Für den Glauser-Preis 2024 nominiert: Joachim B. Schmidt: Kalmann und der schlafende Berg

Mai 16, 2024

Der erste „Kalmann“-Roman stand dreimal auf die Krimibestenliste und wurde 2021 mit dem Crime Cologne Award ausgezeichnet.

Joachim B. Schmidts zweiter Roman mit Kalmann steht auf die Nominierungsliste für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis. Dieser wird am Samstag, den 18. Mai 2024, vom Syndikat, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, in Hannover im Rahmen der Criminale verliehen.

Neben „Kalmann und der schlafende Berg“ sind in der Kategorie „Bester Roman“

Vera Buck: Wolfskinder (Rowohlt Polaris)

Sabine Kunz: Die Saubermacherin (Gmeiner)

Elsemarie Maletzke: Agathes dunkler Garten (Schöffling & Co.)

Sven Stricker: Sörensen sieht Land (rororo)

nominiert. Keiner dieser Romane stand in den vergangenen Monaten auf der monatlichen Krimibestenliste.

Für Spannung ist bei der Preisverleihung also gesorgt; was über Schmidts auf Island spielenden Roman nicht unbedingt gesagt werden kann. Der im Buchtitel genannte Kalmann Óðinsson ist der selbsternannte ‚Sheriff von Raufarhöfn‘ und der naiv-kindliche Erzähler der Geschichte. Eines Tages stirbt sein schon ziemlich betagter und in einem Heim lebender Großvater. Nói, ein mit Kalmann befreundeter Computernerd, setzt ihm den Floh ins Ohr, dass sein Großvater ermordet wurde. Beweise für seine Behauptung hat Nói nicht.

Ungefähr am Ende des ersten Drittels des Romans wird Kalmann von seinem Vater in die USA eingeladen. Kalmann fliegt hin, erfährt einiges über die US-amerikanische Kultur, begleitet seinen Vater und dessen Trump-begeisterten Freunde am 6. Januar 2021 nach Washington, D. C.. Beim Sturm auf das Kapitol wird er verhaftet. Das FBI verhört ihn und wirft ihn umstandlos aus dem Land. Davor erfährt er vom FBI, dass sein Großvater Óðinn ein kommunistischer Spion war und nicht mehr in die USA einreisen darf.

Zurück in seiner Heimat – wir sind jetzt bereits auf Seite 163 von dreihundert Seiten – will er mehr über diesen Teil von Óðinns Biographie erfahren. Aber zuerst muss er nach der Einreise, wegen der Coronavirus-Pandemie, einige Tage in Quarantäne verbringen. Und dann, immerhin sind wir schon im letzten Drittel des Romans, geht alles ziemlich flott.

Sicher, es gibt ein, zwei Morde und der Täter, der sich selbst enttarnt und gegenüber Kalmann sofort alles gesteht, wird am Ende seiner gerechten Bestrafung zugeführt. Aber der Krimianteil in „Kalmann und der schlafende Berg“ ist verschwindend gering und über weite Strecken der Geschichte nicht vorhanden. Stattdessen gibt es beschauliche Beschreibungen von der Landschaft und von den Menschen, denen Kalmann in Island und den USA begegnet. Der von Joachim A. Schmidt erfundene Ich-Erzähler Kalmann ist dabei immer ein naiver und freundlicher Zeitgenosse, der keine Vorurteile hat und keinen Haß empfindet.

Das liest sich, dank Schmidts süffiger Schreibe, flott weg.

Nur einen Preis als bester Kriminalroman des Jahres würde ich „Kalmann und der schlafende Berg“ niemals geben. Ich würde den Roman noch nicht einmal als Kriminalroman bezeichnen.

Nachtrag (19. Mai 2024, nach der Preisverleihung): „Kalmann und der schlafende Berg“ hat den Glauser als bester Kriminalroman des Jahres erhalten.

Die Jury begründet ihre Entscheidung so:

„In „Kalmann und der schlafende Berg“ begegnet uns eine der liebenswertesten und eindrücklichsten Figuren der gegenwärtigen Kriminalliteratur zum zweiten Mal.

Erinnerungen durch den eingeschränkten Blick eines naiven Erzählers zu filtern, ist ein genialer Kunstgriff des Autors. Selbst epochale Weltgeschichte können wir so in einem neuen Licht betrachten, bar jeder herkömmlichen Bewertung. Eine Fähigkeit, die uns in medial verhetzten Zeiten nahezu verlorengegangen ist.

Kalmann beobachtet, analysiert und handelt nach einfachen Regeln: Wenn jemand Hilfe braucht, hilft man. Wenn man verloren geht, bleibt man stehen. Das ist ein Naturgesetz.

Mit starken Bildern führt uns der Autor an die raue, pittoreske Natur Islands und seine Bewohner heran. Die passgenaue Wortwahl lässt uns mit seinem Helden staunen, stöhnen, lachen und zittern. Denn es wird auch brandgefährlich. Nicht nur für den Sheriff, der erneut die Welt retten muss – und uns grübelnd zurücklässt, ob der Mann mit der Fischsuppe im Kopf nicht doch der Klügere ist.

„Kalli minn, du bist ein Weiser“, sagt seine Mutter. „Korrektomundo“, sagen wir und ergänzen: „Joachim B. Schmidt, du bist ein magischer Autor.““

Joachim B. Schmidt: Kalmann und der schlafende Berg

Diogenes, 2023

304 Seiten

24 Euro

Hinweise

Homepage von Joachim B. Schmidt

Diogenes über Joachim B. Schmidt

Wikipedia über Joachim B. Schmidt


Im Verhörzimmer: Stefán Máni („Abgrund“) und Anthony J. Quinn („Frau ohne Ausweg“) über Verbrechen in Island und Irland/Nordirland

Mai 16, 2024

Interview each of them individually or together? When I had the opportunity for an interview with Stefán Máni and Anthony J. Quinn at the Leipzig Book Fair, it was an academic question. After all, both authors live on an island. Máni in Iceland, Quinn in Ireland, specifically in Northern Ireland. They deal in their crime novels with the social and political problems of their homeland and the myths that exist there. Both write standalone novels and long-running series. Quinn wrote five police novels starring Detective Celcius Daly. Daly investigates on the border between Ireland and Northern Ireland, especially during the pre-Brexit period. In his cases he must deal with the aftermath of the Troubles. The extremely bloody Northern Ireland conflict ended 1998 with the Good Friday Agreement.

Máni has invented with Hörður Grímson an investigator who is popular in his homeland but is still unknown in Germany due to a lack of translations. In “Hyldýpi“ (German title: Abgrund) Grimson makes his first appearance. He has only a supporting role. The focus is on a boy who is looking for a missing girl because he believes he saw her ten years ago when he almost drowned in a lake.

Both authors are published in Germany by the Polar Verlag. This should also make it clear that Máni and Quinn write noirs.

