TV-Tipp für den 4. Januar: Green Book – Eine besondere Freundschaft

Januar 3, 2023

ARD, 20.15

Green Book – Eine besondere Freundschaft (Green Book, USA 2018)

Regie: Peter Farrelly

Drehbuch: Peter Farrelly, Nick Vallelonga, Brian Currie

Gut gemachtes, auf einer wahren Geschichte basierendes Feelgood-Movie über die sich während einer Konzerttour durch die Südstaaten in den frühen sechziger Jahren entwickelnde Freundschaft zwischen dem Konzertpianisten Don Shirley (Mahershala Ali) und seinem für diese Tournee engagiertem Fahrer und Rausschmeißer Tony ‚The Lip‘ Vallelonga (Viggo Mortensen).

Der allgemeine Jubel über den Film, die zahlreichen Preise, unter anderem der Oscar als bester Film des Jahres (Spike Lee hatte mit seinem Wutausbruch, dass jeder andere nominierte Film den Oscar mehr verdient hätte als „Green Book“, vollkommen recht), können nicht über die doch ziemlich altbackene Ideologe des Films (der weiße Mann als Retter des Schwarzen und mit etwas gutem Willen kann der Rassissmus besiegt werden) hinwegtäuschen. „Green Book“ ist halt perfektes Hollywood-Wohlfühlkino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P. J. Byrne

Wiederholung: Donnerstag, 5. Januar, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Green Book“

Metacritic über „Green Book“

Rotten Tomatoes über „Green Book“

Wikipedia über „Green Book“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood sieht sich diese Männerfreundschaft an

Meine Besprechung von Peter Farrellys „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ (Green Book, USA 2018)


Cover der Woche

Januar 3, 2023


TV-Tipp für den 3. Januar: The Homesman

Januar 2, 2023

Servus TV, 22.15

The Homesman (The Homesman, USA 2014)

Regie: Tommy Lee Jones

Drehbuch: Wes Oliver, Kieran Fitzgerald, Tommy Lee Jones

LV: Glendon Swarthout: The Homesman, 1988 (The Homesman – Es führt ein Weg zurück)

Nebraska, 1854: Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) soll drei verrückt gewordene Frauen nach Hebron, Iowa in ein Sanatorium bringen. Der Strauchdieb George Briggs (Tommy Lee Jones) soll ihr helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die über sechshundert Kilometer lange, mehrere Woche dauernde Reise.

grandioser, wahrhaftiger, aufbauender, aber auch deprimierender Film, in dem der Wilde Westen als eine von nicht vollkommen zurechnungsfähigen, fehlerhaften Menschen bevölkerte, weitgehend menschenleere Landschaft gezeigt wird; was mit Sicherheit viel näher an der Wirklichkeit ist, als die üblichen Hollywood-Western.

Einer des schönsten Filme des Kinojahres.“ schrieb ich schwer begeistert zum Kinostart.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, Grace Gummer, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader, John Lithgow, William Fichtner

Wiederholung: Mittwoch, 4. Januar, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Homesman“

Metacritic über „The Homesman“

Rotten Tomatoes über „The Homesman“

Wikipedia über „The Homesman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tommy Lee Jones‘ „The Homesman“ (The Homesman, USA 2014)


Impressionen aus Berlin: Recycling aus aktuellem Anlass

Januar 2, 2023

Weil hier in Berlin (anderswo auch?) gerade munter über ein Böllerverbot, das dieses Mal wirklich kommen könnte, diskutiert wird, grabe ich einfach einmal einen älteren Text von mir aus und poste ihn, etwas gekürzt, wieder. Am 31. Dezember 2019 schrieb ich:

Um die Weihnachtstage plante ich einen Text zur alljährlichen Straßenschlacht in der Silvesternacht. Ich war noch nie ein Freund des verordneten Silvesterfrohsinns (Hey, ich brauche keinen Anlass, um mich zu betrinken und ich brauche dazu nicht die Gesellschaft ganzer Kompanien Besoffener, die ich niemals kennen lernen möchte. Außerdem kann ich mir die normale Silvestermusik auch mit multiplen parallelen Alkoholvergiftungen nicht hörbar trinken.), aber viele Jahre meines Lebens ging ich nach der Methode „Leben und knallen lassen“ vor. Erst in Berlin änderte sich das. Zu viele besoffene Idioten auf einer zu kleinen Fläche und die Böller erzeugen zwischen den Häusergassen einen infernalischen Lärm.

