmstars: Die 30 größten Ikonen der Kinogeschichte“ kommen vor allem aus Hollywood

Dezember 8, 2021

Im Vorwort schreibt Cinema-Chefredakteur Philipp Schulze, dass Filmfans einige Namen, wie Tom Hanks, vermissen werden und er kündigt, durch die Blume, schon einen zweiten Band an. Konzentrieren wir uns also nicht darauf, wer fehlt, sondern wer in „Filmstars: Die 30 größten Ikonen der Kinogeschichte“ vorgestellt wird.

Es sind die Hollywood-Stars James Dean, Elizabeth Taylor, James Stewart, Charlie Chaplin, Grace Kelly, Marlon Brando, Clark Gable, Jack Nicholson, Steve McQueen, Humphrey Bogart, Audrey Hepburn, Burt Lancaster, Cary Grant, Clint Eastwood, Robert Redford, Marilyn Monroe, Paul Newman, Katharine Hepburn, Kirk Douglas, Rock Hudson, Sidney Poitier, Orson Welles, Ava Gardner, Richard Burton (aus Wales nach Hollywood), Ingrid Bergman und Marlene Dietrich (beide aus Europa kommend in Hollywood erfolgreich) und Sean Connery, der als erster James-Bond-Darsteller eine Sonderstellung hat. Nur Romy Schneider, Brigitte Bardot und Catherine Deneuve sind rein europäische Filmstars, die um Hollywood immer einen großen Bogen gemacht haben.

Letztendlich werden hier vor allem altbekannte Hollywood-Stars porträtiert. Sie sind oft verstorben, teils seit längerem nicht mehr oder kaum noch tätig. Aber sie sind alle bei einem breiten Publikum immer noch bekannt und beliebt. Vorgestellt werden sie in kurzen, kundigen Texten. Dazu gibt es eine gelunge Auswahl an Fotos und schöne Zitate der Stars.

Wie die vorherigen, vom Filmmagazin Cinema im Panini Verlag herausgegebenen Bücher „Making of: Hinter den Kulissen der größten Filmklassker aller Zeiten“ und „Regisseure: Die 25 besten und einflussreichtsten Filmemacher aller Zeiten“ richtet sich der Band vor allem an Mainstream-orientierte Filmzuschauer, die etwas mehr wissen wollen.

Als Weihnachtsgeschenk ist der Band sehr geeignet.

Cinema (Hrsg.): Filmstars: Die 30 größten Ikonen der Kinogeschichte

Panini, 2021

224 Seiten

30 Euro

Hinweise

Homepage von Cinema

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg) „Making of – Hinter den Kulissen der größten Filmklassiker aller Zeiten“ (2019)


„Motoren, Magie und Märchen!“ in „Die Flüsse von London“

November 29, 2021

An der niederländischen Küste wird ein Mitsubishi Eclipse angespült. Mit einem toten Mann an Bord. Jack Polesti heißt er. Und weil er öfters Spritztouren mit geklauten Autos unternahm, ist er polizeibekannt. Eigentlich sollte er in England sein. Es gibt nämlich keine Spur und keinen Hinweis, wie er die Insel auf natürlichem Weg verlassen haben könnte. Einen übernatürlichen Weg gäbe es und da kommt Peter Grant, Mitglied der Einheit für Spezielle Fälle der Polizei von London, ins Spiel. Diese speziellen Fälle haben nämlich immer irgendetwas mit Magie zu tun.

Die ermittelnden Beamten glauben, dass Polesti an illegalen Straßenrennen teilnahm, die von Emmanuel Gross, einem legendärem Schmuggler, organisiert werden. Sie glauben, dass Gewinne bei den Straßenrennen die Eintrittskarte zu ganz anderen Autorennen in einer anderen Welt sind.

Um dorthin, also das Land der Fae und das Schloss der Gefahren, zu gelangen, muss Grant an illegalen Autorennen teilnehmen.

Motoren, Magie und Märchen!“, wieder geschrieben von Andrew Cartmel, ist das „Fast & Furious“-Abenteuer von Peter Grant. Angesichts des letzten „Fast & Furious“- Films wirkt die von Cartmel geschriebene, außerhalb unserer Zeit und Raum spielende Geschichte höchst realistisch. Sie ist auch glaubwürdiger.

Einen großen Teil der Geschichte nehmen die Autorennen ein. Da bleibt dann wenig Zeit für magische Verwicklungen. So ist das achte Comicabenteuer von Peter Grant eine durchaus unterhaltsame, aber auch etwas beliebige Kurzgeschichte. Damit richtet sie sich eher an die Fans der Serie. Neueinsteiger dürften sich fragen, was das Besondere an den magischen Abenteuern von Peter Grant ist.

In der „Die Flüsse von London“-Chronologie spielt die Geschichte vor Ben Aaronovitchs Roman „Die Glocke von Whitechapel“.

Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Mariano Laclaustra: Die Flüsse von London: Motoren, Magie und Märchen! (Band 8)

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini Comics, 2021

132 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Rivers of London: The Fey and The Furious

Titan Comics, London, 2020

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

dtv über Ben Aaronovitch

Blog von Andrew Cartmel

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch) und Andrew Cartmel

Meine Besprechung von Ben Aaronovitchs „Schwarzer Mond über Soho“ (Moon over Soho, 2011)

Mein Besprechung von Ben Aaronivitchs „Geister auf der Metropolitan Line“ (The furthest station, 2017)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London: Autowahn“ (Rivers of London: Body Work, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero: Die Flüsse von London – Die Nachthexe (Rivers of London: Night Witch, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero/Paulina Vassilevas „Die Flüsse von London: Wassergras (Band 6)“ (Rivers of London: Water Weed, 2018)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Brian Williamson/Stefani Rennes „Die Flüsse von London: Mit Abstand! (Band 7)“ (Rivers of London: Action at Distance, 2020)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Christoper Jones/Marco Leskos „Doctor Who – Der siebte Doctor: Tanz auf dem Vulkan“ (Doctor Who – The Seventh Doctor: Operation Volcano, 2018)

 


Über Maurizio de Giovannis neuen Roman „Zwölf Rosen in Neapel“

November 26, 2021

Bevor er zuschlägt, schickt der Mörder jeden Tag eine Rose zu seinem nächsten Opfer. Nach der zwölften Rose kommt er vorbei und tötet sein Opfer mit einem gezielten Schuss aus einer Luger P08 ins Genick. Der ermittelnde Staatsanwalt De Carolis steht vor einem Rätsel. Was ist die Verbindung zwischen den Opfern und was bedeuten die zwölf Rosen? fragt er sich.

Zur gleichen Zeit lebt die geschiedene 42-jährige Mina Settembre wieder bei ihrer im Rollstuhl sitzenden und munter keifenden Mutter. Sie kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und arbeitet jetzt als schlecht bezahlte Sozialarbeiterin in einer Beratungsstelle im Spanischen Viertel, dem Armenviertel der Stadt. Sie hat, wie uns alle paar Seiten wortreich erklärt wird, unglaublich große, wundervoll geformte Brüste.

Heimlich verliebt ist sie in Domenico ‚Mimmo‘ Gammardella. Der im Nebenbüro praktizierende, gutaussehende, etwas schüchterne Frauenarzt erinnert sie an ihren Lieblingsschauspieler Robert Redford; – auch das wird uns alle paar Seiten mit Hinweisen auf Redford-Filme gesagt. Er hat allerdings keine Augen für sie, ihre Na, Sie wissen schon, oder die zahlreichen in ihn schulmädchenhaft verliebten Patientinnen und die ebenso in ihn verknallten männlichen Patienten, die sich als Frauen ausgeben.

Näher kommen Mina und Domenico sich über Ofelia Ramirez und ihre elfjährige Tochter Flor. Das Mädchen glaubt, dass ihr Vater Alfonso Caputo ihre Mutter umbringen will. Mina will das verhindern. Domenico soll ihr dabei helfen.

