Nach dem Urteil(Jusqu’á la garde, Frankreich 2017)
Regie: Xavier Legrand
Drehbuch: Xavier Legrand
Nach der Scheidung muss der Elfjährige Julien eine bestimmte Zeit bei seinem Vater Antoine verbringen. Aber Julien und seine Mutter sind dagegen. Grundlos?
Starkes, nicht auf vordergründige Emotionen setzendes Scheidungsdrama, das einen sehr alltäglichen Fall schildert. Keine leichte Kost.
In der Kleinstadt Woodsboro bringt ein maskierter Mörder bevorzugt junge Frauen um. In Sidney Prescott findet der Ghostface-Killer seinen Meister.
Klassiker, weil er die Genreregeln bedient, ironisiert und mit einem Meta-Kommentar über die Klischees des Slasher-Films versieht. Der ziemlich intelligente Horrorfilm wurde ein Hit. Zahlreiche Fortsetzungen von eher abnehmender Qualität folgten. Am 27. Februar 2026 startete “Scream 7” und nachdem das Werk bereits jetzt über das Doppelte seines Budgets einspielte, wird es einen achten Teil geben.
Anschließend, um 00.50 Uhr, zeigt Kabel Eins die ebenfalls von Wes Craven inszenierte und von Kevin Williamson geschriebene Fortsetzung “Scream 2” (USA 1998)
mit David Arquette, Neve Campbell, Courteney Cox, Matthew Lillard, Rose McGowan, Skeet Ulrich, Drew Barrymore, Liev Schreiber
Die gefährlichsten Firmen der Welt (Deutschland 2026)
Regie: Jens Strohschnieder
Drehbuch: Jens Strohschnieder
TV-Premiere der aus den 45-minütigen Folgen „Big Tech: Der Aufstieg der Datenkraken“ und „Big Tech: Milliarden, Manipulation, Macht“ bestehenden Dokumentation, die heute Abend nacheinander gezeigt werden. Es geht um Google, Facebook, Amazon und andere Datenkraken, die unsere persönliche Daten sammeln und unser Verhalten manipulieren. Es geht um die idealistischen Anfänge und was aus ihnen wurde.
Holocaustdrama über den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der in Polen über 1100 Juden vor den Vernichtungslagern rettete, indem er sie als Zwangsarbeiter rekrutierte und dabei alles riskierte.
„in jeder Hinsicht bemerkenswert und legt eine künstlerische Strenge und ein unsentimentales Verständnis an den Tag, das es von allen bisherigen Filmen des Regisseurs abhebt. (…) Trotz seiner Länge von über drei Stunden bewegt sich der Film schnell voran und ist keine Minute zu lang für die Geschichte, die er erzählt, und die Menge von Informationen, die er vermittelt.“ (Todd McCarthy, Variety)
Steven Spielberg zum Kinostart der restaurierten Fassung im Januar 2019: „Es ist schwer zu glauben, dass es 25 Jahre her ist, seit ‚Schindlers Liste‘ in die Kinos kam. Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocaust dürfen nie vergessen werden, und die Lehren des Films über die entscheidende Bedeutung der Bekämpfung des Hasses hallen auch heute noch nach. Ich fühle mich geehrt, dass das Publikum die Reise noch einmal auf der großen Leinwand erleben kann.“
Anschließend, um 23.15 Uhr, zeigt Kabel 1 mit „Gefährten“ (War Horse, USA 2011) einen weiteren Spielberg-Film.
mit Liam Neeson, Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Caroline Goodall, Jonathan Sagalle, Embeth Davidtz
Pro7, 20.15 Django Unchained (Django Unchained, USA 2012)
Regie: Quentin Tarantino Drehbuch: Quentin Tarantino
Wilder Westen: Nachdem der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz Django aus der Sklaverei befreite und sie das erkleckliche Kopfgeld für die Brittle-Brüder kassierten, machen sie sich auf die Suche nach Djangos Frau Broomhilda (oder Brunhilde). Ihre Suche führt sie nach Candyland, der Farm des durchtriebenen Südstaatlers und Sklavenhalters Calvin Candie.
„Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film, mit vielen bekannten Gesichtern, teilweise in Kleinstrollen, die dieses Mal unter der Maske von Bart und Dreck kaum bis überhaupt nicht erkennbar sind. Als Tarantino- und Western-Fan hat mir die Nummernrevue, bei der Tarantino einfach die vertrauten Pfade in einem anderen Setting abschreitet, durchaus gefallen. – Mehr in meiner ausführlichen Filmbesprechung.
mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, Don Johnson, Laura Cayouette, James Remar, James Russo, Nichole Galacia, Dana Gourrier, Don Stroud, Bruce Dern, Lee Horsley, Zoe Bell, Michael Bowen, Robert Carradine, Tom Savini, Rex Linn, Ned Bellamy, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero Wiederholung: Freitag, 6. März, 22.30 Uhr (Dann wahrscheinlich ungekürzt. Immerhin ist der Film FSK-16.)
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Die Bildergeschichte zum Film
Mehr oder weniger parallel zum Film erschien auch eine Comic-Version von „Django Unchained“, über die Quentin Tarantino sagt: „Dieser Comic ist im Grunde die erste Entwurfsfassung des Drehbuchs. Sämlichtes Material, das es am Ende doch nicht in den Film geschafft hat, ist in der vorliegenden Ausgabe sehr wohl enthalten.“ Dafür wurde dann an anderen Stellen, vor allem bei den Dialogen, gekürzt. Aber insgesamt ist der Comic eine schöne Ergänzung zum Film, die für Tarantino- und Western-Fans eine unterhaltsame Lektüre ist.
Dass die Geschichte mir im Comic schlüssiger als im Film erschien, hat wohl damit zu tun, dass ich die Spaghettiwestern-Geschichte schon bis zur letzten Wendung kannte und, so meine Erinnerung an den Film, einige Szenen umgestellt wurden.
In jedem Fall ist „Django Unchained“ ein großer Spaß für den Western-Fan.
– Quentin Tarantino (Originaldrehbuch)/Reginald Hudlin (Adaption)/R. M. Guéra/Jason Latour/Denys Cowan/Danijel Zezelj/John Floyd (Zeichnungen): Django Unchained (übersetzt von Dietmar Schmidt) Eichborn, 2013 272 Seiten
19,99 Euro
– Originalausgabe
Django Unchained
Vertigo/DC Comics, 2013
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Seien wir ehrlich; – auch wenn es offensichtlich ist: Jim Jarmusch hat letztes Jahr bei den Fimfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen für seinen neuen Film „Father Brother Sister Brother“ nicht für den Film, sondern für sein Lebenswerk erhalten. Wahrscheinlich mit einer leichten Torschusspanik bei dem Festival, dass sie bislang Jarmusch noch nicht ausgezeichnet haben. Dabei ist Jim Jarmusch einer der großen zeitgenössischen Indie-Regisseure, er ist schon über siebzig Jahre alt und er war in den vergangenen Jahren sehr unproduktiv. Jedenfalls in punkto Spielfilme.
Sein neuester Film „Father Mother Sister Brother“ besteht aus drei Kurzfilmen, die an verschiedenen Orten in den USA und Europa spielen und mit verschiedenen Schauspielern gedreht wurden. Immer geht es um Kinder und ihre Eltern. Immer tauchen durch das Bild fahrende Skater auf und immer ist irgendwann eine nicht immer echte Rolex im Bild. Wichtig für die Geschichte sind die Skater und die Rolex nicht. Es sind eher Dinge, die auftauchen müssen, weil der Geldgeber es so wollte.
In dem ersten, in einer abgelegenen Hütte in New Jersey spielenden Film, besuchen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ihren allein lebenden Vater (Tom Waits). Sie wollen wissen, ob er Hilfe benötigt. Die zweite Episode spielt in Dublin. Die beiden Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) absolvieren den alljährlichen Pflichtbesuch bei ihrer furchteinflößenden Mutter (Charlotte Rampling) in ihrer noblen Wohnung. In der dritten und längsten Episode des Films geht es nach Paris zu den Zwillingen Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat). Sie wollen die Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern auflösen.
Bis auf die erste Geschichte ist keiner dieser Kurzfilme irgendwie auf eine Pointe hin erzählt. Und auch die Pointe in der ersten Geschichte ist schon von der ersten Minute an, wenn Tom Waits seine Wohnung für den Besuch seiner Kinder in einen schlechteren Zustand aufräumt, absehbar. Es sind drei Betrachtungen von Familienkonstellationen, in denen nichts Aufregendes passiert. Es sind Skizzen, in denen einfach einige Beobachtungen und eine Situation geschildert werden. Es sind auch typische Jarmusch-Geschichten. Dieses Mal in der kurzen und auf eine Situation konzentrierten Form, die er bereits in früheren Filmen pflegte. „Night on Earth“ und „Coffee and Cigarettes“ sind hier zu nennen. Diese Episodenfilme und Kurzfilme sind Nebenwerke.
Auch „Father Mother Sister Brother“ ist ein hochkarätig besetztes Nebenwerk, das vor allem für Jarmusch-Fans, sieben Jahre nach seinem letzten Spielfilm „The Dead don’t die“, ein willkommenes Lebenszeichen ist und das die Wartezeit auf seinen nächsten Spielfilm verkürzt.
Father Mother Sister Brother(Father Mother Sister Brother, USA/Deutschland/Italien/Irland/Frankreich 2025)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
mit Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun
Marty Mauser ist ein ziemlicher Unsympath. Aber er ist jung, machtlos, unbeherrscht, voller Energie und er hat eine durchaus sympathische Vision. Tagsüber ist der 23-jährige ein eloquenter Schuhverkäufer in dem sich an der Lower East Side befindenden Geschäft seines Onkels. Nach Feierabend ist er ein begeisterter Tischtennisspieler. Er nimmt an Wettbewerben teil und er ist – gegen überschaubare Konkurrenz – US-Meister geworden. Aber er will Weltmeister werden und er will Tischtennis in den USA als geachteten Sport etablieren. Bis jetzt – wir reden von den frühen fünfziger Jahren – ist es ein in Hinterzimmern praktizierter Zeitvertreib für die Nachtschwärmer, Outcasts und Weirdos. Das ist nichts, womit man Geld verdienen kann.
Seinen Traum verfolgt Marty in deutlich über zwei Stunden in Josh Safdies atemlosen und ziemlich lustigem Drama „Marty Supreme“. Seine bisherigen Filme inszenierte Josh Safdie mit seinem Bruder Benny. Ronald Bronstein, der auch bei „Marty Supreme“ Co-Drehbuchautor ist, arbeitete immer an den Drehbüchern mit. Zu diesen, teils mit einem Minibudget und viel Improvisation inszenierten Filme gehörten „Daddy Longlegs“, „Good Time“ und „Uncut Gems“. Benny Safdie inszenierte jüngst, ebenfalls als Solo-Regiedebüt, „The Smashing Machine“ mit Dwayne Johnson als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Mark Kerr. Kerr wollte Mixed Martial Arts in den USA als ernstzunehmenden Sport etablieren. „The Smashing Machine“ ist ein braves Biopic, bei dem immer unklar bleibt, warum wir uns für den Sport und den Teddybär-netten Protagonisten interessieren sollen.
In „Marty Supreme“ beantwortet Josh Safdie diese Fragen schon in den ersten Minuten. Ab diesem Moment hetzt er Timothée Chalamet, der Marty Mauser hochenergetisch spielt, durch die Geschichte. Während Marty kompromisslos um die halbe Welt seinen Traum verfolgt, kümmert er sich nicht weiter um die Folgen seiner oft grotesk aus dem Ruder laufenden und oft verantwortungslosen Taten. Dazu gehören, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit, die ungeplante Schwangerschaft seiner verheirateten Freundin Rachel Mizler (Odessa A’zion), Ärger mit der Mafia und der Polizei und ständige, größer werdende Geldprobleme, die er versucht, kreativ zu lösen.
Marty ist der Protagonist der Geschichte. Die Hauptfigur. Aber zum Sympathieträger und Vorbild taugt er nicht. Schon in den ersten Minuten betrügt er auf seinen nächtlichen Spieltouren durch New York die anderen Spieler, wenn er um Geld spielt und sie dabei eine Zeitlang glauben lässt, er sei ein schlechter Spieler. Kurz darauf stiehlt er aus dem Safe seines Onkels seinen einbehaltenen Lohn. Er braucht das Geld, um nach London zu einem Wettbewerb zu fliegen. Dort verliert er gegen den Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi). Und er klaut den Schmuck seiner reich verheirateten Freundin Kay Stone (Gwyneth Paltrow), die er erstmals in London trifft. Dass der Schmuck, den das frühere Hollywood-Starlet trägt, nur billiger Modeschmuck ist, erfährt er, als er ihn bei einem Pfandhändler versetzen will. Skrupel empfindet er dabei nie.
Er hat nämlich ein Ziel vor Augen und er ist in seiner Getriebenheit ein Charmeur und begnadeter Erzähler mit einer Vision, die er Kay Stones Mann Milton Rockwell (Kevin O’Leary) verkaufen kann. Der vermögende Unternehmer hat von Tischtennis keine Ahnung. Aber nachdem der Erzkapitalist das Potential für ein gutes Geschäft sieht, investiert er in Marty. Marty ist eine Figur aus einem New-Hollywood-Film. In den Siebzigern hätte wahrscheinlich Al Pacino diesen typischen New Yorker gespielt.
Auch die Geschichte und die Inszenierung sind deutlich vom New-Hollywood-Kino beeinflusst. Aber mit einer humorvolleren Note. „Marty Supreme“ ist, glänzend besetzt auch in kleinen Rollen, mehr eine tief in New York verwurzelte Schelmengeschichte und Komödie als Drama. Denn egal welches Chaos Marty anrichtet, man kann ihm nicht wirklich böse sein.
„Marty Supreme“, der im Moment mit Nominierungen überhäuft wird, ist ein früher Höhepunkt des Kinojahres.
Marty Supreme(Marty Supreme, USA 2025)
Regie: Josh Safdie
Drehbuch: Ronald Bronstein, Josh Safdie
mit Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion, Tyler Okonma, Fran Drescher, Kevin O’Leary, Sandra Bernhard, Koto Kawaguchi, Abel Ferrara, Larry Ratso Sloman, Géza Röhrig, Fred Hechinger, David Mamet, Penn Jillette, Timo Boll, Isaac Mizrahi, Philippe Petit, Pico Iver, Levon Hawke, Hailey Gates, Paul Grimstad, Ted Williams, George Gervin
Zeuge einer Verschwörung(The Parallax View, USA 1973)
Regie: Alan J. Pakula
Drehbuch: David Giler, Lorenzo Semple jr.
LV: Loren Singer: The Parallax View, 1970
Journalist Joe Frady (Warren Beatty) will herausfinden, warum drei Jahre nach einem Attentat auf einen US-Senator Zeugen der Tat sterben. Zufall oder eine Verschwörung?
Polit-Thriller und Klassiker des Genres
mit Warren Beatty, Paula Prentiss, William Daniels, Walter McGinn, Hume Cronyn, Jim Davis
Als Baz Luhrmann für sein Biopic „Elvis“ in den Archiven von Warner Bros. recherchierte, entdeckten er und seine Mitarbeiter in Kansas in als Lagerort für Filmmaterial fungierenden Salzminen 69 Kisten mit Filmnegativen. Diese Kisten enthielten 59 Stunden Filmaufnahmen von Elvis Presley, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Jedenfalls nicht in dieser Qualität. Einige kurze Ausschnitte zirkulierten unter Elvis-Fans in Bootleg-Qualität. Später erhielt Luhrmann aus den Graceland-Archiven ebenso unbekannte Super-8-Filme.
Bei den Aufnahmen handelt es sich um Backstage-Aufnahmen, Interviews, Aufnahmen von den Proben und mehrere Konzertaufnahmen. Der Großteil der Konzertaufnahmen entstand 1970 in Las Vegas und 1972 in Las Vegas und auf seiner Tournee durch die USA. Aus diesen Aufnahmen sollten damals ein Dokumentarfilm und ein Konzertfilm entstehen. Die Pläne zerschlugen sich. Das Material wurde in dem Bergwerk gelagert und vergessen. Für Elvis-Fans wurden die Aufnahmen ein Mythos.
Luhrmann wollte das gefundene Material der Öffentlichkeit in einer angemessenen Form präsentieren. Dafür wurden die Film- und Tonaufnahmen aufwendig restauriert. Am Ende verfügte Luhrmann über 59 Stunden unveröffentlichtes Filmmaterial, aus dem er seinen, uh, Dokumentarfilm zusammenfügte.
„EPiC – Elvis Presley in Concert“ ist vor allem ein Film für die Elvis-Fans, bar jeder Analyse und sich nicht sonderlich um die Chronologie kümmernd. Munter mischt Luhrmann Aufnahmen von verschiedenen Auftritten, teils sogar verschiedenen Jahrzehnten, mit Aufnahmen von den Proben zu einem einzigen Elvis-Presley-Medley. Insgesamt werden in dem 97-minütigem Film 45 Songs angespielt. Einige Stücke sind aus verschiedenen Auftritten zusammengeschnitten. Da bleibt meist nur die Zeit, die Elvis zum Singen des Refrains benötigt.
Für Fans ist dieses gigantische Elvis-Mash-Up dennoch ein Genuss. Einmal, weil die Songs sehr gut klingen. Denn neben den Bildern wurde selbstverständlich auch der Ton restauriert. Einmal weil er sein Idol nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter und neben der Bühne und bei den Proben erleben kann und es einige Ausschnitte aus Interviews mit Elvis Presley gibt.
Wer dagegen auch nur im Ansatz eine Analyse oder eine Dokumentation über Elvis Presley erwartet, wird den Film für furchtbar unwichtig halten.
Und es handelt sich um keinen Konzertfilm. Ein Konzertfilm dokumentiert ein Konzert. Luhrman mixt in seinem Film munter, auch innerhalb eines Songs, Bildern von zu verschiedenen Zeiten entstandenen Konzertaufnahmen und Probenaufnahmen.
Das Ergebnis ist als fantasiertes Best-of-Concert überwältigend. Während man die bekannten Refrains mitsummt, kann man darüber nachdenken, wie sehr sich Elvis Presley in den wenigen Jahren zwischen seinem Durchbruch und den frühen siebziger Jahren veränderte und wie alt und unbeweglich er damals oft wirkte.
Elvis Presley starb mit 42 Jahren am 16. August 1977.
EPiC – Elvis Presley in Concert (EPiC – Elvis Presley in Concert, USA 2025)
Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.
Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.
Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon, Ricky Jay
Dänemark, im 16. Jahrhundert: zuerst bringt König Claudius den rechtmäßigen und guten König Amleth um. Später tötet er Amleths Tochter, Prinzessin Scarlet, die sich nicht seinen Wünschen beugen möchte.
Scarlet landet nach ihrem Tod nicht im Himmel oder in der Hölle, sondern in der Anderswelt, einem bedrohlichem Zwischenzustand jenseits von Raum und Zeit, mit Drache und Monstern und vielen Gefahren und einem unklaren Verhältnis zum Tod. So ist Hijiri, ein etwas später in der Anderswelt eintreffender junger Mann überzeugt, nicht tot zu sein. Er war als Notfallsanitäter doch gerade in der Gegenwart (also dem 21. Jahrhundert) in Tokio in einem Einsatz.
Scarlet und Hijiri bilden in Mamoru Hosadas neuem Fantasy-Anime „Scarlet“ das gegensätzliche Paar. Sie ist die vom Hass auf den Mörder ihres Vaters und ihren Mörder besessene Kriegerin, die keinem Kampf ausweicht und skrupellos tötet. Jetzt sucht sie in der Anderswelt König Claudius. Sie will ihn endgültig töten und in die Hölle schicken.
Hijiri ist das komplette Gegenteil von Scarlet. Er ist aus einem anderen Jahrhundert, einer anderen Welt und Kultur. Er ist mitfühlend, glaubt an das Gute, rettet und heilt jeden, der seine Hilfe benötigt, und er ist grundsätzlich optimistisch.
In „Scarlet“ präsentiert Mamour Hosoda seine sich viele Freiheiten nehmende Version von William Shakespeares Rachetragödie „Hamlet“. Zu Hosodas früheren Werken gehören „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ (2018), nominiert für den Oscar als bester Animationsfilm, und „Belle“ (2021), das in Cannes seine Premiere hatte. „Belle“ ist an der Kinokasse sein bislang erfolgreichster Film.
„Scarlet“ hatte bei den Filmfestspielen in Venedig letztes Jahr seine Premiere und er kam bei der Kritik gut an. Denn obwohl Hosoda seine Geschichte primär für ein junges weibliches Publikum erzählt, ist sein Anime keine banale Liebesgeschichte für Teenager.
Er erzählt eine spannende und zum Nachdenken anregende Geschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei eine starke Heldin, die wirklich keinen Mann benötigt, um sie aus gefährlichen Situationen zu retten, und ihr sehr sympathisches Love-Interest. Der kann dann, auch dank seinem gut gefülltem Notfallrucksack, ihre Wunden heilen. Zuerst die körperlichen, später auch die seelischen.
Hosoda erzählt Scarlets Geschichte bildgewaltig und sich sehr komplex zwischen verschiedenen Zeiten und Welten bewegend.
Verkäuferin Ansa und Arbeiter Holappa sind zwei einsame Menschen. Sie verlieben sich ineinander und müssen viele Hindernisse überwinden, bevor sie zueinander finden.
TV-Premiere. Gewohnt lakonisches Drama von Aki Kaurismäki, der hier einen Nachschlag zu seiner „Proletarischen Trilogie“ liefert.
LV: Janet Evanovich: One for the Money, 1994 (Einmal ist keinmal)
Stephanie Plum braucht Geld. Und was liegt da näher, als sich als Kopfgeldjägerin ihre alte Liebe, den untergetauchten Cop Joe Morelli zu suchen?
Die Verfilmung des dreißig Jahre alten Krimis steckt tief in den achtziger Jahre und bietet ziemlich kurzweilig-nette Unterhaltung für Zwischendurch, die nie behauptet mehr zu sein als eine kleine Actionkomödie mit einem vernachlässigbaren Krimiplot voller Unwahrscheinlichkeiten und viel Romantic. Also genau das Richtige für einen lauschigen Abend.
Possession (Frankreich/Deutschland 1980, Regie: Andrzej Zulawski)
Drehbuch: Andrzej Zulawski
Berlin: Marc kehrt nach einer längeren Abwesenheit zu seiner Frau Anna zurück. Sie behauptet, einen Liebhaber zu haben. Als der eifersüchtige Marc mehr herausfinden will, entdeckt er, dass sie sich mit einem krakenhaftem Monster vereint.
„Horrrovision einer zerbrochenen Beziehung und zerstörter Identitäten(…) Mit kaltem Licht, bizarren Kameraeinstellungen und Schockeffekten malt er [Zulawski] eine barocke Alptraumwelt aus Ekel und Hysterie. Wenn die Geschichte einen etwas kruden Freudianismus bemüht, so überzeugt die Umsetzung in Bilder und Farbe.“ (Fischer Film Almanach 1994; mit dem Hinweis „Verleih: offen“)
„Das im wahren Wortsinne aufopferungsvolle, an die physischen Grenzen gehende Spiel der beiden Hauptdarsteller, die unstete Kamera und die grotesken Spezialeffekte machen aus dem absurden Gewalttheater nachhaltig bewegendes Kunstkino.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010, zur DVD-Ausgabe, die anscheinend auch gleichzeitig die Deutschlandpremiere des Skandalfilms war)
Isabelle Adjani erhielt in Cannes den Darstellerpreis.
„So hysterisch sie in mancher Szene scheint, so folgerichtig ist dies im Rahmen dieses exaltierten Films, der wie ein Schock wirkte und zahlreiche Kritiker nachhaltig abstieß oder zu Lobeshymnen veranlasste.“ (Meinolf Zurhorst: Isabelle Adjani, 1992)
Damals hatte der 124 minütigen Film (englische Originalfassung) gewaltige Probleme mit der Zensur. Für die US-Auswertung wurde er um 45 Minuten gekürzt, in England gehörte er zu den ‚video nasties‘ und in Deutschland kam er erst gar nicht in die Kinos. Heute ist er ein Kultfilm.
Inzwischen hat er ungekürzt eine FSK-16-Freigabe erhalten.
Auch nach über vierzig Jahren immer noch ein verstörender, herausfordernder Horrorfilm.
mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Johanna Hofer, Shaun Lawton, Leslie Malton
LV: Daphne du Maurier: The birds, 1952 (Die Vögel)
In Bodega Bay attackieren Vögel Menschen.
Nicht direkt ein Krimi, aber ein Klassiker.
„‘The Birds’ war ein Avantgarde-Hitchcock, haarsträubend und voll verschlagenem Witz. Der Held krümmt sich, und das Publikum kreischt.“ (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)
Alfred Hitchcock verwandte von du Mauriers Kurzgeschichte nur den Grundgedanken (rätselhafte Attacken von Vögel auf Menschen). Evan Hunter kennen wir auch als Ed McBain (87. Polizeirevier).
Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die knapp einstündige Doku „Tippi Hedren und die wilden Tiere“ (Deutschland 2021)
Mit Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt
Sie gehören zum Bild der Großstädte: Fahrradkuriere, die bei Wind und Wetter Essen ausliefern. Souleyman ist einer von ihnen. Er fährt, immer unter Zeitdruck, durch Paris, trifft viele Menschen, teils Bekannte, teils Arbeitskollegen, teils Menschen, die ihm mehr oder weniger eigennützig helfen, und er bereitet sich auf eine Anhörung bei der Asylbehörde vor. Diese Anhörung ist dann auch der Schwachpunkt von Boris Lojkines Drama „Souleymans Geschichte“. Souleyman lässt sich vor der Anhörung von einem anderen Ausländer, der daraus ein Geschäft gemacht hat, beraten. Er empfiehlt allen die gleiche Geschichte, die sie auswendig lernen und bei der Anhörung erzählen sollen. Souleyman kommt, während er die Geschichte auswendig lernt, nie auf den Gedanken, dass die Beamten der Asylbehörde diese auswendig gelernte Geschichte schon hundertmal genauso gehört haben.
Davon abgesehen taucht Lojkine tief in Souleymans Leben ein. Er verfolgt ihn bei der Arbeit, zeigt ihn in seinem Umfeld und in der Asylbewerberunterkunft. Es ist ein Leben ganz unten im Kapitalismus.
Der Rhythmus ist schnell. Ständig unter Zeitdruck hetzt Souleyman von einem Kunden zum nächsten – und versucht dazwischen seine persönlichen Angelegenheiten zu klären. Die Monotonie des immer gleichen in dem Hamsterrad, in dem Souleyman sich befindet, ebenso.
Lojkines Film steht in der Tradition von Ken Loach und des sozialkritischen Kinos. Allerdings verzichtet er auf den bei Loach immer vorhandenen erzählerischen und analytischen Überbau. Wie ein Reporter beobachtet Lojkine Souleyman und zeigt einfach, was an zwei ziemlich normalen Tagen passiert.
Danach wird man die Essensauslieferer mit anderen Augen sehen.
Seine Premiere hatte „Souleymans Geschichte“ 2024 in Cannes in der Reihe Un Certain Regard. Dort erhielt er den Preis der Jury und den Fipresci-Preis. 2025 erhielt „Souleymans Geschichte“ vier Césars für das Drehbuch, den Schnitt, die beste Nebendarstellerin und den besten Nachwuchsdarsteller. Abou Sangeré, der Souleyman spielt, wurde auch in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet.
Souleymans Geschichte (L’Histoire de Souleymane, Frankreich 2024)
Als literarischer Autor ärgert Thelonious „Monk“ Ellison (Jeffrey Wright) sich über den Erfolg von literarisch flachen, eindimensionalen, vor Klischees strotzenden Romanen über die afroamerikanische Community. Unter Pseudonym schreibt er einen Trash-Roman über das angeblich authentische Leben eines armen, ungebildeten Schwarzen – und landet einen Bestseller. Jetzt soll er Interviews über sein Leben als Schwerverbrecher im Ghetto geben.
TV-Premiere, Gelungene Tragikomödie und Satire über den US-amerikanischen Kulturbetrieb und seine identitätspolitischen Volten.
mit Jeffrey Wright, Tracee Ellis Ross, Issa Rae, Sterling K. Brown, John Ortiz, Erika Alexander, Leslie Uggams, Adam Brody
Aurora (Sophie Sloan) hat Angst vor dem Monster unter ihrem Bett. Und weil sie zehn Jahre alt ist, ist das nicht so ungewöhnlich. Schließlich haben viele Kinder, so heißt es, Angst vor einem sich unter dem Bett versteckendem Monster. Diese Angst wird in zahlreichen Horrorgeschichten gepflegt.
In Auroras Fall existiert dieses Monster allerdings wirklich und – soviel kann verraten werden – es wächst zu wahrlich bedrohlichen Dimensionen an.
Zum Glück ist Aurora nicht auf den Kopf gefallen und sie hat ihren Nachbarn (Mads Mikkelsen) beobachtet, wie er bei einem nächtlichen Ausflug in Chinatown einen Drachen massakrierte. Wenn dieser in 5B wohnende Mann einen Drachen besiegen kann, dürfte er auch das unter ihrem Bett lebende Staubmonster besiegen können.
In dem Moment lebt Aurora bereits allein in der riesigen Mietwohnung. Denn das Monster hat ihre Eltern – es handelte sich um ihre dritte Pflegefamilie – bereits verschlungen.
Zur Bezahlung des Killers klaut Aurora die Kollekte der Kirche. Dieser namenlose Killer, den wir fortan 5B nennen, ist zwar nicht überzeugt von Auroras Monstergeschichte. Er glaubt eher, dass Killer, die ihn umbringen wollten, Auroras Pflegefamilie tötete.
Eine ziemlich schräge Idee hatte Bryan Fuller für sein Spielfilmdebüt, die er mit spürbarer Lust am Überschreiten von Genregrenzen und -konventionen und schrägem schwarzen Humor erzählt. Zu Fullers früheren Werken gehören, als Erfinder, die TV-Serien „Pushing Daisies“ und „Hannibal“ (ebenfalls mit Mads Mikkelsen) und, als Showrunner, „American Gods“ und „Star Trek: Discovery“.
„Dust Bunny“ ist ein dunkles Märchen, das in einer Fantasiewelt irgendwo zwischen Fantasy und Actionthriller spielt. Fuller inszeniert das sehr stilbewusst in Richtung Neo-Noir, aber auch sehr reduziert auf wenige Locations. Fast der gesamte Film spielt in Auroras Wohnung und im davor liegendem Flur des alten Mietshauses. Dass eine solche Reduzierung auf einen Handlungsort nicht unbedingt nachteilig sein muss, haben schon viele Filme gezeigt. So spielte, um nur drei aktuelle sehenswerte Beispiele zu nennen, „Die Stimme von Hind Rajab“ in einer Notrufzentrale, „Send help“ auf einer Insel und „Cold Storage“ in einem Self-Storage-Lagerkomplex.
Bei Fuller geht diese Reduzierung auf einen Handlungsort auch mit einer Reduzierung der Erzählgeschwindigkeit und der Emotionen einher. Der Nachbar, der als Killer seinen Lebensunterhalt verdient haben, muss natürlich seine Gefühle verbergen. Die Killer, die ihn oder Aurora umbringen wollen, ebenso. Gleiches gilt für die Polizisten. Keiner verzieht eine Miene.
Sie belauern sich oder warten regungslos auf das aus dem Fußboden auftauchende Monster.
Die Dialoge tragen zu diesem Eindruck des Stillstands bei. Sie drehen sich in schlechter Quentin-Tarantino- oder Sergio-Leone-Manier im Kreis und sind oft arg redundant. Sie sind nicht cool, sondern pseudo-cool und nervig. Das gilt auch für den Running Gag, dass 5B Auroras Namen fast immer falsch ausspricht.
Die Bilder schwanken zwischen neonbuntem Neo-Noir, der auch in „Blade Runner“ nicht negativ auffallen würde, und den poppigen Farben aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Das sieht gut aus. Die Sets sind liebevoll gestaltet, aber halt auch in erster Linie Sets, die als Zeichnung gut aussehen, in einem Film aber nie ihre Künstlichkeit verbergen können.
Die Story selbst ist, mit vielen erzählerischen Auslassungen (so erfahren wir kaum, wer warum Aurora und 5B verfolgen und wer wer ist), „Léon – Der Profi“ meets „Die fabelhafte Welt der Amélie“ irgendwo im Niemandsland zwischen Fantasy und Realismus. Auf dem Papier liest sich das dann interessanter als der Film ist. Viel zu oft ist „Dust Bunny“ eine stilbewusste Übung im Stillstand.
Das gilt auch für die Actionszenen.
Dust Bunny (Dust Bunny, USA 2025)
Regie: Bryan Fuller
Drehbuch: Bryan Fuller
mit Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim
Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) sind die Nachtschicht in einem abgelegen in der US-amerikanischen Provinz in den Bergen liegendem Self-Storage-Lagerkomplex. Einheimische lagern in den Garageneinheiten ihr Gerümpel. Manchmal wird auch heiße Ware zwischengelagert. Geklaute Fernseher, beispielsweise.
Die Nachtschicht ist die Friedhofsschicht, in der nichts Aufregendes passiert. Außer dass Teacake sich schon seit Tagen überlegt, wie er die gut aussehende Naomi, die einen anderen Teil des riesigen Komplexes überwacht, ansprechen kann. In dieser Nacht will er außerdem eine alte Ausgabe von Jack Finneys „The Body Snatchers“ lesen. Das ist der Plan.
Aber ihn stört ein klopfendes Geräusch. Es kommt aus den nicht benutzten und unzugänglichen Teilen des unterirdischen Gebäudes. Zusammen mit Naomi will er den Grund für das Geräusch herausfinden. Sie reißen eine Wand ein, beginnen die noch nicht erkundete Gänge in dem riesigen Komplex zu erkunden und die Nacht nimmt einen in jeder Beziehung unvorhergesehenen Verlauf.
Denn der Self-Storage-Laden wurde in einer stillgelegten militärischen Anlage errichtet. Weite Teile der Anlage wurden einfach abgesperrt und vergessen. Dazu gehört auch eine unterhalb des Self-Storage-Ladens befindende Mischung aus Labor und Lager. Dort wurde ein extrem gefährlicher, sich extrem schnell verbreitender Pilz-Parasit gelagert und vergessen. In dieser Nacht mutiert dieses Überbleibsel eines Experiments auf der Suche nach Lebewesen durch die Anlage.
Und schon kämpfen die beiden Nobodys gegen ein gesichts- und gefühlloses Monster, das sie und die gesamte Menschheit innerhalb kürzester Zeit vernichten kann.
David Koepp hat sich diese Geschichte ausgedacht. Er schrieb auch die Drehbücher für „Jurassic Park“, „Panic Room“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Premium Rush“ und jüngst „Black Bag“. Aber in diesem Fall schrieb er die Geschichte nicht als Drehbuch, sondern zuerst als Roman. 2019 war „Cold Storage – Es tötet“ (so der deutsche Romantitel) sein überzeugendes Debüt als Thrillerautor. Der Horrorthriller ist ein echter Pageturner, der sich – je nach Perspektive – wie eine grandiose Vorlage für einen Spielfilm oder ein überzeugender Filmroman liest. In jedem Fall liest sich der Thriller wie die verschriftlichte Fassung eines spannenden Horrorfilms, der seine Geschichte mit einer ordentlichen Portion selbstbewussten Humors erzählt. Denn alle wissen, in welcher Geschichte sie sind. Teacake und Naomi wissen, warum sie bestimmte Türen nicht öffnen sollen. Die rettende Kavallerie – ein im Film von Liam Neeson zupackend verkörpertes Ein-Mann-Rettungsteam – kommt immerhin früh genug, um noch einzugreifen. Koepp schrieb auch das Drehbuch, das im Großen und Ganzen der Romangeschichte folgt.
Regisseur Jonny Campbell (u. a. Folgen für die TV-Serien „Dracula“, „Westworld“, „Doctor Who“, „Ashes to Ashes“ und „Spooks“) erzählt diese sich auf einen Handlungsort konzentrierende Mischung aus „Jurassic Park“ und „Panic Room“ (um zwei Koepp-Werke zu nennen) äußerst flott und mit der richtigen Mischung aus Deadpan-Humor, Thrill und Splatter.
Das macht „Cold Storage“ zu einer äußerst vergnüglichen und kurzweiligen Angelegenheit für die Fans eines sich gleichzeitig nicht allzu ernst nehmenden und selbstbewussten B-Horrorthrillers, der einfach nur in neunzig Minuten eine spannende Geschichte erzählen will.
Cold Storage (Cold Storage, Großbritannien 2026)
Regie: Jonny Campbell
Drehbuch: David Koepp
LV: David Koepp: Cold Storage, 2019 (Cold Storage – Es tötet)
mit Joe Kerry, Georgina Campbell, Liam Neeson, Vanessa Redgrave, Sosie Bacon, Lesley Manville, Aaron Heffernan, Ellora Torchia, Gavin Spokes
Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklich der richtige Mann verurteilt wurde.
Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung. Sie recherchierte für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy Knobloch. Diese Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.
mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann