DVD-Kritik: Kann der „Bodyguard“ die Innenminsterin schützen? Und will er das überhaupt?

Februar 24, 2021

„Spannender als die letzten drei Bond-Filme zusammen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung laut dem DVD-Cover über die britische TV-Serie „Bodyguard“.

Mit sechs Stunden ist die Miniserie in jedem Fall kürzer als die letzten drei Bond-Filme.

In der von Jed Mercurio („Line of Duty“) erfundenen Serie geht es um David Budd (Richard Madden), Kriegsveteran mit posttraumatischer Belastungsstörung (nicht behandelt auf eigenen Wunsch) und Personenschützer bei einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Als er seine beiden Kinder zu seiner Frau, von der er getrennt lebt, bringen will, kann er im Zug einen Selbstmordanschlag verhindern. Kurz darauf wird er zum Personenschützer der Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) befördert. Sie ist eine Kriegstreiberin und will ein heftig umstrittenes Überwachungsgesetz durch das Parlament bringen. Außerdem möchte sie in der Partei aufsteigen. Genug Konflikte und, immerhin ist „Bodyguard“ eine Krimiserie, genug potentielle Attentäter und, das kann man angesichts der vielen Frauen, von denen Budd umgeben ist und die ihm teilweise Befehle erteilen können, Attentäterinnen, die Montague umbringen wollen.

Auch Budd ist, jedenfalls in den ersten Episoden, ein möglicher Attentäter. Er macht Politiker wie Montague, die für Kriegseinsätze stimmten, für seine Situation verantwortlich. Er ist auch Mitglied einer losen Veteranengruppe, die ihren Hass auf die Politiker pflegt.

Der Verdacht zerstreut sich, nachdem er ihr das Leben rettet, es Spuren in den Sicherheitsapparat gibt (was natürlich etwas seltsam ist, weil das von ihr protegierte Gesetz der feuchte Traum der Sicherheitsbehörden ist) und er, wie „Bodyguard“ Kevin Costner in dem anderen Film, eine Affäre mit ihr beginnt.

Spätestens in dem Moment ist klar, dass „Bodyguard“, trotz einiger realpolitischer Anspielungen, reinstes Entertainment ist. Wahrscheinlichkeit und Logik werden einfach dem nächsten Anschlag geopfert. Das sorgt durchgehend für abenteuerliche Wendungen und, immer wieder, für vollkommen absurde Szenen. So war schon beim Auftakt, als Budd im Zug die Selbstmordattentäterin zur Aufgabe bewegen kann, die Polizei erstaunlich schießwütig. Budd scheint der einzige Bodyguard der Innenministerin zu sein. Und als Budd später mit einem Sprengstoffgürtel und einem Totmannschalter (also einer Vorrichtung, die die Bombe explodieren lässt, wenn er seinen Finger vom Sprengknopf entfernt) auf Londons Straßen stolpert, ist es ähnlich absurd. Er versichert den herbeigeeilten Polizisten, dass er die Bombe nicht zünden will. Die Mitglieder der Spezialeinheit überlegen nicht, wie sie die Bombe entschärfen könnten, sondern sie überlegen, wie sie ihn erschießen können – und damit die Bombe explodieren lassen. Etwas nachvollziehbarer wird die idiotische Szene, weil Budd in dem Moment schon in Richtung des Sicherheitsapparats ermittelt und der Täter seine Enttarnung verhindern kann, indem er Budd erschießen und ihn so endgültig zum perfekten und von den Bösewichtern schon lange geplanten Sündenbock werden lässt.

So ist „Bodyguard“ eskapistische Thrillerunterhaltung, die mit sechs Stunden etwas lang geraten ist. Gerade in der zweiten Hälfte der ersten Episode und der zweiten Episode plätschert die Geschichte arg ziellos vor sich hin. Am Ende der dritten Episode gibt es dann ein Ereignis, das alles verändert. Und das Finale ist ziemlich spannend. Wenn man nicht darüber nachdenkt.

In England war die sechsteilige Serie ein Kritiker- und Publikumserfolg.

Eine zweite Staffel ist beschlossen. Unklar ist, wann sie gedreht und ausgestrahlt wird.

Das Bonusmaterial besteht aus dem üblichen Werbematerial.

Bodyguard (Bodyguard, Großbritannien 2018)

Regie: John Strickland, Thomas Vincent

Drehbuch: Jed Mercurio

mit Richard Madden, Keeley Hawes, Sophie Rundle, Vincent Franklin, Ash Tandon, Gina McKee, Nina Toussaint-White

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DVD

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Originaltrailer

Länge: 362 Minuten (6 Folgen à 60 Minuten, 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zur Serie

Englische Homepage zur Serie

Moviepilot über „Bodyguard“

Metacritic über „Bodyguard“

Rotten Tomatoes über „Bodyguard“

Wikipedia über „Bodyguard“ (deutsch, englisch) (Vorischt Spoiler)


TV-Tipp für den 24. Februar: Tatort: Saarbrücken an einem Montag…

Februar 23, 2021

SWR, 23.30

Tatort: Saarbrücken an einem Montag… (Deutschland 1970)

Regie: Karl-Heinz Bieber

Drehbuch: Johannes Niem

Die Kommissare Liersdahl und Schäfermann suchen die verschwundene Datenverarbeiterin eines Stahlwerks.

Das „Taxi nach Leipzig“, den ersten „Tatort“ kennt jeder, aber „Saarbrücken an einem Montag…“, der zweite „Tatort“ ist dagegen fast unbekannt, weil er fast nie gezeigt wird. Dennoch ist er einen Blick wert.

mit Dieter Eppler, Manfred Heidmann, Eva-Maria Meineke, Horst Naumann, Eva Christian, Erik Schumann

Hinweise

Filmportal über „Saarbrücken an einem Montag…“

Wikipedia über „Saarbrücken an einem Montag…“

Tatort-Fundus über Kommissar Liersdahl


Cover der Woche

Februar 23, 2021

John Rawls (21. Februar 1921 – 24. November 2002), sein bekanntestes Buch


TV-Tipp für den 23. Februar: Rio Lobo

Februar 22, 2021

Servus TV, 22.05

Rio Lobo (Rio Lobo, USA 1970)

Regie: Howard Hawks

Drehbuch: Burton Wohl, Leigh Brackett (nach einer Story von Burton Wohl)

Nach dem Bürgerkrieg sucht der Nordstaatenoffizier Cord McNally (John Wayne) in Texas nach zwei Verrätern, die beim Diebstahl eines von ihm verantworteten Goldtransports involviert waren.

Der letzte Spielfilm von Howard Hawks und damit auch seine letzte Zusammenarbeit mit John Wayne und der letzte seiner nach einem Fluß benannten Western: „Rio Lobo“ ist kein Klassiker, aber okay.

mit John Wayne, Jorge Rivero, Jennifer O’Neill, Jack Elam, Chris Mitchum, Jim Davis

Wiederholung: Mittwoch, 24. Febuar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rio Lobo“

Wikipedia über „Rio Lobo“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Februar: Du lebst noch 105 Minuten

Februar 21, 2021

Arte, 20.15

Du lebst noch 105 Minuten (Sorry, wrong number, USA 1948)

Regie: Anatole Litvak

Drehbuch: Lucille Fletcher (nach ihrem Hörspiel)

Die vermögende, bettlägerige Leona Stevenson hört zufällig ein Telefongespräch mit, in dem ein Mord verabredet wird. Sie versucht den Mord zu verhindern. Dabei ahnt sie nicht, dass sie das Opfer ist.

Spannender Noir-Thriller, der gerade wegen seiner genial einfachen Grundidee auch siebzig Jahre nach der Premiere beim wiederholten Sehen immer wieder spannend ist.

Das Drehbuch war 1949 für den Edgar als bestes Drehbuch nominiert.

