Drehbuch: Mel Brooks, Ron Clark, Rudy DeLuca, Barry Levinson
Dr. Thorndyke, neuer Leiter des bei San Francisco gelegenen „Psycho-Neurotic Institute for tht Very, Very Nervous“ und selbst reif für eine Behandlung in seinem Institut, muss herausfinden, was in seinem Institut schief läuft. Denn schon kurz nach seinem Eintreffen stirbt sein Kollege Wentworth auf mysteriöse Weise.
Eine weitere von Mel Brooks‘ gelungenen Stil- und Genreparodien. Dieses Mal nimmt er sich Alfred Hitchcock vor.
Ein großer Spaß. Vor allem wenn man die Werke des Master of Suspense kennt.
mit Mel Brooks, Madeline Kahn, Cloris Leachman, Harvey Korman, Ron Carey, Dick Van Patten
Direkt nach dem „Tanz der Teufel“-Mittelalter-Slapstick „Armee der Finsternis“ um 20.15 Uhr gibt es den ebenfalls ziemlich witzigen, aber auch sehr gruseligen Anfang der Saga
Tele 5, 22.00
Tanz der Teufel (The Evil Dead, USA 1982)
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Sam Raimi (damals noch Samuel M. Raimi)
Fünf Studenten wollen ein ruhiges Wochenende in einer Berghütte verbringen und wecken durch ihre Dummheit eine Horde extrem böswilliger Dämonen. Immerhin wächst Ash (Bruce Campbell!) in dem ganzen Gemetzel über sich hinaus.
Ein Horrorfilmklassiker der wenig subtilen Schule, der damals bei der deutschen Kritik nicht gut ankam: „geradezu sensationeller Geschmacklosigkeit“ (Die Zeit), „einen Beitrag mehr zum Niedergang eines Genres geleistet (…) Bilder aus dem Schlachthaus“ (Fischer Film Almanach 1985), „dass es angeraten ist, Kotztüten bereitzuhalten“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms). Die US-Kritik war anscheinend durchgehend positiver und der kommerzielle Erfolg überragend.
Inzwischen kommt der „stilbildende Slapstick-Horror-Splattermovie“ (Frank Schnelle/Andreas Thiemann: Die 50 besten Horrorfilme, 2010) in einem Meta-Ranking der 50 besten Horrorfilme auf den 18. Platz.
2017 erfolgte die ungekürzte (!) TV-Premiere des in Deutschland lange Zeit verbotenen Films. Wer will, kann sich die damaligen Diskussionen über das damalige Verbot durchlesen. Einen Einstieg dazu ermöglicht die entsprechende Wikipedia-Seite.
mit Bruce Campbell, Ellen Sandweiss, Hal Delrich, Betsy Baker
New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.
Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931)
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Stan & Ollie (Stan & Ollie, Großbritannien/Kanada/USA 2018)
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jeff Pope
LV (Inspiration): A.J. Marriot: Laurel and Hardy – The British Tours, 1993
TV-Premiere. Sehr vergnügliche Chronik der großen Englandtour von 1953, auf der das Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy, Jahre nach dem Ende ihrer Filmkarriere, noch einmal triumphal die Hallen füllte. Dabei sah es am Anfang der Tour anders aus.
Aber die Tricks von Stan und Ollie funktionieren immer noch.
Die fünfzehnjährige Schulabbrecherin Mia hat ständig Ärger und tanzt gerne. Der neue Freund ihrer Mutter bestärkt sie in ihren künstlerischen Ambitionen. Und er verführt sie.
Hochgelobtes Drama in der sozialkritischen Tradition von Ken Loach, das in Cannes den Preis der Jury und den BAFTA-Preis als bester britischer Film erhielt. Bei den British Independent Film Awards wurden die Regie und die Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Um nur einige gewonnene Preise zu nennen und die Nominierungen (u. a. für den Europäischen Filmpreis) zu ignorieren.
