Ein schwerkranker ehemaliger Staatsanwalt will vor seinem Tod noch einen zwanzig Jahre alten Mordfall aufklären. Dabei soll ihm eine Polizistin helfen, die damals als Kind die stark verweste Leiche im Brandenburger Wald fand.
„Intensives, vorzüglich gespieltes (Fernseh-)Kriminaldrama“ (Lexikon des Internationalen Films)
Nächste Woche gibt es Götz George dann wieder als Schimanski in „Duisburg-Ruhrort“ (RBB, 24. Juli, 22.00 Uhr), „Zahn um Zahn“ (WDR, 25. Juli, 20.15 Uhr) und „Zabou“ (NDR, 25. Juli, 22.00 Uhr – und danach, um 23.40 Uhr in Theodor Kotullas „Aus einem deutschen Leben“)
mit Götz George, Barbara Sukowa, Fritzi Haberlandt, Jeroen Willems
Der Mann aus dem Westen (Man of the West, USA 1958)
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955
1874: Link Jones hat die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während einer eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?
Als der Film in die Kinos kam, war er bei der Kritik und dem Publikum ein Reinfall. Die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.
„’Man of the West’ zählt mit ‚The Naked Spur’ und ‚The Far Country’ zu seinen besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
„Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
„Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)
Reginald Rose schrieb auch die Drehbücher für „Die zwölf Geschworenen“ (nach seinem Theaterstück), „Ist das nicht mein Leben?“, „Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“, „Das Kommando“ und „Wildgänse II – Sie fliegen wieder“.
Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord
Drehbuch: Sacha Gervasi, Jeff Nathanson (nach einer Geschichte von Andrew Niccol und Sacha Gervasi)
Viktor Navorski (Tom Hanks) hat Pech bei der Einreise in die USA. Weil in seiner Heimat Krakosien geputscht wurde, ist er jetzt staatenlos. Zurückfliegen kann er nicht. Und er darf, wie ihm der leitende Grenzschutzbeamte erklärt, die USA nicht betreten. Und zurückfliegen kann er auch nicht. Also richtet er sich, ganz gesetzestreuer Bürger, im Transitbereich des JFK-Airports häuslich ein.
Herziges, sehr komödiantisches, sehr lose auf einem wahren Fall basierendes Drama im Frank-Capra-Stil mit einem über jede Kritik erhabenem Ensemble.
mit Tom Hanks, Catherine Zeta-Jones, Stanley Tucci, Chi McBride, Diego Luna, Barry Shabaka Henley, Kumar Pallana, Zoë Saldana, Eddie Jones, Jude Ciccolella, Michael Nouri, Benny Golson (sein, ähem, Schauspieldebüt als Benny Golson)
Wiederholung: Montag, 17. Juli, 01.40 Uhr (Taggenau! – Dazwischen „Terminal“zeigt Sat.1 Tom Hanks in „Forrest Gump“.)
Rififi (Du rififi chez les hommes, Frankreich 1954)
Regie: Jules Dassin
Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton
LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953
Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.
Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)
Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)
Julia liebt Motorräder. Und sie ist fasziniert von den ‚Rodeos‘, illegalen Treffen von Motorradfahrern, die auf normalen Straßen ihre Kunststücke zeigen und um die Wette fahren. Bis die Polizei kommt. Oder, wenn sich einer verletzt, der Krankenwagen. Falls er nicht schon tot ist.
Dummerweise fehlt ihr das Geld um sich ein Motorrad zu kaufen. Sie hat kaum genug Geld, um sich Essen und Trinken zu kaufen. Also klaut sie sich für ihr erstes Rodeo ein Motorrad. Und weil sie sich mit Motorrädern auskennt und bei einem Unfall richtig reagiert, wird sie von Mous in Dominos Bande aufgenommen. Sie finanzieren ihre Leidenschaft für Motoren mit Verbrechen.
Lola Quivoron zeigt in ihrem Debütfilm „Rodeo“ die Welt dieser Rodeos. Es ist eine Machowelt, die sich nicht an die Regeln der Straßenverkehrsordnung hält (oder wie das Gesetz in Frankreich heißt), schon deswegen mit mindestens einem Fuß im Gefängnis steht, ihre Motorräder teils mit Straftaten und illegalen Geschäften finanziert und in der Frauen nur gut aussehende Schmuckstücke sind, die ihnen bei ihren Stunts zusehen dürfen. Doch Julia erobert sich ihren Platz.