Mit Barbara Stanwyck, Burt Lancaster, Wendell Corey, Ed Begley

Wiederholung: Donnerstag, 25. Februar, 13.45 Uhr

Hinweise

Noir of the Week über „Du lebst noch 105 Minuten“

Rotten Tomatoes über „Du lebst noch 105 Minuten“

Wikipedia über „Du lebst noch 105 Minuten“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. Februar: There will be Blood

Februar 20, 2021

Arte, 20.15

There will be Blood (There will be Blood, USA 2007)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Upton Sinclair: Oil!, 1927 (Öl!)

Porträt von Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), einem kapitalistisch-egoistischem, Menschen verachtenden und rein instrumentell behandelnden Ölsucher, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Kalifornien ein Vermögen macht. Sein Gegenspieler ist der ebenso ehrgeizige evangelikale Prediger Eli Sunday (Paul Dano). Mit großen Showveranstaltungen sammelt er Gläubige um sich. Und mit Plainview kooperiert er, um seine Gemeinde (und damit sich selbst) zu mästen.

Bildgewaltiges Drama, das in jeder Sekunde auf maximale Überwältigung zielt. Und vom Wesen der amerikanischen Kultur erzählt.

Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J. O’Connor, Ciarán Hinds, Dillon Freasier, Elizabeth Barrett

Hinweise

Rotten Tomatoes über „There will be Blood“

Wikipedia über „There will be Blood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 20. Februar: Tödliche Entscheidung

Februar 19, 2021

Servus TV, 22.05

Tödliche Entscheidung (Before the devil knows you’re dead, USA 2007)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Wiederholung: Sonntag, 21. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Tödliche Entscheidung”

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


VoD-Kritik: „Sunburned“ – einmal Sommerurlaub mit Urlaubsbekanntschaft

Februar 19, 2021

Mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester und ihrer Mutter verbringt die 13-jährige Claire den Sommerurlaub in einem Ferienressort in Andalusien.

Während ihre Mutter und ihre Schwester die Zeit mit Urlaubsliebschaften verbringen, streunt Claire, jung, naiv und gelangweilt, durch das Hotel, nimmt am Freizeitprogramm teil und trifft am Strand auf den gleichaltrigen Amram. Der aus dem Senegal kommende Flüchtling verkauft billigen Schmuck und hofft auf eine bessere Zukunft. Für Geld würde er fast alles tun. Claire verbringt viel Zeit mit ihm. Und auch Amram genießt die Zeit mit ihr. Als ihre Beziehung intensiver wird, möchte sie ihm helfen; wobei ihre Versuche, ihm zu helfen seine Situation verschlechtern. So gibt sie ihm die Kreditkarte ihrer Mutter. Er kann damit selbstverständlich kein Geld abheben, aber er wird als Dieb verdächtigt.

„Sunburned“, der im Sommer in den Kinos lief, ist der dritte Spielfilm von Carolina Hellsgård. Ihr Spielfilmdebüt „Wanja“ lief auf der Berlinale und war für den Best First Feature Award nominiert. Als nächste inszenierte sie den in Deutschland spielenden und trotz einiger Mängel sehenswerten Zombiefilm „Endzeit“. Ihr dritter Spielfilm ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die auch die Flüchtlingsthematik anspricht und das Leben in einem Ferienressort schildert, das für mich einen immerwährenden Besuch im Purgatorium angenehmer erscheinen lässt. Entsprechend sympathisch fand ich Claires ständig gelangweilt-genervten Blick. Schon als Kind hält sie nichts von dieser Form des Massentourismus, der überhaupt kein Interesse am Gastland hat. Sie ist auch die einzige Person, die sich für das Leben außerhalb der Hotelanlage interessiert und aufgeschlossen für neue Erfahrungen ist. Sie und Amram durchleben in diesem Urlaub auch einen Reifungsprozess. Amram gibt seinem Leben sogar eine neue Richtung. Auch wenn Hellsgård im Dunkeln lässt, wohin ihn das führt.

Hellsgård schildert das alles mit einem sympathisierenden Blick, der den Schauspielern, vor allem den jungen Schauspielern, viel Zeit gibt, sich vor der Kamera zu entfalten. Belohnt wird das mit einem sehr natürlichen Spiel. Auch der fehlende pädagogische Zeigefinger trägt dazu bei. Die großen Fragen werden mehr angedeutet als direkt angesprochen. Die Stimmung bleibt in einem sommerlich flirrenden Ungefähren voller Spiegelungen und Schattenspiele. „Sunburned“ ist weniger ein Drama als eine Sommerpastiche, die an der sensibel gefilmten Oberfläche bleibt und wenig über die einzelnen Figuren verrät.

Ein Problem für jüngere Zuschauer – immerhin ist die Protagonistin dreizehn Jahre alt – dürfte sein, dass fast ausschließlich Englisch gesprochen wird. Und ob ältere Jugendliche sich für den ersten Kuss einer Jüngeren interessieren, bezweifle ich aus eigener Seherfahrung. Als Vierzehnjähriger wollte ich vor allem die Filme gehen, die frei ab sechzehn oder achtzehn Jahren waren.

Das ändert nichts daran, dass „Sunburned“ ein sehenswertes, angenehm undidaktisches, sensibel beobachtetes Drama ist.

Sunburned (Deutschland/Niederlande/Polen 2019)

Regie: Carolina Hellsgård

Drehbuch: Carolina Hellsgård

mit Zita Gaier, Gedion Oduor Wekesa, Sabine Timoteo, Nicolais Borger

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Als VoD bei Amazon Prime, Google Play, YouTube, Magenta TV und Apple iTunes erhältlich.

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Sunburned“

Moviepilot über „Sunburned“

Meine Besprechung von Carolina Hellsgård Olivia-Vieweg-Verfilmung „Endzeit“ (Deutschland 2018)

Homepage von Carolina Hellsgård


TV-Tipp für den 19. Februar: Nico, 1988

Februar 18, 2021

Arte, 22.45

Nico, 1988 (Nico, 1988, Italien/Belgien 2017)

Regie: Susanna Nicchiarelli

Drehbuch: Susanna Nicchiarelli

TV-Premiere. Faszinierendes Porträt von Christa Päffgen (Trine Dyrholm, grandios!), die als Nico bekannter war. Bekannt wurde sie als Fotomodelle, Muse von Andy Warhol und Sängerin einiger Songs der ersten LP von „The Velvet Underground“. Danach nahm sie einige Solo-Platten auf und hatte eine kleine, treue Fanbasis. Susanna Nicchiarelli konzentriert sich in ihrem Porträt auf die letzten Monate der drogenabhängige Künstlerin.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, Sandor Funtek, Thomas Trabacchi, Karina Fernandez

Hinweise

Moviepilot über „Nico, 1988“

Metacritic über „Nico, 1988“

Rotten Tomatoes über „Nico, 1988“

Wikipedia über Nico (deutsch, englisch)

AllMusic über Nico

Meine Besprechung von Susanna Nicchiarellis „Nico, 1988“ (Nico, 1988, Italien/Belgien 2017)

Meine Besprechung von Tobias Lehmkuhls „Nico – Biographie eines Rätsels“ (2018)


TV-Tipp für den 18. Februar: Angel Heart

Februar 17, 2021

Tele 5, 22.15

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Freitag, 19. Februar, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Nordische Morde: ein Livestream-Abend mit Max Seeck, Tina Frennstedt, Gustaf Skördeman und Lars Kepler

Februar 17, 2021

Am Donnerstag, den 18. Februar 2021, gibt es ab 19.30 Uhr den Abend „Nordische Morde“, in dem der Bastei-Lübbe-Verlag einige seiner aktuellen skandinavischen Autoren vorstellt. Nämlich um

19.30 Uhr: Max Seeck („Hexenjäger“) im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf
20.00 Uhr: Tina Frennstedt („Cold Case – Das gezeichnete Opfer“) im Gespräch mit Günter Keil
20.30 Uhr: Gustaf Skördeman („Geiger“) im Gespräch mit Günter Keil
21.00 Uhr: Lars Kepler („Der Spiegelmann“) im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Hier der Link zum Livestream.

 

 


TV-Tipp für den 17. Februar: Der gute Bulle – Nur Tote reden nicht

Februar 16, 2021

ZDF, 20.15

Der gute Bulle – Nur Tote reden nicht (Deutschland 2020)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Dritter Einsatz für den guten Bullen Fredo Schulz. Dieses Mal sucht er den Mörder von seinem Partner Milan Filipovic. Der wollte aus dem Polizeidienst ausscheiden und wurde an seinem letzten Tag im Dienst erschossen. Fredo und Milan waren gerade dabei, eine Drogenkurierin vom Flughafen zum Präsidium zu fahren, als diese auf die Toilette wollte. Während der Pause wurden sie überfallen. Danach beginnt Fredo den Täter (den wir Zuschauer schon kennen), die Flüchtige und die Hintermänner (dito) zu suchen. Außerdem muss Fredo sich mit einem neuen Partner herumschlagen, der es mit den Regeln besonders genau nimmt. Im Gegensatz zu Fredo.

Gewohnt unterhaltsame Krimi-Kost von „Nachtschicht“-Macher Lars Becker. Mehr muss wirklich nicht über diesen in Berlin spielenden Multikulti-Krimi gesagt werden.

Deshalb kann ich sofort zu den Neuigkeiten kommen: Am Montag, den 29. März 2021, zeigt das ZDF um 20.15 Uhr den neuen „Nachtschicht“-Krimi „Blut und Eisen“.

Lars Becker hat gerade mit den Dreharbeiten für „Alles auf Rot“ (Arbeitstitel) begonnen. In dem Krimi erzählt er ein neues Abenteuer der korrupten Polizisten Diller und Kessel. Der Sendetermin steht noch nicht fest.

mit Armin Rohde, Edin Hasanovic, Sabin Tambrea, Johann von Bülow, Nele Kiper, Lo Rivera, Timo Jacobs, Anica Dobra, Carlo Ljubek, Andreas Anke

Hinweise

ZDF über den Film

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Cover der Woche

Februar 16, 2021


VoD-Kritik: „The Tunnel – Die Todesfalle“ nach einem LKW-Unfall

Februar 16, 2021

Kurz vor Weihnachten: während in dem Dorf noch auf eine weiße Weihnacht gehofft wird, sind die Berge bereits verschneit und auch in Norwegen gibt es den üblichen vorweihnachtlichen Reiseverkehr. Da rammt im knapp zehn Kilometer langen Storfjell-Tunnel ein Tanklaster eine Tunnelwand und versperrt die Straße. Die Telefonverbindung zur Rettungsstelle – natürlich nur über Handy – ist instabil. Daher ist unklar, wo der Unfall genau passierte. Auf der einen Seite des Tunnels ist kurz vorher eine Lawine heruntergegangen, die die Straße versperrt. Auf der anderen Seite nähert sich, als Rettungstruppe, die Freiwillige Feuerwehr. Immerhin haben sie mit Stein einen alten Hasen im Team, der den Tunnel besser als seine Hosentasche kennt.

Eigentlich wollen sie den Einsatz mit der nötigen Ruhe angehen. Da explodiert der Tanklaster.

Pål Øie erzählt seinen Katastrophenthriller „The Tunnel – Die Todesfalle“ mit handgemachten Actionszenen nordisch unterkühlt. Es gibt also nicht die tapferen Helden und erbärmlichen Feiglinge und die mit pompöser Musik erhaben zelebrierten Momente von Tapferkeit, Todesverachtung und übermenschlichem Mut, die wir aus mehr oder weniger prominent besetzten US-Katastrophenfilmen kennen. Natürlich gibt es auch in „The Tunnel – Die Todesfalle“ mutige Männer und Menschen, die mehr oder weniger egoistisch um ihr und das Überleben ihrer Familie kämpfen. Es gibt auch den Schnösel, der zuerst eine geführte Kolonne überholt, anschließend sein Auto auf einer Eisfläche in den Schnee setzt (off Kamera) und seine Tochter anpflaumt. Aber im Gegensatz zu einem normalen Katastrophenfilm gerät er nicht in Lebensgefahr, sondern muss die Zeit, in der Tunnel gesperrt ist, in einem gastlichen Lokal verbringen. Die anderen Figuren sind noch sparsamer gezeichnet. Ihr Sterben (falls wir es überhaupt sehen), ihre Leiden und ihr Mut berühren uns daher nicht.

Das macht „The Tunnel – Die Todesfalle“ zu einem okayen, wahrscheinlich sogar ziemlich realistischen Katastrophenfilm, von dem kein Bild, keine Szene, kein Tod und auch keine Rettung länger im Gedächtnis bleibt.

Das am Filmbeginn erklärte Selbstrettungsprinzip und die mangelhafte Ausstattung des knapp zehn Kilometer langen Tunnels, in dem im Film die Katastrophe passiert, ist erstaunlich. Anscheinend haben die einfach einen Tunnel, also eine aus zwei Fahrspuren bestehende, enge Röhre, durch den Berg gebohrt und verlassen sich anschließend darauf, dass nichts passiert. Es gibt keine Notausgänge und keine Noträume. Keine Feuerlöscher. Keine Überwachung, egal ob über Video oder irgendein anderes System. Und das Notruftelefon funktioniert auch nicht besser als die Handys, über die zuerst um Hilfe gerufen wird. Für mich klingt das nach einem Rezept für eine Katastrophe mit chaotischen Zuständen und vielen Toten.

Dabei ist „The Tunnel – Die Todesfalle“ wohl nicht die Idee einer nach Hollywood schielenden Drehbuchautorin, sondern ziemlich nah an der norwegischen Realität. Denn vor der Filmpremiere überprüfte die Feuerwehr die Sicherheit mehrerer Tunnel, in denen der Film gedreht wurde. Ihr Fazit: Der Film ist realistisch.

Für Deutschland scheint das nicht zu gelten. So schreibt das Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST): „Für manche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ist das Durchfahren eines Tunnels mit einem unbehaglichen Gefühl verbunden, obwohl die Unfallhäufigkeit sogar nachweislich geringer ist als außerhalb von Tunneln. Deutschlands Straßentunnel gehören zu den sichersten der Welt. Die Sicherheitsstandards der Tunnel werden regelmäßig überprüft und den neuesten Erkenntnissen angepasst. Neue Tunnel werden auf Basis der aktuellen Techniken und Bauweisen errichtet und ausgestattet, ältere Straßentunnel werden entsprechend nachgerüstet.

Grundlage für das hohe Sicherheitsniveau sind die in Deutschland geltenden „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT). Zusätzlich regelt seit 2004 eine europäische Richtlinie den grundlegenden Sicherheitsstandard für Straßentunnel im transeuropäischen Netz, um ein weitgehend einheitliches Sicherheitsniveau in allen europäischen Tunneln zu erreichen.“ (BAST: Sicherheit geht vor – Straßentunnel in Deutschland, 2017)

Unter anderen gibt es alle 600 Meter Nothalte- und Pannenbuchten mit Notrufkabinen. Es gibt alle 150 Meter Notrufkabinen mit Brandmeldern und Feuerlöschern. Mindestens alle 300 Meter Notausgänge. Es gibt an jeder Fahrbahnseite Notgehwege. Es gibt eine Videoüberwachung und die Möglichkeit für Lautsprecherdurchsagen. Und es gibt eine selbstleuchtende Beschilderung, die einen auch in absoluter Dunkelheit zum nächsten Ausgang führt

Danach wäre in Deutschland und in der EU der im Film geschilderte Verlauf der Katastrophe nicht möglich.

Aktuell ist keine DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung geplant.

The Tunnel – Die Todesfalle (Tunnelen, Norwegen 2019)

Regie: Pål Øie

Drehbuch: Kjersti Helen Rasmussen

mit Thorbjørn Harr, Ylva Lyng Fuglerud, Lisa Carlehed, Mikkel Bratt Silset, Peter Førde, Daniel Alexander Skadal, Per Egil Aske, Tor Christian Bleikli

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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EST/TVOD unter anderem bei iTunes, Amazon, Sky, Google, Maxdome, Videoload, Videociety, Chilli, On Demand und Vodafone

–

Hinweis

Wikipedia über „The Tunnel – Die Todesfalle“ 

 


TV-Tipp für den 16. Februar: Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie

Februar 15, 2021

Arte, 20.15

Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (The Rise of the Murdoch Dynasty, Großbritannien 2020)

Regie: Jamie Roberts

Dreiteilige Doku, die Arte an einem Stück bis 22.45 Uhr zeigt. Es geht um Rupert Murdoch und sein, ähem, Leben und Wirken.

Hinweise

Arte über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ (bis 17. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“

Wikipedia über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ und Rupert Murdoch (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Februar: Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Februar 14, 2021

Arte, 22.20

Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (Mishima: A Life in four Chapters, USA/Japan 1985)

Regie: Paul Schrader

Drehbuch: Paul Schrader, Leonard Schrader, Chieko Schrader (teils nach Romanen von Yukio Mishima)

Kein leichter Film. Damals ein vor allem in Japan heftig umstrittener Film und erwartungsgemäß kein Erfolg an der Kinokasse. Heute einhellig als Meisterwerk gelabelt. In „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ nähert sich „Taxi Driver“-Autor Paul Schrader in der Form einer komplexen Collage Yukio Mishima, einem bedeutenden, bekannten und umstrittenen japanischen Schriftsteller, der 1970 Seppuku, eine besondere Form des Harakiri, beginn. Der 45-jährige war ein auch selbst politisch aktives Idol der extremen Rechten. Es setzte sich gegen die Verwestlichung und für eine Wiedereinsetzung des Tenno in seiner alten Machtfülle ein. In seinen von der westlichen Kultur und Vorbildern beeinflussten Büchern thematisierte er Masochismus, Bisexualität und kultische Todessehnsucht.

Ein durchaus komplexer Charakter, dem Schrader „einen schwer zugänglichen filmischen Traktat“ (Fischer Film Almanach 1986) widmete.

Schrader selbst nannte den Film „an egregiously under-budgeted labor of love production“.

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Ken Ogata, Masayuki Shionoya, Junkichi Orimoto, Naoko Otani, Gi Riju, Masato Aizawa, Yuki Nagahara

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“

Wikipedia über „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Februar: The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer

Februar 13, 2021

Tele 5, 00.55

The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (The Hot Spot, USA 1990)

Regie: Dennis Hopper

Drehbuch: Nona Tyson, Charles Williams

LV: Charles Williams: Hell hath no fury, The Hot Spot, 1953 (Bis dass der Mord euch scheidet, Spiel mit dem Feuer, The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer)

Aus dem Nichts taucht Harry Maddox in einem texanischen Provinzkaff auf. Er will nur die örtliche Bank überfallen. Aber nachdem er mit zwei Frauen ein Verhältnis beginnt, gerät sein einfacher Plan aus dem Ruder.

Schwüler Film Noir mit einem glänzenden Soundtrack (Miles Davis, John Lee Hooker) und grandios aufspielenden Schauspielern. Eine gelungene Liebeserklärung an die Klassiker.

Mit Don Johnson, Virginia Madsen, Jennifer Connelly, Charles Martin Smith, William Sadler, Jerry Hardin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Hot Spot“

Wikipedia über „The Hot Spot“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Charles Williams


TV-Tipp für den 13. Februar: Kehraus

Februar 12, 2021

BR, 22.00

Kehraus (Deutschland 1983)

Regie: Hanns Christian Müller

Drehbuch: Hanns Christian Müller, Gerhard Polt, Carlo Fedier

Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel will mehrere vollkommen unsinnige und hoffnungslov überteuerte Versicherungen, die er abgeschlossen hat, rückgängig machen. Bei seinem Besuch in der Versicherung und der Suche nach einem Verantwortlichen platzt er in die dortige Faschingsfeier.

Gerhard Polts Spielfilmdebüt ist „eine bundesdeutsche Komödie, die diesen Namen wirklich verdient (…) eine bitterböse Paraphrase auf mehrere bundesrepublikanische Einrichtungen und Typen.“ (Fischer Film Almanach 1984)

Kinostart war der 11. November, auch bekannt als Auftakt der närrischen Jahreszeit.

mit Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Nikolaus Paryla, Dieter Hildebrandt, Jochen Busse, Hans Gündther Martens, Karl Obermayr, Bruno Jonas

Wiederholung: Dienstag, 16. Februar, 3sat, 24.15 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Kehraus“

Wikipedia über „Kehraus“


DVD-Kritik: „Vergiftete Wahrheit“ – die Sache mit der Teflon-Pfanne

Februar 12, 2021

Zum Kinostart, der pandemiebedingt letztendlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, schrieb ich über diesen tollen, auf einem wahren Fall Skandal basierenden Justizthriller, der viele, viele Zuschauer verdient hat:

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

„Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

 

Nach der zweiten Sichtung dieser David-gegen-Goliath-Geschichte fällt (wieder) auf, wie dicht und klug die Geschichte erzählt wird. Mit einem Helden, der nicht wie Erin Brockovich eine sexy Rampensau ist, sondern ein biederer, konservativer Angestellter, für den in jeder Situation ein unauffälliger Anzug die Kleidung seiner Wahl ist.

Das Bonusmaterial, über vierzig Minuten, besteht aus einer selbstablaufenden Bildergalerie, kurzen Interviews mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins und Todd Haynes und mehreren kurzen Featurettes. Das sind ein Mini-Making-of, „Uncovering Dark Waters“, „The cost of being a hero“ und „The real people“. Die Werbe-Featurettes sind solide gemacht und unterscheiden sich in ihrer Mischung aus Interviewschnipsel und Bildern aus dem Film und von den Dreharbeiten nicht von den Featurettes für irgendeinen anderen Film. Die wahren Hintergründe werden nur in einem Halbsatz angesprochen. Dabei wären gerade hier über den Film hinausgehende vertiefende Informationen zu DuPont, der Teflon-Pfanne, PFOA, den Auswirkungen der benutzten Chemikalien auf Mensch, Tier und Umwelt und Robert Bilotts unermüdlichen Kampf gegen DuPont interessant gewesen.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

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DVD

Tobis Home Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englischfür Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer, OV-Trailer, Mini-Making-Of (deutsch), Featurettes (englisch), Interviews (englisch), Bildergalerie

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (Hauptfilm ab 6 Jahre; d. h. wegen eines Trailers FSK-12)

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Die Blu-ray enthält zusätzlich einige B-Roll-Aufnahmen.

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Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019)


TV-Tipp für den 12. Februar: Making Waves: The Art of Cinematic Sound

Februar 11, 2021

Arte, 21.55

Making Waves: The Art of Cinematic Sound (Making Waves: The Art of Cinematic Sound, USA 2019)

Regie: Midge Costin

Drehbuch: Bobette Buster

TV-Premiere einer hochgelobten spielfilmlangen Doku über den Ton bei Filmen. Und wie wichtig er beim Erzählen einer Geschichte ist.

mit Walter Murch, Ben Burtt, Gary Rydstrom, George Lucas, Steven Spielberg, Robert Redford, Barbra Streisand, Ryan Coogler, David Lynch, Ang Lee, Sofia Coppola, Peter Weir, Christopher Nolan

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Making Waves“ (bis zum 13. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Making Waves“

Wikipedia über „Making Waves“