Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)(Birdman, USA 2014)
Regie: Alejandro G. Iñárritu
Drehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris Jr., Armando Bo
Fesselnde Chronologie der letzten Stunde vor der Premiere von Riggan Thomsons erster Broadway-Inszenierung. Riggan war früher als Superheld „Birdman“ bekannt und diese Filmrolle hat Spuren bei ihm hinterlassen.
TV-Premiere, seltsamerweise erst knapp sechs Jahre nach dem Kinostart und dummerweise mit Werbepausen. Denn Alejandro G. Iñárritu inszenierte „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ so, dass der Eindruck entsteht, das Drama sei ohne einen Schnitt gedreht worden.
mit Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Merritt Wever, Jeremy Shamos, Bill Camp, Damian Young
TV-Premiere. Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.
Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.
Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.
mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann
Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service, 2012/2013 (Secret Service)
High-Tech-Genie Valentine hat einen teuflischen Plan, um die Weltbevölkerung radikal zu verkleinern. Ein Job für die Kingsman, einer ultrageheimen globalen Agentenorganisation, die ihr Quartier sehr stilbewusst in einem noblen britischen Herenbekleidungsgeschäft hat. Dort ist, nach dem Tod eines Agenten, ein Job vakant. Kingsman Harry Hart schlägt Gary „Eggsy“ Unwin, einen kleinkriminellen Taugenichts aus der Unterschicht, als künftiges Mitglied vor. Man müsse schließlich mit der Zeit gehen.
Grandiose, witzige, äußerst stilbewusste, vespielte und auch sehr brutale Liebeserklärung an die alten James-Bond-Filme, die mit einem ordentlichen Portion Comic-Ästhetik ins 21. Jahrhundert geholt werden.
mit Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton, Michael Caine, Sofia Boutella
Wiederholung: Montag, 28. Dezember, 01.00 Uhr (Taggenau! – Und dann wahrscheinlich ungekürzt)
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Die Vorlage
Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2013
172 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
Secret Service # 1- 6
Millarworld, Juni 2012 – April 2013
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Mehr von Eggsy
„Jagd auf Red Diamond“ ist schon vor einiger Zeit erschienen und mein ursprünglicher Plan war, den von Rob Williams (Autor) und Simon Fraser (Zeichner) geschriebenen Comic im Zusammenhang mit dem neuen „Kingsman“-Film zu besprechen.
In dem Comic ist Eggsy inzwischen ein Kingsman. Aber nachdem er bei seinem letzten Einsatz den Duke of Edinburgh verprügelte, wird er beurlaubt. Kurz darauf gibt es ein Lebenszeichen des genialen Hacker Alias und weil gerade alle anderen Kingsman-Agenten im Einsatz sind, kehrt Eggsy zurück. Als er den Hacker schnappt, erfährt er, dass Red Diamond mit einem Virus alle Computer abschalten und so die vordigitale Welt wieder zurückholen will.
Williams und Fraser knüpfen gelungen an den Comic „Secret Service“ von Mark Millar und Dave Gibbons, der die Vorlage für Matthew Vaughns Film war, an. „Jagd auf Red Diamond“ ist ein schöner Spaß und eine gelungene Überbrückung für die Fans der Kingsman.
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Rob Williams/Simon Fraser: Kingsman: Jagd auf Red Diamond
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2019
156 Seiten
17 Euro
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Originalausgabe
Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6
September 2017 – Februar 2018
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Demnächst im „Kingsman“-Universum
Eigentlich sollte der dritte „Kingsman“-Film bereits vor einigen Monaten im Kino laufen. Daraus wurde nichts. Jetzt soll „The King’s Man – The Beginning“ am 11. März 2021 starten; was ich für einen seh ambitionierten Starttermin halte. Ich gehe eher von einem Start Ende März oder im April aus.
Über den Inhalt ist nur bekannt, dass er eine Geschichte aus den Anfängen der „Kingsman“ erzählt. Mit viel Action, Explosionen, großer Starbesetzung und wieder von Matthew Vaughn inszeniert.
Außerdem sind geplant: ein dritter regulärer „Kingsman“-Film (der damit an „The Secret Service“ und „The Golden Circle“ anschließt, ein Film mit den „Statesman“, der aus dem zweiten „Kingsman“-Film „The Golden Circle“ bekannten US-amerikanischen Bruderorganisation, und eine achtstündige TV-Miniserie.
Da fehlt eigentlich nur noch eine Romanserie.
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The King’s Man – The Beginning (Großbritannien/USA 2021)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Matthew Vaughn, Karl Gajdusek (nach einer Geschichte von Matthew Vaughn)
mit Harris Dickinson, Gemma Arterton, Matthew Goode, Aaron Taylor-Johnson, Ralph Fiennes, Stanley Tucci, Charles Dance, Daniel Brühl, Djimon Hounsou, Rhys Ifans, Tom Hollander, Alexandra Maria Lara
Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall (Beverly Hills Cop, USA 1984)
Regie: Martin Brest
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt Foley Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Ein vierter Film ist seit Ewigkeiten im Gespräch. Aktuell soll er von Netflix produziert werden; was nicht unbedingt ein sehr vertrauenserweckendes Zeichen ist. Aus einer geplanten TV-Serie wurde nichts.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Anschließend zeigt ZDFneo den zweiten und dritten Leinwandauftritt von Axel Foley.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
Schauspieler Aidan (Zach Braff) weigert sich, trotz Frau und Kindern, erwachsen zu werden. Da erkrankt sein Vater, der die Schule der Kinder finanziert, an Krebs und Aidan muss einige Entscheidungen treffen.
Zach Braffs liebevolle Indie-Komödie „Wish I was here“ verunsichert und irritiert nie, sondern bestätigt seine Charaktere – und die Zuschauer – in ihrem Leben.
Das gesagt ist der Film, nach „Garden State“ der zweite Spielfilm von „Scrubs“-Star Zach Braff, unterhaltsam, kurzweilig, witzig, episodisch, aber auch ziellos und oft konventionell in seinen Beschreibungen und Lösungen. Es ist auch ein Film, der im Privaten steckenbleibt.
Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain, Frankreich/Deutschland 2001)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet
In einem Paris, das nicht von dieser Welt ist (und das es so nie gab), verzaubert die Kellnerin Amélie ihre Mitmenschen und macht sie glücklich. Da trifft sie ihren Märchenprinzen…
Ein märchenhafter, schnell verzaubernder, vor Einfällen überbordender, wundervoll warmherziger Film voller Humor und skurriller Typen.
mit Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau, Artus de Penguern
Es ist nicht das „Nightmare before Christmas“, aber immerhin auch von „Frankenweenie“ Tim Burton
RTL II, 20.15
Alice im Wunderland (Alice in Wonderland, USA 2010)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton
LV: Lewis Carroll: Alice’s Adventures in Wonderland, 1865 (Alice im Wunderland), Through the Looking-Glass, 1871 (Alice hinter Spiegeln)
Tim Burtons Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Alice, die als Kind im Wunderland phantastische Figuren trifft und phantastische Abenteuer erlebt. Bei Burton kehrt sie als junge Erwachsene zurück in das Wunderland, wo sie ihre alten Freunde wieder trifft und ihnen beim Kampf gegen die böse Rote Königin helfen soll.
mit Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Crispin Glover, Matt Lucas
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Das Drehbuch von Jeb Stuart und Steven E. De Souza war für den Edgar nominiert.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Alexander Godunov, Reginald VelJohnson, William Atherton, Paul Gleason, Hart Bochner
Wiederholung: Donnerstag, 24. Dezember, 22.25 Uhr (Heiligabend, nach „Kevin – Allen zu Haus“; noch so ein Weihnahtsfilm)
LV: Patricia Highsmith: The Price of Salt, 1952 (Erstveröffentlichung unter dem Pseudonym Claire Morgan; Wiederveröffentlichung unter ihrem Namen als „Carol“, deutsche Titel „Salz und sein Preis“ und „Carol oder Salz und sein Preis“)
New York, 1950: zwei Frauen verlieben sich ineinander – und verstoßen damit gegen die gesellschaftlichen Konventionen.
Gelungene, sehr stilbewusste und sensible Patricia-Highsmith-Verfilmung, die kein Kriminalfilm (was man bei Highsmith ja erwartet), sondern eine tragische Liebesgeschichte ist.
Weihnachten: Sohn Ben kehrt überraschend zurück. Seine Familie ist darüber nicht besonders erfreut. Denn Ben ist drogenabhängig und in klinischer Behandlung.
Starkes Drama, das seine TV-Premiere zu einer unwürdigen Zeit erlebt.
mit Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Kathryn Newton, Mia Fowler, Jakari Fraser, Michael Esper, David Zaldivar, Rachel Bay Jones, Alexandra Park
Der Mann, der zuviel wusste (The man who knew to much, USA 1956)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)
Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.
Hitchcocks äußerst gelungenes Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.
Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar
„Drei Tage und ein Leben“ beginnt am 25. Dezember 1999. Aber weihnachtlich sieht in Ollay, einem Dorf in den belgischen Ardennen, nichts aus. Das Wetter ist novembertrüb. Es liegt kein Schnee. Auch der übliche Weihnachtskitsch ist nicht zu sehen. Und die auf dem Dorfplatz versammelten Bewohner blicken ernst in Richtung einer improvisierten Bühne. Dort erklärt ein Polizist, wie die Suche nach Rémi Desmedt ablaufen soll. Der sechsjährige Junge verschwand spurlos vor zwei Tagen.
In der Gruppe steht der zwölfjährige Antoine Courtin. Er ist noch zu jung, um sich an der Suche zu beteiligen. Er hat, wie wir in der nun folgenden langen Rückblende erfahren, Rémi in einer Verkettung dummer Zufälle und unglücklicher Umstände im Wald getötet. Anschließend versteckte er die Leiche in einer Erdgrube und schweigt.
Die Suche endet ohne Erfolg.
Fünfzehn Jahre später, ungefähr in der Filmmitte, kehrt Antoine zurück in das Dorf. Seine Mutter lebt noch dort. Die Nachbarn von damals auch. Auf einem Dorffest trifft er seine erste große Liebe, das Nachbarmädchen Émilie, wieder. Sie ist Rémis ältere Schwester. Damals hatte er sie mit einem anderen Jungen knutschen gesehen. Jetzt frischen sie ihre Beziehung auf und sie ist auch bereit, mit ihm zu schlafen. Im beiderseitigen Einvernehmen soll es eine einmalige Angelegenheit sein. Sie lebt mit einem anderen Mann zusammen und er will in wenigen Tagen, nach dem Abschluss seines Medizinstudiums, in den Nahen Osten. Letztendlich ist dieser Sehnsuchtsort in der Wüste nur eine Chiffre für ‚möglichst weit weg von Ollay‘.
Aber dann bemerkt er, dass der Wald, in dem Rémis Leiche liegt, gerodet wird. Außerdem wurde Émilie schwanger von ihm. Sie will das Kind behalten und er soll seine Vaterschaft anerkennen. Wenn er es nicht freiwillig tut, wird sie ihn zu einem Vaterschaftstest zwingen.
Spätestens jetzt sind wir in der Hölle des französischen Bürgertums, in der kleine Regelverstöße und Geheimnisse ungeahnte Folgen haben. Denn selbstverständlich wird die Leiche von Rémi entdeckt, es gibt Spuren und Antoine fragt sich, was er tun muss, um nicht für seine damalige Tat bestraft zu werden.
Nicolas Boukhrief inszenierte Antoines Geschichte nach einem Drehbuch von Pierre Lemaitre, der auch die Romanvorlage schrieb, als ruhigen Thriller. Die Figuren stehen eindeutig im Mittelpunkt. Ihre Taten, ihre Geheimnisse (wobei in einem Dorf nichts wirklich geheim ist) und wie hier eine Handlung zur nächsten führt, erinnert an die Filme von Claude Chabrol und seine oft äußerst schwarzhumorigen Abrechnungen mit dem französischen Bürgertum, in dem ein Ehebruch das Vorspiel für einen Mord sein kann und, solange der Schein gewahrt wird, auch ein Mord vor keinem weltlichen Gericht verhandelt werden muss. Manchmal sind alle bereit, als sei nichts geschehen, den Mord einfach zu vergessen. Boukhrief hat einen ähnlich klaren Blick auf seine Figuren und die feinen Unterschiede der französischen Gesellschaft (auch wenn „Drei Tage und ein Leben im belgischen Teil der Ardennen spielt). Er beobachtet geduldig ihre Handlungen. Er bringt vor allem gegenüber Antoine viel Verständnis auf. Ob das gerechtfertigt ist, muss man als Zuschauer selbst beurteilen in diesem sehr gelungenem Film Noir, der an Weihnachten spielt und auf die üblichen Weihnachts-Insignien verzichtet. Immerhin schneit es am Ende.
Drei Tage und ein Leben (Trois jours et une vie, Frankreich 2019)
Regie: Nicolas Boukhrief
Drehbuch: Pierre Lemaitre, Perrine Margaine
LV: Pierre Lemaitre: Trois jours et une vie, 2016 (Drei Tage und ein Leben)
mit Sandrine Bonnaire, Pablo Pauly, Charles Berling, Philippe Torreton, Margot Bancilhon, Jeremy Senez, Dimitri Storoge, Arben Bajraktaraj
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DVD/Blu-ray
Atlas Film
Bild: 2.35:1 (16:9)/1080p
Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1/5.1 DTS-HD MA)
Mach’s noch einmal, Sam (Plat it again, Sam, USA 1972)
Regie: Herbert Ross
Drehbuch: Woody Allen (nach seinem Theaterstück)
Der New Yorker Filmkritiker Allan wird von seiner Frau verlassen. Die Suche nach einer neuen Freundin gestaltet sich schwierig. Erst als sein Idol Humphrey Bogart ihn berät, scheint sich das Blatt zu wenden.
Woody Allen sagte über „Mach’s noch einmal, Sam“, es sei „die autobiographische Geschichte eines Verliebten mit ungeheuren Komplexen. Die Anhäufung von Themen, die mich faszinieren, Sex, Ehebruch, neurotische Liebe, Angst. Dennoch ist es eine Komödie im strengsten Sinn des Wortes, ohne ein ernsthaftes Element.“
Außerdem ist es Woody Allens erste Liebeserklärung an den Film.
Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Jerry Lacy, Susan Anspach
Ein richtiger Kinostart ist es natürlich nicht, weil im Moment alle Kinos geschlossen sind. Es ist auch vollkommen unklar, wann sie wieder eröffnen. Ich würde eher auf Mitte Februar oder Anfang März tippen und ich bin damit nicht allein. So werden im Moment die Kinostarts in Richtung Frühjahr verschoben. Oft ohne, dass ein Starttermin genannt wird. Und die für Mitte Februar geplante Berlinale wird, wenig überraschend, nicht im gewohnten Rahmen stattfinden.
Soweit das Umfeld, in dem der Film startet, und die technische Seite. Kommen wir jetzt zum Film.
In „Das Neue Evangelium“ inszeniert Theaterregisseur Milo Rau ein Stück über Jesus, vor allem über seine letzten Tage, filmt die Proben und das Stück, lässt sich dabei von Pier Paolo Pasolinis „Das erste Evangelium – Matthäus“ inspirieren und sieht sich, teilweise mit seinen Schauspielern, in der Gegend, in der sie drehen, um und unterhält sich mit Einheimischen. Insofern ist „Das Neue Evangelium“ ein Making of – und ein Experiment, das nach der Bedeutung von Jesus Christus für die Gegenwart fragt. Denn Milo Raus Jesus wird von Yvan Sagnet gespielt. Der Kameruner Sagnet kam 2008 zum Studium nach Italien, arbeitete als Farmarbeiter und organisierte Landarbeiterstreiks. Auch in Matera startet der Politaktivist eine politische Kampagne. Die „Revolte der Würde“ soll das Leben der Tomatenpflücker, die als Flüchtlinge nach Europa kamen, und der dort ansässigen Kleinbauern verbessern. Sagnet macht also in der Gegenwart das, was Jesus zu Lebzeiten getan hätte. Rau vermischt hier immer wieder die verschiedenen Ebenen, bis nicht mehr erkennbar ist, was jetzt die Inszenierung des Stücks und was die triste Realität ist, in der Arbeiter für eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse kämpfen. Die Frage nach der Aktualität von Jesus‘ Botschaft wird dagegen mit jedem Bild deutlicher.
„Das Neue Evangelium“ ist auch eine Auftragsarbeit. Der Drehort, die süditalienische Stadt Matera war 2019 „Kulturhauptstadt Europas“. Die Veranstaltungskuratoren fragten Milo Rau, ob er im Rahmen der Festveranstaltungen etwas inszenieren möchte. Seine Idee war ein Jesus-Film, der sich auf vorher dort gedrehte Jesus-Filme bezieht und sie mit der Gegenwart mischt.
In Matera entstand nämlich, um nur die beiden für „Das Neue Evangelium“ wichtigen Filme zu nennen, 1964 Pasolinis Jesus-Film „Das erste Evangelium – Matthäus“ und, deutlich unwichtiger, 2003 Mel Gibsons „Die Passion Christi“. Gibsons Maria-Darstellerin Maia Morgenstern spielt bei Rau wieder die Maria. Auch Pasolinis am 16. September 2020 verstorbener Jesus-Darsteller Enrique Irazoqui ist dabei. Er spielt Johannes, den Täufer. Dieses Mal ist er auch ein Lehrer, der den anderen bei der richtigen Interpretation ihrer Rolle hilft. Die Schauspieler sind wieder Laien. Gemeinsam sehen sie sich Ausschnitte aus Pasolinis nach seiner Premiere heftig diskutiertem und von ungefähr allen Seiten angefeindeten Jesus-Film an.
„Das Neue Evangelium“ ist ein zugleich zugängliches und sperriges Werk, das im Presseheft als „eine Verschmelzung von Dokumentarfilm, Spielfilm, politischer Aktionskunst und Passionsspiel“ beschrieben und „ein Manifest für die Opfer des westlichen Kapitalismus“ genannt wird. Es ist auch ein zum Nachdenken anregendes Werk.
Das Neue Evangelium(Deutschland/Schweiz/Italien 2020)
Regie: Milo Rau
Drehbuch: Milo Rau
mit Yvan Sagnet, Marcello Fonte, Enrique Irazoqui, Maia Morgenstern, Papa Latyr Faye, Samuel Jacobs, Yussif Bamba, Jeremiah Akhere Ogbeide, Mbaye Ndiaye, Kadir Alhaji Nasir
Runaway Train – Express in die Hölle (Runaway Train, USA 1985)
Regie: Andrei Konchalovsky
Drehbuch: Djordje Milicevic, Paul Zindel, Edward Bunker (nach einem Drehbuch von Akira Kurosawa)
Alaska: zwei Knackis brechen aus und hoffen als blinde Passagiere auf einem Güterzug in die Freiheit fahren zu können. Doch der Lokführer stirbt, ein dritter blinder Passagier ist ebenfalls an Bord und der Zug kann nicht gebremst werden.
Harter, spannender, heute fast unbekannter Thriller mit guten Schauspielerleistungen. Voight und Roberts waren für je einen Oscar nominiert; Voight erhielt einen Golden Globe, Roberts war nominiert. Außerdem war der Film als bester Film für einen Golden Globe nominiert. Die Schmonzette „Out of Africa“ erhielt ihn.
Mit Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca DeMornay, Edward Bunker, Danny Trejo (Debüt)
In der Notrufzentrale erhält Polizist Asger Holm den Anruf einer Frau, die behauptet, sie sitze in einem Auto neben ihrem Entführer und müsse so tun, als rede sie mit ihrer Tochter. Holm versucht ihr zu helfen.
Hochspannendes Echtzeit-Kammerspiel, das nur an einem Schreibtisch spielt.
LV: Elmore Leonard: Get Shorty, 1990 (Schnappt Shorty)
Musik: John Lurie
Ein Mafia-Geldeintreiber aus Miami gerät in Hollywood an einen drittklassigen Filmproduzenten. Der Geldeintreiber möchte, dass sein Leben verfilmt wird. Aber diese Hollywood-Fritzen sind irgendwie anders.
Köstliche Leonard-Verfilmung über den Zusammenprall zweier Welten: eiskalter Profikiller trifft auf die Hollywood-Schickeria.
Von Elmore Leonards Homepage: „With Get Shorty Hollywood finally did right by Elmore and put his ´sound´ on the screen and not just his plots. In Scott Frank´s screenplay, the lines in the movie were delivered just the way that they were written, seriously, without reaction. The fact that many lines were funny, labeled Get Shorty a comedy, and helped make it a box-office hit. The story is about Chili Palmer, (John Travolta) who is ´fired´ by his unstable loanshark boss, Ray Bones (Dennis Farina). Ray sends Chili to Vegas to collect a bad debt, and a casino boss there enlists Chili to find an even bigger deadbeat: Harry Zimm (Gene Hackman), a Hollywood producer of low-budget horror films. In Hollywood, Chili meets Harry, as well as his scream-queen leading lady, Karen Flores (Rene Russo); Harry’s drug-dealing financier, Bo Catlett (Delroy Lindo), and his muscle, Bear (James Gandolfini). ´Shorty´ is Karen’s ex, Martin Weir (Danny DeVito), a big star with a giant ego. Chili learns that being a wiseguy helped when you wanted to produce movies. Get Shorty was win, win, win. Everything worked perfectly. The film had a winning combination in Danny DeVito’s Jersey Films, screenwriter Scott Frank and Director Barry Sonnenfeld. Everybody liked Elmore´s work and wanted to put it on the screen – the right way. Elmore was on the set four days in Beverly Hills. A couple of times, Barry came over after the shot and asked him what he thought, and if he had any suggestions. Elmore was surprised and tickled a little that a director would ask the book writer his opinion.“
Mit John Travolta, Gene Hackman, Rene Russo, Danny DeVito, Dennis Farina, Delroy Lindo, James Gandolfini, Martin Ferrero, Miguel Sandoval, Harvey Keitel, Bette Midler
Einer bleibt auf der Strecke(Les grandes gueules, Frankreich/Italien 1965)
Regie: Robert Enrico
Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni
LV: José Giovanni, Le haut-fer, 1962
In den Vogesen übernimmt der aus Kanada zurückgekehrte Erbe Valentin (Bourvil) ein altes Sägewerk. Schnell hat er Ärger mit der Konkurrenz. Da schlägt ihm Laurent (Lino Ventura) vor, ehemalige Sträflinge zu beschäftigen. Das Resozialisierungsprojekt stößt nicht überall auf Wohlwollen.
TV-Premiere eines Films, der damals in unseren Kinos lief und aufgrund der Beteiligten eigentlich viel bekannter sein müsste. So ist „Einer bleibt auf der Strecke“ bei uns jetzt wohl Lino Venturas unbekanntester Film als Hauptdarsteller. Von dem Team Enrico/Giovanni/Ventura stammt auch „Die Abenteurer“.
„Einer bleibt auf der Strecke“ überträgt Western-Topoi in die Vogesen und erzählt episodisch die Geschichte einer Männerfreundschaft.
„Ein sozialkritisch angelegter, aber wegen der klischeehaften Typisierung und der selbstzweckhaften Schlägereien wenig glaubwürdiger Film des talentierten französischen Regisseur Robert Enrico.“ (Lexikon des internationalen Films – und damit die zeitgenössische Filmkritik)
1982 schrieb Hans Gerhold in einem Robert-Enrico-Porträt im film-dienst: „Enrico gelingt in diesem Fällen eine psychologisch ungemein differenzierte Charakterisierung. Das geduldige Sich-Einlassen auf die Erfahrungen, Erlebnisse, Hoffnungen und Träume seiner Protagonisten bestimmt bis in den Erzählduktus hinein die Art des Geschichten-Entwickelns: Wichtig ist nicht das Resultat, der Effekt, der Action-Höhepunkt, wenngleich er nicht vernachlässigt wird, sondern der Prozess, der Weg, der Menschen unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Handlungen führt. Das geschieht nicht in der Art vorgeblich tiefsinniger Psychodramen, sondern in höchst unprätentiöser Weise durch die Darstellung physischer Tätigkeiten.“
Es könnte sich – seltsamerweise – um eine auf 100 Minuten gekürzte Fassung handeln. In meinen Unterlagen finde ich nämlich Laufzeitangaben von 106, 120 und sogar 128 Minuten.
Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte einen weiteren sehenswerten Film von Robert Enrico: „Das Netz der tausend Augen“ (Frankreich 1974),mit Jean-Louis Trintignant, Marlene Jobert und Philippe Noiret.
mit Bourvil, Lino Ventura, Marie Dubois, Jess Hahn, Jean-Claude Rolland, Michel Constantin
Morris Buttermaker war einmal Baseballspieler. Jetzt ist ein grummelliger, trinkfreudiger Junggeselle. Da macht ihn Stadtrat Whitewood zum Trainer der lokalen, absolut unsportlichen und erfolglosen Kinder-Baseballmannschaft. Er soll ihre Leistungen verbessern.
Nach Ewigkeiten läuft „Die Bären sind los“ wieder im Fernsehen. Die erfolgreiche Komödie inspirierte mehrere Fortsetzungen, Remakes und eine TV-Serie.
Ob der Film heute noch gut ist oder die Erinnerungen trügen oder ob wir als Erwachsene Dinge in der Komödie entdecken, die wir als Kind nicht bemerkten , können wir heute überprüfen.
Anschließend zeigt Tele 5, um 22.25 Uhr „Die Bären bleiben am Ball“ (USA 1977) und um 00.30 Uhr „Die Bären sind nicht zu bremsen“ (USA 1978) die Fortstetzungen, an denen Michael Ritchie und Walter Matthau nicht beteiligt waren.
Bill Lancaster schrieb später das Drehbuch für John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (The Thing, 1982).
mit Walter Matthau, Tatum O’Neal, Vic Morrow, Joyce Van Patten, Jackie Earle Haley
Oliver Twist (Oliver Twist, Frankreich/Großbritannien/Tschechien 2005)
Regie: Roman Polański
Drehbuch: Ronald Harwood
LV: Charles Dickens: Oliver Twist or, The Parish Boy’s Progress, 1837 – 1839 (Fortsetzungsroman) (Oliver Twist)
Roman Polanskis düstere Version von Charles Dickens‘ mehrfach verfilmtem Roman „Olilver Twist“. Erzählt wird die Geschichte des Waisenjungen Oliver Twist, der als Zehnjähriger im viktorianischen London Fagin trifft. Fagin macht ihn zum Taschendieb.
mit Barney Clark, Ben Kingsley, Jamie Foreman, Harry Eden, Leanne Rowe, Mark Strong, Edward Hardwicke