Aber inzwischen gibt es so viele Artikel darüber und in Umfragen sind große Mehrheiten dafür, die sich auf wenige Stunden beschränkende Erlaubnis für Kreti und Pleti mit Feuerwerk zu hantieren, zu beschränken. Denn es geht nicht um ein „Verbot der Silvesterböllerei“, sondern darum, eine Ausnahme, eine Erlaubnis, nicht weiter zu gewähren.

 


Das „Geheimnis am Weihnachtsabend“ ist ein Mord – und Mrs. Bradley ermittelt

Januar 2, 2023

Ein typisches Weihnachtsfest in der englischen Provinz: die Familie kommt zusammen, ein Mord geschieht und schon beginnt die Mördersuche. Am Ende, nachdem viel durch den Schnee gestampft wurde (es schneit immer), sich am Kaminfeuer gewärmt und viel gegessen wurde, überführt der geniale Ermittler den Mörder. Davor erklärt er ausführlich den in einem Raum versammelten Verdächtigen wer die Tat begangen haben könnte, warum er es nicht tat und warum und wie der Mörder es tat.

Das Rezept ist bewährt und kommt bei Krimifans immer noch gut an. Vor allem wenn sie Rätselkrimis oder Cozys mögen. Für die ist, auf den ersten Blick, Gladys Mitchells „Geheimnis am Weihnachtsabend“ geschrieben.

Gladys Maude Winifred Mitchell, so ihr vollständiger Name, den wir gleich wieder vergessen können, wurde 1901 in Oxfordshire geboren. Nach einem Geschichtsstudium in London arbeitete sie als Lehrerin. Abgesehen von einer dreijährigen Unterbrechung unterrichtete sie bis zu ihrer Pensionierung an verschiedenen Schulen. Und schrieb gleichzeitig Kriminalromane. Ihr Debüt erschien 1929. Es ist gleichzeitig der erste Auftritt von Beatrice Adela Lestrange Bradley. Die Ermittlerin, die normalerweise nur Mrs. Bradley genannt wird, ist eine ältere, kleine, dünne, hexenhafte Dame. Sie arbeitet in einer geschlossenen Anstalt als Pschoanalytikerin. Ihre Arbeit und ihr damit verbundenes Wissen ist, jedenfalls in „Geheimis am Weihnachtsabend“, für die Ermittlungen und die Enttarnung des Täters erstaunlich unwichtig.

In insgesamt 66 Romanen suchte die Amateurdetektivin Mörder. Der letzte Fall mit Mrs. Bradley als Ermittlerin erschien 1984, kurz nach Mitchells Tod. Neben den Mrs.-Bradley-Romane schrieb sie unter verschiedenen Pseudonymen weitere Kriminal- und Abenteuerromane.

Nach ihrem Tod verschwanden ihre Bücher, im Gegensatz zu den Büchern von Agatha Christie und Dorothy L. Sayers, vom englischen Buchmarkt. In einschlägigen Lexika wird sie normalerweise nicht erwähnt. In Deutschland ist sie unbekannt. Das liegt daran, dass laut dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek nur zwei ihrer Romane auf Deutsch erschienen. Und das war 1953 im Drei-Raben-Verlag.

Nach der Lektüre ihres 1936 im Original erschienenen Krimis, der inzwischen etwas irreführend als Weihnachtskrimi etikettiert wird, scheinen wir nichts verpasst zu haben.

Zu Weihnachten fährt Mrs. Bradley nach Oxfordshire. Ihr Neffe hat sie und einige Freunde über die Feiertage auf seinen Hof eingeladen.