Dieser Plot – also die Rettung der beiden Frauen aus den Klauen des gewalttätigen Mannes, der auch ein Verbrecher mit guten Verbindungen ist – nimmt den größten Teil des dünnen Romans ein. Erst am Ende treffen Mina und der Serienmörder aufeinander. Bis dahin hat Mina keine Ahnung, dass sie in Lebensgefahr schwebt.

Weil Maurizio de Giovanni einen angenehmen Schreibstil hat, liest man die leicht humoristisch gefärbte, rundum harmlose Geschichte flott weg.

Maurizio de Giovanni: Zwölf Rosen in Neapel – Der erste Fall für Mina Settembre

(übersetzt von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth)

Kampa, 2021

288 Seiten

17,90 Euro

Originalausgabe

Dodici rose a Settembre

Sellerio Editore, Palermo, 2019

Hinweise

Wikipedia über Maurizo de Giovanni (deutsch, englisch, italienisch)


Über Sir Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Sämtliche Werke in 3 Bänden“ für den Krimifan

November 10, 2021

Im November 1887 erschien im Magazin Beeton’s Christmas Annual als Titelgeschichte „A Study in Scarlet“ (Eine Studie in Scharlachrot). Das war der erste literarische Auftritt von Sherlock Holmes und hätte sein Erfinder, Sir Arthur Conan Doyle, damals geahnt, was diese Geschichte auslösen würde, hätte er es vielleicht bleiben gelassen. Denn sie war der Anfang einer weltweiten Holmes-Manie. Doyle schrieb in den kommenden Jahren weitere Geschichten, die meistens im Strand Magazine erschienen. Andere Autoren schrieben schnell Holmes-Pastichen. Die Leser verlangten nach mehr. Und Doyle hatte irgendwann keine Lust mehr weitere Sherlock-Holmes-Geschichten zu erfinden. Er wollte auch andere Geschichten schreiben. Also ließ er Sherlock Holmes 1893 in „The Final Problem“ (Das letzte Problem) in die Reichenbachfälle stürzen und sterben. Fall gelöst, dachte er sich wahrscheinlich.

Die Fans sahen das anders. Sie waren empört, protestierten und forderten weitere Sherlock-Holmes-Geschichten. Doyle weigerte sich. Die Fans forderten weiter weitere Sherlock-Holmes-Geschichten.

1901 gab Doyle sich geschlagen. In dem Roman „The Hound of the Baskervilles“ (Der Hund der Baskervilles) kehrte Holmes zurück. 1903 wird in „The empty House“ (Das leere Haus) verkündet, dass Holmes den tödlichen Sturz doch überlebt hatte. Danach schrieb Doyle weitere Holmes-Geschichten. Die letzte, „The Adventure of Shoscombe Old Place“ (Shoscombe Old Place) erschien am 5. März 1927 im Magazin Liberty.

Der am 22. Mai 1859 in Edinburgh geborene Sir Arthr Conan Doyle starb am 7. Juli 1930 in Crowborough, Sussex.

Das war aber nicht das Ende von Sherlock Holmes und Dr. Watson. Nach Doyles Tod gab es, bis jetzt, zahlreiche weitere Geschichten mit den beiden Ermittlern im Kino, im Fernsehen, im Radio, in Büchern und in Comics.

In diesem Jahrhundert wurde Sherlock Holmes dann – sehr erfolgreich – einem ganz neuem Publikum vorgestellt. Zuerst mit den beiden von Guy Ritchie inszenierten Sherlock-Holmes-Spielfilmen mit Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes und Jude Law als Dr. Watson. Dann mit der von den Sherlock-Holmes-Fans Steven Moffat und Mark Gattis erfundenen BBC-TV-Serie „Sherlock“, die den Detektiv einfach zu einer zeitgenössischen Figur machte. Die atemberaubend schnell erzählten Fälle basieren auf Holmes-Geschichte von Doyle und in jedem Film gibt es zahlreiche Verweise auf verschiedene seiner Holmes-Geschichten. Benedict Cumberbatch spielt(e) Sherlock Holmes. Martin Freeman seinen Freund Dr. John Watson, der bei Doyle und bei Moffat/Gatiss ein Afghanistan-Veteran ist. Cumberbatch und Freeman wurden durch die Serie zu gut beschäftigen Stars mit so engen Terminkalendern, dass daran eine Fortführung der Serie scheitern könnte. Falls Moffat/Gatiss überhaupt die Zeit haben, neben ihren anderen Arbeiten, neue „Sherlock“-Geschichten zu erfinden.

 

Über die Sherlock-Holmes-Geschichten

 

Doyle schrieb 56 Kurzgeschichten und vier Romane mit Sherlock Holmes. Das Ermittlerpaar Holmes/Watson war dabei die Blaupause für unzählige weitere Ermittlerduos. Sherlock Holmes ist ein begnadeter Ermittler und ein geistiger Überflieger. Jedenfalls auf allen Gebieten, die irgendetwas mit Verbrechen zu tun haben. Die Lösung kennt er meistens, wenn der aufgewühlte Klient ihm gesagt hat, warum er in die Baker Street 221B gekommen ist oder er einen Tatort besichtigt. Sein Begleiter Dr. John Watson erzählt die Fälle von seinem Freund Sherlock Holmes. Bei der Tätersuche stellt er immer wieder eigene Vermutungen auf, die sich regelmäßig als falsch erweisen. Er ist, im Gegensatz zu Holmes, fehlbar und somit menschlich.

Die Fälle von denen er erzählt, behandeln alle möglichen Verbrechen und Rätsel. Auch Mord, aber aus heutiger Perspektive äußerst selten. Meistens geht es um andere Verbrechen. Aber Watson fand jeden dieser Fälle berichtenswert.

Vor einigen Monaten habe ich, anstatt klagend vor geschlossenen Kinos und Lokalen stehend, erstmals alle Holmes-Geschichten im Original gelesen. Nachdem ich sie, teilweise mehrmals, in verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen, auf Deutsch gelesen habe. Dabei haben mir bei dieser neuerlichen Gesamtlektüre die Kurzgeschichten wesentlich besser als die Romane gefallen. Diese sind vom Fall her oft nur aufgeblasene Kurzgeschichten. Dafür erzählt Doyle dann über viele Seiten von Ereignissen, die durchaus interessant, aber für den Fall in dieser Länge unwichtig sind. So zerfällt der erste Holmes-Roman „A Study in Scarlet“ (Eine Studie in Scharlachrot) in zwei Teile: in der ersten Hälfte ermittelt Holmes, während Watson ihn staunend begleitet; in der zweiten Hälfte wird in einem Rückblick die in den USA spielende Vorgeschichte erzählt. Das ist letztendlich eine eigenständige Geschichte, die nichts mit der Aufklärung des Falles zu tun hat. „The Valley of Fear“ (Das Tal des Grauens) ist ähnlich aufgebaut.

Über die Länge eines Romans fällt dann auch auf, wie haarsträubend Holmes Schlüsse sind und wie unmöglich es ist, selbst den Täter herauszufinden. Dafür werden einem einfach viel zu viele Spuren und wichtige Fakten vorenthalten. In einer Kurzgeschichte, die weitgehend aus der Präsentation des Falls, einigen darauf aufbauenden Ermittlungen und, wenige Seiten später, der überraschenden Lösung besteht, fällt das nicht auf. Diese Überraschung ist sogar ein Teil des Lesevergnügens.

Auch Doyles schnörkellose und damit weitgehend zeitlose Sprache und die vielen, die Handlung vorantreibenden Dialoge tragen zu diesem Lesevergnügen bei.

