TV-Tipp für den 8. April: Duell am Missouri

April 7, 2024

Arte, 22.35

Duell am Missouri (The Missouri Breaks, USA 1976)

Regie: Arthur Penn

Drehbuch: Thomas McGuane, Robert Towne (ungenannt)

Montana, 1880: Ein Großrancher heuert einen Killer an, der einen Pferdedieb töten soll.

Und weil der Killer von Marlon Brando (teils in Frauenklamotten) und der Pferdedieb von Jack Nicholson gespielt wird, genießt der Western Kultstatus. Auch wenn das Schauspielerduell anders ausfällt, als man vermutet.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte den Liebesfilm „Sayonara“ (USA 1957). Ebenfalls mit Marlon Brando.

mit Marlon Brando, Jack Nicholson, Randy Quaid, Kathleen Lloyd, Frederic Forrest, Harry Dean Stanton

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Duell am Missouri“

Wikipedia über „Duell am Missouri“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Arthur Penn

Arthur Penn in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. April: James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben (+ Buchtipp: Mark Salisbury: Being Bond)

April 6, 2024

RTL, 20.15

Keine Zeit zu sterben (No time to die, Großbritannien 2021)

Regie: Cary Joji Fukunaga

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge (nach einer Geschichte von Neal Purvis, Robert Wade und Cary Joji Fukunaga) (basierend auf – das ist zu schön um es auf ein schnödes „Figur von Ian Fleming“ zu reduzieren – „The James Bond novels and stories written by Ian Fleming, and the 24 James Bond motion pictures produced by Danjaq, LLC and its predecessors in interest“)

James Bond (Daniel Craig), mal wieder aus dem Ruhestand geholt, kämpft gegen Bösewicht Safin (Rami Malek). Der will mit Viren schlimme Dinge anrichten.

TV-Premiere. Der längste und, so meine Minderheitenmeinung, einer der schlechtesten, vielleicht sogar der schlechteste James-Bond-Film dank eines konfusen Drehbuchs, hirnrissigen Wendungen, einem blassen Bösewicht, einer erschreckend schlecht aussehenden Zentrale des Bösewichts und einem vollkommen idiotischen Ende.

Das ist das Ende der kommerziell erfolgreichen Ära von Daniel Craig als James Bond. Filmisch ist das Ergebnis bestenfalls durchwachsen mit zwei wirklich guten, einem durchwachsenen (mit der starken Tendenz zum Schlechten) und zwei eindeutig schlechten Bond-Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ben Whishaw, Naomie Harris, Jeffrey Wright, Christoph Waltz, Ralph Fiennes, Rory Kinnear, David Dencik, Ana de Armas, Billy Magnussen, Dali Benssalah

alternative Schreibweise „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“

Wiederholung: Montag, 8. April, 00.30 Uhr (Taggenau!)

–

Druckfrisch

Der Titel „Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick“ verrät den Inhalt. In seinem Buch nimmt Filmjournalist Mark Salisbury sich die fünf Daniel-Craig-James-Bond-Filme vor in ausführlichen Analysen mit vielen Hintergrundinformationen und vielen Bilder von den Dreharbeiten und der Produktion. Dank des großen Querformats ist das Filmbuch ein Hingucker und, wegen des Gewichts, nur bedingt als Bettlektüre geeignet.

–

Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2024

256 Seiten

49 Euro

–

Originalausgabe

Being Bond: A Daniel Craig Retrospective

Titan Publishing Group, 2024

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Keine Zeit zu sterben“

Metacritic über „Keine Zeit zu sterben“

Rotten Tomatoes über „Keine Zeit zu sterben“

Wikipedia über „Keine Zeit zu sterben“ (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

zum Regisseur

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunagas „True Detective – Staffel 1“ (True Detective, USA 2014)


TV-Tipp für den 6. April: Helden der Nacht – We own the Night

April 5, 2024

Tele 5, 00.25

Helden der Nacht (We own the Night, USA 2007)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray

Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.

„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)

Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante

Hinweise:

Rotten Tomatoes über „Helden der Nacht“

Wikipedia über „Helden der Nacht“ (deutsch, englisch)

Salon Conversations: Podcast mit James Gray über „Helden der Nacht“

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016)

Meine Besprechung von James Grays „Ad Astra: Zu den Sternen“ (Ad Astra, USA 2019)

Meine Besprechung von James Grays „Zeiten des Umbruchs“ (Armageddon Time, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Geschichten aus Afrika: „Omen“, Teufel und Hexen im Kongo

April 5, 2024

Es dauert nur wenige Minuten. Dann hat Alice Koffis Haare von einem imposanten, über viele Jahre gewachsenen Afro zu einer unauffälligen Kurzhaarfrisur geschnitten. Der Haarschnitt ist nötig, weil Koffi zu einer Familienfeier fahren, seine schwangere Frau, eine Weiße, der Familie vorstellen und ihren Segen für eine Heirat erhalten will. Sein Versuch, sich nach jahrelanger Abwesenheit in Belgien wieder mit seiner in einem Minendorf lebenden Familie zu versöhnen, schlägt fehl. Als er ein Baby im Arm hat, bekommt er Nasenbluten. Das Blut tropft auf das Baby. Seine gläubige Familie interpretiert das als böses Omen.

Ausgehend von diesem Ereignis entfaltet der 1978 in Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo) geborene, seit vielen Jahren in Belgien lebende Musiker und Künstler Baloji eine breite Meditation über das Verhältnis von (Aber)glaube und Moderne im heutigen Kongo. Grob konzentriert er sich dabei auf vier Figuren, die unterschiedlich von der Hexerei betroffen sind und unterschiedlich mit ihr umgehen. Verbunden werden die miteinander verwobenen Geschichten und die verschiedenen Aspekten des Themas durch die Musik und die assoziative Montage der farbenfrohen, teils surrealen Bilder.

Das macht „Omen“ dann zu einem Experimentalfilm, bei dem die Oberfläche ansprechender als der nacherzählbare Inhalt ist. Eine herkömmliche Geschichte ist kaum erkennbar. Die Figuren, ihre Motive und ihre Beziehungen zueinander bleiben weitgehend rätselhaft. Und die Geschichte(n) entwickeln sich oft arg sprunghaft. Aber, wie gesagt, die Montage rettet einiges und als Experimentalfilm hat „Omen“ durchaus seinen Reiz.

