No Country for Old Men (No Country for Old Men, USA 2007)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005 (Kein Land für alte Männer)
Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.
Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald
Wiederholung: Sonntag, 21. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Irgendwo in Georgien in der Provinz, wo Freundschaften ewig halten, weil man sich schon seit der Kindheit kennt und es niemand anderes gibt, mit dem die Abende verbracht werden können, lebt Etero. Sie ist 48 Jahre alt, keine Schönheit, allein lebend, stolz auf ihre Unabhängigkeit und Inhaberin eines kleinen Ladens für den täglichen Bedarf. Ihre Kundschaft behandelt sie ausnehmend ruppig. Schließlich führt sie im Dorf das einzige Geschäft mit den benötigten Waren für den Haushalt und die Bedürfnisse der Frau. Gespielt wird Etero überzeugend von Eka Chavleishvili, einer an der Staatlichen Universität für Theater und Film Shota Rustaveli ausgebildeten Schauspielerin, die seit 1995 Schauspielerin am Batumi Drama Theatre ist und mehrere Preise für ihr Spiel erhielt. Sie spielte auch in Elena Naverianis vorherigem Spielfilm „Wet Sand“ mit.
Als Etero beim Pflücken von Beeren eine „Amsel im Brombeerstrauch“ erblickt, geht sie abgelenkt von dem Vogel zu nah an den Abgrund und stürzt fast in den viele Meter tiefer liegenden Fluss. Mit letzter Kraft kann sie den Todessturz verhindern.
Auf dem Heimweg sieht sie, wie ihre Leiche am Flussufer liegt. Ob es sich um eine Vision handelt, die später, wenn sie im Sarg liegt, wieder aufgegriffen wird, oder ob Etero tot ist und die nun folgende Filmgeschichte sich nur in Eteros Kopf abspielt, ist letztendlich egal.
Nach dem Sturz ändert sich Eteros Leben. Kurz darauf verführt sie in ihrem Laden Murman, einem verheirateten Lieferwagenfahrer und Großvater. Er entjungfert sie. Sie beginnen eine heimliche Affäre.
Diese Affäre und das Leben der Frauen im Dorf schildert Naveriani enervierend langsam. Anstatt die Geschichte voranzutreiben, beobachtet sie die meistens überaus emotionslos spielenden Schauspielerinnen (die Männer haben nur Nebenrollen) bei alltäglichen Verrichtungen und gemeinsamen Treffen, auf denen sie den Dorfklatsch austauschen. Naveriani zeigt das Leben von Frauen in der georgischen Provinz und wie sie dort in konservativen Gesellschaftsstrukturen und Rollenmustern gefangen sind. Nur Etero hat sich nie angepasst. Sie nahm sich die Freiheit, nicht zu heiraten. Heute nimmt sie sich die Freiheit, den anderen Dorffrauen die Wahrheit, wie sie sie sieht, zu sagen.
Insgesamt wird in dem Drama wenig gesprochen; was auch daran liegt, dass Etero oft allein ist und sie dann natürlich niemand hat, mit dem sie reden kann.
Auf intellektueller Ebene ist „Amsel im Brombeerstrauch“ ein gelungenes Porträt einer älteren unabhängigen Frau, die sich nie anpassen wollte und deren Leben jetzt auf den Kopf gestellt wird. Ob sie das gut finden soll, weiß sie nicht. Aber emotional packt Eteros Geschichte nicht. Dafür ist die „zärtlich-skurrile Dramödie“ (Presseheft) viel zu dröge und langsam erzählt.
Amsel im Brombeerstrauch (Blackbird Blackbird Blackberry, Georgien/Schweiz/Deutschland 2023)
LV: Dietrich Garstka: Das schweigende Klassenzimmer, 2006
Eisenhüttenstadt, DDR, 1956: eine Abiturklasse steht spontan für eine Schweigeminute für die Opfer des ungarischen Volksaufstands auf. Der Regierung gefällt das überhaupt nicht. Sie will unbedingt den oder die Rädelsführer dieser subversiven, staatsgefährdenden Tat finden.
Äußerst gelungene politische Version von „Der Club der toten Dichter“. Kraumes Drama ist ein überzeugendes, auf einer wahren Geschichte basierendes Plädoyer für Zivilcourage.
mit Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Jonas Dassler, Isaiah Michalski, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel, Florian Lukas, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek
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Die lesenswerte Vorlage (hier die Ausgabe zum Filmstart)
Verglichen mit seinem neuesten Film „Evil does not exist“ wirkt sein vorheriger Film, das mit dem Oscar als bester internationaler Film ausgezeichnete ruhige Drei-Stunden-Drama „Drive my Car“, wie ein redseliges Werk. Der Grund dafür liegt in der Entstehungsgeschichte. Regisseur Ryūsuke Hamaguchi begann die Arbeit an „Evil does not exist“ mit Aufnahmen für eine Live-Performance der Musikerin Eiko Ishibashi. Und da hätten Dialoge nur gestört. Aus diesen Bildern und Hamaguchis Musik entwickelten sich dann die Bilder und die Geschichte des Films, in dem es um die Interaktion von Mensch und Natur geht.