Das zeigt Lola Quivoron in quasi-dokumentarischen Aufnahmen als Mischung aus Milieu- und Charakterstudie und mit ausführlich gezeigten Motorradstunts. Der Plot ist lose gestrickt, oft wenig plausibel (Wie viele Motorräder kann eine junge Frau in der Provinz klauen, ehe die Polizei sie schnappt?) und elliptisch. Teils ist das von Quivoron so gewollt. Teils durch den improvisierten Dreh verursacht, bei dem die Schauspieler das Drehbuch von der Regisseurin erzählt bekamen, um dann natürlich zu spielen. Quivoron tauchte selbst in diese Subkultur ein, begleitete die Motorradfahrer und fand ihre Hauptdarstellerin, die Bikerin Julie Ledru, via ihren Instagram-Account „Inconnue_du-95“. Nach ihrem ersten Treffen sagte Quivoron zu ihrer Co-Drehbuchautorin Antonia Buresi: „Sie hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt und das ist die Geschichte des Films.“
Das Ende ist dann eines dieser Enden, die aus heiterem Himmel überraschend kommen, weil in dem Moment der Film beendet werden muss. Das hätte man besser vorbereiten können.
Aber die kraftvolle Inszenierung, die unverbrauchten Gesichter, das Porträt einer wenig bekannten Subkultur und die Stunts überzeugen in diesem kleinen, dreckigen Film über eine Frau, die nur auf einem Motorrad Freiheit fühlt.
Rodeo (Rodeo, Frankreich 2022)
Regie: Lola Quivoron
Drehbuch: Lola Quivoron, Antonia Buresi
mit Julie Ledru, Yannis Lafki, Antonia Buresi, Codi Schroeder, Louis Sotton, Junior Correira, Ahmed Hamdi
JAMES BOND 007: Der Spion, der mich liebte (The Spy who loved me, Großbritannien 1977)
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood
LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)
Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)
Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.
Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.
Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der in dem nächsten Bond-Film „Moonraker“ seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.
Danach, um 23.00 Uhr, läuft „James Bond 007: Leben und sterben lassen“ und um 01.25 Uhr „James Bond 007: Der Mann mit dem goldenen Colt“.
Sara (Juliette Binoche) und Jean (Vincent Lindon) sind seit zehn Jahren zusammen und noch so verliebt wie am ersten Tag. Das ist jedenfalls der Eindruck, den wir am Filmanfang von ihnen bei ihrem gemeinsamen Urlaub am Meer bekommen.
Als Sara eines Morgens auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Moderatorin bei Radio France Internationale ist, sieht sie François (Grégoire Colin), eine frühere Liebe von ihr. Genaugenommen und wie wir später erfahren, verließ sie François zugunsten von Jean. Beide waren miteinander befreundet und auch Geschäftspartner. Jean verbüsste, möglicherweise aufgrund dieser Geschäfte, eine längere Haftstrafe. Jetzt versucht der frühere Rugby-Spieler wieder zu arbeiten. Und weil seine Bemühungen um eine ehrliche Arbeit erfolglos sind, nimmt er das Angebot von François gerne an. Um was es dabei genau geht, bleibt lange rätselhaft. Und damit sind wir bei dem größten Problem des Films. Claire Denis lässt vieles aus der Vergangenheit und Gegenwart ihrer Figuren im Dunkeln. Wir können (und sollen) vieles vermuten und eigene Vermutungen anstellen. Vieles, was sie andeutet, bleibt teils vollkommen im Dunkeln, teils viel zu lange im Dunkeln. Ich rede hier vor allem von Informationen, die sie ohne Probleme zu einem früheren Zeitpunkt hätte verraten können. So bauen François und Jean eine Talentagentur für junge Sportler auf. Anfangs, schließlich trifft Jean sich nach Einbruch der Dunkelheit mit François und er will Sara nicht verraten, was er mit François macht, wirkt es, als planten sie ein Verbrechen.
Im Mittelpunkt des Dramas stehen allerdings nicht die beiden Männer, sondern Sara. Sie trifft sich wieder mit François und fragt sich, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen hat. Oder ob sie Jean verlassen soll. Dabei ist offensichtlich, wer von den beiden Männern die bessere Wahl ist. Auch weil der Grund, weshalb sie damals François zugunsten von Jean verlassen hat, immer noch gültig ist.
„Mit Liebe und Entschlossenheit“ ist ein sich langsam entwickelndes, vor sich hin mäanderndes Liebesdrama mit zahlreichen, für den Hauptplot nebensächlichen bis störenden Subplots.
Die Musik ist von den Tindersticks.
P. S.: Toller Trailer, der den Film als nervenzerreißenden Thriller verkauft. Das ist er nicht.
Mit Liebe und Entschlossenheit (Avec amour et acharnement, Frankreich 2022)
Regie: Claire Denis
Drehbuch: Christine Angot, Claire Denis
LV (frei nach): Christine Angot: Un tournant de la vie, 2018
mit Juliette Binoche, Vincent Lindon, Grégoire Colin, Issa Perica, Bulle Ogier
Beginnen wir gleich mit dem Wichtigsten. Wie erwartet ist „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil 1″ ein ausgezeichneter Action-Thriller, der alles das bietet, was die vorherigen „Mission: Impossible“-Filme auch boten: reichlich handgemachte, spektakuläre Action und eine doch eher nebensächliche, aber die Actionszenen gut zusammenhältende Geschichte mit einen doch eher vernachlässigbarem Bösewicht. Denn so sehr die Filme selbst in Richtung James Bond gehen, so wenig beeindruckend sind die Bösewichter. Sicher, Philip Seymour Hoffman in „Mission: Impossible III“ blieb länger im Gedächtnis, aber letztendlich haben sie nie die raumfüllende Grandezza eines echten Bond-Bösewichts, sondern sie sind eher funktional.
Dieses Mal ist der Bösewicht die gesichtslose „Entität“ und der mysteriöse Gabriel (Esai Morales). Er gehörte zur supergeheimen US-amerikanischen Impossible Missions Force (IMF) und er ist ein Kollege von Ethan Hunt (Tom Cruise). Die Entität ist eine künstliche Intelligenz, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und jetzt die Menschheit vernichten könnte. Oder, je nachdem in welchen Händen sie ist, die Gegner des Besitzers vernichten könnte. Sie ist überall und nirgends. Sie kann alles vorherplanen und berechnen. Sie kennt daher jeden Plan, der gemacht wird, um sie zu vernichten und sie trifft vorher alles notwendigen Maßnahmen, um das zu verhindern. Sie ist, qua Programmierung, allwissend und unbesiegbar. Jedenfalls solange Storm fließt. Ihr menschliches Gesicht ist Gabriel.
Mit einem aus zwei Teilen bestehendem Schlüssel kann sie abgeschaltet werden. Im ersten Teil des Zweiteilers „Dead Reckoning“ müssen Ethan Hunt und seine wenigen IMF-Vertrauten die beiden Teile des Schlüssels finden, ehe er in die falschen Hände gerät. Bei dieser wilden Hatz, ist Hunt schnell überzeugt, dass der Schlüssel und die Herrschaft über die Entität nicht in die Hände eines Staates gehört.
Im zweiten Teil geht es für das MI-Team dann darum, das Schlüsselloch zu finden. Jeder andere Plot wäre eine große Überraschung. „Dead Reckoning Teil 2“ läuft nächstes Jahr im Kino.
Danach schließen Tom Cruise, der in allen „Mission: Impossible“-Filmen Ethan Hunt spielte, und Christopher McQuarrie, der Autor und Regisseur der vorherigen „Mission: Impossible“-Filme, weitere Filme der Serie nicht aus.
Trotzdem verströmt „Dead Reckoning Teil Eins“ durchgehend ein melancholisches Gefühl des Abschieds. Der Gegner ist ein Geist. Erinnerungen an frühere Einsätze wehen durch den Film. Und dass Ethan Hunt/Tom Cruise älter wird, wird direkt angesprochen, wenn Hunt erzählt, dass er vor dreißig Jahren als IMF-Agent rekrutiert wurde. Und irgendwann ist die Zeit der Fronteinsätze vorbei. Trotzdem hat er sich wieder entschlossen, den unmöglichen Auftrag anzunehmen und mit seinen Freunden und Vertrauten aus vergangenen Missionen, wie Luther Stickell (Ving Rhames, seit dem ersten „Mission: Impossible“-Film dabei), Benji Dunn (Simon Pegg) und Ilsa Faust (Rebecca Ferguson) gegen einen die Welt bedrohenden Gegner zu kämpfen und dafür um den halben Globus zu reisen.
Grace (Hayley Atwell) könnte ein neues Mitglied in ihrem Team werden. Doch bis es soweit ist, verhindert die Taschendiebin, die von einer ihr nicht bekannten Person mit der Beschaffung einer Schlüsselhälfte beauftragt wurde, mehrmals, dass Hunt die Mission erfolgreich abschließen kann. Erst später realisiert sie, dass es sich dieses Mal um keinen normalen Auftrag handelt.
Sie gehört, neben der schon erwähnten Ilsa Faust, The White Widow (Vanessa Kirby) und Paris (Pom Klementieff) zu den überzeugenden Frauenfiguren des Films, die eine größere Leinwandzeit haben, und die durchaus einen Einzelfilm tragen könnten. Im Gegensatz zu der immer wieder widersprüchlich handelnden Helena Shaw (Phoebe Waller-Bridge) in „Indiana Jones und das Rad des Schícksals“ oder den niemals ihr Potential ausschöpfenden Frauen in den „Fast & Furious“-Filmen.
Die Action ist gewohnt atemberaubend. In Rom gibt es eine lange Auto- und Motorradverfolgungsjagd, die zeigt, was in der durch die gleichen Gassen führenden Autoverfolgungsjagd in „Fast X“ fehlte: das Gefühl, dass das alles real gedreht wurde. In Abu Dhabi und Venedig gibt es ausgedehnte Verfolgungsjagden und Versteckspiele. In den Alpen gibt es das große Actionfinale, neben, in und auf einer aus einer anderen Ära stammenden Wagons und einer Dampflokomotive, die das Filmende nicht erleben. Im Finale gibt es auch einige der aus Werbung bekannten spektakulären und gefährlichen Stunts, die auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfalten.
Das ist alles sehr gelungen und unterhaltsam und endet, im Gegensatz zu dem schon erwähnten „Fast X“, „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ oder „Dune“, nicht mitten in der Handlung. Es gibt, wie früher bei einem Zweiteiler einer TV-Serie, ein richtiges Ende und einen guten Hinweis auf den Inhalt des zweiten Teils. Deshalb kann McQuarries Film wie Quentin Tarantinos erster „Kill Bill“-Film problemlos als eigenständiger, in sich abgeschlossener Film besprochen werden. Im nachhinein, also wenn man beide „Kill Bill“-Filme kennt, war die Teilung in zwei Filme die richtige Entscheidung. Das dürfte bei „Mission: Impossible“ auch der Fall sein.
Mit 164 Minuten Stunden ist der siebte „Mission: Impossible“-Film allerdings auch zu lang geraten. Mehrmals, als ob wir chronisch unaufmerksam wären, wird uns in fast den gleichen Worten die Entität erklärt, und natürlich hätte hier und da einiges gestrafft und gekürzt werden können. Nicht jeder Film muss gut drei Stunden dauern. Doch das ist, zugegeben, Jammern auf hohem Niveau.
„Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ ist, wie erwartet, spannende Mainstream-Actionunterhaltung mit einem erstaunlich aktuellen Thema. Denn als McQuarrie das Drehbuch schrieb, waren Künstliche Intelligenz und die Gefahren und Chancen von KI ein Spezialistenthema. Mit ChatGPT ist es ein uns alle betreffendes Thema geworden.
Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach der Fernsehserie von Bruce Geller)
mit Tom Cruise, Hayley Atwell, Ving Rhames, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Vanessa Kirby, Esai Morales, Pom Klementieff, Mariela Garriga, Henry Czerny, Shea Whigham, Greg Tarzan Davis, Frederick Schmidt, Charles Parnell, Rob Delaney, Cary Elwes, Indira Varma, Mark Gatiss
Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)
Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego
Drehbuch: Maria Camila Arias, Jacques Toulemonde (nach einer Geschichte von Cristina Gallego)
Bildgewaltiges Drogendrama, das die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels, beginnend in den späten Sechzigern, erzählt. „Birds of Passage“ bedient dabei selbstverständlich Genrekonventionen. Mit seinen ethnographischen Blick eröffnet er gleichzeitig eine vollkommen neue Perspektive. Er zeigt nämlich, wie sehr Traditionen unser Leben bestimmen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Wayuus hatten und wie sich das Leben eines abgeschieden lebenden Volkes durch den Drogenhandel verändert.
Life of Pi: Schiffsburch mit Tiger (Life of Pi. USA/Großbritannien/Taiwan 2012)
Regie: Ang Lee
Drehbuch: David Magee
LV: Yann Martel: Life of Pi, 2001 (Schiffsbruch mit Tiger)
Nach einem Schiffsuntergang kann der siebzehnjährige Pi Patel, Sohn eines indischen Zoodirektors, sich auf ein Rettungsboot retten. Dummerweise muss er es mit dem Tiger Richard Parker teilen, der sehr hungrig ist.
Damals waren die Computereffekte, präsentiert in 3D, atemberaubend. Heute: schauen wir mal.
Es gab viel Kritikerlob, beeindruckende Zuschauerzahlen (in Deutschland gut 1,4 Millionen) und Preise, zum Beispiel erhielt Ang Lee den Regieoscar. Weitere gab es für die Kamera, die Musik und die Spezialeffekte.
Für das Lexikon des internationalen Films gehörte das Drama damals zu den besten Kinofilmen des Jahres 2012.
mit Suraj Sharma, Irrfan Khan, Rafe Spall, Ayush Tandon, Gautam Belur, Adil Hussain, Tabu, Ayan Khan, Mohd Abbas Khaleeli, Vibish Sivakumar, Gérard Depardieu
Inherent Vice – Natürliche Mängel(Inherent Vice, USA 2015)
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
LV: Thomas Pynchon: Inherent Vice, 2009 (Natürliche Mängel)
Los Angeles in den frühen Siebziger: Der dauerbekiffte Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix) sucht den spurlos verschwundenen Liebhaber einer seiner Ex-Freundinnen. Das ist der Auftakt für einen wahrhaft labyrinthischen Plot, der sich ungeniert bei den großen und bekannten Noirs bedient – und sich würdig zu ihnen gesellt.
Köstlicher, ebenso traditionsbewusster wie selbstironischer Noir für die Fans von Hammett, Chandler, Ellroy, „Chinatown“, „The Big Lebowski“ und „The Nice Guys“ (ja, die netten Jungs kamen genaugenommen etwas später). Die Vorlage dieses Megacuts des bekannten Hardboiled- und Noir-Kanons ist von Thomas Pynchon.
Danach will man sich wieder die Klassiker ansehen.
mit Joaquin Phoenix, Josh Brolin, Owen Wilson, Katherine Waterston, Reese Witherspoon, Benicio Del Toro, Martin Short, Jena Malone, Joanna Newson, Eric Roberts, Hong Chau, Michael Kenneth Williams, Martin Donovan, Sasha Pieterse
OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika(OSS 117: Alerte rouge en Afrique noire, Frankreich/Belgien 2021)
Regie: Nicolas Bedos
Drehbuch: Jean-François Halin
LV: Figur von Jean Bruce
TV-Premiere. Zum dritten Mal spielt Jean Dujardin den französischen James Bond Hubert Bonisseur de la Bath, bekannter als OSS 117. Seit seinem letzten Kinoeinsatz sind einige Jahre vergangen, aber OSS 117 hat sich nicht verändert. Er ist immer noch – jedenfalls für uns – der grenzdebile, blasierte, von sich überzeugte Idiot, der alle Vorurteile über die überheblichen Franzosen und den Westen bestätigt, während er, zu unserem Vergnügen, von Fettnapf zu Fettnapf springt.
Dieses Mal wird OSS 117 nach Afrika geschickt. Dort soll er einen Frankreich wohlgesonnenen Potentaten gegen Rebellen beschützen. Außerdem soll er einen seiner Nachfolger, den spurlos verschwundenen Jung-Agenten 1001, retten.
Köstliche und auch sehr liebevolle Satire auf James Bond, in dem alle Klischees und Vorurteile aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren dem allgemeinen Gelächter preisgegeben werden. Dabei lernt OSS 117 im Lauf dieses 1981 spielenden Abenteuers einige neue Dinge über Computer, Frauen und Afrika.
Mit Jean Dujardin, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Fatou N’Diaye, Wladimir Yordanoff, Gilles Cohen, Habib Dembélé
Das dreckige Dutzend (The Dirty Dozen, Großbritannien/USA 1967)
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Nunnally Johnson, Lukas Heller
LV: E. M. Nathanson: The Dirty Dozen, 1965 (Das dreckige Dutzend)
Im März 1944 erhält Major John Reisman den Befehl, ein Dutzend Männer für ein Himmelfahrtskommando auszubilden. Der Haken bei der Sache ist, dass diese Soldaten alle zum Tode verurteilte Schwerverbrecher sind.
Rüder Kriegsfilmklassiker mit einem, aus heutiger Sicht, Ensemble voller Stars. Einige von ihnen wurden erst durch diesen Kassenhit zu Stars.
mit Lee Marvin, John Cassavetes, Ernest Borgnine, Richard Jaeckel, Robert Ryan, George Kennedy, Telly Savalas, Donald Sutherland, Charles Bronson, Jim Brown, Clint Walker, Trini Lopez, Ralph Meeker, Robert Webber, Ben Carruthers
LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)
Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.
Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.
Am Donnerstag, den 13. Juli, läuft „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ mit Tom Cruise an – und der Film ist verdammt gut. Die Kritik gibt es zum Filmstart.
mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan
Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.45 Uhr (Taggenau!; Davor zeigt Sat.1 ab 20.15 Uhr, zwei „Mission: Impossible“-Film mit Tom Cruise)
Nach Sean Connery übernahm Roger Moore die Rolle. Seine ersten beiden Einsätze werden heute gezeigt:
Pro 7, 20.15
JAMES BOND: Leben und sterben lassen (Live and let die, Großbritannien 1973)
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Tom Mankiewicz
LV: Ian Fleming: Live and let die, 1954 (Leben und sterben lassen)
In Ian Flemings zweitem Bond-Roman finanziert Mr. Big mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA. In der Karibik kommt es zum abschließenden Kampf zwischen Mr. Big und Bond.
Im Film will Mr. Big die USA mit Heroin überschwemmen.
Der Action-Höhepunkt in Roger Moores erstem Auftritt als James Bond ist ein Bootsrennen in Louisiana. Der Film ginge als netter Agententhriller durch, wenn da nicht der Bösewicht und, damit verbunden, die unerträgliche Zeichnung der Afroamerikaner als eine Horde degenerierter Krimineller wäre. In dem Magazin „Time“ wurde Bond deshalb – zu Recht – ein „rassistisches Schwein“ genannt.
Mit Roger Moore, Jane Seymour, Yaphet Kotto, Clifton James, Julius W. Harris, Geoffrey Holder, David Hedison, Bernhard Lee, Lois Maxwell
JAMES BOND: Der Mann mit dem goldenen Colt (The Man with the Golden Gun, Großbritannien 1974)
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz
LV: Ian Fleming: The man with the golden gun, 1965 (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt, 007 James Bond und der goldene Colt)
Zweiter Einsatz von Roger Moore als Geheimagent ihrer Majestät. Sein Gegner ist Christopher Lee, der einen Profi-Killer spielt, der die Weltherrschaft will.
Von Ian Flemings letztem James-Bond-Roman wurde eigentlich nur der Beruf des Bösewichts übernommen.
Das ist der Bond mit dem Auto-Spiralsprung. Oh, und Lees Auto verwandelt sich in ein Flugzeug.
Einer der unbestrittenen Tiefpunkte der Bond-Serie.
Nächsten Freitag zeigt Pro 7 um 20.15 Uhr dann einen der unumstrittenen Höhepunkte der Serie: nämlich „Der Spion, der mich liebte“, Roger Moores dritten Einsatz als James Bond.
mit Roger Moore, Christopher Lee, Britt Eklund, Maud Adams, Herve Villechaize, Clifton James, Bernhard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell
Gehen oder bleiben? Das fragen sich in Maysoon Pachachis „Unser Fluss…unser Himmel“ viele der im Film gezeigten Figuren. Ende 2006, nach der US-Invasion und dem Sturz von Saddam Hussein, ist die Situation in der Damals-Fünf-Millionstadt Bagdad immer noch unruhig. Straßenblockaden, Bombenanschläge, Hass, Gewalt, Intoleranz und die alltäglichen Probleme des Überlebens in einer Stadt, in der eigentlich nichts funktioniert bestimmen das Leben der dort lebenden Iraker. Pachachi begleitet in ihrer „Short Cuts“-Variante einige von ihnen einige Tage.
Zum Beispiel Sara, eine Schriftstellerin mit Schreibblockade. Die warmherzige Mutter fragt sich, ob sie mit ihrer Tochter die Stadt verlassen soll. Aber ihrer Tochter Reema scheint mit diesem Leben keine Probleme zu haben. Sie kennt auch kein anderes Leben. Um sie herum gruppieren sich andere Figuren, wie eine ehemalige Schauspielerin und Christin, ein ehemaliger iranischer Kriegsgefangener und seine schwangere Frau, eine sich mit Musik und Mode ablenkende Studentin und ein Beamter, der sich fragt, ob er sich bestechen lassen oder die Stadt verlassen soll.
Pachachi und ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori erzählen viele kleine, in einem Stadtviertel spielende Geschichten zwischen Alltag und Alltag. Oft ohne einen richtigen Anfang und ohne ein richtiges Ende. Sie konzentrieren sich auf den Alltag der kleinen Leute. Niemand von ihnen wird den Lauf der Geschichte ändern, aber Geschichte wird nie ohne sie gemacht.
Aus diesen Vignetten entsteht das zurückhaltend inszenierte Bild einer Stadt und eines Landes im Schwebezustand.
„Unser Fluss…unser Himmel“ ist der erste international produzierte Spielfilm einer irakischstämmigen Regisseurin. Die in London lebende Maysoon Pachachi studierte Philosophie am University College London und Film an der London Film School. Seit fast dreißig Jahren arbeitet sie als unabhängige Dokumentarfilmregisseurin. Viele ihrer Dokumentarfilme, wie „Iranian Journey“ (1999) und „Return to the Land of Wonders“ (2004; ihr Film über ihre Rückkehr nach Bagdad nach über 35 Jahren), beschäftigen sich mit dem Mittleren Osten.
Ihre Co-Autorin Irada Al-Jubori lehrt am College of Mass Communication der Universität Bagdad und sie ist Schriftstellerin. Sie veröffentlichte bereits einen Roman und mehrere Sammlungen mit Kurzgeschichten. Die beiden Frauen trafen sich 2006/2007 bei dem partizipativen Photoprojekt „Open Shutters Iraq“, in dem Frauen aus fünf irakischen Städten für eine Ausstellung, einen Bildband und einen Dokumentarfilm Bildgeschichten über ihr Leben erstellten. Al-Jubori war die irakische Projektmanagerin. Pachachi drehte den Dokumentarfilm „Our Feelings took the Pictures“ über das Projekt. 2011 schrieben Pachachi und Al-Jubori die erste Fassung des Drehbuch von „Unser Fluss…unser Himmel“. 2012 erhielt es beim Dubai International Film Festival den mit 100.000 US-Dollar dotierten IWC Schaffhausen Gulf Filmmaker Award. Die Dreharbeiten waren 2019 im Irak in den Großstädten Bagdad und Sulaimaniyya. Die Premiere des Films war 2021 auf dem Sarajevo Filmfestival.
mit Darina Al Joundi, Zainab Joda, Basim Hajar, Labwa Arab, Amed Hashimi, Meriam Abbas, Mahmoud Abo Al Abbas, Badia Obaid, Zaydun Khalaf, Suzan Muneam, Sami Al-Ali, Siham Mustafa, Kholod Mohamad, Ali El Kareem, Kameran Raoof, Mustafa Mohammed, Muslem Hassoun
Madeleine Verdier und Pauline Mauléon leben zusammen in einer Ein-Zimmer-Absteige, die nur in Spielfilmen eine gewissen Wohnlichkeit verkörpert. Madeleine ist eine unbekannte Schauspielerin auf der Suche nach irgendeiner, auch noch so kleinen Rolle. Pauline ist eine Anwältin auf der Suche nach ihrem ersten Mandanten. Beide sind jung, wollen im Paris der dreißiger Jahre das Leben genießen und sie brauchen jeden Pfennig. Zum Beispiel um die seit Monaten überfällige Miete bei ihrem Vermieter zu zahlen. Denn so langsam können sie ihn mit ihrem Aussehen und Charme nicht mehr zu einer weiteren Stundung überreden.
Deshalb kommt ihnen der Tod des einflussreichen Theaterproduzenten zupass. Madeleine war für einen Vorsprechtermin in der Villa des Produzenten, der jedes Klischee des fetten, schleimigen und sexgierigen Kapitalisten verkörpert. Das Vorsprechen lief schnell aus dem Ruder – und jetzt hält die Polizei sie für die Mörderin des Theatermannes.
Nach polizeilichen Verhören und einem Gespräch mit ihrer Mitbewohnerin gesteht Madeleine die Tat. Sie hat ihn zwar nicht getötet, aber gemeinsam wollen sie den Mord als Booster für ihre Karriere als Schauspielerin und Anwältin benutzen. Sie machen die Gerichtsverhandlung zum Medienzirkus. Sie stellen die Tat als Notwehr gegen einen übergriffigen Mann da. Und nach dem Freispruch könnte es für sie nicht besser aussehen. Die eine steigt als Schauspielerin, die andere als Anwältin auf. Die gut betuchten, heiratswilligen Männer stehen Schlange.
Dummerweise taucht in dem Moment Odette Chaumette (Isabelle Huppert, gewohnt grandios) auf. Der Stummfilmstar beherrscht immer noch den großen Auftritt. Nur die Filmrollen dafür gibt es nicht mehr. Jetzt fordert sie von Madeleine und Pauline ihren Anteil. Denn sie ist die Mörderin. Und sie könnte die Tat gestehen.
Immer noch liegt François Ozons Arbeitstempo irgendwo zwischen Claude Chabrol und Rainer Werner Fassbinder. Ein Film pro Jahr ist normal. Dabei ist er witziger als Fassbinder und er betrachtet seine Figuren liebevoller als Chabrol. Und er verfilmt öfter Theaterstücke, die er so bearbeitet, dass sie am Ende nicht wie Theaterstücke wirken. Auch sein neuester Film basiert auf einem Theaterstück, das er frei interpretiert und zu einer gleichzeitig zeitgenössischen und traditionsbewussten Screwball-Comedy macht.
Nach mehreren ernsten Filmen, – auch sein vorheriger Film, die gelungene Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage „Peter von Kant“, war letztendlich ziemlich ernst -, hat François Ozon jetzt wieder eine waschechte Komödie gedreht, die, so Ozon, als Abschluss einer Trilogie über den Status der Frau mithilfe von Humor und Glamour gesehen werden könne. Die beiden vorherigen Filme dieser sehr losen Trilogie waren „8 Frauen“ (ebenfalls mit Isabelle Huppert) und „Das Schmuckstück“.
„Mein fabelhaftes Verbrechen“ ist eine in den Dreißigern spielende Screwball-Comedy, in der Tempo alles ist. Die Pointen folgen atemberaubend schnell aufeinander. Die Dialoge sind scharfzüngig und voller Anspielungen. Die Geschichte hat zahlreiche temberaubende und überraschende Wendungen. Sie sind wenig vorhersehbarer, aber letztendlich schlüssig. Schließlich verhalten sich alle Figuren in dem Stück, wenn sie von dem Mord profitieren wollen, überaus eigennützig. Vor allem die Männer sind nicht besonders intelligent, dafür aber eitel. Wobei Madame Chaumette als vollendete Diva mit ausladenden Kleidern und Gehabe auch ziemlich eitel ist.
Als Inspiration benutzte Ozon das 1934 entstandene, zweimal von Hollywood verfilmte Theaterstück „Mon Crime“ von Georges Berr und Louis Verneuil. Ozon modernisierte es so gelungen, dass „Mein fabelhaftes Verbrechen“ trotz Modernisierungen in jeder Sekunde wie ein zu Unrecht vergessenes altes Stück wirkt. Schließlich waren in den klassischen Screwball-Comedies die Frauen für die damalige Zeit sehr emanzipiert. In diesem Kosmos fallen zwei, später drei selbstbewusste Frauen, die sich von den Männern nichts vorschreiben lassen, nicht weiter auf.
Ein fabelhafter Spaß.
Mein fabelhaftes Verbrechen (Mon Crime, Frankreich 2023)
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon, (in Zusammenarbeit mit) Philippe Piazzo
LV: Georges Berr, Louis Verneuil: Mon Crime, 1934 (Theaterstück)
mit Nadia Tereszkiewicz, Rebecca Marder, Isabelle Huppert, Dany Boon, Fabrice Luchini, André Dussollier, Édouard Sulpice, Régis Laspalès, Olivier Broche
Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, USA 1998)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Robert Rodat
1944, nach der Landung der Allierten in der Normandie, wird US-Captain Miller mit einigen Männern losgeschickt. Sie sollen den titelgebenden Soldaten James Ryan finden und nach Hause schicken. Dummerweise weiß niemand, wo er ist.
Packender Kriegsfilm von Steven Spielberg. Auch wenn er letztendlich nur die Geschichte vom tapferen Soldaten erzählt.
Mit Tom Hanks, Edward Burns, Tom Sizemore, Matt Damon, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribisi, Jeremy Davis, Ted Danson, Bryan Cranston, Paul Giamatti
Biopic über den Multimillionär Howard Hughes und sein Leben in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gut gespielt, liebevoll ausgestattet, straff erzählt mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Porträtierten, aber von Scorsese erwarte ich mehr.
Denn letztendlich ist „Aviator“ Ausstattungskino.
Danach, um 22.55 Uhr, zeigt Arte die gut einstündige Doku „Leonardo DiCaprio: Most Wanted!“ (Frankreich/Deutschland 2020).
Die neueste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, „Killers of the Flower Moon“, soll ab dem 19. Oktober in unseren Kinos laufen.
Mit Leonardo DiCaprio, Cate Blancett, Kate Beckinsale, John C. Reilly, Alan Alda, Jude Law, Alec Baldwin, Alan Alda, Ian Holm, Danny Huston, Gwen Stefani, Willem Dafoe