Omen (Augure, Belgien/Deutschland/Frankreich/Niederlande/Südafrika/Demokratische Republik Kongo 2023)

Regie: Baloji

Drehbuch: Baloji, Thomas van Zuylen

mit Marc Zinga, Yves-Marina Gnahoua, Marcel Otete Kabeya, Eliane Umuhire, Lucie Debay, Denis Mpunga

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Omen“

Moviepilot über „Omen“

Metacritic über „Omen“

Rotten Tomatoes über „Omen“

Wikipedia über „Omen“


Neu im Kino/Filmkritik: Geschichten aus Afrika: „Ich Capitano“ auf dem Weg von Afrika nach Europa

April 5, 2024

Bei uns sind eigentlich nur die Bilder von den überfüllten Booten im Mittelmeer und den überfüllten Flüchtlingslagern an der südlichen Grenze zu Europa bekannt. Es heißt dann immer, die Flüchtlinge seien aus Afrika gekommen. Aber wer sie sind, wo sie genau herkommen und welchen strapaziösen Weg sie bis zum Mittelmeer auf sich genommen haben, ist nicht bekannt.

Dieses ‚davor‘ erzählt Regisseur Matteo Garrone („Gomorrha“, „Das Märchen der Märchen“) in seinem neuen Spielfilm „Ich Capitano“. Im Mittelpunkt des Films stehen die beiden aus dem Senegal kommenden Jugendlichen Seydou und Moussa. In Dakar leben die beiden Teenager ein ärmliches Leben. Wie viele Jugendliche träumen sie von einem besseren Leben. Zum Beispiel als Musiker auf einer großen Bühne. Dieses erhoffen sie sich in Europa. Gemeinsam und mit mühsam bei Knochenjobs abgespartem Geld machen sie sich auf den Weg. Es ist eine durchgehend gefährliche und beschwerliche Reise, die sie von Dakar durch die angrenzenden Länder und die Sahara nach Libyen führt. Von Tripolis aus wollen sie das Mittelmeer in Richtung Italien überqueren. Schon kurz nachdem sie ihre Heimatstadt verlassen haben, bemerken sie, dass der vor ihnen liegende Weg gefährlich ist und nicht alle das Ziel erreichen werden.

Matteo Garrone erzählt die Geschichte der beiden Jungs chronologisch als typische Auswanderergeschichte vom Verlassen des Heimatdorfs bis zur Ankunft im gelobten Land. Diese Geschichte wurde schon in unzähligen Variationen erzählt. So allerdings sehr selten. In „Ich Capitano“ brechen nämlich nicht Italiener oder Iren nach Amerika, sondern zwei Senegalesen nach Europa auf. Der Grund für das Verlassen ihrer Heimat ist, falls es keine Flucht aus politischen oder religiösen Gründen ist, damals und heute der gleiche: sie erhoffen sich im gelobten Land ein besseres Leben. Dieser Wunsch ist, nachdem Garrone deren ärmliches Leben in Dakar gezeigt hat, verständlich. Im Senegal werden sie immer arm bleiben.

Während des gesamten farbenprächtigen Films bleibt Garrone bei Seydou und Mossa, die vorzüglich von den aus Senegal kommenden Newcomern Seydou Sarr und Moustapha Fall gespielt werden. Deren Reiseabenteuer, die alle auf wahren Ereignissen basieren, erzählt Garrone durchgehend mit den vertrauten Mitteln des klassischen Hollywoodkinos. Das erleichtert die Identifikation und es markiert einen wohltuenden Wechsel der Perspektive. Aus den Menschen, die im tagespolitischen Diskurs davon abgehalten werden sollen, das Gebiet der Europäischen Union zu betreten, werden Menschen, die einen Traum verfolgen. Garrone konzentriert sich in seinem bildgewaltigem und berührenden Abenteuerfilm auf die beiden Jungen, ihre wenigen schönen und vielen traumatischen Erlebnisse und wie sie versuchen, anständig zu bleiben.

Seine Premiere hatte „Ich Capitano“ 2023 in Venedig. Dort erhielt der Film mehrere Preise. Garrone erhielt den Silbernen Löwen für die Beste Regie. Nominierungen für den Europäischen Filmpreis, den Golden Globe und den Oscar als Bester Internationaler Film schlossen sich an.

Ich Capitano (Io capitano, Italien/Belgien 2023)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri

mit Seydou Sarr, Moustapha Fall, Issaka Sawadogo

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Ich Capitano“

Metacritic über „Ich Capitano“

Rotten Tomatoes über „Ich Capitano“

Wikipedia über „Ich Capitano“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 5. April: Jack Reacher (+ Buchtipp: Lee Child/Andrew Child: Der Sündenbock)

April 4, 2024

Pro7, 20.15

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.

„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.

2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher.

mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

–

Lesetipp

Zuletzt erschien auf Deutsch der 25. Jack-Reacher-Thriller. „Der Sündenbock“ ist der erste von mehreren Romanen, die Lee Child mit seinem jüngeren Bruder Andrew Child schreibt. Andrew Child veröffentlichte als Andrew Grant einige, teils ins Deutsche übersetzte Thriller. Geplant ist, dass Andrew später die Serie allein fortschreibt.

In „Der Sündenbock“ landet der ziellos durch die USA reisende ehemalige Militärsoldat Jack Reacher in einer Kleinstadt, die von Hackern erpresst wird. Reacher beginnt sie zu suchen.

–

Lee Child/Andrew Child: Der Sündenbock

(übersetzt von Wulf Bergner)

Blanvalet, 2023

416 Seiten

24 Euro

–

Originalausgabe

The Sentinel (Reacher 25)

Bantam Press, London, 2020

–

Hinweise

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch), Jack Reacher (deutsch, englisch) und Lee Child (deutsch, englisch)

zu Lee Child und Jack Reacher

Homepage von Lee Child

Meine Besprechung von Lee Childs „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman“ (Night School (21 Reacher), 2016)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Spezialist“ (Past Tense (Reacher 23), 2018)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Held“ (The Hero, 2019)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Meine Besprechung der Amazon-Prime-Video-Serie „Reacher“ (Reacher, USA 2022) (Staffel 1) (Verfilmung des Jack-Reacher-Romans „Größenwahn“ [Killing Floor, 1997])

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

zu Christopher McQuarrie

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Andrea lässt sich scheiden“; Josef Hader hilft

April 4, 2024

Auf einer schnurgeraden Landstraße überfährt Andrea (Birgit Minichmayr) mitten in der Nacht ihren Mann. Sie war gerade mit dem Telefon beschäftigt. Und sie konnte auch nicht wirklich ahnen, dass ihr stockbesoffener Gatte gerade jetzt über die Straße stolpert. Ihre Trauer hält sich in Grenzen. Immerhin ist die Ehe schon vorbei. Nur das mit der Scheidung hat noch nicht geklappt. Naja, irgendwie hat es jetzt ja doch geklappt. Dummerweise ist Andrea Polizistin. Im Dienst verfolgt sie ohne Nachsicht Verbrecher, wie zum Beispiel zu schnell fahrende Nachbarn. In einigen Tagen soll sie in St. Pölten eine neue Stelle als Kriminalinspektorin antreten. Diese Stelle will sie unbedingt antreten. Also fährt sie weiter. Ohne die Kollegen zu informieren.