Das beschauliche weihnachtliche Treiben wird schnell gestört. Am Weihnachtsabend wird die Leiche von Fossder, dem für alle rechtliche Geschäfte kompetenten Dorfanwalt, entdeckt. Mrs. Bradley vermutet sofort, dass er ermordet wurde. Trotzdem scheint sein Tod ein natürlicher Tod oder bestenfalls ein dummer Unfall gewesen zu sein. Denn Fossder hatte eine Herzschwäche und er war vermutlich draußen, um eine Mutprobe zu bestehen. Denn nach einer alten Gruselgeschichte sollte in dieser Nacht ein Geist auftauchen.

Der zweite Tote – es handelt sich um Simith –, wird kurz darauf gefunden. Er wurde zweifelsfrei ermordet. Auch wenn ein Eber die Tat ausführte. Simith ist der Besitzer einer Schweinefarm. Er ist ein Choleriker und streitet sich immer wieder handgreiflich mit Tombley, der eine andere Auffassung von der Zukunft des Hofes hat.

Mrs. Bradley beginnt sich umzuhören. Es gibt nur eine überschaubare Zahl von Verdächtigen und einen Hauptverdächtigen, den sie für unschuldig hält.

Wenn Rätselkrimifans jetzt auf eine spannende Mörderjagd mit vielen falschen Spuren hoffen, sollten sie lieber (wieder) einen Agatha-Christie-Krimi lesen. Die sind in jeder Beziehung besser als dieser langweilige Pseudokrimi.

In Mitchells siebtem Mrs.-Bradley-Krimi plätschert die Story vor sich hin. Von Ermittlungen kann kaum gesprochen werden. Stattdessen wird munter vor sich hin palavert und vermutet, aber es werden keine Spuren verfolgt oder Verdächtige verhört. Die wenigen Verdächtigen bleiben blass. Sie haben nicht mehr Persönlichkeit als eine Spielkarte.

Der Fall selbst wird, nachdem die Story schon in der Mitte des Buches (und wenige Seiten nachdem der zweite Mord verübt wurde) einen Zeitsprung in die ersten Januarwochen macht, erst an Pfingsten geklärt. Indem dem Täter eine Falle gestellt wird und die Amateurdetektivin den Täter enttarnen kann. Diese Selbstenttarnung ist das Gegenteil der in Rätselkrimis üblichen Auflösung. Dort enttarnt nach der am Buchende üblichen Versammlung der Verdächtigen der geniale Detektiv den Mörder.

Gladys Mitchell: Geheimnis am Weihnachtsabend

(übersetzt von Dorothee Merkel)

Klett-Cotta, 2022

432 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Dead Men’s Morris

Michael Joseph Ltd, London, 1936

später auch (und inzwischen bekannter) als „Death Comes at Christmas“ veröffentlicht

Hinweise

Fanpage über Gladys Mitchell und ihre Ermittlerin

Wikipedia über Gladys Mitchell


TV-Tipp für den 2. Januar: Werk ohne Autor

Januar 1, 2023

ARD, 20.15

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.

Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Wiederholung: Dienstag, 3. Januar, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Das Buch zum Film

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

Hinweise

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ (Deutschland 2018)


1. 1. 2023

Januar 1, 2023


TV-Tipp für den 1. Januar: Saving Mr. Banks

Dezember 31, 2022

Bevor Tom Hanks „Ein Mann namens Otto“ (startet am 2. Februar) ist, ist er heute Walt Disney

Disney Channel, 22.50

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

Walt Disney will das Kinderbuch „Mary Poppins“ verfilmen. Dafür braucht er nur das Einverständnis der Autorin P. L. Travers. Die Engländerin hasst ungefähr alles abgrundtief, was Walt Disney verkörpert und mit ihrem Buch machen will.

Das sehr, sehr gelungene und sehr kurzweilige Making of zu dem Klassiker „Mary Poppins“. Das Musical läuft davor um 20.15 Uhr.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung; mit vielen Clips.

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The little Things“ (The little Things, USA 2021)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the clock

Dezember 30, 2022

3sat, 05.45

Pop around the clock

Wie in den vergangenen Jahren präsentiert 3sat an Silvester 24 Stunden lang Konzerte von seit Ewigkeiten bekannten und beliebten Musikern und Bands. Selbstverständlich sind die Rolling Stones dabei. Dieses Mal um 21.30 Uhr mit „Licked Live in NYC“. Bruce Springsteen (um 14.00 Uhr), Peter Gabriel (um 12.45 Uhr), Creedence Clearwater Revival (um 08.45 Uhr), AC/DC (um 22.45 Uhr), Oasis (um 02.40 Uhr) und die Foo Fighters (um 01.40 Uhr) sind ebenfalls dabei. Auch sie sind Stammgäste. Deutschland wird dieses Jahr unter anderem von „Mensch“ Herbert Grönemeyer (um 20.15 Uhr) und Johannes Oerding (um 15.40 Uhr; er könnte zum ersten Mal dabei sein) vertreten.

Das vollständige Programm gibt es, auch zum Nach- und Mithören, hier.


TV-Tipp für den 30. Dezember: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Dezember 29, 2022

One, 20.15

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Hinweise

Moviepilot über „The Imitation Game“

Metacritic über „The Imitation Game“

Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“

Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Imitation Game“

Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Spiel mir das Lied vom Tod

Dezember 28, 2022

Weil gerade eine wunderschöne Doku über Ennio Morricone, der die Musik für diesen Klassiker schrieb, im Kino läuft

ARD, 23.35

Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il west, Italien/USA 1968)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Sergio Donati (nach einer Geschichte von Dario Argento, Bernardo Bertulucci und Sergio Leone)

Die Story – Killer Frank will für die Eisenbahn an das Land der Exhure Jill gelangen, während ‚Mundharmonika‘ ihm einen Strich durch die Rechnung macht – ist eher Nebensache gegenüber den von Ennio Morricone untermalten Bildern von Tonino Delli Colli.

Ein Western-Klassiker, der eigentlich auf die große Leinwand gehört.

mit Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Frank Wolff, Gabriele Ferzetti, Keenan Wynn, Lionel Stander, Jack Elam, Woody Strode

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spiel mir das Lied vom Tod“

Wikipedia über „Spiel mir das Lied vom Tod“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Dezember: Vergiftete Wahrheit

Dezember 27, 2022

ARD, 23.35

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

Nur aus Gefälligkeit und wegen seiner Großmutter kümmert Wirtschaftsanwalt Rob Bilott („Hulk“ Mark Ruffalo; grandios!) sich um das Problem des aus ihrem Heimatort Parkersburg, West Virginia, kommenden Farmers Wilbour Tennant. Er glaubt, dass sein Vieh von DuPont vergiftet wird. Bilott sieht sich die Akten an – und wird zum schlimmsten Alptraum des Chemiegiganten. Denn DuPont stellt in der Anlage in der Nähe von Tennants Grundstück die krebserregende Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) her. Sie ist ein Bestandteil der Teflonpfanne.

TV-Premiere zu später Stunde. Grandioser Justiz- und Wirtschaftssthriller, der einen wahren David-gegen-Goliath-Kampf erzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Kritik.

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019) und der DVD

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des Films


Cover der Woche

Dezember 27, 2022

Weil es ein gewohnt schönes Hard-Case-Crime-Cover ist, weil der Krimi den Edgar und den Barry Award erhielt und weil Suhrkamp das „Krimi-Epos für die Ewigkeit“ (Dennis Lehane) am 13. März 2023 als „Fünf Winter“ veröffentlicht.

James Kestrel ist das Pseudonym von Jonthan Moore.


TV-Tipp für den 27. Dezember: Soldier Blue – Das Wiegenlied vom Totschlag

Dezember 26, 2022

Servus TV, 22.15

Das Wiegenlied vom Totschlag (Soldier Blue, USA 1970)

Regie: Ralph Nelson

Drehbuch: John Gay

LV: Theodore V. Olson: Arrow in the Sun, 1969 (nach dem Filmstart auch als „Soldier Blue“ veröffentlicht)

Nur der Rekrut Honus Gant (Peter Strauss) und Cresta Lee (Candice Bergen) überleben einen Überfall der Cheyenne auf einen Geldtransporter der US-Army. Anschließend versuchen sie zum nächsten Fort zu gelangen.

„Das Wiegenlied vom Totschlag“ ist der bekannteste Film des TV-Routiniers Ralph Nelson. Bekannt wurde der Western wegen seiner ausführlich gezeigten Gewalt und seiner vehementen Anklage gegen die Armee. Formal ist der Film dann zu uneinheitlich, um wirklich zu überzeugen. Aber sehenswert ist er allemal.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Candice Bergen, Peter Strauss, Jorge Rivero, John Anderson, Donald Pleseance, Dana Elcar

Wiederholung: Mittwoch, 28. Dezember, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Wiegenlied vom Totschlag“

Wikipedia über „Das Wiegenlied vom Totschlag“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ralph Nelsons „Das Wiegenlied vom Totschlag“ (Soldier Blue, USA 1970)


TV-Tipp für den 26. Dezember: Das finstere Tal

Dezember 25, 2022

3sat, 23.15

Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)

Regie: Andreas Prochaska

Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska

LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.

Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.

mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Perlentaucher über den Roman „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 25. Dezember: Ist das Leben nicht schön?

Dezember 24, 2022

Wir folgen nicht dem „Ruf der Wildnis“ (um 20.15 Uhr auf RTL), sondern fragen uns:

3sat, 20.10

Ist das Leben nicht schön? (It’s a wonderful Life, USA 1946)

Regie: Frank Capra

Drehbuch: Frances Goodrich, Albert Hackett, Frank Capra, Jo Swerling (zusätzliche Szenen), Michael Wilson (ungenannt) (nach einer Geschichte von Philip Van Doren Stern)

Am Heiligabend (also gestern, vor langer Zeit in einer anderen Welt) will sich der hochverschuldete Familienvater George Bailey (James Stewart) umbringen. Bevor er zur Tat schreitet, taucht Engel Clarence auf und schildert ihm, wie es ohne ihn in dem lauschigen Städtchen Bedford Falls aussähe.

Im Kino war der Film kein Erfolg. Dann lief er im Fernsehen so lange an den Weihnachtstagen bis er zu dem Weihnachtsfilm wurde. Regisseur Capra und Hauptdarsteller Stewart nannten den Film ihren Lieblingsfilm – und inzwischen ist er auch der Lieblingsfilm von vielen, vielen Menschen. So steht er in der IMDB-Top-250-Liste auf dem 21. Platz.

Mit James Stewart, Donna Reed, Lionel Barrymore, Henry Travers, Thomas Mitchell, Beulah Bondi, Ward Bond

Wiederholung: Montag, 26. Dezember, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ist das Leben nicht schön?

Wikipedia über „Ist das Leben nicht schön?“ (deutsch, englisch)

Filmzentrale über „Ist das Leben nicht schön?“


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Honoré de Balzacs „Verlorene Illusionen“

Dezember 24, 2022

Verlorene Illusionen“ ist ein guter, nämlich ein Erwartungen weckender Titel. Honoré de Balzac nannte so seine in den frühen zwanziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts spielende Chronik des Lebens in der Provinz und in der Hauptstadt Paris.

