Die fabelhafte Welt der Amélie (Le fabuleux destin d’Amélie Poulain, Frankreich/Deutschland 2001)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Guillaume Laurant, Jean-Pierre Jeunet
In einem Paris, das nicht von dieser Welt ist (und das es so nie gab), verzaubert die Kellnerin Amélie ihre Mitmenschen und macht sie glücklich. Da trifft sie ihren Märchenprinzen…
Ein märchenhafter, schnell verzaubernder, vor Einfällen überbordender, wundervoll warmherziger Film voller Humor und skurriller Typen.
mit Audrey Tautou, Mathieu Kassovitz, Rufus, Yolande Moreau, Artus de Penguern
Für das Navy-SEAL-Team war der Einsatz am 19. November 2006 im Irak in Ramadi nur ein Routineeinsatz. Sie sollten in der Nacht in der Stadt ein Haus finden und von dort das Gelände beobachten.
Alex Garland und Ray Mendoza, einer der Soldaten, der bei dem Einsatz dabei war, schildern diesen Einsatz von den Sekunden bevor die Einheit das von ahnungslosen Irakern bewohnte Wohnhaus, das ihr Stützpunkt werden soll, besetzen und dem Moment, in dem die Soldaten das zerstörte Haus verlassen.
Der schief laufende Einsatz – die Einheit wird von Einheimischen entdeckt, angegriffen und belagert und muss Hilfe anfordern – wird von Garland und Mendoza chronologisch und minutiös geschildert. Dabei bleiben sie, bis auf einige Drohnen-Aufnahmen von dem Gebiet, immer in dem Wohnhaus und den wenigen Metern zwischen Haus und Straße.
Der aus dieser Begrenzung auf ein Ereignis, einen kurzen Zeitraum und einen Ort entstandene Kriegsfilm „Warfare“ überzeugt vor allem als formale und technische Übung. Und als Actionfilm.
Garland führt in „Warfare“ die Entkernung einer durchaus politischen Geschichte von ihren politischen Implikationen und Einrahmungen, die schon bei seinem vorherigen Film „Civil War“ hochproblematisch war, weiter fort. In „Civil War“ erzählte er von einem Krieg, in dem US-Amerikaner gegen US-Amerikaner kämpfen. Warum sie gegeneinander kämpfen, was die einzelnen Gruppen erreichen wollen und wie es zu dem Bürgerkrieg kam, ist egal. Es geht nur um eine Gruppe A die gegen eine Gruppe B kämpft. In „Warfare“ geht es nur noch um einen kleinen Einsatz. Über das Ziel des Einsatzes werden wir am Filmanfang in wenigen Worten informiert: die Navy SEALs sollen einen Spähposten errichten. Welche Bedeutung er innerhalb des Krieges hat, erfahren wir nicht. Über den Irak-Krieg erfahren wir in dem Film noch weniger. Ohne den Ortshinweis am Filmanfang wüssten wir noch nicht einmal, wo der Film spielt. Und wenn Alex Garland Ray Mendoza nicht am Set von „Civil War“ kennen gelernt und dieser nicht von diesem Einsatz erzählt hätte, hätte der Film genausogut an irgendeinem anderen Ort in irgendeinem anderen Krieg spielen können. Denn „Warfare“ interessiert sich nicht für den Kontext, in dem das Gefecht stattfand. Es ist auch kein Gefecht, das für den damaligen Krieg und die Planung künftiger Einsätze eine Bedeutung hatte.
Über die Soldaten, die um ihr Überleben kämpfen und sterben, erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist uns ihr Leid und ihr Tod. Schließlich haben sie sich freiwillig verpflichtet. Anders ist das bei den Hausbewohnern und den beiden irakischen Übersetzern, die zum SEAL-Team gehören. Sie bleiben allerdings Randfiguren. Kanonenfutter, an das die US-Soldaten und der Film keine Gedanken verschwenden.
„Warfare“ ist genau der Actionfilm, den Garland und Mendoza machen wollten. Und damit eine gerade wegen seiner Beschränkung auf einen in jeder Beziehung unwichtigen Einsatz todlangweilige technische Übung im luftleeren Raum ohne irgendeinen Erkenntnisgewinn.
