Neu im Kino/Filmkritik: Der Hit Man erlebt „A Killer Romance“

Juli 5, 2024

In seinem Hauptberuf ist Gary Johnson (Glen Powell) Psychologie-Professor. Er sieht, obwohl sein Studium schon lange zurückliegt, immer noch wie ein sympathisch verpeilter Philosophie-Student aus, der keinerlei Wert auf sein Äußeres legt. Auch sein Auto und seine Wohnung strahlen immer noch einen studentischen Flair aus. Gary ist die menschgewordene Wohlfühlzone.

In seinem Nebenberuf ist er ein Killer, ein Hit Man, der für Geld andere Menschen umbringt. Das sagt er jedenfalls zu seinen Klienten, die ihn mit einem Mord beauftragen und ihm dafür Geld geben. Danach werden sie verhaftet. Denn Gary ist ein Undercover-Agent der Polizei von New Orleans. Das wurde er eher zufällig. Davor half er der Polizei bei der Technik und alle mögen den sympathischen Lehrer. Als bei einem geplanten Undercover-Einsatz der eigentlich zuständige Beamte verhindert ist, wird Gary von den anderen Polizisten gedrängt, schnell einzuspringen. Er tut es. Er improvisiert. Er kann genug Beweise für eine Verhaftung sammeln. Weil er so überzeugend agierte, wird er für weitere Einsätze engagiert.

Schnell professionalisiert er seine Auftritte als Killer. Wie ein Method Actor fühlt er sich in verschiedene Killertypen ein, rekreiert bekannte Killer nach und er wird zu dem Killertyp, den der Auftraggeber wahrscheinlich mit der Tat beauftragen würde.

Das funktioniert alles prächtig, bis Gary auf Madison Masters (Adria Arjona) trifft. Sie möchte, dass er ihren gewalttätigen Mann ermordet. Aber dieses Mal nimmt er nicht das Geld und liefert sie der Justiz aus, sondern er verliebt sich in sie. Und sie verliebt sich in ihn; also in den vom ihm für sie gespielten Killer. Und schon beginnen die Probleme.

In dem Moment wandelt Richard Linklaters neuer, äußerst entspannt erzählter Film sich von einer Krimikomödie mit der Betonung auf Komödie in eine Noir-Liebesgeschichte.

Gary Johnson gab es wirklich. In den späten neunziger Jahren war er in und um Houston ein Lehrer (Teilzeit), städtischer Angestellter und der Mann, der für die Polizei als angeblicher Killer zahlreiche Täter überführte.

Richard Linklater verlegte die Geschichte in die Gegenwart, veränderte den Handlungsort und nahm sich weitere künstlerische Freiheiten. Entstanden ist eine wunderschön entspannte, leicht subversive, schwarzhumorige Krimikomödie, die immer mal wieder ihren Plot verliert. Aber das gleicht sie durch ihr spielfreudiges Ensemble aus. Im Mittelpunkt steht dabei der von Glen Powell gespielte Gary Johnson. „A Killer Romance“ ist die vierte Zusammenarbeit von Powell und Linklater. Er spielte in Linklaters Filmen „Fast Food Nation“, „Everybody Wants Some!!“ und „Apollo 10 ½: Eine Kindheit im Weltraumzeitalter“ mit. Im Geschäft ist der 1988 geborene Schauspieler seit über zwanzig Jahren. Seit 2003 spielte er, meistens unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit, in zahlreichen TV-Serien und Filmen, wie „The Dark Knight rises“ (als Trader #1), „The Expendables 3“, „Ride Along: Next Level Miami“ und „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ und „Deine Juliet“, mit. Jetzt ist er, dank der Hits „Top Gun: Maverick“ und „Wo die Lüge hinfällt“ auf dem Weg zum Star. Sein nächster Film ist das Blockbuster-Spektakel „Twister“. In „A Killer Romance“ zeigt er seine Wandlungsfähigkeit und dass er ein Gespür für gute Stoffe hat.

Und Richard Linklater hat mal wieder einen richtig guten Film gedreht.

A Killer Romance (Hit Man, USA 2023)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater, Glen Powell

LV: Skip Hollandsworth: Hit Man, 2001 (Texas Monthly, Reportage)

mit Glen Powell, Adria Arjona, Retta, Austin Amelio, Molly Bernard, Sanjay Rao

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „A Killer Romance“

Metacritic über „A Killer Romance“

Rotten Tomatoes über „A Killer Romance“

Wikipedia über „A Killer Romance“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood erklärt einen eindeutigen Sieg für die Fantasie

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Richard Linklater in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 5. Juli: Female Agents – Geheimkommando Phoenix

Juli 4, 2024

BR, 22.50

Female Agents – Geheimkommando Phoenix (Les femmes de l’ombre, Frankreich 2008)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud

Frankreich, 1944: fünf Frauen sollen einen britischen Geologen, bevor er einem SS-Oberst in die Hände fällt, aus Frankreich herausschleusen.

Starbesetzter Thriller, der es bei uns, wie Salomés und Vachauds vorheriger, ebenfalls sehenswerter Abenteuerthriller „Arsène Lupin“, nur auf DVD erschien.

„Auf Ausstattung und Spannung setzendes Kriegs- und Agentendrama, das sich erfolgreich um eine Balance zwischen anspruchsvollem Unterhaltungskino und einer Würdigung der Nazi-Opfer bemüht.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Das übliche Agentenfilmgenre wird hier doppelt gebrochen: (…) Obwohl der Film am Ende pathetisch den französischen Résistance-Kämpferinnen huldigt, ist er weniger ein Kriegsdrama denn ein auf Spannung getrimmter Thriller. Das hat er durchaus mit „Operation: Walküre“ gemein.“ (Die Welt)

„it’s all played with gusto and it’s actually a more enjoyable piece of work than Paul Verhoeven’s much-praised wartime drama Black Book.“ (Guardian)

„an old-fashioned period adventure that radiates star wattage but doesn’t exactly shine in the script department. A sort of „Girls With Guns 2“ for helmer Jean-Paul Salome, pic has a slick look and exciting WWII setting that help plaster over its generic feel and generally one-note performances („Look determined!“ must have been Salome’s chief instruction).“ (Variety)

mit Sophie Marceau, Julie Depardieu, Marie Gillain, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch

Hinweise

AlloCiné über „Female Agents“

Rotten Tomatoes über „Female Agents“

Wikipedia über „Female Agents“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Die Gewerkschafterin“ ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Yorgos Lanthimos erzählt von „Kinds of Kindness“

Juli 4, 2024

You miss a very big aspect of the human experience if you take yourself too seriously.

Yorgos Lanthimos

Yorgos Lanthimos‘ neuer Film, wieder mit Emma Stone, dürfte die Fans von „Poor Things“ nachhaltig irritieren und verstören. „Kinds of Kindness“ knüpft da eher an seinen von mir nicht gemochten „The Killing of a sacred Deer“ an.

In seiner neuen, fast dreistündigen Satire erzählt er hintereinander drei nur sehr, sehr lose, fast überhaupt nicht miteinander verbundene Geschichten. In der ersten Geschichte „The Death of R. M. F.“ tut ein offensichtlich hochrangiger Büroangestellter alles für seinen Chef. Robert lässt sich Tag und Nacht von Raymond kontrollieren, berichtet ihm über alles, auch seinen Stuhlgang und sein Sexleben, und tut alles, was sein Vorgesetzter von ihm möchte. Dabei erstrecken sich Raymonds teils bizarren Wünsche und Forderungen auch und vor allem auf sein Privatleben.

Als Robert einen tödlichen Unfall, bei dem R. M. F., der Fahrer des anderen Autos, sterben soll, nicht ausführen kann, entzieht Raymond ihm seine Gunst und alle Privilegien, wozu auch seine Wohnung und seine Frau (frag nicht, lange Geschichte) gehören. Robert will wieder seine alte Position haben.

In der zweiten Geschichte „R. M. F. Is flying“ verschwindet die Frau des Polizisten Daniel spurlos im Ozean. Entgegen aller Erwartungen wird Liz lebendig gefunden. Als sie zu ihm zurückkehrt, glaubt Daniel, dass Liz eine andere Person ist. Sie verhält sich anders und hat bestimmte Dinge, wie ihren Lieblingssong, vergessen. Daniel wird darüber zunehmend paranoid, wird suspendiert und verbringt viel Zeit mit seiner Frau in ihrem gemeinsamen Haus. Da fordert er sie auf, sich zu verletzen.

In der dritten und letzten Geschichte des Films, „R. M. F. eats a Sandwich“ suchen die ‚Arbeitskollegen‘ Emily und Andrew für eine von einem Reinheitswahn besessene Sekte nach einer Frau, die Tote wiedererwecken kann. Bis jetzt ohne Erfolg.

Als Sektenführer Omi sie auf eine neue potentielle Kandidatin ansetzt, könnten sie die Frau gefunden haben. Jedenfalls häufen sich die merkwürdigen Ereignisse. So hat Emily sie in einem Traum gesehen. Sie werden in einem Restaurant von einer Frau angesprochen, die sagt, sie wisse, wer sie seien und sie habe eine Zwillingsschwester, die die Gesuchte sein könnte.

Nachdem Emily von ihrem Ex-Mann vergewaltigt wird, wird sie als contaminierte Person aus der Sekte geworfen. Emily will, wie Robert in der ersten Geschichte, wieder in die Sekte und von Omi aufgenommen werden. Fanatisch beginnt sie die auserwählte Frau zu suchen. Und ab jetzt wird die Geschichte wirklich schräg.

Bei keiner der drei Geschichten kann eine Zusammenfassung auch nur annähernd wiedergeben, wie seltsam, irreal, absurd und voller Ideen die schwarzhumorigen Geschichten sind. Und wie gut die Schauspieler sind, die in jedem Film überzeugend in eine andere Rolle schlüpfen. Emma Stone (als Rita, Liz und Emily), Jesse Plemons (als Robert, Daniel und Andrew) und Willem Dafoe (als Raymond, George und Omi) spielen immer die Hauptrollen. Sie schlüpfen in die verschiedenen Figuren und ihre Marotten. Die kleinen Details, wie die von ihnen getragenen Kleider, sind gelungen. Kamera, Musik und Ausstattung gefallen ebenfalls.

Ich habe auch nichts gegen schräge Geschichten. So gefiel mir Lanthimos‘ ziemlich absurde Satire „The Lobster“ sehr. Aber bei „Kinds of Kindness“ lenkt der Hinweis auf die guten Schauspieler und die gute Inszenierung nur vom Grundproblem ab: der Film funkioniert nicht. Die einzelnen Geschichten sind rudimentäre Skizzen, in denen es irgendwie um Macht, Kontrolle und den Freien Willen geht. Diese Themen werden in den einzelnen Szenen immer wieder angesprochen. Aber es bleibt auf der Ebene eines teils gelungenen und teils witzigen Sketches, in dem eine Person einer anderen Person ihren Willen aufzwingt.

Die Geschichten sind so abstrakt, dass jeder hineininterpretieren, was ihm gerade gefällt. Jede dieser Geschichten ist gleichzeitig zu kurz und zu lang. Die interessanten Teile werden zu schnell abgehandelt. Für uninteressanteste, den Plot in keinster Weise voranbringende Szenen wird dann zu viel Zeit aufgewendet. Oder die Szene dauert einfach viel länger als nötig. Erklärungen gibt es keine, weil das den Raum möglicher Interpretationen einschränken würde. Entsprechend zahn- und ziellos gerät die Satire.

Kinds of Kindness“ ist länger als „The Killing of a sacred Deer“, aber genauso todsterbenslangweilig.

P. S.: Wenn der Abspann beginnt, sitzenbleiben. Es gibt noch eine Szene.

Kinds of Kindness (Kinds of Kindness, USA 2024)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou

mit Emma Stone, Jesse Plemons, Willem Dafoe, Margaret Qualley, Hong Chau, Joe Alwyn, Mamoudou Athie, Hunter Schafer

Länge: 164 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Kinds of Kindness“

Metacritic über „Kinds of Kindness“

Rotten Tomatoes über „Kinds of Kindness“

Wikipedia über „Kinds of Kindness“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „Poor Things“ (Poor Things, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „MaXXXine“ erobert Hollywood

Juli 4, 2024

Maxine Minx hat es geschafft. Naja, irgendwie so halb. Sie lebt inzwischen in Hollywood, hat einen Agenten und dreht Filme. Allerdings nur Pornos und langsam – wir reden hier von 1985 – wird die Dreiunddreißigjährige zu alt für diese Filme. Außerdem möchte sie immer noch ein echter Hollywood-Star werden. Das könnte ihr mit der Hauptrolle in dem Horrorfilm „The Puritan 2“, die sie nach einem erfolgreichen Vorsprechen erhielt, gelingen.

Zur gleichen Zeit sorgt ein Serienmörder in Los Angeles für Angst und Schrecken. Wie sein Spitzname Night Stalker verrät, ist er bevorzug nachts unterwegs. Um diese Zeit ist auch Maxine unterwegs. Im Gegensatz zu anderen Frauen hat sie keine Angst vor dem Night Stalker. Eher müssen die Männer, Night Stalker hin, Night Stalker her, Angst vor ihr haben.

Genrefans kennen Maxine aus Ti Wests „X“. Das war 2022 ein wunderschön unterhaltsamer Retro-Slasher, der gelungen das „Texas Chainsaw Massacre“ mit dem Pornofilm verband. „X“ spielt 1979 auf einer Farm in Texas. Dort wollen einige Jungfilmer einen Porno drehen und so viel Geld verdienen. Sie haben allerdings nicht mit der Hausherrin Pearl gerechnet, die sie der Reihe nach umbringt. Mia Goth spielte Maxine und, auf alt geschminkt, Pearl.

Weil Ti West, Mia Goth und das gesamte Team wegen der Coronavirus-Pandemie vor der Einreise nach Australien, wo der Film gedreht wurde, in Quarantäne waren, erfanden West und Goth für Pearl eine ausführliche Biographie. Das Drehbuch gefiel den Produzenten so gut, dass sie „Pearl“ direkt nach „X“ verfilmen konnten. Sie blieben einfach etwas länger am Drehort. „Pearl“ verbindet die Technicolor-Hollywood-Dramen von Douglas Sirk mit dem „Zauberer von Oz“ und dem Slasherfilm. Die tiefgläubige, etwas junge Pearl möchte 1918 aus dem US-amerikanischen Hinterland-Farmland nach Hollywood und dort berühmt werden. Als es Probleme gibt, zückt sie das Messer und sticht zu. Auch diese KombinationSLASHHommage mehrerer Genres, wieder stilecht in der Optik dieser Genres inszeniert, überzeugte Kritik und Fans.

Mit „MaXXXine“ erzählen West und Goth jetzt, mit einem größeren Budget, die Geschichte von Maxine weiter. Vor dem Dreh hieß es, dieser Film sei das Ende einer Trilogie; wobei die drei Filme keine durchgehende Geschichte erzählen, sondern durch den Regisseur, die Hauptdarstellerin und Ähnlichkeiten in Thema, Stil und Herangehensweise miteinander verbunden sind. Sie sind also, wie die Filme von Eric Rohmer, der mit Frauen ganz andere Filme drehte und sie zu verschiedenen Zyklen zusammenfasste, eher ein Zyklus, der noch nicht abgeschlossen ist. Schon vor dem Kinostart sagte Ti West, dass er bereits an einem weiteren Film mit Maxine arbeite.

Bis dahin haben wir „MaXXXine“, der nahtlos an die beiden vorherigen Filme anknüpft. Wieder geht es um christlichen Fundamentalismus und die damit verbundene Abscheu vor Pornographie, lustvollem, vorehelichem Sex und anderen weltlichen Vergnügen. Wieder spielt Mia Goth die Hauptrolle. Sie ist, wie man damals sagte, ein echter Hingucker. Und wieder kopiert Ti West Filmstile, die während der Handlungszeit des Films populär waren. Das heißt, dass er dieses Mal förmlich im 80er-Jahre-Horrorfilm, dem damaligen Hollywoodkino, vor allem den B-Pictures, und dem Pornofilm badet. West zeigt Los Angeles und Hollywood als einen einzigen Sündenpfuhl voller Sex und Gewalt. Mit der Bibel in der Hand, rechtschaffener Empörung über den Verfall der Sitten und hysterischen Warnungen vor den allgegenwärtigen Gefahren für Jugendliche kämpften die Sittenwächter dagegen an.

MaXXXine“ ist ein Über-80er-Jahre-Thriller, der damalige Thriller, Horrorfilme, Pornos und Blockbuster kondensiert und, fast wie ein Music-Clip, wieder ausspukt. Entsprechend gut sieht alles aus. Mit einigen bekannten Schauspielern, die offensichtlich ihren Spaß haben, wenn sie ihre Figuren besonders übertrieben spielen, und einer Mia Goth, die wie die von ihr verkörperte Maxine, als der große kommende Star auftritt. Insofern kann „MaXXXine“ auch als Starvehikel gelesen werden, das die Geschichte von Mia Goth erzählt. Goth war vor ihrer Schauspielerkarriere Model.

Außerdem ist „MaXXXine“ eine Liebeserklärung an Hollywood und das Filmemachen. Selten, obwohl es zuletzt „Once upon a time in Hollywood“ und „Babylon – Rausch der Ekstase“ gab, wird in einem Film so ausführlich gezeigt, wie ein Film entsteht, selten wird in einem Film so lange über das Studiogelände durch die Kulissen gefahren und noch seltener, eigentlich nur in den „Psycho“-Filmen und Parodien, wird das „Psycho“-Haus gezeigt. Filmfans können in Ti Wests Film also einiges entdecken.

Trotzdem funktioniert „MaXXXine“ auch gut ohne eine Analyse der Metaebenen als gradliniger Über-80er-Jahre-Thriller. Er lässt uns noch einmal in die Welt eintauchen, die wir, um nur drei bekannte Beispiele zu nennen, aus Filmen wie Brian De Palmas „Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren“ und „Der Tod kommt zweimal“ (Body Double) und Abel Ferraras „Fear City“ (der allerdings in New York spielt) kennen. Jeder kann die Liste um weitere damals entstandene blutrünstige, damals und teils heute immer noch schockierende Slasher-, Horrorfilme und Thriller ergänzen. Im Finale, das teilweise auf einem großen Grundstück spielt, das in der Nähe des legendären Hollywood-Schildes liegt, wird dann der finale Schusswechsel aus dem ersten und besten „Beverly Hills Cop“ zitiert.

MaXXXine“ ist eine verdammt gutaussehende, stilbewusste, ziemlich witzige und blutige Retro-Schlachtplatte.

MaXXXine (MaXXXine, USA 2024)

Regie: Ti West

Drehbuch: Ti West

mit Mia Goth, Elizabeth Debicki, Michelle Monaghan, Kevin Bacon, Halsey, Giancarlo Esposito, Bobby Cannavale, Moses Sumney, Lily Collins, Sophie Thatcher, Simon Prast

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „MaXXXine“

Metacritic über „MaXXXine“

Rotten Tomatoes über „MaXXXine“

Wikipedia über „MaXXXine“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ti Wests „The Innkeepers“ (USA 2011)

Meine Besprechung von Ti Wests „X“ (X, USA 2022)

Meine Besprechung von Ti Wests „Pearl“ (Pearl, USA 2023)


TV-Tipp für den 4. Juli: Eine fantastische Frau

Juli 3, 2024

BR, 23.15

Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Regie: Sebastián Lelio

Drehbuch: Sebastián Lelio, Gonzalo Maza

Marina ist in Orlando verliebt. Als er stirbt, muss die die Transsexuelle um einen würdevollen Abschied von ihrer großen Liebe kämpfen. Genau das will Orlandos Familie verhindern.

Fantastisches Drama, das auf der Berlinale mehrere Preise und, einige Monate später, den Oscar als bester ausländischer Film erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit mehreren Interviews).

mit Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Küppenheim, Nicolás Saavedra, Amparo Noguera, Trinidad González, Néstor Cantillana, Alejandro Goic, Antonia Zegers

Hinweise

Moviepilot über „Eine fantastische Frau“

Metacritic über „Eine fantastische Frau“

Rotten Tomatoes über „Eine fantastische Frau“

Wikipedia über „Eine fantastische Frau“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Eine fantastische Frau“

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria“ (Gloria, Spanien/Chile 2012)

Meine Besprechung von Sebastiàn Lelio „Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica“ (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria – Das Leben wartet nicht“ (Gloria Bell, USA 2019)


TV-Tipp für den 3. Juli: Sherlock Holmes

Juli 2, 2024

Kabel Eins, 20.15

Sherlock Holmes (Sherlock Holmes, USA 2009)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg (nach einer Geschichte von Lionel Wigram und Michael Robert Johnson)

LV: Charakter von Arthur Conan Doyle

Sherlock Holmes und Dr. Watson jagen den Ritualmörder Lord Blackwood. Anscheinend mordert der Lord nach seinem Tod weiter und greift nach der Weltherrschaft.

Guy Ritchies gelungenes Update von Sherlock Holmes mit viel Action und Humor.

Die große Sherlock-Holmes-Manie der zehner Jahre begann einige Monate nach Ritchies Film mit der grandiosen BBC-Serie „Sherlock“ (erfunden von Mark Gatiss und Steven Moffat, mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Hauptrollen).

2011 folgte mit „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ ein zweiter Holmes-Kinofilm von Guy Ritchie mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen.

Ein dritter Sherlock-Holmes-Film mit Downey Jr. als Meisterdetektiv ist immer noch im Gespräch.

mit Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong, Eddie Marsan, Geraldine James, James Fox, Kelly Reilly:

Wiederholung: Donnerstag, 3. Juli, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sherlock Holmes“

Wikipedia über „Sherlock Holmes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Aladdin“ (Aladdin, USA 2019)

Meine Bepsrechung von Guy Ritchies „The Gentlemen“ (The Gentlemen, Großbritannien/USA 2019)

Meine Kurzbesprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)

Meine ausführliche Besprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Operation Fortune“ (Operation Fortune: Ruse de guerre, USA 2022)

zu Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Sämtliche Werke in 3 Bänden“ (Die Erzählungen I, Die Erzählungen II, Die Romane) (3 Bände im Schuber)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes‘ Buch der Fälle“ (The Case-Book of Sherlock Holmes, 1927)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juli: Shaun of the Dead

Juli 1, 2024

Nitro, 22.35

Shaun of the Dead (Shaun of the Dead, Großbritannien 2004)

Regie: Edgar Wright

Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright

Es dauert einige Zeit, bis der lethargische Elektroverkäufer Shaun und sein arbeitsloser Kumpel Ed mitbekommen, dass gerade eine Zombie-Apokalypse die Menschheit dezimiert. Aber danach überlegen sie, was sie tun sollen, gehen in die Offensive – und zum nächste Pub.

Kultige Zombie-Horror-Splatterkomödie, die in einer gut besuchten Mitternachtvorstellung noch spaßiger als auf der heimischen Couch ist. Mit oder ohne Cornetto.

Und hier einige zeitgenössische Urteile: „Schräger Film“ (Lexikon des internationalen Films) „Sympathische Splatterkomödie“ (epd-Film) „Kinospaß für Splatterfans“ (Zitty)

mit Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield, Lucy Davis, Dylan Moran, Penelope Wilton, Bill Nighy, Martin Freeman, Rafe Spall, Chris Martin, Jonny Buckland, Edgar Wright

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Shaun of the Dead“

Wikipedia über „Shaun of the Dead“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The World’s End“ (The World’s End, Großbritannien 2013)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Baby Driver“ (Baby Driver, USA 2017)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Sparks Brothers“ (The Sparks Brothers, USA 2021)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Last Night in Soho“ (Last Night in Soho, Großbritannien 2021)


„Thelma & Louise“ wieder auf der großen Leinwand

Juli 1, 2024

Am Dienstag, den 2. Juli, läuft Ridley Scotts bahnbrechendes Roadmovie „Thelma & Louise“ in einer sicher prächtig aussehenden 4K-Restaurierung im Rahmen der monatlichen „Best of Cinema“-Reihe wieder im Kino. Einige Kinos zeigen ihn auch noch in den darauffolgenden Tagen.

Die denkbar einfache Filmgeschichte dürfte bekannt sein: die brave Hausfrau Thelma (Geena Davis) und ihre Freundin, die forsche Kellnerin Louise (Susan Sarandon), brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. Er will Thelma vergewaltigen. Louise erschießt ihn. Weil ihnen das aber niemand glauben würde, fliehen Thelma und Louise in Richtung Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Aber wie präzise Drehbuchautorin Callie Khouri und Regisseur Ridley Scott diese (Zufalls)verbrecher-auf-der-Flucht-Geschichte erzählen, macht den Film zu großem Kino. Die wunderschönen Landschaftsaufnahme verlangen nach der Kinoleinwand. Auch der Rest sieht, wie immer bei Ridley Scott, sehr gut aus.

Das feministische Roadmovie war 1991, neben „Das Schweigen der Lämmer“, ein Kassen- und Kritikererfolg. Inzwischen ist „Thelma & Louise“ ein Klassiker, der keinerlei Patina angesetzt hat. Bei der wiederholten Sichtung fällt auf, wie sehr er damals, vor über dreißig Jahren, seiner Zeit voraus aus; obwohl er eigentlich nur die Geschlechter veränderte und dann anstatt zwei Männer, wie „ Butch Cassidy und Sundance Kid“, oder einen Verbrecher und seine Geliebte, wie „Bonnie und Clyde“ oder „Badlands“, vor der Polizei quer durch die USA flüchten ließ. Scott kennt die Vorbilder, er zitiert sie immer wieder und macht daraus ein eigenständiges, sich auf die Tradition beziehendes und sie konsequent weiterentwickelndes Road-Movie, das heute immer noch nichts von seinem revolutionärem Geist eingebüßt hat. Das Thema das Films, die Gewalt von Männern gegen Frauen, ist auch nach #MeToo immer noch brennend aktuell.

Außerdem fällt auf, wie zügig Scott die Geschichte beginnt, wie komplex die Beziehungen zwischen den wenigen Figuren sind, wie konsequent auf jeder Ebene des Films die Entwicklung der beiden Heldinnen erzählt wird, und wie souverän Ridley Scott die Geschichte erzählt. Hier ist er unbestritten auf der Höhe seines Könnens. „Thelma & Louise“ gehört, neben „Alien“ und „Blade Runner“ zu seinen drei besten Filme. Ad hoc würde ich ihn wegen seiner fröhlichen Stimmung sogar auf den ersten Platz setzen.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt, Stephen Tobolowsky

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


TV-Tipp für den 1. Juli: Uhrwerk Orange

Juni 30, 2024

Arte, 22.05

Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange, Großbritannien 1971)

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick

LV: Anthony Burgess: A Clockwork Orange, 1962 (Uhrwerk Orange)

Der Halbstarke Alex terrorisiert mit seinen Freunden die Gegend. Nachdem er zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, ist er bereit an einem neuen Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Mit fatalen Folgen.

Als „Uhrwerk Orange“ 1971 in die Kinos kam, war er hochumstritten. Zwar sagte Kubrick, sein Film sei eine Verteidigung des freien Willens, aber Gewalt (wenn auch sehr stilisiert) und Beethoven oder „Singing in the Rain“ in einer Szene und der Verzicht auf eine eindeutige Position des Regisseurs im Film war dann für die meisten Kritiker doch zuviel.

Heute ist der stilisierte Alptraum als Meisterwerk der Filmgeschichte anerkannt – und der Roman schaffte es in die Time-Liste der 100 besten englischsprachigen Romane sein 1923.

Danach, um 00.20 Uhr, zeigt Arte die knapp einstündige Doku „Clockwork Orange – Im Räderwerk der Gewalt“ (Frankreich 2023).

Mit Malcolm McDowell, Patrick Magee, Michael Bates, Warren Clarke, John Clive, Steven Berkoff, David Prowse

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Uhrwerk Orange“

Wikipedia über „Uhrwerk Orange“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange – Die Urfassung“ (A Clockwork Orange – The Restored Edition, 2012)

Die Welt: Interview mit Malcolm McDowell über „Clockwork Orange“ (18. Mai 2011)

Senses of Cinema: Keith Uhlich über Stanley Kubrick

Stanley Kubrick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Juni: I am Mother

Juni 29, 2024

Nach Fußball oder gut vier Stunden Bollywood

RTL II, 00.05

I am Mother (I am Mother, Australien 2019)

Regie: Grant Sputore

Drehbuch: Michael Lloyd Green (nach einer Geschichte von Grant Sputore und Michael Lloyd Green)

Nach einem Krieg, der die Welt unbewohnbar machte, wird in einer hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Station ein Mädchen, „Tochter“ genannt, von einem Roboter, der sich „Mutter“ nennt, groß gezogen. Eines Tages steht eine verletzte Frau vor der Tür der Station. Sie behauptet, dass sie verfolgt werde. Wenn das stimmt, hat Mutter Tochter, die inzwischen ein Teenager ist, über die Außenwelt belogen.

In jeder Beziehung gut aussehender und zum Nachdenken anregender Science-Fiction-Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Clara Rugaard, Hilary Swank, Rose Byrne (im Original: Stimme Mutter), Luke Hawker (Körper von Mutter)

Wiederholung: Montag, 1. Juli, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „I am Mother“

Metacritic über „I am Mother“

Rotten Tomatoes über „I am Mother“

Wikipedia über „I am Mother“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Grant Sputores „I am Mother“ (I am Mother, Australien 2019)


TV-Tipp für den 29. Juni: Punch-Drunk Love

Juni 28, 2024

Im Rahmen eines Adam-Sandler-Abends

ZDFneo, 23.45

Punch-Drunk Love (Punch-Drunk Love, USA 2002)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.

„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.

mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 04.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Punch-Drunk Love“

Wikipedia über „Punch-Drunk Love“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Déserts – Für eine Handvoll Dirham“ durch die Wüste

Juni 28, 2024

Für ein eher windiges Inkassobüro sollen Mehdi und Hamid im Süden Marokkos Schulden eintreiben. Die Schuldner sind arme Schlucker, die kein Geld haben, niemals Geld hatten und nie Geld haben werden. Sie nahmen, wie sie Mehdi und Hamid wortreich erzählen, den Kredit für Ausgaben wie eine Hochzeit auf. Danach trafen sie einige Unglücke, teils selbstverschuldet, teils nicht, und sie konnten die Tilgungsraten nicht mehr bezahlen. Aber auch ohne diese Unglücke hätten sie die Raten nicht bezahlen können. Immer wieder verstecken die Schuldner sich vor den Geldeintreibern. Einige bieten ein abgehungertes Tier oder einen Teppich als Teilzahlung an. Es ist eine frustrierende Arbeit, die von den beiden Geldeintreibern mit stoischer Ruhe erledigt wird. Manchmal haben sie Mitleid für ihre Kunden. Entsprechend schlecht sehen ihre Zahlen in der Zentrale aus. Und entsprechend gefährdet ist ihre Weiterbeschäftigung.

In der zweiten Hälfte wechselt Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Faouzi Bensaïdi (er spielt den Lebensmittelhändler) dann von einer absurden Komödie zu einer abstrakten Rachegeschichte, die nichts mehr von dem Humor und dem Erzähltempo der ersten Hälfte hat.

Der zweite Teil beginnt, als sie auf einen Verbrecher treffen, der an ein Motorrad gefesselten ist. Später kann er sich befreien. Er ist auf einer Rachemission. Zu dritt begeben sie sich auf eine Reise, die hauptsächlich aus langen unbewegten Aufnahmen von der Wüste, viel Schweigen und sehr wenigen länglichen Monologen besteht.

Faouzi Bensaïdis neuer Film „Déserts – Für eine Handvoll Dirham“ zerfällt klar in zwei vollkommen unterschiedliche Teile. Der erste Teil ist eine Zustandsbeschreibung eines dysfunktionalen Landes und eine Satire voller Comedy und Slapstick. Es passiert ständig etwas, auch wenn die beiden Geldeintreiber bei ihrer Arbeit keinen Schritt vorankommen. Schleichender Stillstand, der von allen stoisch ertragen wird.

Die zweite Hälfte ist ein vollkommen anderer Film. Bis auf den Schauplatz und Mehdi und Hamid, die hier nur noch als Platzhalter fungieren, hat dieser Teil nichts dem ersten Teil zu tun. Die Geschichte wird immer abstrakter. Es passiert immer weniger und es ist immer unklarer, ob es sich hier um reales Geschehen, einen Traum oder eine Art Purgatorium handelt. Aber klar ist der Stillstand, der diese Stunde zu einem Kampf gegen den Schlaf macht. Über Minuten passiert nichts, während die drei Männer in die Wüste starren. Wenn einer dann doch mal etwas sagt, ist es ein bestenfalls mäßig interessanter Monolog. Das ist nicht mehr Slow-Cinema, sondern Slow-Slow-Cinema.

Außerdem ist die Komödie mit über zwei Stunden Laufzeit mindestens eine halbe Stunde zu lang geraten.

Déserts – Für eine Handvoll Dirham (Déserts, Frankreich/Deutschland/Marokko/Belgien/Katar 2023)

Regie: Faouzi Bensaïdi

Drehbuch: Faouzi Bensaïdi

mit Fehd Benchemsi, Abdelhadi Taleb, Rabii Benjhaile, Hajar Graigaa, Faouzi Bensaïdi

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Déserts“

Moviepilot über „Déserts“

AlloCiné über „Déserts“

Rotten Tomatoes über „Déserts“

Wikipedia über „Déserts“ (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 28. Juni: The Boys from Brazil

Juni 27, 2024

BR, 22.50

The Boys from Brazil (The Boys from Brazil, USA/Großbritannien 1978)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Kenneth Ross, Heywoud Gould

LV: Ira Levin: The Boys from Brazil, 1976 (Die Boys aus Brasilien; The Boys from Brazil – Geheimakte Viertes Reich)

Mengele klont im Dschungel massenhaft kleine Hitlers und möchte mit ihnen weltweit das „Vierte Reich“ ausrufen. Aber Nazi-Jäger Liebermann ist ihm auf der Fährte.

Absurder und immer noch sehr utopischer Politthriller mit Starbesetzung. Das Suchen und Entdecken bekannter Gesichter in etlichen Nebenrollen steigert das Filmvergnügen mit Freunden beträchtlich.

Das Handlungskonzept an sich (…) ist vom Autor Gould gut ausgearbeitet, aber der widersprüchliche Schauspielstil von Olivier, der auf dem Auftreten des echten Nazi-Jägers Simon Wiesenthal basiert, und Peck, der in der Rolle des von seinem Ziel Besessenen eine ungewöhnlich zurückhaltende Darstellung zeigt, führen dazu, dass der Film zu einem faden Abenteuer in der Art von Boy’s Own verkommt.“ (Paul Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie) Ähnlich ungnädig: „Ein Langweiler.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films)

Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film um fast zwanzig Minuten gekürzt und erst 1985, nach dem Bekanntwerden von Mengeles Tod, in die Kinos gebracht.

Der BR zeigt die ungekürzte zweistündige Fassung.

Mit Gregory Peck, Laurence Olivier, James Mason, Lilli Palmer, Uta Hagen, Steve Guttenberg, Bruno Ganz, Wolfgang Preiss, Sky Dumont, Georg Marischka

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Boys from Brazil“

Wikipedia über „The Boys from Brazil“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht eine gekürzte deutsche DVD/Kino-Fassung mit der ungekürzten französische DVD (inzwischen gibt es das Werk auch bei uns ungekürzt auf DVD und Blu-ray)

Kriminalakte: Nachruf auf Ira Levin


Neu im Kino/Filmkritik: Taxifahren mit „Daddio“

Juni 27, 2024

Am späten Abend steigt eine junge Frau (Dakota Johnson), die in den Stabangaben nur „Girlie“ genannt wird, am John F. Kennedy Airport in das Taxi von Clark (Sean Penn). Er soll sie nach Manhattan zu ihrer Wohnung fahren. Während der Fahrt verwickelt er sie in ein Gespräch. Denn als langjähriger Taxifahrer weiß er alles über die Menschen. Er interpretiert jeden Blick auf ihr Smartphone, jedes Fingertippen und Stirnrunzeln. Er liest in ihr wie in einem offenem Buch und er gibt er schnell gute Ratschläge. Sie antwortet ihm und, wie das so geht, wenn zwei Fremde, die sich nie wieder begegnen werden, sich in einem Taxi, einem Zugabteil, einer Hotelbar begegnen, plaudern sie schnell auch sehr intime Details aus.

Daddio – Eine Nacht in New York“ ist das Regiedebüt von Christy Hall. Sie inszenierte ihr Drehbuch, das 2017 auf der prestigeträchtigen Blacklist stand. Auf dieser Liste stehen jedes Jahr die besten Drehbücher, die in Hollywood herumgereicht werden und noch nicht verfilmt wurden. Einige der später entstandenen Verfilmungen sind richtig gut. Andere, so auch „Daddio“, zeigen Potential, sind aber letztendlich enttäuschend. Es ist offensichtlich, warum das Drehbuch damals nicht verfilmt wurde. Es fehlen einfach noch ein, zwei Überarbeitungen.

So ist „Daddio“ ein verfilmtes Zwei-Personen-Theaterstück, in dem kein Satz echt klingt. Es sind immer Theaterdialoge, die pflichtschuldig die üblichen Themen zwischen Männern und Frauen und den Zustand von Beziehungen, mehr Prä-Weinstein als Post-Weinstein, in der erwartbaren Art und Weise abhandeln. Dabei zeigt Clark im Rahmen aktueller Diskurse über Geschlechterbeziehungen ein unangenehm übergriffiges Verhalten. Er gehört zu den Männern, die ungefragt ihre Meinung sagen und die ihre Weisheiten für die größten Weisheiten auf dem Planeten halten.

Da sehe ich mir lieber noch einmal Jim Jarmuschs äußerst witzigen Taxifilm „Night on Earth“ an.

Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio, USA 2023)

Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

mit Sean Penn, Dakota Johnson

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Daddio“

Metacritic über „Daddio“

Rotten Tomatoes über „Daddio“

Wikipedia über „Daddio“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „A quiet Place: Tag Eins“ in New York, der Stadt, die niemals schläft und die niemals still ist

Juni 27, 2024

2018 war John Krasinskis Science-Fiction-Film „A quiet Place“ ein Überraschungserfolg. Er erzählte von einer Familie, die nördlich von New York auf einer einsam gelegenen Farm lebt. Seit über einem Jahr schweigen sie, weil Alien-Monster die Erde angegriffen haben und sich auf alles stürzen, was Geräusche verursacht.

Diese Idee ist faszinierend und gut für etliche Suspense-Szenen. Aber sie ist auch, wenn man darüber nachdenkt, vollkommen idiotisch.

Nachdem der Film mit einem Budget von 17 Millionen US-Dollar über 340 Millionen US-Dollar einspielte, war eine Fortsetzung unvermeidlich. Die kam 2020 bzw. 2021 – wegen der Coronavirus-Pandemie verschob sich der geplante Starttermin – und sie spielte gut 300 Millionen US-Dollar ein. In dem Science-Fiction-Film gibt es eine Rückblende auf den ersten Tag der Alien-Invation in der Kleinstadt Millbrook. Gleichzeitig und hauptsächlich erzählt Krasinski die Geschichte des ersten Films weiter. Für nächstes Jahr ist der dritte und (bis jetzt) abschließende Teil angekündigt.

Dazwischen läuft jetzt „A quiet Place: Tag Eins“ an. In ihm erzählt „Pig“-Regisseur Michael Sarnoski, der auch das Drehbuch schrieb, eine Geschichte vom Anfang der Alien-Invasion.

Die konstant schlechtgelaunte Dichterin Samira (Lupita Nyong’o) hat Krebs im Endstadium. Einen Partner oder eine Familie scheint sie nicht zu haben. Jedenfalls spielen sie in dem Film keine Rolle. An einem sonnigen Tag macht sie zusammen mit anderen, ebenfalls in dem Hospiz lebenden Krebspatienten einen Ausflug nach Manhattan. In Chinatown besuchen sie in einem Theater die Nachmittagsvorstellung eines Puppenspielers. Danach wollen sie noch Pizza essen gehen. Dieses Vorhaben wird von dem Angriff der Aliens sabotiert. Die Wesen stürzen sich auf alles, was Geräusche verursacht und schwuppdiwupp ist New York eine fast menschenleere Stadt. Die letzten Überlebenden sollen zum Hafen gehen und von dort mit einem Schiff evakuiert werden. Anscheinend sind die Monster extrem wasserscheu.

Mit ihrer Katze Frodo geht Samira in die andere Richtung. Sie will nach Harlem und in ihrer Stammpizzeria noch einmal Pizza essen. Auf ihrem Weg trifft sie einige Menschen, wie Henri (Djimon Hounsou, der auch in „A quiet Place 2“ dabei ist). Der aus Großbritannien kommende Jura-Studenten Eric (Joseph Quinn) wird dabei ihr treuester Begleiter. Nachdem er aus einer überfluteten Subwaystation auftaucht und keine Ahnung hat, was passiert ist und wie er sich verhalten soll, ist Samira die erste Person, die er trifft. Er folgt ihr wie ein streunender Hund, der endlich eine Person gefunden hat, der er vertrauen kann.

A quiet Place: Tag Eins“ ist ein zwiespältiger Film. Die Prämisse – Monster stürzen sich auf alles, was Geräusche verursacht – ist inzwischen etabliert. Jetzt können in dieser Welt weitere Geschichten erzählt werden. Mal stehen diese, mal jene Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Einige Figuren überleben, andere nicht. Und das kann auch auf die Hauptfigur zutreffen. Sie wird ja nicht unbedingt für den nächsten Film gebraucht. Die Geschichte kann hier oder da spielen. Schließlich wurde die gesamte Welt angegriffen und so können überall „A quiet Place“-Geschichten spielen. Und die Geschichten können zu jedem Zeitpunkt nach der Invasion spielen. Dieses Konzept kann zu langlebigen Reihen führen.

Comicfans erinnern sich vielleicht an Garth Ennis‘ „Crossed“. Ennis schrieb eine Geschichte über eine Gruppe Menschen in einer Welt nach einer Zombieapokalypse. Danach erzählten andere Autoren weitere, in dieser Welt spielende, großartige Geschichten. Ennis einzige Bedingung war, dass die von ihm erfundenen menschlichen Figuren nicht wieder auftauchten.

Ähnlich ist es in dem von James DeMonaco erfundenem „The Purge“-Franchise. Nachdem die Prämisse etabliert war – in einer Nacht sind alle Straftaten erlaubt -, erzählten die Macher Geschichte aus verschiedenen „Purge“-Nächten. Dabei sparten sie nie mit ätzender Zeitkritik. In jedem „The Purge“-Film wurden andere Aspekte aus dieser Welt angesprochen und die Geschichte der Purge entwickelte sich weiter.

Dagegen ist „Tag Eins“, obwohl es sich erst um den dritten Film im „A quiet Place“-Franchise handelt, schon erstaunlich repetitiv. Gezeigt wird weniger eine Fortentwicklung dieser sehr, sehr leisen Welt, sondern eine Wiederholung des Bekannten und des damit verbundenen immergleichen Spannungsaufbaus. Zuerst ist alles still. Dann gibt es ein Geräusch. Die Monster tauchen auf. Die Menschen flüchten. Meistens sterben sie, seltener können sie entkommen.

In „Tag Eins“ erzählt Michael Sarnoski mit einer anderen Hauptfigur und an einem anderen Ort einfach noch einmal die bekannte Geschichte. Das ist in den zahlreichen Suspense-Szenen spannend. Der Handlungsort, das menschenleere New York, sieht gruselig aus. Die Hauptstory – Samira will eine Pizza – wird ohne Abschweifungen erzählt. Dass sie auf ihrem Weg zur Pizzeria einigen Menschen hilft, stört nicht weiter.

Gleichzeitig werden die Schwächen des Konzepts immer offensichtlicher. Es gibt keinen Spielraum für Variationen, weil es nur um die Spannung geht, wann es ein Geräush gibt, das zu einem Alienangriff führt. Also verstößt man immer wieder nonchalant gegen die aufgestellten Regeln. So reagieren die Monster mehrmals auf leisere Geräusche, die im Lärm unhörbar sind oder sie reagieren auf laute Geräusche nicht, aber Sekunden später auf ein viel leiseres Geräusch. Mal haben sie panische Angst vor Wasser, mal nicht. Die Monster sind hier nur noch die immer wieder plötzlich zuschlagende Bedrohung. Mehr erfahren wir nicht über sie. Über die Menschen erfahren wir auch nicht mehr. Ihre Funktion für die Handlung besteht weitestgehend darin, Monsterfutter zu sein.

Wenn man die Prämisse akzeptiert und nicht über Logiklöcher nachdenkt, wird man im Kino spannende, ziemlich stille hundert Minuten mit sehr schweigsamen Menschen erleben.

A quiet Place: Tag Eins (A quiet Place: Day One, USA 2024)

Regie: Michael Sarnoski

Drehbuch: Michael Sarnoski (nach einer Geschichte von John Krasinski und Michael Sarnoski, basierend auf von Bryan Woods und Scott Beck erfundenen Figuren)

mit Lupita Nyong’o, Joseph Quinn, Alex Wolff, Djimon Hounsou

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 jahre

Hinweise

Moviepilot über „A quiet Place: Tag Eins“

Metacritic über „A quiet Place: Tag Eins“

Rotten Tomatoes über „A quiet Place: Tag Eins“

Wikipedia über „A quiet Place: Tag Eins“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place“ (A quiet Place, USA 2018)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place 2″ (A Quiet Place: Part II, USA 2021)


TV-Tipp für den 27. Juni: Warten auf Bojangles

Juni 26, 2024

BR, 02.15 (Ist das ein Scherz?)

Warten auf Bojangles (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)

Regie: Régis Roinsard

Drehbuch: Romain Compingt, Régis Roinsard

LV: Olivier Bourdeaut: En attendant Bojangles, 2016 (Warten auf Bojangles)

1958 begegnen sich an der Riviera auf einer High-Society-Party der charmante Hochstapler Georges und die lebenslustige Camille. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten, bekommen ein Kind und Georges muss feststellen, dass Camilly psychisch ernsthaft krank ist.

TV-Premiere zu nachmitternächtlicher Stunde. Und mit dem Beginn des Abspanns geht die Sonne auf.

In der ersten Hälfte eine poppige Feelgood-Komödie, in der zweiten ein zunehmend düsteres Drama mit zwei zunehmend problematischen Hauptfiguren. Ein gut gespielter, gut inszenierter, aber auch sehr zwiespältiger Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Romain Duris, Gregory Gadebois, Solan Machado-Graner

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 23.05 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Warten auf Bojangles“

AlloCiné über „Warten auf Bojangles“

Rotten Tomatoes über „Warten auf Bojangles“

Wikipedia über „Warten auf Bojangles“ 

Meine Besprechung von Régis Roinsards „Warten auf Bojangles“ (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 26. Juni: Der Name der Rose

Juni 25, 2024

Kabel 1, 20.15

Der Name der Rose (Il nome della rosa/Le Nom de la rose, Deutschland/Italien/Frankreich 1986)

Regie: Jean-Jacques Annaud

Drehbuch: Andrew Birkin, Gérard Brach, Howard Franklin, Alain Godard

LV: Umberto Eco: Il nomme della rosa, 1980 (Der Name der Rose)

Bruder William von Baskerville sucht einer Benediktiner-Abtei einen Mörder.

Prächtiges, detailgenaues, im Mittelalter spielendes Whodunit, das Sean Connery endgültig als ernstzunehmenden Schauspieler etablierte.

Umberto Eco schrieb danach nie wieder so nahe an seinem Publikum.

Mit Sean Connery, F. Murray Abraham, Christian Slater, Michael Lonsdale, Ron Perlman, Helmut Qualtinger

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Name der Rose“

Wikipedia über „Der Name der Rose“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)

Meine Besprechung von Davide Ferrarios „Umberto Eco: Eine Bibliothek der Welt“ (Umberto Eco: La biblioteca del mondo, Italien 2022)


TV-Tipp für den 25. Juni: Chinatown

Juni 24, 2024

NDR, 23.30

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in eine Verschwörung, die er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

„Heute“ vor fünfzig Jahren lief der Klassiker in den Kinos an. In den USA startete er am 17. Juni 1974. In Deutschland am 19. Dezember 1974 und pünktlich zu diesem Jubiläum wurde in den vergangenen Tagen in etlichen Artikeln auf die Bedeutung des Noirs hingewiesen.

Die Originale könnten im Rahmen einer kleinen Serie über die Schwarze Serie auch mal wieder gezeigt werden.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 24. Juni: Der Smaragdwald

Juni 23, 2024

Arte, 20.15

Der Smaragdwald (The emerald forest, Großbritannien 1985)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Rospo Pallenberg

Während der Vater Bill Markham als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markham sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.

Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.

In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der General“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.

„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Danach geht’s cineastisch gelungen weiter: um 22.05 Uhr kommt Samuel Fullers auf eigenen Erlebnissen basierender Kriegsfilm „The Big Red One – Die unbesiebare Erste“ (USA 1978 – leider nur in der 110-minütigen Kinofassung; es gibt eine um 47 Minuten längere rekonstruierte und gelungenere Fassung; – wenn Arte diese Fassung zeigen würde, wäre Fullers Film mein heutiger Tagestipp) und um 23.55 Uhr Paul Wegener/Carl Boeses Horror-Stummfilmklassiker „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (Deutschland 1920). Arte zeigt wahrscheinlich die 2002 vom Filmmuseum München restaurierte und viragierte Fassung des Film. Die Musik ist eine 2023 von Burkhard Götze für Orchester bearbeitete und eingespielte Aufnahme der lange verschollenen Originalpartitur von Hans Landsberger.

mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno

Wiederholung: Freitag, 28. Juni, 16.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Smaragdwald“

Wikipedia über „Der Smaragdwald“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

John Boorman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Juni: The Bling Ring

Juni 22, 2024

Wer die Spiele der deutschen Mannschaft doof fndet und auf „Das Traumschiff“ in Marokko (legt um 20.15 Uhr im ZDF an) verzichten kann, darf staunen über

RTL II, 20.15

The Bling Ring (The Bling Ring, USA 2013)

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

LV: Nancy Jo Sales: The Suspects wore Louboutins (Variety-Reportage, März 2010)

2008/2009 brechen in Hollywood einige reiche und verwöhnte Jugendliche in die Häuser von Prominenten ein. Sie bestaunen die Einrichtung, klauen Schmuck und Kleider und geben anschließend auf Facebook und vor ihren Klassenkameraden mit ihren Einbrüchen. Denn: was soll schon passieren?

Köstliche Sozialstudie, basierend auf einem wahren Fall. Die unglaublichsten Momente des Films sind wahr.

Sofia Coppola drehte teilweise in den Anwesen der Beklauten und diese spielen sich selbst in dem Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Israel Broussard, Katie Chang, Taissa Farmiga, Claire Julien, Georgia Rock, Emma Watson, Leslie Mann, Gavin Rossdale, Paris Hilton (Cameo)

Wiederholung: Montag, 24. Juni, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „The Bling Ring“

Rotten Tomatoes über „The Bling Ring“

Wikipedia über „The Bling Ring“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über die wahren Hintergründe

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „The Bling Ring“ (The Bling Ring, USA 2013)

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „Priscilla“ (Priscilla, USA 2023)