Birds of Passage – Das grüne Gold von Wayuu (Pájaros de Verano, Kolumbien/Dänemark/Mexiko 2018)
Regie: Ciro Guerra, Cristina Gallego
Drehbuch: Maria Camila Arias, Jacques Toulemonde (nach einer Geschichte von Cristina Gallego)
Bildgewaltiges Drogendrama, das die Anfänge des kolumbianischen Drogenhandels, beginnend in den späten Sechzigern, erzählt. „Birds of Passage“ bedient dabei selbstverständlich Genrekonventionen. Mit seinen ethnographischen Blick eröffnet er gleichzeitig eine vollkommen neue Perspektive. Er zeigt nämlich, wie sehr Traditionen unser Leben bestimmen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Wayuus hatten und wie sich das Leben eines abgeschieden lebenden Volkes durch den Drogenhandel verändert.
Ein einfacher Film ist „Doch das Böse gibt es nicht“ nicht. Schließlich gewann Mohammmed Rasoulofs Film 2020 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Und Berlinale-Gewinner sind normalerweise keine vergnüglichen Feelgood-Filme, sondern Arthaus-Kino. Wegen der Coronavirus-Pandemie kommt der Film erst jetzt in unsere Kinos.
Außerdem ist das Werk hundertfünfzig Minuten lang.
Dafür gibt es vier Geschichten, die aus dem Leben im heutigen Iran erzählen. Es sind thematisch miteinander verbundene Kurzgeschichten, die erst durch ihr Ende ihre Bedeutung gewinnen. Immer geht es um das Leben und Überleben in einer Diktatur. Immer geht es um die Todesstrafe und die Frage, ob man mit den Machthabern zusammenarbeiten soll oder welche Kosten man für die Weigerung einer Zusammenarbeit auf sich nehmen muss. Immer stehen ganz gewöhnliche Männer im Mittelpunkt, die manchmal schon vor langer Zeit eine Entscheidung getroffen hatten. Weil die Schlusspointen der Geschichten nicht verraten werden sollen, ist es schwierig über die vier Geschichten zu reden.
So geht es um einen ganz normalen, verheirateten Mann, der nachts arbeitet. Was er tut, erfahren wir erst in der letzten Minute. Bis dahin beobachten wir ihn mit seiner Familie, seinen Nachbarn und seinen Bekannten. Es ist ein ganz gewöhnliches Leben, das sich nicht von dem Leben von tausenden anderer Angestellter und Arbeiter im Iran und in anderen Ländern unterscheidet.
In einer anderen Geschichte will ein Soldat, der eine bestimmte Tätigkeit nicht übernehmen möchte, will aus dem Gefängnis ausbrechen.
In der vorletzten Geschichte will ein anderer Soldat um die Hand seiner Freundin anhalten. Vor seiner Ankunft wurde ein älterer Freund seiner zukünftigen Frau getötet.
In der vierten Geschichte geht es um eine junge Frau, die in den Iran zurückkehrt, um einen älteren Mann zu besuchen. Zwischen beiden herrscht eine große Sprachlosigkeit.
Mohammed Rasoulof drehte den Film unter schwierigen Bedingungen. Für seine sieben Spielfilme, die seit 2002 entstanden, erhielt er zahlreiche Preise. Aber seit fünfzehn Jahren steht er im Fokus der iranischen Zensurbehörden. Sie verbietet eine öffentliche Aufführung seiner Filme: Auch Dreharbeiten gestalten sich für Rasoulof schwierig. Für „Doch das Böse gibt es nicht“ beantragte er deshalb keine Drehgenehmigung. Stattdessen meldete er vier Kurzfilme an, die von verschiedenen, nicht existierenden Regisseuren inszeniert werden sollten. An den Dreharbeiten nahm er teilweise verkleidet, teilweise überhaupt nicht teil . So übernahm am Teheraner Flughafen die Regieassistenz die Regie.
Er inszenierte die Geschichten vor allem als geduldiger, sich jeder Bewertung enthaltenden Beobachter seiner Figuren. Sie verrichten alltäglliche Tätigkeiten. Sie schweigen. Teilweise weil sie nicht darüber reden wollen, teilweise weil sie nicht darüber reden müssen. Damit überlässt Rasoulof es dem Zuschauer, seine Schlüsse aus dem Gezeigten zu ziehen. Gleichzeitig wirkt der gesamte Film etwas zäh.
Das liegt auch daran, dass die vier Geschichten nicht miteinander zusammenhängen oder aufeinander aufbauen. Sie könnten auch in irgendeiner anderen Reihenfolge gezeigt werden.
Doch das Böse gibt es nicht (Sheytan vojud nadarad/There is no Evil, Deutschland/Tschechische Republik/Iran 2020)
Regie: Mohammad Rasoulof
Drehbuch: Mohammad Rasoulof
mit Ehsan Mirhosseini, Shaghayegh Shourian, Kaveh Ahangar, Alireza Zareparast, Salar Khamseh, Darya Moghbeli, Mahtab Servati, Mohammad Valizadegan, Mohammad Seddighimehr, Jila Shahi, Baran Rasoulof
Cassie sitzt in einer Bar. Vollbusig, etwas nuttig, reichlich naiv und vollkommen zugedröhnt. Für Männer ist sie ein leichtes Opfer. Bis einer der zahlreichen männlichen, anzugtragenden Kunden, ganz hiflsbereiter Charmeur der alten Schule, anbietet, sie nach Hause zu bringen. Bei einem Abstecher in seine Wohnung möchte er für diese Gefälligkeit mit etwas Sex bezahlt werden. Aber Cassie möchte das nicht. Sie ist auch nicht zugedröhnt, sondern stocknüchtern.