In dem Dorf Mizubiki in der Nähe von Tokio leben der Gelegenheitsarbeiter Takumi und seine kleine Tochter Hana ein bescheidenes Leben im Einklang mit der Natur. Als eine aus Tokio kommende Agentur ihnen eine Glamping-Anlage als künftigen Touristenmagneten und Geld- und Jobbringer für das Dorf verkaufen will, sind die Dorfbewohner misstrauisch. Denn Glamping, also glamouröses Camping (oder Camping ohne all die Ärgernisse des Campings), klingt nicht wie natürverträgliches Camping, sondern wie Lärm und Schmutz, verursacht von vergnügungssüchtigen Städtern, die nach Sonnenuntergang am Lagerfeuer feiern.
Bei einer von den Projekt-Machern kurzfristigst einberufenen Informationsveranstaltung für die Bewohner von Mizubiki werden deshalb von ihnen viele berechtigte Bedenken angemeldet. Die beiden Präsentatoren des Projekts, Takahashi und Mayuzumi, bemerken, wie wenig durchdacht das von ihnen präsentierte Projekt ist.
Als sie ihren Vorgesetzten von den Bedenken erzählen, wollen diese das Projekt dennoch unverändert durchsetzen und so beträchtliche Fördergelder erhalten. Takahashi und Mayuzumi sollen Takumi als örtlichen Berater engagieren. Sie hoffen, dass er sich bei den anderen Einheimischen für das Projekt einsetzt. Nachdem er ihnen vertraut.
Das klingt jetzt wie ein saftiges Polit-Drama über die skrupellose Ausbeutung der Natur zugunsten kapitalistischer Interessen. Doch nichts davon könnte falscher sein. Es dauert ewig, bis es zu der Informationsveranstaltung kommt. Und es dauert noch länger, bis Takumi als örtlicher Berater engagiert wird. Bis dahin zeigt Hamaguchi Takumi bei alltäglichen Verrichtungen, wie Holz hacken, Wasabi sammeln und, für ein Restaurant, sauberes Wasser aus dem Bach holen. Er streift durch den Wald. Seine Tochter streift durch den Wald. Sie treffen sich mit Nachbarn. Und immer wird viel geschwiegen. So dauert es über zehn Minuten, bevor der erste Satz gesagt wird.
Das macht „Evil does not exist“, mit der Ambient-Musik von Eiko Ishibashi (die auch für Hamaguchis „Drive my Car“ die Musik schrieb), zu einer sehr langsamen und ruhigen Meditation über das einfache, in großer Nähe zur Natur stehende Leben. Wie in seinen vorherigen Filmen will Hamaguchi keine Antworten vorgeben. Er beobachtet, deutet an, lässt Raum für Assoziationen und verweigert eindeutige Antworten. Insofern ist das vollkommen rätselhafte, quer zur Filmgeschichte liegende Ende konsequent.
Evil does not exist(Aku wa sonzai shinai, Japan 2023)
Bürgerkrieg in den USA. Während sich die verschiedenen Kriegsparteien bekämpfen, machen sich die erfahrenen Kriegsjournalisten Joel (Wagner Moura) und Lee (Kirsten Dunst) auf den Weg von New York nach Washington, D. C.. Es sind etwas über dreihundert Kilometer durch ein Kriegsgebiet, in dem die Fronten vollkommen unklar sind und ein Menschenleben nichts zählt.
Joel will in der Hauptstadt den US-Präsidenten interviewen. Lee soll fotografieren. Begleitet werden sie von ihrem älteren, ebenfalls kriegserfahrenen Kollegen Sammy (Stephen McKinley Henderson) und der blutigen Anfängerin Jessie (Cailee Spaeny), die Lee bewundert und sich in die Reisetruppe eingeschlichen hat.
Zwischen Lee und Jessie entwickelt sich während der Reise ein Mentorin/Schülerin-Verhältnis. Gleichzeitig erzählt der Film eine doppelte Entwicklungsgeschichte. Auf der einen Seite ist die zunehmend kriegsmüde Lee, auf der anderen Seite Jessie, die zunehmend in den Job hineinwächst und sich über den Adrenalinschub freut.
Alex Garland, der Autor von „The Beach“ (verfilmt von Danny Boyle), den Drehbüchern „28 Days Later“ (verfilmt von Danny Boyle), „Sunshine“ (verfilmt von Danny Boyle) und „Dredd“ (verfilmt von Pete Travis) und, nach seinen Drehbüchern, der Regisseur von „Ex Machina“, „Auslöschung“ und „Men – Was dich sucht, wird dich finden“, inszenierte jetzt, selbstverständlich nach seinem Drehbuch, „Civil War“. Im Zentrum seiner neuesten Dystopie steht die Fahrt der vier Journalisten durch das Kampfgebiet als eine Abfolge von Episoden, in denen sie immer wieder Soldaten und anderen spärlich uniformierten Kämpfern begegnen. Immer ist unklar, ob sie die Begegnung überleben werden und immer ist unklar, auf welcher Seite die Soldaten kämpfen. Sie kämpfen halt und erschießen alles, was ihnen vor die Flinte gerät.