Kurz darauf wird sie von diesen angerufen. Ihr Mann wurde tot auf der Straße gefunden. Der Täter stehe neben ihnen. Es handelt sich um Franz (Josef Hader), einen katholischen Religionslehrer und trockenen Alkoholiker. Er bekennt sich sofort schuldig und ist mit jeder Strafe einverstanden. Auch als der Gerichtsmediziner herausfindet, dass Franz Andy nicht überfahren hat, besteht er weiterhin auf seiner Schuld. Mit sturer Beharrlichkeit plant er schon sein künftiges Leben zwischen Gefängnis und Suizid.

Und das ist ungefähr der Moment, an dem Josef Haders tiefschwarze Tragikomödie „Andrea lässt sich scheiden“ beginnt auseinander zu fallen. Bis dahin zeichnete er ein bedrückendes Porträt der niederösterreichischen Provinz, ihres Stillstands, ihres Miefs und ihrer kleinbürgerlichen Enge. Wer hier nicht schnell verschwindet, blickt einer Karriere als Alkoholiker entgegen.

Nachdem Franz unbedingt die Verantwortung für den Tod von Andreas Mann übernehmen will, könnte alles, dem alten Komödiengrundsatz folgend, schlimmer und noch schlimmer kommen. Aber Hader geht dieses Mal einen anderen Weg. Jeden Konflikt entdramatisiert er konsequent. Jedes Problem löst sich in Luft auf. Das beginnt schon damit, dass Andrea zwar ihren Mann überfahren hat, aber noch ehe sie über die Folgen und was sie tun wird, nachdenken kann, übernimmt jemand anderes die Verantwortung für die Tat. Später hilft ihr ein Kollege aus St. Pölten. Alle Kollegen und Dorfbewohner trauern mit ihr. Und Franz nimmt als reuewilliger Sünder jede Schuld auf sich. Er hat es, so glaubt er, verdient.

Auf dem Papier wirkt dieser Verstoß gegen die Regeln des dramatischen Erzählens wie ein interessantes Experiment. Aber gekoppelt an die legendäre, hier im Übermaß zelebrierte Ösi-Langsamkeit wird „Andrea lässt sich scheiden“ schnell zu einer arg harmlosen Geduldsprobe.

Andrea lässt sich scheiden (Österreich 2024)

Regie: Josef Hader

Drehbuch: Josef Hader, Florian Kloibhofer

mit Birgit Minichmayr, Josef Hader, Thomas Schubert, Robert Stadlober, Branko Samarovski, Thomas Stipsits

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 6 Jahre
–

Hinweise

Homepage zum Film

Berlinale über „Andrea lässt sich scheiden“

Moviepilot über „Andrea lässt sich scheiden“

Rotten Tomatoes über „Andrea lässt sich scheiden“ (aktuell noch keine Kritiken)

Wikipedia über „Andrea lässt sich scheiden“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Monkey Man“ – oder John Wick ohne Gehirn

April 4, 2024

Die Geschichte ist einfach: ein Mann will den Mörder seiner Mutter, den Chef der Polizei, töten. Und weil es sich um einen Actionfilm handelt, geschieht dies nicht mittels eines perfiden Plans oder einer langen Gerichtsverhandlung, sondern mit Gewalt. Es wird gekämpft und getötet, bis der Bösewicht und seine Schergen tot sind. Auch das ist nicht furchtbar kompliziert. Schließlich muss die Story nur die Actionszenen zusammenhalten.

Trotzdem gelingt es dem bekannten Schauspieler Dev Patel, der hier auch die Idee für die Story hatte, am Drehbuch mitschrieb, die Regie und auch gleich noch die Hauptrolle übernahm, die Geschichte so umständlich zu erzählen, dass es Ewigkeiten dauert, bis die simple Prämisse erklärt ist. In den ersten fünfundvierzig Minuten wird uns das Leben des Protagonisten, der nur Kid (Dev Patel) heißt, zwischen Schaukämpfen in einem illegalem Kampfclub und seinem Leben im Slum gezeigt. Dass das Teil eines größeren Plans sein könnte, ahnen wir nicht aus der gezeigten Filmgeschichte. Nach fünfundvierzig Minuten gibt es in einem Club eine größere Actionszene. Kid will in dem Moment einen bis dahin unbekannten Mann aus unbekannten Motiven umbringen. Erst eine halbe Stunde später verrät uns der Film, dass dieser Mann ein hochrangiger Polizist ist und dass er, wie wir in diesem Moment erfahren, vor Jahren Kids Mutter ermordete. Kid will ihren Tod rächen.

Nach zwei Kurzfilmen benutzt Dev Patel in seinem Spielfilmdebüt die „John Wick“-Formel, aber ohne Sinn und Verstand. Bei den „John Wick“-Filmen ist immer klar, um was es geht. Das gilt für die Geschichte und die Absichten der einzelnen Figuren. Die Farbdramaturgie ist abwechslungsreich und durchgehend überzeugend. Bei den Actionszenen wird so wenig wie möglich geschnitten. Die Kämpfe und die Leistungen der Schauspieler und Stuntleute können also genau nachverfolgt werden.

In „Monkey Man“ ist das anders. Die Farbpalette besteht weitgehend aus Schwarz und Gelb. Budgetschonend werden die Szenen meistens aus dem Hintergrund heraus beleuchtet. Aufgrund vieler Schnitte, Wackelkamera, Nah- und Detailaufnahmen kann die Action über weite Strecken bestenfalls erahnt werden. Die wenigen Szenen, in denen nicht im Sekundentakt geschnitten wird, fallen umso mehr auf. Die Geschichte wird, aus keinem nachvollziebarem Grund, grotesk umständlich erzählt. Die kaum eindimensionalen Figuren sind einem durchgehend egal.

„Monkey Man“ ist ein im Schneideraum angerichtetes Desaster.

Monkey Man (Monkey Man, USA 2024)

Regie: Dev Patel

Drehbuch: Dev Patel, Paul Angunawela, John Collee (basierend auf einer Story von Dev Patel)

mit Dev Patel, Sharlto Copley, Pitobash, Vipin Sharma, Sikandar Kher, Adithi Kalkunte, Sobhita Dhulipala

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Monkey Man“

Metacritic über „Monkey Man“

Rotten Tomatoes über „Monkey Man“

Wikipedia über „Monkey Man“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Angst und Schrecken und eine Schwangerschaft im Nonnenkloster: „Immaculate“

April 4, 2024

Sydney Sweeney probiert sich weiter in verschiedenen Rollen aus. Kommerziell erfolgreich in der RomCom „Wo die Lüge hinfällt“. Künstlerisch erfolgreich in dem auf einem Verhörprotokoll basierendem Quasi-Theaterstück „Reality“. Vermurkst, aber in einer Schuluniform und mit Brille so unauffällig, dass es vielleicht niemand mitbekommen hat, in dem Superheldinnenfilm „Madame Web“ Und jetzt knietief als schwangere Nonne in einem Horrorfilm, der für Genrefans erfreulich solide und anspielungsreiche Genrekost mit einigen klugen Entscheidungen ist.

Sweeney war auch die treibende Kraft hinter dem Projekt. Sie kaufte das Drehbuch, sprach den Regisseur, mit dem sie bereits zusammengearbeitet hat, an und sie gehört zu den Produzenten. Sie spielt Schwester Cecilia. Die US-Amerikanerin ist die neue Nonne in einem einsam in der italienischen Provinz gelegenem Nonnenkloster, in dem anscheinend seit dem Mittelalter wenig verändert wurde. Auch die vereinzelt vorhandenen Smartphones verliehen der Geschichte keinen wesentlich moderneren Anstrich. In der ersten Hälfte kreiert Regisseur Michael Mohan eine nett unheimliche Atmosphäre mit Vorahnungen, Blicken und fensterstürzenden Nonnen.

Als Schwester Cecilia erfährt, dass sie schwanger ist, ist sie erstaunt. Die anderen sind erfreut über die unbefleckte Empfängnis. Denn Schwester Cecilia ist noch Jungfrau. Weil auch Jesus Christus von einer Jungfrau geboren wurde, wissen die Oberen des Klosters, dass sie sich demnächst über die Geburt des neuen Heilands freuen dürfen.

Horrorfilmfans, die nach einem halben Dutzend Horrorfilme auch eine gestandene katholische Bildung haben, dürften in dem Moment ahnen, dass es mit Schwester Cecilias Schwangerschaft noch wahrhaft teuflische Probleme gegen wird. Und so ist.

„Immaculate“ hat bei weitem nicht die Qualität jüngerer, breit abgefeierter Arthaus-Horrorfilme. Aber er ist viel besser als fast alles, was von Blumhouse und ähnlichen Firmen in die Kinos kommt und bei dem sich die Macher gerade genug angestrengen, um das Mini-Budget wieder einzuspielen und gleich eine Fortsetzung in Auftrag geben zu können. „Immaculate“ ist ein Einzelfilm und einer dieser Brot-und-Butter-Filme, die bei denen die Macher unprätentiös gute Arbeit abliefern wollen und die in jeder Beziehung besser als erwartet sind.

Kenner des Genres dürfen sich über klug gewählte Zitate und inszenatorische Entscheidungen freuen. Das gilt vor allem für die letzten Minuten des Films, die nichts für schwache Nerven sind. Gerade weil die entscheidenden Dinge nicht zu sehen sind. Bis dahin gibt es, klug in die Geschichte eingeflochtene Anspielungen auf die Geschichte des Genres. Wer denkt bei einem einsam gelegenem Kloster nicht sofort an einige Dinge? Wer denkt bei einer Jungfrauengeburt, bei der das Kind der Auserwählte sein soll, nicht sofort an „Rosemaries Baby“? Wer freut sich nicht, immerhin spielt die Geschichte in Italien, über die blutroten Anspielungen an den Giallo? Wer will nicht herausfinden, welche Schrecknisse in den unterirdischen Gängen des Klosters verborgen sind?

Damit kämen wir zu den Problemen des Horrorfilms. Die prächtigen Räume in dem Kloster sind kaum erkennbar. Wie in vielen neuen Filmen versumpfen die Bilder zu einem diffus-dunklen Brei, der wenig bis nichts mit der Farbenpracht klassischer Horrorfilme zu tun hat. So sind die Farben, vor allem wenn es blutig wird, viel zu blass. Und, obwohl „Immaculate“ ein Slow-Burn-Horrorfilm ist, dessen Schrecken sich aus der Geschichte und der Atmosphäre des einsam gelegenen Klosters und der Quasi-Gefangenschaft Cecilias in der Gemeinschaft der Nonnen ergeben, verlässt Mohan sich viel zu oft auf vollkommen unnötige Jumpscares.

Natürlich ist „Immaculate“ kein künftiger Klassiker. Aber es ist ein gut gemachtes, im Detail immer wieder überraschendes Genrewerk, das genau im richtigen Moment aufhört. Und es ist ein weiterer Film, der Sweeneys Vielseitigkeit zeigt.

Immaculate (Immaculate, USA/Italien 2024)

Regie: Michael Mohan

Drehbuch: Andrew Lobel

mit Sydney Sweeney, Simona Tabasco, Álvaro Morte, Benedetta Porcaroli, Giampero Hudica, Giorgio Colangeli, Dora Romano

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Immaculate“

Metacritic über „Immaculate“

Rotten Tomatoes über „Immaculate“

Wikipedia über „Immaculate“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: MonsterVerse, Teil 5: „Godzilla x Kong: The New Empire“

April 4, 2024

Okay, die Frage bei einem neuen Riesenmonsterfilm ist nicht, ob das Drehbuch höchsten intellektuellen Ansprüchen genügt oder ob die Schauspieler mit ihrem Spiel in einigen Monaten eine Oscar-Nominierung erhalten, sondern ob, in diesem Fall, Godzilla und Kong ordentlich Großstädte zerstören und ob die Effekte gut sind. Wobei uns in den alten japanischen Godzilla-Filmen die teilweise lachhaft schlechten Spezialeffekte überhaupt nicht störten.

Die Antwort ist: teilsteils. Die Effekte sind über weite Strecken ziemlich gut. Aber manchmal sehen Kong und die anderen Kaijū-Monster doch arg computergeneriert aus. Zerstört wird fast nichts. Wenn wir die Montage am Filmanfang weglassen, wird nur einiges in der unberührten Wildnis der Hohlerde und, am Filmende, die Großstadt Rio de Janeiro zerstört. Fast der gesamte Film spielt in der Hohlerde. Und da sieht alles noch wie zu seeligen Dinosaurierzeiten aus. Außerdem ist Adam Wingards neuer Godzilla/Kong-Film „Godzilla x Kong: The New Empire“ vor allem ein Kong-Film. Godzilla verbringt fast den gesamten Film schlafend in Rom im Colloseum. Auch im Finale hätte man ihn nicht unbedingt gebraucht.

Die Story ist vernachlässigbar. Irgendwie geht es um eine Bedrohung die aus einer bislang unbekannten Ebene unterhalb der Hohlerde kommt und bei der es sich größtenteils um Artgenossen von Kong handelt. Der Hauptbösewicht der Bande ist der Skar King. Er und seine Bande wollen jetzt die Welt zerstören.

Zwischen den Betrachtungen aus dem Tierleben laufen, vor allem in der ersten Hälfte, einige Menschen durchs Bild. Es sind Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall), eine bei der Kong, Godzilla, mögliche weitere Kaijū-Monster und die Hohlerde erforschenden Wissenschaftsorganisation Monarch angestellte Wissenschaftlerin, ihre stumme Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) und der über weite Strecken des Films nur nervige Verschwörungstheoretiker Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) (wahrscheinlich ein Fan-Favorit). Sie sind aus dem vorherigen Godzilla/Kong-Film „Godzilla vs. Kong“ bekannt. Trapper (Dan Stevens), eine ziellose Mischung aus Godzilla-Zahnarzt, Freigeist und Abenteurer, ist neu dabei. Als in der Hohlerde der Kontakt zu einer Station abreißt, fliegen sie, begleitet von einem bewaffneten Piloten (er ist der einzige, der eine Waffe dabei hat), zu der Station. Dort treffen sie auch auf ein Urvolk, die Iwi, die mit Jia verwandt sind.

Die ziemlich sinnfreie Geschichte, die Regisseur Adam Wingard, der bereits den Vorgänger „Godzilla vs. Kong“ inszenierte, und die Drehbuchautoren Terry Rossio, Simon Barrett und Jeremy Slater erfanden, bedient sich, sobald unsere tapferen Reisenden in der Hohlerde sind, bei dem aus Kolonialgeschichten und „The Lost World“ bekanntem Fundus von tropischen Wäldern, gefährlichen Tieren, unberührten Naturvölkern und unermesslichen Reichtümern, die irgendwo in dieser Welt versteckt sind. Auf die Schätze, die es in der Hohlerde geben könnte, wird dieses Mal noch nicht eingegangen. Aber villeicht im nächsten Godzilla/Kong-Actionkracher.

Im Gegensatz zu den altbekannten Geschichten, in denen nur weiße Männer fremde Welten erkundeten, sind die menschlichen Besucher der fremden Welt jetzt weiblicher und diverser als früher. Und es fehlt ein menschlicher Bösewicht, der irgendwann die Guten umbringen will. Das stört jetzt nicht unbedingt. Denn in „Godzilla x Kong: The New Empire“ stehen die Menschen eindeutig auf der Zuschauertribüne, während sich die Kaijū-Monster leinwandfüllend Glieder abreißen und Köpfe einschlagen.

Wem das genügt, der wird in diesem Kong-Film eine halbwegs gute Zeit verbringen. Denn die Durststrecken zwischen den sinnfreien Monsterkloppereien sind so lang, dass ich mir wünschte, Roland Emmerich hätte den Film inszeniert.

Godzilla x Kong: The New Empire (Godzilla x Kong: The New Empire, USA 2024)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Terry Rossio, Simon Barrett, Jeremy Slater (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Adam Wingard und Simon Barrett, basierend auf der Figur „Godzilla“)

mit Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Dan Stevens, Kaylee Hottle, Alex Ferns, Fala Chen, Rachel House

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Metacritic über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Rotten Tomatoes über „Godzilla x Kong: The New Empire“

Wikipedia über „Godzilla x Kong: The New Empire“ (deutsch, englisch)

zum MonsterVerse

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Godzilla“ (Godzilla, USA 2014)

Meine Besprechung von Jordan Vogt-Roberts‘ „Kong: Skull Island“ (Kong: Skull Island, USA 2017)

Meine Besprechung von Michael Doughertys „Godzilla II: King of the Monsters“ (Godzilla II: King of Monsters, USA 2019) (inzwischen auch: Godzilla: King of the Monsters)

Meine Besprechung von Adam Wingards „Godzilla vs. Kong“ (Godzilla vs. Kong, USA 2021)


TV-Tipp für den 4. April: MPS – Die Legende lebt

April 3, 2024

SWR, 23.35

MPS – Die Legende lebt (Deutschland 2024)

Regie: Sascha Schmidt

Drehbuch: Sascha Schmidt

TV-Premiere. Brandneue 75-minütige Doku über das legendäre Jazzlabel MPS (Musik Produktion Schwarzwald), das im Schwarzwald (in Villingen) im Tonstudio in vorzüglicher Klangqualität Langspielplatten aufnahm mit damaligen und künftigen Weltstars, wie Oscar Peterson, Duke Elllington, Jean-Luc Ponty, Jasper van ’t Hof, Rolf Kühn, Joachim Kühn, Gunter Hampel, Charly Antolini, Daniel Humair, Albert Mangelsdorff, Alexander von Schlippenbach, Joe Henderson, Chick Corea, Volker Kriegel, Elvin Jones, Eberhard Weber und [hier kannst du deinen bis jetzt nicht genannten Lieblings-MPS-Musiker eintragen]. Labeleigner Hans Georg Brunner-Schwer war dabei, wie die Namen der Jazzer verraten, musikalisch offen für verschiedene Stilrichtungen und Experimente. Zwischen 1968 und 1983 entstanden ungefähr fünfhundert Alben. Die Originale sind bei Jazzfans gesuchte Sammlerstücke. Die CD-Wiederveröffentlichungen sind noch (!) deutlich einfacher erhältlich. Vor allem seitdem die Edel AG seit 2014 den MPS-Katalog wieder veröffentlicht und auch neue Alben aufnimmt.

Sascha Schmidt erzählt in „MPS – Die Legende lebt“, mit vielen Zeitzeugen-Interviews, die Geschichte des Labels und seines kreativen Kopfes Hans Georg Brunner-Schwer nach.

Hinweise

SWR über die Doku (Pressemitteiling) und in der ARD-Mediathek (bis 2. April 2025)

Filmportal über „MPS – Die Legende lebt“

Wikipedia über MPS (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. April: Über die Unendlichkeit

April 2, 2024

Arte, 22.55

Über die Unendlichkeit (Om det oändliga, Schweden/Deutschland/Norwegen/Frankreich 2019)

Regie: Roy Andersson

Drehbuch: Roy Andersson

TV-Premiere. Kein Spielfilm mit einer durchgehenden Geschichte, sondern eine Aneinanderreihung von kurzen, präzise komponierten Szenen mit wechselnden Protagonisten, die dazu anregen können, über den Sinn des Lebens nachzudenken.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Bengt Bergius, Anja Broms, Tatiana Delaunay, Jan-Eje Ferling, Thore Flygel, Lotta Forsberg, Martin Serner

Hinweise

Filmportal über „Über die Unendlichkeit“

Moviepilot über „Über die Unendlichkeit“

Metacritic über „Über die Unendlichkeit“

Rotten Tomatoes über „Über die Unendlichkeit“

Wikipedia über „Über die Unendlichkeit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roy Anderssons „Über die Unendlichkeit“ (Om det oändliga, Schweden/Deutschland/Norwegen/Frankreich 2019)


TV-Tipp für den 2. April: Cop Car

April 1, 2024

Tele 5, 22.05

Cop Car (Cop Car, USA 2015)

Regie: Jon Watts

Drehbuch: Jon Watts, Christopher Ford

Zwei Zehnjährige klauen einen einsam in der Landschaft stehenden Streifenwagen. Sheriff Kretzer (Kevin Bacon), dem der Wagen gehört, nimmt die Verfolgung auf. Denn im Kofferraum ist etwas, das nicht für fremde Augen bestimmt ist.

Herrlich fieser kleiner Thriller.

Danach durfte Jon Watts drei Spider-Man-Filme inszenieren. Den ersten, nämlich „Homecoming“, zeigt Nitro davor (20.15 – 22.35 Uhr) und danach (ab 00.20 Uhr; „Cop Car“ endet um 00.10 Uhr).

Mit Kevin Bacon, James Freedson-Jackson, Hays Wellford, Camryn Manheim, Shea Whigham, Sean Hartley

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cop Car“

Wikipedia über „Cop Car“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Far From Home“ (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: No Way Home“ (Spider-Man: No Way Home, USA 2021)


TV-Tipp für den 1. April: Transit

März 31, 2024

ZDF, 23.35

Transit (Deutschland/Frankreich 2018)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

LV (frei nach): Anna Seghers: Transit, 1944/1947

Georg Seidler will aus Europa nach Mexiko flüchten. In Marseille wartet er auf das rettende Transitvisum und trifft auf die Frau des Mannes, dessen Identität er angenommen hat.

Christian Petzold verlegt Anna Seghers während des Zweiten Weltkriegs spielenden Roman in die Gegenwart. Mit einem sehr überzeugendem Ergebnis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, Lilien Batman, Maryam Zaree, Barbara Auer, Matthias Brandt, Sebastian Hülk, Antoine Oppenheim, Ronald Kukulies, Justus von Dohnányi, Alex Brendemühl, Trystan Pütter

–

Die lesenswerte Vorlage

ist in verschiedenen Ausgaben erhältlich, u. a.

 

Anna Seghers: Transit

Aufbau Taschenbuch, 2018

416 Seiten

12 Euro

–

Der Roman erschien zuerst 1944 in den USA auf englisch, anschließend in Mexiko auf spanisch und 1947 auf deutsch als Fortsetzungsroman in der Berliner Zeitung.

Spätere deutsche Veröffentlichungen bearbeiteten den Text.

Erst 2001 erschien im Rahmen der Werkausgabe die erste authentische deutsche Buchausgabe.

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Transit“

Moviepilot über „Transit“

Metacritic über „Transit“

Rotten Tomatoes über „Transit“

Wikipedia über „Transit“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Transit“

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Undine“ (Deutschland/Frankreich 2020) und der DVD

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Roter Himmel“ (Deutschland 2023)

Christian Petzold in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 31. März: Godzilla vs. Kong

März 30, 2024

Pro 7, 20.15

Godzilla vs. Kong (Godzilla vs. Kong, USA 2021)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Eric Pearson, Max Borenstein (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Michael Dougherty und Zach Shields)

Die Story: naja, die Riesenechse Godzilla und der Riesenaffe Kong kloppen sich und zerlegen dabei einige Hochhäuser.

Viel mehr passiert nicht in diesem dummen Sommer-Blockbusterfilm. Aber „Godzilla vs. Kong“ war nach den wirklich fetten Pandemie-Einschränkungen der erste Film, den ich im größten Saal des Zoo Palastes in der Pressevorführung, aufgrund der damals gültigen Vorschriften, mit sehr wenigen anderen Zuschauern und ohne Maske sehen durfte. Rechnerisch gesehen kamen, so ungefähr, auf jede anwesende Person deutlich über hundert Sitzplätze. Ich saß da wie ein kleines Kind und starrte mit großen Augen auf die Leinwand, während es um mich herum aus allen Boxen krachte und schepperte und dachte nur: „Kino. Das ist Kino. Endlich wieder Kino.“

Das Publikum sah es wenige Tage später ähnlich. Mit 134000 Zuschauern war die Monsterklopperei der erfolgreichste neu gestartete Titel. Für die deutschen Kinos galten damals noch unterschiedliche Hygienevorschriften und Sitzplatzbegrenzungen.

Etwas mehr in meiner ausführlicheren Besprechung.

Ab Donnerstag, den 4. April, läuft die ebenfalls von Adam Wingard inszenierte Fortsetzung „Godzilla x Kong: The new Empire“ im Kino.

mit Alexander Skarsgård, Millie Bobby Brown, Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Kyle Chandler, Shun Oguri, Eiza González, Julian Dennison, Demián Bichir

Wiederholung: Montag, 1. April, 22.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Godzilla vs. Kong“

Metacritic über „Godzilla vs. Kong“

Rotten Tomatoes über „Godzilla vs. Kong“

Wikipedia über „Godzilla vs. Kong“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Adam Wingards „Godzilla vs. Kong“ (Godzilla vs. Kong, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Willkommen im „Club Zero“

März 30, 2024

Frau Novak (Mia Wasikowska) ist die neue Lehrerin an einem Nobelinternat. Sie soll einen Kurs in gesunder Ernährung geben. Die Schüler spekulieren zunächst auf einen einfachen Kurs, der sich mit minimalem Aufwand positiv auf ihren künftigen Bildungsweg auswirken wird.Schnell geraten sie in den Bannkreis dieser unscheinbaren Frau. Der Kurs wird ihr Lebensinhalt. Und das bedeutet: zuerst bewusster essen, dann immer weniger essen, bis man überhaupt nichts mehr isst.

Während jeder vernünftige Mensch weiß, dass das in dieser Radikalität ungesund ist, schauen die Eltern nur passiv zu. Sicher, sie finden es etwas schwierig, wenn ihre Kinder beim Familienessen nichts mehr essen, aber sie haken es als Phase ab. Nur eine Mutter, die auch gleichzeitig die einzige Mutter ist, die kein Geld hat, versucht etwas dagegen zu unternehmen.

Jessica Hausners neuer Film „Club Zero“ fasziniert am Anfang mit seinen streng komponierten Bildern, den Kostümen und seiner Ausstattung. Das ist eine künstliche, irgendwie europäische Retro-Welt, die an die siebziger Jahre erinnert. Die betont langsame Inszenierung und das betont zurückgenommen-künstliche Spiel der Schauspieler und einige gut platzierte Pointen tragen zu der leicht irrealen Stimmung bei. Allerdings ist unklar, was genau karikiert wird. Gleichzeitig verlässt die Satire, je länger und intensiver die Kinder hungern, immer mehr den Boden der Realität.

Am Ende ist Hausner Arthaus-Horrorfilm eine unfokussierte, teils enervierend langsam erzählte Satire, die einen ratlos und deprimiert zurücklässt. Damit teilt das Publikum, aus anderen Gründen, die Rat- und Sprachlosigkeit der Eltern der Kinder, die in den Bannkreis von Frau Novak geraten.

Club Zero (Österreich/Großbritannien/Deutschland/Frankreich/Dänemark/Katar 2023)

Regie: Jessica Hausner

Drehbuch: Jessica Hausner, Geraldine Bajard

mit Mia Wasikowska, Sidse Babett Knudsen, Amir El-Masry, Elsa Zylberstein, Mathieu Demy, Ksenia Devriendt, Luke Barker, Florence Baker, Samuel D Anderson, Gwen Currant

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Club Zero“

Moviepilot über „Club Zero“

Metacritic über „Club Zero“

Rotten Tomatoes über „Club Zero“

Wikipedia über „Club Zero“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jessica Hausners „Little Joe – Glück ist ein Geschäft“ (Deutschland/Österreich 2019)


TV-Tipp für den 30. März: Casino

März 29, 2024

WDR, 23.15

Casino (Casino, USA 1995)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)

Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern.

Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.

„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones

Hinweise

Metacritic über “Casino”

Rotten Tomatoes über “Casino”

Wikipedia über “Casino” (deutsch, englisch) und Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Drehbuch “Casino” von Nicholas Pileggi

Charlie Rose interviewt Nicholas Pileggi (2. November 1995 zu “Casino”)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. März: Nomadland

März 28, 2024

ZDF, 01.40 Uhr

Nomadland (Nomadland, USA 2020)

Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao

LV: Jessica Bruder: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century, 2017 (Nomaden der Arbeit, Sachbuch)

Intensives, überwiegend mit Laien besetztes Roadmovie über eine moderne Nomadin, die in ihrem Wohnwagen durch die USA von schlecht bezahlter Arbeit zu mies bezahlter Arbeit fährt und, trotz allem, kein anderes Leben möchte.

TV-Premiere. – Diese Uhrzeit für die TV-Premiere eines unter anderem mit drei Oscars (Bester Film, Regie und Hauptdarstellerin) ausgezeichneten Film ist die Unverschämtheit des Monats und des nächsten Monats.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Swankie, Bob Wells

Hinweise

Moviepilot über „Nomadland“

Metacritic über „Nomadland“

Rotten Tomatoes über „Nomadland“

Wikipedia über „Nomadland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chloé Zhaos „Nomadland“ (Nomadland, USA 2020)

Meine Besprechung von Chloé Zhaos „Eternals“ (Eternals, USA 2021) (ein Marvel-Film)


Neu im Kino/Filmkritik: Wer „One Life“ rettet, rettet die ganze Welt

März 28, 2024

Natürlich erinnert die Geschichte auf den ersten Blick an „Schindlers Liste“. Ein Mann hilft während der Nazi-Diktatur Juden bei ihrer Flucht aus Deutschland. Er rettet viele Leben. Nach dem Krieg kennt ihn niemand, auch weil der Retter über seine Taten schweigt. Fast zeitgleich, ungefähr vierzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erfuhr die große Öffentlichkeit von ihnen und ihren selbstlosen Taten.

Bei dem 1974 verstorbenen Oskar Schindler war es 1982 die Publikation von Thomas Keneallys halbdokumentarischem Roman „Schindlers Liste“. Er wurde mit dem Booker Prize ausgezeichnet und später von Steven Spielberg verfilmt.

Bei Sir Nicholas ‚Nicky‘ Winton (1909 – 2015) war es 1988 die BBC-Sendung „That’s Life“. In ihr wurde über seine Taten berichtet. Er war Gast in der Sendung und ein Millionpublikum erfuhr von seinen Taten.

Natürlich hat Sir Anthony Hopkins, dessen Name an erster Stelle auf dem Plakat steht und dessen Kopf das halbe Plakat einnimmt, nur eine durchaus wichtige Nebenrolle in der Verfilmung von Wintons Leben. Er spielt Sir Nicholas Winton, den britischen Oskar Schindler, als alten Mann. Im Zentrum stehen aber nicht die Ereignisse aus den achtziger Jahren, als er sich fragt, was aus den Kindern wurde, die er gerettet hat und er sich schuldig fühlt, weil er nicht mehr Kinder retten konnte, sondern die Ereignisse aus seinen jungen Jahren, als er in den späten dreißiger Jahren, vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, jüdischen Kindern half. Als er in Prag in den Flüchtlingslagern die vor sich vegetierenden Kinder sieht, ist der humanitär bewegte Börsenmakler schockiert. Er will ihnen helfen und das ginge, indem er sie nach Großbritannien bringt. Das tut er zusammen mit dem „British Commitee for Refugees in Czechoslovakia“, einer nur aus wenigen Mitgliedern bestehenden, finanziell klammen Organisation, und seiner energischen Mutter, die in London alles für die Ankunft der Kinder organisiert.

Dabei merkt Winton schnell, dass niemand diese Kinder will. Trotzdem gibt er nicht auf. Er erstellt Mappen, in denen er alles wichtige über sie notiert. Mit Hilfe dieser Mappen sucht seine Mutter in England Pflegefamilien, die für die Kosten selbst aufkommen werden. Das ist, nachdem der englische Staat alle anderen Optionen ablehnt, die einzige Möglichkeit, die Kinder vor dem sicheren Tod zu retten. Die Kinder, die für eine unbekannte Zeitdauer Adotivfamilien gefunden haben, sollen in Zügen von Prag quer durch Europa nach England gebracht werden. Falls der Zug sein Ziel erreicht.

Der für den 1. September 1939 geplante Transport mit 250 Kindern verließ nie den Bahnhof von Prag. Der am gleichen Tag erfolgte Überfall von Adolf Hitler auf Polen und der damit zusammenhängende Beginn des Zweiten Weltkriegs verhindern weitere Transporte.

Innerhalb eines knappen Jahres retteten Winton und seine Helfer 669 Kinder vor dem ziemlich sicheren Tod.

In seinem sich auf seine Schauspieler verlassendem Drama „One Life“ erzählt James Hawes diese Geschichte. Er erzählt Wintons Geschichte, beide Male chronologisch, auf zwei Zeitebenen. Dabei ist der in den späten achtziger Jahren spielende Teil ausführlicher als nötig und kann nur durch den Wunsch der Macher gerechtfertigt werden, mit Hopkins‘ Namen für den Film zu werben. Im Zentrum stehen Wintons Erlebnisse 1938/1939 in Prag. Der junge Winton wird von Johnny Flynn gespielt.

Insgesamt inszeniert Hawes Wintons Geschichte bewusst etwas spröde. Er vermeidet so weitgehend die potentiellen Kitschfallen. Die große Ausnahmen ist Wintons zweimalige Teilnahme an der leichtgewichtigen BBC-Verbraucherberatungssendung „That’s Life“. Beide Male steuert die Geschichte dann eindeutig auf den erwartbaren Taschentuchmoment hin.

Angesichts aktueller Debatten über Fluchthilfe ist das sehenswerte Drama erschreckend aktuell.

„One Life“ ist das Spielfilmdebüt von James Hawes. Trotzdem ist er ein alter Profi. Seit 1990 inszenierte er TV-Filme und Episoden für TV-Serien wie „Doctor Who“, „Inspector Banks“, „Penny Dreadful“, „Snowpiercer“ und „Slow Horses“.

One Life – Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt (One Life, Großbritannien 2023)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Lucinda Coxon, Nick Drake

LV: Barbara Winton: It it’s not impossible…: The Life of Sir Nicholas Winton, 2014

mit Anthony Hopkins, Johnny Flynn, Helena Bonham Carter, Lena Olin, Romola Garai, Alex Sharp, Marthe Keller, Jonathan Pryce

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „One Life“

Metacritic über „One Life“

Rotten Tomatoes über „One Life“

Wikipedia über „One Life“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel`“ (DCI Banks, Großbritannien 2010/2011)

Meine Besprechung von John Hawes‘ „Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House“ (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder at Road Hill House, Großbritannien 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Kleine schmutzige Briefe“, vorgelesen von gottesfürchtigen Damen

März 28, 2024

Es ist schon der 19. Brief voller Profanitäten, Vulgaritäten und Beleidigungen, den die gottesfürchtige Edith Swan (Olivia Colman) erhält. Sie lebt in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in der kleinen südostenglischen Küstenstadt Littlehampton bei ihren strengen Eltern. Die Polizei hat keine Ahnung, von wem die Briefe sind.

Edith verdächtigt ihre aus Irland kommende Nachbarin Rose Gooding (Jessie Buckley). Sie ist das Gegenteil von Edith und wenn sie, garniert mit einigen Schimpfworten, behauptet, dass sie keine Briefe mit Schimpfworten schreibe, sondern es ihr direkt ins Gesicht sagen würde, dann hört sich das sehr glaubwürdig an.

Während die Feindschaft zwischen den beiden Nachbarinnen immer größer wird, beginnt die junge Polizistin Glady Moss (Anjana Vasan) zu ermitteln. Sie tut das vor allem in ihrer Freizeit und ohne die Erlaubnis ihrer Vorgesetzten. Denn als erste Polizeibeamtin in der Polizeistation und in Sussex wird sie von ihren Kollegin ständig als Kuriosität geduldet, die höchstens Hilfstätigkeiten ausüben kann. Entsprechend verächtlich reagieren sie auf Gladys Hinweis, dass die Handschriften des unbekannten Briefschreibers und von Rose verschieden sind.

Genervt von der Ignoranz ihrer Kollegen und Vorgesetzten verbündet Gladys sich mit einigen Frauen aus dem Dorf, die ebenfalls nicht an die Schuld von Rose glauben. Gemeinsam suchen sie den Briefschreiber. Und wer den in puncto Story arg irreführenden Trailer nicht gesehen hat, dürfte mit seinem Verdacht richtig liegen.

Denn für den anfangs angedeuteten Rätselplot interessieren sich Drehbuchautor Jonny Sweet und Regisseurin Thea Sharrock kaum. Ihr Film „Kleine schmutzige Briefe“ ist eine auf einer wahren Geschichte basierende britische Komödie, die von ihrem spielfreudigem Ensemble und dem Witz lebt, dass scheinbar ehrbare und gottesfürchtige Frauen obszöne Worte sagen und sich diebisch darüber freuen.

Davon abgesehen plätschert die Geschichte teils arg vorhersehbar und durchgehend erstaunlich harmlos vor sich hin zwischen leicht klamaukiger Komödie, Sittengemälde, luschtigem Krimi und Gerichtsposse. Aufgrund der Hauptdarstellerinnen und der damit verbundenen Geschichte, in der Männer Nebenfiguren sind, läuft das altbekannte Komödienprogramm dieses Mal feministisch konnotiert ab. Das ist nie furchtbar schlecht – eine Olivia Colman, die schmutzige Briefe vorliest, ist schon die halbe Miete -, aber auch nie so gut, wie es hätte sein können.

Kleine schmutzige Briefe (Wicked little Letters, Großbritannien 2023)

Regie: Thea Sharrock

Drehbuch: Jonny Sweet

mit Olivia Colman, Jessie Buckley, Anjana Vasan, Timothy Spall, Joanna Scanlan, Hugh Skinner, Malachi Kirby, Gemma Jones, Lolly Adefope, Eileen Atkins, Alisha Weir

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Kleine schmutzige Briefe“

Metacritic über „Kleine schmutzige Briefe“

Rotten Tomatoes über „Kleine schmutzige Briefe“

Wikipedia über „Kleine schmutzige Briefe“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood listet die Flunkereien auf