Neu im Kino/Filmkritik: Harley Quinn und der „Joker: Folie à Deux“

Oktober 3, 2024

Vor fünf Jahren war „Joker“ ein überraschend erfolgreicher Film. Er wurde von der Kritik und dem Publikum abgefeiert, erhielt in Venedig den Goldenen Löwen und spielte weltweit über eine Milliarde US-Dollar ein. Das war angesichts seines R-Rating (also „nicht jugendfrei“) ein sensationelles Ergebnis. Und weil „Joker“ mit einem Budget von irgendetwas zwischen 55 und 70 Millionen US-Dollar äußerst günstig war, war eine Fortsetzung schnell beschlossen. Diese soll jetzt erstaunliche 190 bis 200 Millionen Dollar gekostet haben. Dabei spielt die Geschichte fast ausschließlich an drei Orten: einem Gefängnis, einem Gerichtssaal und, für die zahlreichen Musik-Nummern, die aus dem Film ein Musical machen, einer stilisierten Bühne.

In „Joker“ bringt der erfolglose, nicht witzige Comedian Arthur Fleck sechs Menschen um. Die Morde an drei Yuppies in der U-Bahn und an TV-Talkmaster Murray Franklin vor laufender Kamera machen den zunehmend geistig verwirrten Fleck berühmt. Er wird immer mehr zum Joker, einem Chaos stiftendem Bösen Clown und Erzfeind von Batman, der im ersten „Joker“-Film und auch in der Fortsetzung nicht auftaucht.

Der in Gotham City (aka New York) spielende Film war eine unübersehbare Liebeserklärung an Martin Scorseses „Taxi Driver“ und, noch mehr, „King of Comedy“. Todd Phillips Gotham sieht wie New York in den siebziger Jahren aus. Wirklich gepackt hat mich diese von sich und ihrer eigenen Bedeutung masslos überzeugte Origin-Story nie.

Joker: Folie à Deux“ erzählt die Geschichte von Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) nahtlos weiter. Seit ungefähr zwei Jahren sitzt er in der psychiatrischen Anstalt Arkham, die schon in den fünfziger Jahren eine hoffnungslos heruntergekommene, versiffte Gefängnisklinik gewesen wäre. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Anwältin versucht ihn auf den anstehenden Gerichtsprozess vorzubereiten. Sie möchte auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren.

Zur gleichen Zeit lernt Fleck in der Anstalt während eines Chorsingens ‚Harley Quinn‘ Lee Quinzel (Lady Gaga) kennen. Sie behauptet, sein größter Fan zu sein. Sie verlieben sich ineinander.

Während der Gerichtsverhandlung, die fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnimmt, feuert Fleck seine Anwältin und übernimmt seine Verteidigung – in der Maske des Jokers.

Das klingt doch ganz gut. Aber „Folie à deux“ ist mehr die Idee von einem Film als ein echter Film.

Todd Phillips erzählt Flecks Geschichte als Musical. Die meisten Gesangsnummern, die einen großen Teil des Films einnehmen, spielen sich in seinem Kopf ab. Sie kommentieren die Ereignisse und imaginieren gemeinsame Auftritte von ihm mit Harley Quinn als singendes Liebespaar mit mörderischen Tendenzen. Sie singen bekannte Songs, die sich nicht von vor sechzig, siebzig Jahren aufgenommenem klassischen Big-Band-Jazz unterscheiden.

Während „Folie à deux“ einerseits Flecks Geschichte weitererzählt, wiederholt er die Struktur des ersten „Joker“-Films erstaunlich genau. Allerdings verzichten die Macher dieses Mal auf die offensichtlichen politischen Anspielungen und die damit verbundene krude politische Botschaft. In „Folie à deux“ dreht sich alles um Flecks Leiden in Arkham, sein Auftreten vor Gericht, wo er stolz den der Anklage bislang unbekannten Mord an seiner Mutter gesteht, und seine Beziehung zu Lee Quinzel, die sein größter Fan ist. Vor Gericht treten dann auch einige aus dem ersten Film bekannte Figuren als Zeugen der Anklage wieder auf.

Eine irgendwie eine packende Geschichte ergibt sich aus diesen hübsch hintereinander drapierten Szenen nicht. Eigentlich wiederholen sie nur den ersten Film noch einmal. Mit kleinen Variationen in einer anderen Umgebung und einem etwas anderem Ende.

Arthur Fleck ist, auch wenn „Joker“ seine Origin-Story erzählte und er jetzt der Joker sein sollte, immer noch nicht der Joker, sondern Arthur Fleck, ein Geisteskranker mit einer gespaltenen Persönlichkeit. Er ist ein leidender Mann, der von allen herumgestoßen wird. Nur in wenigen Momenten des Films, vor allem wenn er sich vor Gericht in eigener Sache verteidigt und dabei alles tut, um eine möglichst hohe Strafe zu erhalten, ist Fleck der Joker. Also, er trägt die Maske des Jokers.

Das Ende ist dann ‚mutig‘ oder ‚konsequent‘; ich kann jedenfalls sehr gut mit diesem Ende leben. Wenn nur der Weg dorthin unterhaltsamer (und kürzer) gewesen wäre.

Joker: Folie à Deux (Joker: Folie à Deux, USA 2024)

Regie: Todd Phillips

Drehbuch: Scott Silver, Todd Phillips (basierend auf der DC-Comics-Figur)

mit Joaquin Phoenix, Lady Gaga, Brendan Gleeson, Catherine Keener, Zazie Beetz, Steve Coogan, Harry Lawtey, Leigh Gill, Ken Leung, Jacob Lofland, Bill Smitrovich

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Joker: Folie à Deux“

Metacritic über „Joker: Folie à Deux“

Rotten Tomatoes über „Joker: Folie à Deux“

Wikipedia über „Joker: Folie à Deux“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Phillips‘ „War Dogs“ (War Dogs, USA 2016)

Meine Besprechung von Todd Phillips‘ „Joker“ (Joker, USA 2019)


TV-Tipp für den 3. Oktober: Ballon

Oktober 2, 2024

ARD, 18.05

Ballon (Deutschland 2018)

Regie: Michael Bully Herbig

Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Röscheisen, Michael Bully Herbig

Durchaus spannender Thriller über die Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel in einem selbstgebauten Ballon am 16. September 1979 aus der DDR in den Westen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Thomas Kretschmann, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler, Ronald Kukulies, Emily Kusche, Till Patz, Ben Teichmann, Christian Näthe, Sebastian Hülk, Gernot Kunert, Ulirch Friedrich Brandhoff

Hinweise

Filmportal über „Ballon“

Moviepilot über „Ballon“

Wikipedia über „Ballon“

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Ballon“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Tausend Zeilen“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 2. Oktober: Possessor

Oktober 1, 2024

Tele 5, 00.20

Posessor (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)

Regie: Brandon Cronenberg

Drehbuch: Brandon Cronenberg

Killerin Vos erledigt für eine geheimnisumwitterte Firma unmögliche Aufträge. Mittels einer von der Firma erfundenen Technik kann sie in andere Körper schlüpfen und in ihnen die Morde durchführen. Mit der Zeit führt das auch zu Problemen in ihrem Kopf.

TV-Premiere. Wie der Vater so der Sohn: formidabler Body-Horror aus dem Haus Cronenberg. Tolle Bilder, eine beunruhigende Prämisse und, leider, eine schwache Auflösung. Trotzdem ein lohnenswerter Trip.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrea Riseborough, Christopher Abbott, Rossif Sutherland, Sean Bean, Jennifer Jason Leigh

Hinweise

Moviepilot über „Possessor“

Metacritic über „Possessor“

Rotten Tomatoes über „Possessor“

Wikipedia über „Possessor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brandon Cronenbergs „Posessor“ (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)

Meine Besprechung von Brandon Cronenbergs „Infinity Pool“ (Infinity Pool, USA 2023)


TV-Tipp für den 1. Oktober: Bones and All

September 30, 2024

Tele 5, 22.20

Bones and All (Bones and All, Italien/USA 2022)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

LV: Camille DeAngelis: Bones and All, 2015

USA, achtziger Jahre: die achtzehnjährige Maren reist auf der Suche nach ihrer vor Jahren verschwundenen Mutter quer durch die US-amerikanische Provinz. Begleitet wird sie auf ihrer Reise von Lee. Er ist wie sie ein Eater, also ein Mensch, der hungrig auf Menschenfleisch ist.

TV-Premiere. Düsterer Hybrid aus Horror-, Liebes- und Roadmovie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit Taylor Russell, Timothée Chalamet, Mark Rylance, André Holland, David Gordon Green, Michael Stuhlbarg, Jessica Harper, Chloë Sevigny

Wiederholung: Donnerstag, 3. Oktober, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Bones and All“

Metacritic über „Bones and All“

Rotten Tomatoes über „Bones and All“

Wikipedia über „Bones and All“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Suspiria“ (Suspiria, Italien/USA 2018)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Bones and All“ (Bones and All, Italien/USA 2022)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Challengers – Rivalen“ (Challengers, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: Lange Titel, die alles sagen: „Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“

September 30, 2024

Im August 2023 spielte Element of Crime in Berlin fünf Konzerte für den Konzert-/Dokumentarfilm „Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berln“. Die Konzerte erzählen einen Aspekt der Geschichte der Band, nämlich den steigenden Zuspruch des Publikums, nach. Das erste Konzert des Films ist im Privatclub, einer kleinen Location für 200 Gäste. An den folgenden Tagen traten sie in immer größeren Locations auf. Das fünfte und letzte Konzert ist ein ausverkauftes Open-Air-Konzert in der Zitadelle Spandau vor 9000 Fans.