An einer irgendwie gearteten Durchdringung des Konflikts ist Garland nicht interessiert. Er erwähnt nur, dass der US-amerikanische Präsident gerade in seiner dritten Amtszeit ist (von zwei nach der Verfassung möglichen) und die „Westlichen Streitkräfte“, eine Koalition von Kalifornien und Texas, gegen die Regierung kämpft. Aber wenn die vier Journalisten dann durch das Kriegsgebiet fahren, kämpfen nur Menschen gegen Menschen. Wer auf welcher Seite kämpft ist unklar. Für was gekämpft wird, ist ebenso unklar. Warum sie gegeneinander kämpfen, ist auch unklar. Das ist zwar immer wieder, wenn die Journalisten in einer Garage gerade Gefolterte und Erhängte entdecken, in das Visier eines gesichtslosen Scharfschützen geraten oder einem von Jesse Plemons gespielten sadistischen Soldaten begegnen, als einzelne Episode spannend, aber auch schnell redundant. Im Gegensatz zu Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ ergibt sich aus den einzelnen Begegnungen kein vielschichtiges Bild des Krieges, sondern nur das immergleiche Bild, in dem US-amerikanische Soldaten andere US-Amerikaner umbringen. Eine tiefere philosophische Bedeutung ist dabei höchstens erahnbar.
Es ist auch unklar, was die Film-USA mit den realen USA zu tun haben. Das ist, zum Beispiel, in den „The Purge“-Filmen anders. Bei dieser Dystopie ist das Ziel der Kritik und Wut der Macher klar erkennbar. Schon im ersten „The Purge“-Film wurde skizziert, wie die „The Purge“-USA aus der real existierenden USA entstehen konnte. Bei den „The Purge“-Filmen ist daher auch klar, welche politischen Einstellung und Akteure angegriffen werden und wer das Kino verärgert verlassen soll. In „Civil War“ dürfte sich niemand in seiner politischen Einstellung angegriffen fühlen, jeder kann sich in seiner politischen Einstellung bestätigt fühlen, weil „Civil War“ als Parabel offen für jede Interpretation des Ursprungs des Konflikts ist. Das führt dazu, dass Garland keine Idee hat, wie der Bürgerkrieg entstanden ist und wie er hätte verhindert werden können. Er zeigt nur noch, überaus fotogen und gut inszeniert, sinnlose, nicht weiter berührende Gewalt.
Die vier Journalisten, die auf der Suche nach der großen Story durch das Kriegsgebiet fahren, dokumentieren diese Gewalt. Ihr moralisches Wertesystem oder ihre Ansichten über die Konfliktparteien werden nicht auf die Probe gestellt, weil sie keine Position zu diesem Konflikt haben. Es reicht gerade so zu einem banalen, allgemein zustimmungsfähigen „Krieg ist schlimm.“. Lee, Joel, Sammy und Jessie stehen vor keinem Dilemma. Wie Katastrophenjournalisten, die nur das eindrucksvolle Bild für ihr Fotoalbum haben wollen, fotografieren Lee und Cassie die Zerstörung, die Leichen und die Täter. Der schreibende Teil des Journalismus wird ignoriert. Recherche ist ein Fremdwort. Die Zusammenarbeit mit der Redaktion und die Frage, welche Meldungen und Bilder einen Nachrichtenwert haben, ebenso. Bei Garland reicht es nur zu einem seht und bewundert die tapferen Journalisten, die sich mitten in das Kampfgeschehen begeben.
„Civil War“ hätte der Film der Stunde, ein Statement zur aktuellen Situaiton in den USA und ein Warnruf werden können. Stattdessen vergeigt er das mit seinem apolitischen Ansatz und dem damit verbundenem Desinteresse an den Motiven der Konfliktparteien. Die so entstehende Kriegspornographie überschüttet er mit oberflächlichem Pathos über tapfere Journalisten.
Garlands neuestes Werk ist eine ziemlich Enttäuschung und ein erschreckend belangloser Film.
Civil War(Civil War, USA 2024)
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
mit Kirsten Dunst, Wagner Moura, Cailee Spaeny, Stephen McKinley Henderson, Jesse Plemons, Nick Offerman
Vor fünf Jahren – und damit vor ihren beiden „Scream“-Filmen – geriet in ihrer Horrorkomödie „Ready or not“ eine Braut in einem riesigen Anwesen in das bizarre Aufnahmeritual der Familie des Bräutigams. Schnell eskalierte die Filmgeschichte, unter dem Gelächter des Kinopublikums, sehr blutig.
In ihrem neuen Film „Abigail“ wird die titelgebende Abigail, eine zwölfjährige Balletttänzerin, entführt. Bis zur Zahlung des Lösegeldes wird sie von ihren Entführern in einem riesigen, verlassenen Anwesen gefangen gehalten. Schnell eskaliert die Filmgeschichte, unter dem Gelächter des Kinopublikums, sehr blutig.
Denn Abigail ist keine harmlos Zwölfjährige. Ihr Vater ist ein mächtiger Unterweltboss. Er ist so mächtig, dass die sechs Entführer schon bei der Nennung seines Namens, den sie erst nach der Entführung erfahren, Panikattacken bekommen. Das ist nicht das einzige, was sie nicht wissen. Sie kennen sich nur unter Tarnnamen. Sie wissen nichts übereinander. Das wollte der ihnen unbekannte Auftraggeber so. Er stellte sie als Team zusammen und lockte sie mit einer fürstlichen Entlohnung. Auch wenn am Filmanfang gesagt wird, dass sie alle Profis und die besten in ihrem Fach seien, vermutet man als Zuschauer schnell, dass diese sechs Trottel in erster Linie nicht wegen ihrer Fähigkeiten als Verbrecher ausgewählt wurden.
Oh, und Abigail ist keine harmlose Zwölfjährige, sondern ein Vampir.
Mehr soll hier über „Abigail“ nicht verraten werden. Der neue Film von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett lebt von einigen halbwegs überraschenden Wendungen, der Frage, in welcher Reihenfolge die Entführer sterben werden, seinem Humor und seinem unverkrampften Verhältnis zu spritzendem Blut. In „Abigail“ scheint jeder Mensch eher sechzig als sechs Liter Blut in seinem Körper zu haben.
Der Film selbst beginnt unblutig mit Abigails Entführung, die in nervig vielen Schnitten gezeigt wird. Glücklicherweise reduzieren Bettinelli-Olpin und Gillett nachher das Schnitttempo radikal. In diesem eher langsamen ersten Akt werden auch die Entführer skizzenhaft vorgestellt.
Mit dem Tod von ihrem Fahrer Dean (Angus Cloud in seiner letzten Rolle) endet dieser Teil des Thrillers. In den nächsten Minuten, wenn die Entführer auf der Suche nach Deans Mörder durch die dunklen Gänge der verlassenen Villa streifen, gibt es reichlich Suspense-Momente. Einerseits weil die Entführer Abigail suchen, andererseits weil Abigail gerne mit ihrem Essen spielt.
Danach wird der Horrorthriller zu einer sehr blutigen Schlachtplatte, die Splatter und Gore mit Comedy für Menschen mit einem stabilen Magen munter vermengt und über die Leinwand spritzen lässt.
Das macht „Abigail“ zu einem blutigen Spaß, der gut ins Programm des Fantasy-Filmfests gepasst hätte. Jetzt läuft er einige Monate früher im Kino an.
Abigail(Abigail, USA 2024)
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: Stephen Shields, Guy Busick
mit Melissa Barrera, Dan Stevens, Kathryn Newton, William Catlett, Angus Cloud, Kevin Durand, Alisha Weir, Matthew Goode, Giancarlo Esposito .
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Weil David Mitchells Roman vor zwanzig Jahren erschien. Die deutsche Übersetzung erschien zwei Jahre später.
One, 20.15
Cloud Atlas – Der Wolkenatlas (USA/Deutschland 2012)
Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)
„Cloud Atlas“ ist ein dreistündiger, auf sechs Zeitebenen zwischen 1849 und 2346 spielender Trip, bei dem sechs miteinander verwobene Geschichten, die auch alle unterschiedliche Genres bedienen, zu einer Vision verbunden werden, die auch den Eindruck von viel Lärm um Nichts hinterlässt. Aber die Wachowski-Geschwister und Tom Tykwer liefern einen kurzweiligen, immer interessanten und sehenswerten Film ab, bei dem die Stars, teils kaum erkennbar, in verschiedenen Rollen auftreten.
mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)
Wiederholung: Mittwoch, 17. April, 00.25 Uhr (Taggenau!)
Die üblichen Verdächtigen (The usual Suspects, USA 1995)
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Christopher McQuarrie
„Wer ist Keyser Soze?“ fragen sich einige nur scheinbar zufällig in eine Gefängniszelle eingesperrte Verbrecher und, nach einem Massaker im Hafen von San Pedro, auch ein Zollinspektor. Er lässt sich von dem einzigen Überleben erzählen, wie es zu dem Blutbad im Hafen kam.
Nach zwei Stunden gibt es die überraschende Enthüllung. Heute dürfte das Ende bekannt sein.
„Einer der intelligentesten Thriller des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1997)
McQuarries Drehbuch erhielt unter anderem den Edgar und den Oscar.
Mit Kevin Spacey, Chazz Palminteri, Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, Benicio Del Toro, Kevin Pollak, Pete Postlethwaite, Suzy Amis, Giancarlo Esposito, Dan Hedaya, Paul Bartel, Louis Lombardi
Wiederholung: Freitag, 19. April, 01.43 Uhr (Taggenau!)
Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal(Deutschland/Frankreich/Italien 1959, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Fritz Lang, Werner Jörg Lüddecke
LV: Thea von Harbou: Das indische Grabmal, 1918
Ingenieur Berger soll den Palast des Maharadschas von Eschnapur modernisieren. Als er sich in eine Tempeltänzerin verliebt, ist es vorbei mit der orientalischen Gastfreundschaft.
Mit diesem Zweiteiler kehrte Fritz Lang aus den USA nach Deutschland zurück. Danach drehte er „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, seinen letzten Film.
Naiver Abenteuerfilm, der niemals auch nur im Ansatz die Qualität von Fritz Langs besseren Filmen erreicht.
Der Kolportagefilm ist gleichzeitig das Remake eines Stummfilms von 1921, für den Fritz Lang und Thea von Harbou damals das Drehbuch schrieben. Joe May, der auch produzierte, übernahm damals die Regie.
„In den Reaktionen des heutigen Publikums, das die Filme unbelastet sieht von den Erwartungen, die sich in den Fünfzigerjahren an die Rückkehr der emigrierten Regisseure knüpften, ist nicht mehr zu unterscheiden: der Spaß am primitiven Kino, die Belustigung über schauspielerisches Untalent und die Heiterkeit, die aus dem Unausgeführten, Skizzenhafen der Inszenierung rührt.“ (Enno Patalas: Der Tiger von Eschnapur/Das indische Grabmal, in Fritz Lang, Hanser Reihe Film 1976/1987)
Danach war der deutsche Kinobesucher reif für die Karl-May-Filme.
Mit Debra Paget, Paul Hubschmid, Walther Reyer, Claus Holm, Sabine Bethmann, Inkijinoff, René Deltgen
Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)
Regie: Carl Franklin
Drehbuch: Carl Franklin
LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)
Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.
Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.
Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle
Wiederholung: Sonntag, 14. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Wir sind dann wohl die Angehörigen (Deutschland 2022)
Regie: Hans-Christian Schmid
Drehbuch: Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid
LV: Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen – Die Geschichte einer Entführung, 2018
TV-Premiere. Am 25. März 1996 wird Jan Philipp Reemtsma entführt. Zähe Verhandlungen mit den Entführern beginnen. Hans-Christian Schmid schildert in seinem Drama, basierend auf den Erinnerungen des damals dreizehnjährigen Reemtsma-Sohnes Johann Scheerer, die Geschichte dieser Entführung aus der Sicht der Familie. Spannend.
Es heißt, die Geschichte von „La Chimera“ spiele in Italien in den 80er Jahren. Aber es ist ein Italien, das wie ein Fantasieland wirkt. Sicher, gedreht wurde in existierenden Landschaften in existierenden Gebäuden, aber nie sieht es nach den real existierenden 80er Jahren aus. Alles sieht wie ein über Jahrzehnte konserviertes Nachkriegsitalien zwischen Neorealismus, Felllini und etwas Pasolini aus. Eine alternde Aristokratin zelebriert in einer Villa, die mehr Ruine als Villa ist, einen aristokratischen Lebensstil. Arthur, so etwas wie der Protagonist der Geschichte, ist ein Ausländer unklarer, möglicherweise britischer Herkunft. Er lebt in einem an die Stadtmauer geklatschten Windschutz, der kaum Schutz vor dem Wetter bietet und sogar im Mittelalter als ärmlich gegolten hätte. Er ist der Anführer einer Bande ziemlich erfolgloser einheimischer Grabräuber. Mit einer Wünschelrute kann er in Etrurien Gräber finden. In ihnen sind wertvolle Grabbeigaben. Sie plündern die Gräber ohne einen Funken Kunstverstand und verkaufen die Beute anschließend für einige Lire auf dem Schwarzmarkt. Aber Arthur ist kein normaler Grabräuber. Seine von ihm gesuchte Chimäre sieht wie eine Frau aus, die er verloren hat und die er hinter dem Tor zum Jenseits hofft zu finden.
Und wer jetzt schon entnervt abwinkt, wird an „La Chimera“ keine Freude haben. Alice Rohrwacher neuer Film ist, nach „Land der Wunder“ und „Glücklich wie Lazzaro“, der Abschluss ihrer Trilogie über das ländliche Italien. An einem schnöden Realismus oder einer einfach fassbaren Sozialkritik ist sie nicht interessiert. Ihr Realismus endet in „La Chimera“ mit den Drehorten und der in Italien real vorhandenen Grabräuberei. Danach ist der Schritt in fantastische und magische Welten, in denen die Gesetze der Logik und der Rationalität nicht gelten, schnell vollzogen. Zwischen diesen Welten, der Gegenwart und der Vergangenheit, mäandert der Film, wenig bis überhaupt nicht an Erklärungen interessiert, vor sich hin.
Das bewegt sich eigenständig in einem eigenen erzählerischem, an italienische Erzähltraditionen anknüpfendem Kosmos. Vielen Kritikern gefiel das sehr gut. Mir blieb der sich daraus ergebende Reiz weitgehend verborgen.
La Chimera(La Chimera, Italien/Frankreich/Schweiz 2023)
Regie: Alice Rohrwacher
Drehbuch: Alice Rohrwacher
mit Josh O‘Connor, Carol Duarte, Vincenzo Nemolato, Isabella Rossellini, Alba Rohrwacher, Yile Yara Vianello, Lou Roy-Lecollinet
Ihre erste CD „Frank“ veröffentlicht die am 14. September 1983 London geborene Amy Winehouse 2003. Der große weltweite Erfolg kommt 2006 mit ihrer zweiten und letzten CD „Back to Black“. 2008 erhält die Retrosoul-Sängerin bei den Grammy Awards rekordverdächtige fünf Preise. 2007 heiratet sie Blake Fielder-Civil. 2009 erfolgt die Scheidung. Er macht sie drogenabhängig. Die Beziehung ist von Gewalt und Drogen und öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt. Winehouse ist, mit ihrem unberechenbarem Verhalten, ihrer Drogensucht und psychischer Probleme, ein wandelndes Katastrophengebiet. Die Boulevardpresse belagert sie. Am 23. Juli 2011 stirbt sie an einer Alkoholvergiftung. Amy Winehouse wurde 27 Jahre alt.
Ihr kurzes Leben bietet, abseits der ausgetretenen Biopic-Pfade, in denen einfach ihre Lebensstationen und Skandale chronologisch abgehandelt werden, viele Anknüpfungspunkte für einen aufregenden Film.
„Back to Black“ ist es nicht. Es ist bestenfalls eine mit Amy-Winehouse-Songs garnierte Liebesgeschichte unter Drogenabhängigen. Die biographischen Stationen aus Amy Winehouses Leben werden so kryptisch, elliptisch und bezuglos abgehandelt, dass man danach den Wikipedia-Artikel liest, um zu erfahren, was man gerade gesehen hat. Da springt der Film von Konzerten in Bars vor kleinem Publikum zu Arena-Konzerten. Da beschließt Amy Winehouse in der einen Minute, sich in eine Drogentherapie zu begeben. Es folgen ein Bild eines ländlich gelegenen Nobelsanatoriums und schon ist die Therapie beendet. Währenddessen wird ausführlich und in langen Szenen die erste Begegnung von Winehouse und Blake Fielder-Civil, deren Ausprobieren verschiedenster Drogen und ihre vor allem für sie sehr ungute Beziehung zelebriert. Dazwischen tritt der immer zuverlässige Eddie Marsan als ihr Vater Mitch Winehouse auf. Er versucht ihr selbstlos und uneigennützig zu helfen.
Drehbuchautor Matt Greenhalgh („Control“ [über „Joy Division“-Frontman Ian Curtis], „Nowhere Boy“ [über den jungen John Lennon]) und Regisseurin Sam Taylor-Johnson („Nowhere Boy“, Razzie-Liebling „Fifty Shades of Grey“) erzählen Amy Winehouses Lebensgeschichte oberflächlich und alle möglichen Tiefen und interessanten Aspekte vermeidend. Das Ergebnis ist eine Junkie-Liebesgeschichte, in der wir wenig über Amy Winehouse erfahren und das wie die harmlose Spielfilmversion von Asif Kapadias mit dem Dokumentarfilm-Oscar ausgezeichnetem Porträt „Amy“ (GB 2015) wirkt. Sein Film ist zwar auch nur gefälliges, auf Analysen und historische Einordnungen verzichtendes Doku-Handwerk für den Amy-Winehouse-Fan, aber immerhin wird die problematische Beziehung zu ihrem Vater Mitch Winehouse und zu Blake Fielder-Civil tiefgehender thematisiert und es gibt eine Idee, warum Amy Winehouse so jung starb. Insofern ist Kapadias Dokumentarfilm der bessere Einstieg in ihr Leben.
„Back to Black“ ist dagegen nur ein Biopic für den Amy-Winehouse-Fan, der sich freut, ihre Songs im Kino zu hören.
Vor wenigen Wochen lief Reinaldo Marcus Greens „Bob Marley: One Love“ (Bob Marley: One Love, USA 2024) an. Er konzentriert sich in seinem ebenfalls eher misslungenem Biopic (das immerhin die Musik von Bob Marley hat) auf einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben des 1981 verstorbenen Reggae-Musiker. Im direkten Vergleich ist Greens Musiker-Biopic das bessere Musiker-Biopic. Er hat immerhin eine Idee davon, was er erzählen möchte.
Back to Black (Back to Black, Großbritannien 2024)
Regie: Sam Taylor-Johnson
Drehbuch: Matt Greenhalgh
Filmmusik: Nick Cave, Warren Ellis
mit Marisa Abela, Jack O’Connell, Eddie Marsan, Lesley Manville, Juliet Cowan, Sam Buchanan
im strukturschwachen Agen soll eine Fabrik geschlossen werden. Gewerkschaftler Laurent (Vincent Lindon) führt seine Kollegen in einen harten Kampf um ihre Arbeitsplätze.
Starkes Drama. „Das niederdrückend realistische, fast dokumentarische Drama bemüht sich um eine sorgfältige Darstellung des Arbeitskampfes und der beteiligten Prozesse.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, David Rey, Isabelle Rufin, Olivier Lemaire
Es ist sein fünfzigster Film. Es könnte gleichzeitig sein letzter sein. Immerhin ist Woody Allen 88 Jahre alt, ’50‘ wäre eine schöne runde Zahl und während der Dreharbeiten wurde kolportiert, es werde sein letzter Film sein. Das deutete Allen auch auf den Filmfestspielen von Venedig bei der Premiere des Films an. Inzwischen wird wieder das Gegenteil gesagt.
In jedem Fall ist, angesichts seines Outputs in den vergangenen Jahren, „Ein Glücksfall“ ein überraschend gelungener Film. Mit vielen Wagnissen und einer jugendlichen Experimentierlust.
Allen drehte die Krimikomödie in Frankreich auf französisch mit auffallend langen Kamerafahrten. Denn normalerweise stellt Allen die Kamera so hin, dass alles Wichtige im Bild ist – und dann lässt er sie laufen. Schnitt, Gegenschnitt, fertig. Seinen neuen Film „Ein Glücksfall“ beginnt er mit einer zufälligen Begegnung von Fanny (Lou de Laâge) und Alain (Niels Schneider) auf der Straße. Er begleitet sie anschließend zu ihrem Arbeitsplatz. Er erzählt dabei, dass er bereits in der Schule in sie verliebt war und jetzt an seinem neuen Buch schreibe. Kameramann Vittorio Storaro, der zum fünften Mal mit Woody Allen zusammenarbeitet, begleitet sie und umkreist sie dabei immer wieder. Einige Filmminuten später unterhält Fanny sich mit ihrem Mann Jean (Melvil Poupaud) in ihrer riesigen Pariser Wohnung. Dabei laufen sie durch die Wohnung. Die Kamera begleitet sie und erkundet die Wohnung. Das geht so durch den gesamten Film.
Dann spielt die Geschichte, wieder einmal, in Paris.
In den vergangenen Jahren hat Woody Allen seine New-Yorker-Heimat öfter in Richtung Europa verlassen. Er drehte, teils mehrmals, in England, Frankreich, Italien und Spanien. Aber das waren nur Ortswechsel mit US-amerikanischen Schauspielern. Auch dieses Mal war das so geplant. Dann wäre Paris die Kulisse für etwas Mord und Totschlag unter in Frankreich lebenden Amerikanern geworden. Aber dann sagte Allen sich, dass es eine tolle Erfahrung wäre, den Film auf französisch zu drehen. Die Produzenten waren einverstanden.
Also drehte Allen seinen fünfzigsten Film mit französischen Schauspielern auf französisch. Ich habe die Originalfassung, also die französische Fassung, gesehen und es hörte sich gut an. Die Schauspieler spielen natürlich. Der Rhythmus der Sätze und Dialoge ist ebenso natürlich. Das wirkt, als habe ein französischer Regisseur einen Film in seiner Landessprache inszeniert. Angesichts der oft arg künstlich wirkenden US-amerikanischen Schauspieler in Hollywood-Debüts europäischer Regisseure ist das keine kleine, sondern eine sehr beachtliche Leistung. Vor allem weil Allen, so sagt er, kein französisch spricht und es noch weniger versteht. Er musste sich auf die Schauspieler und sein Gefühl verlassen.
Auch die Story ist deutlich besser als die Geschichten der letzten Woody-Allen-Filme, die immer wie ein Griff in den Zettelkasten wirkten. „Ein Glücksfall“ ist zwar nicht so gelungen, wie „Match Point“, aber sehr viel fehlt nicht. „Ein Glücksfall“ ist Woody Allens überaus gelungene Variante eines französischen Kriminalfilms aus den fünfziger Jahren, inclusive Seitensprung, eifersüchtigem Ehemann, Liebesstunden in einer lauschigen Dachgeschoss-Künstlerwohnung und viel cooler Jazzmusik, die beginnend mit Miles Davis improvisierter Musik für Louis Malles Debüt „Fahrstuhl zum Schafott“, öfter in französischen Kriminalfilmen erklang und sehr gut zur noirischen Filmgeschichte passte.
Und diese geht so: Nachdem Fanny und Alain sich zufällig begegnet sind und er ihr von seiner während der Schulzeit ihr nicht offenbarten Liebe erzählt, beginnt sie ihr Leben zu überdenken. Sie ist in zweiter Ehe mit Jean verheiratet. Ihre erste Ehe war mit einem Künstler und eigentlich gefällt ihr das Leben der Künstlerbohème. Mit Jean ist es anders. Finanziell hat sie ausgesorgt. Er ist liebevoll, aber auch etwas langweilig, kontrollsüchtig und skrupellos beim Erreichen seiner Ziele. Als er vermutet, dass Fanny ihn mit Alain betrügt, bittet er einige seiner halbseidenen Geschäftspartner, sich um das Problem zu kümmern.
„Ein Glücksfall“ wäre ein gelungener Abschluss für ein Lebenswerk. Aber inzwischen hat Woody Allen gesagt, dass er einen weiteren Film inszenieren möchte. Die Dreharbeiten könnten im Sommer 2024 in Italien beginnen.
Ein Glücksfall (Coup de Chance, Frankreich/USA/Großbritannien 2023)
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
mit Lou de Laâge, Valérie Lemercier, Melvil Poupaud, Niels Schneider, Guillaume de Tonquédec
Im Krankenhaus begegnen sich eine selbstständige vierzigjährige Fotografin und eine hoffnungslos überforderte 17-jährige. Beide bringen ihr erstes Kind zur Welt. Später fragt sich die Fotografin, ob ihr Baby im Krankenhaus vertauscht wurde.
TV-Premiere. Den Krimiplot benutzt Pedro Almodóvar nur, um gewohnt feinfühlig eine komplexe Beziehungsgeschichte zwischen zwei Frauen und über die spanische Vergangenheit zu erzählen. Gewohnt überzeugend.
The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016
Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.
Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
Wiederholung: Mittwoch, 10. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Eine Möglichkeit, diese Kritik zu beginnen, ist mit dem Hinweis, dass der 83-jährige Hayao Miyazaki vor wenigen Wochen für seinen bislang letzten Film „Der Junge und der Reiher“ den Oscar für den besten Animationsfilm erhielt.
Eine andere Möglichkeit ist, darauf hinzuweisen, dass der Werbespruch „kehrt zu seinem 45-jährigen Jubiläum zurück auf die große Leinwand“ etwas irreführend ist. Sicher, in Japan lief Miyazakis Film am 15. Dezember 1979 an. Seine deutsche Premiere hatte der Zeichentrickfilm erst 1984 als „Die Jäger des Cagliostro“ in einer rabiat um ungefähr sechzehn Minuten gekürzten Fassung. Seitdem wurde der Animationsfilm in Deutschland, weil aus wahrscheinlich nie zu klärenden Gründen aus Lupin III Hardyman wurde, auch als „Hardyman schafft alle“ und „Hardyman räumt auf“ präsentiert. Er erschien ungekürzt und neu synchronisiert. Aber im Kino lief er bislang offiziell noch nicht ungekürzt. Insofern kann auch gesagt werden „erstmals ungekürzt auf der deutschen Leinwand“.
Und jetzt, nachdem japanische Animationsfilme und die Filme des von Hayao Miyazaki gegründeten Studio Ghibli weltweit beliebt sind, sollte Miyazakis Spielfilmdebüt auch das für den Film angemessene Publikum finden. Denn „Lupin III: Das Schloss des Cagliostro“, so der aktuelle Titel, ist ein überaus gelungener und zeitloser Trickfilm für Kinder jeden Alters.
Arsène Lupin III ist eine von Monkey Punch (aka Kazuhiko Katō) erfundene Figur, die ihren ersten Auftritt 1967 in der nach ihm benannten Manga-Serie „Lupin III“ hatte. Der titelgebende Held ist der Enkel von Arsène Lupin, einem von Maurice Leblanc erfundenen Meisterdieb, der 1905 seinen ersten Auftritt hatte und seitdem äußerst beliebt ist. Auch Lupin III ist ein Meisterdieb. Sein jüngster Coup, mit dem auch Hayao Miyazakis Spielfilm beginnt, endet mit einer riesigen Beute und einem kleinen Schönheitsfehler. Nicht dass sie nach dem Diebstahl von einer Armee schießwütiger Gestalten verfolgt werden, sondern dass sie Falschgeld erbeutet haben. Lupin will sich, zusammen mit seinem treuen Gefährten Jigen, an dem Fälscher rächen. Er kennt ihn von früher. Es handelt sich um den Herrscher über das kleine europäische Fürstentum Cagliostro. Das Fürstentum ist einer dieser europäischen Kleinstaaten, die in Büchern und Filmen immer gut für eine zünftige und witzige Abenteuergeschichte sind.
Auf dem Weg zum Schloss des Grafen Cagliostro geraten unser Held und sein Freund in eine wilde Verfolgungsjagd. Sofort wollen Lupin und Jigen die von schießwütigen Männern verfolgte, ihnen vollkommen unbekannte, schöne, junge Frau retten. Das gelingt ihnen nicht. Aber Hayao Miyazaki präsentiert hier, wenige Minuten nach dem Beginn des Films, schon die zweite große Actionszene, die wieder vor Witz, Ideen und Einfällen nur so sprudelt. Am Ende der wilden Hazt sehen Lupin und Jigen, wie die Prinzessin Clarisse in das Schloss entführt wird.
Lupin weiß immer noch nichts über sie. Trotzdem will er sie retten und sich nebenbei am Graf Cagliostro rächen.
Das ist die Ausgangslage für eine fetzige und witzige Abenteuergeschichte. Das Schloss ist bestens gesichert und voller Fallen. Noch während Lupin in das Schloss eindringt, taucht sein alter Erzfeind, Interpol-Inspektor Zenigata, auf. Das ist kein Zufall, sondern von Lupin so gewollt. Zenigata soll Cagliostro und seine Männer ablenken und so Lupin näher an sein Ziel bringen.
In seinem ersten Kinofilm erzählt Hayao Miyazaki eine rasante und witzige Abenteuergeschichte, die 45 Jahre nach ihrer Premiere nichts von ihrem Schwung verloren hat. Es ist eine zeitlose Gaunerkomödie mit klar gezeichneten Helden und Bösewichtern und einem ordentlichen Retro-Touch. Die Fahrzeuge, die Gadgets, die heftig swingende Musik, die detailversessenen Zeichnungen und der selbstironische Humor stammen eindeutig aus einer anderen Zeit.
Insgesamt wirkt „Das Schloss des Cagliostro“ wie eine dieser locker beschwingten Abenteuerfilme aus den sechziger und siebziger Jahren, als ein jugendlich-elanvoller Gentleman-Gauner mit einem breiten Grinsen, einem frechen Mundwerk, einer Waffe in der linken, eine schöne Frau in der rechten Hand, sich durch ein haarsträubend gefährliches Abenteuer kalauert und kämpft. Mit einer ordentlichen Portion Slapstick und todesverachtendem Wagemut. Damals war Jean-Paul Belmondo die perfekte Besetzung für die Hauptrolle in einer solchen Actionkomödie.
Heute ist Miyazakis Kinodebüt ein Klassiker das japanischen Trickfilms. Rückblickend sah Miyazaki den Film als das Ende eines Teils seiner Karriere und seiner Beschäftigung mit Lupin III. Danach gründete er das Studio Ghibli – und der Rest ist Geschichte.
Jetzt kommt „Lupin III: Das Schloss des Cagliostro“ erstmals in voller Länge und, dank einer prächtig aussehenden 4K-Restaurierung, wundervoll aussehend in die Kinos.
Lupin III: Das Schloss des Cagliostro(Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro, Japan 1979)
Regie: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki, Haruya Yamazaki
LV: Monkey Punch: Lupin III (Manga-Serie)
mit (im Original den Stimmen) Yasuo Yamada, Eiko Masuyama, Kiyoshi Kobayashi, Makio Inoue, Gorô Naya, Sumi Shimamoto, Tarô Ishida
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Kinostart: 9. April 2024
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auch bekannt unter
Die Jäger des Cagliostro (Kinotitel 1984, auf 89 Minuten gekürzt, als Regisseur wird im Fischer Film Almanach Mia Zaki genannt; im Lexikon des internationalen Films heißt der Regisseur in der gedruckten Ausgabe Miya Zaki, dort wird auch eine auf 82 Minuten gekürzte Version erwähnt)
Hardyman schafft alle (neuer Verleihtitel 1985)
Hardyman räumt auf (VHS)
Hardyman schafft alle – Freiheit für Prinzessin Yasmin (TV)