At the Leipzig Book Fair we talked about their crime novels, which are worth reading. We focused on the novels, which were recently published in German. That’s Stefán Mánis standalone psychological thriller “Hyldýpi” which also contains some fantastic elements and Anthony J. Quinns second Celcius Daly police thriller “Border Angels” (German title: Frau ohne Ausweg). They talked also about Hardboiled and Noir, how they invented their heroes and what their series heroes Grimson and Daly mean to them and their fans.

Und jetzt die deutsche Version

Einzeln oder zusammen interviewen? Als sich während der Leipziger Buchmesse die Gelegenheit für ein Interview ergab, war das für mich bei Stefán Máni und Anthony J. Quinn eine akademische Frage. Schließlich leben beide Autoren auf einer insel. Máni auf Island, Quinn auf Irland, genaugenommen in Nordirland. Beide beschäftigen sich in ihren Romanen mit den sozialen und politischen Problemen ihre Heimat und den dort vorhandenen Mythen. Beide schreiben Einzelromane und langlebige Serien. Quinn schrieb fünf Polizeiromane mit Detective Celcius Daly. Drei sind inzwischen ins Deutsche übersetzt. Daly ermittelt an der irisch-nordirischen Grenze vor allem während der Prä-Brexit-Zeit. Er muss sich immer mit den Nachwirkungen des 1998 mit dem Karfreitagsabkommen befriedeten, äußerst blutig geführten Nordirlandkonflikts, den Troubles, auseinandersetzen.

Máni hat mit Hörður Grímson einen in seiner Heimat beliebten, in Deutschland mangels Übersetzungen noch unbekannten Ermittler erfunden. In „Abgrund“ hat Grimson seinen ersten Auftritt. Er hat nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein Junge, der ein verschwundenes Mädchen sucht, weil er glaubt, sie vor zehn Jahren gesehen zu haben als er in einem See fast ertrank.

Beide Autoren werden in Deutschland vom Polar Verlag verlegt. Damit dürfte auch klar sein, dass Máni und Quinn Noirs schreiben.

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielt ich mich mit ihnen auf Englisch über ihre zuletzt auf Deutsch erschienenen lesenswerte Kriminalromane. Von Stefán Máni erschien zuletzt der einige fantastische Elemente enthaltende Standalone-Psychothriller „Abgrund“. Von Anthony J. Quinn erschien zuletzt der zweite Celcius-Daly-Polizeithriller „Frau ohne Ausweg“. Sie sprachen außerdem über Hardboiled und Noir, wie sie ihre Helden erfanden und was ihre Serienhelden Grimson und Daly für sie und ihre Fans bedeuten.

Bei Polar sind von Stefán Máni und Anthony J. Quinn erschienen:

Stefán Máni: Abgrund

(übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig)

Polar Verlag, 2023

240 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Hyldýpi

2009

Anthony J. Quinn: Frau ohne Ausweg

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2023

304 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Border Angels

Mysterious Press, 2013

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2015

Anthony J. Quinn: Auslöschung

(übersetzt von Sven Koch)

Polar Verlag, 2021

424 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Disappeared

Mysterious Press, 2012

Erste UK-Ausgabe: Head of Zeus, 2014

Anthony J. Quinn: Gestrandet

(übersetzt von Robert Brack)

Polar Verlag, 2019

320 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Undertow

Head of Zeus, 2017

Hinweise

Isländische Seite über Stefán Máni

Polar über Stefán Máni

Wikipedia über Stefán Máni (deutsch, isländisch)

Meine Besprechung von Óskar Thór Axelsson Stefán-Máni-Verfilmung „Black’s Game – Kaltes Land“ (Svartur á leik, Island 2012)

Homepage von Anthony J. Quinn

Polar über Anthony J. Quinn


Im Verhörzimmer: Christine Lehmann über ihren neuen Lisa-Nerz-Kriminalroman „Alles nicht echt“

Mai 15, 2024

Wenige Tage vor der Leipziger Buchmesse veröffentlichte Christine Lehmann ihren dreizehnten Lisa-Nerz-Kriminalroman. In „Alles nicht echt“ sucht Lisa Nerz undercover als Jungredakteurin in der Nachrichtenredaktion eines Öffentlich-rechtlichen Senders nach der Person, die für eine größeren Datendiebstahl verantwortlich ist. Während der Tätersuche taucht Lisa Nerz tief in die Welt des Nachrichtenjournalismus ein, sucht einen Mörder und schlägt sich mit einer ortsansässigen Rechtsaußen-Politikerin herum, die in den Radiosendungen immer wieder prominent gefeatured wird.

Auf der Leipziger Buchmesse unterhielten wir uns mit Christine Lehmann über „Alles nicht echt“, Lisa Nerz, die unterschiedlichen Milieus, in die sie in den vergangenen Jahrzehnten mit Lisa Nerz eintauchte, die Arbeit in einer Nachrichtenredaktion, die Verantwortung der Medien und ob es einen Frauenkrimi gibt.

Christine Lehmann arbeitete 25 Jahre als Nachrichten- und Aktuellredakteurin beim SWR. In Stuttgart ist sie seit 2015 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Gemeinderats. Ihren ersten Roman, den Hundekrimi „Kynopolis“, veröffentlichte sie 1994. Seitdem schrieb sie zahlreiche weitere, von der Kritik gefeierte Romane, Kurzgeschichten, Hörspiele und auch Sachbücher.

Ihren ersten Lisa-Nerz-Kriminalroman „Vergeltung am Degerloch“ (ursprünglich „Der Masochist“) veröffentlichte sie 1997. „Alles nicht echt“ ist der dreizehnte Lisa-Nerz-Kriminalroman.

Christine Lehmann: Alles nicht echt

Ariadne/Argument Verlag, 2024

336 Seiten

16 Euro

Hinweise

Ariadne über den Roman

Homepage von Christine Lehmann (umfangreich)

Krimi-Couch über Christine Lehmann

Lexikon deutscher Krimiautoren über Christine Lehmann (im Moment: „last update: 12. 11. 2011“)

Perlentaucher über Christine Lehmann

Wikipedia über Christine Lehmann (umfangreich)

 


Vincent Maillard entdeckt „Lebowskis Knochen“

Mai 14, 2024

Jim Carlos arbeitet als Landschaftsgärtner. Sein Hund Lebowski, benannt nach dem legendären Big Lebowski, ist ein bewegungsfauler Golden Retriever. Dieser entdeckt auf dem riesigen Anwesen der Loubets einen Knochen, der ein Menschenknochen sein könnte.

Die Loubets sind eine sehr vermögende, zur französischen Oberschicht gehörende, sich liberal gebende Familie, die Jim den Klassenunterschied zwischen ihnen und ihrem für einen Job engagierten Gärtner immer spüren lässt – und die möglicherweise einige echte Leichen in ihrem Keller und auf ihrem Anwesen vergraben hat.

