„Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ und eine Prise hemmungslos übertriebene Gewalt

Januar 8, 2021

Wer als Mann Chase Darrow begegnet, ist verloren. Jeder Mann, der sie trifft, verliebt sich unsterblich in sie und ist ihr bis zum Tod hoffnungslos verfallen. Dieser Tod tritt für den Mann oft schneller als erwartet ein. Denn mit jedem Kuss raubt sie ihm seine Lebenskraft. Darrow ist allerdings kein Vampir, sondern eine von der US-Regierung erfundene Waffe, die als Spionin eingesetzt wird. Sie ist eine Über-Mata-Hari. Dass sie nur Männer wuschig macht, liegt wohl in erster Linie daran, dass „Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ im Original bereits 1990 bei DC Comics erschien. Der von Autor Mark Wheatley und Zeichner Marc Hempel geschaffene vierteilige Comic wurde 1994 bei Vertigo als Sammelband veröffentlicht und ist jetzt in einer deutschen Übersetzung erschienen. Mit sehr viel Bonusmaterial.

Nachdem Darrow den vermögeden Paul Raymond getötet hat und spurlos verschwunden ist, ist die Jagd auf sie eröffnet. Gejagt wird sie von „The Man“, der den Beteuerungen von Raymonds Sohn, dass Darrow eine überaus liebevolle, um das Wohl ihres Vaters aufrichtige bemühte Frau war, nicht glaubt. Er hält sie für eine Serienmörderin. Er ist eine ebenfalls von der US-Regierung erfundene Waffe.

The Man ist der unkaputtbare und bei seinen Missionen viel kaputtmachende Held, der sogar eine eigene TV-Show hat, die von seinen Heldentaten erzählt. Seit er bei seiner letzten Heldentat unter anderem einen Mord vor laufender Kamera begangen hat, ist sein Image beschädigt. Es wird sogar über eine Absetzung seiner zuletzt quotenschwachen Show geredet.

Beide Figuren sind natürlich hemmungslos überzeichnete Pulp-Charaktere. Beide gehen so unverhohlen ihren Trieben nach, dass eine mehr als satte Portion Sex und Gewalt garantiert ist. Das war damals, als Frank Miller mit „Batman – Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ und Alan Moore/Dave Gibbons mit „Watchmen“ für eine Neuinterpretation des Superheldengenres sorgten und Tim Burtons „Batman“-Film die bahnbrechende Comicverfilmung war, sicherlich aufregender als heute, wo solche Entmystifizierungen und Neuinterpretationen nicht mehr schockieren.

Bei „Breathtaker“ fallen zuerst die Zeichnungen auf. Sie sind satirisch überspitzt, nie um eine platte Abbildung der Realität bemuht und manchmal ins Surrealistische gehend.

Die sich fast zweihundert Seiten entfaltende Geschichte ist sehr skizzenhaft. Wirklich interessante Punkte werden ignoriert oder nicht weiter vertieft. Dazu gehören die nur manchmal aufblitzende Medienkritik und die bestenfalls skizzierten Hintergründe zur Entstehung von Darrow und The Man. Dagegen wird sich über Seiten in Gewalt und Sex gebadet.

Die deutsche Ausgabe enthält neben dem Comic eine Einleitung von Neil Gaiman (von 1994), ausführliche Informationen von Mark Wheatley und Marc Hempel zur Entstehung, damals entstandene Skizzen und Zeichnungen und, brandneu, den 28-seitigen Comic „Make Way for The Man # 138“, der eine Geschichte zu Ende erzählt, die in „Breathtaking“ auch einmal im Bild ist. Denn „The Man“ hat neben der Reality-Show auch eine Comicreihe.

Mark Wheatley/Marc Hempel: Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht

(übersetzt von Christian Langhagen)

Cross Cult, 2020

250 Seiten

30 Euro

Originalausgabe

Breathtaker: Love, Death, Sex, Power, # 1 – 4

DC Comics 1990

als Sammelband

Vertigo, 1994

Hinweise

Wikipedia über Mark Wheatley, Marc Hempel und „Breathaker“


TV-Tipp für den 8. Januar: Eric Clapton: Leben mit dem Blues

Januar 7, 2021

Arte, 21.45

Eric Clapton: Leben mit dem Blues (Eric Clapton: A Life in 12 Bars, Großbritannien 2017)

Regie: Lili Fini Zanuck

Drehbuch: Stephen ‚Scooter‘ Weintraub, Larry Yelen

TV-Premiere. Zweistündige Doku über das Leben und Werk von Bluesgitarrist Eric Clapton, mit vielen Archivaufnahmen und aktuellen Interviews.