„Eine herausfordernde Studie über adolszente Reifungsprozesse, die von der enormen Präsenz der Hauptdarstellerin lebt und die aufgelassenen Industriebrachen um die Themse-Mündung zum seelischen Spiegel macht.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Katie Jarvis, Rebecca Griffiths, Michael Fassbender, Sydney Mary Nash, Harry Treadaway
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Jesus Quintana kennen wir als den durchgeknallten Bowler aus „The Big Lebowski“. Jetzt hat er, ungefähr zwanzig Jahre nach seinem ersten und bislang einzigem Auftritt, seinen eigenen Film bekommen. John Turturro, der die Rolle schon seit Ewigkeiten wieder spielen wollte und ungefähr so lange diesen Film (nicht unbedingt mit dieser Story) plante, spielt ihn wieder. Er schrieb auch das Drehbuch und übernahm die Regie.
Diese Dreierbelastung kann jetzt die Vorlage für einen äußerst gelungenen Film – siehe fast das gesamte Werk von Woody Allen – oder ein Desaster sein. In diesem Fall ist es letzteres. Das mag auch daran liegen, dass Jesus ein echter Großkotz ist und er hier ein Umfeld bekommt, um noch großkotziger zu werden. Denn wer soll ihn kontrollieren? Der Regisseur, der ein Drehbuch möglichst wortgetreu verfilmen will? Wohl kaum.
Die Komödie beginnt mit der Entlassung von Jesus Quintana aus dem Gefängnis. Der Direktor (Christopher Walken) gibt ihm einige gute Ratschläge mit auf seinen künftigen Weg.
Vor dem Gefängnis wird er von von seinem Kumpel Petey (Bobby Cannavale) erwartet und sie beginnen ungefähr da, wo sie vor Jesus‘ Knastaufenthalt aufhörten. Sie klauen jedes Auto, das sie sehen, baggern jede Frau an, die sie treffen und zeigen durchgehend einen erschreckenden Mangel an Respekt vor Recht und Gesetz und den Regeln des guten Antstands.
Das alles erzählt Turtorro als eine episodischen Reigen mit vielen kurzen Auftritten bekannter Schauspieler. Dabei sind Audrey Tautou, die zu ihrer Begleiterin wird und damit die dritte Hauptrolle hat, Jon Hamm, Susan Sarandon, Pete Davidson, Sonia Braga, J. B. Smoove, Tim Blake Nelson und Gloria Reuben.
Schnell drängt sich der Verdacht auf, dass sie beim Dreh viel Spaß hatten. Der überträgt sich allerdings nicht auf den heimischen Bildschirm. Keine Pointe zündet. Keine Entwicklung ist sichtbar, während sich eine austauschbare Episode an die nächste reiht.
Dabei sind die Dialoge recht freizügig und die Schauspieler noch freizügiger. Für einen US-Film ist eine erstaunliche Menge nackter Haut zu sehen. Das und die offenherzige Libertinage des Trios Turturro/Cannavale/Tautou erinnert an europäische Filme. Vor allem aus den siebziger Jahren, als in Betten und der freien Natur im Zuge der sexuellen Befreiung (und Provokation des konservativen Bürgertums) viel nackte Haut gezeigt wurde.
Und wirklich: die Vorlage für „Jesus rolls“ ist Bertrand Bliers Hit „Die Ausgebufften“ (Les Valseuses, Frankreich 1974) mit Gérard Depardieu, Patrick Dewaere und Miou-Miou als freizügiges Trio. Ein Klassiker des französischen Kinos und ein Film, der mir vor Jahren gut gefallen hat.
Den sollte ich mir jetzt mal wieder ansehen.
Von „Jesus rolls“ kann das nicht gesagt werden. Nach knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) bleibt die Erkenntnis, dass Jesus weiterhin besser eine Comicfigur auf der Bowlingbahn in „The Big Lebowski“ geblieben wäre. Mehr wollten wir eigentlich nie über ihn wissen. Die Coen-Brüder wussten das. Ihre Mitwirkung an „Jesus rolls“ beschränkte sich darauf, Turturro die Benutzung der von ihnen erfundenen Figur zu erlauben.
Jesus rolls – Niemand verarscht Jesus(The Jesus Rolls, USA 2019)
Regie: John Turturro
Drehbuch: John Turturro (nach dem Film „Les Valseuses“ von Bertrand Blier)
mit John Turturro, Bobby Cannavale, Audrey Tautou, Pete Davidson, Jon Hamm, Susan Sarandon, Sonia Braga, Christopher Walken, J. B. Smoove, Tim Blake Nelson, Gloria Reuben, Michael Badalucco, Nicolas Reyes, Tonino Baliardo
LV: Marvin H. Albert: Miami Mayhem, 1960 (später wegen der Verfilmung „Tony Rome“, Der Schnüffler)
Der auf einem Boot in Florida lebende Privatdetektiv Tony Rome (Frank Sinatra) soll eine wertvolle Diamantbrosche finden, die Diana Pines auf einer nächtlichen Sauftour verloren hat. Sie ist die Tochter des vermögenden Bauunternehmers Kosterman. Der hat ihn mit der Suche beauftragt. Bei seinen Ermittlungen, hey, wir sind in einem PI-Krimi!, findet Rome einiges über die Kostermans heraus, die Leichen stapeln sich, er wird mehrmals zusammengeschlagen (der unerfreuliche Teil der PI-Arbeit) und er erhält reihenweise eindeutige Angebote von gutaussehenden Frauen (der erfreuliche Teil der PI-Arbeit).
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter durchwachsener Privatdetektiv-Krimi; kein Klassiker, aber ein Film, der irgendwie immer da ist und erfolgreich genug für eine Fortsetzung (Die Lady im Zement, USA 1968, Regie: Gordon Douglas) war. Aus heutiger Sicht gibt es wohl wohlige Erinnerungen an die Sixties und Bilder von Miami, bevor „Miami Vice“ Verbrecher jagte.
mit Frank Sinatra, Jill St. John, Richard Conte, Gena Rowlands, Simon Oakland, Jeffrey Lynn, Sue Lyon
auch bekannt als „Tony Rome – Der Schnüffler“
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Die Vorlage
Wer schon alle Abenteuer von Sam Spade, Philip Marlowe, Lew Archer und Travis McGee kennt, sie jetzt nicht noch einmal lesen will und auf Entzug ist, für den ist „Der Schnüffler“ geschrieben. Marvin H. Albert erfand 1960 mit Tony Rome einen typischen Hardboiled-PI, schlecht verdienend, illusionslos, spielsüchtig, auf einem Boot lebend (Hey, wir sind in Florida!) und der Schwarm aller Frauen (die natürlich alle verdammt gut aussehend sind). Das ist in jeder Beziehung typisch für die damalige Zeit, flott geschrieben und ein nostalgisches Lesevergnügen. Wenn ihr den Roman also in irgendeiner Ramschkiste entdeckt und diese Art von Krimis mögt, solltet ihr unbedingt zuschlagen.
Albert schrieb drei Tony-Rome-Krimis.
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Marvin H. Albert: Der Schnüffler
(übersetzt von Wolfgang Crass)
Heyne, 1984
224 Seiten
5,80 DM
(nur noch antiquarisch erhältlich – und, ja, nach dem Cover ist das die Deutsche Erstausgabe)
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Brexit – Chronik eines Abschieds(Brexit: The uncivil war, Großbritannien 2019)
Regie: Toby Haynes
Drehbuch: James Graham
TV-Premiere. Packendes satirisches, äußerst dicht und flott erzähltes Drama über die Kampagne, die dazu führte, dass die Briten am 23. Juni 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten. Im Mittelpunkt des Films steht der skrupellose Spindoktor Dominic Cummings (Benedict Cumberbatch, grandios!), der die manipulaitve und vor Lügen strotzende „Vote Leave“-Kampagne zum Erfolg führte.
mit Benedict Cumberbatch, John Heffernan, Rory Kinnear, Simon Paisley Day, Lee Boardman
Soll das der Sinn des Lebens sein? Eine Abfolge trivialer Momente, in denen eine Verkäuferin auf dem Bürgersteig eine Blume bestäubt oder ein weinender Mann in einem voll besetzten Bus sitzt? Oder ein Pfarrer seinen Glauben verloren hat? Oder einige Mädchen auf der Straße vor einem ländlichen Café zu einem banalen Lied tanzen? Oder ein auf einer Bank sitzendes Paar, das auf die Stadt blickt? Oder eine Oma, die Bilder von einem Baby macht, das von seinem Vater in die Luft gehalten wird? Oder ein eskalierender Ehestreit in einer Markthalle an einem Fischstand? Oder ein Mann, der seiner Tochter im strömenden Regen die Schuhe bindet?
In seinem neuesten Film „Über die Unendlichkeit“ reiht Roy Andersson solche und ähnliche, zwischen Absurdität und Trivialität changierende Szenen aneinander. Die Kamera ist statisch. Der Bildausschnitt ist genau gewählt. Im Bild bewegt sich meistens nichts. Sie wirken damit eher wie vertonte Fotografien, die mit ihren ausgebleichten Farben und dem kargen Mobiliar an die Filme von Aki Kaurismäki erinnert. Auch der lakonische Tonfall erinnert an die Werke des finnischen Regisseurs.
Nur dass Andersson in seinem neuesten Film vollkommen auf eine Geschichte verzichtet. Er verzichtet sogar, bis auf ein, zwei Ausnahmen darauf, dass bestimmte Figuren mehrmals auftauchen. Das war in seinem vorherigen Film „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ anders. In „Über die Unendlichkeit“ gibt es nur eine Abfolge von minimalistischen Szenen, die wie zufällige Alltagsbeobachtungen wirken. Aber es sind hochgradig künstliche Verdichtungen dieser Alltagsbeobachtungen. Ablenkende Gesten, Geräusche, Gegenstände, Worte und, bei den Schauspielern, Emotionen wurden entfernt. Es ist nur noch der Kern vorhanden. Der ist dann mal düster, mal heiter, mal witzig, mal absurd und zutiefst menschlich. Die kurzen Vignetten ergeben ein deprimierend-witziges Panoptikum der Menschlichkeit zwischen Krieg und Frieden. Auf eine eindeutige Botschaft verzichtet Andersson dabei.
So entfalten die bewegunslosen Bilder und die meist ruhig und bedächtig gesprochenen Sätze schnell eine fast schon meditative Wirkung.
Der 1943 im schwedischen Gothenburg geborene Andersson drehte 1970 und 1975 die den mit vier Preisen auf der Berlinale ausgezeichnten Spielfilm „Eine schwedische Liebesgeschichte“ und den verrissenen „Giliap“. Danach arbeitete er sehr erfolgreich als Werbefilmer. Ingmar Bergman hielt ihn den „besten Werbefilm-Regisseur der Welt“. 1981 gründete Andersson in Stockholm das Studio 24, das ihm künstlerische Freiheit und Kontrolle gewährte. Zur Jahrtausendwende wandte er sich wieder dem Spielfilm zu. Die Kritiken für „Songs from the Second Floor“, „Das jüngste Gewitter“, „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ und jetzt „Über die Unendlichkeit“ waren euphorisch. „Über die Unendlichkeit“ hatte seine Premiere 2019 in Venedig. Dort erhielt er den Preis für die beste Regie.
Die DVD (und Blu-ray) enthält ein interessantes Interview mit Roy Andersson und ein „Behind the Scenes“-Featurette, das in diesem Fall sehr sehenswert ist. Es zeigt nämlich, dass die Szenen des Films nicht vor Ort, sondern ausschließlich im Studio gedreht wurden und sehr genau Bildausschnitte, Hintergründe und Schauspieler ausgewählt wurden. Sie zeigen den Künstler Andersson bei der Arbeit.
P. S.: In der aktuellen Ausgabe des „Lexikons des internationalen Films“ (Besprechung folgt) steht „Über die Unendlichkeit“ in der Liste der zwanzig besten Kinofilme des Jahres 2020.
Über die Unendlichkeit(Om det oändliga, Schweden/Deutschland/Norwegen/Frankreich 2019)
Regie: Roy Andersson
Drehbuch: Roy Andersson
mit Bengt Bergius, Anja Broms, Tatiana Delaunay, Jan-Eje Ferling, Thore Flygel, Lotta Forsberg, Martin Serner
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DVD
good!movies/Neue Visionen Medien
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Roy Andersson, Behind the Scenes, Audiodeskription, Untertitel für Hörgeschädigte
Holocaustdrama über den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der in Polen über 1100 Juden vor den Vernichtungslagern rettete, indem er sie als Zwangsarbeiter rekrutierte und dabei alles riskierte.
„in jeder Hinsicht bemerkenswert und legt eine künstlerische Strenge und ein unsentimentales Verständnis an den Tag, das es von allen bisherigen Filmen des Regisseurs abhebt. (…) Trotz seiner Länge von über drei Stunden bewegt sich der Film schnell voran und ist keine Minute zu lang für die Geschichte, die er erzählt, und die Menge von Informationen, die er vermittelt.“ (Todd McCarthy, Variety)
Steven Spielberg zum Kinostart der restaurierten Fassung im Januar 2019: „Es ist schwer zu glauben, dass es 25 Jahre her ist, seit ‚Schindlers Liste‘ in die Kinos kam. Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocaust dürfen nie vergessen werden, und die Lehren des Films über die entscheidende Bedeutung der Bekämpfung des Hasses hallen auch heute noch nach. Ich fühle mich geehrt, dass das Publikum die Reise noch einmal auf der großen Leinwand erleben kann.“
mit Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Caroline Goodall, Jonathan Sagalle, Embeth Davidtz
Der Yakuza und Taugenichts Kikujiro muss auf den achtjährigen Masao, der seine Mutter sucht, aufpassen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg.
In seinem achten Spielfilm bleibt Takeshi Kitano der Welt der Yakuza zwar treu, aber die Gesichte ist keine brutal-lakonische Gangstergeschichte, sondern ein wunderschön verspieltes Roadmovie, in dem ein Mann neue Seiten an sich kennen lernt.
„ein wunderhübsch dahinplätscherndes, loses Reisejournal, surreale Slapstickeinlagen und eine große Portion despotischen Kitano-Humors sorgen ständig für Überraschungen.“ (Robert Weixlbaumer, tip 24/99)
Davor, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die brandeue Doku „Takeshi Kitano – Japans unangepasster Star“ (Frankreich 2020).
Manche jammern, sie seien knietief im Dispo. Andere fragen sich, warum am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig sei und Carmen Losmann („Work Hard – Play Hard“) fragt sich, woher das Geld kommt. Denn die Zeiten, in denen das Papiergeld durch Gold gedeckt ist, sind lange vorbei. In Diskussionen wird nicht mehr darauf hingewiesen, dass der Staat jederzeit in unbegrenzter Menge Geld drucken könne. Trotzdem steigt auf dem Papier die Geldmenge.
Auf der Suche nach einer Antwort, fragte Losmann die Menschen, die es eigentlich wissen müssten: Volkswirte, Vermögensverwalter, Finanzvorstände und Banker. Dabei hat ihre naive „Wo kommt das Geld her?“-Frage enthüllendes Potential. Sie klingt wie eine Frage aus der „Die Sendung mit der Maus“, die dort, selbstverständlich didaktisch fein aufbereitet, schlüssig beantwortet wird. Die vonLosmann befragten Männer sind allerdings keine Didaktiker, sondern studierte Betriebs- und Volkswirte, die wahrscheinlich zum ersten Mal nach den Grundlagen ihres Fachs gefragt werden und sich mit den naiven Nachfragen beschäftigen müssen. Dabei wird zuerst die Kluft zwischen Betriebs- und Volkswirten offensichtlich. Die Betriebswirte, die sich nur um die Geldflüsse in einem Unternehmen kümmern, verstehen die Frage offensichtlich nicht. Für sie ist Geld einfach da. Mit ihm werden die Produkte, die sie herstellen, bezahlt. Wenn ihre Bilanzsumme steigt, bieten sie offensichtlich ein Produkt an, das viele Menschen kaufen wollen. Auch wenn es ein Kauf auf Kredit ist.
Die Volkswirte können die Frage besser beantworten. Sie können die Geldschöpfung erklären. In ihrer einfachsten Form geht es so, dass eine Bank mir für mein Versprechen, ihr später mehr Geld (oder etwas vergleichbares) zu geben, einen Kredit gibt. Den schreibt sie in ihre Bücher und sie erzeugt damit Geld. „Die Bank braucht kein Geld, um einen Kredit zu vergeben. Sie produziert Geld dadurch, dass sie einen Kredit vergibt“, sagt der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer.
Die Experten können allerdings nicht erklären, warum diese Methode sinnvoll ist und welche Folgen sie hat. Sie können zwar manchmal erklären, welche ökonomischen Folgen das hat. Für die sozialen und politischen Folgen sind sie, wie der Dokumentarfilm „Oeconomia“, weitgehend blind.
Abgesehen von dem Spaß-Faktor, der zeigt, wie überheblich einige dieser Fachleute sind und wie leicht sie durch eine kindliche Frage aus dem Konzept gebracht werden können, ist das Erklären der Grundlagen unseres Wirtschaftssystems ausführlicher als nötig.
Hier hätten einige Wissenschaftler und Fachjournalisten analytisch mehr gebracht.
Ergänzt wird ihre Tour durch die Welt der Banken durch eine sechköpfige Gruppe, die in einer Fußgängerzone Monopoly mit geänderten Regeln spielt und über die Folgen der geänderten Regeln, die zeigen sollen, wie die Wirtschaft funktioniert, diskutieren. Dabei kommen sie zur Erkenntnis, dass das aktuelle System ein konstantes Wachstum und eine damit verbundene Verschuldung braucht. Das funktioniert allerdings nur solange, wie alle mitmachen.
Am Ende des Films sagt eine Spielerin (und eine der beiden Frauen des Films), es müsse über Alternativen nachgedacht werden. Das ist dann die Aufgabe eines anderen Films. In „Oeconomia“ geht es nur um die Analyse des Systems.
Oeconomia (Deutschland 2020)
Regie: Carmen Losmann
Drehbuch: Carmen Losmann
mit Samirah Kenawi, Jean-Marc Decressonnière, Thomas Mayer, Peter Praet, Armin Schlenk, Joachim Fels, Mathias Rusterholz, Nicolas Peter, Michael Heise, Andrew Bosomworth, Dag Schulze, Marc Sierszen, Lino Zeddies, Stefan Krause, Elsa Egerer
–
DVD
good!Movies
Bild: 1,85:1 in 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch/Englisch
Bonusmaterial: Audiodeskription, Untertitel für Hörgeschädigte, Trailer
1897 besucht der junge Anwalt Jonathan Harker Transsylvanien. Dort soll er Graf Dracula treffen und den Kauf eines Anwesens in England abzuschließen. In dem Schloss geschehen seltsame Dinge und der sich rapide verjüngende und immer besser aussehende Gastgeber verhält sich noch seltsamer. Schließlich ist er ein Vampir, weshalb er süchtig nach Blut ist, das Tageslicht scheut und sich immer wieder in eine Fledermaus verwandelt.
Die anschließende Schiffspassage nach England, mit dem Grafen und viel heimischer Erde, verläuft ohne große Probleme. Auch wenn dieses Mal das Schiff ein Mikrokosmos der Gesellschaft ist und Graf Dracula sich durch seine Mitreisenden saugt.
In England kommt er hundertzwanzig Jahre später an und trifft dort auf seinen alten Gegner Van Helsing.
So weit, so bekannt.
Schließlich kennen wir die Geschichte von Graf Dracula aus Bram Stokers Roman und den zahlreichen Verfilmungen. Jedenfalls gehen die Macher der BBC-Miniserie „Dracula“ davon aus.
Die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat, von denen auch „Sherlock“ stammt, erzählen die bekannte Geschichte neu, zitieren bekannte Versionen, variieren bekannte Situationen, erfinden einige neue Situationen, verlegen die ursprünglich im 19. Jahrhundert spielende Geschichte teilweise ins 21. Jahrhundert und garnieren sie mit brillanten Dialogen und Einzeilern.
Aus dem Vampirjäger Van Helsing machen sie eine Frau. In den ersten beiden spielfilmlangen Episoden der Miniserie ist sie eine wunderschön schnippische, taffe und kluge Nonne. In der dritten Episode ist sie nicht mehr Schwester Agatha Van Helsing, sondern Dr. Zoe Van Helsing, Wissenschaftlerin der Jonathan-Harker-Stiftung. Gespielt wird sie von Dolly Wells. Claes Bang spielt Dracula als verführerisches Monster mit spürbarer Lust am distinguiert triebgesteuertem, hyperpotentem Blutrausch und guten Gesprächen. Gerne mit Van Helsing.
Gatiss und Moffat erzählen die Geschichte in drei weitgehend in sich abgeschlossenne spielfilmlangen Episoden, die von verschiedenen Regisseuren inszeniert wurden. Jonny Campbell, Damon Thomas und Paul McGuigan übernahmen die Regie.
Die erste Episode spielt in einem Nonnenkloster, in dem Harker Van Helsing von seinen Erlebnissen in Draculas Schloss erzählt. Die zweite Episode schildert vor allem die Schiffspassage von Graf Dracula nach England und wie er sich durch die Besatzungsmitglieder und Mitreisenden ißt. Die dritte Episode spielt dann im London der Gegenwart.
Das ist durchgehend unterhaltsam, düster, sexuell aufgeladen, aber, und das muss der Ehrlichkeit halber auch gesagt werden, nicht so catchy wie „Sherlock“. Passagenweise gerät die Geschichte, wenn einige Situationen und Gespräche über Gebühr gedehnt werden, sogar etwas länglich. Das liegt an der Entscheidung, die Geschichte an wenigen Orten spielen zu lassen (letztendlich spielen die ersten beiden Episoden an drei Orten: Draculas alptraumhaft-verwinkeltem Schloss, dem Nonnenkloster und dem Schiff) und der Struktur mit den drei neunzigminütigen, in sich abgeschlosenen Filmen, die dann doch eine Geschichte erzählen.
Das Bonusmaterial besteht aus einem Audiokommentar und sechs kurzen, rein werblichen Featurettes, die man in 25 Minuten durchgesehen hat.
Dracula(Dracula, Großbritannien 2020)
Regie: Jonny Campbell, Damon Thomas, Paul McGuigan
Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat
LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)
mit Claes Bang, Dolly Wells, John Heffernan, Morfydd Clark, Joanna Scanlan, Lujza Richter, Jonathan Aris, Sacha Dhawan, Mark Gatiss
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (^,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: 6 Behind-the-Scenes-Featurettes, Audiokommentar mit Cast & Crew zu Episode 3
Fahrstuhl zum Schafott(L’ascenseur pour l’échafaud, Frankreich 1958)
Regie: Louis Malle
Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle
LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)
Julien hat den perfekten Mord begangen. Aber danach geht alles gründlich schief: er bleibt in einem Fahrstuhl stecken und sein Auto wird von Halbstarken geklaut.
Malles Regiedebüt ist inzwischen ein Noir-Krimiklassiker und einer der stilbildenden Filme der Nouvelle Vague. Musikalisch fabelhaft begleitet von Miles Davis und einer aus europäischen Musikern bestehenden Band.
Louis Malle erzählt in knapp neunzig Minuten vier Geschichten. Entsprechend dicht, assoziativ und oft schon hastig, fast wie ein Bebop-Stück, ist „Fahrstuhl zum Schafott“ erzählt. Da gibt es keine überflüssigen Bilder. Eher schon umgekehrt – und gerade das macht „Fahrstuhl zum Schafott“, abgesehen von seinem Rang als Filmklassiker, auch heute noch gut ansehbar. Außerdem ist die Noir-Philosophie immer noch aktuell.
Kevin Kruse, nicht gerade die hellste Birne in Hamburg, gelernte Koch und Nazi, nimmt kurz vor einem Bewerbungsgespräch ein Video auf, in dem er droht, den künftigen Arbeitgeber umzubringen, wenn er den Job nicht erhält. Nun, das mit dem Job geht schief. Kruse hat das mit der Morddrohung auch nicht ganz ernst gemeint. Das ändert nichts daran, dass er mit seinem Online-Video eine Dynamik in Gang setzt, in der ein arbeitsloser Koch, seine hochschwangere Freundin, mehr oder weniger kriminelle Menschen mit Migrationshintergrund und kriminelle Nazis, die teilweise gerade für das Parlament kandidieren, sich einen munteren Reigen liefern.
Mitten drin versucht Kommissar Erichsen (Armin Rohde) in der ersten Nacht mit seinen neuen Kolleginnen Tülay Yildirim (Idil Üner) und Lulu Koulibaly (Sabrina Ceesay) den Überblick zu behalten.
Gewohnt pointiert humorig respektloser Krimi, der alles hat, was wir seit Jahren an der von Lars Becker verantworteten „Nachtschicht“-Reihe lieben.
Mit Armin Rohde, Idil Üner, Sabrina Ceesay, Özgür Karadeniz, Albrecht Ganskopf, Aurel Manthei, Marleen Lohse, Kais Setti, Tristan Seith, Navid Navid, Bernhard Schir, Jule Böwe, Frederic Linkemann, Katharina Heyer
mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane