Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Der Dokumentarfilm „Werner Herzog – Radical Dreamer“ und Werner Herzogs Biographie „Jeder für sich und Gott gegen alle“

Oktober 28, 2022

Im Umfeld von Werner Herzogs achtzigstem Geburtstag gibt es so etwas wie Herzog-Festspiele. Neben einer Ausstellung in der Deutschen Kinemathek gibt es einen im Kino laufenden Dokumentarfilm über sein Leben und seine Autobiographie „Jeder für sich und Gott gegen alle“

Außerdem verzeichnet die IMDb für dieses Jahr zwei von Herzog inszenierte Dokumentarfilme („Theatre of Thought“ und „The Fire Within: A Requiem for Katia and Maurice Krafft“). Für nächstes Jahr ist bereits ein weiterer Film („Fordlandia“) amgekündigt.

In seiner Dokumentation „Werner Herzog – Radical Dreamer“ zeichnet Thomas von Steinaecker Herzogs Leben chronologisch nach. Dafür unterhielt er sich ausführlich mit Herzog und besuchte mit ihm für ihn wichtige Orte, wie das Haus in Sachrang, einem oberbayerischem Dorf nahe der Grenze zu Österreich, in dem er seine Kindheit verbrachte. Dazu gibt es Statements von Freunden und Menschen, mit denen er arbeitete. Wim Wenders und Volker Schlöndorff, die wie er zum Jungen Deutschen Film (aka dem Neuem Deutschen Film) gehören, sind dabei. Ebenso einige Schauspieler, mit denen er zusammen arbeitete, wie Christian Bale, Nicole Kidman und Robert Pattinson, und Bewunderer, wie Chloé Zhao (sie erhielt 2017 für „The Rider“ den Werner-Herzog-Filmpreis). Dazu gibt es Ausschnitte aus einigen Filmen von Werner Herzogs.

Entstanden ist ein formal konventioneller, sehr informativer Film über sein Leben.

Für Herzog-Fans, die immer sein gesamtes Werk im Blick hatten, gibt es deshalb in diesem gleungenem Dokumentarfilm wenig Neues zu Entdecken. Für sie ist der Film höchstens eine willkommene Auffrischung und ein Schwelgen in Erinnerungen. Ergänzt um einige neue Statements von Werner Herzog, die sich mühelso in frühere Statements einreihen und in denen Herzog seinen Ruf als originärer, sympathisch verschrobener und oft sehr tiefsinniger Denker pflegt.

Herzog-Fans, die glauben, dass er nach „Fitzcarraldo“ keine Filme mehr drehte, sondern irgendwo im Dschungel verschwunden ist und Schuhe isst (Wunderschön sind die Reaktionen der Hollywood-Stars, wenn sie von dieser Herzog-Aktion erfahren, die Les Blank in seinem Kurzfilm „Werner Herzog Eats His Shoe“ dokumentierte.), werden erstaunt feststellen, dass Herzog in den vergangenen vierzig Jahren einige weitere Spielfilme und viele Dokumentarfilme drehte. Außerdem wurde Herzog zu einer Figur der US-Popkultur mit Auftritten bei den „Simpsons“ und kleineren Auftritten als Schauspieler in hoch budgetierten Hollywood-Produktionen wie „Jack Reacher“ und „The Mandalorian“.

Seine jüngeren Fans, die ihn aus den „Simpsons“ kennen, dürften erstaunt sein, dass er davor einer der wichtigen Regisseure des deutschen Films der siebziger Jahre war. Schon damals genoss er einen legendären Ruf als der Weltreisende des deutschen Films. Seinen Kaspar-Hauser-Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“ drehte er in Deutschland. Aber fast alle sene anderen Filme drehte er im Ausland. Mit „Aguirre, der Zorn Gottes“ und „Fitzcarraldo“ ging es nach Südamerika. Mit „Nosferatu – Phantom der Nacht“ inszenierte er seine von Murnau deutlich beeinflusste Dracula-Version. Und in „Cobra Verde“ beschäftigte er sich mit dem Sklavenhandel im 19. Jahrhundert. Ein Teil des in Kolumbien und Ghana gedrehten Films spielt im aktuell aus „The Woman King“ bekanntem Königreich von Dahomey.

Für alle, die bislang wenig bis nichts über Werner Herzog wussten, ist „Werner Herzog – Radical Dreamer“ eine gelunge, konzentrierte, die richtigen Schwerpunkte setzende Einführung in sein Werk.

Werner Herzog – Radical Dreamer (Deutschland/USA 2022)

Regie: Thomas von Steinaecker

Drehbuch: Thomas von Steinaecker

mit Werner Herzog, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Lena Herzog, Nicole Kidman, Christian Bale, Robert Pattinson, Chloé Zhao, Thomas Mauch, Joshua Oppenheimer, Patti Smith, Lucki Stipetic, Carl Weathers, Peter Zeltinger

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der Buchtipp

Werner Herzog erzählt sein Leben. Schön kurzweilig und immer nah an der Herzog-Wahrheit.

Werner Herzog: Jeder für sich und Gott gegen alle – Erinnerungen

Hanser Verlag, 2022

352 Seiten

28 Euro (gebundene Ausgabe)

20,99 Euro (E-Book)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Werner Herzog – Radical Dreamer“

Moviepilot über „Werner Herzog – Radical Dreamer“

Wikipedia über Werner Herzog (deutsch, englisch)

Homepage zum Werner Herzog

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Königin der Wüste“ (Queen of the Desert, USA/Marokko 2015)

Meine Besprechung von Werner Herzogs „Salt and Fire“ (Salt and Fire, Deutschland/USA/Frankreich/Mexiko 2016)

Werner Herzog in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Thomas von Steinaecker/Barbara Yelins „Der Sommer ihres Lebens“ (2017)


TV-Tipp für den 28. Oktober: Road to Perdition

Oktober 27, 2022

3sat, 22.15

Road to Perdition (Road to Perdition, USA 2002)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: David Self

LV: Max Allan Collins (Text), Richard Piers Rayner (Zeichnungen): Road to Perdition, 1998 (Road to Perdition, Graphic Novel)

Buch zum Film: Max Allan Collins: Road to Perdition, 2002 (Road to Perdition)

Chicago, 30er Jahre: Profikiller Michael Sullivan steht plötzlich selbst auf der Abschußliste. Nachdem seine Familie umgebracht wird, flüchtet er mit seinem Sohn aus Chicago.

„Sam Mendes ist eine äußerst sehenswerte, in die Tiefe des Vater-Sohn-Verhältnisses lotende Film-noir-Tragödie gelungen, mit exzellenten Schauspielern und großartiger Kamerarbeit von Conrad L. Hall.“ (Sönke Lars Neuwöhner, tip 18/2002) oder „großartig besetzter, klassisch epigonaler Gangsterfilm“ (Adrian Prechtel, AZ 5. 9. 2002). Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Menschen, die die Graphic Novel dem etwas langatmigen Film vorziehen.

Max Allan Collins schrieb nach der erfolgreichen Verfilmung weitere Romane und Graphic-Novels, in denen die Geschichte von Michael Sullivan jr. weitererzählt wird. Übersetzt wurde nur die erste Fortsetzung „Road to Purgatory“ (2004, Road to Purgatory – Straße der Vergeltung).

Mit Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law, Jennifer Jason Leigh, Daniel Craig, Stanley Tucci

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Road to Perdition“

Wikipedia über „Road to Perdition“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „1917“ (1917, USA 2019)

Homepage von Max Allan Collins

Thrilling Detective über Max Allan Collins

January Magazine: Interview mit Max Allan Collins (1999)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Der erste Quarry” (The first Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „Der letzte Quarry“ (The last Quarry, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte

P. S.: Sollte mal wieder etwas von Max Allan Collins hier abfeiern.


Neu im Kino/Filmkritik: Altmodische Rätselkrimiunterhaltung mit „See how they run“

Oktober 27, 2022

Kennst du einen, kennst du alle“ lästert US-Regisseur Leo Köpernick (Adrien Brody) am Anfang von „See how the run“. In Hollywood steht er auf der Schwarzen Liste. In London soll er 1953 Agatha Christies Theaterstück „Die Mausefalle“ verfilmen. Das läuft gerade erfolgreich im Londoner West End. Köpernick führt dann weiter aus, dass selbstverständlich die unsympathischte Person, die mitspielt, ermordet wird, ein Detektiv nacheinander alle Verdächtigen verhört und am Ende wird die Person als Täter enttarnt, die bis dahin die unverdächtigste Person war. Deshalb hat er das Drehbuch nicht gelesen, sondern dem Drehbuchautor sofort die Szenen vorformuliert, die aus der drögen Tätersuche einen spannenden Thriller machen.

Das erklärt Köpernick uns in einer flotten Voice-Over-Montage, in der er uns gleichzeitig die für die spätere Geschichte wichtigen Figuren vorstellt. Sie wurden zur Feier der hundertsten Aufführung des Stückes eingeladen. Dort beginnt er eine Schlägerei mit dem Hauptdarsteller des Stücks. Wenige Minuten später wird unser Erzähler hinter den Kulissen des Theaters ermordet und vom Täter kunstvoll auf der Bühne drapiert.

Dieser Beginn bricht schon einmal in zwei Punkten mit den Konventionen des Rätselkrimis. Danach ist das Opfer nicht der Erzähler der Geschichte. Denn er ist, neben Mörder, die einzige Person, die den Täter kennt. Und in einem normalem Agatha-Christie-Rätselkrimi geschieht der Mord erst in der Mitte der Geschichte. Bis dahin konnten alle sich ausreichend verdächtig machen. In Tom Georges Film geschieht er bereits nach wenigen Minuten.

Danach folgt, entsprechend den Konventionen, der Auftritt des Ermittlers, der sich zuerst einmal mit den Verdächtigen, also mit allen Ensemblemitgliedern und den Gästen der Feier, wozu vor allem der Filmproduzent und der Drehbuchautor, gehören, herumärgern muss. Helfen soll Inspector Stoppard (Sam Rockwell) Constable Stalker (Saoirse Ronan), eine junge, sehr ambitionierte Streifenpolizistin, die sich alles notiert. Alles. Auch, dass sie sich nicht alles notieren soll. Denn es könnte später wichtig sein.

