Cover der Woche

Juli 2, 2024

Thelma & Louise


TV-Tipp für den 2. Juli: Shaun of the Dead

Juli 1, 2024

Nitro, 22.35

Shaun of the Dead (Shaun of the Dead, Großbritannien 2004)

Regie: Edgar Wright

Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright

Es dauert einige Zeit, bis der lethargische Elektroverkäufer Shaun und sein arbeitsloser Kumpel Ed mitbekommen, dass gerade eine Zombie-Apokalypse die Menschheit dezimiert. Aber danach überlegen sie, was sie tun sollen, gehen in die Offensive – und zum nächste Pub.

Kultige Zombie-Horror-Splatterkomödie, die in einer gut besuchten Mitternachtvorstellung noch spaßiger als auf der heimischen Couch ist. Mit oder ohne Cornetto.

Und hier einige zeitgenössische Urteile: „Schräger Film“ (Lexikon des internationalen Films) „Sympathische Splatterkomödie“ (epd-Film) „Kinospaß für Splatterfans“ (Zitty)

mit Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield, Lucy Davis, Dylan Moran, Penelope Wilton, Bill Nighy, Martin Freeman, Rafe Spall, Chris Martin, Jonny Buckland, Edgar Wright

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Shaun of the Dead“

Wikipedia über „Shaun of the Dead“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The World’s End“ (The World’s End, Großbritannien 2013)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Baby Driver“ (Baby Driver, USA 2017)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „The Sparks Brothers“ (The Sparks Brothers, USA 2021)

Meine Besprechung von Edgar Wrights „Last Night in Soho“ (Last Night in Soho, Großbritannien 2021)


„Thelma & Louise“ wieder auf der großen Leinwand

Juli 1, 2024

Am Dienstag, den 2. Juli, läuft Ridley Scotts bahnbrechendes Roadmovie „Thelma & Louise“ in einer sicher prächtig aussehenden 4K-Restaurierung im Rahmen der monatlichen „Best of Cinema“-Reihe wieder im Kino. Einige Kinos zeigen ihn auch noch in den darauffolgenden Tagen.

Die denkbar einfache Filmgeschichte dürfte bekannt sein: die brave Hausfrau Thelma (Geena Davis) und ihre Freundin, die forsche Kellnerin Louise (Susan Sarandon), brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. Er will Thelma vergewaltigen. Louise erschießt ihn. Weil ihnen das aber niemand glauben würde, fliehen Thelma und Louise in Richtung Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Aber wie präzise Drehbuchautorin Callie Khouri und Regisseur Ridley Scott diese (Zufalls)verbrecher-auf-der-Flucht-Geschichte erzählen, macht den Film zu großem Kino. Die wunderschönen Landschaftsaufnahme verlangen nach der Kinoleinwand. Auch der Rest sieht, wie immer bei Ridley Scott, sehr gut aus.

Das feministische Roadmovie war 1991, neben „Das Schweigen der Lämmer“, ein Kassen- und Kritikererfolg. Inzwischen ist „Thelma & Louise“ ein Klassiker, der keinerlei Patina angesetzt hat. Bei der wiederholten Sichtung fällt auf, wie sehr er damals, vor über dreißig Jahren, seiner Zeit voraus aus; obwohl er eigentlich nur die Geschlechter veränderte und dann anstatt zwei Männer, wie „ Butch Cassidy und Sundance Kid“, oder einen Verbrecher und seine Geliebte, wie „Bonnie und Clyde“ oder „Badlands“, vor der Polizei quer durch die USA flüchten ließ. Scott kennt die Vorbilder, er zitiert sie immer wieder und macht daraus ein eigenständiges, sich auf die Tradition beziehendes und sie konsequent weiterentwickelndes Road-Movie, das heute immer noch nichts von seinem revolutionärem Geist eingebüßt hat. Das Thema das Films, die Gewalt von Männern gegen Frauen, ist auch nach #MeToo immer noch brennend aktuell.

Außerdem fällt auf, wie zügig Scott die Geschichte beginnt, wie komplex die Beziehungen zwischen den wenigen Figuren sind, wie konsequent auf jeder Ebene des Films die Entwicklung der beiden Heldinnen erzählt wird, und wie souverän Ridley Scott die Geschichte erzählt. Hier ist er unbestritten auf der Höhe seines Könnens. „Thelma & Louise“ gehört, neben „Alien“ und „Blade Runner“ zu seinen drei besten Filme. Ad hoc würde ich ihn wegen seiner fröhlichen Stimmung sogar auf den ersten Platz setzen.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt, Stephen Tobolowsky

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


TV-Tipp für den 1. Juli: Uhrwerk Orange

Juni 30, 2024

Arte, 22.05

Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange, Großbritannien 1971)

Regie: Stanley Kubrick

Drehbuch: Stanley Kubrick

LV: Anthony Burgess: A Clockwork Orange, 1962 (Uhrwerk Orange)

Der Halbstarke Alex terrorisiert mit seinen Freunden die Gegend. Nachdem er zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, ist er bereit an einem neuen Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Mit fatalen Folgen.

Als „Uhrwerk Orange“ 1971 in die Kinos kam, war er hochumstritten. Zwar sagte Kubrick, sein Film sei eine Verteidigung des freien Willens, aber Gewalt (wenn auch sehr stilisiert) und Beethoven oder „Singing in the Rain“ in einer Szene und der Verzicht auf eine eindeutige Position des Regisseurs im Film war dann für die meisten Kritiker doch zuviel.

Heute ist der stilisierte Alptraum als Meisterwerk der Filmgeschichte anerkannt – und der Roman schaffte es in die Time-Liste der 100 besten englischsprachigen Romane sein 1923.

Danach, um 00.20 Uhr, zeigt Arte die knapp einstündige Doku „Clockwork Orange – Im Räderwerk der Gewalt“ (Frankreich 2023).

Mit Malcolm McDowell, Patrick Magee, Michael Bates, Warren Clarke, John Clive, Steven Berkoff, David Prowse

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Uhrwerk Orange“

Wikipedia über „Uhrwerk Orange“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange – Die Urfassung“ (A Clockwork Orange – The Restored Edition, 2012)

Die Welt: Interview mit Malcolm McDowell über „Clockwork Orange“ (18. Mai 2011)

Senses of Cinema: Keith Uhlich über Stanley Kubrick

Stanley Kubrick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Juni: I am Mother

Juni 29, 2024

Nach Fußball oder gut vier Stunden Bollywood

RTL II, 00.05

I am Mother (I am Mother, Australien 2019)

Regie: Grant Sputore

Drehbuch: Michael Lloyd Green (nach einer Geschichte von Grant Sputore und Michael Lloyd Green)

Nach einem Krieg, der die Welt unbewohnbar machte, wird in einer hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Station ein Mädchen, „Tochter“ genannt, von einem Roboter, der sich „Mutter“ nennt, groß gezogen. Eines Tages steht eine verletzte Frau vor der Tür der Station. Sie behauptet, dass sie verfolgt werde. Wenn das stimmt, hat Mutter Tochter, die inzwischen ein Teenager ist, über die Außenwelt belogen.

In jeder Beziehung gut aussehender und zum Nachdenken anregender Science-Fiction-Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Clara Rugaard, Hilary Swank, Rose Byrne (im Original: Stimme Mutter), Luke Hawker (Körper von Mutter)

Wiederholung: Montag, 1. Juli, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „I am Mother“

Metacritic über „I am Mother“

Rotten Tomatoes über „I am Mother“

Wikipedia über „I am Mother“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Grant Sputores „I am Mother“ (I am Mother, Australien 2019)


TV-Tipp für den 29. Juni: Punch-Drunk Love

Juni 28, 2024

Im Rahmen eines Adam-Sandler-Abends

ZDFneo, 23.45

Punch-Drunk Love (Punch-Drunk Love, USA 2002)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.

„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.

mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 04.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Punch-Drunk Love“

Wikipedia über „Punch-Drunk Love“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Déserts – Für eine Handvoll Dirham“ durch die Wüste

Juni 28, 2024

Für ein eher windiges Inkassobüro sollen Mehdi und Hamid im Süden Marokkos Schulden eintreiben. Die Schuldner sind arme Schlucker, die kein Geld haben, niemals Geld hatten und nie Geld haben werden. Sie nahmen, wie sie Mehdi und Hamid wortreich erzählen, den Kredit für Ausgaben wie eine Hochzeit auf. Danach trafen sie einige Unglücke, teils selbstverschuldet, teils nicht, und sie konnten die Tilgungsraten nicht mehr bezahlen. Aber auch ohne diese Unglücke hätten sie die Raten nicht bezahlen können. Immer wieder verstecken die Schuldner sich vor den Geldeintreibern. Einige bieten ein abgehungertes Tier oder einen Teppich als Teilzahlung an. Es ist eine frustrierende Arbeit, die von den beiden Geldeintreibern mit stoischer Ruhe erledigt wird. Manchmal haben sie Mitleid für ihre Kunden. Entsprechend schlecht sehen ihre Zahlen in der Zentrale aus. Und entsprechend gefährdet ist ihre Weiterbeschäftigung.

In der zweiten Hälfte wechselt Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Faouzi Bensaïdi (er spielt den Lebensmittelhändler) dann von einer absurden Komödie zu einer abstrakten Rachegeschichte, die nichts mehr von dem Humor und dem Erzähltempo der ersten Hälfte hat.

Der zweite Teil beginnt, als sie auf einen Verbrecher treffen, der an ein Motorrad gefesselten ist. Später kann er sich befreien. Er ist auf einer Rachemission. Zu dritt begeben sie sich auf eine Reise, die hauptsächlich aus langen unbewegten Aufnahmen von der Wüste, viel Schweigen und sehr wenigen länglichen Monologen besteht.

Faouzi Bensaïdis neuer Film „Déserts – Für eine Handvoll Dirham“ zerfällt klar in zwei vollkommen unterschiedliche Teile. Der erste Teil ist eine Zustandsbeschreibung eines dysfunktionalen Landes und eine Satire voller Comedy und Slapstick. Es passiert ständig etwas, auch wenn die beiden Geldeintreiber bei ihrer Arbeit keinen Schritt vorankommen. Schleichender Stillstand, der von allen stoisch ertragen wird.

Die zweite Hälfte ist ein vollkommen anderer Film. Bis auf den Schauplatz und Mehdi und Hamid, die hier nur noch als Platzhalter fungieren, hat dieser Teil nichts dem ersten Teil zu tun. Die Geschichte wird immer abstrakter. Es passiert immer weniger und es ist immer unklarer, ob es sich hier um reales Geschehen, einen Traum oder eine Art Purgatorium handelt. Aber klar ist der Stillstand, der diese Stunde zu einem Kampf gegen den Schlaf macht. Über Minuten passiert nichts, während die drei Männer in die Wüste starren. Wenn einer dann doch mal etwas sagt, ist es ein bestenfalls mäßig interessanter Monolog. Das ist nicht mehr Slow-Cinema, sondern Slow-Slow-Cinema.

Außerdem ist die Komödie mit über zwei Stunden Laufzeit mindestens eine halbe Stunde zu lang geraten.

Déserts – Für eine Handvoll Dirham (Déserts, Frankreich/Deutschland/Marokko/Belgien/Katar 2023)

Regie: Faouzi Bensaïdi

Drehbuch: Faouzi Bensaïdi

mit Fehd Benchemsi, Abdelhadi Taleb, Rabii Benjhaile, Hajar Graigaa, Faouzi Bensaïdi

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Déserts“

Moviepilot über „Déserts“

AlloCiné über „Déserts“

Rotten Tomatoes über „Déserts“

Wikipedia über „Déserts“ (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 28. Juni: The Boys from Brazil

Juni 27, 2024

BR, 22.50

The Boys from Brazil (The Boys from Brazil, USA/Großbritannien 1978)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Kenneth Ross, Heywoud Gould

LV: Ira Levin: The Boys from Brazil, 1976 (Die Boys aus Brasilien; The Boys from Brazil – Geheimakte Viertes Reich)

Mengele klont im Dschungel massenhaft kleine Hitlers und möchte mit ihnen weltweit das „Vierte Reich“ ausrufen. Aber Nazi-Jäger Liebermann ist ihm auf der Fährte.

Absurder und immer noch sehr utopischer Politthriller mit Starbesetzung. Das Suchen und Entdecken bekannter Gesichter in etlichen Nebenrollen steigert das Filmvergnügen mit Freunden beträchtlich.

Das Handlungskonzept an sich (…) ist vom Autor Gould gut ausgearbeitet, aber der widersprüchliche Schauspielstil von Olivier, der auf dem Auftreten des echten Nazi-Jägers Simon Wiesenthal basiert, und Peck, der in der Rolle des von seinem Ziel Besessenen eine ungewöhnlich zurückhaltende Darstellung zeigt, führen dazu, dass der Film zu einem faden Abenteuer in der Art von Boy’s Own verkommt.“ (Paul Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie) Ähnlich ungnädig: „Ein Langweiler.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films)

Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film um fast zwanzig Minuten gekürzt und erst 1985, nach dem Bekanntwerden von Mengeles Tod, in die Kinos gebracht.

Der BR zeigt die ungekürzte zweistündige Fassung.

Mit Gregory Peck, Laurence Olivier, James Mason, Lilli Palmer, Uta Hagen, Steve Guttenberg, Bruno Ganz, Wolfgang Preiss, Sky Dumont, Georg Marischka

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Boys from Brazil“

Wikipedia über „The Boys from Brazil“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht eine gekürzte deutsche DVD/Kino-Fassung mit der ungekürzten französische DVD (inzwischen gibt es das Werk auch bei uns ungekürzt auf DVD und Blu-ray)

Kriminalakte: Nachruf auf Ira Levin


Die Longlist für den Crime Cologne Award 2024

Juni 27, 2024

Auf der Longlist für den diesjährigen Crime Cologne Award stehen:

– Vera Buck – Das Baumhaus (Rowohlt)

– I.L. Callis – Doch das Messer sieht man nicht (Emons)

– Benjamin Cors – Krähentage (dtv)

– Henri Faber – Gestehe (dtv)

– Mark Fahnert – Im Visier des Wolfs (Piper)

– Peter Grandl – Höllenfeuer (Piper)

– Jürgen Heimbach – Waldeck (Unionsverlag)

– Lotte Kinskofer – Schillerwiese (Ars Vivendi)

– Ursula Poznanski – Die Burg (Knaur)

– Stephan Schmidt – Die Spiele (DuMont)

Aus diesen deutschsprachigen Kriminalromanen wird eine Shortlist erstellt und dann der Gewinner ausgewählt.

Die Jury besteht aus dem Buchhändler Mike Altwicker (Vorsitz), der Autorin Judith Merchant, der Journalistin Birgitt Schippers und der Literaturkritikerin Margarete von Schwarzkopf.

Der mit 3000 Euro dotierte Preis wird während der Crime Cologne verliehen. Das Krimifestival ist vom 20. bis 29. September in Köln.

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Taxifahren mit „Daddio“

Juni 27, 2024

Am späten Abend steigt eine junge Frau (Dakota Johnson), die in den Stabangaben nur „Girlie“ genannt wird, am John F. Kennedy Airport in das Taxi von Clark (Sean Penn). Er soll sie nach Manhattan zu ihrer Wohnung fahren. Während der Fahrt verwickelt er sie in ein Gespräch. Denn als langjähriger Taxifahrer weiß er alles über die Menschen. Er interpretiert jeden Blick auf ihr Smartphone, jedes Fingertippen und Stirnrunzeln. Er liest in ihr wie in einem offenem Buch und er gibt er schnell gute Ratschläge. Sie antwortet ihm und, wie das so geht, wenn zwei Fremde, die sich nie wieder begegnen werden, sich in einem Taxi, einem Zugabteil, einer Hotelbar begegnen, plaudern sie schnell auch sehr intime Details aus.

Daddio – Eine Nacht in New York“ ist das Regiedebüt von Christy Hall. Sie inszenierte ihr Drehbuch, das 2017 auf der prestigeträchtigen Blacklist stand. Auf dieser Liste stehen jedes Jahr die besten Drehbücher, die in Hollywood herumgereicht werden und noch nicht verfilmt wurden. Einige der später entstandenen Verfilmungen sind richtig gut. Andere, so auch „Daddio“, zeigen Potential, sind aber letztendlich enttäuschend. Es ist offensichtlich, warum das Drehbuch damals nicht verfilmt wurde. Es fehlen einfach noch ein, zwei Überarbeitungen.

So ist „Daddio“ ein verfilmtes Zwei-Personen-Theaterstück, in dem kein Satz echt klingt. Es sind immer Theaterdialoge, die pflichtschuldig die üblichen Themen zwischen Männern und Frauen und den Zustand von Beziehungen, mehr Prä-Weinstein als Post-Weinstein, in der erwartbaren Art und Weise abhandeln. Dabei zeigt Clark im Rahmen aktueller Diskurse über Geschlechterbeziehungen ein unangenehm übergriffiges Verhalten. Er gehört zu den Männern, die ungefragt ihre Meinung sagen und die ihre Weisheiten für die größten Weisheiten auf dem Planeten halten.

Da sehe ich mir lieber noch einmal Jim Jarmuschs äußerst witzigen Taxifilm „Night on Earth“ an.

Daddio – Eine Nacht in New York (Daddio, USA 2023)

Regie: Christy Hall

Drehbuch: Christy Hall

mit Sean Penn, Dakota Johnson

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Daddio“

Metacritic über „Daddio“

Rotten Tomatoes über „Daddio“

Wikipedia über „Daddio“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „A quiet Place: Tag Eins“ in New York, der Stadt, die niemals schläft und die niemals still ist

Juni 27, 2024

2018 war John Krasinskis Science-Fiction-Film „A quiet Place“ ein Überraschungserfolg. Er erzählte von einer Familie, die nördlich von New York auf einer einsam gelegenen Farm lebt. Seit über einem Jahr schweigen sie, weil Alien-Monster die Erde angegriffen haben und sich auf alles stürzen, was Geräusche verursacht.

Diese Idee ist faszinierend und gut für etliche Suspense-Szenen. Aber sie ist auch, wenn man darüber nachdenkt, vollkommen idiotisch.

Nachdem der Film mit einem Budget von 17 Millionen US-Dollar über 340 Millionen US-Dollar einspielte, war eine Fortsetzung unvermeidlich. Die kam 2020 bzw. 2021 – wegen der Coronavirus-Pandemie verschob sich der geplante Starttermin – und sie spielte gut 300 Millionen US-Dollar ein. In dem Science-Fiction-Film gibt es eine Rückblende auf den ersten Tag der Alien-Invation in der Kleinstadt Millbrook. Gleichzeitig und hauptsächlich erzählt Krasinski die Geschichte des ersten Films weiter. Für nächstes Jahr ist der dritte und (bis jetzt) abschließende Teil angekündigt.

Dazwischen läuft jetzt „A quiet Place: Tag Eins“ an. In ihm erzählt „Pig“-Regisseur Michael Sarnoski, der auch das Drehbuch schrieb, eine Geschichte vom Anfang der Alien-Invasion.

Die konstant schlechtgelaunte Dichterin Samira (Lupita Nyong’o) hat Krebs im Endstadium. Einen Partner oder eine Familie scheint sie nicht zu haben. Jedenfalls spielen sie in dem Film keine Rolle. An einem sonnigen Tag macht sie zusammen mit anderen, ebenfalls in dem Hospiz lebenden Krebspatienten einen Ausflug nach Manhattan. In Chinatown besuchen sie in einem Theater die Nachmittagsvorstellung eines Puppenspielers. Danach wollen sie noch Pizza essen gehen. Dieses Vorhaben wird von dem Angriff der Aliens sabotiert. Die Wesen stürzen sich auf alles, was Geräusche verursacht und schwuppdiwupp ist New York eine fast menschenleere Stadt. Die letzten Überlebenden sollen zum Hafen gehen und von dort mit einem Schiff evakuiert werden. Anscheinend sind die Monster extrem wasserscheu.

Mit ihrer Katze Frodo geht Samira in die andere Richtung. Sie will nach Harlem und in ihrer Stammpizzeria noch einmal Pizza essen. Auf ihrem Weg trifft sie einige Menschen, wie Henri (Djimon Hounsou, der auch in „A quiet Place 2“ dabei ist). Der aus Großbritannien kommende Jura-Studenten Eric (Joseph Quinn) wird dabei ihr treuester Begleiter. Nachdem er aus einer überfluteten Subwaystation auftaucht und keine Ahnung hat, was passiert ist und wie er sich verhalten soll, ist Samira die erste Person, die er trifft. Er folgt ihr wie ein streunender Hund, der endlich eine Person gefunden hat, der er vertrauen kann.

A quiet Place: Tag Eins“ ist ein zwiespältiger Film. Die Prämisse – Monster stürzen sich auf alles, was Geräusche verursacht – ist inzwischen etabliert. Jetzt können in dieser Welt weitere Geschichten erzählt werden. Mal stehen diese, mal jene Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Einige Figuren überleben, andere nicht. Und das kann auch auf die Hauptfigur zutreffen. Sie wird ja nicht unbedingt für den nächsten Film gebraucht. Die Geschichte kann hier oder da spielen. Schließlich wurde die gesamte Welt angegriffen und so können überall „A quiet Place“-Geschichten spielen. Und die Geschichten können zu jedem Zeitpunkt nach der Invasion spielen. Dieses Konzept kann zu langlebigen Reihen führen.

Comicfans erinnern sich vielleicht an Garth Ennis‘ „Crossed“. Ennis schrieb eine Geschichte über eine Gruppe Menschen in einer Welt nach einer Zombieapokalypse. Danach erzählten andere Autoren weitere, in dieser Welt spielende, großartige Geschichten. Ennis einzige Bedingung war, dass die von ihm erfundenen menschlichen Figuren nicht wieder auftauchten.

Ähnlich ist es in dem von James DeMonaco erfundenem „The Purge“-Franchise. Nachdem die Prämisse etabliert war – in einer Nacht sind alle Straftaten erlaubt -, erzählten die Macher Geschichte aus verschiedenen „Purge“-Nächten. Dabei sparten sie nie mit ätzender Zeitkritik. In jedem „The Purge“-Film wurden andere Aspekte aus dieser Welt angesprochen und die Geschichte der Purge entwickelte sich weiter.

Dagegen ist „Tag Eins“, obwohl es sich erst um den dritten Film im „A quiet Place“-Franchise handelt, schon erstaunlich repetitiv. Gezeigt wird weniger eine Fortentwicklung dieser sehr, sehr leisen Welt, sondern eine Wiederholung des Bekannten und des damit verbundenen immergleichen Spannungsaufbaus. Zuerst ist alles still. Dann gibt es ein Geräusch. Die Monster tauchen auf. Die Menschen flüchten. Meistens sterben sie, seltener können sie entkommen.

In „Tag Eins“ erzählt Michael Sarnoski mit einer anderen Hauptfigur und an einem anderen Ort einfach noch einmal die bekannte Geschichte. Das ist in den zahlreichen Suspense-Szenen spannend. Der Handlungsort, das menschenleere New York, sieht gruselig aus. Die Hauptstory – Samira will eine Pizza – wird ohne Abschweifungen erzählt. Dass sie auf ihrem Weg zur Pizzeria einigen Menschen hilft, stört nicht weiter.

Gleichzeitig werden die Schwächen des Konzepts immer offensichtlicher. Es gibt keinen Spielraum für Variationen, weil es nur um die Spannung geht, wann es ein Geräush gibt, das zu einem Alienangriff führt. Also verstößt man immer wieder nonchalant gegen die aufgestellten Regeln. So reagieren die Monster mehrmals auf leisere Geräusche, die im Lärm unhörbar sind oder sie reagieren auf laute Geräusche nicht, aber Sekunden später auf ein viel leiseres Geräusch. Mal haben sie panische Angst vor Wasser, mal nicht. Die Monster sind hier nur noch die immer wieder plötzlich zuschlagende Bedrohung. Mehr erfahren wir nicht über sie. Über die Menschen erfahren wir auch nicht mehr. Ihre Funktion für die Handlung besteht weitestgehend darin, Monsterfutter zu sein.

Wenn man die Prämisse akzeptiert und nicht über Logiklöcher nachdenkt, wird man im Kino spannende, ziemlich stille hundert Minuten mit sehr schweigsamen Menschen erleben.

A quiet Place: Tag Eins (A quiet Place: Day One, USA 2024)

Regie: Michael Sarnoski

Drehbuch: Michael Sarnoski (nach einer Geschichte von John Krasinski und Michael Sarnoski, basierend auf von Bryan Woods und Scott Beck erfundenen Figuren)

mit Lupita Nyong’o, Joseph Quinn, Alex Wolff, Djimon Hounsou

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 jahre

Hinweise

Moviepilot über „A quiet Place: Tag Eins“

Metacritic über „A quiet Place: Tag Eins“

Rotten Tomatoes über „A quiet Place: Tag Eins“

Wikipedia über „A quiet Place: Tag Eins“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place“ (A quiet Place, USA 2018)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place 2″ (A Quiet Place: Part II, USA 2021)


TV-Tipp für den 27. Juni: Warten auf Bojangles

Juni 26, 2024

BR, 02.15 (Ist das ein Scherz?)

Warten auf Bojangles (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)

Regie: Régis Roinsard

Drehbuch: Romain Compingt, Régis Roinsard

LV: Olivier Bourdeaut: En attendant Bojangles, 2016 (Warten auf Bojangles)

1958 begegnen sich an der Riviera auf einer High-Society-Party der charmante Hochstapler Georges und die lebenslustige Camille. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie heiraten, bekommen ein Kind und Georges muss feststellen, dass Camilly psychisch ernsthaft krank ist.

TV-Premiere zu nachmitternächtlicher Stunde. Und mit dem Beginn des Abspanns geht die Sonne auf.

In der ersten Hälfte eine poppige Feelgood-Komödie, in der zweiten ein zunehmend düsteres Drama mit zwei zunehmend problematischen Hauptfiguren. Ein gut gespielter, gut inszenierter, aber auch sehr zwiespältiger Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Romain Duris, Gregory Gadebois, Solan Machado-Graner

Wiederholung: Sonntag, 30. Juni, 23.05 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Warten auf Bojangles“

AlloCiné über „Warten auf Bojangles“

Rotten Tomatoes über „Warten auf Bojangles“

Wikipedia über „Warten auf Bojangles“ 

Meine Besprechung von Régis Roinsards „Warten auf Bojangles“ (En attendant Bojangles, Frankreich 2021)


Ed Brubaker löst in „Sandman – Dead Boy Detectives: Das Geheimnis der Unsterblichkeit“

Juni 26, 2024

Das neue Werk von Noir-Comicautor Ed Brubaker ist ein ganz altes Werk. Es erschien im Original bereits 2001 und spielt in der von Neil Gaiman erfundenem „The Sandman“-Welt. Dort hatten die Dead Boy Detectives Edwin Paine und Charles Rowland ihren ersten Auftritt. Sie sind Geister, die als Jungs starben und sich weigerten, dem Tod ins Jenseits zu folgen.

Seitdem sind sie in unserer Welt für andere Geister und einige wenige Menschen sichtbar. Für alle anderen sind sie unsichtbar. Das wird in der von Ed Brubaker erfundenen Geschichte zu einem kleinen Running Gag; wobei ich immer wieder den Eindruck hatte, dass sie mal mehr, mal weniger sichtbar waren und als Geister in unserer Welt mal mehr, mal weniger tun konnten. Halt so, wie es gerade in die Geschichte passt. Den Spaß an der Geschichte mindert es nicht. Die beiden Jungs sind große Fans von Sam Spade und Sherlock Holmes. Durch lange Tage in Kinos und Bibliotheken haben sie sich das nötige Wissen über die Arbeit eines Detektivs erworben. Das wollen sie in der von ihnen gegründeten Detektei praktisch anwenden.

Ihren ersten Auftrag in ihrem neuen Büro, einem Baumhaus, erhalten sie von der jungen Ausreißerin Marcia. Seit einiger Zeit verschwinden ihre ebenfalls auf der Straße lebenden gleichaltrigen Freunde spurlos. Kurz darauf tauchen sie wieder auf. Tot. Ihre Leichen sehen aus, als seien sie innerhalb weniger Stunden um Jahrhunderte gealtert und vollkommen ausgetrocknet. Ihr Verschwinden könnte etwas mit der Geisterwelt, magischen oder okkulten Ritualen zu tun haben.

Auf ihrer Suche begegnen die beiden Jungdetektive Francisco Marquez, dem Marquis de Marquez, und vielen anderen zwischen den Welten lebenden Wesen. Edwin und Charles sind noch sehr unerfahren und wissen wenig über die Geisterwelt. Entsprechend dankbar und oft auch leichtgläubig nehmen sie jede Hilfe, die ihnen angeboten wird, an.

Marquez erzählt ihnen eine abenteuerliche Geschichte über den Täter. Dieser ist Gilles de Rais, der im 15. Jahrhundert lebte, erkannte, dass er nicht sterben möchte und sich seitdem von dem Blut von Kindern ernährt. Das wäre eine Erklärung für das spurlose Verschwinden der vielen Kinder und den Zustand ihrer Leichen. Nur wo versteckt sich de Rais und wie sieht er aus?

Das Geheimnis der Unsterblichkeit“ ist ein flott erzählter Jugendkrimi mit humoristischem Unterton. Für Erwachsene sind die Wendungen ziemlich vorhersehbar. Brubaker garniert die Geschichte mit einigen literarischen Anspielungen. Bryan Talbot zeichnete sie detailreich. Das ist, durchaus sympathisch, irgendwo zwischen den „drei ???“ und den Hardy Boys, die inzwischen zu einer Streamingserie wurden. Und damit wären wir bei dem Grund für die jetzt erfolgte deutsche Veröffentlichung von „Das Geheimnis der Unsterblichkeit“. Nach der „Sandman“-Netflix-Serie und einem Auftritt der beiden Geisterdetektive in einer Folge der Serie „Doom Patrol“ haben die Dead Boy Detectives jetzt eine eigene Netflix-Serie bekommen. Seit Ende April kann sie dort angesehen werden. Und sie soll gut sein.

Für Menschen, die Ed Brubaker wegen seiner Noir- und Hardboiled-Geschichten lieben, ist „Sandman – Dead Boy Detectives: Das Geheimnis der Unsterblichkeit“ keine essenzielle Lektüre. Für Fans des „Sandman“-Universums sieht das anders aus. Für sie und für Menschen, die einen Retro-Jugendkrimi lesen wollen, in dem der Fall nicht mit Smartphones und Computern, sondern mit Witz und Magie gelöst wird, sieht das anders aus. Denen dürfte die eher kurze Geschichte, in der am Ende auch das Geheimnis der Unsterblichkeit gelüftet wird, ausnehmend gut gefallen.

Ed Brubaker/Bryan Talbot/Steve Leialoha: Sandman – Dead Boy Detectives: Das Geheimnis der Unsterblichkeit

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2024

108 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

The Sandman presents: The Dead Boy Detectives # 1 – 4

DC Comics, 2001

Hinweise

Wikipedia über die Dead Boy Detectives und Ed Brubaker (deutsch, englisch)

Homepage von Ed Brubaker

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)“ (Fatale # 1 – 5, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Hollywood Babylon (Band 2)“ (Fatale # 6 – 10, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Westlich der Hölle (Band 3)“ (Fatale # 11 – 15, 2013)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Butch Guice/Mike Perkins‘ „Der Tod von Captain America (Band 2)“ (Captain America: The Burden of Dreams, Part 1 – 6 (# 31 – 36), 2007/2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Roberte De La Torre/Luke Ross“ „Der Tod von Captain America (Band 3)“ (Captain America: The Man who bought America, Part 1 – 6 (# 37 – 42), 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5 , 2003)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22)

Meine Besprechung von Ed Brubakers „Batman/Joker: Der Mann, der lacht“ (Batman: The Man who laughs, 2005; Made of Wood, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Darwyn Cooke/Mike Allred/Cameron Stewarts „Catwoman – Band 1“ (Catwoman Vol. 1: Trail of the Catwoman, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steven Grant/Cameron Stewart/Javier Pulido/Brad Raders „Catwoman (Band 2)“ (Catwoman # 10 – # 24, Oktober 2002 – Dezember 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Paul Gulacy/Sean Phillips/Diego Olmos‘ „Catwoman (Band 3)“ (Catwoman # 25 – # 37, Januar 2004 – Januar 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Mike Perkins‘ „Marvel-Must-Have: Captain America: Der Tod von Captain America“ (The Death of a Dream – Part 1 – Part 6 (Captain America (2005) 25-30), 2007)

Ed Brubaker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juni: Der Name der Rose

Juni 25, 2024

Kabel 1, 20.15

Der Name der Rose (Il nome della rosa/Le Nom de la rose, Deutschland/Italien/Frankreich 1986)

Regie: Jean-Jacques Annaud

Drehbuch: Andrew Birkin, Gérard Brach, Howard Franklin, Alain Godard

LV: Umberto Eco: Il nomme della rosa, 1980 (Der Name der Rose)

Bruder William von Baskerville sucht einer Benediktiner-Abtei einen Mörder.

Prächtiges, detailgenaues, im Mittelalter spielendes Whodunit, das Sean Connery endgültig als ernstzunehmenden Schauspieler etablierte.

Umberto Eco schrieb danach nie wieder so nahe an seinem Publikum.

Mit Sean Connery, F. Murray Abraham, Christian Slater, Michael Lonsdale, Ron Perlman, Helmut Qualtinger

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Name der Rose“

Wikipedia über „Der Name der Rose“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)

Meine Besprechung von Davide Ferrarios „Umberto Eco: Eine Bibliothek der Welt“ (Umberto Eco: La biblioteca del mondo, Italien 2022)


Cover der Woche

Juni 25, 2024


TV-Tipp für den 25. Juni: Chinatown

Juni 24, 2024

NDR, 23.30

Chinatown (Chinatown, USA 1974)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in eine Verschwörung, die er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

„Heute“ vor fünfzig Jahren lief der Klassiker in den Kinos an. In den USA startete er am 17. Juni 1974. In Deutschland am 19. Dezember 1974 und pünktlich zu diesem Jubiläum wurde in den vergangenen Tagen in etlichen Artikeln auf die Bedeutung des Noirs hingewiesen.

Die Originale könnten im Rahmen einer kleinen Serie über die Schwarze Serie auch mal wieder gezeigt werden.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)


„City in Ruins“ – Don Winslows letztes Buch?

Juni 24, 2024

Schon vor zwei Jahren, als „City on Fire“ erschien, sagte Don Winslow, dass die Trilogie um Danny Ryan seine letzten Romane seien. Er höre mit dem Schreiben auf, um als politischer Aktivist den Trumpismus zu bekämpfen. „City in Ruins“, der fulminante Abschluss der Trilogie, ist somit sein letztes Buch.

Der Thriller beginnt sechs Jahre nach „City of Dreams“, dem zweiten Band der Trilogie. In dem Roman flüchteten Danny Ryan und seine verbrecherischen, ebenfalls zur irischen Mafia von Providence, Rhode Island, gehörenden Freunde quer durch die USA. Nach den Ereignissen aus „City on Fire“ mussten sie ihre Heimat verlassen. Die italienische Mafia, die Polizei, das FBI und andere Gangster wollten sie aus verschiedenen Gründen tot sehen. Und die große, spurlos verschwundene Heroinlieferung haben.

Am Ende von „City of Dreams“ hatten die Mafiosi an verschiedenen Orten in den USA einen mehr oder weniger sicheren Unterschlupf gefunden. Sie begannen, entgegen ihres Lebensplans, ein bürgerliches Leben.

1997 lebt Danny in Las Vegas. Er ist alleinerziehender Vater, Multimillionär und offiziell Geschäftsführer der in Las Vegas erfolgreich mehrere Casinos betreibenden Tara Group. In Wirklichkeit ist er, gegen die Glücksspielgesetze verstoßend, Teilhaber. Er will weiter expandieren und ein neues Hotel mit noch nie gesehenen Attraktionen bauen. Im Alltagsgeschäft konzentriert er sich in seinen Casinos nicht auf das Glücksspiel, sondern auf Familien-Entertainment und eine Rundum-Versorgung der Gäste, die wieder kommen sollen. Verbrechen, illegale Geschäfte und Verflechtungen mit der Mafia werden in diesen Jahren in Las Vegas unwichtiger. Dannys Las Vegas ist das Las Vegas, das in Martin Scorseses „Casino“ für den Mafiosi Sam „Ace“ Rothstein (Robert de Niro) am Ende des Films der Alptraum, der Untergang seiner Welt, ist.

Don Winslow beschreibt in kurzen Kapiteln, wie Danny versucht, seine Pläne zu verwirklichen und er dabei in immer größere Schwierigkeiten gerät. Obwohl Konkurrenten jetzt primär mit legalen Mitteln bekämpft werden, stapeln sich die Leichen.

Neben Dannys Geschichte erzählt Winslow auch weiter über das Leben der anderen aus „City on Fire“ bekannten Figuren; – solange sie nicht verstorben sind. Sie sind älter, aber ihre damaligen Taten als Kriminelle beeinflussen immer noch ihr Leben.

Für Spannung ist also gesorgt. Und während „City of Dreams“ ohne Kenntnis des ersten Bands kaum verständlich war, kann „City in Ruins“ auch vollkommen separat gelesen werden. Winslow versorgt die Leser mit den nötigen Informationen. Trotzdem ist eine chronologische Lektüre der gesamten Trilogie besser und befriedigender.

Winslows in Las Vegas spielender faktengesättigter Thriller ist der fulminante Abgesang auf das Ende einer Ära. Danach war die traditionelle, aus zahlreichen Romanen und Filmen bekannte Mafia tot. Gleichzeitig zeigt Winslow in seinem zwischen 1986 und 1998 spielendem Epos (mit einem kurzen 2023 spielendem Epilog) wie das Leben weitergeht und wie sich Einstellungen und Lebensstile verändern. Dabei stellt Winslow auf jeder Seite des dritten Bandes der Trilogie die Frage, wie sehr jeder für seine Sünden büßen muss, ob Erlösung möglich ist und wie Zufälle Leben bestimmen.

City in Ruins ist ein grandioser Abschluss einer überzeugenden Trilogie und ein verdammt gelungener Kriminalroman, der die Regeln des Genres gleichzeitig befolgt und dehnt. Trotzdem ist „City in Ruins“ für mich kein „Roman“, sondern ein waschechter Krimi, ein Thriller und Pageturner, der den Leser mit der ersten Seite packt und knapp 450 Seiten später wieder entlässt.

Das ergibt, wenig überraschend, eine unbedingte Leseempfehlung.

Don Winslow im Maschinenhaus der Kulturbrauerei, Berlin, 26. Mai 2022 (Foto: Axel Bussmer)

Ob „City in Ruins“ wirklich Don Winslows letzter Roman ist? Das wissen wir erst in einigen Jahren. Im Moment ist für ihn das Verhindern einer zweiten Trump-Präsidentschaft wichtiger. Möge er erfolgreich sein.

Für alle, die erst jetzt Don Winslow entdecken, bricht dennoch eine tolle Zeit an. Denn sie können in den kommenden Monaten alle seine vorherigen Werke entdecken. Auch sein schlechtester Roman ist immer noch verdammt gut. Ein guter Einstieg ist „Tage der Toten“ (The Power of the Dog), seine umfangreiche, faktengesättigte Chronik des ‚war on drugs‘ und sein Durchbruch beim großen Publikum. Wem der Roman zu lang ist, kann mit einem seiner in Florida spielenden Romane beginnen. Sie sind alle sehr gut, wurden mit vielen wichtigen Krimipreisen ausgezeichnet und sie begründeten unter Krimifans seinen exzellenten Ruf. Und dann gibt es noch die Neal-Carey-Serie. Diese fünf Privatdetektiv-Krimis, die gleichzeitig seine ersten Krimis sind, sind witziger und absurder als seine später geschriebenen Romane. Sie sind gelungene Mischungen aus pulpigen Abenteuergeschichten und Krimikomödien.

Die anderen können natürlich noch einmal die Bücher von Don Winslow lesen. Oder sie werfen einen Blick auf die Werke der Autoren, die Don Winslow in seiner Danksagung als die Kollegen nennt, die ihm halfen und mit denen er freundschaftlich verbunden ist. Es sind: „Michael Connelly, Robert Parker, Elmore Leonard, Lawrence Block James Ellroy, T. Jefferson Parker, Adrian McKinty, Steve Hamilton, Lee Child, Lou Berney, Anthony Bourdain, Ian Rankin, John Katzenbach, John Sandford, Joseph Wambaugh, Gregg Hurwitz, David Corbett, TJ Newman, Mark Rubenstein, Jon Land, Richard Ford, Pico Iyer, Meg Gardiner, Dervla McTiernan, Reed Farrel Coleman, Ken Bruen, Jake Tapper, John Grisham, David Baldacci und so viele andere. (…) Mein besonderer Dank gilt natürlich dem großen Stephen King. Wie freundlich, gütig und großzügig du zu mir warst.“

Auch wenn gestandene Krimifans die meisten der hier genannten Autoren bereits seit einigen Jahren kennen sollten, kann die Danksagung mühelos als Post-Don-Winslow-Leseliste gelesen werden.

Don Winslow: City in Ruins

(übersetzt von Conny Lösch)

HarperCollins, 2024

448 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

City in Ruins

William Morrow, New York, 2024

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Perlentauscher über „City in Ruins“

Book Marks über „City in Ruins“

Homepage von Don Winslow

Wikipedia über Don Winslow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover – Neal Careys erster Fall” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl – Neal Careys zweiter Fall” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert – Neal Careys fünfter Fall“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Die Sprache des Feuers“ (California Fire & Life, 1999)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020)

Meine Besprechung von Don Winslow „City of Dreams“ (City of Dreams, 2023)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows Lesereise zu „City on Fire“ (City on Fire, 2022) – und ein Bild von der Lesung

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Juni: Der Smaragdwald

Juni 23, 2024

Arte, 20.15

Der Smaragdwald (The emerald forest, Großbritannien 1985)

Regie: John Boorman

Drehbuch: Rospo Pallenberg

Während der Vater Bill Markham als Ingenieur ein Staudammprojekt im Amazonas überwacht, verschwindet sein siebenjähriger Sohn Tommy spurlos. Bill Markham sucht ihn und als er ihn nach einer zehnjährige Suche bei einem zurückgezogen lebendem Indiostamm findet, erlebt er eine Überraschung.

Man kann „Der Smaragdwald“ als geglückte und sehr eigenständige Variante von John Fords „Der schwarze Falke“ (mit John Wayne) sehen, oder einfach als ein bildgewaltiges, von einem wahren Fall von 1972 inspiriertes Ökoabenteuer. Während der Dreharbeiten erfuhr Boorman von weiteren ähnlichen Fällen.

In jedem Fall ist „Der Smaragdwald“ ein weiterer lohnenswerter Film von Regisseur John Boorman („Point Blank“, „Beim Sterben ist jeder der erste“, „Der General“, „Der Schneider von Panama“). Es ist ein vor Ort gedrehtes, facettenreiches Plädoyer für den Schutz des Regenwaldes und die Rechte der Ureinwohner.

„Ein meisterhafter Abenteuerfilm von mitreisender Schönheit ist dabei entstanden – als geglückte Mischung aus Fantasy- und Actionelementen, aus Mythologie und Anthropologie -, der sich nie in einer idyllisch-heilen Scheinwelt verliert, sondern beiläufig und unaufdringlich an die Gefährdung des Dschungels und seiner Bewohner durch Technik und Zivilisation gemahnt.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Danach geht’s cineastisch gelungen weiter: um 22.05 Uhr kommt Samuel Fullers auf eigenen Erlebnissen basierender Kriegsfilm „The Big Red One – Die unbesiebare Erste“ (USA 1978 – leider nur in der 110-minütigen Kinofassung; es gibt eine um 47 Minuten längere rekonstruierte und gelungenere Fassung; – wenn Arte diese Fassung zeigen würde, wäre Fullers Film mein heutiger Tagestipp) und um 23.55 Uhr Paul Wegener/Carl Boeses Horror-Stummfilmklassiker „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (Deutschland 1920). Arte zeigt wahrscheinlich die 2002 vom Filmmuseum München restaurierte und viragierte Fassung des Film. Die Musik ist eine 2023 von Burkhard Götze für Orchester bearbeitete und eingespielte Aufnahme der lange verschollenen Originalpartitur von Hans Landsberger.

mit Powers Boothe, Meg Foster, Charley Boorman, William Rodriguez, Yara Vaneau, Estee Chandler, Dira Paes, Rui Polonah, Maria Helena Velasco, Tetchie Agbayani, Claudio Moreno

Wiederholung: Freitag, 28. Juni, 16.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Smaragdwald“

Wikipedia über „Der Smaragdwald“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

John Boorman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Juni: The Bling Ring

Juni 22, 2024

Wer die Spiele der deutschen Mannschaft doof fndet und auf „Das Traumschiff“ in Marokko (legt um 20.15 Uhr im ZDF an) verzichten kann, darf staunen über

RTL II, 20.15

The Bling Ring (The Bling Ring, USA 2013)

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

LV: Nancy Jo Sales: The Suspects wore Louboutins (Variety-Reportage, März 2010)

2008/2009 brechen in Hollywood einige reiche und verwöhnte Jugendliche in die Häuser von Prominenten ein. Sie bestaunen die Einrichtung, klauen Schmuck und Kleider und geben anschließend auf Facebook und vor ihren Klassenkameraden mit ihren Einbrüchen. Denn: was soll schon passieren?

Köstliche Sozialstudie, basierend auf einem wahren Fall. Die unglaublichsten Momente des Films sind wahr.

Sofia Coppola drehte teilweise in den Anwesen der Beklauten und diese spielen sich selbst in dem Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Israel Broussard, Katie Chang, Taissa Farmiga, Claire Julien, Georgia Rock, Emma Watson, Leslie Mann, Gavin Rossdale, Paris Hilton (Cameo)

Wiederholung: Montag, 24. Juni, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „The Bling Ring“

Rotten Tomatoes über „The Bling Ring“

Wikipedia über „The Bling Ring“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über die wahren Hintergründe

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „The Bling Ring“ (The Bling Ring, USA 2013)

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „Priscilla“ (Priscilla, USA 2023)


TV-Tipp für den 22. Juni: Gattaca

Juni 21, 2024

ZDFneo, 22.00

Gattaca (Gattaca, USA 1997)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

In der nahen Zukunft gibt es im Labor entstandene, genetisch perfekte Menschen und natürlich entstandene Menschen, die nicht perfekt sind und deshalb nicht alles tun dürfen. Vincent will dennoch seinen Traum, Astronaut zu werden, verwirklichen. Unter falscher Identität und mit damit verbundenen Betrügereien bei Gen-Tests gelingt es ihm, im Raumfahrtkonzern Gattaca eine Stelle zu bekommen und in die engere Auswahl für eine wichtige Raumfahrtmission zu kommen. Wenn er nicht vorher entdeckt wird.

„Außergewöhnlich schöner Science-Fiction-Thriller, der in elegischem Ton von einer manipulierten Welt zwischen Kafka, Orwell und Huxley erzählt und – heute eine Seltenheit – mit einem Spezialeffekt (der Raketenstart) auskommt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Science-Fiction zum Nachdenken.

mit Ethan Hawke, Uma Thurman, Alan Arkin, Jude Law, Loren Dean, Gore Vidal, Ernest Borgnine, Blair Underwood, Xander Berkeley, Elias Koteas

Wiederholung: Sonntag, 23. Juni, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gattaca“

Wikipedia über „Gattaca“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)