Der Roman ist ein Klassiker, der trotz seiner filmtauglichen Handlung, bisher nur zweimal verfilmt wurde. Einmal 1966 als TV-Miniserie. Und jetzt als Spielfilm. Regisseur und Drehbuchautor Xavier Giannoli veränderte für seine Verfilmung selbstverständlich einiges an der Vorlage, die in der aktuellen Ausgabe deutlich über achthundert engbedruckte Seiten umfasst. Die größten Unterschiede sind, dass Giannoli von den drei Büchern des Romans das letzte Buch, „Die Leiden des Erfinders“, nicht verfilmte und das erste, „Die zwei Dichter“, in der ersten viertel Stunde seines Films, stark gekürzt, erzählt. Das führt dazu, dass aus der Geschichte von Lucien Chardon bzw. Lucien de Rubempré und seinem Schwager David Séchard die Geschichte von Lucien de Rubempré wird und sich der Film auf sein Leben in Paris konzentriert. Dort ist er, wie das zweite Buch ironisch betitelt ist, „Ein großer Mann vom Land in Paris“.

Es gibt durch diese Kürzung einige teils notwendige, teils die Filmgeschichte runder machende Änderungen. Und Nathan d’Anastazio erzählt Luciens Geschichte. Nathan ist ein Schriftsteller, der Luciens Auf- und Abstieg in Paris beobachtet.

In der Provinzstadt Angoulême arbeitet Lucien in der kleinen Druckerei von David. In seiner Freizeit dichtet er. Seine Gedichte trägt er bei Empfängen von Louise de Bargeton vor. Dabei verliebt der junge Schöngeist sich in die Hausherrin. Beide leiden sie an der provinziellen Enge. Sie flüchten nach Paris, der Stadt in der alles viel besser sein soll. Kurz nach ihrer Ankunft trennen sie sich. Die Standes- und Altersunterschiede zwischen dem jungen, bürgerlichem Dichter und der älteren Adligen Louise de Bargeton sind zu groß.

Danach stürzt Lucien sich in das Pariser Leben. Als sein ursprünglicher Plan, seine Gedichte zu veröffentlichten und der neue Star der Literatur zu werden, scheitert, wird er zum Kulturkritiker. Der Journalist Étienne Lousteau weist ihn in das Handwerk ein. Lucien lernt Bücher und Aufführunge hoch- und niederzuschreiben; je nachdem, wie es gerade gefordert ist. Er verdient viel Geld. Er wird gefeiert. Er verliebt sich in die gleichaltrige Schauspielerin Coralie.

Dass dieses Glück nicht lange halten wird und Lucien wieder absteigen wird, verrät schon der Titel „Verlorene Illusionen“.

Honoré de Balzac schrieb „Verlorene Illusionen“ zwischen 1837 und 1843 und veröffentlichte den Roman ursprünglich in drei voneinander getrennten Büchern, die auch getrennt gelesen werden können. Zusammen mit de Balzacs anderen Romanen ergeben sie in seinem Großwerk „Die menschliche Komödie“ ein breites Sittengemälde des damaligen Frankreichs. In „Verlorene Illusionen“ beschäftigt er sich, wenn David und die von ihm betriebene Druckerei im Mittelpunkt stehen, das ist vor allem in „Die Leiden des Erfinders“ der Fall, intensiv mit dem Druckereigewerbe und dem Handel mit Schuldscheinen, an denen Anwälte und Banken prächtig verdienen. Im zweiten Band „Ein großer Mann vom Land in Paris“ steht dann das damalige Zeitungsgewerbe im Vordergrund. Beides kannte de Balzac aus eigener Erfahrung und beide Male rechnet er gnadenlos mit den damaligen Gepflogenheiten ab. Der Roman selbst ist im damaligen, heute nur noch schwer lesbarem Stil geschrieben. Die Handlung selbst wird immer wieder von teils seitenlangen Beschreibungen unterbrochen, in denen de Balzac sich über den damaligen Journalismus, das Druckerhandwerk und den Handel mit Schuldscheinen auslässt. Das ist dann ziemlich länglich. Deutlich interessanter sind die Beschreibungen der Sitten und liebevoll gepflegten Standesunterschieden in der Provinz und der Hauptstadt. Sie erklären auch, warum Lucien unbedingt den adligen Namen seiner Mutter annehmen möchte.

Xavier Giannoli kann vieles von de Balzacs ausführlichen Beschreibungen schnell in Bilder übersetzen. Anstatt langer Beschreibungen verschiedener Zimmer und was welche Kleidung über einen aussagt, zeigt er es einfach. Da verrät ein skeptischer Blick alles notwenige. Anderes lässt er, wie gesagt, weg. Die Darstellung des damaligen Journalismus und wie Zeitungen und Bücher gemacht wurden, die im zweiten Buch der „Verlorenen Illusionen“ einen großen Teil der Lesezeit einnimmt, nimmt auch einen großen Teil der Filmzeit ein. Das damalige Gebaren der Zeitungsmacher, die skrupellos Meinungen und Stimmungen manipulierten, und alles als Geschäft betrachteten, ist erschreckend aktuell. 

Der Film selbst überzeugt als Mediensatire und prächtig ausgestattetes Sittengemälde.

Erzählerisch wird das arg konventionell und brav präsentiert.

In Venedig hatte das satirische Drama 2021 seine Premiere. Danach hatte es in Frankreich eine knappe Million Kinozuschauer und erhielt sieben Césars. Unter anderem als Bester Film, für das beste Drehbuch, die beste Kamera, die besten Köstüme und Lucien-Darsteller Benjamin Voisin wurde als vielsprechendster Schauspieler ausgezeichnet. Nominiert war das Werk in acht weiteren Kategorien, unter anderem für die Regie.

Verlorene Illusionen (Illusions perdues, Frankreich 2021)

Regie: Xavier Giannoli

Drehbuch: Xavier Giannoli, Jacques Fieschi

LV: Honoré de Balzac: Illusions perdues, 1843 (Verlorene Illusionen)

mit Benjamin Voisin, Cécile de France, Vincent Lacoste, Xavier Dolan, Salomé Dewaels, Jeanne Balibar, Gérard Depardieu, André Marcon, Louis-Do Lencquesaing, Jean-Francois Stévenin

Länge: 150 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (in der Neuübersetzung)

Honoré de Balzac: Verlorene Illusionen – Roman aus der Provinz

(übersetzt von Melanie Walz)

dtv, 2017

960 Seiten

18,90 Euro

Erstausgabe dieser Übesetzung

Carl Hanser Verlag, 2014

Originalausgabe

Illusions perdues

1843

Hinweise

Homepage zum Film

AlloCiné über „Verlorene Illusionen“

Moviepilot über „Verlorene Illusionen“

Metacritic über „Verlorene Illusionen“

Rotten Tomatoes über „Verlorene Illusionen“

Wikipedia über „Verlorene Illusionen“ (deutsch, englisch, französisch) und die Vorlage (deutsch, englisch, französisch)

Perlentaucher über Honoré de Balzacs „Verlorene Illusionen“ (in der aktuellen Übersetzung)


24. Dezember 2022

Dezember 24, 2022


TV-Tipp für den 24. Dezember: Der Name der Rose

Dezember 23, 2022

Kabel 1, 20.15

Der Name der Rose (Il nome della rosa/Le Nom de la rose, Deutschland/Italien/Frankreich 1986)

Regie: Jean-Jacques Annaud

Drehbuch: Andrew Birkin, Gérard Brach, Howard Franklin, Alain Godard

LV: Umberto Eco: Il nomme della rosa, 1980 (Der Name der Rose)

Bruder William von Baskerville sucht einer Benediktiner-Abtei einen Mörder.

Prächtiges, detailgenaues, im Mittelalter spielendes Whodunit, das Sean Connery endgültig als ernstzunehmenden Schauspieler etablierte.

Umberto Eco schrieb danach nie wieder so nahe an seinem Publikum.

Mit Sean Connery, F. Murray Abraham, Christian Slater, Michael Lonsdale, Ron Perlman, Helmut Qualtinger

Wiederholung: Sonntag, 25. Dezember, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Name der Rose“

Wikipedia über „Der Name der Rose“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Zum Beispiel „Eo“

Dezember 23, 2022

Das passt gut: zum Kinostart verkündet die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, dass „Eo“ auf der Oscar-Shortlist für den besten fremdsprachigen Film steht. Neben, unter anderem, „Im Westen nichts Neues“, „Corsage“, „Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten“, „Close“, „Holy Spider“ und „Die Frau im Nebel“.

Gegen diese starke Konkurrenz hat Jerzy Skolimowskis Esel bestenfalls Außenseiterchancen. Denn „Eo“ ist eine in jeder Beziehung karge Parabel, die sich vor allem an Cineasten richtet. Das beginnt schon mit Skolimowskis Hinweis, dass sein Film eine Hommage an Robert Bressons Klassiker „Zum Beispiel Balthasar“ (Au hasard Balthazar, 1966) ist. Cineasten, Filmkritiker und auch jüngere Regisseure wie Wes Anderson und Richard Linklater feiern den beim breiten Publikum fast unbekannten Film immer wieder ab. In seinem für zahlreiche Interpretationen offenem Film schildert Bresson die Erlebnisse eines Esels.

Auch Jerzy Skolimowski gibt in seinem Film „Eo“ nichts vor. Eos Geschichte beginnt in einem Zirkus in Polen. Er wird von Kassandra gepflegt und geliebt. Als Tierschützer gegen die vermutliche und echte Tierquälerei im Zirkus protestieren, wird er, wie alle Zirkustiere, befreit. In dem Moment beginnt seine Odysee quer durch Europa.

Auf seiner Reise von Polen nach Italien wird er immer wieder herumgestoßen, sieht und erfährt Gewalt und beobachtet das seltsame Verhalten der Menschen. Stumm und mit ausdrucksloser Mine kommentiert er es. Sowieso ist der Film fast ein Stummfilm. Eos Erlebnisse sind zufällige Episoden und Begegnungen. Er will von den Menschen nichts und sie wollen auch nichts von ihm. Es sind Vignetten ohne einen Anfang und ein Ende. Denn Eo stolpert in sie hinein, wird mehr oder weniger involviert und zieht weiter.

Skolimowski schildert dies wundervoll verknappt, pointiert zugespitzt und mit vielen filmischen Anspielungen. So erinnert beispeilsweise der Zirkus am Filmanfang an Federico Fellinis „La Strada – Das Lied der Straße“. Eo ist ein geistiger Verwandter des Stummfilm-Komikers Buster Keaton, der auch niemals eine Mine verzog.

Das ist, auch wegen der filmischen Anspielungen, ein eher intellektueller Spaß. Aber dank des stoischen Hauptdarsteller (genaugenommen wurde Eo von sechs Eseln gespielt) ein großer Spaß. Wenn man sich damit anfreunden kann, die Geschichte eines Esels zu verfolgen und die Welt mit den Augen eines Esels zu sehen. Dabei ist Eo nur ein anderes Wort für Mensch.

Der im Mai 1938 in Łódź geborene ist Jerzy Skolimowski ist ein weltweit bekannter polnischer Regisseur. Nach seinen Anfängen in Polen drehte er schnell auch im Westen Filme. Zu seinen ersten Arbeiten gehört das Drehbuch für Roman Polanskis „Das Messer im Wasser“ (1962). Zu seinen Filmen gehören „Deep End“ (1970), „Der Todesschrei“ (1978), „Schwarzarbeit“ (1982), „Das Feuerschiff“ (1985) und „Essential Killing“ (2010). Skolimowski trat auch als Schauspieler in den Filmen anderer Regisseure auf. So spielt er in dem Marvel-Film „The Avengers“ den KGB-General Georgi Luchkov.

Eo (Eo, Polen/Italien 2022)

Regie: Jerzy Skolimowski

Drehbuch: Ewa Piaskowska, Jerzy Skolimowski

mit Sandra Drzymalska, Tomasz Organek, Mateusz Kosciukiewicz, Lorenzo Zurzolo, Isabelle Huppert

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Eo“

Metacritic über „Eo“

Rotten Tomatoes über „Eo“

Wikipedia über „Eo“ (deutsch, englisch)