Lili Fini Zanuck könnte etwas bekannter für ihr Drogendrama „Rush“ (1991) sein, für das Clapton die Musik (und „Tears in Heaven“) schrieb. Große Erfolge hatte sie als Produzentin von, u. a., „Cocoon“ (1985), „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ (Driving Miss Daisy, 1989; der Film erhielt den Oscar als bester Film des Jahres), „Nach eigenen Regeln“ (Mulholland Falls, 1996) und „Ein wahres Verbrechen“ (True Crime, 1999).

Arte zeigt nach der Doku den gut zweistündigen Konzertmitschnitt „Slowhand at 70“ (bzw. „Live at the Royal Albert Hall“ (Großbritannien 2015).

mit Eric Clapton, Chris Dreja, Hughie Flint, Richard Goldstein, Alex Hooper, Cathy James, John Mayall, Jim McCarty, Jamie Oldaker, Ben Palmer, Howard Smith, George Terry, Steve Turner, Mike Vernon, Roger Waters, Bobby Whitlock, Steve Winwood

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 6. Februar in der Mediathek) und das Konzert (bis zum 8. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Eric Clapton: Leben mit dem Blues“

Homepage von Erick Clapton

AllMusic über Eric Clapton

Wikipedia über Eric Clapton (deutsch, englisch)

Where’s Eric! (sehr umfangreiche Fanclubseite)

Meine Besprechung von Blue Leachs „Eric Clapton: Live at the Royal Albert Hall – Slowhand at 70“ (Großbritannien 2015)

Zwei Gespräche zum Film mit Lili Fini Zanuck und Eric Clapton (das zweite ist eine Amateuraufnahme)


TV-Tipp für den 7. Januar: Gattaca

Januar 6, 2021

ZDFneo, 20.15

Gattaca (Gattaca, USA 1997)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

In der nahen Zukunft gibt es im Labor entstandene, genetisch perfekte Menschen und natürlich entstandene Menschen, die nicht perfekt sind und deshalb nicht alles tun dürfen. Vincent will dennoch seinen Traum, Astronaut zu werden, verwirklichen. Unter falscher Identität und mit damit verbundenen Betrügereien bei Gen-Tests gelingt es ihm, im Raumfahrtkonzern Gattaca eine Stelle zu bekommen und in die engere Auswahl für eine wichtige Raumfahrtmission zu kommen. Wenn er nicht vorher entdeckt wird.

Außergewöhnlich schöner Science-Fiction-Thriller, der in elegischem Ton von einer manipulierten Welt zwischen Kafka, Orwell und Huxley erzählt und – heute eine Seltenheit – mit einem Spezialeffekt (der Raketenstart) auskommt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Science-Fiction zum Nachdenken.

mit Ethan Hawke, Uma Thurman, Alan Arkin, Jude Law, Loren Dean, Gore Vidal, Ernest Borgnine, Blair Underwood, Xander Berkeley, Elias Koteas

Wiederholung: Samstag, 9. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gattaca“

Wikipedia über „Gattaca“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)


TV-Tipp für den 6. Januar: The Sisters Brothers

Januar 5, 2021

Servus TV, 20.15

The Sisters Brothers (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

LV: Patrick deWitt: The Sisters Brothers, 2011 (Die Sisters Brothers)

TV-Premiere. Schön schwarzhumoriger Neowestern über zwei Kopfgeldjäger, die titelgebenden Angst und Schrecken verbreitenden und noch auf der geistigen Entwicklunsstufe eines Kindes stehenden Sisters Brothers, die quer durch den Wilden Westen einen Goldsucher jagen. Der soll im Besitz einer Zauberformel zum effektiven Goldwaschen sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rutger Hauer, Rebecca Root, Carol Kane

Die lesenswerte Vorlage

Patrick deWitt: Die Sisters Brothers

(übersetzt von Marcus Ingendaay)

Goldmann, 2013

352 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Manhattan/Goldmann, 2012

Originalausgabe

The Sisters Brothers

ecco/HarperCollins Publishers, New York 2011

Hinweise

Moviepilot über „The Sisters Brothers“

Metacritic über „The Sisters Brothers“

Rotten Tomatoes über „The Sisters Brothers“

Wikipedia über „The Sisters Brothers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)


Cover der Woche

Januar 5, 2021


TV-Tipp für den 5. Januar: Die zwei Gesichter des Januars

Januar 4, 2021

ZDF, 00.15

Die zwei Gesichter des Januars (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Regie: Hossein Amini

Drehbuch: Hossein Amini

LV: Patricia Highsmith: The two Faces of January, 1964 (Unfall auf Kreta, Die zwei Gesichter des Januars)

Athen, 1962: Der kleine Betrüger Rydal (Oscar Isaac) schlägt sich als Fremdenführer durch, trifft das amerikanische Ehepaar Chester MacFarland (Viggo Mortensen) und Colette (Kirsten Dunst) und wird in einem Mordfall verwickelt. Denn auch Chester ist in betrügerische Geschäfte verwickelt.

Sehr stilbewusste Highsmith-Verfilmung. Zu einer ziemlich unmöglichen Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac, Daisy Bevan, Omiros Poulakis, David Warshofsky

Hinweise

Moviepilot über „Die zwei Gesichter des Januars“

Metacritic über „Die zwei Gesichter des Januars“

Rotten Tomatoes über „Die zwei Gesichter des Januars“

Wikipedia über „Die zwei Gesichter des Januars“ (deutsch, englisch) und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

 


Eine „Schwere Körperverletzung“ von Ted Lewis

Januar 4, 2021

Das war ein gelungenes Weihnachtsgeschenk von Frank Nowatzki. Kurz vor Weihnachten überreichte mir mein Postbote ein Paket von Pulp Master mit zwei schon lange angekündigten Büchern: nämlich die Übersetzung von Tom Franklins „Wilderer“ (sein Debüt; eine Sammlung von Kurzgeschichten) und die Neuausgabe von Ted Lewis‘ „Schwere Körperverletzung“; in einer neuen Übersetzung. Der Krimi erschien 1990 in Nowatzkis vorherigem Verlag „Black Lizard“ und ist, wie alle „Black Lizard“-Bücher, schon seit Ewigkeiten nicht mehr regulär erhältlich.

Ted Lewis ist einer der großen britischen Noir-Autoren. Sein bekanntester Roman ist „Jack Carters Heimkehr“ (bzw. „Jack rechnet ab“) (Jack’s return home, später Get Carter) von 1970. Der Noir wurde dreimal verfilmt: einmal 1971 von Mike Hodges mit Michael Caine als Jack Carter. Der Gangsterkrimi ist ein Klassiker. Einmal 2000 von Stephen Kay mit Sylvester Stallone als Jack Carter. Der Film ist überflüssiger Mist. Und einmal 1972 von George Armitage („Miami Blues“, „Grosse Pointe Blank“) mit Bernie Casey als Jack Carter, der hier Tyrone Tackett heißt. Die Rachegeschichte wurde ins afroamerikanische Milieu verlegt. Der Film wurde bei uns nur auf Video in einer gekürzten Fassung veröffentlicht.

Nach „Jack Carters Heimkehr“ schrieb Lewis zwei weitere Romane mit Jack Carter, „Jack Carters Gesetz“ (Jack Carters Law, 1974) und „Jack Carters Wut“ (Jack Carter and the Mafia Pidgeon, 1977), die ebenfalls nicht mehr auf Deutsch erhältlich sind und wieder veröffentlicht werden könnten. Denn es sind verdammt spannende, düstere Gangsterromane.

Schwere Körperverletzung“ war dann der letzte Roman von Ted Lewis, der nicht ganz so gut wie seine Jack-Carter-Trilogie ist. Lewis starb 1982 mit zweiundvierzig Jahren.

In dem 1980 erschienenem Noir erzählt Ted Lewis die Geschichte von George Fowler. Der Gangster hat sich nach Mablethorpe zurückgezogen. In dem langweiligen Küstenkaff will er in Ruhe abwarten, bis sich der Staub über den letzten Gangsterkrieg gelegt hat. Während er, immer einen Drink in der Hand, die Seeluft geniest, erinnert er sich an sein Leben als skrupelloser Gangster in London. Aus diesen Erinnerungen entsteht ein Bild des Verbrechens in London in den siebziger Jahren, als Pornographie in Großbritannien illegal und damit ein großes Geschäft war. Schnörkel- und illusionslos erzählt Ted Lewis das.

Gleichzeitig wird Fowler, während er sich an die erkleckliche Zahl seiner Feinde erinnert, zunehmend paranoid. Denn er glaubt, dass sie nach Mablethorpe kommen werden, um ihn zu töten. Als Gangster der alten Schule bereitet er sich auf dieses Gefecht vor.

Für Noir-Fans und Fans von Gangsterkrimis ist „Schwere Körperverletzung“ eine klare Leseempfehlung.

Und nun zum Verlag:

Vor einigen Tagen veröffentlichte Bob Sala ein sehr informatives Verlagsporträt:

Auf der „demnächst erscheinen“-Liste stehen bei Pulp Master aktuell Les Edgerton „Primat des Überlebens“ und „Das grenzgeniale Pseudo-Kidnapping“ (toller Titel), Gerald Kersh „Hirn und zehn Finger“, Dave Zeltserman „Alles endet hier“, Derek Raymond „Er starb mit offenen Augen“ (eine Neuausgabe), Paul Cain „Ansturm auf L. A.“ (dito), Garry Disher „Moder“ (ein neuer Wyatt-Roman), Mark SaFranko „Amerigone“, Buddy Giovinazzo „Keiner lebt hier“ (endlich ein neuer Roman) und Jim Nisbet „Powerball“. Für Noir-Fans ist das eine schöne Mischung alter und neuer Autoren und Bücher.

Ted Lewis: Schwere Körperverletzung

(neu übersetzt von Angelika Müller)

Pulp Master, 2020

352 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

GBH

Sphere, 1980

Hinweis

Wikipedia über Ted Lewis 


TV-Tipp für den 4. Januar: Die glorreichen Sieben

Januar 3, 2021

ZDF, 22.15

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.

Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Hinweise

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)


TV-Tipp für den 3. Januar: Capote

Januar 2, 2021

Tele 5, 23.05

Capote (Capote, USA 2005)

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für den True-Crime-Bestseller “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino, Amy Ryan

Hinweise

Moviepilot über „Capote“

Metacritic über „Capote“

Rotten Tomatoes über „Capote“

Wikipedia über „Capote“ (deutsch, englisch) und Truman Capote (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bennett Millers „Foxcatcher“ (Foxcatcher, USA 2014)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnee Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)


TV-Tipp für den 2. Januar: Jesse James – Mann ohne Gesetz

Januar 1, 2021

SWR, 20.15

Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James, USA 1939)

Regie: Henry King

Drehbuch: Nunnally Johnson (nach historischen Recherchen von Rosalind Shaffer und Jo Frances James)

Ein Westernklassiker, der die Geschichte der Brüder Frank und Jesse James erzählt, die sich an der Eisenbahngesellschaft für erlittenes Unrecht rächen wollen und zu Verbrechern werden.

Danach geht es mit den ebenfalls sehenswerten Western „Rache für Jesse James“ (von Fritz Lang) und „Ritt zum Ox-Bow“ (von William A. Wellman) weiter.

mit Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott, Henry Hull, Brian Donlevy, John Carradine, Lon Chaney jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“

Wikipedia über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ (deutsch, englisch)


Die besten Bücher und Filme 2020

Januar 1, 2021

Was waren die besten und schlechtesten Filme, die ich 2020 gesehen habe und die auch einem breiten Publikum präsentiert wurden? Diese etwas verschwurbelte Frage sagt, dass ich auch Filme in die Auswahl nehme, die im Kino laufen sollten und dort nicht (siehe Disneys „Mulan“ oder, mit Tom Hanks, „Der wunderbare Mr. Rogers“ [A beautiful day in the neighborhood], der kürzlich fast unbemerkt auf DVD veröffentlicht wurde) oder nur wenige Tage (siehe die Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ oder der deutsche Oscar-Kandidat „Und morgen die ganze Welt“) liefen. Umgekehrt sind Filme, die ich bereits gesehen habe und die 2020 nicht in die Kinos kamen (zum Beispiel „Sky Sharks“ und die Billie-Holiday-Doku „Billie“, die beide an Weihnachten hätten anlaufen sollen), nicht in der Auswahl. Vielleicht 2021.

Was waren die besten Bücher, die ich 2020 gelesen habe? Schlechte Bücher habe ich eigentlich nicht gelesen. Während ich bei einem Film selbstverständlich bis zum Abspann aushalte (vor allem, wenn ich im Kino sitze), höre ich bei einem schlechten Buch mit dem Lesen schon viel früher auf. Und weil ich 2020 auch einige Bücher gelesen habe, die schon lange bei mir herumlagen und bei denen ich aus dem einen oder dem anderen Grund nie zum Lesen kam, sind auch alte Bücher in der engeren Auswahl.

Beginnen wir mit den Filmen.

Viele Filme, die ich in meine erste Auswahl aufnahm, hätten es in einem normalen Kinojahr nicht auf die Liste geschafft. Das liegt teilweise an der Qualität des Films („Tenet“ ist halt nur ein uralter James-Bond-Film mit Zeitreise-Schnickschnack; „Undine“ ist gut, aber auch der Film von Petzold, der mich am wenigsten berührt.). Das liegt aber auch daran, dass ich viele Filme allein zu Haus als Stream gesehen habe. Da fehlt die große, den Blick weitende und Details zeigende Leinwand, die die Schauspieler zu Riesen macht. Der Computerbildschirm verengt dagegen den Blick und verkleinert die Schauspieler zu Zwergen. Bei einem wirklich guten Film ist das egal. Aber alle Filme, die nicht gerade ein Meisterwerk oder eine Totalkatastrophe sind, beeindrucken auf dem Bildschirm weniger als auf der Leinwand. Im Zweifelsfall habe ich den Film dann in die erste Auswahl aufgenommen.

Und es fehlt das Gespräch nach dem Film. Nachdem man sich den Film gleichzeitig mit anderen Menschen angesehen und zusammen gelacht oder geweint hat. Oder sich über die schreckhafte Dame amüsierte.

Deshalb wird es Kinos weiterhin geben. 

Nach dieser langen Vorrede komme ich zu meinem dreckigen Dutzend 2020, sortiert nach den Startterminen:

  1. Kajillionaire
  2. Vergiftete Wahrheit
  3. Eine Frau mit berauschenden Talenten (nach dem Roman „Die Alte“ von Hannelore Cayre)
  4. Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra
  5. Der Fall Richard Jewell
  6. Für Sama (für alle, die gerade panisch Listen mit Erste-Welt-Problemen, wie dem befürchteten Mangel an Klopapier, erstellen)
  7. Intrige (basierend auf einem tollen historischen Roman von Robert Harris über die Dreyfus-Affäre)
  8. Little Women (noch eine Romanverfilmung)
  9. Sorry we missed you
  10. Die Wütenden – Les Misérables
  11. 1917
  12. Queen & Slim (lief am 9. Januar 2020 an und ist damit für diese Liste qualifiziert)

     

Erfreulich war, dass die beiden neuen, sehr persönlichen Filme von Abel Ferrara, “Siberia” und “Tomasso und der Tanz der Geister”, einen Kinostart erhielten.

Ebenso erfreulich war, dass Terrence Malick mit “Ein verborgenes Leben” wieder etwas zum erzählenden Kino zurückkehrte.

Die zehn schlechtesten Filme des Jahres 2020:

entfällt

Nicht, dass ich nicht auf zehn schlechte Filme kommen könnte (ich sage nur „Bloodshot“), aber dann kämen auch Filme auf die Liste, die nicht so wirklich schlecht sind.

Die zehn besten 2020 in Deutschland erschienenen Romane (und schon sind Comics, Sachbücher, ältere Bücher von Ken Bruen, Klassiker und im Original gelesene Bücher [so lese ich im Moment zum ersten Mal alle von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten im Original] draußen); in alphabetischer Sortierung:

  1. Hannelore Cayre: Die Alte (formidabel verfilmt)
  2. Lee Child: Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman
  3. Horst Eckert: Im Namen der Lüge
  4. Katherine Faw: Young God
  5. Sam Hawken: Vermisst
  6. Anthony Horowitz: James Bond: Ewig und ein Tag (und danach geht es mit seinen beiden Hawthorne-Krimis „Ein perfider Plan“ und „Mord in Highgate“ weiter)
  7. Dominique Manotti: Marseille.73
  8. Sara Paretsky: Altlasten
  9. Mercedes Rosende: Falsche Ursula
  10. Wallace Stroby: Zum Greifen nah

So sehen die Listen im Moment aus.


TV-Tipp für den 1. Januar: Frenzy

Januar 1, 2021

Alles Gute zum neuen Jahr!

NDR, 23.30

Frenzy (Frenzy, Großbritannien 1972)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Anschließend, um 00.15 Uhr, läuft „Psycho“.

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frenzy“

Wikipedia über „Frenzy“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2020

3sat, 06.30

Pop around the Clock

Wie in den vergangenen Jahren präsentiert 3sat am letzten Tag des Jahres Live-Konzerte, die bislang meistens nicht im Fernsehen gezeigt wurden. Wer einige Konzerte verschläft, kann sie bei 3sat zu einer normalen Uhrzeit nachholen. Dort gibt es auch weitere Rockkonzerte

Dieses Jahr sind vor Sonnenaufgang und tagsüber Bob Dylan (mit einem Konzert von 1993), Ringo Star, Prince (mehrmals), Chaka Khan, Eric Clapton (sein 2019er Crossroads-Guitar-Festival), Metallica und Roger Waters dabei. Abends wird es dann poppiger mit Mariah Carey, Shakira, Christina Aguilera und einem Tribute Concert für den DJ/Remixer Avicii. Nach Mitternacht dürfen dann Alice Cooper (in jungen Jahren war der Opa ein Kinderschreck), Muse und Biffy Clyro losrocken.

Musikalisch ist das immer gut abgehangen. In den letzten Jahren überraschten mich vor allem die Konzerte von sehr entspannt aufspielenden Altstars, deren Werk ich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verfolgte.


TV-Tipp für den 30. Dezember: Tatort: Auf offener Straße

Dezember 29, 2020

SWR, 23.25

Tatort: Auf offener Straße (Deutschland 1971)

Regie: Theo Mezger

Drehbuch: Leoni Ossowski, Gunther Solowjew

Auf offener Straße wird Joachim Fehrlein von einem wütenden Matrosen erstochen. Kommissar Lutz ermittelt.

Wahrscheinlich kein Klassiker, aber in jedem Fall ein Oldie, der lange nicht mehr im Fernsehen lief. „Auf offener Straße“ ist der vierte „Tatort“ und der erste mit Kommissar Lutz. Lutz ermittelte im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks bis 1986 in Baden-Württemberg. Zu seinen Fällen gehört „Rot – rot – tot“ (mit Curd Jürgens).

Seinen ersten Auftritt im Film hat Kommissar Lutz allerdings erst nach 42 Minuten. Dass der Ermittler eher eine Nebenrolle hat, war damals im „Tatort“ nicht ungewöhnlich und trug zur Qualität der Krimis bei, die tief in ein Milieu eintauchten. Mit knapp 70 Minuten gehört „Auf offener Straße“ zu den kürzesten „Tatorten“; auch das war damals nicht ungewöhnlich. Damals nahm man es mit den neunzig Minuten nicht so genau.

So ist ‚Auf offener Straße‘ eher eine Milieustudie des Mannheimer Hafenlebens geworden und das traurige Soziogramm eines Matrosen, der aus Liebesleid Totschlag begeht.“ (Eike Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen „Tatort“, 2000)

Anschließend, um 00.35 Uhr, zeigt der SWR mit „Blinde Wut“ (Deutschland 1982, Regie: Theo Mezger, Drehbuch: Peter Scheibler) einen weiteren Kommissar-Lutz-Fall.

Mit Werner Schumacher, Wolfgang Hepp, Peter Weis, Erwin Geisler, Joachim Bliese, Renée Hepp, Karl-Heinz von Hassel (hier als Geschäftsführer einer Bar, ab 1985 beim Hessischen Rundfunk Kommissar Brinkmann)

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Lutz

Wikipedia über „Tatort: Auf offener Straße“


Cover der Woche

Dezember 29, 2020


Fremde Welten: Alan Moores „Die Ballade von Halo Jones“

Dezember 29, 2020

Halo Jones lebt im ‚Ring‘. Diese im 50. Jahrhundert in der Nähe vom heutigen Manhattan liegende Welt ist ein futuristischer Slum, in dem schon ein Einkaufsbummel eine Selbstmordmission ist. Jones ist 18 Jahre, arbeitslos und ohne eine wirkliche Perspektive auf einen Job oder irgendeine Art von Leben, die mehr als den Tag überleben ist. Zusammen mit einigen Freundinnen und einem Roboterhund haust sie in einer Wohneinheit. Diese muss sie jetzt verlassen, um Lebensmittel einzukaufen.

Ursprünglich erschien „Die Ballade von Halo Jones“ ab Juli 1984 in dem britischen Comicmagazin „2000 AD“ als einer Serie fünf- bis sechsseitiger Episoden. Im ersten „Halo Jones“-Sammelband, der jetzt auf Deutsch erschien, sind die ersten zehn Episoden versammelt. Sie machen uns mit der Welt des Rings bekannt, erzählen die Geschichte dieser Shoppingtour und lassen in Jones die Erkenntnis reifen lassen, dass sie den Ring verlassen muss.

Die Ballade von Halo Jones“ gehört zu den Frühwerken von Alan Moore. Damals schrieb er auch, ebenfalls für „2000 AD“, die von ihm erfundenen Serien „Abelard Snazz“, „D. R. & Quinch“ und „Skizz“ und zahlreiche Geschichten für „Future Shocks“. Sein legendärer Comic „Watchmen“, in dem er, zusammen mit Dave Gibbons, das Superheldengenre neu definierte und gleichzeitig eine deutlich vom Thatcher-England inspirierte Dystopie und der damaligen Ängste in westlichen kapitalistischen Gesellschaften erfand, erschien etwas später.

In der „Ballade von Halo Jones“ geht es um „Schiffe, Schicksen und Shoppen“ (Alan Moore). Oder etwas höflicher formuliert, um eine normale Frau in einer unnormalen Welt und ohne die normalen „2000 AD“-Zutaten, die primär Männer, Waffen und Gewalt waren. „Judge Dredd“ dürfte die allgemein bekannteste, bereits 1977 gestartete „2000 AD“-Serie sein.

Jetzt erschien, anscheinend zum ersten Mal auf Deutsch, der erste „Halo Jones“-Sammelband bei Panini Comics in einer großformatigen Ausgabe.

Der zweite Band ist für den 23. Februar 2021 angekündigt.

Alan Moore/Ian Gibson/Barbara Nosenzo: Die Ballade von Halo Jones – Band 1

(übersetzt von Timothy Stahl)

Panini, 2020

64 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Ballad of Halo Jones

Rebellion 2000 AD, 1984

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Wikipedia über Alan Moore (deutsch, englisch) und über „Die Ballade von Halo Jones“ 

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen” (Watchmen, 1986/1987)

Meine Besprechung von Alan Moore/Eddie Campbells “From Hell” (From Hell, 1999)

Meine Besprechung von Alan Moore (Manuskript, Original-Drehbuch)/Malcolm McLaren (Original-Drehbuch)/Antony Johnston (Comic-Skript)/Facundo Percio (Zeichnungen) „Fashion Beast: Gefeuert (Band 1)“ (Fashion Beast # 1 – 5, 2012/2013)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009“ (The League of Extraordinary Gentlemen #3: 2009, 2011)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Das schwarze Dossier“ (The League of Extraordinary Gentlemen: Black Dossier, 2007)

Meine Besprechung von Alan Moore/Jacen Burrows’ „Neonomicon“ (The Courtyard, 2003; Neonomicon #1 – 4, 2010/2011)

Meine Besprechung von Alan Moore/Gabriel Andrades „Crossed + Einhundert (Band 1)“ (Crossed plus one hundred # 1 – 6, 2015)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen – Band 3: Century“ (The League of extraordinary Gentlemen, Volume III: Century # 1: 1910, #2: 1969, #3: 2009; 2009/2011/2012)

Meine Besprechung von Alan Moore/Tony S. Daniel/Kevin Conrads „Spawn: Bloodfeud – Blutfehde“ (Spawn: Blood Feud, 1995)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Nemo – Fluss der Geister“ (Nemo: River of Ghosts, 2015)

Meine Besprechung von Alan Moore/Jacen Burrows‘ „Providence – Band 1“ (Providence, #1 – 4, 2015)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

Dezember 28, 2020

Servus TV, 20.15/23.45

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (Birdman, USA 2014)

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris Jr., Armando Bo

Fesselnde Chronologie der letzten Stunde vor der Premiere von Riggan Thomsons erster Broadway-Inszenierung. Riggan war früher als Superheld „Birdman“ bekannt und diese Filmrolle hat Spuren bei ihm hinterlassen.

TV-Premiere, seltsamerweise erst knapp sechs Jahre nach dem Kinostart und dummerweise mit Werbepausen. Denn Alejandro G. Iñárritu inszenierte „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ so, dass der Eindruck entsteht, das Drama sei ohne einen Schnitt gedreht worden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der Komödie.

mit Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Merritt Wever, Jeremy Shamos, Bill Camp, Damian Young

Hinweise

Moviepilot über „Birdman“

Metacritic über „Birdman“

Rotten Tomatoes über „Birdman“

Wikipedia über „Birdman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)


Fremde Welten: Der Comic „Alien: Die Urfassung“

Dezember 28, 2020

Den Science-Fiction-Horrorfilm „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ über die Besatzung eines Frachtschiffs, die während des Raumflugs aus dem Tiefschlaf geweckt wird, einem Funksignal folgt, auf einem Planeten ein havariertes Alien-Raumschiff entdeckt, aus dem Schiff ein fremdes Lebewesen an Bord bringt und, weil dem Alien jeglicher Respekt vor dem menschlichen Leben fehlt, bis zur letzten Filmminute um ihr überleben kämpft, kennen alle. Er machte 1979 Regisseur Ridley Scott und Hauptdarstellerin Sigourney Weaver zu Stars. Bis 1997 gab es drei weitere „Alien“-Filme, die, immer mit Weaver in der Hauptrolle, von James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet inszeniert wurden und die Geschichte der einzigen Überlebenden des Frachtschiffs Nostromo eigenständig weiter erzählten.

Ab 2012 wandte Ridley Scott sich mit „Prometheus – Dunkle Zeichen“ und „Alien: Covenant“ wieder der „Alien“-Welt zu – und diese Filme vergessen wir besser.

Viele dürften auch Alan Dean Fosters Romanversion von „Alien“ kennen. Sie gehört zu den wirklich lesenswerten Filmromanen.

Fast niemand kannte dagegen bis jetzt die frühen Drehbuchversionen für „Alien“. Ein Drehbuch ist vor allem eine Gebrauchsanweisung für die am Film beteiligten Personen, die sich während des Produktionsprozesses immer wieder, mehr oder weniger stark, verändert. Nur die wenigsten Drehbücher stoßen außerhalb eines kleinen Kreises von Hardcore-Cineasten und Drehbuchautoren auf ein wahrnehmbares öffentliches Interesse.

Christiano Seixas (Skript der Adaption) und Guilherme Balbi (Zeichner) nahmen sich jetzt eine frühe Version des Drehbuchs von Dan O’Bannon für „Alien“ vor und ‚inszenierten‘ es als Comic. Weil bei dieser Version das Aussehen der Aliens noch unklar war (HR Giger war noch nicht engagiert) und zum Geschlecht der Besatzung der Snark (so heißt das Frachtschiff Nostromo im Comic) nur stand, dass sie sowohl Männer als auch Frauen sein könnten (yep, Sigourney Weaver war damals ebenfalls noch nicht engagiert), hatten Seixas und Balbi die Freiheit, eigene Bilder zu erschaffen. Damit ist „Alien: Die Urfassung“ auf visueller Ebene eine mögliche andere Interpretation der Geschichte. Bei der Geschichte selbst gibt es Änderungen, die vor allem den genauen Kennern des Films auffallen werden und deshalb hier nicht verraten werden sollen.

Die jetzt vorliegende „Urfassung“ ist eine gelungene und für „Alien“-Fans interessante Interpretation der bekannten Geschichte, die auch in dieser Version hochspannend ist.

Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbi: Alien – Die Urfassung

(übersetzt von Christian Heiss)

Cross Cult, 2020

112 Seiten

30 Euro

Limitiert auf 999 Exemplare

Originalausgabe

Alien: The Original Screenplay # 1 – 5

Dark Horse Books, August – Dezember 2020

Hinweise

Homepage von Christiano Seixas

Homepage von Guilherme Balbi

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch)


Die Krimibestenliste 2020

Dezember 28, 2020

Pünktlich zum Jahresende (und als Erinnerung an mein Vorhaben, noch schnell einige Bestenlisten zu erstellen) gibt es die Jahresbestenliste der Krimibestenliste der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und des Deutschlandfunk Kultur. Diese Jahresbestenliste wird aus den monatlichen Krimibestenlisten generiert. Deshalb gibt es auch keinen Überraschungssieger, von dem vorher nie jemand gehört hat, sondern eine Begegnung mit bekannten Namen und Titeln. Danach sind die zehn besten Krimis des Jahres 2020:

1.) Hope Hill Drive von Garry Disher (original 2019: Peace)

2.) Aufzeichnungen eines Serienmörders von Young-Ha Kim (original 2013: Salinja-ui gieok-beob)

3.) Götter und Tiere von Denise Mina (original 2012: Gods and Beasts)

4.) Alles, was zu ihr gehört von Sara Sligar (original 2020: Take Me Apart)

5.) Heaven, My Home von Attica Locke (original 2019: Heaven, My Home)

6.) Family Business von Lisa Sandlin (original 2019: Bird Boys)

7.) Sommer bei Nacht von Jan Costin Wagner

8.) Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit von Max Annas

9.) Der Fall Alice im Wunderland von Guillermo Martínez (original 2019: Los Crímenes de Alicia)

10.) Altlasten von Sara Paretsky (original 2017: Fallout)

Auf seiner Homepage hat Bestenlisten-Gründer Tobias Gohlis eine Liste mit den zwanzig besten Krimis veröffentlicht:


TV-Tipp für den 28. Dezember: Werk ohne Autor

Dezember 27, 2020

ARD, 20.15

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

TV-Premiere. Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.

Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Wiederholung: Mittwoch, 30. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Das Buch zum Film

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ (Deutschland 2018)