Seine Arbeit bei den Loubets und wie er versucht, mehr über den von Lebowski gefundenen Knochen, herauszufinden, schildert der spurlos verschwundene Jim Carlos in mehreren Schreibheften. Sie könnten Hinweise auf den Grund seines Verschwindens und, falls er ermordet wurde, seinen möglichen Mörder geben.

Jedenfalls liest Ermittlungsrichterin Carole Tomasi Carlos‘ Aufzeichnungen mit großem Interesse. Sie werden, auch ohne Leiche, die Grundlage für ihre Anklage gegen Carlos‘ mutmaßlichen Mörder.

Lebowskis Knochen“ steht in der Tradition der absurden französischen Kriminalromane. Die Hauptpersonen, teils auch ich-Erzähler, sind oft nicht die typischen, aus unzähligen anderen Kriminalromamen vertrauten Protagonisten, wie Polizisten, Privatdetektive, Anwälte und Journalisten. Sei sind, wie hier, ein Gärtner. Sie sind nicht immer zuverlässige Erzähler. Manchmal wird die Geschichte auch aus der Perspektive eines Tieres erzählt, das kopfschüttelnd das mörderische Verhalten der Menschen beobachtet. Die Geschichte wird gerne mit Perspektivwechseln und Zeitsprüngen erzählt. Die Bourgeoisie wird seziert – und wer glaubt, dass die französische Klassengesellschaft ein Relikt der Vergangenheit ist, muss sich nur „Monsieur Claude und seine Töchter“ ansehen. In diesen Krimis ist der Klassenkampf immer präsent. Mal als großer politischer Kampf, mal als kleine Rache an dem Mitglied der Bourgeoisie. Das ist formidabel geschrieben, sehr unterhaltsam, oft sehr witzig und immer sehr noir.

All das trifft auch auf Vincent Maillards „Lebowskis Knochen“ zu. Es ist sein dritter Roman; und der erste, der auf Deutsch veröffentlicht wurde. Maillard arbeitet außerdem als Dokumentarfilmregisseur.

Lebowskis Knochen“ ist eine sehr vergnügliche, kurzweilige und angenehm kurze Lektüre.

Vincent Maillard: Lebowskis Knochen

(übersetzt von Cornelia Wend)

Edition Nautilus, 2024

224 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

L’os de Lebowski

Éditions Philippe Rey, 2021

Hinweis

Edition Nautilus über den Roman

 


Im Verhörzimmer: Kristina Schippling über ihren Roman „Intoxikation“

Mai 13, 2024

Mitten in der Nacht hört Kara Kowalski in ihrem Atelier ein Geräusch. Sie sieht eine Gestalt, hält sie für einen Einbrecher und stößt ihn über das Treppengeländer. Als die Malerin das Licht einschaltet, sieht sie, dass der Einbrecher ihr Ex-Freund Leon Löschner ist. Weil sie befürchtet, dass sie als Mörderin angeklagt und ihre Karriere als erfolgreiche Künstlerin vorbei wäre, ruft sie nicht die Polizei an, sondern versteckt die Leiche in ihrer Badewanne. Mit der Hilfe verschiedener Chemikalien will sie die Leiche spurlos in die Kanalisation verschwinden lassen.

Kurz darauf erhält sie eine Erpresser-E-Mail mit einem Video, das sie mit der Leiche zeigt. Als sie die Epresserin kennen lernt, verliebt sie sich sofort in die gut aussehende, jüngere Malina Morgenstern und will ihr bei der Publikation ihres ersten Romans helfen. Diese scheint ihre Gefühle zu erwidern.

Mit ihrem Psychothriller „Intoxikation“ haben Kristina Schippling und Matthias A. K. Zimmermann einen Berlin-Krimi geschrieben, der mit einigen ungewöhnlichen Figuren und unvorhersehbaren Wendungen prächtig unterhält und nichts mit dem deutschen Krimieinerlei von Serienkillerthrillern, Regiokrimis und Krimischnurren zu tun hat.

„Intoxikation“ beginnt als fast normaler Kriminalroman mit einer Mörderin, einer Erpresserin, neugierigen Nachbarn und einem penetranten Kommissar. Dann schwenkt er Richtung Psychothriller, zwinkert Richtung Magischem Realismus und endet als Horrorroman.

Für die Kriminalakte war das ein guter Grund sich mit Kristina Schippling über „Intoxikation“, ihre Zusammenarbeit mit Matthias A. K. Zimmermann und ihre weiteren Arbeiten, wie den hochgelobten Dokumentarfilm „The Sound of Cologne“ über die aus Köln kommende elektronische Musik, zu unterhalten.

Das Interview wurde am 2. Mai 2024 in Berlin (Moabit) aufgezeichnet.

Kristina Schippling/Matthias A. K. Zimmermann: Intoxikation

Kulturverlag Kadmos, 2024

336 Seiten

25 Euro

Lesung

Am Donnerstag, den 6. Juni 2024, stellt Kristina Schippling im Buchstabenmuseum (Stadtbahnbogen 424, Hansaviertel, 10557 Berlin, Nähe S-Bahnhof Bellevue, Nähe U-Bahnhof Hansaviertel) um 18.00 Uhr im Rahmen einer Type&Wine-Veranstaltung ihren Roman „Intoxikation“ vor. Anmeldung zur Lesung hier.

Im Roman besuchen Kara und Malin, frisch verliebt, einmal das Buchstabenmuseum und sehen sich die Ausstellung an.

Hinweise

Kulturverlag Kadmos über den Roman

Homepage von Kristina Schippling

Homepage von Matthias A. K. Zimmermann

Wikipedia über Kristina Schippling und über Matthias A. K. Zimmermann


Früher Gratis Comic Tag, heuer Gratis Kids Comic Tag

Mai 10, 2024

Unter etwas anderen Vorzeichen findet am Samstag, den 11. Mai, der normalerweise jährliche Gratis Comic Tag statt. Wegen der Coronavirus-Pandemie gab es Pausen und Terminverschiebungen. Dieses Jahr mutiert der Gratis Comic Tag zum Gratis Kids Comic Tag. Und das bedeutet, dass in den über neunhundert teilnehmenden Comicshops, Buchhandlungen und Bibliotheken ausschließlich Kindercomics verteilt werden. Wobei die Macher „Kind“ großzügig als „nicht erwachsen“ definieren. Es werden also Comics für Kinder und Jugendliche verteilt, die Erwachsene auch lesen können. Bei einigen der Comics fällt es Erwachsenen möglicherweise überhaupt nicht auf, dass es sich um Kindercomics handelt.

Verteilt werden 21 extra für diesen Tag produzierte Comics. Die Comics stammen aus dem Programm von Reprodukt, Splitter/toonfish, Panini, Egmont BÄNG!, LOEWE Graphix, Cross Cult/CROCU, Kibitz, Chinabooks, Carlsen und Edition Helden. Die Bildergeschichten bieten einen Überblick über die Bandbreite des Comics. Es gibt schon seit Jahrzehnten bekannte Figuren wie Donald Duck, Spider-Man, Batman und Idefix, der aus den Asterix-Comics bekannte Hund, der seine eigene Comicserie bekommen hat, und neue, meist deutlich unbekanntere, oft weibliche Figuren. Es gibt Hefte mit in sich abgeschlossenen Geschichte und Hefte, in denen, als Appetitanreger, nur die ersten Seiten der Geschichte abgedruckt sind. Die abgeschlossenen Geschichten gefallen mir besser.