Mit Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ und Rian Johnsons „Knives out“ erlebte der Rätselkrimi im Kino als Starkino eine kleine Renaissance. Vom Buchmarkt war er nie ganz verschwunden; auch wenn diese Cozies bei den Hardboiled-Fans nicht allzu beliebt sind. Im Fernsehen hat der traditionelle Rätselkrimi schon seit Ewigkeiten eine zweite Heimat gefunden. Exemplarisch genannt seien die zahlreichen mehr oder weniger direkt auf Agatha-Christie-Figuren, wie Hercule Poirot und Miss Marple, basierenden TV-Serien und unzählige weitere TV-Serien, wie, um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen, „Death in Paradise“, „Father Brown“ und „Monk“.

So vergnüglich diese Rätselkrimi sind, so unfilmisch sind die langwierigen Befragungen der Verdächtigen. Das sagt auch Köpernick uns, bevor er ermordet wird. Deshalb hatte er dem Drehbuchautor Mervyn Cocker-Norris (David Oyelowo) Rückblenden, Texteinblendungen und viel Action am Filmende vorgeschlagen. Cocker-Norris lehnte das empört ab. Er hätte auch die zahlreichen Split Screens, die Tom George oft einsetzt, abgelehnt.

Gefallen hätten ihm dagegen sicher die zahlreichen Anspielungen auf Agatha Christie, ihr Stück „Die Mausefalle“, auf das Theater, Rätsel- und Hollywood-Krimis. Mit Fakten wird dabei eher lässig umgegangen. Das macht aus „See how they run“ schon ab der ersten Minute einen Meta-Krimi, der seinen Spaß mit den Regeln haben will.

Dabei steht Georges Film, nach einem Drehbuch von Mark Chappel, nicht in der Tradition der aktuellen Kino-Wiederbelebungen des Rätselkrimis, sondern in der Tradition damaliger Filme und TV-Filme. Letztendlich ist in dieser Liebeserklärung an den traditionellen Rätselkrimi alles sehr gemütlich inszeniert. Die Dialoge mäandern immer wieder vor sich hin. Die Pointen sind eher harmlos. Die Morde weitgehend unblutig. Und wenn sich alle zum großen Finale im Haus von Agatha Christie versammeln, wird selbstverständlich Tee gereicht.

Die betuliche Rätselkrimikomödie richtet sich primär an den traditionsbewussten Rätselkrimifan, der nicht verunsichert werden möchte, es aber genießt, wenn die Regeln stilbewusst ein wenig durch den Kakao gezogen werden. Genau deshalb könnte „See how they run“ in einigen Jahren einer dieser Filme sein, die regelmäßig, gerne mit einer „Leiche zum Dessert“, im Fernsehen laufen und jedes Mal wohlwollend aufgenommen werden.

P. S.: „Die Mausefalle“ läuft immer noch im West End und der Mörder ist

See how the run (See how they run, Großbritannien/USA 2022)

Regie: Tom George

Drehbuch: Mark Chappel

mit Sam Rockwell, Saoirse Ronan, Adrien Brody, Ruth Wilson, David Oyelowo, Reece Shearsmith, Harris Dickinson, Charlie Cooper, Shirley Henderson, Lucian Msamati, Pippa Bennett-Warner, Pearl Chanda, Paul Chahidi, Sian Clifford, Jacob Fortune-Lloyd, Tim Key, Ania Marson

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „See how they run“

Metacritic über „See how they run“

Rotten Tomatoes über „See how they run“

Wikipedia über „See how they run“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Oktober: Midsommar

Oktober 26, 2022

Servus TV, 22.00

Midsommar (Midsommar, USA 2019)

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

Der in den USA studierende Pelle lädt seine Mitstudierenden ein, an dem nur alle neunzig Jahre stattfindendem Mittsommerfest seiner Gemeinde teilzunehmen. Sie begeben sich in die schwedische Einöde und erleben dort freundliche Eingeborene, drogengeschwängerten Freigeist und mittelalterliche Mystik. Dass es sich dabei um ein Opferritual handelt, ignorieren sie.

Extrem langsam, in wunderschönen Bildern erzählter Mix aus Folk Horror und Ingmar Bergman. Das ist, in der richtigen Stimmung genossen, ein beeindruckender Horrorfilm der anderen Art. In der falschen Stimmung ist dann sogar das Beobachten trocknender Farben spannender.

Servus TV zeigt anscheinend die 150-minütige Kinofassung. Auf DVD/Blu-ray erschien eine ebenfalls vom Regisseur abgesegnete dreistündige Fassung des Films.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper, Will Poulter, Vilhelm Blomgren, Gunnel Fred, Ellora Torchia, Archie Madekwe

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Midsommar“

Metacritic über „Midsommar“

Rotten Tomatoes über „Midsommar“

Wikipedia über „Midsommar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ari Asters „Hereditary – Das Vermächtnis“ (Hereditary, USA 2018)

Meine Besprechung von Ari Asters „Midsommar“ (Midsommar, USA 2019)


TV-Tipp für den 26. Oktober: Burn after reading

Oktober 25, 2022

Arte, 20.15

Burn after reading – Wer verbrennt sich hier die Finger? (Burn after reading, USA 2008)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Nach dem düsteren “No Country for old Men” lieferten die Coen-Brüder wieder eine ihrer schwarzhumorigen Komödie à la “Fargo” und “The Big Lebowski” ab. Wenn auch nicht so gelungen kultig.

