Neu im Kino/Filmkritik: „Der Knastcoach“ ist kein guter Trainer

Mai 7, 2015

„Der Knastcoach“ hat eine Idee – ein ehrlicher Afroamerikaner ohne jede Gefängniserfahrung bereitet einen Millionär auf das Gefängnis vor – aber keine Ahnung, was er mit dieser Idee anfangen soll und keine Pointe. Und, auch wenn die Macher das Gegenteil behaupten, der Film ist keine Sozialsatire. Es ist auch keine Satire (oder höchstens eine fehlgeleitete) und keine Komödie. Jedenfalls wenn man von einer Komödie mehr als etwas Klamauk und das Abspulen der offensichtlichsten Gags erwartet, die sich einfach aus dem Abspulen bekannter Klischees über Schwarze und Schwule ergeben.
Hedge-Fonds-Manager James King (Will Ferrell), ein aufgeblasener Trottel mit der sozialen Kompetenz eines Backsteins und der Intelligenz eines Hohlkörpers, wird als Finanzbetrüger angeklagt und, obwohl unschuldig, zu einer zehnjährigen Haftstrafe in San Quentin unter den ganz bösen Buben verurteilt. Dieser King hat natürlich Angst vor dem Gefängnis. Während sein künftiger Stiefvater Martin (Craig T. Nelson) ihm versichert, dass er herausfinden werde, wer ihn hereingelegt habe, beginnt der vollkommen unschuldige und zu Unrecht verurteilte King sich auf das Gefängnis vorzubereiten. Er bittet den ersten Afroamerikaner, der ihm über den Weg läuft, ihn auf das Gefängnis vorzubereiten. Denn statistisch gesehen war jeder Schwarze schon einmal im Gefängnis. Dummerweise hat James Darnell Lewis (Kevin Hart), Chef einer kleinen Autopflegefirma, glücklich verheiratet mit einer Tochter, die er auf eine bessere Schule schicken möchte, noch nie etwas Unrechtes getan. Aber er braucht das Schulgeld für seine Tochter und King könnte es bezahlen. Also willigt Lewis für diesen Geldbetrag ein, James King auf das Gefängnis vorzubereiten. Er bedient sich dabei der auch ihm bekannten Knastklischees.
Weil so ein kleines Bootcamp, das sich weitgehend in verbalen Blödeleien erschöpft, nicht abendfüllend ist, gibt es auch noch eine „Geschichte“. Denn irgendwann glaubt Lewis, dass King unschuldig ist und er will ihn vor dem Gefängnis bewahren.

Der Knastcoach - Plakat

Der Knastcoach (Get Hard, USA 2015)
Regie: Etan Cohen
Drehbuch: Jay Martel, Ian Roberts, Etan Cohen (nach einer Geschichte von Adam McKay, Jay Martel und Ian Roberts)
mit Will Ferrell, Kevin Hart, Craig T. Nelson, Alison Brie, Edwina Findley Dickerson, Ariana Neal, Erick Chavarria, T.I., Paul Ben-Victor, John Mayer
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Knastcoach“
Moviepilot über „Der Knastcoach“
Metacritic über „Der Knastcoach“
Rotten Tomatoes über „Der Knastcoach“
Wikipedia über „Der Knastcoach“


Die KrimiZeit-Bestenliste Mai 2015

Mai 7, 2015

Auf der Krimizeit-Bestenliste für den Wonnemonat Mai stehen:
1 (10) James Lee Burke: Sturm über New Orleans
2 (2) Zoë Beck: Schwarzblende
3 (3) James Ellroy: Perfidia
4 (4) Mike Nicol: Bad Cop
5 (1) William McIlvanney: Die Suche nach Tony Veitch
6 (5) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra
7 (6) Adrian McKinty: Die verlorenen Schwestern
8 (7) Alan Carter: Prime Cut
9 (-) Benjamin Black : Die Blonde mit den schwarzen Augen
10 (-) Dominique Manotti: Abpfiff
–
In ( ) steht die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 7. Mai: Pulp Fiction

Mai 6, 2015

Vox, 22.00

Pulp Fiction (USA 1994, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 8. Mai, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Pulp Fiction”

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz, Comic)


Kurzkritik: Ray Banks: Dead Money

Mai 6, 2015

Eigentlich ist „Dead Money“ von Ray Banks ein Buch für mich. Immerhin ist es ein waschechter Noir, in dem der Erzähler sich immer mehr in die Scheiße reitet. Dabei hat Alan Slater einen halbwegs guten Job. Er ist Vertreter. Er ist auch ziemlich glücklich verheiratet, hat einen Hund und eine Freundin. Aber er ist auch ein Trinker, ein Spieler und befreundet mit Les Beale, einem Arbeitskollegen, der als echter Stinkstiefel nur auf Ärger aus ist und der schon sein ganzes Vermögen verzockt hat.
Eines Nachts, nach einigen unglücklich verlaufenen Spielen, ruft er Slater an. Er müsse ihm beim Entsorgen einer Leiche helfen. Slater tut es. Denn: „Wie geht dieser alte Witz? Ein Freund hilft dir beim Möbeltragen, aber ein guter Freund hilft dir beim Leichentragen? Naja, war dann doch nicht so lustig, wenn’s drauf ankam.“ Denn selbstverständlich verschwindet eine Leiche nicht einfach so.
Das gleiche gilt für Spielschulden, die Beale hat und die zu Slaters Problem werden, weil er ihn, ohne dessen Wissen, als Bürgen nannte. Jetzt hätte der Kreditgeber, ein Kredithai, gerne sein Geld mit Zinsen zurück.
Gut, die Story ist Standard-Noir. Auch die Charaktere, ihre Jobs (Vertreter!) und Probleme (Alkoholismus, Spielsucht, allgemeine und spezielle Unzufriedenheit mit dem Leben, Ehebruch und Sex mit der falschen Frau) gehören zum festen Noir-Inventar und Ray Banks benutzt es in seinem Debütroman „The Big Blind“ (den er in einer überarbeiteten Form als „Dead Money“ wieder veröffentlichte) auch mit dem Wissen eines Kenners, das ihm auch gleich das Lob von Kritikern und Kollegen, wie Ken Bruen, Simon Kernick und Allan Guthrie, einbrachte.
Aber trotzdem wurde ich nicht wirklich warm mit dem Buch. Es gefiel mir nicht so gut, wie es mir eigentlich hätte gefallen müssen und ich glaube, dass es an der Sprache (also der Übersetzung) liegt, mit der ich nicht warm wurde.
Banks - Dead Money
Ray Banks: Dead Money
(übersetzt von Antje Maria Greisiger)
Polar Verlag, 2015
208 Seiten
12,90 Euro
–
Originalausgabe
Dead Money
Blasted Heath, 2011
–
Vom Autor überarbeitete Ausgabe von „The Big Blind“ (PointBlank Press, 2004)
–
Hinweise
Homepage von Ray Banks
Krimi-Couch über Ray Banks
Shotsmag interviewt Ray Banks (schon etwas älter, zu seinem ersten Cal-Innes-Roman „Saturday’s Child“)


DVD-Kritik: „The Twilight Zone – Staffel 4“, weniger Geschichten, dafür länger

Mai 5, 2015

Für die vierte Staffel der grandiosen und einflussreichen Anthologieserie „The Twilight Zone“ wurde die Episodenlänge von 25 Minuten auf 50 Minuten geändert, was nicht unbedingt ein Vorteil war. Denn bislang lag der Reiz der schwarzhumorigen ‚unwahrscheinlichen Geschichten“ in der Kürze, die ohne Umwege vom Set-Up zur meist schwarzhumorigen Pointe führt.
Bei der doppelten Länge hatten die Macher dann mehr Zeit, um ihre Charaktere zu charakterisieren und dabei immer noch deutlich unter der Länge eines Spielfilms zu bleiben. Das führt dazu, dass die achtzehn Geschichten der vierten Staffel nicht die Durchschlagkraft der kürzeren Geschichten haben, sondern oft wie eine gestreckte Kurzgeschichte (und mehr sind die klassischen „The Twilight Zone“-Geschichten nicht) mit einer dann absehbaren Pointe wirkt.
Das heißt jetzt nicht, dass die Geschichten schlecht sind. So lässt sich die Auftaktepisode „Wie ein Spiegelbild“ (In his Image) viel Zeit, um die Verunsicherung bei Alan Talbot zu zeigen, dessen Leben auseinanderfällt. Er ist ohne eine Erklärung zu spät bei seiner Freundin, die er in einigen Tagen heiraten will. Als sie in seinen Heimatort fahren, ist dort vieles anders, als er es in Erinnerung hat. Innerhalb einer Woche hat sich mehr verändert als in den letzten zwanzig Jahren und niemand erkennt ihn. Auch er kennt niemanden und das Labor, in dem er arbeitet, existiert nicht. Dann bemerkt er durch eine Verletzung, dass er ein Roboter ist. Das könnte jetzt das Ende der Episode sein, aber es gibt noch eine Drehung. Talbot findet seinen Erbauer und dieser erklärt ihm sehr ausführlich, warum er ihn geschaffen hat. Und es gibt darauf aufbauend eine hübsche Schlusspointe. Jedenfalls für Talbots Erbauer.
„Er ist zurück“ (He’s alive) ist ein Showcase für Dennis Hopper, der einen jungen Nazi spielt. Die Geschichte schildert seine Anfänge in der US-Provinz und wie er, inspiriert von einem zunächst unbekanntem Ratgeber, der sich später als ‚Geist‘ von Adolf Hitler zu erkennen gibt, eine Gefolgschaft um sich scharrt. Rod Serlings Geschichte ist eine psychologisch glaubwürdige Fallstudie zum Faschismus, wie er weiterlebt und auch was gegen Hassprediger jeder Couleur getan werden kann. Im Gegensatz zu den anderen „The Twilight Zone“-Geschichten ist hier der pädagogische Zeigefinger und die Botschaft überdeutlich zu sehen, weshalb „Er ist zurück“ als „The Twilight Zone“-Geschichte eher enttäuscht (denn unwahrscheinlich ist hier nichts, nur,, auch ohne Pegida, unheimlich in ihrer Alltäglichkeit), aber als zeitlose Warnung vor dem Faschismus, wie menschenfeindliches Denken sich ausbreitet und wer ihre Propagandisten sind, ist es eine gelungene Episode, die auch zeigt, wozu Fernsehen in der Lage ist. Außerdem vertrat Serling hier so offen wie selten seine politischen und philosophischen Überzeugungen.
Mehr Geschichten will ich jetzt nicht spoilern. Denn auch bei der doppelten Länge sind sie gut und unterhaltsam. Es gibt auch wieder einige noch heute bekannte Gesichter zu entdecken. „Hulk“ Bill Bixby, den schon erwähnten Dennis Hopper, Paul Mazursky (der heute als Regisseur bekannter ist), Jack Klugman, Robert Duvall, Burgess Meredith, Steve Forrest, Martin Balsam, Pat Hingle, James Whitmore, James Broderick und Burt Reynolds sind dabei. Teilweise noch am Anfang ihrer Karriere.
Einige Episoden wurden von Stuart Rosenberg, Don Medford, Buzz Kulik, David Lowell Rich, Lamont Johnson, die neben ihrer Serienarbeit, auch für frühere „The Twilight Zone“-Staffeln, auch einige erfolgreiche Spielfilme inszenierten.
Geschrieben wurden die Geschichten hauptsächlich von Rod Serling (sechs Geschichten, was deutlich weniger als in den früheren Staffeln ist) und Charles Beaumont (ebenfalls sechs Geschichten). Zwei Geschichten sind von Richard Matheson. Eine von Reginald Rose („Die zwölf Geschworenen“, „Die Wildgänse kommen“).
Die vierte „The Twilight Zone“-Staffel lag also weiterhin in den bewährten Händen. Dennoch wurde In der darauffolgenden fünften und letzten Staffel (bevor die Reihe später zweimal wiederbelebt wurde) wurde wieder auf das halbstündige Format, das besser zu den Horror- und Science-Fiction-Geschichten aus der Twilight Zone passt, zurückgegangen.
Das Bonusmaterial ist gewohnt überzeugend und umfangreich ausgefallen. Das Kernstück sind dabei die neunzehn Audiokommentare zu den achtzehn Episoden.
Weil die vierte Staffel nicht synchronisiert wurde und auch nicht im TV lief, gibt es die Geschichten nur im englischen Original mit ausblendbaren Untertiteln.

The Twilight Zone - Staffel 4 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Staffel 4 (The Twilight Zone – Season 4, USA 1963)
Erfinder: Rod Serling
–
DVD
Koch Media
Bild: 1,33:1 (4:3, SW)
Ton: Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 19 Audiokommentare, Isolierte Filmmusik zu allen 18 Episoden, Hörspielfassungen, Audio- und Videointerviews mit Cast & Crew, Sketch aus ‚Saturday Night Live‘, Outtakes, Clips, Promos
Länge: 904 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–

Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today’ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Meine Besprechung von “The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1″ (USA 1959/1960)

Meine Besprechung von „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3“ (USA 1961/1962)


TV-Tipp für den 6. Mai: Kirmes

Mai 5, 2015

RBB, 22.45
Kirmes (Deutschland 1960, Regie: Wolfgang Staudte)
Drehbuch: Wolfgang Staudte, Claus Hubalek
1944: ein junger Deserteur flüchtet in seinen Heimatort in der Eifel. Er hofft auf Hilfe.
Bitteres, selten gezeigtes Kriegsdrama
„Das ist seit Wickis ‚Brücke‘ immerhin der wichtigste, anständigste deutsche Zeitfilm, der sich offen der Vergangenheit stellt. Vielleicht hat er mich deshalb noch stärker beeindruckt, weil er nicht mit dem Zusammenbruch endet. (…) Staudtes Antwort ist genau, aber bitter.“ (Hans-Dieter Ross, Süddeutsche Zeitung, 1960)
mit Götz George, Juliette Mayniel, Hans Mahnke, Wolfgang Reichmann, Benno Hoffmann
Hinweise
Filmportal über „Kirmes“
Wikipedia über „Kirmes“


Cover der Woche

Mai 5, 2015

Willeford - Sideswipe


Die Edgars 2015

Mai 5, 2015

In New York City (die Stadt, nie niemals aufsteht, weil sie niemals schläft. Oder so.) verliehen die Mystery Writers of America die diesjährigen Edgar-Allan-Poe-Preise:
Best Novel
Mr. Mercedes (Mr. Mercedes), von Stephen King (Scribner)
nominiert
This Dark Road to Mercy, von Wiley Cash (Morrow)
Wolf, von Mo Hayder (Atlantic Monthly Press)
The Final Silence, von Stuart Neville (Soho Press)
Saints of the Shadow Bible (Schlafende Hunde), by Ian Rankin (Little, Brown)
Coptown, von Karin Slaughter (Ballantine)
–
Best First Novel by an American Author
Dry Bones in the Valley, von Tom Bouman (Norton)
nominiert
Invisible City, von Julia Dahl (Minotaur)
The Life We Bury, von Allen Eskens (Seventh Street)
Bad Country, von C.B. McKenzie (Minotaur/Thomas Dunne)
Shovel Ready, von Adam Sternbergh (Crown)
Murder at the Brightwell, von Ashley Weaver (Minotaur/Thomas Dunne)
–
Best Paperback Original
The Secret History of Las Vegas, von Chris Albani (Penguin)
nominiert
Stay With Me, von Alison Gaylin (Morrow)
The Barkeep, von William Lashner (Thomas & Mercer)
The Day She Died, von Catriona McPherson (Midnight Ink)
The Gone Dead Train, von Lisa Turner (Morrow)
World of Trouble, von Ben H. Winters (Quirk)
–
Best Fact Crime
Tinseltown: Murder, Morphine, and Madness at the Dawn of Hollywood, von William Mann (Harper)
nominiert
Kitty Genovese: The Murder, the Bystanders, the Crime that Changed America, von Kevin Cook (Norton)
The Savage Harvest: A Tale of Cannibals, Colonialism, and Michael Rockefeller’s Tragic Quest for Primitive Art, von Carl Hoffman (Morrow)
The Other Side, von Lacy M. Johnson (Tin House)
The Mad Sculptor: The Maniac, the Model, and the Murder that Shook the Nation, von Harold Schechter (New Harvest)
–
Best Critical/Biographical
Poe-Land: The Hallowed Haunts of Edgar Allan Poe, von J.W. Ocker (Countryman Press)
nominiert
The Figure of the Detective: A Literary History and Analysis, von Charles Brownson (McFarland & Company)
James Ellroy: A Companion to the Mystery Fiction, von Jim Mancall (McFarland & Company)
Kiss the Blood Off My Hands: Classic Film Noir, von Robert Miklitsch (University of Illinois Press)
Judges & Justice & Lawyers & Law: Exploring the Legal Dimensions of Fiction and Film, von Francis M. Nevins (Perfect Crime)
–
Best Short Story
What Do You Do?, von Gillian Flynn (aus Rogues, herausgegeben von George R.R. Martin und Gardner Dozois; Ballantine)
nominiert
The Snow Angel, von Doug Allyn (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], January 2014)
200 Feet, von John Floyd (The Strand Magazine, February-May 2014)
Red Eye, von Dennis Lehane vs. Michael Connelly (aus FaceOff [FaceOff – Doppeltes Spiel], herausgegeben von David Baldacci; Simon & Schuster)
Teddy, von Brian Tobin (EQMM, May 2014)
–
Best Juvenile
Greenglass House, von Kate Milford (Houghton Mifflin Harcourt Books for Young Readers)
nominiert
Absolutely Truly, von Heather Vogel Frederick (Simon & Schuster Books for Young Readers)
Space Case, von Stuart Gibbs (Simon & Schuster Books for Young Readers)
Nick and Tesla’s Super-Cyborg Gadget Glove, von “Science Bob” Pflugfelder and Steve Hockensmith Quirk)
Saving Kabul Corner, von N.H. Senzai (Paula Wiseman)
Eddie Red, Undercover: Mystery on Museum Mile, von Marcia Wells (Houghton Mifflin Harcourt Books for Young Readers)
–
Best Young Adult
The Art of Secrets, von James Klise (Algonquin Young Readers)
nominiert
The Doubt Factory, von Paolo Bacigalupi (Little, Brown Books for Young Readers)
Nearly Gone, von Elle Cosimano (Penguin Young Readers Group/Kathy Dawson)
Fake ID, von Lamar Giles (HarperCollins Children’s Books/Amistad)
The Prince of Venice Beach, von Blake Nelson (Little, Brown Books for Young Readers)
–
Best Television Episode Teleplay
Episode 1, Happy Valley, Drehbuch von Sally Wainwright (Netflix)
nominiert
The Empty Hearse (Der leere Sarg), Sherlock, Drehbuch von Mark Gatiss (Hartswood Films/Masterpiece)
Unfinished Business, Blue Bloods, Drehbuch von Siobhan Byrne O’Connor (CBS)
Dream Baby Dream, The Killing, Drehbuch von Sean Whitesell (Netflix)
Episode 6, The Game, Drehbuch von Toby Whithouse (BBC America)
–
The Simon & Schuster/Mary Higgins Clark Award
The Stranger You Know, von Jane Casey (Minotaur)
nominiert
A Dark and Twisted Tide, von Sharon Bolton (Minotaur)
Invisible City, von Julia Dahl (Minotaur)
Summer of the Dead, von Julia Keller (Minotaur)
The Black Hour, von Lori Rader-Day (Seventh Street)
–
Robert L. Fish Memorial Award
Getaway Girl, von Zoë Z. Dean (EQMM)
–
Grand Master
Lois Duncan
James Ellroy
–
Raven Awards
Ruth und Jon Jordan, Crimespree Magazine
Kathryn Kennison, Magna Cum Murder
–
Ellery Queen Award
Charles Ardai, Herausgeber und Gründer von Hard Case Crime
–
Herzliche Glückwunsch an alle nominierten und ausgezeichneten Autoren.
(via The Rap Sheet)


Erste Runde für Old Peculier Crime Novel of the Year Award 2015

Mai 4, 2015

Die Longlist für den diesjährigen „Old Peculier Crime Novel of the Year Award“ ist draußen. Es konnten Krimis nominiert werden, die zwischen dem 1. Mai 2014 und dem 30. April 2015 auf der Insel erschienen sind und die britische und irische Krimiautoren und ihre Werke auszeichnet. Die Liste empfehlenswerter Kriminalromane (jaja, eine Vermutung. Aber eine auf Erfahrung gestützte Vermutung) besteht aus:
• Eeny Meeny, von M.J. Arlidge (Michael Joseph)
• The Facts of Life and Death (Mädchenbeute), von Belinda Bauer (Black Swan)
• The Ghost Runner, von Parker Bilal (Bloomsbury)
• The Strangler Vine, von M.J. Carter (Fig Tree)
• The Axeman’s Jazz, von Ray Celestin (Mantle)
• Personal, von Lee Child (Bantam)
• The Killing Season (Der Rushhour-Killer), von Mason Cross (Orion)
• Bryant & May: The Bleeding Heart, von Christopher Fowler (Bantam)
• The Outcast Dead, von Elly Griffiths (Quercus)
• The Telling Error, von Sophie Hannah (Hodder & Stoughton)
• Darkness, Darkness, von John Harvey (Arrow)
• Someone Else’s Skin, von Sarah Hilary (Headline)
• The Devil in the Marshalsea, von Antonia Hodgson (Hodder & Stoughton)
• Entry Island, von Peter May (Quercus)
• Disappeared, von Anthony Quinn (Head of Zeus)
• Saints of the Shadow Bible (Schlafende Hunde), von Ian Rankin (Orion)
• The Farm (Ohne jeden Zweifel), von Tom Rob Smith (Simon & Schuster)
• A Lovely Way to Burn, von Louise Welsh (John Murray)
–
Am 15. Juni wird dann eine Shortlist mit sechs Romanen veröffentlicht und am 16. Juli wird der Gewinner auf dem Theakstons Old Peculier Crime Writing Festival in Harrogate bekannt gegeben.
Wer mitmachen will, sollte hier klicken.
(via The Rap Sheet)


Die Agatha-Preise 2015

Mai 4, 2015

Bei der inzwischen schon 27. Malice Domestic Conference wurden die Agatha-Awards verliehen. Der Preis geht an traditionelle Kriminalromane (also ohne expliziten Sex und ohne überflüssige Gewalt; vulgo Cozys oder Werke in der Tradition von Agatha Christie), die normalerweise nicht mein Bier sind.
Ausgezeichnet wurden:
Best Contemporary
Truth Be Told, von Hank Phillippi Ryan (Forge)
nominiert
The Good, the Bad, and the Emus, von Donna Andrews (Minotaur)
A Demon Summer, von G.M. Malliet (Minotaur)
The Long Way Home, von Louise Penny (Minotaur)
Designated Daughters, von Margaret Maron (Grand Central)
–
Best Historical Novel
Queen of Hearts, von Rhys Bowen (Berkley)
nominiert
Hunting Shadows, von Charles Todd (Morrow)
An Unwilling Accomplice, von Charles Todd (Morrow)
Wouldn’t It Be Deadly, von D.E. Ireland (Minotaur)
Murder in Murray Hill, von Victoria Thompson (Berkley)
–
Best First Novel
Well Read, Then Dead, von Terrie Farley Moran (Berkley)
nominiert
Circle of Influence, von Annette Dashofy (Henery Press)
Tagged for Death, von Sherry Harris (Kensington)
Finding Sky, von Susan O’Brien (Henery Press)
Murder Strikes a Pose, von Tracy Weber (Midnight Ink)
–
Best Non-fiction
Writes of Passage: Adventures on the Writer’s Journey, herausgegeben von Hank Phillippi Ryan (Henery Press)
nominiert
400 Things Cops Know: Street-Smart Lessons from a Veteran Patrolman, von Adam Plantinga (Quill Driver)
Death Dealer: How Cops and Cadaver Dogs Brought a Killer to Justice, von Kate Flora (New Horizon Press)
The Art of the English Murder, von Lucy Worsley (Pegasus)
The Poisoner: The Life and Crimes of Victorian England’s Most Notorious Doctor, von Stephen Bates (Overlook)
–
Best Short Story
The Odds Are Against Us, von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine, November 2014)
nominiert
Premonition, von Art Taylor (aus Chesapeake Crimes: Homicidal Holidays, herausgegeben von Barb Goffman und Marcia Talley; Wildside Press)
The Shadow Knows, von Barb Goffman (aus Chesapeake Crimes: Homicidal Holidays)
Just Desserts for Johnny, von Edith Maxwell (Kings River Life Magazine, January 4, 2014)
The Blessing Witch, von Kathy Lynn Emerson (aus Best New England Crime Stories 2015: Rogue Wave, herausgegeben von Mark Ammons, Katherine Fast, Barbara Ross und Leslie Wheeler; Level Best)
–
Best Children’s/Young Adult
The Code Buster’s Club, Case #4, The Mummy’s Curse, von Penny Warner (Egmont USA)
nominiert
Andi Under Pressure, von Amanda Flower (ZonderKidz)
Greenglass House, von Kate Milford (Clarion)
Uncertain Glory, von Lea Wait (Islandport Press)
Found, von Harlan Coben (Putnam Juvenile)
–
Lifetime Achievement Award
Sara Paretsky

(via The Rap Sheet)


Die Glauser-Preisträger 2015

Mai 4, 2015

Das Syndikat, die Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur (A.I.E.P.), hat die diesjährigen Glauser-Preise verliehen:
Kriminalroman
Tom Hillenbrand: Drohnenland (KiWi)
nominiert:
Mechthild Borrmann: Die andere Hälfte der Hoffnung (Droemer)
Kai Hensel: Sonnentau (Frankfurter Verlagsanstalt)
Stephan Kaluza: 30 Keller (Frankfurter Verlagsanstalt)
Till Raether: Treibland (Rowohlt)
–
Kriminalroman Debüt
Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen (C. Bertelsmann)
nominiert:
Angelika Felenda: Der eiserne Sommer (Suhrkamp Nova)
Andre Georgi: Das Tribunal (Suhrkamp)
Dirk van Versendaal: Die Engel warten nicht (btb)
Charly Weller: Eulenkopf (KBV)
–
Kriminal-Kurzkrimi
Christiane Geldmacher: Fanpost (in: online ins jenseits, Grafit Verlag)
nominiert:
Klaus Berndl: Bad Herzenwerder (in: Heute hier, morgen Mord, S. Fischer Verlag)
Roger M. Fiedler: Killshot-App (in: online ins jenseits, Grafit Verlag)
Elke Pistor: Ziegengeschwister (in: Ebbe, Flut und Todeszeiten, KBV Verlag)
Horst Prosch: Süß klangen die Glocken nie (in: RauschGiftEngel, Ars vivendi Verlag)
–
Hans-Jörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkriminalroman)
Ulrike Rylance/Lisa Hänsch: Penny Pepper – Alles kein Problem (dtv Junior)
nominiert
Kaja Bergmann: Der Mephisto-Deal (Bookspot)
Lisa Dickreiter/Winfried Oelsner: Max und die wilde Sieben: Das schwarze Ass (Oetinger)
Lukas Erler: Brennendes Wasser (Arena)
Jaromir Konecny: Tote Tulpen (dtv)
–
Ehrenglauser
Heikedine Körting
und ihr Team in Würdigung ihres Engagements für ihr Gesamtwerk auf dem Gebiet des Kriminal-Hörspiels vor allem im Kinder- und Jugendbereich
–
Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern – auch wenn ich, mal wieder, keinen der nominierten und ausgezeichneten Werke gelesen habe.
Dabei wollte ich den Arango wirklich lesen.


TV-Tipp für den 5. Mai: Orson Welles: The One-Man-Band

Mai 4, 2015

BR, 22.45
Orson Welles: The One-Man-Band (Deutschland/Frankreich/Schweiz 1995)
Regie: Vassili Silovic
Drehbuch: Vassili Silovic, Ronald Zag
Weil Orson Welles (6. Mai 1915 – 10. Oktober 1985) am Mittwoch einen runden Geburtstag hat, laufen in den nächsten Tagen einiger seiner Filme im TV. Zum Beispiel zeigt Servus TV direkt im Anschluss, um 00.10 Uhr „F wie Fälschung“.
In „Orson Welles: The One-Man-Band“ öffnet Welles‘ Frau Oja Kodar das Privatarchiv des Meisters und es gibt einiges zu Entdecken. Natürlich ist die Doku eher für Fans gedacht, die „Citizen Kane“, „Die Lady von Shanghai“ und „Im Zeichen des Bösen“ schon zig Mal gesehen haben.
Mit Orson Welles, Oja Kodar

Hinweise

Wikipedia über „One Man Band“

Beyond Cinephilia & Beyond: Überblick über Dokus über Orson Welles (mit vielen Bildern und Clips)

SRF über Orson Welles („Orson Welles: The One-Man-Band“ ist in der dortigen Mediathek)

BR über „Orson Welles: The One-Man-Band“


DVD-Kritik: Kein Schwindel: „Leverage: Die komplette Serie“ in einer Box

Mai 4, 2015

Das ist jetzt eine kleine Sensation. Denn nach der ersten Staffel der Crime-Comedy „Leverage“ wechselte der deutsche Anbieter von Universum Film (die erste Staffel) zu Edel (die restlichen vier Staffeln) und damit verschwand eine Komplettbox in das Reich der schönen Träume.
Aber irgendjemand in den Firmenbüros und den Rechteabteilungen hatte Erbarmen und jetzt veröffentlichte Edel die gesamte Serie in einer hübschen, platzsparenden Box; was Serienjunkies natürlich nur die Möglichkeit eröffnet, die freiwerdenden Regalzentimeter mit einer anderen Serie zu füllen.
Die Serie habe ich ja schon ausführlich abgefeiert (Staffel 2, Staffel 3, Staffel 4, Staffel 5). Daher dürfte die Prämisse bekannt sein: Ex-Versicherungsagent Nathan Ford (Timothy Hutton) versammelt eine kleine Gruppe Verbrecher, – die Schwindlerin und Kunstexpertin Sophie Devereaux (Gina Bellman), die Einbrecherin und Fassadenkletterin Parker (Beth Riesgraf – allen schon der Name hat mein Stark-Herz gewonnen), den Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) und den Nahkampfexperte Eliot Spencer (Christian Kane) -, um sich und bildet mit ihnen das „Leverage“-Team. Gemeinsam wollen sie Menschen helfen, die von den Reichen und Mächtigen betrogen wurden, weil sie Gesetze manipulieren können, Gesetzeslücken ausnutzen, die besseren Anwälte haben oder einfach skrupelloser als die Ehrlichen sind.
Diese Robin-Hood-Prämisse eröffnet den Machern natürlich unzählige Möglichkeiten. Solange es um den Kampf gegen eine mächtige Person oder ein Unternehmen geht, ist alles möglich. Die Idee für einen Schwindel, der die niederen Triebe des Bösewichts ausnutzt, findet man dann auch und es macht dann immer Spaß, wie das „Leverage“-Team seine Fähigkeiten einsetzt, um ans Ziel zu kommen. Denn selbstverständlich müssen sie irgendwann improvisieren. Und uns Zuschauern gefällt dieser Klassenkampf immer gut. Bei den 77 „Leverage“-Folgen gibt es keine wirklich schwache Folge und die Sonderfolgen, die mehr oder weniger von der sehr flexiblen „Leverage“-Formel abweichen, sind ebenfalls höchst vergnüglich.
Insgesamt ist „Leverage“ eine witzige Krimiserie voller Anspielungen auf die Geschichte der Kriminalliteratur und des Kriminalfilms (allein schon die Originaltitel der einzelnen Episoden) und, weil die Schauspieler immer wieder in verschiedene Rollen schlüpfen müssen, auch ein Spaß für die Schauspieler, die hier alle Facetten ihres Könnens zeigen können.
Das Bonusmaterial der Komplettbox unterscheidet sich nicht von dem bereits bei den einzelnen Staffeln veröffentlichtem Material. Das Layout der einzelnen DVD-Boxen ist jetzt einheitlich.
Also für alle, die diese amüsante Serie noch nicht haben, eine gute Gelegenheit zum Kompletteinstieg.

Leverage - Komplettbox

Leverage – Die komplette Serie: Staffel I – V (USA 2008 – 2012)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison)
–
DVD
Edel
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1, 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: insgesamt gut drei Stunden, identisch mit den einzelnen Staffelausgaben
Länge: 3161 Minuten (20 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

“Leverage”-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel II” (Leverage – Season II, USA 2009/2010)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel III” (Leverage – Season III, USA 2011)

Meine Besprechung von “Leverage – Staffel IV” (Leverage – Season IV, USA 2011/2012)

Meine Besprechung von „Leverge – Staffel V“ (Leverage – Season V, USA 2012)


TV-Tipp für den 4. Mai: Union Pacific

Mai 3, 2015

Arte, 20.15

Union Pacific (USA 1939, Regie. Cecil B. DeMille)

Drehbuch: Walter DeLeon, C. Gardner Sullivan, Jesse Lasky jr., Jack Cunningham

LV: Ernest Haycox: Trouble Shooter, 1936 (Das stählerne Band; Union Pacific. Heyne)

Epischer Western über den Bau der Union-Pacific-Linie, erzählt anhand der Erlebnisse von Exsoldat Jeff Butler (Joel McCrea), der als Troubleshooter angeheuert wurde und der sich in Molly (Barbara Stanwyck) verliebt. Was für einige weitere Probleme sorgt.

„DeMille hält seien Lokomotive ständig unter Volldampf und braust von Höhepunkt zu Höhepunkt. Von der Demolierung eines Saloons zum Zugunglück im verschneiten Paß, vom Indianerüberfall bis zum Shoot-out zwischen dem Good Man, dem Good-bad Man, dem Bad-bad Man und dem Good-bad Girl, von der Verfolgungsjagd durch die Prärie zur Schienenhochzeit; alles voller Aufregung, voller Enthusiasmus und voller Spaß und Gelächter. DeMilles zweitbester Western (nach ‚The Plainsman‘), einer der größten Geschäftserfolge von 1939, mit den gleichzeitig entstandenen ‚Stagecoach‘, ‚Drums along the Mohwak‘ und ‚Jesse James‘ eines der Werke, mit denen der Western eine glorreiche Renaissance erlebte.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

„überdurchschnittliche Kinounterhaltung“ (Lexikon des internationalen Films)

Klingt doch gut; auch wenn der Western-Klassiker bei uns fast unbekannt ist.

mit Joel McCrea, Barbara Stanwyck, Akim Tamiroff, Robert Preston, Lynne Overman, Brian Donlevy, Anthony Quinn, Lon Chaney jr.

auch bekannt als „Die Frau gehört mir“ (Titel der gekürzten Fassung, die 1939 in unseren Kinos lief; 1965 gab es dann eine Wiederaufführung)

Wiederholung: Dienstag, 5. Mai, 13.55 Uhr

Hinweise

Arte über „Union Pacific“

Turner Classic Movies über „Union Pacific“

Wikipedia über „Union Pacific“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Mai: Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi

Mai 3, 2015

Eins Festival, 20.15
Die reichen Leichen – Ein Starnbergkrimi (Deutschland 2014, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Sathyan Ramesh
Erster Arbeitstag für Polizeimeisteranwärterin Fink am Starnberger See und gleich gibt es eine Leiche, die aussieht wie der schon lange verstorbene König Ludwig II.
Heimatkrimi, Graf-Style. Das ist dann Meilenweit von den üblichen „Soko Kitzbühel“-Erzeugnissen entfernt.
mit Annina Hellenthal, Andreas Giebel, Florian Stetter, Hannes Jaenicke, Ulrike C. Tscharre, Alicia von Rittberg, Martin Feifel, Eisi Gulp, Beatrice Richter, Saski Vester
Wiederholung: Donnerstag, 7. Mai, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Die reichen Leichen“

Die Zeit spricht mit Dominik Graf über „Die reichen Leichen“ (17. Oktober 2014)

Critic über „Die reichen Leichen“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ryan Reynolds hört „The Voices“

Mai 1, 2015

Der Trailer verrät eines: „The Voices“ ist kein „kann man sich ansehen“-Film. Er kann nur grandios sein. Unklar ist nur, ob er grandios grandios oder nur grandios gescheitert ist.
Denn Marjane Satrapis Film ist eine äußerst schwarzhumorige Komödie, die uns direkt in den Kopf von Norman Bates hineinversetzt. Wobei Norman Bates hier Jerry heißt, in einer Kleinstadt in Michigan in einer Fabrik für Sanitärbedarf als kleiner Arbeiter arbeitet, immer freundlich ist, sich, während die pinkfarbenen Gabelstapler ein Ballett auführen, sein Leben in den buntesten Bonbonfarben ausmalt, und seiner Psychotherapeutin treuherzig versichert, dass er selbstverständlich die von ihr verschriebenen Pillen nimmt, von seiner Schizophrenie geheilt ist, schon erste Freundschaften bei der Arbeit geschlossen hat, das Betriebsfest mitorganisieren darf und niemand etwas von seiner Vergangenheit weiß.
Das klingt doch sehr beruhigend und ziemlich normal; wenn er sich in seiner billigen Junggesellenwohnung nicht mit Bosco und Mr. Whiskers unterhalten würde. Bosco ist ein gutmütiger, sensibler und vernünftiger Hund. Mr. Whiskers eine sarkastische, komplett amoralische Katze, die mit ihren zynischen Sprüchen Jerry unverblümt als kleinen, feigen Wurm abkanzelt.
Diese Gespräche gingen ja noch, wenn nicht Jerrys erstes Quasi-Date mit der Firmenbuchhalterin Fiona grotesk aus dem Ruder laufen würde. Am Ende ist sie, verursacht durch einige Missverständnisse und einen dummen Zufall, tot. Jerry lagert ihren Kopf, der sich mit ihm unterhält, im Kühlschrank zwischen und das ist nicht der letzte weibliche Kopf, der in seinem Kühlschrank landet. Denn Fionas Kolleginnen sind neugierig und Jerry ist ja, in seiner Selbstwahrnehmung, so sympathisch als Junggeselle in einer blitzeblanken Wohnung, der Fiona gerne ihren Wunsch nach etwas Gesellschaft erfüllt.
Marjane Satrapi (Persepolis, Huhn mit Pflaumen) inszenierte die schwarze Komödie über einen scheinbar harmlosen Serienmörder über große Strecken im Stil einer Fünfziger-Jahre-Hollywood-Komödie oder eines Disney-Films, bis dann irgendwann die Wirklichkeit einbricht und wir Jerrys Wohnung (und die Welt) nicht mehr aus seiner subjektiven, sondern aus der objektiven Perspektive sehen.
Und Ryan Reynolds (The Nines, Buried, Safe House, Green Lantern und irgendwann demnächst Deadpool) spielt diesen Mörder mit einem veritablen Sprung in der Schüssel als höflichen Jungen von nebenan. So wie Anthony Perkins Norman Bates als höflichen, von seiner Mutter unterdrückten Jungen spielte. Jerry wird dagegen von einem Kater drangsaliert. Was ist schlimmer?
„The Voices“ ist ein grandioser Film. Jedenfalls wenn euch der Trailer und die Idee von sprechenden Tieren und Köpfen gefällt.

The Voices - Plakat

The Voices (The Voices, USA/Deutschland 2014)
Regie: Marjane Satrapi
Drehbuch: Michael R. Perry
mit Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick, Jacki Weaver, Ella Smith, Paul Chahidi, Stanley Townsend ,Adi Shankar, Sam Spruell
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Englische  Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Voices“
Moviepilot über „The Voices“
Metacritic über „The Voices“
Rotten Tomatoes über „The Voices“
Wikipedia über „The Voices“

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Und noch etwas Kleinkram


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Gärtnerin von Versailles“ und etwas Herzrasen

Mai 1, 2015

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts, die Französische Revolution ist noch nicht angedacht, Ludwig XIV, der Sonnenkönig, regiert das Land absolutistisch und er hätte gerne einen schönen Barockgarten. André Le Nôtre soll die richtigen Planer und Gärtner finden. Sabine De Barra hat einen unkonventionellen Vorschlag und gerade deshalb erhält sie, die bislang noch keinen Kontakt mit dem Hof hatte, den Auftrag, ihren Plan in die Realität umzusetzen.
Tja, und nun beginnt das, was im Original treffend „A little Chaos“ heißt. Denn zwischen Baustelle, Gärtnerei, Hof und herrschaftlichen Anwesen gibt es einige Liebesbande und kleinere Kamalitäten, die nett anzusehen sind, aber auch „Viel Lärm um nichts“ sind.
Interessant ist, dass Regisseur Alan Rickman (der Bösewicht aus „Stirb langsam“) in seinen leichten Film immer wieder Szenen einflechtet, die einen Blick auf die rauhe Wirklichkeit werfen. Wenn die Hofdamen im Hinterzimmer erzählen, dass jede von ihnen mindestens ein Kind verloren hat, dann ist das gleichzeitig gespenstisch und, im Rahmen einer Sommerkomödie, unpassend. In „Dido Elizabeth Belle“ gelang dieses Einflechten von ernsten Themen in eine Jane-Austen-Welt besser. Es gibt in „Die Gärtnerin von Versailles“ auch einen pointierten Blick auf höfische Rituale, Zeremonien und das uns heute sehr fremd erscheinden damalige Heiratsgebaren, das von romantischer Liebe nichts wissen will.
Aber am Ende ist Rickmans Film nur ein weiteres Kostümdrama, das viel Lärm um nichts macht. Allerdings mit einem eher stillen Humor und einem abgeklärten Blick auf die Menschen, ihre Eitelkeiten und Fehler. Das ist, weil jede Episode gut für sich steht, durchaus charmant und nett anzusehen, auch wenn am Ende unklar ist, was uns der Film erzählen wollte.

Die Gärtnerin von Versailles - Plakat

Die Gärtnerin von Versailles (A little Chaos, Großbritannien 2014)
Regie: Alan Rickman
Drehbuch: Alison Deegan, Alan Rickman, Jeremy Brock
mit Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci, Helen McCrory, Paula Paul, Jennifer Ehle
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Gärtnerin von Versailles“
Moviepilot über „Die Gärtnerin von Versailles“
Metacritic über „Die Gärtnerin von Versailles“
Rotten Tomatoes über „Die Gärtnerin von Versailles“
Wikipedia über „Die Gärtnerin von Versailles“

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Ein Gespräch mit Alan Rickman über den Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Kein Ort ohne dich“, denn wir sind Sparks-Verliebt

Mai 1, 2015

„Kein Ort ohne dich“ ist die zweite Nicholas Sparks-Verfilmung innerhalb weniger Monate und, auch wenn Spötter meinen alles Sparks-Verfilmungen sähen gleich aus, hat „Kein Ort ohne dich“ von „The Best of Me – Mein Weg zu dir“ auch die Struktur übernommen. Denn wieder werden zwei Liebesgeschichten erzählt. Die eine spielt in der Gegenwart, die andere in der Vergangenheit. Und wieder hilft der Witwer, ein älterer Mann der immer noch seiner Ehefrau, der Liebe seines Lebens, hinterhertrauert, dem heutigen Liebespaar mit Rat und Tat zusammen zu kommen. Denn natürlich geht in der Nicholas-Sparks-Welt alles gut aus. Auch wenn die Gegensätze am Anfang unüberbrückbar erscheinen.
Denn in der Gegenwart ist Sophia eine Studentin an der University of Wake Forest, die in einigen Wochen ein Praktikum in New York bei einer Kunstgalerie (Moderne Kunst) beginnt und die mit diesen hinterwäldlerischen North-Carolina-Cowboys nichts anfangen will. Dennoch begleitet sie ihre Freundinnen zu einem Bullenreiten-Rodeo. Dort trifft sie Luke, einen Bullenreiter und richtig altmodischen Gentleman. Sie unterhalten sich. Sie treffen sich. Sie verlieben sich. Sie kriegen sich.
Aber davor erzählt ihnen Ira Levinson von seiner großen Liebe Ruth, einer Jüdin, die er 1940 kennen lernte und die der schüchterne Jüngling zunächst nicht ansprechen wollte. Das tat die kunstbegeisterte Wienerin, die mit ihrer Familie aus Europa flüchten musste. Auch sie liebte die moderne Malerei und war von der Black-Mountain-Künstlerkolonie, in der sich alle großen zeitgenössischen Künstler trafen, begeistert.
Eigentlich erzählt Sparks hier zweimal die gleiche Geschichte. Einmal in der Gegenwart, einmal in der Vergangenheit, beide Male gänzlich konfliktfrei, mit banalen Dialogen, wie man es aus den Rosamunde-Pilcher-Filmen kennt, und mehr Americana als die Bayern es in ihren Bayern-verklärenden Sendungen übe das schöne Bayernland wagen.
Aber die Schauspieler, vor allem die Hauptdarsteller – Clint-Eastwood-Sohn Scott Eastwood als Bullenreiter Luke Collins (das könnte wirklich sein Durchbruch sein), Britt Robertson als seine Freundin Sophia, Alan Alda als 91-jähriger Ira Levinson, Jack Huston als der junge Ira und Oona Chaplin als seine Freundin Ruth -, machen ihren Job so gut und so entspannt, dass man gerne die Zeit mit ihnen verbringt.
Allerdings würde man auch gerne die Zeit in einem besseren Film verbringen. Denn letztendlich ist „Kein Ort ohne dich“ ein humor- und ironiefreies Kitschfest mit einigen peinlich abgestandenen Witzeleien über die moderne Kunst.

Kein Ort ohne dich - Plakat
Kein Ort ohne dich (The longest ride, USA 2015)
Regie: George Tillman, jr.
Drehbuch: Craig Bolton
Drehbuch: Nicholas Sparks: The longest Ride, 2013 (Kein Ort ohne dich)
mit Britt Robertson, Scott Eastwood, Jack Huston, Oona Chaplin, Alan Alda, Lolita Davidovich, Melissa Benoist
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Kein Ort ohne dich“
Moviepilot über „Kein Ort ohne dich“
Metacritic über „Kein Ort ohne dich“
Rotten Tomatoes über „Kein Ort ohne dich“
Wikipedia über „Kein Ort ohne dich“

Homepage von Nicholas Sparks


Neu im Kino/Filmkritik: „Fassbinder“ erzählt über Rainer Werner Fassbinder

Mai 1, 2015

Rainer Werner Fassbinder, 31. Mai 1945 – 10. Juni 1982
Erster Spielfilm 1969: Liebe ist kälter als der Tod
Letzter Spielfilm 1982: Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel
Dazwischen insgesamt über vierzig Spielfilme, zwei Fernsehserien, ein TV-Zweiteiler, Theaterarbeiten und einige weitere Werke als Regisseur, Autor, Schauspieler und bei seinen Filmen, teils unter Pseudonym, in weiteren Funktionen.
Unklar ist, wann Rainer Werner Fassbinder schlief. Denn er schrieb bei seinen Filmen, bis auf eine Ausnahme, auch das Drehbuch. Manchmal half ihm ein Co-Autor, meistens nicht. Und obwohl er nicht der einzige Regisseur des Jungen Deutschen Films war, markieren sein erster und letzter Film auch Anfang und Ende des Jungen Deutschen Films. Im Ausland ist er immer noch bekannt. Etliche Regisseure sind von ihm beeinflusst.
Thomas Elsaesser, der Kenner des deutschen Films, leitet sein umfangreiches Buch „Rainer Werner Fassbinder“ (Fassbinder’s Germany. History, Identity, Subject, 1996) mit folgenden, noch heute gültigen Worten ein: „In der Filmgeschichte seit 1945 steht Rainer Werner Fassbinder einzig da. Wenig mehr als ein Jahrzehnt hatte er, um sich durchzusetzen, zwischen 1969 und 1982 veränderte er die Vorstellung, die man vom modernen Kino haben konnte: Dabei musste er die deutsche Filmgeschichte umschreiben, um sich in sie einzuschreiben. Seither hat sein Werk eine eigenartige Metamorphose erlebt. Einige seiner Filme sind Teil des Kanons geworden: ‚Die bitteren Tränen der Petra von Kant‘, ‚Angst essen Seele auf‘ und ‚Die Ehe der Maria Braun‘ gehören zu den Meilensteinen des europäischen Kinos und sichern ihm einen unumstrittenen Platz als Filmkünstler und auteur. Aber das Gesamtwerk ist unsichtbar geworden, verdeckt von Fassbinders ‚Leben‘.“
Immer noch ist in Deutschland sein Werk nicht vollständig erhältlich. Sogar „Querelle“ ist bei uns nicht auf DVD oder Blu-ray erhältlich und lief bislang noch nie im Fernsehen. Sein Mammutwerk „Berlin Alexanderplatz“ lief zuletzt vor, ich schätze mal, ungefähr zehn Jahren auf Arte und 2008 im Spartenkanal Eins Festival. Auch andere seiner Filme laufen fast nie oder nie im Fernsehen, während „Angst essen Seele auf“ und „Die Ehe der Maria Braun“ regelmäßig gezeigt werden.
Bevor in den letzten Jahren seine Filme sukzessiv auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wurden, waren sie in den Achtzigern und Neunzigern öffentlich kaum zugänglich. Wahrscheinlich wurde deshalb lieber über sein Leben gesprochen.
Seit 1992 ist Juliane Lorenz, seine letzte Ehefrau, die nicht unumstrittene Direktorin der Rainer Werner Fassbinder Foundation (RWFF) und damit die Verwalterin seiner Filme und des Bildes, das die Öffentlichkeit von ihrem Ehemann haben soll. Sie hatte auch die Idee für die jetzt im Kino anlaufende Dokumentation „Fassbinder“, die von ihr mitproduziert wurde und in der sie auch auftritt. Spätestens in dem Moment wird deutlich, dass „Fassbinder“ eine offizielle Dokumentation ist, die deshalb auch an einem bestimmten Bild des Porträtierten interessiert ist.
Regisseurin Annekatrin Hendel strukturiert in ihrer Dokumentation, obwohl sie weitgehend chronologisch erzählt, das Material etwas thematisch. Es gibt einen Blick auf Fassbinders erste Arbeiten, die er als Schüler im Internat schrieb, einige alte Filmschnipsel von Aufführungen des action-theater, das in München die Keimzelle für Fassbinders spätere Gruppe war, in der sich Beruf und Privatleben vermischten. Eben diese Vermischung und Fassbinders manipulativer Charakter werden dann auch in fast allen Statements angesprochen. Margit Carstensen, Irm Hermann, Hanna Schygulla und Harry Baer, die zur ursprünglichen Fassbinder-Truppe gehörten, sprechen ausführlicher darüber.
Auch die Regisseure Hark Bohm, der in einigen Fassbinder-Filmen mitspielte, und Volker Schlöndorff, der Fassbinder 1969 als „Baal“ inszenierte, werden darauf angesprochen. Sie liefern auch einen Blick von außen und vor allem Schlöndorff ordnet Fassbinders Werk und Wirken etwas ein. Aber eigentlich wäre das die Aufgabe der Regisseurin und von Filmwissenschaftlern, die nicht befragt wurden, gewesen. WDR-Redakteur Günter Rohrbach erzählt von seiner ersten Begegnung mit Fassbinder. Es ist eine Anekdote, bei der der Regisseur eine beträchtliche Menge Alkohol trank. Wolf Gremm, der mit „Kamikaze 1989“ einen der wenigen Filme inszenierte, in denen Fassbinder nur als Schauspieler auftrat, erzählt von seiner letzten Begegnung mit Fassbinder, kurz vor seinem plötzlichen Tod.
Diese Zeitzeugenberichte sind alle sehr nett anzusehen, aber den alten Fassbinder-Fans dürfte die konventionelle Doku nichts Neues erzählen und teilweise sogar ärgern. Jüngeren bietet sie einen hoffentlich neugierig machenden ersten Eindruck von diesem Kraftzentrum des deutschen Films. Denn nach „Fassbinder“ ist das Privatleben des Bürgerschrecks abgehandelt (seine Sexualität, sein Drogenkonsum, seine Steuerprobleme [Uups, das war mir neu, hat mich aber als eine an seinem Werk interessierte Person nie interessiert.]) und man kann sich um sein heute immer noch wichtiges und einflussreiches Werk, in dem er auch die siebziger Jahre und die sozialdemokratische Bundesrepublik porträtiert, widmen.
Denn selbstverständlich ist die Film propagierte These, dass bei Fassbinder sich seine persönlichen Probleme Eins-zu-Eins in seinen Filmen widerspiegeln, dass es in seinen Filmen immer nur, kaum verhüllt, um ihn geht und seine Besetzungsentscheidungen ausschließlich von seinen sexuellen Wünschen getrieben waren, in der Absolutheit Unfug. Es wird auch seinem vielfältigem Werk in keinster Weise gerecht.
Arte zeigt die Doku am Mittwoch, den 27. Mai, um 22.10 Uhr. Davor läuft „Die Ehe der Maria Braun“. Das Erste zeigt sie am Dienstag, den 16. Juni. Die Uhrzeit ist noch unbekannt, aber alles vor 23.00 Uhr wäre eine Sensation.

Fassbinder - Plakat

Fassbinder (Deutschland 2015)
Regie: Annekatrin Hendel
Drehbuch: Annekatrin Hendel (nach einer Idee von Juliane Maria Lorenz)
mit Margit Carstensen, Irm Hermann, Juliane Lorenz, Hanna Schygulla, Harry Baer, Hark Bohm, Hubert Gilli, Wolf Gremm, Günter Rohrbach, Fritz Müller-Scherz, Volker Schlöndorff, Thomas Schühly, Rainer Werner Fassbinder (Archivaufnahmen)
Länge: 92 Minuten
FSK: ?
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Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Fassbinder“
Film-Zeit über „Fassbinder“
Moviepilot über „Fassbinder“
Wikipedia über „Fassbinder“ und Rainer Werner Fassbinder
Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation
Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

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Einige Bilder von der Premiere am 27. April in der Volksbühne


TV-Tipp für den 2. Mai: Hannah Arendt

Mai 1, 2015

Bayern, 22.00 Uhr
Hannah Arendt (Deutschland 2012)
Regie: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Pamela Katz, Margarethe von Trotta
Grandioses Biopic über Hannah Arendt und den Eichmann-Prozess.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Michael Degen, Victoria Trauttmansdorff, Klaus Pohl, Nicholas Woodeson

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hannah Arendt“

Rotten Tomatoes über „Hannah Arendt“

Wikipedia über „Hannah Arendt“

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)