Beispielsweise die Abenteuer von „Akissi“ (Reprodukt), einem an der Elfenbeinküste lebendem Mädchen mit einem Talent fröhlich in jeden Fettnapf zu treten. Marguerite Abouet und Mathieu Sapin schrieben die Geschichten, die in Frankreich bereits 2010/2011 veröffentlicht wurden.

In zwei Fällen, die sich primär an Kinder richten, darf das „Detektivbüro LasseMaja“ (Edition Helden), erfunden von Martin Widmark und Helena Willis, ermitteln – und wohlige Erinnerungen an Kalle Blomquist wecken.

Gefallen hat mir auch „Die Giganten: Erin“ (Carlsen). Beim Gratis Kids Comic Tag wird der erste, in sich abgeschlossene Band der sechsbändigen actiongeladenen Serie verteilt. In der französischen Serie von Lylian/Droulin/Lorien geht es um Kinder, die mit ihren gigantischen Freunden die Welt retten müssen.

Von „Sam und die Geister“ (toonfish), von Julien Monier und Cabone, wird der erste von zwei Bänden verteilt. In „Luise“ entdeckt Sam, dass sie Geister sehen kann. Sie will Luise, einer alten und sehr toten Dame helfen.

Wohlige Erinnerungen an teils lange zurückliegende Leseerlebnisse, die jetzt an die Kinder und Enkelkinder weitergegeben werden können, wecken das Abenteuer von Donald Duck auf einem Filmset (als Teil einer Jubiläumsausgabe von „Walt Disney Lustiges Taschenbuch Sonderedition: 90 Jahre Donald“ [Egmont]), Idefix, der ohne Asterix und Obelix „Die Statue des Labienus“ (Bäng Comics) beschnuppert und, nun, Labienus ist ein Römer, die kurze Geschichte versprüht einen ordentlichen Asterix/Obelix-Vibe und mehr muss ich wohl nicht sagen. Panini ist mit mehreren „Batman“- und „Spider-Man“-Geschichten dabei. Die drei „Batman“-Geschichten richten sich eher an Jugendliche; die ebenfalls in dem Heft enthaltenen „Teen Titans“-Geschichten richten sich dagegen eindeutig an Kinder. Bei „Spider-Man“ wird sich an den aus den Kinofilmen bekannten Origins-Geschichten orientiert.

Bei den Comics, die nur den teils sehr umfangreichen Anfang der Geschichte enthalten, habe ich immer den Eindruck, dass es genau im spannendsten Moment aufhört und ich, aus verschiedenen Gründen, niemals erfahren werde, wie das Abenteuer endet. Von Patrick Wirbeleit (u. a. „Kiste“) und Kim stammt der witzige Culture Clash „Gorm Grimm“ (Kibitz), in dem ein in der Gegenwart lebender Junge sich mit einem waschechten Wikinger befreundet.

Bleiben wir einen Moment im Norden. In „Nordlicht – Im Tal der Trolle“ (Bäng Comics), von Malin Falch, wird Sonja von Espen, einem aus der magischen Dimension Jotundalen kommendem Jungen, eines Nachts geweckt. Gemeinsam begibt sie sich mit ihm in eine Welt, in der es sprechende Tiere, Trolle und Wikinger gibt. Was sie dort erleben, wird nach dem Ende der Leseprobe erzählt.

Von „Krypto: Geheimnisvolle Meereswesen“ (LOEWE Graphix), von Hans Jorgen Sandnes, gibt es die erste Hälfte des ersten Bandes, also nur das Set-Up, in dem Ophelia zu ihrer neuen Pflegefamilie ans Meer zieht, einen alten Fischer kennen lernt und glaubt, dass ein Seeungeheuer im Meer lebt. Außerdem ist kurz vor Ophelias Ankunft ein Junge spurlos im Wasser verschwunden.

Auch von „Der kleine Perry: Das Geheimnis des Wanderplaneten“ (Carlsen) gibt es nur das Set-Up. Perry Rhodan ist in der von Olaf Brilll und Michael Vogt erzählten Geschichte noch ein kleiner Junge, der gerne ins Weltall fliegen würde. Als er den Start einer Rakete beobachten möchte, wird er in sie teleportiert und wenig später ist er auf dem Weg zum Mond.

Ebenfalls nur die Einführung in die Welt, in der die Geschichte spielt und die Figuren gibt es in „Arielle und die Rache der Meerhexen“ (Carlsen), „Animal Jack: Das Herz des Waldes“ (Bäng! Comics), „Elfies Zauberbuch“ (toonfish), und „Elle(s)“ (toonfish) und „Rebis: Ein Kind der Natur“ (Cross Cult).

The Dragon Prince/Der Prinz der Drachen: Durch den Mond“ (Cross Cult) ist eine zwischen der dritten und vierten Staffel der gleichnamigen Netflix-Serie spielende Geschichte und bei diesem Beginn einer Fantasy-Geschichte ist die Kenntnis der Netflix-Serie sicher hilfreich.

In Richtung Manga geht es mit „Miraculous: Abenteuer von Ladybug und Cat Noir“ (Panini) und „Pokémon Reisen“ (Panini).

Und dann gibt es noch „Dao – Der Weg“ (Chinabooks), eine im Stil klassischer chinesischer Tuschemalereien erzählte Geschichte aus einem Buch mit chinesischen Volksmärchen und Schauergeschichten. Mich ließ die Geschichte ziemlich ratlos zurück und ich würde sie auch nicht, wie der Verlag, für Kinder ab 6 Jahren empfehlen.

Das gesagt, sollte jeder bei den 21 Gratis-Kindercomicheften mindestens ein Heft finden, das ihm gefällt. Und insgesamt geben die Hefte einen guten Überblick über die Vielfalt des aktuellen Kindercomics.

Mehr Informationen über die einzelnen Hefte gibt es hier und hier findet ihr den nächsten Händler, der die Comics verteilt.


„Nichts Neues von Gurb“, notiert der Kapitän des Alien-Raumschiffs ins Logbuch

April 22, 2024

Der Besuch der Außerirdischen in Eduardo Mendozas „Nichts Neues von Gurb“ hat nichts mit den bekannten Hollywood-Alien-Invasionen, in denen die Außerirdischen schlimme Monster sind, die die Erde zerstören wollen, zu tun. Eher erinnert der Besuch der Aliens, den Mendoza in seinem schmalen Roman beschreibt, an den Besuch von Thomas Jerome Newton in Walter Tevis‘ Roman „Der Mann, der vom Himmel fiel“ und der darauf basierenden Verfilmung von Nicolas Roeg mit David Bowie in der Hauptrolle. Man kann „Nichts Neues von Gurb“ sogar ziemlich mühelos als die witzige, positiver endende Version von „Der Mann, der vom Himmel fiel“ lesen.