In „Burn after reading“ will ein CIA-Agent sich für seine Entlassung rächen. Er schreibt seine unverhüllten Memoiren und verliert das sich auf einer CD befindende Manuskript. Es fällt, wenig überraschend, in die Hände eines Fitness-Trainers, der endlich das große Geld machen will. Einige andere Trottel versuchen ebenfalls ihren Schnitt zu machen.

Mit George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich, Tilda Swinton, Richard Jenkins, David Rasche, J. K. Simmons, Olek Krupa

Hinweise

Moviepilot über „Burn after reading“

Metacritic über „Burn after reading“

Rotten Tomatoes über „Burn after reading“

Wikipedia über „Burn after reading“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Joel Coens „Macbeth“ (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Cover der Woche

Oktober 25, 2022


TV-Tipp für den 25. Oktober: Leave no trace

Oktober 24, 2022

ZDF, 00.45

Leave no trace (Leave no trace, USA 2018)

Regie: Debra Granik

Drehbuch: Debra Granik, Anne Rossellini

LV: Peter Rock: My Abandenment, 2009

Will, ein Kriegsveteran mit psychischen Problemen, lebt mit seiner Tochter Tom von der restlichen Menschheit abgeschieden in den Wäldern um Portland, Oregon. Als Tom von einem Jogger entdeckt wird, werden sie in ein Arbeitsprogramm gezwungen.

Tolles Drama von „Winter’s Bone“-Regisseurin Debra Granik.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Foster, Thomasin Harcourt McKenzie, Jeff Kober, Dale Dickey, Isaiah Stone, Michael Hurley, Marisa Anderson

Hinweise

Moviepilot über „Leave no trace“

Metacritic über „Leave no trace“

Rotten Tomatoes über „Leave no trace“

Wikipedia über „Leave no trace“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Debra Graniks „Winter’s Bone“ (Winter’s Bone, USA 2010)

Meine Besprechung von Debra Graniks „Leave no trace“ (Leave no trace, USA 2018)


TV-Tipp für den 24. Oktober: Lohn der Angst

Oktober 23, 2022

Arte, 20.15

Lohn der Angst (Le salaire de la peur, Frankreich/Italien 1953)

Regie: Henri-Georges Clouzot

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi

LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)

Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.

Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteurer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.

Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“

Im Anschluss, um 22.40 Uhr, zeigt Arte als TV-Premiere die zweistündige Doku „Ivo Livi genannt Yves Montand“ (Frankreich 2011).

Mit Yves Montand, Peter van Eyck, Charles Vanel, Folco Lulli

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lohn der Angst“

Wikipedia über “Lohn der Angst” (deutsch, englisch, französisch) und über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Kinderfilm „Lyle – Mein Freund, das Krokodil“

Oktober 23, 2022

Als die Familie Primm in New York in einen mehrstöckigen Altbau zieht, begrüßen Vater und Mutter die neuen Möglichkeiten, die sich für sie in der Großstadt eröffnen. Ihr Sohn Josh ist weniger begeistert.

Das ändert sich erst, als der schüchterne Junge auf dem Dachboden ein Krokodil entdeckt. Es gehört Hector B. Valenti. Der Variete-Zauberer musste sich auf eine lange Tour durch die Provinz begeben, um Schulden abzubezahlen und um vor seinen Schuldner in Sicherheit zu sein.

Bevor Valenti an die Haustür klopft – er hat in dem Haus ein auf einige Tage im Jahr beschränktes lebenslanges Wohnrecht -, hat Josh bereits das Geheimnis des Krokodils Lyle entdeckt. Es ist lebendig, singt gern und ist ein richtiger Freund zum Knuddeln, mit dem man nach Sonnenuntergang die Stadt erkunden kann.

Lyle – Mein Freund, das Krokodil“ ist die erste Kinoverfilmung von Bernard Wabers Lyle-Geschichten, die er ab 1962 für Kinder schrieb. Davor entstand nur die knapp halbstündige TV-Episode „Lyle, Lyle Crocodile: The Musical ‚The House on East 88th Street’“, die 1987 den Auftakt der „HBO Storybook Musicals“-Reihe bildete.

Für die Kino-Verfilmung wurden einige Kleinigkeiten modernisiert, es gibt CGI-Tricks und die Handlungszeit der Geschichte wurde in die Gegenwart verlegt. Trotzdem kann und will das von Will Speck und Josh Gordon inszenierte Filmmusical nicht verleugnen, dass diese Lyle-Geschichte in der ersten Hälfte der Sechziger entstanden ist.

Entstanden ist ein Kinderfilm mit Javier Bardem, der hier, enorm spielfreudig und gut aufgelegt, den schmierigen, aber auch charmanten und sehr lebensbejahenden Zauberer Valenti spielt.

Für Kinder ist das sicher vergnüglich. Für Ältere fehlt dann doch die zweite und dritte Ebene, die es bei Pixar-Filmen gibt.

Lyle – Mein Freund, das Krokodil (Lyle, Lyle, Crocodile, USA 2022)

Regie: Will Speck, Josh Gordon

Drehbuch: Will Davies

LV: Bernard Waber: The House on East 88th Street, 1962; Lyle, Lyle, Crocodile, 1965

mit Javier Bardem, Constance Wu, Winslow Fegley, Scoot McNairy, Brett Gelman, Shawn Mendes (im Original: Stimme von Lyle)

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lyle – Mein Freund, das Krokodil“

Metacritic über „Lyle – Mein Freund, das Krokodil“

Rotten Tomatoes über „Lyle – Mein Freund, das Krokodil“

Wikipedia über „Lyle – Mein Freund, das Krokodil“

Meine Besprechung von Josh Gordon/Will Specks „Office Christmas Party“ (Office Christmas Party, USA 2016)


TV-Tipp für den 23. Oktober: Das Geld

Oktober 22, 2022

Arte, 00.40

Das Geld (L’Argent, Frankreich 1928)

Regie: Marcel L’Herbier

Drehbuch: Arthur Bernède, Marcel L’Herbier

LV: Émile Zola: L’Argent, 1891 (Das Geld)

Um dem Ruin zu entgehen, verbreitet der halbseidene Spekulant Nicolas Saccard Falschmeldungen über seine Investitionen. Seine Aktien steigen. Aber das Spiel kann nicht ewig gut gehen.

Stummfilm, der ursprünglich zweihundert Minuten lang war. Arte zeigt eine knapp hundertfünfzigminütige Fassung. Heute zählt L’Herbiers Zola-Verfilmung zu den Klassikern des Stummfilms. Und die Story ist heute immer noch aktuell.

mit Pierre Alcover, Marie Glory, Brigitte Helm, Yvette Guilbert, Henry Victor, Alfred Abel, Pierre Juvenet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Geld“

Wikipedia über „Das Geld“ (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ach du Scheiße!“ Ich stecke im Dixi-Klo fest und werde bald ermordet

Oktober 22, 2022

Der Film beginnt mit einer langen Szene, in der Micaela Schäfer lässig ihren wohlproportionierten Oberkörper von links nach rechts schwenkt. Zuerst bekleidet, später nackt. Dazu singt die Münchner Freiheit „Ohne dich“. Je länger ich mir auf der großen Kinoleinwand (und ich rede hier von einer wirklich großen Kinoleinwand) ihren sanft wippenden Busen ansah, desto überzeugter war ich, dass „Ach du Scheiße!“ ein schlechter Film ist. Solche Softporno-Szenen gab es vor Jahren in längst vergessenen nächtlichen TV-Marathons von Sexclips, die von marktscheierischer Werbung für bestimmte „Ruf mich an!“-Telefonnummern unterbrochen wurden.

Heute gibt ein solcher Clip nur noch einen unübersehbaren Hinweis auf das angepeilte Nieau und Publikum.

Danach verbringt der Splatter-Thriller die meiste Zeit mit Frank in einem Dixi-Klo. Der Architekt ist dort eingesperrt. Weil sein rechter Arm von einem Stahlstab durchbohrt ist, kann er sich kaum bewegen. Auf seine Schreie reagiert niemand.

Also versucht Frank sich anderweitig aus dem riesigem Dixi-Klo (sozusagen ein Dixi-XXL) zu befreien. Weil die Plastiktoilette auf einem Grundstück in der bayersichen Provinz liegt, auf dem in wenigen Minuten für einen Bau eine Sprengung erfolgen soll, hat Frank nur wenig Zeit. Trotzdem scheitert er gut neunzig Minuten.

In einigen Rückblenden erfahren wir, wie er in diese missliche Lage geraten ist. Wer auch nur eine Folge einer lauschigen „Verbrechen aus der bayerischen Provinz“-Krimiserien gesehen hat, ahnt schnell, warum Frank sterben soll.

Franks Versuche sich zu befreien scheitern, weil es in dem vor Unlogik strotzendem Drehbuch so steht. So lässt Frank sich immer wieder von Nebensächlichkeiten ablenken. Einige Versuche sind atemberaubend kompliziert ausgedacht und erfordern entsprechend viel Zeit, sie umzusetzen.

Dabei hat Autor und Regisseur Lukas Rinker auch einen Eispickel und ein Smartphone zu Frank ins Dixi-Klo gelegt. Mit dem Eispickel könnte er innerhalb weniger Minuten riesige Löcher in die Wände des Dixi-Klos schlagen.

Mit dem Telefon, das bis kurz vor dem Finale eine einwandfreie Verbindung zum Netz hat, könnte er sofort den Notruf wählen. Stattdessen gibt er zuerst mühsam seine PIN ein und ruft dann, ebenso mühsam, seine Freundin an, die ihm nicht helfen will. Immerhin ruft er danach die Polizei an, die ihm auch nicht helfen will.

Frank verhält sich durchgehend nicht wie ein zielgerichtet um sein Überleben kämpfender Mann, sondern wie ein Trottel, der planlos verschiedene Dinge ausprobiert.

Es gibt natürlich viel Toilettenhumor, etwas schwarzen Humor, viel Scheiße, Dreck, Blut, Splatter und, vor allem gegen Ende, reichlich Overacting mit Dialogen, die sogar für eine Vorabendserie zu schlecht wären.

Immerhin sieht der Film gut aus.

Ach du Scheiße! (Deutschland 2022)

Regie: Lukas Rinker

Drehbuch: Lukas Rinker

mit Thomas Niehaus, Gedeon Burkhard, Olga von Luckwald, Rodney Charles, Friederike Kempter, Micaela Schäfer

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Ach du Scheiße!“

Moviepilot über „Ach du Scheiße!“

 


TV-Tipp für den 22. Oktober: A History of Violence

Oktober 21, 2022

Als Vorbereitung für David Cronenbergs neuen Film „Crimes of the Future“, der am 10. November in Deutschland im Kino anläuft. Ebenfalls mit Viggo Mortensen und eine hundertfünfzigprozentige Rückkehr zu dem Bodyhorror-Cronenberg der Siebziger Jahre.

Tele 5, 23.10

A History of Violence (A History of Violence, USA/Kanada 2005)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: Josh Olson

LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)

Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana. Als zwei Killer sein Restaurant ausrauben wollen, tötet er sie im Affekt. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob habe noch eine Rechnung mit ihm offen.

Ein eiskaltes, klar strukturiertes Noir-Drama von Cronenberg, der hier eine altbekannte Genregeschichte und gleichzeitig viel mehr erzählt.

Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.

Mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A History of Violence“

Wikipedia über „A History of Violence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014) (und die DVD-Kritik)

David Cronenberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Jetzt sorgt „Der Nachname“ für Zoff in der Familie

Oktober 21, 2022

Vor vier Jahren zofften sich in „Der Vorname“ Thomas Böttcher (Florian David Fitz), seine Frau Anna Wittmann (Janina Uhse), Stephan Berger (Christoph Maria Herbst), seine Frau Elisabeth Berger-Böttcher (Caroline Peters), ihr Adoptivbruder René König (Justus von Dohnányi) und ihre Mutter Dorothea Böttcher (Iris Berben). Denn bei einem Abendessen sagte Thomas, dass sie ihren Sohn Adolf nennen werden. Literaturprofessor Stephan Berger fand den Namen wegen Adolf Hitler unerträglich und schon fetzten sie sich an einem langen Abend. Die Vorlage für diesen Familienstreit war ein französisches Boulevardstück. Für diese Verfilmung wurde es auf deutsche Befindlichkeiten umgeschrieben. Die von Sönke Wortmann inszenierte vergnügliche Komödie war mit 1,2 Millionen Zuschauern ein Erfolg in den Kinos.

Eine Fortsetzung war daher fast unvermeidlich. Claudius Pläging schrieb wieder das Drehbuch. Sönke Wortmann übernahm wieder die Regie. Und die Schauspieler des „Vornamens“ sind bei „Der Nachname“ auch alle dabei.

Dieses Mal lädt die Mutter ihre Kinder und ihre Partner nach Lanzarote in ihr Feriendomizil ein. Dort verkündet Dorothea ihnen, dass sie wieder geheiratet hat. Für ihre Kinder bedeutet diese Nachricht mindestens eine doppelte Katastrophe. Denn sie hat den Nachnamen ihres Mannes angenommen. König. Und ihr Mann ist ihr Adoptivsohn René König. Der wird wunderschön verwahrlost und tiefenentspannt von Justus von Dohnányi gespielt.

Die Prämisse für die ganze Aufregung ist ziemlich weit hergeholt. Während das Konfliktpotential eines falsch gewählten Vornamens allseits bekannt und nachvollziehbar ist, ist das bei einem Nachnamen weniger offensichtlich, um nicht zu sagen, nicht vorhanden.

Trotzdem finden Dorotheas Kinder es schlimmer, dass ihre Mutter den Namen ihres neuen Mannes angenommen hat (wie sie es schon bei ihrem vorherigen Mann tat), als dass sie dadurch vielleicht durch die Hintertür enterbt werden. Das wäre immerhin ein handfestes ökonomisches Motiv. Denn René ist jetzt nicht nur ihr Sohn, sondern auch ihr Mann und, so planen Dorothea und René es, der Vater ihrer künftigen Kinder.

Daneben werden noch flugs einige Familiengeheimnisse enttarnt, etwas schmutziger Wäsche gewaschen, über Seitensprünge sinniert und über finanzielle Probleme gesprochen. Thomas und Stephan könnten eine Finanzspritze gut gebrauchen. Nichts davon ist dringlich in diesem Themenhopping unter südlicher Sonne. Es wird auch nichts konsequent zu Ende erzählt. Entsprechend mau fallen die Pointen über verschlossene Zimmer, außereheliche Affären und Keksdosen aus. Und am Ende haben sich alle ganz lieb.

„Der Nachname“ ist eine leidlich amüsante Angelegenheit, die krampfhaft eine schon im ersten Film auserzählte Geschichte weitererzählt.

Der Nachname (Deutschland 2022)

Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Claudius Pläging

mit Iris Berben, Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Janina Uhse, Elena Sancho Pereg

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Der Nachname“

Moviepilot über „Der Nachname“

Wikipedia über „Der Nachname“

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Eingeschlossene Gesellschaft“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 21. Oktober: Die Unbestechlichen

Oktober 20, 2022

Zu Ehren von Sean Connery (er starb am 31. Oktober 2020)

ZDFneo, 22.00

Die Unbestechlichen – The Untouchables (The Untouchables, USA 1987)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Mamet

Grandioser Gangsterfilm über den Kampf von Eliot Ness und seiner unbestechlichen Mitstreiter gegen Al Capone.

„Mit der ihm eigenen formalen Brillanz hat Brian De Palma diesen authentischen Fall inszeniert. Seine Liebe zum Detail, ausgeklügelte Kamerafahrten und Einstellungen, Ennio Morricones emotionaler Soundtrack und die lakonisch-präzise Charakterisierung der Personen machen den Film zu einem Augen- und Ohrenschmaus.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Sean Connery gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.

Mit Kevin Costner, Robert de Niro, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Jack Kehoe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „ Die Unbestechlichen“

Wikipedia über „Die Unbestechlichen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „November“, ein spannender semidokumentarischer Thriller über eine Terroristenjagd

Oktober 20, 2022

Der Film kann als das Gegenstück zu „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ betrachtet werden. In dem Drama schildert Kilian Riedhof die Gefühle von Antoine Leiris, dessen Frau im bekannten Pariser Club Bataclan während eines Konzerts der Eagles of Death Metal erschossen wird und ihn als Witwer mit einem zweijährigem Sohn zurücklässt. Der eindrucksvolle Film, der sich ausschließlich auf Leiris und sein näheres Umfeld konzentriert, läuft am 10. November an.

Auch „November“ beginnt mit dem Anschlag auf das Bataclan und den Anschlägen, die schon kurz vorher in Paris geschahen. Sie versetzen die Polizei in die höchste Alarmstufe. Die islamistischen Terroristen, Anhänger des Islamischen Staat (IS), ermorden 130 Menschen. Außerdem verletzten sie 683 Menschen, davon fast hundert schwer.

November“ schildert quasi-dokumentarisch die Jagd der Anti-Terror-Einheit SDAT nach den Tätern. Dabei konzentrieren sich im Film ihre Ermittlungen auf zwei Männer. Cédric Jimenez („Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“) und Co-Drehbuchautor Oliver Demangel („Baron Noir“) halten sich dabei, auf den ersten Blick, an die Fakten. Denn alle SDAT-Ermittler sind fiktive Figuren, die in einem unbekanntem Umfang auf realen SDAT-Ermittlern basieren. Der Name der für die Ermittlungen wichtigen Zeugin wurde geändert. Die Namen der Täter wurden nicht geändert.

Drehbuchautor Demangel und später Regisseur Jimenez unterhielten sich mit den Ermittlern und die Geschichte dürfte ziemlich genau den Fakten bzw. der von den Ermittlern abgesegneten Version entsprechen. Die Perspektive der Täter und der Opfer spielt in „November“ keine Rolle. Die Reaktion des Staates und der französischen Gesellschaft spielt ebenfalls keine Rolle. Es wird auch nie nach Gründen für die Anschläge gefragt. Die Anschläge sind in dem Thriller einfach das Ereignis, das für die Ermittler den Beginn der Arbeit bedeutet. Und die besteht darin, die Täter zu schnappen.

Der so entstandene, mit fiebriger Energie erzählte Film bleibt immer bei den Ermittlern und wie sie innerhalb von fünf Tagen den Drahtzieher der Anschläge finden. Am 18. November 2015 wollen sie Abdelhamid Abaaoud und weitere Personen in Saint-Denis, einer Banlieue-Stadt nordlich von Paris, während einer Anti-Terror-Razzia verhaften. Daraus entwickelt sich – und das ist der Höhepunkt des Films – ein siebenstündiges Feuergefecht, bei dem Chakib Akrouh durch die Zündung seiner Sprengstoffweste sich und alle im Haus befindenden Menschen tötet.

Das ist enorm spannend erzählt. Und in einigen Momenten fast schon seltsam pädagogisch. Denn so gesetztestreu erleben wir französische Polizisten sonst kaum in Filmen.

November (Novembre, Frankreich 2022)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Cédric Jimenez, Olivier Demangel

mit Jean Dujardin, Anaïs Demoustier, Sandrine Kiberlain, Jérémie Renier, Lyna Khoudr, Cedric Khan

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „November“

AlloCiné über „November“

Rotten Tomatoes über „November“

Wikipedia über „November“ (deutsch,französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez‘ „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)


TV-Tipp für den 20. Oktober: Nach einer wahren Geschichte

Oktober 19, 2022

Servus TV, 21.55

Nach einer wahren Geschichte (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Olivier Assayas, Roman Polanski

LV: Delphine de Vigan: D’après une histoire vraie, 2015 (Nach einer wahren Geschichte)

Bestsellerautorin Delphine Dayrieux leidet an einer Schreibblockade. Während einer Signierstunde trifft sie auf Elle, eine Ghostwriterin, und glaubt in ihr eine verwandte Seele gefunden zu haben. Beide Frauen befreunden sich, Delphine wird zunehmend abhängig von Elle und wir halten das schon während ihrer ersten Begegnung für keine gute Idee.

TV-Premiere (erstaunlicherweise erst jetzt). Langsam erzähltes, komplexes Kammerspiel, das sich ausschließlich auf Delphine und Elle konzentriert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Emmanuelle Seigner, Eva Green, Vincent Perez, Josée Dayan, Camille Chamoux, Brigitte Roüan, Dominique Pinon

Wiederholung: Freitag, 21. Oktober, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Nach einer wahren Geschichte“

Metacritic über „Nach einer wahren Geschichte“

Rotten Tomatoes über „Nach einer wahren Geschichte“

AlloCiné über „Nach einer wahren Geschichte“

Wikipedia über „Nach einer wahren Geschichte“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)


TV-Tipp für den 19. Oktober: Monsieur Killerstyle

Oktober 18, 2022

Arte, 22.55

Monsieur Killerstyle (Le daim, Frankreich 2019)

Regie: Quentin Dupieux

Drehbuch: Quentin Dupieux

Georges kauft sich mit seinem letzten Geld eine Designer-Hirschlederjacke. Mit der Jacke und einem Camcorder fährt er in die französische Provinz. Dort behauptet er, ein Regisseur zu sein. Seine Fake-Dreharbeiten laufen schnell aus dem Ruder.

TV-Premiere. Gewohnt schwarzhumorige und surrealistische Komödie von Quentin Dupieux.

mit Jean Dujardin, Adèle Haenel, Albert Delpy, Coralie Russier, Laurent Nicolas

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Monsieur Killerstyle“

Wikipedia über „Monsieur Killerstyle“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Wrong“ (Wrong, Frankreich/USA 2012)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Wrong Cops – Von Bullen und Biestern“ (Wrong Cops, Frankreich/USA/Russland 2013)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Die Wache“ (Au poste!, Frankreich 2018)


Cover der Woche

Oktober 18, 2022


Heute in Berlin: Berna González Harbour stellt ihren Kriminalroman „Goyas Ungeheuer“ vor

Oktober 18, 2022

Für Kurzentschlossene, die nicht nach Frankfurt zu Buchmesse fahren wollen: Heute Abend liest Berna González Harbour um 19:00 Uhr im Instituto Cervantes Berlin (Rosenstraße 18, 10178 Berlin) aus ihrem Kriminalroman „Goyas Ungeheuer“. Sonja Hartl moderiert, Sarah Alles liest die deutschen Lesestellen und der Eintritt ist frei.

Goyas Ungeheuer“ ist der vierte Roman mit Comisaria Maria Ruiz und der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Und das ist ein Problem. Denn Harbour hält sich nicht damit auf, ihre Hauptfiguren vorzustellen oder zu erklären, warum Ruiz gerade suspendiert ist. Entsprechend schwierig ist es, einen Überblick über sie zu erhalten. Auch Harbours umständlicher Schreibstil hat mich nicht angesprochen.

Als eine hübsch drapierte Leiche an einer der Stauanlagen des Manzanares gefunden wird, beginnt Ruiz gleich zu ermitteln, weil literarische Ermittler das immer so tun. Untersützt wird sie von alten und neuen Freunden. Dabei vermutet sie, wie der Titel andeutet, einen Zusammenhang mit den Werken von Francisco de Goya.

Der Kriminalroman wurde 2020 mit dem Premio Hammett ausgezeichnet. Er wird jedes Jahr von der Asociación Internacional de Escritores Policíacos (AIEP), der internationalen Vereinigung der Kriminalschriftsteller, für den besten spanischsprachigen Kriminalroman verliehen.

Berna González Harbour: Goyas Ungeheuer

(übersetzt von Maike Hopp)

Pendragon, 2022

472 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

El sueño de la razón

Editorial Planeta, S. A., 2019

Hinweise

Wikipedia über Berna González Harbour (deutsch, spanisch)


TV-Tipp für den 18. Oktober: James Bond 007: Skyfall

Oktober 17, 2022

Nitro, 20.15

James Bond 007 – Skyfall (Skyfall, Großbritannien/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

James Bond jagt Raoul Silva, der zuerst die Datei mit den Identitäten von allen Geheimagenten, die undercover in Terroristennetzwerken arbeiten, entwendet und dann den gesamten britischen Geheimdienst ins Nirvana schicken will, weil M(ama) nicht nett zu ihm war.

Insgesamt ein sehr erfreulicher James-Bond-Film, in dem wir letztendlich mehr über Bond erfahren, als wir jemals wissen wollten – und den ich zum Kinostart ausführlich besprochen habe.

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney, Rory Kinnear, Ola Rapace

Hinweise

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „1917“ (1917, USA 2019)