Für seinen Dokumentarfilm „Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ ergänzte Schauspieler Charly Hübner die Live-Aufnahmen um Interviews mit den Bandmitgliedern und einige Bilder von den Anfängen der Band in den achtziger Jahren in kleinen Berliner Clubs. Damals sangen sie noch auf Englisch. Der Erfolg blieb aus. Das änderte sich 1991 mit „Damals hinterm Mond“, ihrer ersten LP mit deutschen Texten und dem richtigen Beginn der Geschichte von „Element of Crime“. Seitdem ist ihre Musik eine melancholisch-filigrane Nachtmusik zwischen Chanson, Independent und ruhiger Rockmusik. Sie haben keine großen Hits, aber einen unverkennbaren Stil, den sie seit über dreißig Jahren perfektionieren.

Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ ist eine ordentliche Musikdoku, die in bewährter Manier ausführlich dokumentierte Live-Auftritte und knappe, eher anekdotische Statements der Musiker unaufgeregt miteinander verbindet. Hübners Doku ist primär der Film eines Fans der Band für die Fans der Band.

P. S.: Zum Film ist eine Soundtrack-CD erschienen. Aber vielleicht gibt es auch irgendwann eine CD-Box mit allen auf dieser Berlin-Tour gespielten Konzerten. Das wäre, vielleicht nächste Jahr zum vierzigjährigem Bandjubiläum, eine sehr gute Ergänzung zu den wenigen offiziell erhältlichen Live-Mitschnitten.

Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin (Deutschland 2024)

Regie: Charly Hübner

Drehbuch: Charly Hübner

mit Sven Regener, Jakob Ilja, Richard Pappik, Markus Runzheimer, Rainer Theobald, Ekki Busch

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Kinostart: Dienstag, 1. Oktober, als bundesweiter Event-Start

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“

Moviepilot über „Element of Crime in Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“

Wikipedia über Element of Crime (deutsch, englisch)

Homepage der Band

Ein Konzert der Band von 2018

Charly Hübner und die „Element of Crime“-Musiker Sven Regener, Jakob Ilja und Richard Pappik unterhalten sich (Anfang 2019)


TV-Tipp für den 30. September: Die Polizistin und die Sprache des Todes

September 29, 2024

ZDF, 20.15

Die Polizistin und die Sprache des Todes (Deutschland 2024)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

TV-Premiere. Gut, die Prämisse klingt jetzt ziemlich vertraut – eine BKA-Sonderermittlerin wird in die Provinz geschickt, weil dort wahrscheinlich das vierte Opfer eines Serienmörders gefunden wurde – aber der Film ist von „Nachtschicht“-Macher Lars Becker und da dürfte es einige Überraschungen geben.

mit Thelma Buabeng, Artjom Gilz, Nicholas Ofczarek, Thomas Schubert, Farba Dieng, Jane Chirwa, Enno Trebs, Sina Tkotsch, Doris Kunstmann

Hinweise

ZDF über den Film (in der Mediathek bis zum 20. September 2025)

Wikipedia über Lars Becker

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Kinder aus Korntal“: wichtiges Thema, aber die Umsetzung

September 29, 2024

Korntal ist ein kleiner Ort in Baden-Württemberg in der Region Stuttgart. Korntal ist auch der Ort, an dem einer der größten Missbrauchsskandale der Evangelischen Kirche in Deutschland stattfand. Beginnend in den fünfziger Jahren wurden in den Heimen der pietistischen Brüdergemeinde Korntal unzählige Kinder missbraucht, gezüchtigt und Opfer sexualisierter Gewalt. 2013 wurde der Skandal öffentlich. 2018 erschien ein Abschlussbericht. Bis heute haben sich über 150 Heimkinder gemeldet und über 80 Täter konnten ermittelt werden. Und natürlich ist der Skandal mit der Vorstellung eines Abschlussberichts und der Zahlung von erbärmlich niedrigen Entschädigungen von höchstens 20.000 Euro pro Opfer nicht erledigt.

Allein diese Dimension des Skandals rechtfertigt einen Kinodokumentarfilm darüber.

Aber Betroffenheit, Empörung und guter Wille reichen nicht. Wie auch bei anderen Filmen über den Missbrauch von Kindern in der Kirche und anderen Institutionen, wie Internaten und Kinderheimen, stellt sich die Frage, wie darüber berichtet wird.

Julia Charakter wählt in ihrem Film „Die Kinder aus Korntal“ den Weg, sich auf die Seite der Opfer zu stellen und sich auf sie und ihre Berichte über ihre Jahrzehnte zurückliegende Zeit in Korntal zu konzentrieren. Sie hinterfragt nicht. Sie ordnet deren Statements nicht ein. Sie analysiert nicht. Sie lässt einfach die Betroffenen reden. Deutlich kürzere Statements gibt es von einigen Bewohner von Korntal und Mitgliedern der religiösen Gemeinde. Sie verzichtet auch auf ein Voice-Over. Leider. Denn so muss man sich als Zuschauer entweder vor dem Film über den Skandal informieren oder während des Films mühsam die Informationskrümel zusammensuchen.

Am Ende bleibt nur das Gefühl, dass es schlimm war und Mitleid mit den Opfern. Das ist zu wenig.

Wie besser mit dem Thema umgegangen werden kann, zeigte François Ozon in seinem dicht an den Fakten entlang erzähltem Drama „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019).

Die Kinder aus Korntal (Deutschland 2023)

Regie: Julia Charakter

Drehbuch: Julia Charakter

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Kinder aus Korntal“

Moviepilot über „Die Kinder aus Korntal“

Wikipedia über die Evangelische Brüdergemeinde Korntal und sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche Deutschland


TV-Tipp für den 29. September: Der Texaner

September 28, 2024

Arte, 20.15

Der Texaner (The Outlaw Josey Wales, USA 1976)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Phil Kaufman, Sonia Chernus

LV: Forrest Carter: The Rebel Outlaw: Josey Wales, 1973 (Gone to Texas; The Outlaw Josey Wales; Josey Wales)

Missouri, während des Bürgerkriegs: Marodierende Nordstaatler bringen die Familie von Farmer Josey Wales um. Er schwört Rache, schließt sich den Südstaatlern an, ergibt sich nicht am Ende des Bürgerkrieges, wird als Outlaw gejagt und will irgendwann nur noch seine Ruhe haben. Aber langsam hat er eine Ersatzfamilie im Schlepptau.

Ein feiner Western

mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Sondra Locke, Bill McKinney, John Vernon, Paula Trueman, Sam Bottoms

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Texaner” 

Wikipedia über “Der Texaner” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


(Wieder) Neu im Kino/Filmkritik: „Tokyo Drifter“, ein kultiger japanischer Gangsterfilm

September 28, 2024

Nachdem sein Yakuza-Boss offiziell seine Bande aufgelöst hat, ist „Phoenix“ Tetsu Watari arbeitslos. Aber die anderen Yakuza-Banden glauben nicht an die Auflösung von Kuratas Bande und von Tetsus Ruhestand. Sie versuchen ihn umzubringen. Eine Odyssee durch Japan und in die verschneiten Berge beginnt, in der Regisseur Seijun Suzuki eindeutig Stil über Story stellt. Diese besteht vor allem aus schon damals gut abgehangenen Gangsterfilmklischees. Die Kämpfe sind im damaligen, heute amateurhaft anmutendem Stil choreografiert. Das geringe Budget wird mit Ideenreichtum und teils extremen Stilisierungen ausgeglichen.

In seinem nächsten Film „Branded to Kill“ (1967; deutsche Premiere war 1994 als „Beruf Mörder“ in West 3) trieb er den Bruch mit Konventionen noch weiter und verlor seinen Job bei Nikkatsu. Bis zu seinem nächsten Spielfilm vergingen zehn Jahre.

Seijun Suzuki’s sense-defying spectacle is 81 minutes of colour-saturated delirium“ (Lloyd Hughes: The Rough Guide to Gangster Movies, 2005)

Grellbunte Farben, eine ausgefeilte Lichtsymbolik, gespreizte Dialoge und sentimentale Lieder machen aus der elegischen Krimi-Ballade eine Art japanischen Großstadtwestern mit parodistischem Touch“ (Fischer Film Almanach 1991)

Aus heutiger Sicht kann „Tokyo Drifter“ als eine Mischung aus Jean-Piere Melvilles hochgradig stilisierten Gangsterfilmen, in diesem Fall vor allem „Der eiskalte Engel“, und Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (vor allem natürlich der Ausflug der Braut nach Japan) beschrieben werden. Dazu gibt es wild hineinkopierte Musiknummern.

Seine deutsche Premiere hatte Suzukis Film 1990 als „Tokyo Drifter – Der Mann aus Tokio“ im Kino. 1995 strahlte das ZDF unter dem Titel „Abrechnung in Tokio“ eine synchronisierte Fassung aus.

Jetzt bringt der Filmverleih Rapid Eye Movies im Rahmen seiner monatlichen Zeitlos-Reihe, die sich obskuren, unbekannten und vergessenen, aber dennoch sehenswerten Werken widmet, den Gangsterfilm wieder ins Kino. Und das ist gut so.

Tokyo Drifter (Tōkyō nagaremono, Japan 1966)

Regie: Seijun Suzuki

Drehbuch: Yasunori Kawauchi

mit Tetsuya Watari, Chieko Matsubara, Hideaki Nitani, Tamio Kawachi, Tomoko Hamakawa

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

auch bekannt als „Tokyo Drifter – Der Mann aus Tokio“ (Kinotitel 1990) und „Abrechnung in Tokio“ (TV-Titel)

Hinweise

Rapid Eye Movies über den Film

Moviepilot über „Tokyo Drifter“

Rotten Tomatoes über „Tokyo Drifter“

Wikipedia über „Tokyo Drifter“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. September: Border

September 27, 2024

One, 22.00

Border (Gräns, Schweden/Dänemark 2018)

Regie: Ali Abbasi

Drehbuch: Ali Abbasi, Isabella Eklöf, John Ajvide Lindqvist (nach der Erzählung „Gräns“ von John Ajvide Lindqvist)

Zollbeamtin Tina kann Gefühle erschnüffeln. Bei der Jagd auf Verbrecher ist dieses Talent ein Vorteil. Als sie bei einer Zollkontrolle Vore trifft, versagt ihr Geruchssinn. Aber sie weiß, dass er etwas verbirgt und dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt.

Zu Recht hochgelobtes genreüberschreitendes Drama. „Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identitat, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“ (Lexikon des internationalen Films; dort auch in der Liste der 20 besten Kinofilme des Jahres 2019)

mit Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson

Wiederholung: Dienstag, 1. Oktober, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Border“

Rotten Tomatoes über „Border“

Wikipedia über „Border“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Never let go – Lass niemals los“, dann holen dich die Monster

September 27, 2024

In einer post-apokalyptischen Welt – dass „Never let go – Lass niemals los“ nicht in der Vergangenheit spielt, ahnen wir anhand der Kleidung und wissen wir aufgrund der vorhandenen Smartphones – leben eine Mutter (Halle Berry) und ihre beiden Kinder Samuel (Anthony B. Jenkins) und Nolan (Percy Daggs IV) im Süden von Tennessee im Wald. Ihr Bewegungsradios wird eingeschränkt durch die dicken Seile, die sie sich umbinden, sobald sie das Haus verlassen. Die mit dem Haus verbundenen Seile beschützten sie vor den im Wald lebenden bösen Geistern. Das behauptet jedenfalls ihre Mutter.

Als Samuel und Nolan älter werden, fragen sie sich, ob ihre Mutter ihnen die Wahrheit über die Monster im Wald und die Welt hinter dem Ende des Seils erzählt.

Horrorfilm-Regisseur Alexandre Aja („High Tension“, „The Hills have eyes“, „Crawl“) malt diese Situation in dichten Bildern und mit einem kleinem Ensemble aus. Die Geschichte selbst ist so abstrakt, dass sie für verschiedene, sich teils diametral gegenüberstehende Interpretationen offen ist. Also konkret: beschützt Momma ihre Kinder oder hält sie sie gefangen? Gibt es die im Wald lebenden Monster oder sind sie ein Fantasiegebilde der Mutter? Für welche Bedrohung stehen die Monster?

Es gibt nur wenige Andeutungen, wie es dazu kam, dass Momma und ihre beiden Kinder im Wald vom Wald leben und Angst vor den im Wald lebenden Monstern haben. Diese sehen, wenn sie auftauchen, wie gut erhaltene Zombies oder Wasserleichen aus. Es wird überhaupt nicht erklärt, wie die drei über zehn Jahre in dem Haus im Wald überleben konnten.

Nach dem Set-up entwickelt sich die Geschichte, mit einigen überraschenden Wendungen, in vertrauten Bahnen zu einem Ende, das mich nicht überraschte. Auch wenn Aja mit seiner Schlusspointe ein eindeutiges Ende vermeidet. Der Weg dorthin gestaltet sich trotzdem, dank der Schauspieler, der atmosphärischen Inszenierung und der Offenheit für verschiedene Interpretationen, ziemlich unterhaltsam.

P. S.: Aktuell denken die Macher schon darüber nach, die Geschichte weiter zu erzählen und auch die Vorgeschichte zu erzählen. Ich frage mich, ob das eine gute Idee ist. Denn dann würde vieles, was hier noch offen für sehr verschiedene Interpretationen ist, beantwortet werden.

Never let go – Lass niemals los (Never let go, USA 2024)

Regie: Alexandre Aja

Drehbuch: KC Coughlin, Ryan Grassby

mit Halle Berry, Percy Daggs IV, Anthony B. Jenkins

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

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Metacritic über „Never let go“

Rotten Tomatoes über „Never let go“

Wikipedia über „Never let go“

Meine Besprechung von Alexandre Ajas „Crawl“ (Crawl, USA 2019)


TV-Tipp für den 27. September: Kingsman: The Golden Circle

September 26, 2024

Pro 7, 20.15

Kingsman: The Golden Circle (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Regie: Matthew Vaughn

Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn

LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)

Nachdem Bösewichter die Zentrale der Kingsman zerstörten, müssen die distinguierten britischen Agenten Eggsy und Merlin sich mit ihrer US-amerikanischen Partnerorganisation, den Statesman, deren Zentrale in Kentucky einer Whiskey-Destillerie ist, zusammentun.

Witzge, mit hundertvierzig Minuten zu lang geratene Agentenkomödie, mit einer chaotischen Story und viel Action, die um 20.15 Uhr wahrscheinlich in einer gekürzten Version gezeigt wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson

Wiederholung: Samstag, 28. September, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Kingsman: The Golden Circle“

Metacritic über „Kingsman: The Golden Circle“

Rotten Tomatoes über „Kingsman: The Golden Circle“

Wikipedia über „Kingsman: The Golden Circle“ (deutsch, englisch)

zu Matthew Vaughn

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Golden Circle“ (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „The King’s Man – The Beginning“ (The King’s Man, USA/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Argylle“ (Argylle, USA 2024)

zu Mark Millar

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerques „Prodigy: Die böse Erde“ (Prodigy: The evil earth # 1 – 6, 2019)

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Verfilmungen

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Andere Autoren in Millarworld

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Meine Besprechung von Steve Niles/Marcello Frusins „Kick-Ass: Frauenpower (Band 4)“ (Kick-Ass vs Hit-Girl # 1 – 5, November 2020 – März 2021)

Meine Besprechung von Rob Williams/Simon Frasers „Kingsman: Jagd auf Red Diamond“ (Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6, September 2017 – Februar 2018)


Neu im Kino/Filmkritk: Über Francis Ford Coppolas „Megalopolis“

September 26, 2024

Wenn wir ehrlich sind, ist „Megalopolis“ gescheitert, aber sehenswert, wenn auch nicht sehenswert gescheitert. Außerdem ist Francis Ford Coppolas neuer Film – ich hänge mich jetzt weit aus dem Fenster (aber bei der Höhe meines Fensters ist das ein vertretbares Risiko) – auch kein Film, der in zwanzig, dreißig Jahren eine gloriose Wiederauferstehung und Neubeurteilung erfahren wird. Trotzdem ist er sehenswert.

Ich erkläre das jetzt.

Megalopolis“ könnte der letzte Spielfilm von Francis Ford Coppola sein. Er ist 85 Jahre und steckte in den vergangenen Jahren seine Energie in Restaurierungen und neue Schnittfassungen seiner alten Filme, die dann auch wieder im Kino gezeigt und von der Kritik abgefeiert wurden. In den vergangenen 25 Jahren drehte er drei Filme, die alle eine Ist-mir-egal-Einstellung gegenüber kommerziellen Erwägungen und den Erwartungen des Publikum versprühten. Auch „Megalopolis“ kümmert sich wenig um Publikumserwartungen und das zeitgenössische Kino.

Für Coppola ist „Megalopolis“ die Erfüllung eines lange gehegten, mit eigenem Geld finanzierten Wunsches. Seit über vierzig Jahren ist das Projekt immer wieder im Gespräch. Coppola sammelte Zeitungsausschnitte, machte sich Notizen und schrieb auch, mehr oder weniger präzise ausformulierte Drehbücher. Es gab mehr oder weniger weit fortgeschrittene Vorbereitungen für eine Verfilmung. Immer wieder kam etwas dazwischen und Coppola sammelte weitere Ideen, unterhielt sich über das Projekt und schrieb neue Versionen der Geschichte.

Diese lange Entwicklungszeit ist ein Problem des Films. Es ist in jeder Minute offensichtlich, dass über viele Jahre an dem Film gearbeitet wurde. Da hat sich viel angesammelt und vieles will man dann nicht einfach wegwerfen. So franst der Film in jeder nur erdenklichen Beziehung an allen Ecken und Enden aus. Einige Bilder und Ideen, die damals visionär waren, wirken heute abgeschmackt. Anderes ist immer noch atemberaubend.

Im Gegensatz zu anderen Alterswerken großer Regisseure ist „Megalopolis“ auch nicht – also jedenfalls nicht wirklich – die Zusammenfassung des bisherigen Werkes und eine damit verbundene Rückschau. Es ist ein Werk, das sich viel wagt, das keine Rücksicht nimmt und aus dem Vollen schöpft. Das ist bewundernswert und führt immer wieder zu atemberaubenden Szenen. Ein guter Film ist „Megalopolis“ nicht.

Es geht um den genialen Architekten und Erfinder Cäsar Catilina (Adam Driver), der die Metropole New Rome radikal umgestalten möchte. Er hat eine visionäre Vision von der Zukunft und wie Menschen in einer Metropole leben können. Der Bürgermeister Franklyn Cicero (Giancarlo Esposito) ist dagegen. Er will den Status Quo von New Rome aufrecht erhalten.

Nachdem Coppola diese Prämisse schnell etabliert hat, vergisst er sie atemberaubend schnell. Er driftet in Richtung Sittengemälde ab mit zahlreichen Anspielungen auf die Geschichte von New York, dem klaren Vorbild für New Rome, und dem eher prüden Feiern altrömischer Dekadenz mit halbnackten Frauen, Wagenrennen und teilweise moderner und zukünftiger Technik. Dazwischen gibt es vollkommen unzusammenhängende Episoden, die für die zu dem Zeitpunkt schon lange im Nirvana verschwundene Hauptgeschichte keinerlei Bedeutung haben. Anscheinend wichtige Figuren verschwinden aus der Filmgeschichte. Manche für immer. Interessante Ideen, wie dass Catilina die Zeit anhalten kann, haben für den Film, nach einer pompösen Einführung, keinerlei Bedeutung. Coppola verirrt sich im Dickicht seiner Ideensammlung für den Film und den verschiedenen Drehbuchskizzen und -versionen, ohne eine klare Vision der Filmgeschichte und des in ihr zu behandelnden Konflikts zu entwickeln. Denn dann hätte er gewusst, welche Ideen und Anspielungen in den Film gehören und welche nicht.

New Rome ist Coppolas Version von Gotham City und „Megalopolis“ ist „geschnittene Szenen aus ‚Batman‘-Filmen“ und Bilder aus dem Leben und Leiden der Architektenkammer von Gotham. Beides ohne Batman und Superbösewichter.

Megalopolis (Megalopolis, USA 2024)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Francis Ford Coppola

mit Adam Driver, Giancarlo Esposito, Nathalie Emmanuel, Shia LaBeouf, Aubrey Plaza, Jon Voight, Jason Schwartzman, Laurence Fishburne, Talia Shire, Kathryn Hunter, Grace VanderWaal, Chloe Fineman, James Remar, D.B. Sweeney, Dustin Hoffman, Balthazar Getty

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Megalopolis“

Metacritic über „Megalopolis“

Rotten Tomatoes über „Megalopolis“

Wikipedia über „Megalopolis“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Roy Thomas/Mike Mignolas „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula 1-4, 1993) (der Comic-Version von Coppolas Film)


TV-Tipp für den 26. September: Ziemlich beste Freunde

September 25, 2024

RBB, 20.15

Ziemlich beste Freunde (Intouchables, Frankreich 2011)

Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache

Drehbuch: Eric Toledano, Olivier Nakache

Ein wohlhabender, körperlich schwerbehinderter Franzose engagiert einen jungen, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Migranten als Pfleger. Dieser behandelt ihn nämlich ohne falschen Respekt.

Mit fast neun Millionen Besuchern war „Ziemlich beste Freunde“ 2012 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos.

„Charmantes Buddy-Movie (…) Konzipiert als schwungvoller Wohlfühlfilm, mangelt es ihm allerdings an Glaubwürdigkeit, zumal die Konflikte und Probleme recht naiv verharmlost werden.“ (Lexikon des internationalen Films)

2017 gab es ein hochkarätig besetztes, überflüssiges US-Remake, in dem aus der Komödie ein Drama wurde.

mit Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Molllet

Widerholung: Freitag, 27. September, 23.30 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Ziemlich beste Freunde“

Moviepilot über „Ziemlich beste Freunde“

Rotten Tomatoes über „Ziemlich beste Freunde“

Wikipedia über „Ziemlich beste Freunde“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 25. September: La Vérité – Leben und lügen lassen

September 24, 2024

Arte, 20.15

La Vérité – Leben und lügen lassen (La Vérité, Frankreich 2019)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Filmdiva Fabienne Dangeville veröffentlicht ihre Memoiren, in denen nur die Wahrheit über ihre Berufs- und Privatleben steht. Ihre in den USA lebende Tochter Lumir erinnert sich allerdings anders an die von ihrer Mutter geschilderten Ereignisse. Als sie mit ihrer Familie ihrer Mutter besucht, möchte sie sie von ihrer Sicht der Vergangenheit überzeugen.

TV-Premiere. Kore-edas top besetzte Familienaufstellung im finanziell gut saturiertem Künstlermilieu ist gewohnt subtil, sehr kunstvoll und, in diesem Fall, sehr französisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Catherine Deneuve, Juliette Binoche, Ethan Hawke, Clémentine Grenier, Manon Clavel, Alain Libolt, Christian Crahay, Roger von Hool, Ludivine Sagnier

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „La Vérité“

Metacritic über „La Vérité“

Rotten Tomatoes über „La Vérité“

Wikipedia über „La Vérité“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „La Vérité – Leben und lügen lassen“ (La Vérité, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Broker – Familie gesucht“ (Beurokeo, Südkorea 2022) und der DVD

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Die Unschuld“ (怪物 [Kaibutsu], Japan 2023)


TV-Tipp für den 24. September: Slow West

September 23, 2024

Tele 5, 20.15

Slow West (Slow West, England/Neuseeland 2015)

Regie: John Maclean

Drehbuch: John Maclean

Wilder Westen, 1870: der sechzehnjährige Schotte Jay Cavendish sucht seine aus Schottland geflüchtete große Liebe Rose Ross und eigentlich ist das Greenhorn zwischen Kopfgeldjägern, Indianern und allen anderen Wild-West-Gefahren zum Sterben verdammt. Wenn ihm nicht Silas Selleck, ein Revolverheld mit unklaren Absichten, helfen würde.

Schöner kleiner Western mit angenehm kurzer Laufzeit. Die Western Writers of America zeichneten den Film mit dem Spur Award als besten Western des Jahres aus.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kodi Smit-McPhee, Michael Fassbender, Ben Mendelsohn, Caren Pistorius, Rory McCann, Andrew Robertt, Edwin Wright, Kalani Queypo

Wiederholung: Freitag, 27. September, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Slow West“

Metacritic über „Slow West“

Rotten Tomatoes über „Slow West“

Wikipedia über „Slow West“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Macleans „Slow West“ (Slow West, England/Neuseeland 2015)


TV-Tipp für den 23. September: Fatal Attraction – Eine verhängnisvolle Affäre

September 22, 2024

NDR, 23.15

Eine verhängnisvolle Affäre (Fatal Attraction, USA 1987)

Regie: Adrian Lyne

Drehbuch: James Dearden

Der New Yorker Anwalt Dan Gallagher ist glücklich verheiratet. Als seine Familie für ein Wochenende die Stadt verlässt, lernt er Alex Forrest kennen. Für ihn ist sie nur ein Seitensprung. Aber sie will mehr und drängt sich in sein Leben.

Erfolgreicher Thriller über die grausamen Strafen, die auf böse Taten, wie außerehelichen Sex, folgen und wie die bürgerliche Kleinfamilie bewahrt werden kann.

mit Michael Douglas, Glenn Close, Anne Archer, Ellen Hamilton Latzen, Stuart Pankin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eine verhängnisvolle Affäre“

Wikipedia über „Eine verhängnisvolle Affäre“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. September: Reservoir Dogs

September 21, 2024

Tele 5, 22.05

Reservoir Dogs (Reservoir Dogs, USA 1992)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)

Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.

Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.

Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino

Hinweise

Metacritic über „Reservoir Dogs“

Rotten Tomatoes über „Reservoir Dogs“

Wikipedia über „Reservoir Dogs“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. September: Serpico

September 20, 2024

MDR, 23.05

Serpico (Serpico, USA 1973)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


TV-Tipp für den 20. September: Sicario

September 19, 2024

Pro 7, 22.50

Sicario (Sicario, USA 2015)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Taylor Sheridan

Nachdem bei einem Routineeinsatz mehrere Kollegen von FBI-Agentin Kate Macer durch eine Sprengfalle sterben, erhält sie das Angebot, in der Spezialeinheit von Matt Graver mitzuarbeiten. Graver und seine Männer sollen die mexikanischen Drogenkartelle bekämpfen. Mit allen Mitteln.

In jeder Hinsicht grandioser, vielschichtiger, zum Nachdenken anregender Thriller über den Drogenkrieg an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Emily Blunt, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Victor Garber, Jon Bernthal, Daniel Kaluuya, Jeffrey Donovan, Raoul Trujillo, Julio Cedillo, Hank Rogerson, Bernardo P. Saracino, Maximiliano Hernández

Wiederholung: Samstag, 21. September, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Sicario“

Metacritic über „Sicario“

Rotten Tomatoes über „Sicario“

Wikipedia über „Sicario“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune“ (Dune, USA 2021)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune: Part Two“ (Dune: Part Two, USA 2024)

Meine Besprechung von David Mackenzies „Hell or High Water“ (Hell or High Water, USA 2016) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

Meine Besprechung von Taylor Sheridans „Wind River (Wind River, USA 2017)

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Sicario 2“ (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)