In Mendozas Roman landen der namenlose Kapitän eines Raumschiffs und sein Techniker Gurb 1992 auf der Erde. Genaugenommen in Barcelona. Die Stadt versinkt gerade im Chaos vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele. Mendozas Anspielungen auf die emsige Bautätigkeit und die Gefühle der darüber verärgerten Städter dürften inzwischen von fast allen Lesern überlesen werden. Aber wenn der Ich-Erzähler innerhalb weniger Minuten in vier Baugruben fällt und das trocken als „Ich stürze in eine Baugrube der…“ reportiert, dann ist das trotzdem ziemlich witzig.

Kurz nach der ersten Kontaktaufnahme mit den Menschen verschwindet Gurb spurlos. Am nächsten Tag beginnt der Schiffskapitän ihn zu suchen. Dafür nimmt er die Gestalt verschiedener Menschen, wie Gary Cooper oder des Papstes an, und transformiert sich an verschiedene Orte. Trotzdem scheint sein plötzliches Auftauchen die Menschen nicht zu irritieren. Sie scheinen es noch nicht einmal wahrzunehmen. Auch sein oft seltsames Verhalten, so kauft er einmal siebenhundert Pata-Negra-Schinken, hundertzwölf Barbie-Höschen und eine goldene Rolex, die er im Geschäft zertrümmert, wird anscheinend ungerührt hingenommen. Jedenfalls schreibt er im Logbuch, in das er alles wichtige über seine Suche und seine Erlebnisse bei der Suche nach Gurb einträgt, nichts davon.

Er selbst ist eine Mischung aus hyperintelligent und den Menschen meilenweit überlegen und, zugleich, außerordentlich dumm. Er kann mit der Kraft seiner Gedanken Computern Anweisungen geben und so dem Saldo seines Bankkontos einige Nullen hinzufügen. Er weiß, dass ein einfaches Hühnerei mehr und vertrauenswürdigere Informationen enthält als alle Zeitungen Spaniens. Er erfährt von zwei Spiegeleiern die Ergebnisse der Baskettballspiele des nächsten Tages. Er kann Hochsicherheitsschlösser problemlos knacken, scheitert aber an einfachen Schlössern. Und er hat massive Probleme, die primitive menschliche Gesellschaft und die Verhaltensweisen der Menschen zu entschlüsseln. Beim Lesen menschlicher Emotionen ist er ebenfalls öfters überfordert.

Dieser Zusammenprall unterschiedlicher Welten, die komplette Unberührtheit des Kapitäns von den Ereignissen und die staubtrockene Beschreibung seiner Erlebnisse, sorgen von der ersten bis zur letzten Seite des Buches für zahlreiche Lacher.

Eduardo Mendoza schrieb die absurd-groteske Science-Fiction-Comedy über die Erlebnisse eines überaus freundlichen und weitgehend harmlosen außerirdischen Besuchers 1990.

Bereits 1996 erschien der kurze Roman, damals übersetzt von Michael Hofmann, bei rororo. Als ich das entdeckte, fragte ich mich, warum ich den Roman nicht schon damals gelesen habe. Aber besser spät als nie.

Die rororo-Ausgabe wird antiquarisch immer noch zu teilweise erstaunlich hohen Preisen angeboten. So möchte ein Verkäufer fast hundert Euro für ein Exemplar des Buches.

Eduardo Mendoza: Nichts Neues von Gurb

(übersetzt von Matthias Strobel)

Hobbit Presse/Klett-Cotta, 2024

176 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Sin noticias de Gurb

Seix Barral, Barcelona, 1990

Hinweise

Wikipedia über „Nichts Neues von Gurb“ und Eduardo Mendoza (deutsch, englisch)


Ade Muckibude, hallo Filmbuch: Über einige schwere Bücher über „Alien“, „Aliens“, „Dune: Part Two“, James Bond, Disney, Jane Campion, den deutschen Dokumentarfilm und der neuesten Ausgabe des Lexikon des Internationalen Films

April 12, 2024

Es gibt Filmbücher, die haben mehr Text als eine Doktorarbeit und einige die These illustrierende Bilder. Es gibt Filmbücher, die haben viele große bunte Bilder und weniger Text als ein Kinderbuch. Und dann gibt es noch Filmbücher, die haben viel Text und viele Bilder, die überzeugend präsentiert werden.

Das gilt für J. W. Rinzlers Bücher über Ridley Scotts „Alien“ und James Camerons Fortsetzung „Aliens“. Rinzler ist als Filmautor bekannt für seine Bücher, in denen er die gesamte Produktion des Films abdeckte. Zu seinen teilweise ins Deutsche übersetzten Werken gehören „The Making of Star Wars: Revenge of the Sith“ (2005), „The Making of Star Wars“ (2007), „The Complete Making of Indiana Jones: The Definitive Story Behind All Four Films“ (2008), „The Making of Star Wars: The Empire Strikes Back“ (2010), „The Making of Return of the Jedi: The Definitive Story Behind the Film“ (2013), „The Making of Planet of the Apes“ (2018, der Klassiker von 1968 mit Charlton Heston), „Stanley Kubrick’s The Shining“ (2023, posthum. Rinzler starb 2021 mit 58 Jahren) und die jetzt ins Deutsche übersetzten Bücher über die Science-Fiction-Filme „Alien“ und „Aliens“, die für Fans der Filme und Filmfans eine wahre Fundgrube sind.

Ritzer konnte für beide Bücher auf das Archiv von 20th Century Fox und private Archive von, unter anderem, „Alien“-Regisseur Ridley Scott, Set-Fotograf Robert Penn und Alien-Designer H. R. Giger, zurückgreifen. Außerdem führte er zahlreiche Interviews. Unter anderem mit Ridley Scott. Um nur den bekanntesten Namen zu nennen.

Im etwas unhandlichen Querformat (jedenfalls für die U-Bahn- und Bettlektüre) sind in den beiden schweren Büchern (die locker einen Besuch im Fitness-Studio ersparen) zahlreiche Bilder von den Dreharbeiten, Konzeptzeichnungen und Storyboards abgebildet. Originaldokumente, wie Drehbuchentwürfe und Überlegungen zu den Aliens sind ebenfalls abgedruckt. Dazu beschreibt Rinzler für „Alien“ und „Aliens“ chronologisch den gesamten Produktionsprozess von der ersten Idee bis zur Kinopremiere. Das tut Rinzler in beiden Büchern so ausführlich, dass pro Buch locker allein für seinen Text ein langes Lesewochenende eingeplant werden muss.

Ab dem 6. Mai sind die Bücher auch zusammen im Schuber erhältlich.

J. W. Rinzler: Alien – Die Entstehungsgeschichte

(übersetzt von Felix Gass)

Cross Cult, 2023

336 Seiten

59 Euro

Originalausgabe

The Making of Alien

Titan Publishing, 2019

J. W. Rinzler: Aliens – Die Entstehungsgeschichte

(übersetzt von Thorsten Walch)

Cross Cult, 2023

300 Seiten

59 Euro

Originalausgabe

The Making of Aliens

Titan Publishing, 2020

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alien“

Rotten Tomatoes über „Aliens“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch) und über „Aliens“ (deutsch, englisch)

Der Titel „Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick“ verrät den Inhalt. In seinem Buch nimmt Filmjournalist Mark Salisbury sich die Daniel-Craig-James-Bond-Filme „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“, Skyfall“, „Spectre“ und „Keine Zeit zu sterben“ vor. Jedem der fünf Filme widmet er ein eigenes Kapitel. „Casino Royale“, der den neuen James Bond etablierte, hat mit siebzig Seiten das längste Kapitel. Salisbury erzählt die Geschichte von jedem dieser Bond-Filme von der ersten Idee über die Besetzung wichtiger Rollen, die Vorbereitung des Drehs (wozu auch die Suche nach den richtigen Drehorten gehört) und die Dreharbeiten bis zur Premiere. Viele großformatige Bilder von der Produktion und den Dreharbeiten runden das Buch ab. Auf die bekannten Filmfotos wird weitgehend verzichtet.

Dank des großen Querformats ist das sehr informative und schön aussehende Filmbuch ein Hingucker und, auch wenn es deutlicher leichter als „Alien“ oder „Aliens“ ist, nur bedingt als Bettlektüre geeignet.

Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2024

256 Seiten

49 Euro

Originalausgabe

Being Bond: A Daniel Craig Retrospective

Titan Publishing Group, 2024

Hinweise

Wikipedia über die James-Bond-Filme (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Einige Tage nach dem Filmstart erschien der Bildband zu „Dune: Part Two“. „Hinter den Kulissen von Dune: Part Two“ wurde von Tanya Lapointe, zusammen mit Stefanie Broos, geschrieben. Lapointe hatte als Produzentin und Second-Unit-Regisseurin von „Dune: Part Two“ und Frau von „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve einen mehr als exclusiven Blick in die gesamte Produktion des Films. Und aus diesem Grund enttäuscht der Bildband dann auch ein wenig. Anstatt tief in die Produktion einzutauchen, bleibt sie doch sehr an der Oberfläche. Sicher, es gibt Interviews mit den Machern, Hintergrundinformationen, Bilder von den Dreharbeiten und viele, oft doppelseitige Konzeptbilder von Räumen, Gegenständen, Flug- und Fahrzeugen und Kostümen. Die Bilder werden kurz erklärt. Mit zunehmender Lektüre entsteht das Gefühl, durch einen Ausstellungskatalog zu blättern. Das sieht gut aus. Das ist informativ. Aber man würde gerne mehr erfahren.

Hinter den Kulissen von Dune: Part Two“ ist ein Erinnerungsbuch der Macher an ihre Arbeit an dem Science-Fiction-Epos und für Fans des Films eine schöne Vertiefung des Filmerlebnisses.

Tanya Lapointe/Stefanie Broos: Hinter den Kulissen von Dune: Part Two

(Vorwort von Denis Villeneuve, Einführung von Brian Herbert und Kevin J. Anderson)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini Books, 2024

240 Seiten

49 Euro

Originalausgabe

The Art and Soul of Dune: Part Two

Insight Editions, Kalifornien, USA, 2024

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dune: Part 2“

Metacritic über „Dune: Part 2“

Rotten Tomatoes über „Dune: Part 2“

Wikipedia über „Dune: Part 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune“ (Dune, USA 2021)

Meine Besprechung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune: Part Two“ (Dune: Part Two, USA 2024)

Zum hundertsten Geburtstag von Disney, der am 16. Okober 1923 von Walt Disney und seinem älteren Bruder Roy gegründeten Firma, die seitdem zu einem globalen Unterhaltungskonzern wurde, veröffentlichte die Filmzeitschrift „cinema“ „100 Jahre Disney: Der Weg vom Maus-Haus zum Entertainment-Giganten: Facts, Hintergründe, Interviews – und die 100 besten Filme“. Das Buch orientiert sich vom Aufbau und Stil an den bereits erschienenen cinema-Filmbüchern. Das Buch beginnt mit einem längeren Text, der knapp die Geschichte von Disney nacherzählt. Kürzere Hintergrundtexte zu bestimmten Aspekten (wie das Merchandise, Streaming, Kinderstars und dem Vergnügungspark Disney World in Orlando, Florida) und Interviews mit Menschen, die im Disney-Konzern arbeiten oder für ihn arbeiteten, runden das Buch ab.

Die hundert besten Disney-Filme, die auf meistens ein bis zwei Seiten, seltener auch fünf bis sechs Seiten, vorgestellt werden, zeigen, auch wenn über den ein oder anderen in diese Liste aufgenommenen Film diskutiert werden kann, eindrucksvoll die Bandbreite von Disney-Filmen auf. Seit den jüngsten Zukäufen gehören auch Pixar, Marvel, Lucasfilm und 20th Century Fox zu Disney. Wem jetzt die Namen der Firmen nichts sagen, sagen in jedem Fall die Titel der Filme etwas. Vorgestellt werden in diesem Teil des Buches selbstverständlich die klassischen Disney-Zeichentrickfilme, wie „Dornröschen“, „Alice im Wunderland“, „Susi und Strolch“, „Dumbo“, „Robin Hood“, „Bambi“ und „Das Dschungelbuch“, neuere Trickfilme, wie „Der König der Löwen“, „Pocahontas“ und „Mulan“, Mischfilme, wie „Mary Poppins“, „Elliot, das Schmunzelmonster“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, Pixar-Filme, wie „Toy Story“, „Cars“ und „Ratatouille“, Live-Action-Remakes, wie „The Jungle Book“, „Alice im Wunderland“ und „Der König der Löwen“, einige „Star Wars“- und Marvel-Filme (Hey, die kennt ihr doch alle aus dem Schlaf.) und Realfilme, die man nicht sofort mit Disney assoziiert, wie „Pretty Woman“, „Good Will Hunting“, „Kevin – Allein zu Haus“, „Avatar“ und der „Fluch der Karibik“.

cinema (Hrsg.): 100 Jahre Disney

Panini, 2023

224 Seiten

33 Euro

Hinweise

Wikipedia über Disney (deutsch, englisch)

Homepage von Cinema

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg) „Making of – Hinter den Kulissen der größten Filmklassiker aller Zeiten“ (2019)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg.) „Filmstars: Die 30 größten Ikonen der Kinogeschichte“ (2021)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg.) „Making of – Hinter den Kulissen der größten Klassiker aller Zeiten: Band 2“ (2022)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg) „ Inside James Bond“ (2022)

Neben diesen ‚Bilderbüchern‘ gibt es immer noch die Filmbücher, in denen der Text eindeutig wichtiger als die Bilder sind. Die sind hier nur kleines, eher schmückendes SW-Beiwerk.

Das wären Marisa Buovolos „Jane Campion & ihre Filme“ und die aktuelle Ausgabe des Lexikons des internationalen Films, das immer noch von der Filmzeitschrift filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegeben wird. Die neueste Ausgabe des Lexikons beschäftigt sich mit dem Filmjahr 2023.

Beim Lexikon des internationalen Films wurde der bewährte Aufbau beibehalten. Es gibt knapp zweihundert Seiten mit längeren Filmkritiken (zu den 20 besten Filmen und den 15 besten Serien des Jahres), Interviews (mit, u. a., Hans Steinbichler, François Ozon und Colm Bairéad), Nachrufe (auf, u. a. William Friedkin, Peter Simonischek und Kenneth Anger) und Aufsätze, die sich mit bestimmten wichtigen Aspekten des 2023er Filmjahres beschäftigen (u. a. über Aki Kaurismäki, Ari Aster,Taylor Sheridan, Das Kleine Fernsehspiel, den Autorenstreik in Hollywood, Mädchen in Kinderfilmen und die Atombombe im Film) und das aus knapp dreihundert Seiten bestehende Filmlexikon, das alphabetisch alle Spiel- und Dokumentarfilme auflistet, und kundig bewertet, die 2023 in Deutschland erstmals im Kino, auf DVD/Blu-ray, im Fernsehen und bei Streamingportalen gezeigt wurden. Es handelt sich um ungefähr 1500 Filme.

Nach Ansicht der Filmdienst-Kritiker waren die zwanzig besten Filme des Kinojahres 2023:

Tár

Anatomie eines Falls

Fallende Blätter

Roter Himmel

Killers of the Flower Moon

The Quiet Girl

Das Lehrerzimmer

Oppenheimer

Die Fabelmans

The Banshees of Inisherin

Barbie

Die Frau im Nebel

Pacifiction

Music

Close

Tótem

Limbo

Spider-Man: Across the Spider-Verse

Sisi & Ich

Past Lives – In einem anderen Leben

Ein feines Buch, das in jeder gutsortierten Filmbibliothek stehen sollte.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2023/2024

Schüren, 2024

528 Seiten

28,00 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2017“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2020/2021“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2021/2022“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2022/2023“

Ihr bekanntester Film ist immer noch „Das Piano“. In den letzten Jahren erreichte sie mit der TV-Serie „Top of the Lake“ und dem Netflix-Western „The Power of the Dog“, der in einigen wenigen Kinos lief und für den sie den Regie-Oscar erhielt, wieder eine größere Öffentlichkeit.

Wie ein Blick auf ihre schmales Werk – neun Spielfilme, zwei, drei TV-Serien (je nach Zählung) und mehrere Kurzfilme in 44 Jahren – zeigt, ist die 1954 in Wellington, Neuseeland geborene Jane Campion nicht die produktivste Regisseurin. Dafür sind zumindest die Titel ihrer Filme „Sweetie“, „Ein Engel an meiner Tafel“ (An Angel at my Table), „Das Piano“ (The Piano), „Portrait of a Lady“, „Holy Smoke“, „In the Cut“ (ihr verzichtbarer Hollywood-Ausflug in das Serienkillerthrillergenre, der uns eine nackte Meg Ryan bescherrte und in den letzten Jahren eine Neubewertung erfuhr), „Bright Star“ (das dürfte ihr unbekanntester neuer Film sein) und „The Power of the Dog“ bekannt. Ebenso ihre TV-Serie „Top of the Lake“ und „Top of the Lake: China Girl“ (mit Nicole Kidman).

In ihrem Buch „Jane Campion & ihre Filme“ beschäftigt die Soziologin und Hochschuldozentin Marisa Buovolo sich intensiv mit Campions Filme. Die größte Aufmerksamkeit widmet sie den Filmen „Das Piano“ und „In the Cut“ und der aus zwei Staffeln bestehenden TV-Serie „Top of the Lake“. Dabei will sie keine Interpretationen vorschreiben, sondern Angebote für unterschiedliche Interpretationen machen und den Leser zum Nachdenken und (wieder) Ansehen der Filme anregen.

Marisa Buovolo: Jane Campion & ihre Filme

Schüren, 2024

208 Seiten

24 Euro

Hinweise

Schüren über Marisa Buovolo

Rotten Tomatoes über Jane Campion

Wikipedia über Jane Campion (deutsch, englisch)

Weil ich das Buch hier noch nicht empfohlen habe, es aber gut in diese Kolumne passt: vor zwei Jahren erschien bei der Bundeszentrale für politische Bildung das von Peter Zimmermann geschriebene Buch „Dokumentarfilm in Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Zimmermann ist Privatdozent, Literatur- und Medienwissenschaftler und war vierzehn Jahre Wissenschaftlicher Leiter am Haus des Dokumentarfilms. Er veröffentlichte bereits mehrere Bücher zu verschiedenen Aspekten des Dokumentarfilms in Deutschland.

Sein in die Tiefe gehendes Buch „Dokumentarfilm in Deutschland“ ist die erste Gesamtdarstellung der Geschichte des deutschen Dokumentarfilms. Er benötigt dafür, aufgelockert durch einige Bilder, gut vierhundert zweispaltig engbedruckte Seiten. Damit dürfte es für die nächsten Jahre das Standardwerk zur Geschichte des deutschen Dokumentarfilms sein.

Für den 2023 verstorbenen Filmwissenschaftler Hans Helmut Prinzler war Zimmermanns Buch das „Filmbuch des Jahres“.

Wer jetzt immer noch zweifelt, den sollte der einmalig günstige Verkaufspreis von 7 Euro für das dicke Buch überzeugen.

Peter Zimmermann: Dokumentarfilm in Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Bundeszentrale für politische Bildung, 2022

400 Seiten

7 Euro

Hinweise

Bundeszentrale für politische Bildung über das Buch (und, ja, da könnt ihr noch viele weitere Bücher und Filme bestellen. Könnte am Ende dann sogar ziemlich teuer werden.)

Wikipedia über den Dokumentarfilm

Homepage vom Haus des Dokumentarfilms (HDF)

 

 


TV-Tipp für den 7. April: James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben (+ Buchtipp: Mark Salisbury: Being Bond)

April 6, 2024

RTL, 20.15

Keine Zeit zu sterben (No time to die, Großbritannien 2021)

Regie: Cary Joji Fukunaga

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, Cary Joji Fukunaga, Phoebe Waller-Bridge (nach einer Geschichte von Neal Purvis, Robert Wade und Cary Joji Fukunaga) (basierend auf – das ist zu schön um es auf ein schnödes „Figur von Ian Fleming“ zu reduzieren – „The James Bond novels and stories written by Ian Fleming, and the 24 James Bond motion pictures produced by Danjaq, LLC and its predecessors in interest“)

James Bond (Daniel Craig), mal wieder aus dem Ruhestand geholt, kämpft gegen Bösewicht Safin (Rami Malek). Der will mit Viren schlimme Dinge anrichten.

TV-Premiere. Der längste und, so meine Minderheitenmeinung, einer der schlechtesten, vielleicht sogar der schlechteste James-Bond-Film dank eines konfusen Drehbuchs, hirnrissigen Wendungen, einem blassen Bösewicht, einer erschreckend schlecht aussehenden Zentrale des Bösewichts und einem vollkommen idiotischen Ende.

Das ist das Ende der kommerziell erfolgreichen Ära von Daniel Craig als James Bond. Filmisch ist das Ergebnis bestenfalls durchwachsen mit zwei wirklich guten, einem durchwachsenen (mit der starken Tendenz zum Schlechten) und zwei eindeutig schlechten Bond-Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Daniel Craig, Rami Malek, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Ben Whishaw, Naomie Harris, Jeffrey Wright, Christoph Waltz, Ralph Fiennes, Rory Kinnear, David Dencik, Ana de Armas, Billy Magnussen, Dali Benssalah

alternative Schreibweise „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“

Wiederholung: Montag, 8. April, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Druckfrisch

Der Titel „Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick“ verrät den Inhalt. In seinem Buch nimmt Filmjournalist Mark Salisbury sich die fünf Daniel-Craig-James-Bond-Filme vor in ausführlichen Analysen mit vielen Hintergrundinformationen und vielen Bilder von den Dreharbeiten und der Produktion. Dank des großen Querformats ist das Filmbuch ein Hingucker und, wegen des Gewichts, nur bedingt als Bettlektüre geeignet.

Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2024

256 Seiten

49 Euro

Originalausgabe

Being Bond: A Daniel Craig Retrospective

Titan Publishing Group, 2024

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Keine Zeit zu sterben“

Metacritic über „Keine Zeit zu sterben“

Rotten Tomatoes über „Keine Zeit zu sterben“

Wikipedia über „Keine Zeit zu sterben“ (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

zum Regisseur

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunagas „True Detective – Staffel 1“ (True Detective, USA 2014)


TV-Tipp für den 5. April: Jack Reacher (+ Buchtipp: Lee Child/Andrew Child: Der Sündenbock)

April 4, 2024

Pro7, 20.15

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

Ein Scharfschütze erschießt in Pittsburgh am helllichten Tag fünf Menschen. Als Täter wird der Ex-Soldat James Barr verhaftet, der nur fordert, dass Jack Reacher geholt wird. Und Reacher, ein Ex-Militärpolizist, der immer unter dem Radar bleibt, taucht kurz darauf in Pittsburgh auf. Allerdings nicht, um Barr zu helfen.

„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher.

2016 hatte Tom Cruise in „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back) seinen zweiten und bislang letzten Auftritt als Jack Reacher.

mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

Lesetipp

Zuletzt erschien auf Deutsch der 25. Jack-Reacher-Thriller. „Der Sündenbock“ ist der erste von mehreren Romanen, die Lee Child mit seinem jüngeren Bruder Andrew Child schreibt. Andrew Child veröffentlichte als Andrew Grant einige, teils ins Deutsche übersetzte Thriller. Geplant ist, dass Andrew später die Serie allein fortschreibt.

In „Der Sündenbock“ landet der ziellos durch die USA reisende ehemalige Militärsoldat Jack Reacher in einer Kleinstadt, die von Hackern erpresst wird. Reacher beginnt sie zu suchen.

Lee Child/Andrew Child: Der Sündenbock

(übersetzt von Wulf Bergner)

Blanvalet, 2023

416 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

The Sentinel (Reacher 25)

Bantam Press, London, 2020

Hinweise

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch), Jack Reacher (deutsch, englisch) und Lee Child (deutsch, englisch)

zu Lee Child und Jack Reacher

Homepage von Lee Child

Meine Besprechung von Lee Childs „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman“ (Night School (21 Reacher), 2016)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Spezialist“ (Past Tense (Reacher 23), 2018)

Meine Besprechung von Lee Childs „Der Held“ (The Hero, 2019)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Meine Besprechung der Amazon-Prime-Video-Serie „Reacher“ (Reacher, USA 2022) (Staffel 1) (Verfilmung des Jack-Reacher-Romans „Größenwahn“ [Killing Floor, 1997])

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

zu Christopher McQuarrie

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

 


Was ist „Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster“?

April 3, 2024

Bevor zwei Kaijū-Monster, nämlich Godzilla und King Kong, wieder durch die Kinos stampfen, können wir einen Blick auf „Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster“, abgekürzt GEK, werfen.

Jamie Gray, der Erzähler der Geschichte, lernt sie zufällig kennen. Nachdem er aus einem Internet-Start-Up geworfen wurde, liefert er in New York während der Pandemie Essen an Menschen aus, die ihre Wohnung nicht verlassen wollen. Dabei trifft er einen flüchtigen Bekannten aus Studientagen, der ihm einen Job bei der GEK anbietet. Der Job soll gefährlich sein, es soll um große Tiere geben und, das ist das entscheidende Argument für Jamie, er ist gut bezahlt. Jamie sagt zu. Nach einem kurzen Einstellungsgespräch und vielen Impfungen wird er mit seinen Arbeitskollegen nach Grönland geflogen. Dort betreten sie auf einer geheimen Nuklearbasis eine Schleuse.

Auf der anderen Seite der Schleuse ist eine tropische Parallelwelt, in der Kaijū-Monster die Erde beherrschen. Die Gesellschaft für die Erhaltung der Kaijū-Monster beobachtet sie und versucht sie zu beschützen. Denn seit den ersten Atombombentests öffnen sich an den Orten, an denen die Atombomben explodieren, für eine kurze Zeit Portale, durch die die Kaijū aus ihrer Welt in unsere Welt gelangen können. Die GEK will das verhindern.

Zusammen mit Jamie lernen wir die gefährliche Welt, in der riesige Tiere leben, kennen und lieben. Denn John Scalzi, der große Humorist unter den zeitgenössischen Science-Fiction-Autoren, malt, garniert mit einigen zeitgenössischen Spitzen, die Welt der Kaijū-Monster wunderschön detailliert aus, während Jamie und seine Kollegen die Tiere beobachten, Tests an ihnen durchführen und sich manchmal mit Besuchern, die die GEK finanzieren, herumschlagen. Die GEK wird von privaten und öffentlichen Geldgebern finanziert und das Militär ist auch beteiligt.

Aber nur die Schilderung von Jamies erster Begegnung mit dieser Welt und seinen Begegnungen mit deren tierischen Bewohnern, die ihn meistens als Nahrung betrachten, wäre etwas wenig für einen Roman. Deshalb taucht irgendwann ein Bösewicht auf. Es handelt sich um den Milliardär Rob Sanders. Er will die Trennung zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Kaijū-Monster nicht akzeptieren.

Jamie kennt ihn von früher und er hält ihn für ein gewissenloses Arschloch. