TV-Tipp für den 23. Mai: Hänsel und Gretel, Hexenjäger

Mai 22, 2024

Vox, 20.15

Hänsel und Gretel: Hexenjäger (Hansel and Gretel: Witch Hunters, USA/Deutschland 2012)

Regie: Tommy Wirkola

Drehbuch: Tommy Wirkola

Hänsel und Gretel, inzwischen erwachsen, jagen Hexen und blutiger Schmodder fliegt durch den Raum.

Der herrlich abgedrehte Film ist ungefähr so tiefsinnig wie ein Kinderkarneval und macht, wenn man sich darauf einlässt, auch genausoviel Spaß. Außerdem gibt es mindestens eine wichtige Lebensweisheit: „Don’t eat the fucking Candy.“

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen, Peter Stormare, Derek Mears, Pihla Viitala, Thomas Mann, Zoë Bell, Rainer Bock, Kathrin Kühnel

Hinweise

Metacritic über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“

Rotten Tomatoes über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“

Wikipedia über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (Hansel and Gretel: Witch Hunters, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „What happened to Monday?“ (What happened to Monday?, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „The Trip – Ein mörderisches Wochenende“ (I onde dager, Norwegen 2021)

Meine Besprechung von Tommy Wirkolas „Violent Night“ (Violent Night, USA 2022) (mit dem Weihnachtsmann)


TV-Tipp für den 22. Mai: High Tension

Mai 21, 2024

Tele 5, 00.05

High Tension (Haute Tension, Frankreich 2003)

Regie: Alexandre Aja

Drehbuch: Alexandre Aja, Grégory Levasseur

Die Studentinnen Alex und Marie wollen sich auf dem Land bei Alex‘ Eltern auf eine Prüfung vorbereiten. Schon am ersten Abend massakriert ein Sadist Alex‘ Familie und entführt sie. Marie will sie retten.

TV-Premiere. „Spannender, visuell höchst drastischer Psychothriller mit Horrorelementen“ (Lexikon des internationalen Films), der in Deutschland keine Jugendfreigabe erhielt, in verschiedenen Fassungen erschien und bis März 2023 auf der Liste der jugendgefährdenden Medien stand. Danach erschien er ungeschnitten auf DVD – und könnte jetzt auch ungeschnitten im Fernsehen laufen.

Für den Franzosen Alexandre Aja war der ultrabrutale Horrorfilm, sein zweiter Spielfilm, der Durchbruch. In Hollywood drehte er die Horrorfilme „The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“, „Mirrors“, „Piranha 3D“, „Horns“ (nach dem Roman von Joe Hill) und „Crawl“.

mit Cécile de France, Maïwenn, Philippe Nahon, Franck Khalfoun, Andrei Finti, Oana Pellea

Wiederholung: Samstag, 25. Mai, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „High Tension“

Wikipedia über „High Tension“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexandre Ajas „Crawl“ (Crawl, USA 2019)


TV-Tipp für den 21. Mai: Kinderschänder im Visier

Mai 20, 2024

Arte, 20.15

Kinderschänder im Visier (Frankreich 2024)

Regie: Laetitia Ohnona

TV-Premiere. Spielfilmlanger Dokumentarfilm über Pädokriminelle und die Jagd nach ihnen. Für diese Doku recherchierte Laetitia Ohnona vier Jahre lang in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Nordamerika und den Philippinen bei den zuständigen Behörden, der Europäischen Kommission und Kinderschutzorganisationen.

Hinweis

Arte über die Doku (bis zum 26. August 2024 in der Mediathek)


TV-Tipp für den 20. Mai: Ein verborgenes Leben

Mai 19, 2024

Arte, 20.15

Ein verborgenes Leben (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

TV-Premiere. Malicks meditatives Biopic über Franz Jägerstätter, einen in Oberösterreich lebenden tiefgläubigen Bauern, der 1939 den Treueeid auf Adolf Hitler und irgendeine Teilnahme am Krieg verweigert, ist sein bester und zugänglichster Film seit „Der schmale Grat“ (The thin red Line).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit August Diehl, Valerie Pachner, Maria Simon, Karin Neuhäuser, Tobias Moretti, Ulrich Matthes, Matthias Schoenaerts, Franz Rogowski, Karl Markovics, Bruno Ganz, Michael Nyqvist, Martin Wuttke, Sophie Rois, Alexander Fehling, Joel Basman, Jürgen Prochnow

Wiederholung: Mittwoch, 22. Mai, 14.15 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Ein verborgenes Leben“

Moviepilot über „Ein verborgenes Leben“

Metacritic über „Ein verborgenes Leben“

Rotten Tomatoes über „Ein verborgenes Leben“

Wikipedia über „Ein verborgenes Leben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Pierfrancesco Favino ist „Der Kolibri“

Mai 19, 2024

Francesca Archibugi verfilmte, prominent besetzt mit Pierfrancesco Favino als Marco Carrera und Bérénice Bejo, Laura Morante und Nanni Moretti in wichtigen Nebenrollen, Sandro Veronesis mit dem Premio Strega ausgezeichneten Roman „Der Kolibri“.

Sie erzählt Carreras Leben, wie Veronesi in seinem Roman, nicht chronologisch, sondern assoziativ zwischen den Zeiten springend. Dabei vermeidet sie alles, was einem eine Orientierung geben könnte. Das ist anfangs, wenn mit einem Kameraschwenk Jahrzehnte überbrückt werden, faszinierend. Später frustrierend. Es gibt keine Geschichte, keine Biographie, sondern nur nicht datierte Schnappschüsse aus dem Leben eines 1959 geborenen, zum Großbürgertum gehörenden Italieners, der eine glückliche Jugend erlebt, sich, und das markiert ungefähr den Anfang der nicht chronologisch erzählten Filmgeschichte, als Teenager verliebt, als Erwachsener eine andere Frau heiratet, von seiner Frau betrogen wird, seine Tochter bei einem Unfall verliert, erfolgreich als Augenarzt praktiziert, Abende mit Kartenspielen in mondänen Villen verbringt und als alter Mann im Kreis seiner großen, ihn liebenden Familie und seiner Freunde stirbt.

Carreras Leben wird erzählt als eine ab den frühen siebziger Jahren bis in die nahe Zukunft (Carrera stirbt in der Zukunft) erstreckende Abfolge von mehr oder weniger rätselhaften, nichtssagenden und gleichermaßen bedeutsamen Episoden ohne Anfang und Ende, ohne eine erkennbare Dramaturgie und mit vielen mehr oder weniger großen Auslassungen. Für den Zuschauer ergibt sich höchstens aus der Zahl der grauen Haare auf Carreras Kopf so etwas wie eine rudimentäre, mühsam zusammengepuzzelte Chronologie. Nichts wird konsequent zu Ende erzählt. Alles hängt offen für Interpretationen in der Luft. Am Ende ist nichts wichtig. Carreras Schicksalschläge berühren nicht. Auch weil höchstens erahnbar ist, wie sie Carrera berühren. So wird der Unfalltod seiner Tochter mehrmals als wichtiges Ereignis in Carreras Leben angedeutet, aber schon während ihres Todes gerät sie in Vergessenheit. Er sieht nicht ihre Leiche, es gibt keine Beerdigung, keine Gespräche mit Verwandten und Freunden über ihren Tod und auch keine Trauer. Sie verschwindet einfach, ohne eine Spur zu hinterlassen, aus dem Film. Oder er befreundet sich mit dem Mann, der ihm am Filmanfang von der Untreue seiner Frau erzählt. Wie und warum sie danach zu Freunden werden, bleibt der Fantasie das Zuschauers überlassen. Undsoweiterundsofort.

Der Kolibri“ reiht nur zufällige Ereignisse in einer zufälligen Reihenfolge aneinander und überlässt es dem Zuschauer, darin den Sinn eines Lebens zu entdecken.

Da kann auch der gewohnt überzeugende Pierfrancesco Favino nichts retten.

Der Kolibri (Il colibrì, Italien/Frankreich 2022)

Regie: Francesca Archibugi

Drehbuch: Francesca Archibugi, Laura Paolucci, Francesco Piccolo

LV: Sandro Veronesi: Il colibrì, 2019 (Der Kolibri)

mit Pierfrancesco Favino, Nanni Moretti, Kasia Smutniak, Bérénice Bejo, Laura Morante, Sergio Albelli, Alessandro Tedeschi

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Kolibri“

Rotten Tomatoes über „Der Kolibri“

Wikipedia über „Der Kolibri“ (deutsch, englisch, italienisch)

 


TV-Tipp für den 19. Mai: Eine Farm in Montana

Mai 18, 2024

Arte, 20.15

Eine Farm in Montana (Comes a Horseman, USA 1978)

Regie: Alan J. Pakula

Drehbuch: Dennis Lynton Clark

Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt Frank Athearn nach Montana zurück. Er will dort eine Farm betreiben, gerät in einen Konflikt mit einem Viehbaron, der das Land aufkaufen will, verbündet sich mit einer Rancherin, die ebenfalls um ihr Land kämpft, und eine Ölfirma will Öl fördern.

Schöner, melancholischer Spätwestern, der damals nicht gut aufgenommen wurde. Denn: „Sie erwarteten von Pakula neue Impulse für das Western-Genre. Doch viele der Überzeugungen, die die Figur von Jane Fonda auszeichnen und die Jane Fonda selbst damals vertrat, gehören zur Grundausstattung des Westerns: die Schlechtigkeit der Großgrundbesitzer, die Liebe zur Natur und die Nähe der Ölmanager zum Gaunertum. In einem Film der fest in der Jetztzeit angesiedelt ist, wären diese Motive revolutionär, aber im Western klingen sie abgedroschen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

Das Drehbuch erhielt 1979 den Spur Award der Western Writers of America.

Beginn eines fondastischen Abends. Danach, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die Doku „Jane Fonda – Eine Rebellin in Hollywood“ und um 23.05 Uhr den SF-Klassiker „Barbarella“.

mit James Caan, Jane Fonda, Jason Robards, George Grizzard, Richard Farnsworth, Jim Davis, Mark Harmon, James Keach

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Eine Farm in Montana”

Wikipedia über „Eine Farm in Montana“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 18. Mai: Jurassic Park

Mai 17, 2024

ZDFneo, 20.15

Jurassic Park (Jurassic Park, USA 1993)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Michael Crichton, David Koepp

LV: Michael Crichton: Jurassic Park, 1990 (DinoPark, Jurassic Park)

Milliardär John Hammond will einigen Wissenschaftlern vor der großen Eröffnung seinen neuen Vergnügungspark präsentieren. Auf einer Tropeninsel hat er ein Disneyworld mit echten Dinosauriern erschaffen. Dummerweise geht bei der Präsentation etwas schief und die Dinos beginnen die Menschen über die Insel zu jagen.

Unglaublich erfolgreiche Bestsellerverfilmung mit mehreren direkten Fortsetzungen. Sensationell waren damals die am Computer entstandenen Dinosaurier; wobei Spielberg sich auch auf bewährtes Trickhandwerk verließ.

Um 22.10 Uhr zeigt ZDFneo „Vergessene Welt: Jurassic Park“ (USA 1997) und um 00.05 Uhr „Jurassic Park 3“ (USA 2001).

mit Sam Neill, Laura Dern, Jeff Goldblum, Richard Attenborough, Bob Peck, Martin Ferrero, B. D. Wong, Samuel L. Jackson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jurassic Park“

Wikipedia über „Jurassic Park“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „West Side Story“ (West Side Story, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Fabelmans“ (The Fabelmans, USA 2022)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ (Jurassic World: Dominion, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „IF: Imaginäre Freunde“ auf der Suche nach neuen und alten Freunden

Mai 17, 2024

Die zwölfjährige Bea muss in New York einige Tage bei ihrer Oma, die sie seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, verbringen. Ihr Vater, ein immer gut gelaunter Spaßmacher, der sich seine kindliche Seite bewahrt hat, liegt dort im Krankenhaus. Der alleinerziehende Witwer wartet auf eine Operation, über die wir nichts genaues erfahren, weil seine Krankheit nicht im Zentrum der Filmgeschichte steht.

Bea wird in ihrem Kinderzimmer einquartiert. Zufällig entdeckt sie, dass in dem Apartment über ihrem Zimmer einige ungewöhnliche und seltsam aussehenden Wesen leben, die nur sie sehen kann. Diese Wesen, wie eine Schmetterlingsdame mit riesigen Augen, verschiedene Teddybären und ein riesiges, unförmiges Plüschwesen, waren früher „Imaginäre Freunde“ von Kindern. Als die Kinder älter wurden, haben sie ihre imaginären Freunde vergessen. Einige IFs leben zusammen mit Cal. Viele weitere IFs leben in einem Altersheim für IFs, das sie lieber gestern als heute verlassen würden. Für diese IFs sucht Cal Kinder, die sie als IFs akzeptieren. Das ist leichter gedacht als verwirklicht. Eine Freundschaft kann nämlich nur entstehen, wenn das Kind ein IF erkennt. Und Kinder können da sehr wählerisch sein.

Bea, die in New York keine Freunde hat, will Cal und den IFs helfen. Als die Suche nach neuen Freunden für die IFs erfolglos verläuft, schlägt sie vor, anstatt neue Freunde zu suchen, einfach wieder die alten Freunde zu besuchen und sie zu fragen, ob sie ihre Freundschaft zu ihrem imaginärem Freund erneuern wollen. Auch das ist leichter gesagt als getan.

Das Konzept eines Imaginären Freundes ist ohne große Erklärungen verständlich und ein Imaginärer Freund kann einem Kind bei seiner Entwicklung helfen. Es scheint sich dabei um eine Idee zu handeln, die in den USA verbreiteter als in Deutschland ist. Jedenfalls zuckten die Eltern, mit denen ich mich in den vergangenen Tagen und Wochen darüber unterhielt, hilflos mit den Schultern. Sie oder ihre Kinder hatten fast alle keine imaginären Freunde. Ob solche imaginären Freunde jetzt etwas gutes oder etwas schlechtes sind, mögen andere beurteilen.

Im Film „IF: Imaginäre Freunde“ sind sie jedenfalls gute, nette, wohlwollende, manchmal tapsige Gesellen und eine Verbindung zur Fantasie der Kindheit. Geschrieben und inszeniert wurde der Film von John Krasinski, der zuletzt Horror- und Science-Fiction-Fans mit seinen beiden „A Quiet Place“-Filmen begeisterte. Jetzt drehte er einen Film, der wohl eine Fantasy-Komödie für Kinder mit Disney-Touch sein soll und bei dem die Schauspieler mit animierten Figuren interagieren. Früher, beispielsweise in „Elliot, das Schmunzelmonster“ oder in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, agierten Schauspieler mit Zeichentrickfiguren. Heute agieren sie mit CGI-Figuren, die in diesem Fall auf den ersten Blick als Trickfiguren erkennbar sind. Das ist durchaus gut gemacht.

Aber ein Film besteht nicht nur aus bunten Bildern. Und schon sind wir bei den Problemen von „IF: Imaginäre Freunde“. Für eine Komödie gibt es zu wenig zu lachen. Auch schmunzeln fällt schwer. Es herrscht immer ein forcierter Humor. Er missachtet die Regeln die er aufstellt, nach Belieben. So sollen nur Bea, Cal und der Freund des IFs einen IF sehen können. So sind IFs imaginäre Wesen. Trotzdem gibt es immer wieder Szenen, die gegen diese Regeln verstoßen. Die Story ist während des Sehens nicht erkennbar. Es ist einfach unklar, worum es geht und warum es wichtig ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es ist auch unklar, warum es wichtig ist einen IF zu haben; oder anders gesagt: was tut ein IF für seinen Freund? Die Schlußpointe erklärt dann einiges. Gleichzeitig hat sie ihre eigenen Probleme. Das erkennbare Thema des Films, der Verlust der Kindheit und die Aufforderung sich diese Kindheit zurückzuholen, richtet sich dann nicht an Kinder (die haben ihre IFs ja noch), sondern an Erwachsene; also an die Erwachsenen, die einen IF hatten und jetzt die Gefühle und Freundschaften ihrer Kindheit verdrängt haben.

IF: Imaginäre Freunde“ ist ein Möchtegern-Disney-Film, dem die Magie und der Charme eines guten Disney-Films fehlt.

IF: Imaginäre Freunde (IF, USA 2024)

Regie: John Krasinski

Drehbuch: John Krasinski

mit Cailey Fleming, Ryan Reynolds, John Krasinski, Fiona Shaw, Liza Colón-Zayas, Alan Kim

(im Original den Stimmen von) Steve Carell, Phoebe Waller-Bridge, Louis Gossett Jr., Emily Blunt, Matt Damon, Maya Rudolph, Jon Stewart, Sam Rockwell, Sebastian Maniscalco, John Krasinski, Christopher Meloni, Richard Jenkins, Awkwafina, George Clooney, Keegan-Michael Key, Matthew Rhys, Bradley Cooper, Blake Lively, Amy Schumer, Brad Pitt

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Rick Kavanian, Christiane Paul, Lina Larissa Strahl, herrH

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „IF: Imaginäre Freunde“

Metacritic über „IF: Imaginäre Freunde“

Rotten Tomatoes über „IF: Imaginäre Freunde“

Wikipedia über „IF: Imaginäre Freunde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place“ (A quiet Place, USA 2018)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place 2“ (A Quiet Place: Part II, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Nightwatch: Demons are forever“ in der Leichenhalle

Mai 17, 2024

Dreißig Jahre nach seinem Debüt, dem international erfolgreichen Thriller „Nightwatch – Nachtwache“, erzählt Ole Bornedal die Geschichte von seinem immer noch bekanntesten Film mit den damaligen Hauptdarstellern Nikolaj Coster-Waldau, Kim Bodnia und Ulf Pilgaard und einigen Neuzugängen weiter.

Zuerst wirkt Bornedals Fortsetzung „Nightwatch: Demons are forewer“ wie ein Remake des grandiosen Originals mit geänderten Geschlechterrollen. Damals arbeitete Jurastudent Martin (Nikolaj Coster-Waldau) als Nachtwächter in der Gerichtsmedizin. Er begegnete dabei dem Serienmörder Wörmer (Ulf Pilgaard), der ihn, seinen besten Freund Jens (Kim Bodnia) und seine Freundin töten wollte.

Heute, dreißig Jahre später, nimmt Martins Tochter Emma, gespielt von Ole Bornedals Tochter Fanny Leander Bornedal mit einnehmendem Das-Mädchen-von-nebenan-Charme, einen Job als Nachtwächterin in eben diesem Institut für Rechtsmedizin Kopenhagen an. Die Medizinstudentin will mehr über die damaligen Ereignisse erfahren – und hält eine Arbeit an dem Ort, an dem es vor dreißig Jahren geschah, für einen guten Startpunkt für ihre Erforschung der Familiengeschichte.

Während sie in ihren Nachtwachen das Institut erkundet und mit ihren Freunden abhängt, lungert ihr Vater antriebslos auf der Couch herum. Meist schafft er es noch nicht einmal, die ihm von seinem Arzt verschriebenen Tabletten einzunehmen. Er hat offensichtlich die dreißig Jahre zurückliegenden Ereignisse immer noch nicht verarbeitet.

In dem Moment weiß Emma noch nicht, dass auch der Serienmörder Wörmer die Nacht überlebt hat. Er sitzt in einer Psychiatrie. Und jetzt begebe ich mich in das Minenfeld zwischen spoilern und ‚ist doch eh klar‘: Wörmer hat eine Tochter, deren Identität erst im Finale enthüllt wird, und es gibt jemand, der wie Wörmer mordet. Das erste Mal ungefähr in der Mitte des Films.

Bis dahin gibt es Trauer auf der Couch, Langeweile am Arbeitsplatz und Abhängen mit anderen Studierenden.

Bornedal schleppt den schon am Filmanfang angedeuteten, äußerst vorhersehbaren Thrillerplot ziemlich unlustig durch den Film. Er zieht sich wie Kaugummi und wird immer wieder über weite Strecken ignoriert. Beispielsweise wenn Martins Freund Jens nach jahrzehntelanger Abwesenheit in Thailand überraschend nach Dänemark zurückkehrt, er mit Martin in Erinnerungen schwelgt und sie nachts ein menschenleeres Fußballstadion besuchen. In den Momenten ahnt man, dass es Bornedal weniger um einen weiteren vorhersehbaren Serienkillerthriller, sondern mehr um eine psychologische Studie und eine Auseinandersetzung mit der Verabeitung traumatischer Erlebnisse geht. Dummerweise bleibt er hier an der Oberfläche. Alle, die damals involviert waren, scheinen die damaligen Ereignisse auf die gleiche Art zu verarbeiten. Nach den damaligen Gewalterfahrungen kapseln sie sich über dreißig Jahre ein. Eine Therapie lehnen sie ab. Sie würde eh nichts ändern.

Das verkürzt die Erkenntnisse der Traumaforschung und wie Trauma teils über Generationen weitergegeben werden, auf nur eine einzige Form der Verarbeitung. Das ist Quatsch und in dieser Häufung in der Realität unrealistisch. Im Film ist das anders. Da kann der Regisseur sich Freiheiten nehmen. Wenn es sich nicht um die möglicherweise sogar grotesk übersteigerte Reaktion einer Figur auf ein Ereignis handelt, kann das zu einem spannendem Film führen. Wenn, wie hier, in einem Film ungefähr alle Hauptpersonen gleich auf ein Ereignis reagieren, langweilt man sich dagegen schnell.

In Bornedals Remake/Reboot/Weitererzählung seines Spielfilmdebüts behindern die einzelnen Teile und Plots sich gegenseitig. Für einen Thriller ist „Nightwatch: Demons are forever“ zu lahm. Für eine psychologische Studie zu oberflächlich. Und für ein Coming-of-Age-Drama zu wenig interessiert an Emma. Immerhin wissen wir, mit einem Blick auf Martin, Jens und den Filmtitel „Demons are forever“, welche ewig währenden dämonischen Nachwirkungen ein Kampf gegen einen Serienkiller auf die Psyche hat.

Nightwatch: Demons are forever (Nattevagten 2 – Dæmoner går i arv, Dänemark 2023)

Regie: Ole Bornedal

Drehbuch: Ole Bornedal

mit Fanny Leander Bornedal, Nikolaj Coster-Waldau, Kim Bodnia, Sonja Richter, Paprika Steen, Vibeke Hastrup, Ulf Pilgraad

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nightwatch: Demons are forever“

Metacritic über „Nightwatch: Demons are forever“

Rotten Tomatoes über „Nightwatch: Demons are forever“

Wikipedia über „Nightwatch: Demons are forever“ (deutsch, dänisch)

Meine Besprechung von Ole Bornedals „Small Town Killers“ (Dræberne fra Nibe, Dänemark 2016)


TV-Tipp für den 17. Mai: Selma

Mai 16, 2024

SWR, 00.15

Selma (Selma, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Ava DuVernay

Drehbuch: Paul Webb

Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.

Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.

Das grandiose und wichtige Drama/Biopic „Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal. DuVernays Film wurde von der Kritik abgefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston

Hinweise

Moviepilot über „Selma“

Metacritic über „Selma“

Rotten Tomatoes über „Selma“

Wikipedia über „Selma“ (deutsch, englisch) und Martin Luther King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ava DuVernays „Selma“ (Selma, USA/Großbritannien 2014 – mit etlichen YouTube-Clips) und der DVD


TV-Tipp für den 16. Mai: Jackie Chan – Stadt der Gewalt

Mai 15, 2024

Tele 5, 22.05

Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)

Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)

Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts reist der arme chinesische Arbeiter Tietou (Jackie Chan) illegal nach Japan. Er sucht seine Freundin Xiu Xiu und schlägt sich in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien durch. Da erfährt er, dass Xiu Xiu inzwischen die Frau eines Yakuza-Bosses ist.

TV-Premiere – eines Jackie-Chan-Films der bei uns bereits 2010 auf DVD erschien. Noir-Drama mit einer ordentlichen Portion Action, das vor allem als Gangsterdrama mit Botschaft überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist Jackie Chan in einer ungewohnt ernsten Rolle, die ihn vor allem als Schauspieler fordert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei

Wiederholung: Freitag, 17. Mai, 23.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stadt der Gewalt“ 

Wikipedia über „Stadt der Gewalt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Yees „Stadt der Gewalt“ (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)


TV-Tipp für den 15. Mai: Titane

Mai 14, 2024

Arte, 22.15

Titane (Titane, Frankreich 2021)

Regie: Julia Ducournau

Drehbuch: Julia Ducournau

Seit ihrer Kindheit hat Alexia (Agathe Rousselle) in ihrem Kopf eine Titanplatte. Als junge Frau arbeitet sie als Tänzerin in einer sexuell extrem aufgeladenen Autoshow und hat Ärger mit einem übergriffigem Gast. Sie tötet ihn – und tötet, ohne an die Konsequenzen zu denken, munter weiter.

Kurz darauf wird sie als Serienkillerin gesucht. Sie nimmt eine falsche Identität an und versteckt sich in einer einsam gelegenen Feuerwehrstation unter den jungen Feuerwehrmännern.

TV-Premiere. Gutaussehender, auf Skandal getrimmter Body-Horrorfilm, der vor allem in der ersten Hälfte blutig überzeugt. In Cannes gab es dafür 2021 die Goldene Palme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Vincent Lindon, Agathe Rousselle, Garance Marillier, Lais Salameh

Hinweise

AlloCiné über „Titane“

Moviepilot über „Titane“

Metacritic über „Titane“

Rotten Tomatoes über „Titane“

Wikipedia über „Titane“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Julia Ducournaus „Titane“ (Titane, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 14. Mai: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

Mai 13, 2024

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche” eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.

Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.

Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan

Hinweise

Wikipedia über Lars Becker

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Mai: Nordsee ist Mordsee

Mai 12, 2024

NDR, 23.15

Nordsee ist Mordsee (Deutschland 1976)

Regie: Hark Bohm

Drehbuch: Hark Bohm

Die Vierzehnjährigen Uwe Schiedrowsky (Uwe Enkelmann, heute bekannter als Uwe Bohm und am 8. April 2022 viel zu früh verstorben) und Dschingis Ulanow (Dschingis Bowakow) leben in einem Sozialen Wohnungsbau auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg. Zuerst streiten sie sich. Später fahren sie auf einem selbst gebauten Schiff Richtung Nordsee.

Ein Klassiker des deutschen Films und des Jugendfilms, der damals für Kontroversen sorgte und ein Kinohit war.

Heute ist der Jugendfilm fast vergessen. Deshalb könnte die heutige Ausstrahlung für einige eine Wiederentdeckung, für andere eine Neuentdeckung sein. Für Kinder und Jugendliche, die Zielgruppe des Films, sollte er natürlich nicht um Mitternacht, sondern am Nachmittag gezeigt werden.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ und Fatih Akins Verfilmung verdanken diesem Film einiges.

Die Musik ist von Udo Lindenberg.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung, die auch die damalige Kontroverse um die Freigabe des Films beleuchtet.

mit Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow, Günter Lohmann, Corinna Schmidt, Ingrid Boje, Gerhard Stöhr, Rolf Becker

Hinweise

Filmportal über „Nordsee ist Mordsee“

Wikipedia über „Nordsee ist Mordsee“

Die Zeit: Hans C. Blumenberg über „Nordsee ist Mordsee“ (30. April 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ (Deutschland 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Moritz, lieber Moritz“ (Deutschland 1978)


TV-Tipp für den 12. Mai: Collateral

Mai 11, 2024

Arte, 20.15

Collateral (Collateral, USA 2004)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Collateral“

Wikipedia über „Collateral“ (deutsch, englisch)

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Mai: Super 8

Mai 10, 2024

ZDFneo, 20.15

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Wiederholung: Sonntag, 12. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Oskar Roehlers Mediensatire „Bad Director“

Mai 10, 2024

Gregor Samsa ist Ende fünfzig und ein dauerfrustrierter, Drogen konsumierender und Sex kaufender Regisseur. Beim Empfang des Deutschen Filmpreises steht er trinkend und lästernd in einer Ecke. Am nächsten Tag stolpert er über das Set für seinen neuen Film. In den Stunden vor dem Beginn der Dreharbeiten will jeder vom Team irgendetwas von ihm. Er muss über Socken und Hintergrundfarben diskutieren und die Marotten seiner Hauptdarsteller ertragen. Dabei möchte er nur seine Ruhe haben und ununterbrochen über Gott, die Welt und das Filmbusiness ablästern.

Bad Director“ ist der neue Film von Oskar Roehler und es ist ein typischer Roehler-Film. Denn es ist kein Film, den man sich gleichgültig ansieht. Es ist ein Film, den man liebt oder hasst. Und ob man ihn liebt oder hasst, weiß man schon nach den erste Minuten.

Roehler lässt in seinem neuesten Film keine Provokation, Peinlichkeit und Geschmacklosigkeit aus. „Bad Director“ ist ein bewusst schlechter Film, der das in jeder Szene zeigt. „Bad Director“ ist außerdem ein äußerst selbstironisches Werk, bei dem jeder darüber rätseln kann, wieviel Roehler in Samsa steckt. Schließlich beutete Roehler in der Vergangenheit seine Leben für seine Filme aus und gab das auch immer offen zu.

Oliver Masucci spielt in seinem dritten Roehler-Film diesen Gregor Samsa, gewohnt überzeugend und als Roehler-Lookalike kaum erkennbar unter der Maske, als satirisch übersteigertes Abbild des verachtenswerten Alten Weißen Mannes, der zwischen Selbstzweifel, Selbstmitleid, (Selbst)hass und Größenwahn schwankt, dabei ungefiltert seine Gedanken in endlosen Ergüssen hinausposaunt. Für ihn sind alle andere Menschen Idioten.

Roehler inszenierte sein Porträt des titelgebenden schlechten Regisseurs als bewusst schlechten, primitiven und tabulosen Film. Eine Geschichte hat „Bad Director“ nicht. Es ist ein über zweistündiger Rant voller peinlicher Fremdschäm-Momente, die normalerweise mit einer starren Kamera und wenigen Schnitten aufgenommen wurden. Niemand kommt unbeschadet aus dem Film heraus. Weder der Regisseur, noch die Schauspieler des fiktiven Films (die beim Erarbeiten oder Diskutieren mit Samsa über ihre Figuren wunderschön peinliche Szenen haben) oder der Produzent des Films oder die Prostituierten, die Samsa regelmäßig besucht und von denen er eine zu seiner Muse auserwählt. Nur die mehr oder weniger stumm in der Kulisse herumstehenden Menschen, die hinter der Kamera an Samsas Film mitwirken, kommen besser weg.

Bad Director“ ist, basierend auf Roehlers Buch „Selbstverfickung“, ein hemmungsloser Rundumschlag, bei dem alles und jeder gnadenlos durch den Kakao gezogen wird. Besonders schlecht kommt dabei „Bad Director“ Samsa weg. Schon in der ersten Minute etabliert und demontiert Roehler Samsa gründlich als lächerlichen Helden, der keinerlei Mitleid verdient.

Insofern ist „Bad Director“, eine köstliche, vor Selbstironie strotzende Mediensatire, die mit 131 Minuten, wie jeder Rant, zu lang geraten ist.

Bad Director (Deuschland 2023)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

LV: Oskar Roehler: Selbstverfickung, 2017

mit Oliver Masucci, Bella Dayne, Anne Ratte-Polle, Elie Kaempfen, Götz Otto, Jürgen Tröster, Anton Rattinger, Norbert Ghafouri, Samuel Finzi

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Bad Director“

Moviepilot über „Bad Director“

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „HERRliche Zeiten“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 10. Mai: „Planet der Affen“ – Meilenstein der Science-Fiction

Mai 9, 2024

Arte, 21.40

Planet der Affen“ – Meilenstein der Science-Fiction (Frankreich 2023)

Regie: Antoine Coursat

Brandneue, knapp einstündige Doku über den ersten „Planet der Affen“-Film, die weiteren Filme und, selbstverständlich, den Roman, mit dem alles begann.

Antoine Coursats Doku ist die passende Ergänzung zu dem seit Dienstag im Kino laufendem „Planet der Affen“-Film „New Kingdom“, der die Geschichte gelungen weitererzählt.

P. S.: Schade, dass Arte nicht vorher oder nachher den erste „Planet der Affen“-Film zeigt.

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über das „Planet der Affen“-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre Boulles „Planet der Affen“ (La Planète des Singes, 1963)

Meine Besprechung von Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“ (Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm, 2014)

Meine Besprechung von Matt Reeves‘ „Planet der Affen: Revolution“ (Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014)

Meine Besprechung von Matt Reeves‘ „Planet der Affen: Survival“ (War for the Planet of the Apes, USA 2017)

Meine Besprechung von Wes Balls „Planet der Affen: New Kingdom“ (Kingdom of the Planet of the Apes, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Robot Dreams“ benötigen keine Worte

Mai 9, 2024

In den achtziger Jahren lebt er in Manhattan in einem kleinen Apartment. Er liebt Filme und Musik. Er scheint ein netter Kerl zu sein. Aber er lebt allein. Seine Abende verbringt er vor dem Fernseher. Und, oh, er ist ein Hund.

In dem von Sara Varon in ihrem Comic „Robot Dreams“ gezeichneten New York ist das keine große Sache. In Pablo Bergers auf dem Comic basierendem Animationsfilm „Robot Dreams“ auch nicht. Es ist eine anthropomorphe Welt, in der Tiere mit menschlichem Verhalten, Problemen und Sorgen in einer auf den ersten Blick erkennbaren Großstadt leben und die Leiden, Sorgen und Sehnsüchte von Menschen haben.

Um etwas gegen seine Einsamkeit zu tun, bestellt Hund sich eines Tages einen Roboter. Wenige Tage später erhält er ein großes Paket und eine Bauanleitung. Er baut Robo, ein rührend altmodischer Blechroboter, der direkt aus einem Fünfziger-Jahre-Science-Fiction-Film stammen könnte, in seiner Wohnung zusammen. Über den Sommer erkunden sie gemeinsam die Stadt. Endlich hat Hund seinen Freund fürs Leben, mit dem er alles teilen kann, gefunden. Dieses neue Leben endet abrupt, als er seinen Freund am Badestrand von Coney Island zurücklassen muss und der Strand wenige Stunden später wegen des Saisonendes abgeschlossen wird.

In den kommenden Monaten versucht Hund seinen nach einem fröhlichem Bad im Meer verrosteten und deshalb bewegungslos am Strand liegenden Freund Robo aus seiner misslichen Lage zu befreien. Gleichzeitig lernt Hund neue Freunde kennen. Und auch Robo erlebt am Strand einiges.

Pablo Bergers neuer Film ist ein wunderschöner Animationsfilm für die ganze Familie, der ganz ohne Dialoge auskommt. Denn wahre Freundschaft benötigt keine Worte. Die Welt, das New York der achtziger Jahre, wird detailfreudig zum Leben erweckt. Die in der Großstadt lebenden, ähem, Wesen sind mit wenigen Strichen individuell gezeichnet. Nebenbei werden Anspielungen auf andere Filme eingebaut. Und die kluge Musikauswahl kommentiert das Geschehen.

Während Kinder sich wahrscheinlich über Robo, Hund und die anderen menschenähnlichen Tiere freuen, werden ältere Semester über den Wert von Freundschaft, die erste Liebe, Vergänglichkeit und die Akzeptanz von Verlusten nachdenken.

Robot Dreams“ ist ein lebensbejahender, bittersüßer, humorvoller und sehr kluger Animationsfilm über große Themen für Menschen jeden Alters.

Zu den früheren Werken des Spaniers Pablo Berger gehört „Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiß“.

Robot Dreams (Robot Dreams, Spanien/Frankreich 2023)

Regie: Pablo Berger

Drehbuch: Pablo Berger

LV: Sara Varon: Robot Dreams, 2007 (Robo und Hund)

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Robot Dreams“

Metacritic über „Robot Dreams“

Rotten Tomatoes über „Robot Dreams“

Wikipedia über „Robot Dreams“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Mai: The Town – Stadt ohne Gnade

Mai 8, 2024

Tele 5, 20.15

The Town – Stadt ohne Gnade (The Town, USA 2010)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Peter Craig, Aaron Stockard

LV: Chuck Hogan: Prince of Thieves, 2004 (Endspiel)

Bankräuber Doug MacRay überfällt mit drei Freunden eine Bank und verliebt sich anschließend in die Filialleiterin, die sie auf der Flucht als Geisel mitgenommen hatten. Jetzt will er aussteigen. Davor muss er allerdings noch seinen letzten Coup durchführen.

Nach der tollen Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone“ blieb Ben Affleck in seiner zweiten Regiearbeit dem Genre und Boston treu. „The Town“ ist gutes altmodisches Erzählkino, bei dem die Story, die Charaktere und ihr Umfeld im Vordergrund stehen. In seinen wenigen Actionszenen und in der Struktur erinnert „The Town“ teilweise an Michael Manns „Heat“ – und das ist durchaus anerkennend gemeint. Ein feiner Gangsterfilm.

Da ist es auch egal, dass die Zahl der Banküberfälle in Boston viel geringer ist, als im Film behauptet wird und dass das Viertel Charlestown in den vergangenen Jahrzehnten gentrifiziert wurde. Jetzt sitzen da ganz andere Räuber.

Chuck Hogan erhielt für seinen Roman „Endspiel“, der Vorlage für „The Town“, den Hammett-Preis und auch Stephen King (ein passionierter Blurber) war begeistert.

mit Ben Affleck, Rebecca Hall, Jon Hamm, Jeremy Renner, Pete Postlethwaite, Chris Cooper

Wiederholung: Freitag, 10. Mai, 00.30 Uhr (Taggenau! – Und um die Uhrzeit sollte in jedem Fall die ungekürzte Kinoversion gezeigt werden)

Hinweise

Metacritic über “The Town”

Rotten Tomatoes über “The Town”

Wikipedia über “The Town” (deutsch, englisch)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (24. August 2010)

The Boston Magazine: Interview mit Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Phoenix: Eugenia Williamson trifft Chuck Hogan (15. September 2010)

The Boston Globe: Billy Baker über das heutige Charlestown (18. September 2010)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung “Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel” (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks “Argo” (Argo, USA 2012)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Air – Der große Wurf“ (Air, USA 2023)

Meine Besprechung von Guilermo del Toro/Chuck Hogans „Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ (The Hollow Ones, 2020)