Was danach geschieht, erfahren wir nicht.
Aber im nächsten Moment stolpert Cassie über die Straße. Ihre Kleider sind derangiert, aber sie wirkt, als sei sie sehr zufrieden mit dem Verlauf der letzten Nacht.
In den nächsten Nächten wiederholt sich das Spiel. Immer mit einem anderen Zufallsbekanntschaft. Und immer mit einem weiteren Strich in ihrem Notizbuch.
Warum die intelligente Dreißigjährige, die ihr Medizinstudium zugunsten eines Aushiflsjobs in einem Café abbrach und die noch immer in ihrem Kinderzimmer wohnt, das tut, bleibt lange rätselhaft in Emerald Fennells Regiedebüt „Promising Young Woman“, für das sie auch das Drehbuch schrieb. Fennell spielt in „The Crown“ Camilla Shand/Camilla Parker Bowles. Außerdem war sie Showrunner für die zweite Staffel von „Killing Eve“. Sie schrieb auch fast alle Drehbücher. Und sie veröffentlichte einige Kinderbücher und einen Horrorroman. Für „Promising Young Woman“ erhielt sie den Drehbuchoscar. Außerdem war sie für die beste Regie und der Film als bester Film nominiert. Laut IMDB gewann „Promising Young Woman“ 109 Preise und wurde für 169 weitere Preise nominiert.
Das ist dann doch ein etwas zu großer Preisregen für eine kleinen, fiesen B-Rachethriller, der, nachdem Cassies Motiv bekannt ist, doch sehr in den üblichen Bahnen eines Rachethrillers verläuft. Das geschieht ziemlich spät im Film und soll deshalb hier nicht verraten werden.
Die erste Hälfte, in der Cassie in Bars als scheinbares Opfer Männer abschleppt und ihnen, ähm, eine Lektion erteilt, dockt gelungen an die Sehgewohnheiten und Erwartungen an. Damit ist dieser Teil auch ein Kommentar zur #MeToo-Debatte mit dem eindeutigen, immer noch aktuellem Hinweis, dass ein „Nein“ ein „Nein“ ist und dass das keine Einladung zu einer Vergewaltigung ist. Was Cassie mit ihren Opfern anstellt, erfahren wir auch später. Und auch das soll hier nicht gespoilert werden.
Ein Problem des Films ist, das kann gesagt werden, dass die beiden Hälften nicht wirklich zusammen passen. Denn Cassies Aktionen in der ersten Hälfte bringen sie nicht näher an ihr Ziel.
Aber der Rachethriller ist so gut gespielt und so schwarzhumorig auf den Punkt inszeniert, dass man gefesselt zusieht. Auch weil Fennell immer mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des genrekundigen Publikums spielt.
So ist „Promising Young Woman“ ein überzeugendes, zum Nachdenken anregendes Regiedebüt, ein feministisch gefärbter Noir und ein fieser kleiner Rachethriller, in dem Carey Mulligan sich als Cassie austoben kann.
Das ist nicht neu, aber aus einem erfrischend anderem Blickwinkel präsentiert. Denn normalerweise werden solche Genrefilme von Männern gedreht.
Für Noir-Fans ist „Promising Young Woman“ also ein Pflichttermin.
Promising Young Woman (Promising Young Woman, USA 2020)
Regie: Emerald Fennell
Drehbuch: Emerald Fennell
mit Carey Mulligan, Laverne Cox, Bo Burnham, Alison Brie, Connie Britton, Jennifer Coolidge, Max Greenfield, Christopher Mintz-Plasse, Chris Lowell, Sam Richardson, Molly Shannon, Clancy Brown, Adam Brody, Alfred Molina
In drei ineinander verschachtelten Geschichten erzählt Christopher Nolan die legendäre, 1940 einen Nationalmythos begründende Rettung der britischen Soldaten an der französischen Nordseestadt Dünkirchen nach.
mit Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy
(Mein Tipp: Fabian oder Der Gang vor die Hunde; Ich bin dein Mensch fand ich auch gelungen. Die anderen Filme – ach schweigen wir darüber, bis sie im Kino anlaufen)
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Bester Dokumentarfilm
Herr Bachmann und seine Klasse (Kinostart demnächst)
Das was Hasbro mit den „Transformers“-Filmen gelang, will der Spielwarenfirma mit ihren „G.I. Joe“-Figuren nicht gelingen: nämlich aus sich erfolgreich verkaufendem Spielzeug ein erfolgreiches Kinofranchise zu kreieren, das sie noch reicher macht. Bei „Transformers“ gelang das dank des exzessiven Bombasts von Regisseur Michael Bay, leinwandsprengender Action, knapp bekleideten Frauen mit „Playboy“-Idealmaßen und Autos, die sich regelmäßig in riesige Roboter transformieren und demolieren. Das war idiotisch, aber an der Kinokasse unglaublich erfolgreich.
All das hatten die vorherigen „G.I. Joe“-Filme nicht. Deshalb wird jetzt mit „Snake Eyes: G.I. Joe Origins“ ein Neustart versucht. In Einzelfilmen sollen einzelne „G.I. Joe“-Figuren vorgestellt werden. Später sollen die Filme zu einem „Hasbro Cinematic Universe“ verschmelzen.
Robert Schwentke, ein deutscher Regisseur, der in Hollywood sein Geld mit Filmen wie „R.E.D. – Älter, Härter, Besser“, „R.I.P.D.“, „Die Bestimmung – Insurgent“ und „Die Bestimmung – Allegiant“ verdient, soll den Neustart zum Erfolg führen. Mit Henry Golding wurde ein junger Schauspieler engagiert, der in „Crazy Rich“ (Crazy Rich Asians), „Nur ein kleiner Gefallen“ (A Simple Favor), „Last Christmas“ und „The Gentlemen“ überzeugte. Allgemein werden ihm glänzende Karriereperspektiven attestiert. Er spielt die Hauptrolle: ‚Snake Eyes‘. Und eine Origin-Story hat einen großen Vorteil: es wird sich nur auf eine Figur und ihre Entwicklung konzentriert. Der Rest der Serienmythologie kann getrost ignoriert werden.
Dummerweise haben wir in den letzten Jahren schon so viele Origin-Geschichten gesehen, dass wir die einzelnen Handlungsschritte genau kennen. Außerdem müssen wir nicht von jedem Helden wissen, wie er zum Helden wurde. Schließlich haben wir uns früher auch nicht für die Kindheit und Jugend von James Bond oder Ellen Ripley interessiert.
Snake Eyes hat als Kind beobachtet, wie sein Vater von einem Killerkommando ermordet wurde. Jetzt arbeitet der schweigsame Einzelgänger im Hafen von Los Angeles für den Yakuza-Boss Kenta. Kenta hat ihm versprochen, ihm bei der Suche nach den Mördern seiner Eltern zu helfen. Als er auf Kentas Befehl einen jungen Mann töten soll, rettet er ihn.
Gemeinsam fliehen sie nach Japan. In Tokio wird Snake Eyes von der Familie seines neuen Freundes ‚Storm Shadow‘ Tommy Arashikage empfangen. Seit sechshundert Jahren beschützt der Arashige-Clan Japan seinen Feinden. In ihrem Besitz befindet sich ein unglaublich wertvoller, alter und, in den falschen Händen, unglaublich gefährlicher Gegenstand. Bis jetzt bestand der Clan nur aus Japanern.
Aber die Zeiten ändern sich und Snake Eyes hat bereits gezeigt, dass er ein tapferer Kämpfer ist. Tommy, der designierte Thronfolger, bieten an, ihn als Ninja auszubilden und so zu einem vollwertigen Mitglied der Familie zu machen.
Während er die verschiedenen Stufen seiner selbstverständlich anstrengenden Ausbildung absolviert, ist er hin und her gerissen zwischen seiner Loyalität zu Kenta und zu Tommy. Denn der Arashikage-Clan sei, so sagt ihm Kenta, verantwortlich für den Tod seiner Eltern. Aber kann er ihm vertrauen?
Und der Arashikage-Clan fragt sich, ob sie dem undurchschaubarem Fremden vertrauen können.
Das ganze ist reichlich lustlos und, sowohl für „G.I. Joe“- Novizen als auch für „G.I. Joe“-Fans, die die „G.I. Joe“-Mythologie kennen, unnötig kompliziert erzählt. So schwankt Snake Eyes, gefühlt im Minutentakt, immer wieder zwischen seiner Loyalität zu Kenta und seiner Freundschaft zu Tommy hin und her, ohne dass die Geschichte an Tiefe gewinnt. Es sorgt nur für überflüssige Verwirrung in einer letztendlich einfachen Kinderwelt, in der Gut und Böse sauber getrennt sind. Ein Interesse an den Figuren und ihren Motiven kommt in diesem Wust von Verrat und Gegenverrat, in dem „Cobra“ mal zu den Guten, mal zu den Bösen gehören soll, nicht aufkommen. Und zwar sowohl bei denen, die die „G.I. Joe“-Welt kennen (und daher wissen, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört), als auch bei den Novizen, die zunächst ratlos, später desinteressiert verfolgen, wie Loyalitäten ständig wechseln und willkürlich auftauchende, für spätere Filme möglicherweise wichtig werdende Figuren, die sich mal mehr, mal weniger skrupellos zwischen den verfeindeten Seiten bewegen. Das soll Tiefe und Komplexität vortäuschen. Es ist aber nur eine hoffnungslos verwirrend erzählte Geschichte, bei der die Macher selbst den Überblick verloren haben.
Die Action, die davon ablenken könnte, ist meistens verwirrend, hektisch geschnitten und spielt im Dunkeln. So kann geschummelt werden, wenn es um die kämpferischen Fähigkeiten der einzelnen, schwarz gekleideten Schauspieler geht.
„Snake Eyes“ ist sicher besser als die vorherigen „G.I. Joe“-Filme. Trotzdem ist der kindgerecht-unblutige Actionfilm kein glorioser Auftakt für eine neue Kinoserie, wie es „Iron Man“ für das Marvel Cinematic Universe war, sondern die aktuelle Version von „Die Mumie“, dem vergurkten Auftakt des Dark Universe; einer geplanten Reihe von Neuverfilmungen von Universal-Horrorfilmklassikern, die nie über den ersten Film hinausgekommen ist.
Snake Eye: G.I. Joe Origins (Snake Eyes: G.I. Joe Origins, USA 2021)
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos, Joe Shrapnel, Anna Waterhouse (nach einer Geschichte von Evan Spiliotopoulos)
mit Henry Golding, Andrew Koji, Úrsula Corberó, Samara Weaving, Samuel Finzi, Haruka Abe, Takehiro Hira, Peter Mensah, Iko Uwais, Eri Ishida
Vor zwei Jahren wurden Zoey (Taylor Russell), Ben (Logan Miller) und vier weitere Menschen in ein aus mehreren extravaganten Räumen bestehendes „Escape Room“-Spiel gesperrt und in ein perfides Spiel gezwungen. Sie mussten, immer im Rennen gegen die Zeit, Rätsel lösen und tödlichen Fallen entgehen. Die meisten von ihnen starben dabei, weil das genau das von dem Spielmacher erwünschte Ergebnis war. Allen Spielern beim Sterben zusehen.
Aber Zoey und Ben überlebten. Sie haben immer noch Alpträume von dem Spiel. Zoey ist in Therapie. Außerdem sucht sie nach Hinweisen, die sie zu den Organisatoren des Spiels, der anscheinend allmächtigen Minos Corporation, führen können. Jetzt hat sie eine Spur, die sie nach New York zu einem verlassenem Lagerhaus führt.
Als Zoey und Ben am helllichten Tag in der Nähe des Gebäudes in eine U-Bahn einsteigen, sind sie wieder in einem Escape-Room-Spiel. Denn der U-Bahn-Wagen koppelt sich von der restlichen U-Bahn ab, fährt einen anderen Weg und wird zur tödlichen Falle für die sechs in ihm sitzenden Passagiere.
Die vier anderen Passagiere sind, wie sie schnell feststellen, ebenfalls Überlebende von Escape-Room-Spielen der Minos Corporation (gut, das macht jetzt nur eingeschränkt Sinn) und die Minos Corporation hat es irgendwie geschafft, sie alle zufällig zur gleichen Zeit in diesen U-Bahn-Wagen zu bringen. Zum Glück erfahren wir nicht, aufgrund welcher Zufälle die anderen Mitspieler und nur die anderen Mitspieler den Wagen betreten haben. Denn, seien wir ehrlich, es hätte hunderttausend einfachere Wege gegeben, sie an einen Ort zu bringen oder, wenn es denn unbedingt ein Schienenfahrzeug sein muss, sie in das gleiche Abteil zu bringen als eine Verkettung von Zufällen, die auf Zufällen aufbauen.
In dem Wagen beginnt dann der US-titelgebende ‚Wettkampf der Champions‘.
Auf die restliche Handlung hat ihre vorherige Spielerfahrung wenig Einfluss. Schnell, eigentlich sofort, wird Zoey als die beste Spielerin akzeptiert; – auch weil die anderen nicht gerade wahnsinnig brillant sind.
Von dem U-Bahn-Wagen, der mittels Elektrizität zur tödlichen Falle wird, geht es einige Etagen tiefer in eine riesige Art-Deco-Bankhalle, in der es ein Sicherheitssystem mit tödlichen Laserstrahlen gibt, einen ebenso tödlichen Strand, eine im verregneten „Blade Runner“-Stil nachgestellten Straßenszene und in ein Kinderzimmer.
Durch diese Horrorkammern hetzten die sechs, fünf, vier, drei, zwei Spieler. Als eigenständige Charaktere bleiben sie durchgehend blass. Das liegt einerseits an der Struktur des Spiels, in dem jeder jederzeit sterben kann. Da möchte man keine Lieblingsfigur auswählen, die dann in einigen Minuten tot ist. Andererseits, und das ist der wichtigere Grund, haben die Macher des Films sich nicht bemüht, den einzelnen Figuren eine Geschichte und für das Spiel wichtige Konflikte mitzugeben. Sie sind einfach nur austauschbare Spielfiguren in einem perfiden Spiel.
Das Ende ist, ähm, merkwürdig, überzeugt noch weniger als das Ende des ersten Films, ist kaum bis überhaupt nicht mit dem vorher gezeigten vereinbar und noch bescheuerter als die Idee, sechs Spieler in einen U-Bahn-Wagen zu bringen.
Aber auch bis dahin kümmerten die Macher sich nicht groß um erzählerische Stringenz und starres Befolgen der von ihnen aufgestellten Regeln. Da wurde mal gestorben, mal nicht, halt so, wie es gerade passte in dieser Geisterbahn der schrecklichen Räume.
Über die Hintergründe, also wer warum diese Escape Rooms unbehellligt organisiert, erfahren wir nichts bzw. noch weniger als im ersten Teil. Aber vielleicht im dritten Teil.
Escpae Room 2: No way out (Escape Room: Tournament of Champions, USA 2021)
Regie: Adam Robitel
Drehbuch: Will Honley, Maria Melnik, Daniel Tuch, Oren Uziel (nach einer Geschcihte von Christine Lavaf und Fritz Bohm)
mit Taylor Russell, Logan Miller, Indya Moore, Holland Roden, Thomas Cocquerel, Carlito Olivero, Deborah Ann Woll
Zeugin der Anklage(The Witness for the Prosecution, Großbritannien 2016)
Regie: Julian Jarrold
Drehbuch: Sarah Phelps
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1925 (Kurzgeschichte, erschien ursprünglich als „Traitor’s Hands“ in Flynn’s, 31. Januar 1925, später unter dem heute bekannten Titel in der Kurzgeschichtensammlung „The Hound of Death and Other Stories, 1933; deutscher Titel: Zeugin der Anklage)
London, in den Zwanzigern: Kriegsheimkehrer Leonard Vole soll die vermögende Witwe Emily French ermordet haben. Er beteuert seine Unschuld. Trotzdem droht ihm die Todesstrafe. Vor allem nachdem seine Frau zur ‚Zeugin der Anklage‘ wird.
Die Geschichte kennen wir. Entweder haben wir die Kurzgeschichte gelesen (Falls nicht: Lesebefehl!) oder das Theaterstück gesehen oder Billy Wilders Klassiker „Zeugin der Anklage“ (Witnes for the Prosecution, USA 1957, mit Tyrone Power, Marlene Dietrich und Charles Laughton) gesehen. Das war, neben „Mord im Orient-Express“ (Murder on the Orient Express, Großbritannien 1974), die einzige Verfilmung eines ihrer Werke, die Agatha Christie mochte
Heute wird, als TV-Premiere, die hochgelobte und formidabel besetzte BBC-Neuverfilmung von 2016 präsentiert.
mit Billy Howle, Kim Cattrall, Monica Dolan, Andrea Riseborough, Toby Jones, Robert East, David Haig
Damit hat wahrscheinlich niemand mehr gerechnet. Vierzehn Jahre nach dem Auftakt seiner Tokio-Trilogie, zwölf Jahre nach dem zweiten Band und nachdem er zwei, bislang nicht übersetzte Einzelromane (Keine Kriminalromane!) veröffentlichte, erschien jetzt mit „Tokio, neue Stadt“ der Abschluss seiner Tokio-Trilogie. Die drei Romane sind ein beklemmendes Porträt Tokios und Japans, das sich vor allem auf die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert. In jedem dieser Noirs steht ein wahres Verbrechen im Mittelpunkt. Und jeder dieser Kriminalromane kann für sich allein gelesen werden.
In „Tokio, neue Stadt“ geht es um den Tod von Sadanori Shimoyama. Der Präsident der Nationalen Japanischen Eisenbahngesellschaft verschwindet am 5. Juli 1949. Kurz darauf wird seine Leiche gefunden. Er wurde von einem Zug überfahren. Laut der Obuktion war Shimoyama, als er überfahren wurde, bereits seit längerem tot. Aber er wurde nach seinem Tod von mehreren Menschen noch quicklebendig gesehen.
Bis heute ist der Tod von Shimoyama nicht aufgeklärt.
In seinem Roman stellt David Peace die verschiedenen Theorien vor: Selbstmord, Mord, mal von dieser, mal von jener Gruppe verübt, mal mehr, mal weniger politisch, mal waren die Besatzungsmächte mehr, mal weniger involviert. Beim Vertuschen haben dann alle geholfen.
Peace erzählt die Geschichte in drei Kapiteln. Das erste spielt 1949. Im Zentrum steht der ermittelnde Polizist Harry Sweeney. Er ist der typische Hardboiled-Ermittler in der Fremde. Sweeneys Ermittlungen schildert Peace strikt chronologisch.
Im zweiten, 1964 spielendem Teil, steht der Ex-Polizist und Privatdetektiv Murota Hideki im Mittelpunkt. Er soll, innerhalb weniger Tage, den spurlos verschwundenen Schriftsteller Kuroda Roman finden. Vor seinem Verschwinden schrieb Roman an einem Buch über den Fall Shimoyama.
Während Hideko Roman sucht, erfahren wir in Rückblenden mehr über Romans Roman, sein Leben und seinen Wahn bezüglich dem Fall Shimoyama.
Im dritten, 1988 und 1949 spielendem Teil steht Donald Reichenbach im Mittelpunkt. Reichenbach war 1949 Chief of Station, selbstverständlich Geheimdienstler und in den Fall Shimoyama verwickelt.
Dieser auf mehreren Zeit- und Bewusstseinsebenen spielende, munter collagierte Teil ist dann am nächsten an dem David Peace, den wir aus seinen früheren Romanen kennen. In „Tokio, neue Stadt“ wird die Noir-Geschichte, beginnend mit einem fast schon konventionellem Hardboiled-Auftakt zunehmend wahnsinnig, weil ihre verschiedenen Hauptfiguren den Verstand verlieren.
In dem Moment wird auch die politische Dimension des Falles immer offensichtlicher. Denn die westlichen und östlichen Geheimdienste suchten nach einer Möglichkeit, wie sie von Shimoyamas Tod profitieren könnten. Vierzig Jahre später sind ihre damaligen Irrtümer und die Folgen ihrer Taten offensichtlich. Wer Shimoyama getötet hat, ist dagegen weiterhin rätselhaft. Dafür interessiert Peace sich nicht. Ihm geht es nämlich nicht um ein Mördersuchspiel oder das Aufdecken eines Komplotts, sondern um ein Stimmungsbild.
Wer also nur einen konventionellen Kriminalroman lesen möchte, sollte „Tokio, neue Stadt“ besser nicht lesen. Es ist zwar, vor allem in der ersten Hälfte, konventioneller und sprachlich ruhiger als David Peaces vorherige Romane, die sich teilweise wie ein stundenlanger Maschinengewehr-Rap lesen (das wird besonders deutlich, wenn David Peace seine Romane vorliest). Aber der fulminante Abschluss seiner Tokio-Trilogie ist immer noch meilenweit von einem konventionellem Kriminalroman entfernt. Wer es gerne etwas literarischer hat, sollte hier zugreifen – und dann mit seinen anderen Romanen fortfahren.
Eine TV-Premiere, eine Polizeistation, ein Verhör, ein seltsamer Polizist, ein sich in Widersprüche verwickelnder Verdächtiger, ein Film von Quentin Dupieux. Ein Vergnügen für die Freunde des abseitigen Humors.
mit Benoît Poelvoorde, Grégoire Ludig, Marc Fraize, Anais Demoustier, Orelsan, Philippe Duquesne, Jacky Lambert, Jeanne Rosa, Vicnent Grass, July Messéan
Tatort: Kressin und der tote Mann im Fleet(Deutschland 1971)
Regie: Peter Beauvais
Drehbuch: Wolfgang Menge
Im Sommer werden ab und an, meistens zu mitternächtlicher Stunde, alte „Tatorte“ gezeigt. Heute gibt es den dritten „Tatort“. In ihm ermittelt Zollfahnder Kressin in Hamburg. Denn dort wurde der Reiseleier einer Kreuzfahrt, an der Kressin teilgenommen hatte, ermordet und ins Wasser geworfen.
Hach, war der Kressin ein fescher Bursche. Die Dienstregeln legte er locker aus, die Bösewichter verkloppte er und bei den Frauen hatte er einen Schlag.
Mit Sieghardt Rupp, Hermann Lenschau, Sabine Sinjen, Eva Renzi, Siegfried Flemm, Günter Heising, Ivan Desny, Edgar Hoppe, Walter Richter (als Gastkommissar Trimmel)
Karin Vergerus beginnt eine Affäre mit dem Archäologen David Kovac. Dummerweise erfährt ihr Mann davon.
Extrem selten gezeigter, ziemlich unbekannter Film von Ingmar Bergman. Sein erster englischsprachiger Film ist keiner seiner allgemein anerkannten Klassiker, aber mit gut fünfzig Jahren Abstand sicher ein interessanter Blick in die damaligen gesellschaftlichen Konventionen und dem Versuch einer bürgerlichen Frau, sich aus ihnen zu befreien..
„Ein auffallend glatt und sehr konventionell inszenierter Film.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Elliott Gould, Bibi Andersson, Max von Sydow, Sheila Reid
auch bekannt als „Die Berührung“ (DDR-Titel) und „The Touch“
Le Mans 66: Gegen jede Chance (Ford v Ferrari, USA 2019)
Regie: James Mangold
Drehbuch: Jez Butterworth, John-Henry Butterworth, Jason Keller
In den frühen sechziger Jahren hatte Ferrari mit seinen Siegen bei Autorennen ein cooles Image. Der langweilige Familienkutschenhersteller Ford wollte von diesem Image profitieren. Aber Ferrari wehrte sich erfolgreich gegen die Firmenübernahme. Also engagierte Henry Ford II den Ex-Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon). Er sollte in kürzester Zeit einen Ford-Rennwagen entwickeln, der bei dem prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen von Le Mans Ferrari schlägt. Shelby engagiert dafür Ken Miles (Christian Bale), einen nicht teamfähigen, genialen Tüflter, Autonarr und Rennfahrer. Gemeinsam könnte ihnen das Unmögliche gelingen.
TV-Premiere. Tolles, auf einer wahren Geschichte beruhendes Rennfahrerdrama und ein zukünftiger Klassiker.
mit Colin Farrell, Keira Knightley, David Thewlis, Anna Friel, Ben Chaplin, Ray Winstone, Eddie Marsan, Sanjeev Bhaskar, Stephen Graham, Ophelia Lovibon
Guy (Ryan Reynolds) ist rundum zufrieden mit seinem Leben in Free City. Er hat einen Job in der Bank (die täglich überfallen wird), ist mit dem Wachmann Buddy befreundet, lebt in einem ein Apartment mit einer paradiesischen Aussicht und bekommt jeden Morgen, auf dem Weg zur Arbeit, einen zu heißen Kaffee. Was will man mehr?
Dieses in den immergleichen Bahnen verlaufende Leben endet, als Guy sich in Molotovgirl (Jodie Comer), eine sonnenbebrillte sexy Kampfamazone, verliebt und er eine der Sonnenbrillen aufsetzt, die nur Menschen, wie die Bankräuber, tragen dürfen.
Durch die Brille erfährt Guy, dass er in einem Computerspiel lebt. Durch Molotovgirl erfährt er, dass er ein NSC, ein Nicht-Spieler-Charakter, ist. Er ist also eine Hintergrundfigur, die einfach nur bestimmte Bewegungen ausführen soll und Sätze sagen kann. Er hätte Molotovgirl niemals ansprechen dürfen und können.
Eben diese Anomalie weckt das Interesse von Molotovgirl, die im echten Leben Millie (Jodie Comer) heißt. Sie will Antwan (Taika Waititi) verklagen, weil er ein Computerprogramm von ihr und ihrem Freund Keys (Joe Keery) gestohlen und es in dem brutalen Töten-oder-getötet-werden-Computerspiel „Free City“ verarbeitet hat. Den Beweis für diesen Diebstahl will sie in dem Spiel finden. Guy könnte ihr dabei helfen.
Und schon sind wir in einem munteren Spiel zwischen Realität und virtueller Realität, das im ersten Moment teils an „Die Truman Show“, teils an „Ready Player One“ erinnert und dann doch eine ganz eigene Welt entwirft und eine ganz andere Geschichte erzählt. „Free Guy“-Drehbuchautor Zak Penn schrieb das Drehbuch für „Ready Player One“. Seine Hollywood-Karriere begann mit einem Story-Credit für den Arnold-Schwarzenegger-Film „Last Action Hero“, in dem ein Actionfilmheld in die reale Welt geworfen wird. Danach trieb Penn sich im „X-Men“- und Marvel-Universum herum. Bei „Free Guy“ wurde er für den Feinschliff an Matt Liebermans Drehbuch engagiert.
„Free Guy“-Regisseur Shawn Levy ist vor allem als Komödienregisseur bekannt. Die „Nachts im Museum“-Filme, „Date Night“ und „Prakti.com“ gehören zu seinem Werk, aber auch die Science-Fiction-Vater-Sohn-Geschichte „Real Steel“ und die Tragikomödie „Sieben verdammt lange Tage“.
Seinen neuesten Film inszenierte er souverän und auch in Szenen zwischen den verschiedenen Realitätsebenen wechselnd mit einem spielfreudigen Ensemble. Vor allem Ryan Reynolds als ewig strahlender, optimistischer Sunnyboy Guy, der niemand verletzten oder töten möchte (auch wenn es nur in der Realität des Spiels ist) und Taika Waititi als Over-the-Top-Firmenmogul/Bösewicht fallen auf. Sie sollen für einen Großteil der Lacher sorgen. Jodie Comer überzeugt in ihrer Doppelrolle als Actionheldin Molotovgirl und nerdige Programmiererin Millie.und der damit verbundenen doppelten Liebesgeschichte.
Die Story ist gut entwickelt, ohne die Zuschauer mit zu tiefsinnigen Gedanken zu belästigen. Auch die Anspielungen sind mit einer guten Portion aktuellem popkulturellem Wissen leicht verständlich.
Damit erfüllt „Free Guy“ seine Aufgabe als eskapistischer Sommer-Blockbuster vorzüglich.
Free Guy (Free Guy, USA 2021)
Regie: Shawn Levy
Drehbuch: Matt Lieberman, Zak Penn (nach einer Geschichte von Matt Lieberman)
mit Jodie Comer, Ryan Reynolds, Taika Waititi, Camille Kostek, Aaron W Reed, Channing Tatum, Utkarsh Ambudkar, Joe Keery, Kimberly Howe, Matty Cardarople, Lil Rel Howery, Alex Trebek
Womit kann man seine Eltern provozieren? Die Tochter einer überzeugten Atheistin und Feministin probiert es mit einem hundertfünfzigprozentigem Übertritt zum Islam.
TV-Premiere. Hochgelobte Komödie mit viel schwarzem Humor und Situationskomik, die ich damals im Kino leider verpasste.
mit Caroline Peters, Chantal Zitzenbacher, Simon Schwarz, Emily Cox, Kida Khodr Ramadan
Die jährliche Purge findet nicht nur in den Suburbs und Städten, sondern in den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika statt. Also auch im Hinterland und in Texas, wo der neueste Film der „The Purge“-Reihe spielt.
Die Purge ist eine von den New Founding Fathers of America (NFFA) erfundene Maßnahme zur seelischen Reinigung und Triebabfuhr. In einer Nacht ist jedes Verbrechen erlaubt. Die Nacht entwickelte sich zu einem Silvester des Mordens.
James DeMonaco, Autor, Regisseur und inzwischen auch einer der Produzenten der Serie, hatte diese dystopische Idee. Die Filme waren immer auch ein Mittel für wenig subtile politische Kommentare zur Lage der Nation. Gnadenlos wurde mit dem Gedankengut abgerechnet, das wir inzwischen unter dem Label Trumpismus zusammenfassen können.
Verknüpft wurde dies mit einer ordentlichen Portion hemmungsloser Gewalt.
Im ersten „The Purge“-Film (2013) kämpfte eine Familie in ihrem Vorstadthaus gegen eine Gruppe Eindringlige. Das war, mit Ethan Hawke und Lena Headey in den Hauptrollen, ein klassischer, niedrig budgetierter Home-Invasion-Thriller mit einem für die Story letztendlich vernachlässigbarem politischen Subtext.
Im zweiten und dritten „The Purge“-Film („The Purge: Anarchy“ [2014] und „The Purge: Election Year“ [2015]), beide mit Frank Grillo, ging es dann beide Male, mit vielen Figuren und Handlungssträngen durch die mörderische Großstadtnacht. Die Kritik an der Politik der NFFA wurde deutlicher. Es waren Pamphlete und überspitzte tagespolitische Kommentare
Im vierten „The Purge“-Film („The First Purge“ [2018]) wurde die Geschichte der ersten Purge erzählt und was die Organisatoren taten, um die Menschen zum Ausleben ihrer Triebe zu animieren. Das war vor allem das Brandschatzen und das Ermorden von Schwarzen, Verbrechern (echten und vermeintlichen) und allen, die nicht sofort in das christliche-fundamentallistische Weltbild passten. Denn in der ersten Purge-Nacht wollten die Menschen das noch nicht tun. In diesem Film wurde das zynisch-reaktionär-faschistoide Kalkül der Machthaber deutlich. Und ein lokaler Druglord wurde zum Kümmerer, der die Menschen in seinem Viertel vor den weißen Bösewichtern rettet.
Zwischen diesem vierten und dem jetzt im Kino startenden fünften „The Purge“-Film gab es 2018/2019 auch eine TV-Serie, die es auf zwanzig Folgen brachte.
Dieser fünfte Film war als der letzte Film der Serie angekündigt wurde und er könnte auch der letzte Film der Serie sein, wenn James DeMonaco jetzt nicht schon die Idee für einen sechsten Film gehabt hätte. Er schrieb wieder das Drehbuch. Die Regie bei „The Forever Purge“ übernahm Everardo Valerio Gout. Der Mexikaner inszenierte „Days of Grace“, Musikvideos, Episoden für TV-Serien wie „Banshee“ „Luke Cage“ und „Snowpiercer“ und fast alle Episoden der National-Geographic-Serie „Mars“. Alle Haupt- und Nebenrollen wurden neu besetzt. Damit erzählt „The Forever Purge“, der in den USA ursprünglich im Juli 2020 starten sollte, eine komplett neue Geschichte im „Purge“-Universum.
Dieses Mal spielt die Geschichte in Texas und im Mittelpunkt stehen Adela und Juan. Das Ehepaar musste vor der auch sie unmittelbar bedrohenden Gewalt der Drogenkartelle aus Mexiko in die USA fliehen. Jetzt leben sie als Illegale im Los Feliz Valley. Adela arbeitet in einer Fleischfabrik. Juan ist Pferdeversteher und Rancharbeiter bei den wohlhabenden Tuckers. Die Purge-Nacht verbringen sie mit anderen Mexikanern in einem gut gesicherten Haus.
Im Gegensatz zu den vorherigen Purge-Nächten endet das Morden dieses Mal allerdings nicht mit dem Morgengrauen, sondern eine sich landesweit koordinierte Gruppe von Purgern mordet weiter. Die USA versinken im Chaos.
Einige Purger, die auch aus Angestellten der Tucker-Ranch bestehen, exekutieren das Oberhaupt der Tucker-Familie. Diesen und ihre weiteren Morde ummänteln sie mit etwas Rhetorik gegen die Vermögenden, Stolz auf die amerikanischen Werte und Hass auf Fremde. Bevor sie die weiteren Familienmitglieder ermorden können, werden sie von Juan und seinem Arbeitskollegen T. T. gerettet. Gemeinsam mit den überlebenden Mitglieder der Familie Tucker – Dylan Tucker, ein Redneck mit periodischen liberalen Anwandlungen, seine schwangere Frau Cassie und seine taffe Schwester Harper – flüchten sie vor weiteren Purgern von der Ranch.
In der nahe gelegenen Stadt, die inzwischen einem Kriegsgebiet gleicht, können sie Adela aus einer misslichen Situation befreien.
Gemeinsam machen sie sich auf den Weg Richtung Mexiko. Dort werden sie nicht mehr von den mordgierigen „Forever Purgern“ verfolgt. Falls sie die Grenze lebend erreichen.
Das B-Picture „The Forever Purge“ ist letztendlich ein Neo-Western, der auch wieder an den ersten Film anschließt. Denn wieder geht es nur um eine kleine Gruppe von Menschen, die ums Überleben kämpft. Die politische Kritik ist im Gegensatz zu den vorherigen Filmen fast schon subtil bis kaum vernehmbar. Das liegt daran, dass wir über den kollektiven Aufstand nur aus den Medien erfahren, nicht mehr über Sinn und Unsinn der Purge gesprochen wird und die NFFA kein Gesicht hat. Ein ständiges Thema ist allerdings der Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit (so weigert Dylan Tucker sich, spanisch zu lernen, obwohl er Mexikaner beschäftigt) und das Zusammenleben der Kulturen.
Außerdem zeigen DeMonaco und Gout die Folgen einer von Anfang an menschenverachtenden Idee über die die Initiatoren die Kontrolle verlieren. Die NFFA haben ein Feuer entfacht, dass sie in „The Forever Purge“ nicht mehr löschen können. Der aus Rassisten und White-Supremacy-Anhänger bestehende Mob übernimmt die Herrschaft über die Straße. Das macht den Thriller dann zu einem fast schon natürlichen Schlusspunkt der „The Purge“-Serie.
Und, schließlich sollte er in den USA ursprünglich vor etwas über einem Jahr starten, zu einer eindrücklichen Warnung vor einer zweiten Trump-Amtszeit. Nach der Wahl hat diese Warnung, wie die Bilder vom Sturm des Mobs auf das Kapitol am 6. Januar 2021, die skrupellosen Versuche von Donald Trump und den Republikanern, das Wahlergebnis ungültig zu machen und die aktuelle Entwicklung der Republikaner hin zu einer die Realität verleugnenden, demokratiefeindlichen Sekte zeigen, nichts von ihrer Aktualität verloren. Dieser politische Kommentar mit den Mitteln des Exploitation-Films ist natürlich kein feingeistiger Zeitungskommentar, sondern knalliges Kino.
„The Forever Purge“ ist ein aktuelle politische Diskurse kommentierendes Roadmovie mit viel Action, Blut, Gewalt, einigen, eher wenig überraschenden Wendungen und starken Rollen für Native Americans, Mexikaner und Frauen.
The Forever Purge(The Forever Purge, USA 2021)
Regie: Everardo Valerio Gout
Drehbuch: James DeMonaco
mit Ana de la Reguera, Tenoch Huerta, Josh Lucas, Cassidy Freeman, Leven Rambin, Will Patton, Alejandro Edda, Sammi Rotibi, Zahn McClarnon
Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.
Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.
mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken
In der Einsamkeit der Rocky Mountains verlieben sich 1963, während sie Schafe hüten, die Cowboys Jack Twist und Ennis Del Mar ineinander. Danach schlagen sie getrennte Lebenswege ein, begegnen sich aber immer wieder.
Berührendes, hochgelobtes, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetes Drama von Ang Lee.
mit Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Randy Quaid, Anne Hathaway, Michelle Williams, Valerie Plance, David Harbour