 

Zur aktuellen Ausgabe

 

Die jetzt erschienene Anaconda-Ausgabe enthält alle von Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Romane und -Kurzgeschichten in drei Bänden – einer mit den vier Romanen, zwei mit den 56 Kurzgeschichten – in einem Schuber. Das sieht im Regal gut aus. Die Bücher sind minimal größer als andere Hardcover-Bücher und liegen gut in der Hand. Auch das Layout, mit den Bildern der Erstausgaben, ist gelungen und lesefreundlich.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Holmes-Geschichten unzählige Male übersetzt. Für diese Ausgabe wurden frühe, oft sogar die ersten Übersetzungen der Geschichten genommen. Diese Übersetzungen wurden an die aktuellen Rechtschreiberegeln angepasst. Achtzehn Erzählungen wurden, warum auch immer, neu übersetzt. Diese Erzählungen befinden sich in den letzten beiden Sherlock-Holmes-Kurzgeschichtensammlungen.

Die Übersetzungen sind – soweit mein Eindruck von einigen Überprüfungen zwischen dem Original und der Übersetzung – gelungen. Auch wenn manchmal ungebräuchliche Begriffe, z. B. „verabredetermaßen“ (Die Erzählungen I, Seite 330), verwendet werden.

Nicht erklären kann ich allerdings, warum bei „A Scandal in Bohemia“ (Eine Skandalgeschichte im Fürstentum O. [ich folge jetzt dem Titel der Anaconda-Ausgabe]) der erste Absatz fehlt.

Das sind aber letztendlich Details. Insgesamt kann, wer die Holmes-Geschichten noch nicht hat und sie auch nicht im Original lesen möchte, bedenkenlos zugreifen. Der Preis stimmt. Der Schuber sieht mit seinem Retro-Touch im Regal gut aus.

Arthur Conan Doyle: Sherlock Holmes – Sämtliche Werke in 3 Bänden (Die Erzählungen I, Die Erzählungen II, Die Romane) (3 Bände im Schuber)

(aus dem Englischen von Heinrich Darnoc, H. O. Herzog, Margarete Jacobi, Adolf Gleiner, Marion Herbert, Heike Holtsch, Christel Kröning, Rudolf Lautenbach, Felix Mayer, Louis Ottmann)

Anaconda Verlag, 2021

2160 Seiten

29,95 Euro

enthält in

Die Romane

Eine Studie in Scharlachrot (A Study in Scarlet, 1887)

Das Zeichen der Vier (The Sign of the Four, 1890)

Der Hund der Baskervilles (The Hound of the Baskervilles, 1902)

Das Tal des Grauens (The Valley of Fear, 1915)

Die Erzählungen I

Die Abenteuer von Sherlock Holmes (Adventures of Sherlock Holmes,1892)

Die Memoiren des Sherlock Holmes (Memoirs of Sherlock Holmes, 1894)

Die Erzählungen II

Die Rückkehr des Sherlock Holmes (The Return of Sherlock Holmes, 1905)

Seine Abschiedsvorstellung (His last Bow, 1917)

Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle (The Case-Book of Sherlock Holmes, 1927)

Hinweise

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle“ (The Case-Book of Sherlock Holmes, 1927)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Französisch morden: Nestor „Burma“, erfunden von Léo Malet, gezeichnet von Jacques Tardi

November 9, 2021

Nestor Burma ist ein Privatdetektiv, der offensichtlich von Raymond Chandlers Philip Marlowe inspiriert ist. Allerdings ermittelt Burma nicht in irgendeiner US-amerikanischen Großstadt, sondern in Europa. Bevorzugt in Paris und sein Erfinder Léo Malet hatte die geniale Idee, Burma durch die Pariser Arrondissements ermitteln zu lassen. Pfeife rauchend, immer wieder gut aussehenden Frauen und fiesen Schlägern begegnend und dabei vertrackte Mordfälle aufklärend. Die Romane erschienen zwischen 1943 und 1983; wobei der Großteil in den Vierzigern und, vor allem, den Fünfzigern erschien. Sie spielen daher vor allem in den Fünfzigern; also dem Paris vieler großartiger SW-Kriminalfilme. Ins Deutsche wurden sie teilweise erst Jahrzehnte später, manchmal mehrmals, übersetzt. Aktuell sind im die Distel Literaturverlag erschienenen Neuübersetzungen regulär erhältlich. Ältere Übersetzungen und Ausgaben – am bekanntesten dürften die Rowohlt-Taschenbuchausgaben sein – sind nur noch antiquarisch erhältlich. Da dürften sie allerdings einfach zu finden sein.

Sie wurden auch mehrmals verfilmt. Am erfolgreichsten war die zwischen 1991 und 2003 ausgestrahlte, auf 39 Episoden kommende TV-Serie „Nestor Burmas Abenteuer in Paris“ (Nestor Burma). Guy Marchand spielte den Privatermittler. In Deutschland wurden nur einige wenige der jeweils spielfilmlangen Folgen gezeigt. Léo Malet war an mehreren Drehbüchern beteiligt.

Malet (1909 – 1996) begeisterte sich in jungen Jahren für surrealistisch-anarchistisch-trotzkistische Gruppen, wurde 1930 Mitglied der „Groupe Surréaliste“, begann in den 1940er Jahren mit dem Schreiben von Kriminalromanen und veröffentlichte 1943 mit „120, Rue de la Gare“ seinen ersten Nestor-Burma-Roman, der auch als erster französischer „Roman Noir“ bezeichnet wird.

Und es gibt mehrere Comicversionen der Nestor-Burma-Romane. Die erste war 1982 von Jacques Tardi. Tardi arbeitet immer wieder mit Krimiautoren, unter anderem Didier Daeninckx, Jean-Patrick Manchette, Daniel Pennac, Pierre Siniac und Jean Vautrin, zusammen. Manchmal erstellte er von deren Romanen Comics, manchmal erfanden sie gemeinsam Geschichten. Seinen endgültigen Durchburch hatte er in den Siebzigern mit der, auch von Luc Besson verfilmte, Reihe „Adeles ungewöhnliche Abenteuer“. Zu seinen jüngsten Arbeiten gehört, über seinen Vater, „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B“.

Tardi veröffentlichte vier Nestor-Burma-Romanadaptionen und einen Comic, der der Welt von Nestor Burma nachempfunden war.

Diese vier Romanadaptionen – „120, Rue de la Gare“, „Wie steht mir Tod?“, „Die Brücke im Nebel“ und „Kein Ticket für den Tod“ hat die Edition Moderne jetzt in einem Sammelband veröffentlicht. Das Buch enthält neben den Comics keine Informationen über die Autoren, die früheren Ausgaben, die Originaltitel und die Bedeutung dieser Comics. Damit wirkt „Burma“ wie eine dieser lieblosen Zusammenstellungen, die einfach noch einmal bekannte Texte in einer billigeren Ausgabe zusammenfügt.

120, Rue de la Gare“ erschien als Roman 1943 und er ist eindeutig ein Zeitdokument. Nestor Burma ist am Anfang der Geschichte in einem Kriegsgefangenenlager. Einer seiner Mitgefangenen hat sein Gedächtnis verloren. Vor seinem Tod sagt er zu Burma „120, Rue de la Gare“. Kurz darauf, Burma wurde inzwischen aus dem Stalag befreit, trifft er in Lyon auf dem Bahnhof einen früheren Angestellten seiner Detektei „Fiat Lux“. Dieser ruft ihm, bevor er hinterrücks erschossen wird, die gleiche Adresse zu. Die mögliche Täterin ist – wir sind in einem Kriminalroman aus den Vierzigern! – eine gutaussehende Frau. Burma will hinter das Geheimnis der Adresse kommen und den Mörder seines Kollegen finden. Die Spur führt nach Paris und in die Vergangenheit.

Die nächsten drei Burma-Geschichten spielen in Paris in den Fünfzigern.

In „Wie steht mir Tod?“ bittet ein halbseidener, älterer Künstler Nestor Burmas Sekretärin um Geld. Kurz darauf ist er spurlos verschwunden.

In „Die Brücke im Nebel“ wird ein Freund aus Burmas lange zurückliegenden Anarchistentagen, den er seit damals nicht mehr gesehen hat, ermordet.

In „Kein Ticket für den Tod“ wird während einer Achterbahnfahrt ein Mordanschlag auf Burma verübt. Burma wehrt sich. Der Angreifer überlebt den Kampf nicht und Burma fragt sich, wer ihn warum umbringen möchte.

120, Rue de la Gare“ ist mit gut zweihundert Seiten der längste Fall des Sammelbandes. Er liest sich, auch weil die Burma-Romane so um die zweihundert Seiten haben, wie eine illustrierte Version des Romans. In den anderen drei Comics, die immer um die siebzig Seiten haben, gelingt die Übertragen von dem einen in das andere Medium besser. Sie lesen sich nicht, wie ein illustrierter Roman, sondern wie eigenständige Geschichten.

Die Fälle sind, aus heutiger Sicht, ein nostalgischer Blick zurück. Tardi und Malet zeigen nicht nur ein Paris, das es nicht mehr gibt, sondern sie erzählen auch ihre Geschichten so, wie sie heute nicht mehr erzählt werden. Schließlich gehört der Hardboiled-Detektiv der fünfziger Jahre, der in diesem Fall sehr gut in Europa funktioniert, der Vergangenheit an. Und gerade das trägt zum Lesevergnügen bei.

Jetzt, nach den vier Nestor-Burma-Comics, habe ich Lust, einen Nestor-Burma-Roman zu lesen.

Léo Malet/Jacques Tardi: Burma

(übersetzt von Martin Budde, Kai Wilksen und Wolfgang Bortlik)

Edition Moderne, 2021

408 Seiten

39 Euro

enthält

120, Rue de la Gare (120, rue de la Gare, 1988)

Wie steht mir Tod? (M’as-tu vu en cadavre?, 2000)

Die Brücke im Nebel (Brouillard au pont de Tolbiac, 1982)

Kein Ticket für den Tod (Casse-pipe à la Nation, 1996)

Hinweise

Edition Moderne über „Burma“

Wikipedia über Léo Malet (deutsch, englisch, französisch), Jacques Tardi (deutsch, englisch, französisch) und Nestor Burma (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Leo Malets „Das Leben ist zum Kotzen“ (La vie est dégueulasse, 1948)

Meine Besprechung von Léo Malets „Die Sonne scheint nicht für uns“ (Le soleil n’est pas pour nous, 1949)


Französisch morden: Philippe Djian: Die Ruchlosen

November 2, 2021

Meistens; – oder anders gesagt: in den Romanen, die ich von Philippe Djian kenne, geht es um Sex, Drogen, Verbrechen, oft Mord, und eigentlich immer um überbordende Gefühle. Sein dritter Roman „Betty Blue“ ist, auch dank der grandiosen Verfilmung von Jean-Jacques Beineix, sein bekanntester Roman. „Oh…“, bzw. Paul Verhoevens Verfilmung „Elle“, dürfte das bekannteste neuere Werk des Schriftstellers sein.

Mit seinem neuen Roman „Die Ruchlosen“, eigentlich eher eine Novelle, kreist er wieder um seine bekannten Themen. Der 32-jährige Marc lebt bei seiner fast zwanzig Jahre älteren Schwägerin Diana. Sie ist Zahnärztin, Witwe, hat eher milde psychische Probleme und sieht, so denkt Marc, für ihr Alter immer noch verdammt gut aus. Er findet sie auch sexuell attraktiv. Allein dieses Zusammenleben mit absehbaren emotionalen und sexuellen Verwicklungen könnte in dem Küstenort schon für Probleme sorgen.

Aber es kommt schlimmer. Denn eines Tages findet Marc am Strand drei Päckchen Koks, die er gewinnbringend anlegen möchte. Das sorgt zwischen Marc, Diana, ihren leicht psychotischen Freunden und einigen Gangstern, denen das Koks gehört, für Ärger. Kurz darauf steht Marc vor der ersten Leiche.

Die Ruchlosen“ oder, im Original, „Die Ungerechten“, nennt Philippe Djian die Gruppe Freunde, die verschieden alt sind, sich in der Kleinstadt gefunden haben und jetzt, mangels gesellschaftlicher Alternativen, miteinander auskommen müssen. Sie alle haben psychischen Probleme und oft auch körperlichen Gebrechen. Sie alle sind auch höchst unsympathisch.

Das wäre kein Problem, wenn Djian es schaffen würde, dass ich mich für sie, ihre Probleme, Wünsche und Ziele interessieren würde. Aber daran scheint er in seinem oft sehr kryptisch geschriebenem Roman kein Interesse zu haben. Auch der Plot ist mehr erahn- als erkennbar.

Insgesamt gehört „Die Ruchlosen“ zu den Romanen von Djian, die mich absolut nicht ansprechen und wenn er nicht so kurz geraten wäre, hätte ich ihn nicht zu Ende gelesen.

Philippe Djian: Die Ruchlosen

(übersetzt von Norma Cassau)

Diogenes, 2021

208 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Les inéquitables

Editions Gallimard, 2019

Hinweise

Perlentaucher über Philippe Djian

Wikipedia über Philippe Djian (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Philippe Djians „Die Rastlosen“ (Incidences, 2010 – und der Verfilmung „Liebe ist das perfekte Verbrechen“)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


Französisch morden: Frank Bouysse: Rauer Himmel

November 1, 2021

Les Doges ist ein Ort in den Cévennes, dem südöstlichsten Teil des französischen Zentralmassivs, und, wenn man Frank Bouysse glauben will, hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten wenig bis nichts geändert. Sein Roman spielt zwar im Januar 2006, aber sie könnte genausogut in den Fünfzigern spielen. Die Bauern haben schon Autos, Traktoren und Telefone. Also Festnetz. Handys haben in den Bergen kein Netz.

Hier leben seit Jahrzehnten Gus, sein Hund Mars und sein Nachbar Abel. Dieser ist mit über siebzig Jahren ungefähr zwanzig Jahre älter als Gus. Beide leben allein. Haben wenig Kontakt zum Rest der Welt und auch ziemlich wenig Kontakt zueinander. Manchmal helfen sie sich mit Geräten aus. Manchmal trinken sie ein Glas Wein zusammen. Aber letztendlich sind beide Männer schweigsame Einsiedler.

Als Gus an einem Januarmorgen einen Schuss hört, seltsame Spuren im Schnee sieht und Blut entdeckt, ist das, immerhin ist „Rauer Himmel“ im Polar Verlag erschienen, der Auftakt für eine Kriminalgeschichte. Auch wenn sehr lange unklar bleibt, was auf dem Hof von Abel geschah und damit auch unklar ist, ob wirklich ein Mensch verletzt oder getötet wurde oder ob mit Gus die Fantasie durchgeht.

Der 1965 geborene Frank Bouysse zog 2013 in einen verlassenen Weiler im Départment Corrèze, das im Nordwesten des Zentralmassiv liegt. Dort schrieb er, wie Alf Mayer im Nachwort erzählt, die Geschichte neben seiner Arbeit als Gartenbauleher in einer Berufsbildungsstätte. Er hatte schon einige Romane veröffentlicht. Aber er dachte nicht, dass sich irgendjemand für diese Regionalgeschichte interessieren könnte. Ein Freund überredete ihn, das Manuskript einem Verlag anzubieten. Es wurde veröffentlicht und war ein Erfolg.

Rauer Himmel“ ist ein gelungener Noir, bei dem die Beschreibung des bäuerlichen Lebens eindeutig im Vordergrund steht. Bouysses Roman ist eine gute Ergänzung zu Colin Niels „Nur die Tiere“ (Seules les bêtes, 2017), der ebenfalls im Zentralmassiv spielt und in dem die Bauern ebenfalls am Existenzminimum leben.

Frank Bouysse: Rauer Himmel

(übersetzt von Christiane Kayser)

Polar Verlag, 2021

192 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Grossir le ciel

La Manufacture de livres, 2014

Hinweise

Polar Verlag spricht mit Franck Bouysse

Wikipedia über Franck Bouysse


„Ihr Fall, Inspector Morse“ sagt Colin Dexter

Oktober 13, 2021

Nachdem der Unionsverlag alle dreizehn Inspector-Morse-Romane in überarbeiteten Übersetzungen neu veröffentlichte, schließt der Verlag seine verdienstvolle Colin-Dexter-Werkausgabe mit einer vollständigen Neuausgabe von „Ihr Fall, Inspector Morse“ ab. Denn in der ersten deutschen Ausgabe fehlte eine Kurzgeschichte. Nach der Veröffentlichung dieser Kurzgeschichtensammlung 1993 schrieb Dexter, hauptsächlich nach der Jahrtausendwende, noch sieben weitere Kurzgeschichten. Diese wurden bis jetzt nicht gesammelt in einem Buch veröffentlicht und sie wurden, soweit ich weiß, auch nicht übersetzt.

Wer also das gesamte Werk von Colin Dexter, dem Erfinder von Inspector Endeavour Morse und seinem Gehilfen Sergeant Robert Lewis, haben möchte, muss sich auf eine kleine Suchtour begeben. Und Englisch können.

Für die weniger eifrigen Komplettisten dürften die elf in „Ihr Fall, Inspector Morse“ gesammelten Kurzgeschichten reichen. Denn die Geschichten, sechs mit Inspector Morse, fünf ohne ihn, erreichen nie die Qualität seiner Romane. Teils wirken sie wie spontane Ideen oder Szenen, die es nicht in einen der Morse-Romane, geschafft haben. Teils wie Skizzen für einen Roman, die dann doch nicht weiter verfolgt wurden. Das gilt vor allem für die Geschichten, in denen Morse einen Mord aufklären muss. Die Schlußpointen sind vor allem deshalb überraschend, weil sie fast immer aus dem heiterem Oxford-Himmel kommen.

Sehr gelungen ist seine Sherlock-Holmes-Geschichte „Eine falsche Identität“. Sie liefert nämlich hintereinander mehrere überzeugende Erklärungen für das seltsame Verhalten eines potentiellen Bräutigams und zeigt damit, wie eine gute Rätselgeschichte funktioniert.

Ihr Fall, Inspector Morse“ ist vor allem ein Buch, für die Gesamtleser von Colin Dexter. Für sie ist der Sammelband ein schöner Abschluss. Neueinsteiger sollten dagegen mit einem von seinen Inspector-Morse-Kriminalromanen anfangen; – allerdings besser nicht mit seinem letzten, sondern mit irgendeinem früheren Fall.

Colin Dexter: Ihr Fall, Inspector Morse

(übersetzt von Peter Torberg, Almut Carstens, Christa Früh, Ute Tanner, Elfi Hartenstein, Elke Bahr, Karin Polz, Wolfram Hämmerling, Thomas Weidemann)

Unionsverlag, 2021

256 Seiten

12,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1995

Die Geschichte „So gut wie Gold“ wurde erstmals ins Deutsche übersetzt.

Originalausgabe

Morse’s Greatest Mystery and other Stories

Macmillan, London, 1993

Der letzte Inspector-Morse-Roman

Colin Dexter: Der letzte Tag

(übersetzt von Ute Tanner)

Unionsverlag, 2021

352 Seiten

13,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Und kurz ist unser Leben

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2000

Originalausgabe

The Remorseful Day

Macmillan, London, 1999

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)

Mein Geburtstagsgruß an Colin Dexters

Meine Hinweis auf Colin Dexters „Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse“ (The Secret of Annexe 3, 1986) (und weitere Weihnachtskrimis. Wer also schon jetzt ein Geschenk für Weihnachten sucht.)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Aus Colin Niels „Nur die Tiere“ wird Dominik Molls „Die Verschwundene“

Oktober 8, 2021

Am 19. Januar verschwindet Évelyne Ducat, die Frau eines aus der Gegend stammenden vermögenden Geschäftsmanns. Ihr Wagen steht an einer Landstraße im Schnee. Die Suche der Polizei verläuft ergebnislos.

Dagegen erfahren wir in Colin Niels Noir „Nur die Tiere“ und in Dominik Molls kongenialer Verfilmung des Romans, die bei uns unter dem Titel „Die Verschwundene“ in den Kinos läuft, was passierte. Dabei entfaltet die Geschichte sich nicht chronologisch, sondern aus verschiedenen, nacheinander erzählten Perspektiven. Diese Erzählungen überlappen sich zeitlich teilweise. Und sie ergeben ein düsteres Porträt des französischen Landlebens im Zentralmassiv. Die Höfe liegen weit auseinander. Das Einkommen der Landwirte ist kärglich. Jedenfalls bei den Landwirten, die Alice als Sozialarbeiterin besucht. Auch ihr gehört ein Hof. Er wird von ihrem Mann Michel betrieben. Ihre Ehe – beide sind Mttvierziger – ist im Alltag erstarrt.

Einer ihrer Kunden ist der allein lebende Joseph. Er ist auch ihr Geliebter; wobei die Initiative dafür von ihr ausging. Er hat – soviel kann verraten werden – Évelyne nicht ermordet. Allerdings entdeckt er Évelynes auf seinem Hof hingelegte Leiche, versteckt sie spontan in seiner Scheune und baut eine Beziehung zu der langsam verwesenden Leiche auf.

Eine andere Person, die eine Beziehung zur verschwundenen Évelyne hat, ist Marion. Die Mittzwanzigerin verliebt sich in die Endvierzigerin und zieht wegen ihr ins Zentralmassiv. Évelyne ist über das plötzliche Auftauchen ihrer Geliebten nicht begeistert. Sie möchte die Beziehung sofort beenden.

Niel wählte für seinen Noir eine ungewöhnliche Struktur. Er lässt seine Figuren ihre Geschichte erzählen und ordnet sie so an, dass sie auch immer mehr Hintergründe über Évelynes Verschwinden enthüllen. In einem Roman, der sich wie eine Sammlung von lose miteinander verbundenen Kurzgeschichten liest, funktioniert das ganz gut. Immerhin hängen die Erzählungen miteinander zusammen und jede Figur sucht nach Liebe. Es ist allerdings auch eine Struktur, die nur schwer in einen Film übertragen werden kann. So wird Alice, die Erzählerin der ersten Geschichte, zunehmend unwichtiger. Und Marions Geschichte spielt vor Èvelynes Verschwinden. Sie hat nur sehr wenige Berührungspunkte mit den anderen Geschichten. Sie ist allerdings sehr wichtig, um Évelynes Verschwinden zu verstehen.

Die aus den unterschiedlichen Perspektiven entstehende Geschichte von Èvelynes Ermordung ist auch eine Abhandlung über die Macht des Zufalls. Denn die verschiedenen Handlungen haben hier immer wieder Konsequenzen, die die handelnden Personen nicht wollten oder von denen sie nichts wissen. So hat Marion keine Ahnung, was ihr Auftauchen in der Provinz auslöst.

Wie in dem ebenfalls diese Woche im Kino angelaufenem Horrorfilm und Cannes-Gewinner „Titane“, geht es in „Nur die Tiere“/“Die Verschwunden“, wie gesagt, um die Suche nach Liebe und den seltsamen Wegen, die sie geht. Dabei akzeptieren die Macher vorbehaltlos jede Form von Liebe zu anderen ‚Menschen‘. Aber während das in „Titane“ nur eine lose, fast schon bemühte Interpretionsklammer ist, wird dieses Thema in „Nur die Tiere“/“Die Verschwundene“ erzählerisch stringenter, geschlossener und mit stärker in der Realität verhafteten Personen und Ereignissen erzählt. Umso verstörender sind dann die von Joseph und Michel gewählten Objekte der Begierde.

Dominik Moll („Lemming“, „Der Mönch“) übertragt den Roman und seine eigentlich unverfilmbare Struktur und Erzählweise gelungen auf die Leinwand. Dabei verändert er einiges, aber er bleibt bei seiner Interpretation immer nah an der Vorlage.

Am Ende haben wir einen sehenswerten Film und einen lesenswerten Roman.

Die Verschwundene (Seules les bêtes, Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: Dominik Moll

Drehbuch: Dominik Moll, Gilles Marchand

LV: Colin Niel: Seules les bêtes, 2017 (Nur die Tiere)

mit Denis Ménochet, Valeria Bruni Tedeschi, Laure Calamy, Damien Bonnard, Nadia Tereszkiewicz, Bastien Bouillon, Guy Roger ‚Bibisse‘ N’drin

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Colin Niel: Nur die Tiere

(übersetzt von Anne Thomas)

Lenos Verlag, 2021

288 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Seules les bêtes

Éditions du Rourgue, 2017

Demnächst

Colin Niel: Unter Raubtieren

(übersetzt von Anne Thomas)

Lenos Verlag, 2021

360 Seiten

24 Euro

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Die Verschwundene“

Filmportal über „Die Verschwundene“

Moviepilot über „Die Verschwundene“

Rotten Tomatoes über „Die Verschwundene“

Wikipedia über „Die Verschwundene“ (deutsch, englisch, französisch) und Colin Niel 

Perlentaucher über „Nur die Tiere“


Superman ist Zaungast, wenn „Lois Lane – Reporterin im Fadenkreuz“ ist

Oktober 6, 2021

Lois Lane ist die Freundin von „Superman“ Clark Kent, Reporterin beim „Daily Planet“ in Metropolis und viel mehr dürfte der 08/15-Leser nicht über sie wissen. Schließlich ist ihr Superheldenfreund für die Rettung der Welt zuständig.

Das mit ihrer Bekanntheit könnte sich mit Greg Ruckas „Lois Lane: Reporterin im Fadenkreuz“ ändern. Denn in der zwölfteiligen Miniserie steht ihre Arbeit als investigative Journalistin im Mittelpunkt. Superman bzw. Clark Kent hat nur einige Miniauftritte als der Mann an ihrer Seite. Zunächst weil Lois Lane ohne seine Superkräfte arbeiten will. Später weil es auch um okkulte Dinge geht und Supermans Fähigkeiten in diesem Zusammenhang unbrauchbar sind.

Die Miniserie beginnt mit der Recherche im Todesfall Mariska Voronova. Die Journalistin soll sich in Moskau angeblich umgebracht haben. Lois Lane bittet Renee Montoya um Hilfe. Montoya war in Gotham City Polizistin. Jetzt ist sie als mit einer identitätsverschleiernden Maske arbeitetender Detektiv Question unterwegs. In Moskau soll sie Voronovas gut versteckte Rechercheergebnis aus dem Versteck holen und zu Lane zu bringen.

Währenddessen wird Lane die Akkreditierung für das Weiße Haus entzogen. Sie hatte nachgefragt, ob Mitglieder der Regierung an der Trennung von Familien zu ihren Kindern in Flüchtlingslagern Geld verdienen.

Ihre investigativen Recherchen und die damit verbundenen Enthüllungsreportagen führen schließlich zu einem mit großem Aufwand geplanten Bombenattentat auf sie. Danach ist ihre Wohnung ein Trümmerfeld. Die Täterin kann entkommen. Es handelt sich um Kiss of Death und sie plant schon ihren nächsten Anschlag auf Lane.

Wer von der Miniserie „Lois Lane – Reporterin im Fadenkreuz“ eine in sich hundertprozentig geschlossene Geschichte über eine Reporterin, die einen großen Skandal, den wir bis ins allerletzte Detail verstehen, erwartet, wird enttäuscht sein. Die von ihr aufgedeckten Skandale und die Reaktionen darauf werden nur nebenbei angesprochen. Und es gibt nicht den einen großen Skandal. Stattdessen gibt die Miniserie einen gelungenen Einblick in das Leben einer furchtlosen investigativen Journalistin, die mächtige Gegner im Wochentakt herausfordert. Einige von ihnen schicken dann Killer los. Lanes Kampf um die Wahrheit ist ein niemals endender Kampf. Greg Rucka und Mike Perkins schildern ihn in spannungsgeladenen Episoden.

Hardboiled-Autor Greg Rucka ist bekannt für seine starken Frauenfiguren. Zu nennen sind hier, wenn wir seine Romane ignorieren, die mit Ed Brubaker geschriebene Serie „Gotham Central“ (in der die frustrierende Arbeit der Polizei geschildert wird, während Batman die Lorbeeren einsammelt; Renee Montoya ist eine der Hauptfiguren), „Stumptown“ (über die bisexuelle, in Portland, Oregon, arbeitende toughe Privatdetektivin Dex Parios), die Geheimagentinnenserie „Queen & Country“ und selbstverständlich die in der Antarktis spielenden „Whiteout“-Geschichten mit US-Marshal Carrie Stetko.

Mike Perkins zeichnete u. a. eine von Ed Brubaker erfundene „Captain America“-Geschichte, die Comic-Adaption von Stephen Kings „The Stand“ und „Der Fluch von Rowans Rise“.

Greg Rucka/Mike Perkins: Lois Lane – Reporterin im Fadenkreuz

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2021

324 Seiten

32 Euro

Originalausgabe

Lois Lane: Enemy of the People, Part One – Part Twelve

DC Comics, September 2019 – September 2020

Hinweise

Wikipedia über Lois Lane (deutsch, englisch)

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas “Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)” (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Michael Larks „Gotham Central: Doppeltes Spiel (Band 2)“ (Gotham Central #6 – 12, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka (Autor)/Nicola Scott/Bilquis Evely (Zeichner) „Wonder Woman: Das erste Jahr (Rebirth – Die Wiedergeburt des DC-Univerums)“ (Wonder Woman: Year One, Part One – Finale (# 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14), 2016/2017)

Meine Besprechung vonGreg Rucka (Autor)/J. G. Jones (Zeichner) „Wonder Woman/Batman: Hiketeia“ (Wonder Woman/Batman: The Hiketeia, 2002)

Meine Besprechung von Greg Rucka/J. G. Jones‘ „Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern“ (Black Widow (1999) # 1 – 3: The Itsy-Bitsy Spider; Black Widow (2001) # 1 – 3: Breakdown; Black Widow (2002) # 1- 3: Pale Blue Spider)

Greg Rucka in der Kriminalakte

 


Über Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“

September 15, 2021

Anläßlich der neuen Verfilmung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ habe ich jetzt den Roman gelesen. Als Teenager wer er mit achthundert Seiten eindeutig zu lang. In der gleichen Zeit konnte ich mindestens vier spannende Kriminalromane und ein Jerry-Cotton-Abenteuer lesen. Außerdem interessierten mich irgendwelche Streitigkeiten von Erbmonarchien auf irgendwelchen abgelegenen Wüstenplaneten nicht weiter. Das ging mir schon nach dem Klappentext zu sehr in Richtung Fantasy.

Trotzdem wird dieser Roman immer als Science-Fiction-Roman bezeichnet. 1966 erhielt er den Hugo Award als bester Roman. Schon seit Jahrzehnten gilt er als Science-Fiction-Klassiker und er ist ein niemals vergriffener Bestseller, der in den Sechzigern den Zeitgeist traf.

Die Geschichte dürfte allgemein bekannt sein. Jedenfalls die von dem ersten, inzwischen mehrfach verfilmten Dune-Roman dürfte bekannt sein. Denn „Dune – Der Wüstenplanet“ war der Auftakt für weitere Romane. In fünf dicken Büchern erzählte Frank Herbert die Geschichte weiter. Nach seinem Tod schrieben sein Sohn Brian und Kevin J. Anderson weitere in der Welt von Dune spielende Romane. In meiner Besprechung von „Dune – Der Wüstenplanet“ und von Denis Villeneuves Verfilmung (demnächst) ignoriere ich die weiteren Werke und damit auch die weiteren Ereignisse und Entwicklungen.

In „Dune – Der Wüstenplanet“ erzählt Frank Herbert die Geschichte von Paul Atreides, der auf dem Wüstenplaneten Arrakis zu Paul Muad’Dib, dem Anführer der Fremen, wird. Die Fremen sind das auf dem Planeten lebende Wüstenvolk. Er führt sie in einen erfolgreichen Aufstand gegen das Haus der Harkonnen, die seinen Vater ermordet und anschließend wieder die Macht über den Planeten über nommen haben. Die Harkonnen sind, kurz gesagt, böse Machthaber. Despoten halt. Arrakis ist ein wichtiger Planet, weil es nur dort das für die Raumfahrt wichtige Gewürz gibt.

Dune – Der Wüstenplanet“ erzählt eine Geschichte von zwei Herrscherhäusern, die sich bekämpfen und einem Messias. Dieser Messias ist aufgrund seiner Zeugung und Zugehörigkeit zu einem Herrscherhaus schon von Geburt an auserwählt. Durch die Art seiner Zeugung wurde er noch auserwählter. Die Geschichte spielt in einer mittelalterlichen Feudalgesellschaft. Es ist eine streng hierarchische Kastengesellschaft, in der jeder von Geburt an eine bestimmte Stellung in der Gesellschaft hat, die er nicht verlassen kann.

Und damit wären wir schon bei einem Problem des Romans. „Dune – Der Wüstenplanet“ ist kein Mittelater-Roman, kein Fantasy-Roman und auch kein in einem Paralleluniversum spielender Roman, sondern ein im elften Jahrhundert spielender Science-Fiction-Roman. Damit wirkt diese Rückkehr in eine Feudalgesellschaft mit Herzögen, Lehnswesen, einflussreichen Bünden (wie den Bene Gesserit, in der Frauen zu so etwas wie kirchliche Superkriegerinnen ausgebildet werden [nicht zu verwechseln mit der katholischen Kirch]) und einer mächtigen Handelsallianz, der MAFEA (Merkantile Allianz für Fortschritt und Entwicklung im All [nicht zu verwechseln mit der Hanse]) doch etwas merkwürdig. In jedem Fall ist es eine Rückkehr ins Mittelalter, garniert mit einigen modernen Einsprengseln, die sich vor allem darin erschöpfen, dass hier Lehnswesen immer ganze Planeten sind und es Raumschiffe gibt.

Gleichzeitig ist „Dune – Der Wüstenplanet“, wie jeder in fremden Welten und Zukünften spielender Science-Fiction-Roman ein Kind seiner Zeit. Und das waren, als Herbert den ersten Dune-Roman schrieb, die frühen sechziger Jahre. Es ist die Welt vor „Raumschiff Enterprise“ (das startete erst 1966), vor ‚1968‘, vor der Friedensbewegung, vor der Frauenbewegung und vor der Ölkrise. Es ist die Welt zwischen Dekolonialisierung – der Algerienkrieg endete 1962 – und dem Aufstieg der 1960 gegründeten OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) zu einer mächtigen Organisation, die in den nächsten Jahren den Ölpreis festlegte. Es erfordert wenig Fantasie, Arrakis mit dem Nahen Osten, das auf ihm gefundene für Gewürz (aka Melange aka Spice aka der für die Raumfahrt sehr wichtige Rohstoff, der nur auf Arrakis gefunden wird) mit Öl, die auf Arrakis lebenden Fremen mit Beduinen, die wechselnden, Arrakis ausbeutenden Herzogtümer mit Kolonialmächten und den 15-jährigen Paul Atreides mit dem aus dem Westen kommendem Befreier (als Kreuzung aus Jesus Christus und Lawrence von Arabien) gleichzusetzen.

Das ist per se kein Problem, weil jedes Buch ein Kind seiner Zeit ist. Allerdings wirkt die in „Dune – Der Wüstenplanet“ erfundene Welt mit ihren Ansichten und Regeln heute äußerst gestrig, um nicht zu sagen vorgestrig.

Ein weiteres Problem von „Dune – Der Wüstenplanet“ ist, dass Frank Herbert kein begnadeter Erzähler ist. Die ganze, doch sehr einfache Geschichte, entwickelt sich sehr zäh, humorfrei und elliptisch. Anstatt die verschiedenen Kämpfe zu zeigen, lässt Herbert lieber Menschen darüber berichten. In einem Roman, in dem auch eingefügte Zeitungsartikel, Berichte und Protokolle, wie James Ellroy in seinen Büchern zeigt, eine ganz eigene Dynamik entfalten können, kann das funktionieren. In einem Film führt das zu einer endlosen Abfolge von Monologen.

Für mich war „Dune – Der Wüstenplanet“ eine arg dröge Lektüre.

Für eine gelungene Verfilmung müsste die Geschichte umfassend umgearbeitet werden. Das geht. Immerhin ist die Geschichte von Paul Atreides nicht so wendungsreich und komplex wie eine James-Ellroy-Geschichte (ich sage nur „L. A. Confidential“). David Lynch scheitert mit seiner Verfilmung des Romans. Denis Villeneuves Verfilmung ist gelungener, aber immer noch viel zu nah an der Vorlage.

Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Heyne, 2020 (die Filmausgabe)

800 Seiten

12,99 Euro

Zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover.

Vor dem Filmstart erschien der Roman bereits in mehreren Übersetzungen.

Originalausgabe

Dune

Chilton Books, 1965

Der erste Kinofilm

Der Wüstenplanet (Dune, USA 1984)

Regie: David Lynch

Drehbuch: David Lynch

LV: Frank Herbert: Dune, 1965 (Dune – Der Wüstenplanet)

Mit Kyle MacLachlan, José Ferrer, Francesca Annis, Jürgen Prochnow, Kenneth McMillan, Silvana Mangano, Dean Stockwell, Max von Sydow, Linda Hunt, Brad Dourif, Sting, Sean Young, Richard Jordan, Sean Phillips, Freddie Jones, Patrick Stewart, Virginia Madsen

Der zweite Kinofilm

Dune (Dune, USA 2021)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Denis Villeneuve, Jon Spaihts, Eric Roth

LV: Frank Herbert: Dune, 1965 (Dune – Der Wüstenplanet)

mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Jason Momoa, Stellan Skarsgård, Stephen McKinley Henderson, Josh Brolin, Javier Bardem, Sharon Duncan-Brewster, Chang Chen, Dave Bautista, David Dastmalchian, Zendaya, Charlotte Rampling, Babs Olusanmokun, Benjamin Clementine

Hinweise

Homepage der Dune-Bücher

Wikipedia über Frank Herbert (deutsch, englisch), „Dune – Der Wüstenplanet“ (Roman) und das Dune-Franchise (deutsch, englisch)

 


Tillie Walden dreht(e) „Pirouetten“

September 8, 2021

Bevor Tillie Walden „Auf einem Sonnenstrahl“ durch das Weltall flog, erzählte sie in „Pirouetten“ von ihrer damals nur wenige Tage zurückliegenden Jugend. Die äußerst produktive Walden wurde 1996 geboren. Nach der fünften Klasse zogen ihre Eltern mit ihr von New Jersey nach Austin, Texas. Auch dort trainiert sie weiter Eiskunstlauf und nimmt weiter an Wettbewerben im Einzel- und Synchronlauf teil.

Walden erzählt von der Tortur des Trainings auf dem Eis, den Schwierigkeiten, neue Freundinnen zu finden, der Erkenntnis, dass sie zwar gerne Eiskunstläuferin ist, aber nicht gut genug für die Spitze und wie sie ihre Sexualität entdeckt. Dabei entdeckt sie, dass sie Frauen liebt.

Als Siebzehnjährige hört sie, wie sie schon im ersten Satz von „Pirouetten“ verrät, mit dem Eislaufen auf. Kurz darauf beendet sie ihre Schule und kann auf ein College gehen. Nur welches? Und was soll sie studieren?

Pirouetten“ beschäftigt sich mit den zwölf Jahre, in denen Tillie Walden Eisläuferin war, in Austin die Schule besuchte und erwachsen wurde, mit all den Selbstzweifeln, positiven und negativen Erfahrungen, die die Pubertät begleiten. Sie fasst dabei ihr bisheriges Leben und wichtige Erlebnisse äußerst konzentriert zusammen. Eine plakative Botschaft oder ein alles beherrschendes Thema hat „Pirouetten“ nicht. So steht das Eiskunstlaufen als wichtiger Teil ihres Lebens nicht unbedingt im Mittelpunkt des Buches. Die Entdeckung ihrer Homosexualität und wie sie damit in Texas (!) umgeht, ist nur ein Nebenthema; fast schon ein Nicht-Thema. Und das ist gut so.

Ihre schnell gezeichneten Panels erinnern an sich auf das wesentliche konzentrierende Cartoons. Sie heben die für die Geschichte wichtige Dinge hervor. Die Hintergründe bleiben oft abstrakt oder werden, weil sie nicht wichtig sind, ganz weggelassen.

Pirouetten“ erhielt 2018 den Eisner Award in der Kategorie Best Reality-Based Work.

Tillie Walden: Pirouetten

(übersetzt von Sven Scheer)

Reprodukt 2021

400 Seiten

9,90 Euro

Originalausgabe

Spinning

First Second/Roaring Brook Press, 2017

Hinweise

Perlentaucher über „Pirouetten“

Reprodukt über Tillie Walden

Homepage von Tillie Walden

Wikipedia über „Pirouetten“ und Tillie Walden (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tillie Waldens „ Auf einem Sonnenstrahl“ (On a Sunbeam, 2018)


Alte Bekannte, neue Werke: David Peace und „Tokio, neue Stadt“

August 18, 2021

Damit hat wahrscheinlich niemand mehr gerechnet. Vierzehn Jahre nach dem Auftakt seiner Tokio-Trilogie, zwölf Jahre nach dem zweiten Band und nachdem er zwei, bislang nicht übersetzte Einzelromane (Keine Kriminalromane!) veröffentlichte, erschien jetzt mit „Tokio, neue Stadt“ der Abschluss seiner Tokio-Trilogie. Die drei Romane sind ein beklemmendes Porträt Tokios und Japans, das sich vor allem auf die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert. In jedem dieser Noirs steht ein wahres Verbrechen im Mittelpunkt. Und jeder dieser Kriminalromane kann für sich allein gelesen werden.

In „Tokio, neue Stadt“ geht es um den Tod von Sadanori Shimoyama. Der Präsident der Nationalen Japanischen Eisenbahngesellschaft verschwindet am 5. Juli 1949. Kurz darauf wird seine Leiche gefunden. Er wurde von einem Zug überfahren. Laut der Obuktion war Shimoyama, als er überfahren wurde, bereits seit längerem tot. Aber er wurde nach seinem Tod von mehreren Menschen noch quicklebendig gesehen.

Bis heute ist der Tod von Shimoyama nicht aufgeklärt.

In seinem Roman stellt David Peace die verschiedenen Theorien vor: Selbstmord, Mord, mal von dieser, mal von jener Gruppe verübt, mal mehr, mal weniger politisch, mal waren die Besatzungsmächte mehr, mal weniger involviert. Beim Vertuschen haben dann alle geholfen.

Peace erzählt die Geschichte in drei Kapiteln. Das erste spielt 1949. Im Zentrum steht der ermittelnde Polizist Harry Sweeney. Er ist der typische Hardboiled-Ermittler in der Fremde. Sweeneys Ermittlungen schildert Peace strikt chronologisch.

Im zweiten, 1964 spielendem Teil, steht der Ex-Polizist und Privatdetektiv Murota Hideki im Mittelpunkt. Er soll, innerhalb weniger Tage, den spurlos verschwundenen Schriftsteller Kuroda Roman finden. Vor seinem Verschwinden schrieb Roman an einem Buch über den Fall Shimoyama.

Während Hideko Roman sucht, erfahren wir in Rückblenden mehr über Romans Roman, sein Leben und seinen Wahn bezüglich dem Fall Shimoyama.

Im dritten, 1988 und 1949 spielendem Teil steht Donald Reichenbach im Mittelpunkt. Reichenbach war 1949 Chief of Station, selbstverständlich Geheimdienstler und in den Fall Shimoyama verwickelt.

Dieser auf mehreren Zeit- und Bewusstseinsebenen spielende, munter collagierte Teil ist dann am nächsten an dem David Peace, den wir aus seinen früheren Romanen kennen. In „Tokio, neue Stadt“ wird die Noir-Geschichte, beginnend mit einem fast schon konventionellem Hardboiled-Auftakt zunehmend wahnsinnig, weil ihre verschiedenen Hauptfiguren den Verstand verlieren.

In dem Moment wird auch die politische Dimension des Falles immer offensichtlicher. Denn die westlichen und östlichen Geheimdienste suchten nach einer Möglichkeit, wie sie von Shimoyamas Tod profitieren könnten. Vierzig Jahre später sind ihre damaligen Irrtümer und die Folgen ihrer Taten offensichtlich. Wer Shimoyama getötet hat, ist dagegen weiterhin rätselhaft. Dafür interessiert Peace sich nicht. Ihm geht es nämlich nicht um ein Mördersuchspiel oder das Aufdecken eines Komplotts, sondern um ein Stimmungsbild.

Wer also nur einen konventionellen Kriminalroman lesen möchte, sollte „Tokio, neue Stadt“ besser nicht lesen. Es ist zwar, vor allem in der ersten Hälfte, konventioneller und sprachlich ruhiger als David Peaces vorherige Romane, die sich teilweise wie ein stundenlanger Maschinengewehr-Rap lesen (das wird besonders deutlich, wenn David Peace seine Romane vorliest). Aber der fulminante Abschluss seiner Tokio-Trilogie ist immer noch meilenweit von einem konventionellem Kriminalroman entfernt. Wer es gerne etwas literarischer hat, sollte hier zugreifen – und dann mit seinen anderen Romanen fortfahren.

David Peace: Tokio, neue Stadt

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2021

432 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Tokyo Redux

Faber & Faber, London, 2021

Alfred A. Knopf, New York, 2021

Die Tokio-Trilogie

Tokio im Jahr Null (Tokyo Year Zero, 2007)

Tokio, besetzte Stadt (Occupied City, 2009)

Tokio, neue Stadt (Tokyo Redux, 2021)

Hinweise

Wikipedia über David Peace (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio im Jahr Null“ (Tokyo Year Zero, 2007)

Meine Besprechung von David Peaces „Tokio, besetzte Stadt“ (Occupied City, 2009)

Meine Besprechung der „Red Riding Trilogy“ (der grandiosen Verfilmung der entsprechenden Romane von David Peace)

David Peace in der Kriminalakte