Einen ganz anderen Killer als in „Bullet Train“ (seit einigen Tagen im Kino) spielt Brad Pitt in
RTL II, 00.35
Killing them softly(Killing them softly, USA 2012)
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik
LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, deutsche Übersetzung als „Ich töte lieber sanft“)
Zwei Kleingangster überfallen ein illegales Pokerturnier. Dummerweise ist es von einem Mafiosi organisiert und der sinnt auf Vergeltung. Sein Troubleshooter Cogan (Brad Pitt) soll das Problem lösen.
Düsteres, top besetztes Gangsterdrama, das von seinen Dialogen lebt. Das ist nicht wirklich schlecht, aber der Roman ist besser. Denn dort stört es nicht, wenn die Geschichte vor allem über die Gespräche der Gangster erzählt wird.
Ladybug (Brad Pitt) soll nur eine Koffer aus einem Zug klauen. Der ‚Marienkäfer‘ steigt in Tokio ein in den nach Kyoto fahrenden Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. An der nächsten Station will er, mit dem Koffer, aussteigen. Aber Ladybug ist ein vom Pech verfolgter Auftragskiller. Deshalb weiß er, dass das kein einfacher Auftrag ist und alles, was schiefgehen kann, schiefgehen wird. Mit dieser, auf Erfahrung beruhender, Einstellung hat er einen Vorteil gegenüber den anderen Killer, die ebenfalls im Zug sitzen, die er teils von früher kennt und die er in den kommenden beiden Filmstunden kennen lernen wird. Ladybug ist daran gewöhnt zu improvisieren.
Die anderen Killer haben dagegen die irrwitzige Hoffnung, dass sie ihre Pläne mühelos verwirklichen können. In dem Moment sind im Shinkansen, so wird uns gesagt, das Killerduo Tangerine (Aaron Taylor-Johnson) und Lemon (Brian Tyree Henry), der Prince und Kimura (Andrew Koji). Kimura will in dem Zug den Prince umbringen. Wegen ihm liegt sein sechsjähriger Sohn im Koma im Krankenhaus. Der Prince ist, im Gegensatz zu unseren Erwartungen und im Gegensatz zum Roman, eine Schülerin im Pubertätsalter (Joey King).
Tangerine und Lemon sind mit dem Sohn des Gangsterbosses White Death im Zug. Sie haben ihn gerade aus den Händen einer Entführerbande gerettet, indem sie sie töteten. Das Lösegeld haben sie ebenfalls bei sich. Es ist in dem Koffer, den Ladybug stehlen soll.
Zu diesen Killern gesellen sich im Lauf des Films, mit jedem Halt, weitere Killer dazu, die teils nur kurze Auftritte haben. Im Rahmen von „Bullet Train“ bedeutet das, dass sie schnell tot sind.
David Leitch (zuletzt „Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw“) harte Actionkomödie „Bullet Train“ basiert auf dem gleichnamigem Thriller von Kotaro Isaka. Für den Film wurde die Prämisse und etliche Handlungselemente übernommen, aber auch vieles dazuerfunden und verändert. Unter anderem wurde aus den im Roman rein japanischen Killern eine Multikulti-Besetzung. Manchmal wurde auch das Geschlecht des Killers geändert. Gangsterboss Minegishi wird im Film zu White Death und er erhält eine andere Biographie. Drehbuchautor Zak Olkewicz verändert auch gleich die Motive des Mannes, der für die Killerversammlung im Zug verantwortlich ist. Denn es ist kein Zufall, dass ein gutes Dutzend Killer gerade diesen Zug benutzen.
Leitch erzählt dies angenehm flott über alle Absurditäten und Unwahrscheinlichkeiten hinweg. Die im knalligen Post-Tarantino/Guy-Ritchie-Stil erzählte Killerballade kümmert sich wenig um Plausibilität und Realismus. Dafür gibt es popkulturelle Anspielungen (so liest der Prince Trevanians Profikillerode „Shibumi“), lange Monologe (dank Lemon erfahren wir, wie im Buch, alles über Thomas, die kleine Lokomotive und seine Freunde), visuelle Spielereien, erklärende Rückblenden, viel ultrabrutale und in ihrer Übertreibung komische Gewalt und einige Witze. Wobei es im Film, außer man findet absurde Mordmethoden und unangemessenes Verhalten witzig, wenige genuine Lacher gibt. Dafür ist der gesamte Grundton des sich nicht ernst nehmenden Films humoristisch, vor allem von der lakonisch schwarzhumorigen Sorte.
„Bullet Train“ ist eine kurzweilige, ultrabrutale Actionkomödie, die einfach nur ein rabiater Sommerspaß sein will. So als kurzweilige Überbrückung bis zum nächsten „Deadpool“- oder Guy-Ritchie-Film.
Packender und extrem schonungsloser Kriegsfilm über die Erlebnisse einer Besatzung eines US-Panzers während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Deutschland.
mit Brad Pitt, Logan Lerman, Shia LaBeouf, Jon Bernthal, Michael Pena, Jim Parrak, Brad William Henke, Jason Isaacs, Kevin Vance, Alicia von Rittberg, Scott Eastwood
Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 01.15 Uhr (Taggenau! – Dann läuft das FSK-16-Werk wahrscheinlich ungekürzt.)
Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.
Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.
Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.
mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt
Bald ist es soweit: der neue Film mit Brad Pitt startet Anfang August in den Kinos. Die Werbemaschine mit Trailern, Pressekonferenzen und Autogrammen auf dem roten Teppich läuft und erzeugt die notwendige Aufmerksamkeit für die Actionkomödie, die auf einem Roman von Kotaro Isaka basiert.
In Japan ist der 1971 geborene Isaka ein Bestsellerautor. Bis jetzt veröffentlichte er 24 Romane. Er erhielt mehrere Preise, unter anderem von den Mystery Writers of Japan, und mehrere seiner Bücher waren für den prestigeträchtigen Naoki-Preis nominiert. Übersetzungen erschienen bereits in den USA, China, Korea, Frankreich und Italien. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt.
„Bullet Train“, die Vorlage für die gleichnamige Verfilmung, erschien im Frühling auf Deutsch und es ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman von Kotaro Isaka. Im Original erschien der Thriller bereits 2010. Für die Romangeschichte ist das Jahr egal. Sie spielt in einem etwas zeitlosem Paralleluniversum, in dem es Mobiltelefone und jugendliche Killer gibt und sich niemand darüber wundert.
Satoshi Oji, genannt „Der Prinz“, ist dieser jugendliche Killer. Er ist ein vierzehnjähriger hochintelligenter und hochgradig psychopathischer Schüler, der seine Mitschüler terrorisiert und bereits für mehrere Morde verantwortlich ist. Eines seiner Opfer ist Wataru Kimura. Der Sechsjährige liegt im Krankenhaus im Koma. Sein Vater Yuichi Kimura will Oji dafür töten. Früher war Kimura ein Profikiller, heute ist er ein alleinerziehender Alkoholiker.
Kimura steigt in Tokio in den Shinkansen Hayate. Neben ihm und Oji sind noch ungefähr drei weitere Killer im Zug, die nichts voneinander wissen, aber bis zur Endstation aufeinandertreffen. Einige von ihnen überleben die Begegnung nicht.
Die Prämisse von „Bullet Train“ – Ein Zug, fünf Killer, ein Koffer voller Geld: Wer überlebt? – ist so einfach wie genial. Schließlich hat sie, ohne dass der Autor lange überlegen muss, das Potential für einige Körperverletzungen, Straftaten und, selbstverständlich, Morde. Dass da schnell an eine Verfilmung gedacht wird, ist nachvollziehbar. Doch dazu später mehr. Bleiben wir zuerst bei dem Roman.
Er beginnt mit der Zugabfahrt. Fünf Seiten später befindet sich Kimura, gefesselt an einen Sitzplatz, in der Gewalt von Oji. Auf den nächsten Seiten stellt Isaka die anderen Killer vor, die ebenfalls in dem fast leeren Hochgeschwindigkeitszug mitfahren.
Das sind die beiden Killer Lemon und Tangerine, die oft für Zwillinge gehalten werden (sind sie nicht) und „Die Zitrusfrüchte“ genannt werden. Tangerine liebt klassiche Literatur. Lemon liebt eine alte Kinder-TV-Serie über Thomas, die kleine Lokomotive und seine Freunde. Er kennt alle Loks und ihre Eigenschaften. Bei ihnen ist Minegishi Junior, der von ihnen aus den Händen von Entführern befreite Sohn eines Gangsterbosses, und der Koffer mit dem Lösegeld. Dummerweise verschwindet der Koffer spurlos und Minegishi Junior verstirbt einfach so im Zug. Weil sein Vater Yoshio Minegishi einer dieser knallharten Gangsterbosse, der Fehler mit dem Tod bestraft, ahnen Lemon und Tangerine, dass das ihr Todesurteil ist.
Fünfter im Bunde ist Nanao, genannt „Der Marienkäfer“. Er soll einen Koffer klauen. Dummerweise ist er vom Pech verfolgt und damit eigentlich der ungeeignetste Mann für alle halb- und illegalen Aufträge.
Im Lauf der Geschichte stoßen weitere Killer, auch eine unscheinbar aussehende Killerin, mit teils sehr speziellen Mordmethoden dazu.
Das klingt jetzt nach einem großen Spaß: auf gut vierhundert Seiten machen sich ein über ein halbes Dutzend Killer während einer kurzen Zugfahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug das Leben zur Hölle. Doch schnell wird „Bullet Train“ zu einer ziemlich eintönigen Zeitschinderei. Die Killer laufen immer wieder durch den Zug, lassen einen Koffer mal verschwinden, mal wieder auftauchen, nur um zu sehen, wie die anderen Passagiere darauf reagieren. Die Story bringt dieses Versteckspiel nicht voran.
Die Figuren bleiben bei diesem Hin- und Hergerenne im Zug eindimensionale Comicfiguren. Jede von ihnen hat ein, zwei Gimmicks (wie eine Leidenschaft für Thomas, die kleine Lokomotive, oder immerwährendes Pech), die ihnen einen Wiedererkennungswert, aber keine Persönlichkeit verschaffen. Sie haben keine weitergehende Motive, Ziele und Wünsche. Sie wollen nur einen Auftrag zu erledigen. Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Und wenn das Hindernis ein Mensch ist, wird dieser irgendwann getötet.
Problematisch ist die von Isaka gewählte Struktur. Er wechselt nämlich kontinuierlich zwischen den verschiedenen Killern. Etliche Ereignisse erzählt er aus mehreren Perspektiven. Beim Lesen stellt sich, weil wir die gleichen Ereignisse zuerst aus der Perspektive von dem einen Killer, dann aus der von einem anderen Killer noch einmal erfahren, schnell das Gefühl des Stillstands ein. Ich hatte beim Lesen sogar den Verdacht, dass ich, wenn ich nur die Geschichte von einem der Killer verfolgen und die anderen Kapitel überblättern würde, nichts wesentliches verpassen würde.
Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass der Thriller mit seinen überraschenden Wendungen, die deutlich von asiatischen Actionfilmen und Mangas inspiriert sind, mir als Teenager gefallen hätte.
Die Rechte für die Verfilmung gingen dann nach Hollywood. Aus einem harten Actionthriller wurde letztendlich eine Actionkomödie. Aus den im Buch rein japanischen Killern wurde eine beachtliche Hollywood-Starbesetzung, die sich im Shinkansen das Leben zur Hölle macht und versucht, sich gegenseitig umzubringen. Also nicht die Schauspieler, sondern die von ihnen gespielten Figuren.
Kotaro Isaka: Bullet Train
(übersetzt von Katja Busson)
Hoffmann und Campe, 2022
384 Seiten
22 Euro
–
Originalausgabe
Mariabitoru
Kadokawa, Tokio, 2010
–
Die Verfilmung (startet am 4. August; die Besprechung gibt es zum Kinostart)
Once upon a Time in…Hollywood(Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
TV-Premiere von Quentin Tarantions 9. Film. Einige richtige Story hat „Once upon a Time in…Hollywood“ nicht. Eigentlich geht es nur um ein entspanntes Abhängen mit TV-Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die glorios in ihrem Selbstmitleid ertrinken. Daltons großer Hit, die TV-Westernserie „Bounty Law“, ist schon einige Jahre her, die neuen Rollen sind klein und schlecht und der Vorschlag seines Agenten, in einem Italowestern mitzuspielen, begeistert ih nicht. Das alles spielt 1969 in Hollywood an zwei Tagen im Februar und in einer Nacht im August 1969.
„Once upon a Time in…Hollywood“ ist übervoll mit Anspielungen auf die Hollywood-Geschichte und die damalige Zeit, prächtig ausgestattetet, top besetzt und gespielt, sehr unterhaltsam, aber auch problematisch.
mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Emile Hirsch, Margaret Qualley, Timothy Olyphant, Dakota Fanning, Bruce Dern, Mike Moh, Damian Lewis, Al Pacino, Rafal Zawierucha, Damon Herriman, Lena Dunham, Rumer Willis, Clu Gulager, Kurt Russell, Zoë Bell, Michael Madsen, James Remar
Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.
Inzwischen ein Klassiker, der mir schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!
In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.
„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)
Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)
Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire
Milliardär Abigail Fairfax (Daniel Radcliffe) entführt Loretta Sage (Sandra Bullock). Sie ist eine die Öffentlichkeit gerne vermeidende Romantic-Thriller-Bestsellerautorin, die mit ihren Schmonzetten über den Schatzjäger Dash McMahon enorm erfolgreich ist. In ihre Geschichten, wie ihren neuesten Roman „The Lost City of D“, lässt sie auch historische Fakten und Mythen einfließen.
Fairfax will diese verlorene Stadt und den Schatz, der in ihr versteckt sein soll, unbedingt finden. Er glaubt, dass Loretta ihm bei der Suche und beim Entziffern von alten Schriftstücken helfen kann, Weil die Stubenhockerin nicht freiwillig mitkommen will, entführt er sie auf eine malerische Atlantikinsel. Er glaubt, dass der Schatz auf der Insel ist. Weil auf der Insel ein Vulkan kurz vor seinem Ausbruch steht, muss alles schnell gehen.
Die Entführung von Loretta hat Alan Caprison (Channing Tatum) beobachtet. Er ist das gut aussehende, bei den Leserinnen begehrte, treudoofe Covermodel ihrer Schmöker. Loretta hält ihn – zu Recht – für einen oberflächlichen Schönling und Dummkopf. Er will ihr beweisen, dass er nicht so dumm ist, wie sie glaubt. Deshalb will er sie aus den Händen der Entführer befreien.
Jack Trainer (Brad Pitt in einem Kurzauftritt [Nein, das ist kein Spoiler, weil er erstens im Trailer auftaucht, aber zweitens nicht auf dem Plakat steht]) soll ihm dabei helfen. Der Personal-Trainer war früher ein Elitesoldat. Er verfügt über die nötigen Fähigkeiten, um Loretta aus dem Lager von Fairfax, das gleichzeitig eine historische Ausgrabungsstätte ist, zu befreien.
Die Befreiung gelingt. Auf ihrer Flucht wird Trainer von Fairfax’s Männern aus dem Hinterhalt erschossen.
Jetzt müssen Loretta und Alan sich, gejagt von den Bösewichtern, allein durch den Urwald schlagen. Und beide sind für dieses Abenteuer nicht gerüstet. Sie hat einen hautengen Pailletten-Jumpsuit an, der sogar auf einer Buchpräsentation etwas unpassend ist. Er, nun, er ist ein auf sein Aussehen bedachter Schönling, der perfekt die Rolle der Jungfrau in Nöten ausfüllt.
„The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“, so der umständlich-längliche deutsche Titel, ist ein Romantic-Thriller, dessen Prämisse an „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (Romancing the Stone, 1984) erinnert. In der Actionkomödie stolpern eine hilfsbedürftige Autorin (Kathleen Turner) und ein taffer Abenteurer (Michael Douglas) durch den Dschungel. Vierzig Jahre sind wir da etwas weiter.
Die Brüder Adam und Aaron Nee lassen in ihrem Film zwei Menschen durch die Wildnis stolpern, die nicht für Wildnis geeignet sind. Wobei Loretta zwar die für den Dschungel ungeeignetere Kleidung anhat, aber deutlich selbstständiger als Alan ist. Damit fällt ihr notgedrungen die Retterrolle zu.
Abgesehen von dieser kleinen Änderung bei den Geschlechtern erfüllt der Film hunderprozentig alle Klischees dieser für Frauen geschriebenen Romantic Thriller – und ironisiert sie etwas. Immerhin ist in „The Lost City“ eine Autorin plötzlich die Hauptperson in einer ihrer Geschichten. Es wird einige Male auf den Unterschied zwischen ihren Romanen und der Realität hingewiesen. Mit dieser Metaebene ist der Film für beide Gruppen ansehbar. Die einen erhalten den Romatic-Thriller, den sie sehen wollen. Die anderen erhalten die Komödie über eben diese seichten Romantic-Thriller, die sie für so doof halten und deshalb niemals lesen würden.
Außerdem immunisiert diese Strategie die Abenteuerkomödie gegen Kritik. Denn wie soll einem Film klischeehafte Dialoge und eine klischeehafte Handlung vorgeworfen werden, wenn genau das der Punkt ist? Vor allem wenn die mild chargierenden Schauspieler so sympathisch sind und die Story, angenehm flott mit einigen Witzen und etwas Action, erzählt wird.
Besonders anspruchsvoll ist das nicht. Aber unterhaltsam.
The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt (The Lost City, USA 2022)
Regie: Adam Nee, Aaron Nee
Drehbuch: Oren Uziel, Dana Fox, Adam Nee, Aaron Nee (nach einer Geschichte von Seth Gordon)
mit Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe, Da’Vine Joy Randolph, Oscar Nuñez, Patti Harrison, Bowen Yang, Brad Pitt
New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.
Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.
Snatch – Schweine und Diamanten (Snatch, Großbritannien/USA 2000)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.
Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.
Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie
Killing them softly(Killing them softly, USA 2012)
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik
LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, deutsche Übersetzung als „Ich töte lieber sanft“)
Zwei Kleingangster überfallen ein illegales Pokerturnier. Dummerweise ist es von einem Mafiosi organisiert und der sinnt auf Vergeltung. Sein Troubleshooter Cogan soll das Problem lösen.
Düsteres, top besetztes Gangsterdrama, das von seinen Dialogen lebt. Das ist nicht wirklich schlecht, aber der Roman ist besser. Denn dort stört es nicht, wenn die Geschichte vor allem über die Gespräche der Gangster erzählt wird.
No Way Out – Es gibt kein Zurück (No way out, USA 1987)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton, Howard Duff, George Dzundza, Brad Pitt (ist wohl irgendwann einmal als Partygast zu sehen; ist einer seiner allerersten Filmauftritte)
Der seltsame Fall des Benjamin Button (The curious Case of Benjamin Button, USA 2008)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Eric Roth
LV: F. Scott Fitzgerald: The curious Case of Benjamin Button, 1922 (Kurzgeschichte)
Wie alle Menschen altert Benjamin Button. Allerdings wird er nicht älter, sondern jünger.
Prächtiges Ausstattungskino mit prominenter Besetzung, basierend auf einer Kurzgeschichte, die zu einem gut dreistündigem Film wurde.
mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Taraji P. Henson, Julia Ormond, Jason Flemyng, Elias Koteas, Tilda Swinton, Jared Harris, Elle Fanning, Mahershala Ali (im Film als Mahershalhashbaz Ali)
Wiederholung: Montag, 24. Mai, 01.55 Uhr (Taggenau!)
Burn after reading – Wer verbrennt sich hier die Finger? (Burn after reading, USA 2008)
Regie: Joel Coen, Ethan Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Nach dem düsteren “No Country for old Men” lieferten die Coen-Brüder wieder eine ihrer schwarzhumorigen Komödie à la “Fargo” und “The Big Lebowski” ab. Wenn auch nicht so gelungen kultig.
In „Burn after reading“ will ein CIA-Agent sich für seine Entlassung rächen. Er schreibt seine unverhüllten Memoiren und verliert das sich auf einer CD befindende Manuskript. Es fällt, wenig überraschend, in die Hände eines Fitness-Trainers, der endlich das große Geld machen will. Einige andere Trottel versuchen ebenfalls ihren Schnitt zu machen.
Mit George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich, Tilda Swinton, Richard Jenkins, David Rasche, J. K. Simmons, Olek Krupa
Wiederholung: Mittwoch, 21. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)
New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.
Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.
Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]
Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)
Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.
Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.
Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.
mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)
Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)
In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.
„Babel“ gewann, nach der IMDB, 42 Filmpreise und war für 136 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.
Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza
Aus der Mitte entspringt ein Fluss (A River runs through it, USA 1992)
Regie: Robert Redford
Drehbuch: Richard Friedenberg
LV: Norman MacLean: A River runs through it, 1976 (Aus der Mitte entspringt ein Fluss)
In poetischen Bildern (Philippe Rousselot erhielt dafür einen Oscar) erzählt Robert Redford in seiner dritten Regiearbeit die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die in Montana vor ungefähr hundert Jahren aufwachsen und von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, zu passionierten Fliegenfischen erzogen werden. Dabei steht das Fliegenfischen für eine bestimmte Geisteshaltung.
„Ein Plädoyer für eine natürliche Ordnung und eine Abkehr von materieller Raffgier. Ein schöner Gegenentwurf zur inhaltsleeren Konsumware Hollywoods.“ (Fischer Film Almanach 1994). Inszeniert von einem Hollywood-Star, mit einem Hollywood-Star am Anfang seiner Karriere in der Hauptrolle.
mit Brad Pitt, Craig Sheffer, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)
LV: Max Brooks: World War Z, 2006 (Operation Zombie, World War Z)
Wissenschaftler Gerry Lane (Brad Pitt) globetrottet auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen den Zombievirus um die Welt – und überall, wo er auftaucht, tauchen sind auch die sich unglaublich flott bewegenden Zombies.
Unterhaltsamer Zombie-Horror mit einer schwierigen Produktionsgeschichte. Als der Film sich in World-War-Z-Zombiegeschwindigkeit zum Kassenhit entwickelte, war schnell eine Fortsetzung im Gespräch. Inzwischen ist die Arbeit an ihr eingestellt.
Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot
Goldmann, 2007
–
Originalausgabe
World War Z – An Oral History of the Zombie War
Crown Publishers, New York 2006
–
Lesehinweis
Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman von Max Brooks auf Deutsch. In „Devolution“ muss sich eine in der Wildnis lebende Gruppe von Aussteigern gegen affenähnliche Kreaturen, die vom Instinkt zu überleben getrieben sind, wehren. Weil sie nach einem Vulkanausbruch von der Außenwelt abgeschnitten sind, sind sie auf sich allein gestellt.
„Devolution“ ist sein erster Roman seit „World War Z“. Die ersten US-Kritiken sind positiv.
Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]
Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)
Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.
Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.
Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.
mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)