Planet Terror(Grindhouse: Planet Terror/Planet Terror, USA 2007)
Regie: Robert Rodriguez
Drehbuch: Robert Rodriguez
Blöde Sache: ein in einer Militärbasis gelagertes Gas wird freigesetzt und verwandelt die Bewohner einer Kleinstadt in blutrünstige Zombies. Ex-Go-Go-Girl Cherry Darling (Rose McGowan) und ihr Ex-Freund El Wray (Freddy Rodriguez) stellen sich mit einigen Not-Verbündeten gegen die Zombies.
TV-Premiere. Köstlich absurd-abstruse Splatterorgie und eine gewollt trashige Hommage an das trashige Siebziger-Jahre-Bahnhofskino.
Davor, ab 22.00 Uhr, zeigt Nitro, die andere Hälfte des Grindhouse-Doppelpackets: Quentin Tarantinos „Death Proof – Todsicher“.
mit Rose McGowan, Freddy Rodriguez, Michael Biehn, Josh Brolin, Marley Shelton, Naveen Andrews, Jeff Fahey, Tom Savini, Michael Parks, Bruce Willis, Fergie, Quentin Tarantino
Ein in der DDR enorm erfolgreicher Film über eine junge Frau und einen jungen Mann und die Widrigkeiten des Alltags.
„Ein erfrischend unterhaltsamer und offener Film, der Traum und Wirklichkeit, Poesie und banale Alltagsrealität mischt und mit Spaß, Ironie und Ernst künstlerisch entfaltet.“ (Lexikon des Internationalen Films)
Mit Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel, Fred Delmare, Rolf Ludwig
Batic und Leitmayr: Die Zwei vom Tatort sagen Servus (Deutschland 2026)
Regie: Heiko Rauber
45-minütige Doku über die bekannt-beliebten „Tatort“-Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl), die sich heute Abend in den verdienten Ruhestand verabschieden. Hundert Fälle habe sie seit 1991 in und um München aufgeklärt. Einige Klassiker sind dabei, ein wirklich schlechter Fall war nicht dabei.
Das Leben des Brian (Monty Pythons Life of Brian, Großbritannien 1979)
Regie: Terry Jones
Drehbuch: Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin
Das Leben von Brian, das erstaunliche Parallelen zu dem von Jesus Christus hat, und hier von Monty Python kräftig durch den Kakao gezogen wird.
Kult. Und wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.
Der deutsche Kinostart war am 15. August 1980
Anschließend, um 22.05 Uhr, reiten „Die Ritter der Kokosnuss“ durch…ein schönes Königreich.
mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin, Terence Bayler, Carol Cleveland, Kenneth Colley, Neil Innes, Charles McKeown
Wiederholung: Montag, 6. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Knives out – Mord ist Familiensache (Knives out, USA 2019)
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Privatdetektiv Benoit Blanc soll herausfinden, wer den vermögenden Krimiautor Harlan Thrombey an seinem 85. Geburtstag ermordete. Blanc vermutet, dass der Mörder ein Familienmitglied ist.
Gelungenes, sehr unterhaltsames, witziges und stilbewusstes Update des klassischen Rätselkrimis.
mit Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Don Johnson, Michael Shannon, Ana de Armas, Katherine Langford, LaKeith Stanfield, Jaeden Martell, Christopher Plummer, Riki Lindhome, Edi Patterson, Frank Oz, K Callan, Noah Segan, M. Emmet Walsh
LV: James Sallis: Drive, 2005 (Driver, später wegen des Films „Drive“)
Der namenlose Fluchtwagenfahrer führt ein ruhiges, zurückgezogenes Leben, bis er sich in eine Frau verliebt und ihrem Freund bei einem Überfall helfen will. Der Überfall geht schief…
Blöder Film. Denn vieles fügt sich erst am Ende mehr oder weniger zusammen. Einiges bleibt unklar. Und weil sich bis zum Ende keine richtige Geschichte entfaltet (wie bei einem Rätselkrimi, in dem der Detektiv die Puzzlesteine zusammenfügt oder wie bei „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, wo das Ende die vorherige Geschichte in einem vollkommen anderem Licht erscheinen lässt), kann auch kaum über Julia Ducournaus neuen Film gesprochen werden.
Vielleicht soviel: er spielt in Frankreich in den achtziger Jahren. Die dreizehnjährige Alpha lässt sich während einer drogengeschwängerten Party ein „A“ in ihren Arm tätowieren. Ihre allein erziehende Mutter, Ärztin im örtlichen Krankenhaus, reagiert panisch. Nicht wegen der Tätowierung, sondern wegen ihrer Entstehung und der Möglichkeit, dass die Nadel nicht desinfiziert war. Sie führt sofort einen AIDS-Test durch. Ddie Tätowierung heilt nicht richtig. Alpha verändert sich. Sie könnte sich mit infiziert haben; – es kann sich allerdings auch um normaler pubertäre Veränderungen handeln.
In ihr Zimmer zieht ihr drogensüchtiger Onkel ein. Sie verstehen sich. Alpha baut eine tiefere Verbindung zu dem immer wieder sehr lebenslustigem Mann auf. Dummerweise gehört er zu den Infizierten.
Diese Infizierten sind Menschen, deren Körper sich immer mehr verändert. Sie sehen immer mehr aus wie griechische oder römische Statuen. Sie werden immer mehr zu einer Art netter und harmloser Marmor-Zombies. Über den Ursprung der Seuche erfahren wir nichts. Aber sie scheint weitgehend harmlos zu sein.
Oft ist in dem Horrorfilm unklar, ob es sich um eine Fantasie, eine Vor- oder eine Rückschau handelt. Die eine Chronologie und Erklärung, die man hat, wird wenige Minuten später in dem Film widerlegt. „Alpha“ funktioniert vor allem als surrealistischer (Alp)Traum.
Trotzdem bleibt am Ende der Eindruck, dass „Titane“-Regisseurin Julia Ducournau sich hoffnungslos in ihren Ideen verirrte. Nur wenig fügt sich zusammen. Einiges spielt, wenn man eine Chronologie erstellen will, weder in der Gegenwart, noch in der Vergangenheit, sondern in einer Fantasiewelt jenseits von Gegenwart und Vergangenheit. Zu vieles bleibt nur eine schön aussehende Idee. So sehen die Infizierten gut aus. Womit sie infiziert wurden, ist unklar. Aber AIDS ist es nicht. Der in der zweiten Hälfte auftauchende rote Wind sorgt ebenfalls für schön dystopische Bilder. Was der Wind dann mit den Infizierten, Alpha, ihrem Onkel und ihrer Mutter zu tun hat, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen.
Die spätestens in der zweiten Hälfte erahnbare Erklärung am Filmende sorgt dann für etwas Klarheit. Es ändert aber nichts daran, dass „Alpha“ ein ziemlich frustrierender Horrorfilm ist. Früher nannte man solche Filme ‚ambitioniert‘.
Alpha (Alpha, Frankreich/Belgien 2025)
Regie: Julia Ducournau
Drehbuch: Julia Ducournau
mit Mélissa Boros, Tahar Rahim, Golshifteh Farahani, Finnegan Oldfield, Emma Mackey
Wenige Tage vor ihrer Hochzeit sind Emma (Zendaya), Lektorin, und Charlie (Robert Pattinson), ein aus England in die USA eingewanderter Kunstkurator, beide gut verdienend und in einer schicken Wohnung lebend, mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Es geht um den Hochzeitstanz, das Essen, den Wein, die Musik, die Hochzeitsfotos und die Reden, die sie halten werden. Schließlich soll es eine perfekte Hochzeitsfeier werden. Es wird, das kann verraten werden, für die Anwesenden eine Feier, die sie nicht vergessen werden.
Der Grund ist ein Spiel, das Emma und Charlie auf den Vorschlag ihrer besten Freunde Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) eine knappe Woche vor der Hochzeit spielen. Sie vertrauen sich die schlimmste Sache an, die sie in ihrem Leben gemacht haben – und schweigen anschließend darüber.
Reihum gestehen sie ein solches Geheimnis. Als Emma ihnen das Schlimmste, was sie jemals getan hat, verrät, sind die anderen schockiert. Rachel hält es für eine nicht zu verzeihende Sache. Mike versucht zu vermitteln. Charlie fragt sich, ob er Emma wirklich kennt, liebt und heiraten will.
Mit dieser schönen Prämisse kann Kristoffer Borgli („Sick of Myself“, „Dream Scenario“) lustvoll moderne Beziehungen sezieren und das ganze Drumherum um eine Eheschließung, das in den USA wohl noch einige Nummern pompöser ausfällt als hier, zertrümmern. Gnadenlos und mit sardonischem Humor dreht er an der Eskalationsschraube und lässt im Finale von „Das Drama – Nochmal auf Anfang“ die Hochzeitsfeier komplett aus dem Ruder laufen. Die Eskalation gelingt ihm, weil er aus einer Mücke (Emmas schlimmster Tat) einen Elefanten macht und seine Figuren zutiefst hypochondrische Menschen sind, die die Verfehlungen anderer Menschen glasklar sehen und die eigenen galant ignorieren. Denn – ohne jetzt mehr zu verraten – die schlimmen Taten von Rachel, Mike und Charlie sind schlimmer als Emmas Tat.
Borgli erzählt diese Geschichte eines Mannes, der an seiner großen Liebe zweifelt, pointiert, hauptsächlich aus Charlies Sicht und, immer wieder, mit zur kurzzeitigen Desorientierung beitragenden Zeitsprüngen und Bildern aus Charlies Fantasie. Die Schauspieler, und das gilt auch für Nebenfiguren wie eine Tanzlehrerin, eine Hochzeitsfotografin, die beiden DJs und Charlies Arbeitskollegin, spitzen ihre Figuren, mal mehr, mal weniger, satirisch zu und liefern sie dem Gespött des Publikums aus.
Die Selbsterkenntnis folgt dann möglicherweise während des Gesprächs nach der tiefschwarzen Satire.
Das Drama – Nochmal auf Anfang (The Drama, USA 2026)
Regie: Kristoffer Borgli
Drehbuch: Kristoffer Borgli
mit Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Benton Gates, Sydney Lemmon, Hannah Gross, Anna Baryshnikov, Jordyn Cunet
Victor Hugos „Die Elenden“ besteht aus fünf Bänden. In der alten Diogenes-Ausgabe von 1986, die ich besitze (und als Jugendlicher verschlungen habe [Wer braucht schon den „Herr der Ringe“, wenn er Jean Valjean hat?]) erstreckt sich Hugos epischer, immer wieder lustvoll ausfransender Roman auf fünf Bücher und insgesamt, mit allen Anmerkungen, 1856 engbedruckte Seiten.
Der Roman ist ein Klassiker. Französisches Kulturgut und immer wieder verfilmt mit Stars und Pomp. Meistens wird der gesamte Roman als Epos verfilmt. Schließlich erzählt Hugo eine ereignisreiche Abenteuergeschichte, die gut als Film funktioniert.
In seiner Verfilmung geht Éric Besnard den anderen Weg. Er konzentriert sich auf einen kleinen, aber sehr wichtigen Teil der von Hugo über viele Seiten erzählten Geschichte. Besnard verfilmte nur das Zweite Buch („Der Rückfall“) des ersten Bandes. In diesem siebzig Seiten umfassendem Buch erzählt Hugo, wie die Begegnung mit einen Geistlichen dazu führt, dass Jean Valjean zu einem anderen Menschen wird. In dem Moment legt Hugo das Fundament für den weiteren Roman. Ohne diese Begegnung gäbe es nicht den Jean Valjean, den die Welt aus dem Roman und den vielen, vielen Verfilmungen kennt.
Im Dezember 1815 kehrt der gerade nach zwanzig Jahren aus der Haft entlassene Jean Valjean bei einem Priester ein. Der nimmt ihn freundlich und ohne Vorurteile auf. Trotzdem bestiehlt der verbitterte, von der Gesellschaft gemiedene und als Ex-Sträfling verachtete Valjean ihn. Als Gendarmen Valjean auf seiner Flucht verhaftet und Bienvenu das gestohlene wertvolle Silberbesteck zurückgeben wollen, sagt Bienvenu, er habe Valjean die Gegenstände geschenkt und er gibt dem ihm, vor den Augen der Polizei, noch zwei wertvolle Kerzenleuchter.
Diese Begegnung führt dazu, dass Valjean über seine Haltung zur Welt nachdenkt. Er wird zum geläuterten Mann und will fortan nur noch Gutes tun. Dafür setzt er sein Vermögen, das er sich ausgehend von dem Silberbesteck und dem Kerzenleuchter erarbeitete, ein.
Besnards Kammerspiel enthällt wie in einem Brennglas die zentralen Konflikte des Romans. Im Mittelpunkt der in sich abgeschlossenen Geschichte stehen Jean Valjean und der Geistliche Bienvenue. Er ist ein Bischof, der auf allen Prunk verzichtet. Seine Schwester und seine Magd wohnen bei ihm und bringen weitere Perspektiven ein.
Einige kurze Rückblenden in Valjeans Leben – er wurde für den Diebstahl eines Stückes Brot und mehrere Fluchtversuche zu insgesamt neunzehn Jahren Zuchthaus verurteilt – Bienvenues Leben vermitteln weitere Informationen über diese beiden gegensätzlichen Männer.
Im Zentrum der Begegnung zwischen dem Sträfling und dem Geistlichen stehen dabei heute immer noch aktuelle Fragen, die in einem deutlich anderem Rahmen auch in der ebenfalls diese Woche startenden schwarzen Hochzeitskomödie „Das Drama“ behandelt werden.
Durch diese Konzentration auf eine kurze Episode, wenige Personen, gespielt von guten Schauspielern, die auch schweigend viel sagen, und wenige, eigentlich nur einen Handlungsort umgeht Besnard die Gefahr, sich entscheiden zu müssen, was er weglässt oder er nur noch episodisch und oberflächlich erzählt, während er versucht, alle wichtigen Ereignisse in einen langen Film zu pressen. Es gelingt ihm auch so.
Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean(Jean Valjean, Frankreich 2025)
Regie: Éric Besnard
Drehbuch: Éric Besnard
LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1862 (Die Elenden)
mit Grégory Gadebois, Bernard Campan, Alexandra Lamy, Isabelle Carré
Drehbuch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri
TV-Premiere zu einer unverschämten Uhrzeit. Bewegendes Drama über zwei senegalesische Teenager, die nach Europa auswandern wollen. In „Ich Capitano“ erzählt Mateo Garrone, was sie auf ihrer Reise quer durch Afrika und über das Mittelmeer erleben.
Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen und man muss „Enders Schatten“ nicht lesen, um „Enders Spiel“ zu verstehen, aber „Enders Schatten“ ist ein wirklich lesenswerter anderer Blick auf die Ausbildung von Ender Wiggins. Und daher empfehle ich beide Romane; in chronologischer Reihenfolge.
Orson Scott Card: Enders Spiel
(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)
Heyne, 2012
464 Seiten
9,99 Euro (E-Book)
–
Originalausgabe
Ender’s Game
Tor, 1985
(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)
–
Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.
Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.
Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.
USA 1916: Nach einem tödlichen Streit in einer Fabrik fliehen Bill und seine Freundin Abby aus Chicago in den Süden. Dort verliebt sich der reiche, todkranke Farmbesitzer in Abby und Bill wittert das Geschäft seines Lebens.
Selten gezeigtes, beeindruckend gefilmtes Südstaatendrama von Terrence Malick, der bereits mit seinem Debüt „Badlands“ einen Klassiker schuf und nach „In der Glut des Südens“ sich zwanzig Jahre aus Hollywood zurückzog. Mit dem poetischen Kriegsfilm „The Thin Red Line“ (ein starbesetztes Stück Kino, das man entweder liebt oder todsterbenslangweilig findet) kehrte er 1998 zurück.
Kameramann Nestor Almendros erhielt für seine Bilder einen Oscar.
Ennio Morricone schrieb die Musik.
Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die brandneue, knapp einstündige Doku „Terrence Malick – Suche nach dem Unsichtbaren“ (Deutschland 2025).
mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard, Linda Manz, Stuart Margolin
Wenn man nichts über die Hintergründe weiß, ist „Mit Hasan in Gaza“ nur ein zweistündiges unkommentiertes YouTube-Video. In langen ungeschnittenen Szenen, mit Wackelkamera, oft unpassenden Bildausschnitten und viel Leerlauf beobachtet die Kamera einfach, wie einige Männer sich durch Gaza bewegen. Mit Einheimischen wird sich über Dies und Das ausgetauscht. Aber es gibt keine Informationen zum Grund der Reise. Oder wie es dazu kam, dass „Mit Hasan in Gaza“ jetzt im Kino läuft. Im Film verrät Regisseur Kamal Aljafari das nicht. Erst im Abspann gibt er einige wenige Informationen zum Film preis.
Im Juli 2024 entdeckte der in Berlin lebende palästinensische Regisseur in seinem Archiv drei MiniDV-Kassetten, an die er sich nicht erinnerte. Auch die Beschriftung „Mit Hasan in Gaza“ löste bei ihm keine Erinnerung aus an seinen Ausflug nach Gaza am 1. und 2. November 2001. Er suchte damals einen Mann, den er 1989 im Gefängnis kennen lernte. Mit Hasan machte er sich auf die Suche. Eine Nacht, die einen großen Teil des Films einnimmt, verbrachte er in Hasans Haus und filmte aus der Wohnung heraus, was vor der Tür geschah. Aus der Ferne sind Schüsse zu hören, die von nicht vor der Kamera stehenden Männern einzelnen Waffen und Konfliktparteien zugeordnet werden. Auf der anderen Straßenseite sitzt eine Gruppe Männer. Der Rest des Films ist nicht interessanter. Er besteht aus Autofahrten, zufälligen Begegnungen am Strand, einem Marktbesuch und, immer wieder, Kindern, die darum betteln, aufgenommen zu werden,
Diese Aufnahmen von 2001 veröffentlichte Aljafan nun genau so, wie er sie damals aufnahm. Das mag für historisch Interessierte, die die Gegend wenigstens rudimentär kennen, und für Fans von Heimvideos interessant sein. Für alle anderen ist „Mit Hasan in Gaza“ eine ziemlich langweilige Angelegenheit.
Mit Hasan in Gaza (Frankreich/Katar/Deutschland/Palästina 2025)
Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo(Deutschland 1981)
Regie: Ulrich Edel
Drehbuch: Herman Weigel
LV: Kai Hermann/Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1978
An der Kinokasse erfolgreiche Verfilmung des immer noch erhältlichen gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers der „stern“-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über die titelgebende drogensüchtige dreizehnjährige Christiane F. und ihre drogensüchtigen Freunde am Bahnhof Zoo in den Siebzigern.
Auf ein grundsätzliches Problem von diesem und anderen, ähnlich gelagerten Filmen wies damals der Fischer Film Almanach hin: „So paradox es klingt: Glaubwürdig hätten sie wohl nur dadurch bleiben können, dass sie diesen Film nicht gemacht hätten, sie alle, die an ihm beteiligt sind, die anonyme Christiane, die vor einigen Jahren die traurige Geschichte ihrer Sucht den beiden ’stern‘-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck auf Band gesprochen und zusammen mit ihnen die Verfilmungsrechte verkauft hat; der ehrgeizige junge Produzent Bernd Eichinger, der das Projekt – vom kaufmännischen Standpunkt aus – perfekt durchgehogen hat; der Autor Herman Weigel und der Regisseur Ulrich Edel, der sich gleich bei seinem ersten Spielfilm an solch einen Stoff wagen durfte – und mit ihm, zwangsweise, scheitern musste. Ihnen allen sollen die Redlichkeit und Ehrlichkeit ihrer Absichten gar nicht bestritten werden, nämlich unter weitgehendem Verzicht auf Spekulation einen ungeschminkten Report über die Szene der jugendlichen Fixer und Prostituierten abzuliefern (…) Sie wollen niemandem weh tun; deshalb ist aus ihrem Film nichts Richtiges geworden. Sie hätten den Mut haben müssen, Wut auszulösen, Betroffenheit. Sie begnügen sich mit dem beifällig gemurmelten: ‚So ist’s‘ – und das ist zu wenig.“ (Fischer Film Almanach 1982)
Vor Edel sollte Roland Klick das Buch verfilmen. Er hatte einen anderen Film geplant. Ob es ein besserer Film geworden wäre, werden wir nie erfahren. Edels Film ist ein heute immer noch packender Blick in das West-Berlin um 1980
Fast drei Stunden lässt Sang-Il Lee sich Zeit, um strikt chronologisch die Geschichte von Kikuo und Shunsuke zu erzählen. Sie beginnt 1962 mit dem gewaltsamen Tod von Kikuos Vater und endet 2014.
Nach einer Amateur-Kabuki-Aufführung wird 1964 in Nagasaki der Vater des vierzehnjährigen Kikuo, der vorher auf der Bühne stand, von anderen Yakuzas getötet. Der berühmte Kabuki-Schauspieler Hanjiro, der von Kikuos Können fasziniert war, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Er lehrt ihn und seinen Sohn Shunsuke die Feinheiten dieser traditionellen Form des Theaters. Das Kabuki-Thater ist eine Form des japanischen Theaters, in der immer noch auch die Frauenrollen von Männern gespielt werden. Sie entstand im 17. Jahrhundert, verbindet Musik, Tanz, Pantomime, Spiel (wozu auch die Kostüme und die Schminke gehören) und das Bühnenbild zu einem Gesamterlebnis. Seit 2005 gehört Kabuki zur UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immaterilelen Erbes der Menschheit.
Die gleichaltrigen Jungen Kikuo und Shunsuke werden schnell Freunde. Sie werden zu Quasi-Brüdern. Und sie werden zu ausgezeichneten Kabuki-Schauspielern, die nach ihrer Ausbildung und Erfolgen auf der Bühne um die höchste Ehre die es gibt, die Ernennung zum Kokuho (Lebender Nationalschatz), kämpfen.
Sang-Il Lee erzählt diese Geschichte mit großem epischen Atem. Dabei ist die erste, zehn Jahre umfassende Hälfte, in der Kikuo und Shunsuke von Hanjiro ausgebildet werden und sie ihre erste Schritte als Schauspieler unternehmen stärker als die zweite, episodisch von einem Jahr zum nächsten Jahr durch die Jahrzehnte hüpfende Hälfte.
Weil beide ‚Brüder‘ Künstler sind, die um die Nachfolge von Hanjiro kämpfen, präsentiert Sang-Il Lee auch ausführlich Ausschnitte aus mehreren Theaterstücken. Sie zeigen eine fremde Kultur und eine, jedenfalls in dem Drama „Kokuho“, ungute Tendenz der Kabuki-Schauspieler, auf offener Bühne zu sterben.
In Japan ist „Kokuho – Meister des Kabuki“ der umsatzträchtigste japanische Spielfilm. Nur einige wenige Animes setzten mehr Geld an der Kinokasse um. Er war für dreizehn Japanese Academy Awards nominiert und erhielt den Preis unter anderem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptrolle, Beste Kamera und Besten Schnitt.
Weil „Kokuho – Meister des Kabuki“ wenige Tage vor der Kino-Wiederaufführung von Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (am 16. April; Besprechung der minimalst geänderten neuen Fassung folgt), startet, ist „Kokuhu – Meister des Kabuki“ jetzt nicht der japanische Film, den man sich im Kino ansehen kann, wenn man nach „Kill Bill“ neugierig auf die japanische Kultur wurde. Jetzt kann man ihn als Vorbereitung für „Kill Bill“ ansehen. Danach fallen einem einige weitere Anspielungen Tarantinos auf die japanische Kultur auf und man kann sie in einen Kontext setzen.
Und wer sich „Kill Bill“ nicht ansehen will, hat immerhin einen guten Spielfilm gesehen.
Kokuho – Meister des Kabuki(Kokuhō, Japan 2025)
Regie: Sang-Il Lee
Drehbuch: Satoko Okudera
LV: Shūichi Yoshida: Kokuho, 2018
mit Ryō Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Soya Kurokawa, Keitatsu Koshiyama, Mitsuki Takahata, Nana Mori, Ken Watanabe
Jean Seberg – Against all Enemies(Seberg, USA 2019)
Regie: Benedict Andrews
Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse
1968 trifft die Schauspielerin Jean Seberg („Außer Atem“) den Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal. Sie verlieben sich. Sie werden vom FBI beobachtet, das eine Rufmordkampagne gegen sie startet.
Biopic mit einer gewohnt überzeugenden Kristen Stewart in der Hauptrolle, das ziemlich schnell zu einem mutlosen Film über die Gewissenskonflikte eines fiktiven FBI-Agenten wird. Da wäre mehr möglich gewesen.
Im Sardi’s soll am 31. März 1943 nach der Premiere des Musical „Oklahoma!“ gefeiert werden. Es ist die erste Zusammenarbeit von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Lorenz Hart (Ethan Hawke) ist schon in der Bar. Der berühmte Broadway-Songautor unterhält die wenigen anwesenden Gäste und einen unbeteiligt vor sich hin lesenden Mann mit seinen scharfzüngigen Bemerkungen und lästert über „Oklahoma!“. Er ist verbittert. Denn bis dahin arbeitete er über zwanzig Jahre mit Richard Rodgers zusammen. Von ihnen stammen fast dreißig Musicals für die Bühne und den Film. Viele der über fünfhundert von ihnen geschriebenen Songs wurden zu immer wieder neu interpretierten Klassikern. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „My funny Valentine“, „Have you met Miss Jones?“, „Spring is here“, „Little Girl Blue“, „The most beautiful Girl in the World“, „Manhattan“ und „Blue Moon“.
Zwei Wochen nach „Nouvelle Vague“ startet der zweite absolut sehenswerte Film von Richard Linklater in unseren Kinos. In „Nouvelle Vague“ schildert Linklater die Vorgeschichte und die Dreharbeiten zu dem Klassiker „Außer Atem“. In „Blue Moon“ erzählt er eine andere Geschichte aus dem Showgeschäft, die gleichzeitig einen normalen Abend im Leben des damals 47-jährigen Lorenz Hart schildert und gleichzeitig, wenige Monate vor seinem Tod, sein Leben auf wenige Stunden verdichtet.
Umgeben ist er von einem wundervoll aufeinander und auf ihn eingespieltem Ensemble. Wie ein altes Ehepaar werfen sich der Songtexter und der Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) die Bälle zu. Der Barpianist Morty Rifkin (Jonah Lees) setzt als dritter Mann Akzente. Auch wenn er nur die zur Szene passende Hintergrundmusik klimpert. Damals schon bekannte Künstler und noch am Anfang ihrer Karriere stehende Künstler betreten an dem Abend die Bühne im Sardi’s.
Mit der zwanzigjährigen Elizabeth Weiland (Margaret Qualley) zieht Hart sich dann länger zu einem intimen Gespräch in die Garderobe zurück. Sie vertrauen einander. Sie erzählt ihm ihre intimsten Geheimnisse, aber liebt sie ihn auch? Hart jedenfalls ist in sie verliebt. Aber er will der deutlich jüngeren Frau seine Liebe nicht gestehen. Bevor sie an dem Abend ins Sardi’s kommt, unterhält er sich mit Eddie über sie, seine Verehrung für sie und seine Gefühle für sie.
Und wenn Richard Rodgers (Andrew Scott) und die „Oklahoma!“-Entourage auftauchen gibt es Showbiz-Begegnungen und Enthüllungen.
Richard Linklater schildert eine Nacht in New York vor über achtzig Jahren, die sich kaum von einer ähnlichen Premierennacht in der Gegenwart unterscheidet. Aber dank der tollen Schauspieler und des sehr pointierten, anspielungsreichen und clever konstruierten Drehbuchs von Robert Kaplow ist „Blue Moon“ eine sehr kurzweilige Angelegenheit, die, abgesehen von einem kurzen Prolog, chronologisch und ohne Rückblenden eine Geschichte erzählt und locker viele, oft nur für Broadway-Kenner erkennbaren Anspielungen einstreut. Eine erste Fassung des Drehbuchs hatte Kaplow schon vor über zehn Jahren geschrieben. Linklater war begeistert. Ethan Hawke ebenso. Weil er damals noch auf Alt hätte geschminkt werden müssen, verschoben sie die Dreharbeiten bis Hawke in dem richtigen Alter für die Rolle war. Nicht ändern konnten sie den Unterschied in der Körpergröße zwischen Hawke (1,79 Meter) und Hart (1,52 Meter). Das wird durch Hawkes extra breitem Anzug und die von Richard Linklaters langjährigem Kameramann Shane F. Kelly gewählten Kamerawinkel versucht zu kaschieren. Es irritiert trotzdem. Wenn Hawke dann die von Kaplow aufgeschriebenen Sätze, die aus präzisen Beobachtungen, treffenden, oft gemeinen Zuspitzungen, Hass und Selbsterkenntnis bestehen, aufsagt, ist das Vergessen.
Die Sätze der anderen Figuren des Stücks sind weniger auf Pointen hin formuliert, aber zusammen ergeben sie, auch dank des guten Ensembles und des hohen Erzähltempos, eine Screwball-Comedy, in der es um verschiedene Formen von Liebe, Enttäuschung und Bewunderung geht.
Blue Moon (Blue Moon, USA 2025)
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Robert Kaplow (inspiriert von den Briefen von Lorenz Hart und Elizabeth Weiland)
mit Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Margaret Qualley, Patrick Kennedy, Jonah Lees, Simon Delaney, Cillian Sullivan, John Doran, Anne Brogan, David Rawle
Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.
Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.
Seit Jahren versteckt Michael Mason (Jason Statham) sich auf einer einsamen Insel in den Äußeren Hebriden. Alle sieben Tage bekommt er Lebensmittel geliefert. Das ist sein einziger Kontakt zum Rest der Welt. Als während eines Sturms der Kutter, der ihn mit Lebensmitteln versorgt, sinkt, kann er die dreizehnjährige Jessie (Bodhi Raie Breathnach) vor dem Ertrinken retten. Er bringt das verletzte Mädchen, das jetzt eine Vollwaise ist, nicht in das nächste Krankenhaus, sondern pflegt sie bei sich.
Als er mit ihr auf das Festland muss, um einige Kleinigkeiten zu besorgen, werden sie von einer Videokamera beobachtet. Der britische Geheimdienst MI6 sieht die Bilder, identifiziert ihn als einen gefährlichen Terroristen und schickt ein Spezialteam los. In Wirklichkeit ist Mason kein Terrorist, sondern ein abtrümmiger Agent.
Gejagt wird er auf Befehl von seinem früheren MI6-Vorgesetzten Steven Manafort (Bill Nighy). Nachdem Manafort wegen skandalträchtiger Geheimdienstaktionen in den Ruhestand versetzt wurde, agiert und manipuliert er aus dem Hintergrund. Im Rahmen eines ultrageheimen Geheimprogrammes ließ er Mason zur Tötungsmachine ausbilden. Als Mason bei einen seiner Aufträge Gewissensbisse bekam und einen Mordbefehl verweigerte, setzte Manafort seinen besten Mann auf die Abschussliste. Mason tauchte unter.
Jetzt werden Mason und Jessie von Manaforts Auftragkiller Workman (Bryan Vigler), einer jüngeren Ausgabe von Mason, und allen verfügbaren MI6-Spezialeinsatzkommandos quer durch Großbritannien bis nach London gejagt.
„Shelter“ ist der neue Film von Ric Roman Waugh. In den letzten Jahren inszenierte er mehrere Actionfilme mit Gerald Butler in der Hauptrolle. Zuletzt die Dystopie „Greenland 2“. Dieses Mal übernahm Jason Statham die Hauptrolle. Das Ergebnis unterscheidet sich kaum von seinen anderen Filmen. Auch sein neuester Actionfilm ist grundsolide, altmodische B-Picture Thrillerkost, die etwas besser ist, als man es erwartet.
Die Geschichte bewegt sich, ziemlich überraschungsfrei, innerhalb der bekannten Actionthriller-Konventionen. Einiges, wie dass Mason Jessie nicht sofort zum nächsten Krankenhaus bringt und danach entweder auf seine Insel zurückkehrt oder an einem anderen Ort untertaucht, muss man einfach akzeptieren. Es gibt eine äußerst milde Warnung vor den Möglichkeiten staatlicher Überwachung in demokratischen Gesellschaften. In erster Linie sind die überall vorhandenen öffentlichen und privaten Kameras ein spannungssteigerndes Element. Denn Masons Jäger können ihn und das Mädchen immer überall finden. Manafort kann auch, aus seinem Home-Office, nach Belieben alle Daten manipulieren. Es gibt mehrere gute Actionszenen, die teils auf dem Land und teils in London spielen und vor Ort gedreht wurden. Das trägt zum Realismus bei.
Und so schlägt Jason Statham sich in einer Rolle, die er im Schlaf beherrscht, durch eine gut abgehangene, nicht vollkommen unrealistische, angenehm bodenständig inszenierte und erzählte Geschichte, die den Fans genau das bietet, was sie erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Shelter(Shelter, Großbritannien 2026)
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Ward Parry
mit Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Naomi Ackie, Daniel Mays, Harriet Walter, Bryan Vigier, Michael Shaeffer, Bally Gill