Am Ende dieses verfilmten Einsatzberichts bleibt nur die Bestätigung der schon vorher vorhandenen Meinung. Kriegsgegner sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Krieg schlimm und sinnlos ist. Soldaten sehen die Dokumentation eines Einsatzes, der ihre Tapferkeit im Kampf gegen einen unsichtbaren, überlegenen, sie aus dem Hinterhalt angreifenden Feind feiert. Andere Romane und Filme über den Krieg, wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) oder Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987), um nur zwei Klassiker zu nennen, waren da vor Jahrzehnten schon weiter.
Warfare (Warfare, USA/Großbritannien 2025)
Regie: Alex Garland, Ray Mendoza
Drehbuch: Alex Garland, Ray Mendoza
mit D’Pharaoh Woon-A-Tai, Charles Melton, Joseph Quinn, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Evan Holtzman, Finn Bennett, Noah Centineo, Henrique Zaga, Taylor John Smith, Kit Connor, Michael Gandolfini, Adain Bradley
Uh, das wird jetzt etwas schwierig. Plakat, Trailer und Synopse verraten wenig, die Gerüchteküche schon mehr und ich frage mich, was ich verraten möchte. Denn ein großer Teil des Vergnügens ist dieses Nichtwissen. Die einfachste Möglichkeit mit dem Problem umzugehen, ist eine geteilte Kritik: vor dem Trailer im Text allgemein über den Film, nach dem Trailer mit Spoilern.
Also: „Blood & Sinners“ ist der neue Film von Ryan Coogler. Wie bei seinen vorherigen Filmen „Nächster Halt: Fruitvale Station“, „Creed“ und den beiden „Black Panther“-Filmen spielt Michael B. Jordan. Wieder die Hauptrolle. Er spielt überzeugend und ohne es jemals wie einen Gimmick wirken zu lassen (wie Robert De Niro in „The Alto Knights“) in einer Doppelrolle die Zwillinge Smoke und Stack. Die vergangenen sieben Jahre lebten sie in Chicago. Was sie genau taten, bleibt wie bei dem Großen Gatsby, unklar. Jetzt, 1932, kehren sie in in ihre alte Heimat Clarksdale, Mississippi, zurück. Es ist eine dieser Gegenden, in der Bluesmusiker an einsam gelegenen Kreuzungen den Teufel treffen und mit ihm Geschäfte machen. Die Zwillinge wollen einen Juke Joint eröffnen. Die Eröffnungsnacht soll eine Nacht werden, die sie und die hoffentlich zahlreich erscheinenden Gäste nicht vergessen. Wenige Stunden später ist die Hütte voll und sie kämpfen um ihr Leben.
„Blood & Sinners“ badet im Blues, vor allem dem damals dort gespielten Country Blues, und der afromarikanischen Kultur. Coogler schöpft aus dem Vollen und legt dann, wie ein guter Prediger, noch eine Schippe drauf.
Die Story selbst, – nun, sie hat wenige Wendungen und Überraschungen, aber sie malt jedes Detail detailfreudig aus.
Das Ergebnis ist unbedingt sehenswert. „Blood & Sinners“ ist in jedem Fall einer von Ryan Cooglers besten, möglicherweise sogar sein bester Film. Es ist ein Film mit einer klaren künstlerischen Handschrift und einer Vision, die kompromisslos durchgezogen wurde.
Außerdem sollte man, wie bei einem Marvel-Film, unbedingt sitzen bleiben bis das Saallicht angeht und der Film wirklich vorbei ist. Im Gegensatz zu den zunehmend beliebig und vollkommen uninteressant werdenden Mid- und Post-Credit-Szenen der Superheldenfilme ist hier jede Szene wichtig.
So, und jetzt kommen wir zu dem Teil meiner Kritik, in dem es Spoiler gibt.
Coogler erzählt nach seinem Drehbuch eine Südstaatenhorrorgeschichte.
In der ersten Filmminute stolpert ‚Preacher Boy‘ Sammie, krampfhaft den Hals einer zerstörten Gitarre festhaltend, in den Gottesdienst einer dieser kleinen ländlichen Kirchen. Sein Vater, der Prediger, fordert ihn zum Beten auf. Preacher Boy hat Flashbacks. In diesen Flashbacks deutet Coogler schlimme, in dem Moment nicht identifizierbare Ereignisse an. Dann springt die Filmgeschichte einen Tag zurück. Die aus Chicago kommenden Zwillinge Smoke und Stack kaufen von einem Weißen eine geräumige Scheune, die sie innerhalb weniger Stunden zu einem Lokal herrichten wollen. Den Schnaps haben sie schon. Die anderen Dinge, wie Musiker, Bedienungen, Türsteher und Schilder, besorgen sie innerhalb weniger Stunden. Coogler zeigt dies ausführlich. Es sind Minuten, in denen wir die Figuren kennen lernen und erfahren, wie das Leben im ländlichen Mississippi funktioniert.
Auch die anschließende Eröffnungsnacht in dem Juke Joint der Zwillinge zeigt Coogler ausführlich. Anfangs ist es eine normale Feier mit Alkohol, Blues, Sex, schwitzenden Körpern und überbordenden Emotionen. Personal und Gäste sind Schwarze und einige wenige Asiaten. Die Trennung der Rassen bestimmte damals in den Südstaaten das Leben noch mehr als heute.
Als ziemlich spät in der Filmgeschichte eine Gruppe Weißer anklopft und gerne in das Lokal hineingebeten würde, ist Ärger vorprogrammiert. In dem Moment wissen wir schon aufgrund einer vorherigen Szene, dass diese Weißen Vampire sind. Weiße Vampire, die Folk Music, also Weiße Musik, spielen, und die die Schwarzen aussaugen wollen. Das ist ein ebenso einfaches wie aussagekräftiges Bild für die Situation in den USA.
Sicher, später verwischt Coogler etwas die Grenzen. Dann wird der Juke Joint auch von zu Vampiren gewordenen Schwarzen angegriffen. Und die in der Hütte eingeschlossenen wehren sich mit brachialer Gewalt. Blut spritzt. Gedärme liegen auf dem Boden neben zerfetzten Leichen. Da werden Erinnerungen an „John Carpenters Vampire“ wach. Wobei hier die Vampire und andere Bösewichter in der Black-Power-Variante (bevor es Black Power gab) bekämpft werden.
„Blood & Sinners“ ist, mit etwas Quentin Tarantino, ein überaus gelungener Beitrag zur afroamerikanischen Mythenbildung.
Schade ist, dass die Mitglieder des Mississippi-Choctaw-Indianerstammes nur einen, rein expositorischen Auftritt haben. Von ihnen hätte ich gerne mehr gesehen. Vielleicht in einem zweiten Film.
–
P. S.: Wer nach „Blood & Sinners“ die früheren Werke von Ryan Coogler sehen möchte, kann dies während der Ostertage tun:
Pro7 zeigt am Samstag, den 19. April, um 20.15 Uhr „Black Panther“; Wiederholung am Montag, den 21. April, um 9.10 Uhr.
Sat 1 zeigt am Montag, den 21. April, um 00.40 Uhr (Taggenau!) „Creed – Rocky’s Legacy“; Wiederholung am Dienstag, den 22. April, um 03.20 Uhr (Taggenau!)
Pro7 zeigt am Montag, den 21. April, um 20.15 Uhr, als TV-Premiere, „Black Panther: Wakanda forever“; Wiederholung am Freitag, den 25. April, um 22.25 Uhr.
Blood & Sinners (Sinners, USA 2025)
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler
mit Michael B. Jordan, Hailee Steinfeld, Miles Caton, Jack O’Connell, Wunmi Mosaku, Jayme Lawson, Omar Miller, Li Jun Li, Delroy Lindo, Buddy Guy (erst im Abspann – und das ist ein Grund, sich den Abspann anzusehen)
TV-Premiere eines harten französischen Polizeikrimis über Drogenhandel und den Kampf dagegen.
Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Story und Charaktere [bleiben] im Ganzen wenig originell, doch der Film vermag seine weit verzweigten Handlungsstränge stringent zu entwickeln und spannungsfördernd zu verweben.“
mit Sofia Essaïdi, Assaad Bouab, Alberto Ammann, Simon Abkarian, Carlos Bardem
auch bekannt als „Overdose“ (Amazon-Prime-Titel)
Wiederholung: Samstag, 19. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)
Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland
Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.
Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.
mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne
LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)
US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.
Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.
„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt “Projekt: Peacemaker” seine Geschichte.
Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev
Wiederholung: Dienstag, 15. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Ipcress – Streng geheim (The Ipcress File, Großbritannien 1965)
Regie: Sidney J. Furie
Drehbuch: Bill Canaway, James Doran
LV: Len Deighton: The IPCRESS File, 1962 (Ipress – Streng geheim)
Der britische Geheimagent Harry Palmer soll herausfinden, warum Top-Forscher plötzlich Gedächtnislücken haben. Stecken die Russen dahinter?
Mit dem ersten von drei Harry Palmer-Filmen legte Bond-Produzent Harry Saltzman einen erfolgreichen Gegenentwurf zu James Bond vor. Denn Harry Palmer – in Deightons Romanen hat er noch nicht einmal einen Namen – ist ein ganz gewöhnlicher Beamter mit einem Kassengestell und billigen Anzügen. Er ist eher ein Privatdetektiv, der hartnäckig eine Spur verfolgt und sich nicht auf die schützende Hand seiner Regierung verlassen kann.
Das Drehbuch des spannenden Agententhrillers erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Für Michel Caine ist Harry Palmer eine seiner klassischen Rollen. Insgesamt spielte er dreimal den Geheimagenten. Nach „Ipcress – Streng geheim“ gab es das „Finale in Berlin“ (Funeral in Berlin, 1966, Regie: Guy Hamilton) und „Das Milliarden-Dollar-Gehirn (Billion Dollar Brain, 1967, Regie: Ken Russell). 1995 und 1996 spielte Caine wieder Harry Palmer in den zu Recht vergessenen TV-Filmen „Peking Express“ (Bullet to Beijing) und in „Herren der Apocalypse“ (Midnight in Saint Petersburg), die nicht auf Romanen von Len Deighton basieren und auch sonst nichts mit Deighton zu tun haben.
Mit Michael Caine, Nigel Green, Guy Doleman, Sue Lloyd, Gordon Jackson
Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama, USA/Irland/Großbritannien 2001)
Regie: John Boorman
Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis
LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)
Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.
Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Der damalige James-Bond-Darsteller Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.
Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Brendan Gleeson, Martin Ferrero, Mark Margolis, Dylan Baker, Daniel Radcliffe
Parthenope ist in Homers Odyssee der Name einer der Meerjungfrauen, die mit ihrer verführerischen Stimme Seeleute und Reisende ins Verderben lockt.
Parthenope ist auch eine Bezeichnung der Neapolitaner für ihre Stadt Neapel.
Parthenope ist in Paolo Sorrentinos neuem Film „Parthenope“ der Name einer Neapolitanerin. In seinem Film erzählt er ihr Leben von ihrer Geburt 1950 bis in die Gegenwart. Er konzentriert sich dabei auf die Jahre zwischen 1968 und 1974, als sie als junge Schönheit reihenweise Männern den Kopf verdreht und an der Universität Anthropologie studiert. Sie ist immer gelangweilt und die schönste und klügste Person im Raum.
Paolo Sorrentino illustriert dieses sorgenfreie Leben am sommerlich-sonnigen Mittelmeer in einer Abfolge exquisit aussehender Stillleben und kluger Kalendersprüche.
Das sieht in jeder Sekunde gut aus. Aber es bleibt leblos. Parthenope entwickelt nie mehr Persönlichkeit als ein Playboy-Model. Sorrentinos Blick auf sie und die sie umgebenden halbnackten, ebenfalls gut aussehenden Männer ist voyeuristisch. Es fehlt die in seinem früheren Film „Ewige Jugend“ vorhandene Brechung. Dort sinnierten zwei alte Männer beim Anblick einer jungen Schönheit über ihr Alter und die Vergänglichkeit. In „Parthenope“ gibt es nur noch Bilder von schönen Menschen in einer schönen Landschaft.
Es gibt viele Anspielungen auf die Geschichte Neapels und Italiens, die Kirche und, sich in Prüfungen und Begegnungen mit ihrem Professor erschöpfend, die Wissenschaft. Die meisten Anspielungen können wahrscheinlich nur Einheimische dechiffrieren.
Gary Oldman darf als der von Parthenope bewunderte Schriftsteller John Cheever einige Minuten betrunken im Bild herumhängen und kluge Sätze sagen.
Als großformatiger Bildband mit einigen Sätzen aus dem Drehbuch funktioniert diese Liebeserklärung an die Schönheit der jungen Frau, Neapels und des untergegangenen „La dolce vita“-Italien der sechziger und frühen siebziger Jahre sicher prächtig. Im Kino nicht.
Parthenope(Parthenope, Italien/Frankreich 2024)
Regie: Paolo Sorrentino
Drehbuch: Paolo Sorrentino
mit Celeste Dalla Porta, Stefania Sandrelli, Gary Oldman, Silvio Orlando, Luisa Ranieri, Peppe Lanzetta, Isabella Ferrari, Silvia Degrandi
Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.
Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino
„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)
mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham
Charlie Heller (Rami Malek) arbeitet bei der CIA und er ist das komplette Gegenteil von so taffen Agenten wie James Bond (okay, Brite), Jason Bourne (okay, entlassen) und Ethan Hunt (hm, nie so richtig beim CIA angestellt), sondern ein Dechiffrierexperte. Er sitzt in der CIA-Zentrale im Keller, starrt Computerbildschirme an, entschlüsselt Dokumente und versucht aus Informationskrümeln ein Bild zu erstellen, das dann die Grundlage für die Einsätze von den im Feld arbeitenden Agenten ist. Privat ist er ein introvertierter Tüftler, der auch beim Zusammenschrauben eines alten Flugzeugs eine Krawatte trägt, die er nicht beschmutzt. Er ist glücklich verheiratet. Sarah ist die Liebe seines Lebens.
Als sie in London während einer Tagung bei einem Attentat erschossen wird und seine Vorgesetzten ihn mit höflichen Floskeln abspeisen, beginnt er die Mörder seiner Frau auf eigene Faust zu verfolgen. Dabei verfügt er, wie ein kurzzeitiger Ausbildungsversuch bei dem CIA-Ausbilder Henderson (Laurence Fishburne) zeigt, über keinerlei Fähigkeiten, die ein Spezialagent benötigt. So trifft er mit einer Pistole sein Ziel, wenn er unmittelbar vor ihm steht. Halbwegs.
Aber Heller ist schlau. Er ist nicht der Jäger, der seiner Beute hinterherläuft, sondern er stellt ihr Fallen und lässt sie in diese hineinlaufen.
„The Amateur“ ist die zweite Verfilmung von Robert Littells im Original 1981 erschienenem Agententhriller. Die erste Verfilmung war 1981 von Charles Jarrott mit John Savage als Charlie Heller. Sie ist inzwischen weitgehend vergessen.
Eine zweite Verfilmung war in Hollywood seit Jahren im Gespräch. Schließlich ist die Geschichte von dem schlauen Normalbürger auf Rachemission ein guter Filmstoff. 2006 sollte Hugh Jackman die Hauptrolle übernehmen. Jetzt spielt Rami Malek die Hauptrolle.
James Hawes übernahm die Regie. Zu seinen früheren Arbeiten gehören die Pilotfolge von „DCI Banks“ und Episoden für „Black Mirror“, „Snowpiercer“ und „Slow Horses“.
Das Drehbuch ist von Ken Nolan und Gary Spinelli und etlichen weiteren nicht genannten Autoren, wie Evan Katz (er war 2006 mit dem Schreiben des Drehbuchs beauftragt), Scott Z. Burns, Scott Frank, Robert Littell und Patrick Ness. Wie groß ihr Einfluss auf das jetzt verfilmte Drehbuch ist, ist unklar, aber klar ist, dass „The Amateur“ lange in der Entwicklungshölle feststeckte.
Nolan, der auch das Drehbuch für die auf Robert Littells gleichnamigem Roman basierende TV-Miniserie „The Company“ (über die CIA während des Kalten Krieges) schrieb und der aktuell an mindestens einer weiteren Robert-Littell-Verfilmung arbeitet, und Spinelli (u. a. „Barry Seal – Only in America“) verlegten die im Kalten Krieg spielende Rachegeschichte in die Gegenwart. Hawes verfilmte sie als durch Europa globetrottenden, angenehm altmodischen Agenten- und Rachethriller mit arg vorhersehbarer Geschichte. Letztendlich arbeitet Heller einfach die Liste der Täter ab.
Die Terroristen, die für den Tod von Hellers Frau verantwortlich sind, sind keine ideologisch überzeugten Täter, sondern von einem unbekanntem und unbekannt bleibendem Auftraggeber angeheuerte skrupellose Söldner, die ihre Dienste meistbietend verkaufen. Während ihr Motiv Geld ist, sind die Motive der Auftraggeber unklar. Entsprechend politikfrei ist der gesamte Film.
Nach Sarahs Tod geht es um Trauer, Rache und, vor allem, wie ein schlauer Mann Bösewichter tötet. Nach seiner ersten Tat wollen sie ihn töten. Das macht für ihn in der Theorie die Jagd gefährlicher. Seine Vorgesetzten wollen ihn von weiteren Morden abhalten. Während die Bösewichter nur dazu da sind, von Heller umgebracht zu werden, sind seine Vorgesetzten, weil wir mehr über ihre Motive erfahren, etwas weniger eindimensional.
Action gibt es wenig. Schließlich ist Heller kein Nahkämpfer. Der Anti-James-Bond lockt seine Gegner in Fallen und bringt sie anderweitig um. Teils spektakulär und mit hohem Sachschaden, aber ohne Unschuldige zu verletzen.
Das ist dann, wie die Romanvorlage, näher an John le Carré als an Ian Fleming.
The Amateur (The Amateur, USA 2025)
Regie: James Hawes
Drehbuch: Ken Nolan, Gary Spinelli
LV: Robert Littell: The Amateur, 1981 (Sein oder Nichtsein…)
mit Rami Malek, Laurence Fishburne, Rachel Brosnahan, Caitríona Balfe, Jon Bernthal, Michael Stuhlbarg, Holt McCallany, Julianne Nicholson, Adrian Martinez, Danny Sapani
Runaway Train – Express in die Hölle (Runaway Train, USA 1985)
Regie: Andrei Konchalovsky
Drehbuch: Djordje Milicevic, Paul Zindel, Edward Bunker (nach einem Drehbuch von Akira Kurosawa)
Alaska: zwei Knackis brechen aus und hoffen als blinde Passagiere auf einem Güterzug in die Freiheit fahren zu können. Doch der Lokführer stirbt, ein dritter blinder Passagier ist ebenfalls an Bord und der Zug kann nicht gebremst werden.
Harter, spannender, heute fast unbekannter Thriller mit guten Schauspielerleistungen. Voight und Roberts waren für je einen Oscar nominiert; Voight erhielt einen Golden Globe, Roberts war nominiert. Außerdem war der Film als bester Film für einen Golden Globe nominiert. Die Schmonzette „Out of Africa“ erhielt ihn.
Mit Jon Voight, Eric Roberts, Rebecca DeMornay, Edward Bunker, Danny Trejo (Debüt)
Wiederholung: Samstag, 12. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Prüdes Hollywood – Laster, Lust und Leidenschaft im Film (Deutschland 2024)
Regie: Viola Löffler
TV-Premiere. 55-minütige Doku über die nicht mehr vorhandenen nackten Tatsachen im Hollywood-Kino. Während es zu Zeiten von „Basic Instinct“ in vielen Mainstream-Filmen heiße Sexszenen gab, gibt es in aktuellen Blockbustern höchstens noch peinlich-prüden Pseudo-Sex im BH.
In Arthouse-Filmen und in europäischen Filmen ist der Umgang mit Nacktheit und Sex deutlich unverkrampfter.
Viola Löffler will herausfinden, was sich in den vergangenen dreißig Jahren veränderte.
mit Joe Eszterhas, Catherine Breillat, Ita O’Brien
Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.
Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.
mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier
„Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.
Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.
Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.
Ein historisches Dokument ist er sowieso.
„Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)
Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch
Clint Eastwood – Der letzte seiner Art(La dernière légende, Frankreich 2022)
Regie: Clélia Cohen
Drehbuch: Clélia Cohen
Ziemlich neue siebzigminütige Doku über Clint Eastwood, der „Fremde ohne Name“, der später „Erbarmungslos“ zu „Dirty Harry“ wurde.
„knappen, aber profunden Analyse“ (Lexikon des internationalen Films)
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte „Der Mann, der niemals aufgibt“. Von und mit Clint Eastwood, als Polizist, der eine Zeugin zu einer Gerichtsverhandlung bringen soll.
„Die Dreigroschenoper“ ist 1928 in Berlin ein Theaterhit, der auch verfilmt werden soll. Bertolt Brecht schreibt ein nie verfilmtes Exposé für eine Verfilmung.
Joachim A. Lang, ein ausgewiesener Brecht-Kenner, verfilmte jetzt Brechts Vision und er erzählt auch die Geschichte des Bühnenstücks und seiner Verfilmung. Insofern ist „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ das sehr unterhaltsame und informative Making-of zu einem nicht existierendem Film, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.
mit Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen, Britta Hammelstein, Robert Stadlober, Peri Baumeister, Christian Redl, Meike Droste, Godehard Giese, Max Raabe
1932 machen sich der 42-jährige Weltkriegsveteran und Staatsangestellte Heinz Wittmer (Daniel Brühl) mit seiner schwangeren jüngeren Ehefrau Margret (Sydney Sweeney) und seinem Sohn Harry auf den Weg zur im Galápaos-Archipel liegenden Insel Floreana.
Dort leben seit 1929 als erste Bewohne der Insel der Berliner Arzt und Schmalspurphilosoph Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an Multiple Sklerose erkrankte Lebensgefährtin Dore Strauch (Vanessa Kirby). Sie sind Aussteiger, die mit der Welt nichts zu tun haben wollen. Er schreibt auch an einem philosophischen Manifest. In Deutschland wurde Ritter durch seine Briefe als Aussteiger bekannt. Sein Leben abseits der Zivilisation auf einer Südseeinsel wurde zeittypisch verklärt.
Ritter und Strauch lehnen die ihre Idylle störenden Neuankömmlinge schon vor der ersten Begegnung ab. Sie weisen ihnen ein unfruchtbares Stück Land an einer Höhle zu und hoffen, dass die naiven Städter schnell aufgeben und in einigen Wochen das nächste oder übernächste regelmäßig vorbeifahrende Schiff besteigen werden. Aber die Wittmers meistern die Herausforderungen.
Als wenige Monate später die Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) mit ihrer Entourage auftaucht, verbünden sie sich – mehr oder weniger – gegen die Neuankömmlinge. Der Plan der Baronin, auf der Insel ein Luxushotel zu errichten, ist dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Zwischen März und November 1934 führen die Intrigen und Feindschaften zwischen ihnen zu einer Kette niemals vollständig geklärter Ereignisse, die mit dem Tod von drei Menschen und dem spurlosen Verschwinden von drei weiteren Menschen enden.
In seinem neuen Film „Eden“ erzählt Ron Howard diese wahre Geschichte, die in den frühen dreißiger Jahren für Schlagzeilen sorgte und seitdem mehrmals in Büchern und Filmen behandelt wurde. Es ist eine faszinierende Geschichte von Aussteigertum, Idealismus und wie deren Träume an der schnöden Realität, Dummheit und Egoismus scheitern. Ritters Utopie endet mit drei Toten und drei spurlos Verschwundenen. Die Überlebenden, die teils auf der Insel blieben, erzählten anschließend verschiedene Versionen der damaligen Ereignisse.
Ron Howard, der anfangs den Eindruck erweckt, eine möglichst nah an den historischen Fakten entlang erzählte Geschichte zu erzählen, erzählt letztendlich die damaligen Ereignisse aus der Sicht von Margret Wittmer. Sie überlebte die anderen Floreana-Aussteiger um mehrere Jahrzehnte und starb mit 95 Jahren am 21. März 2000.
Das ist jetzt nicht wirklich ein Problem des Dramas. Eher schon, dass es sich bis zum Ende nicht auf eine Erzählperspektive und Erzählhaltung festlegen will. So mäandert der Film zwischen Genres und Stilen, immer wieder mit den Frauen als treibende Kräfte, zu seinem mörderischen Ende.
Eden(Eden, USA 2025)
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Noah Pink, Ron Howard
mit Jude Law, Daniel Brühl, Ana de Armas, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby, Felix Kammerer, Jonathan Tittel, Toby Wallace, Paul Gleeson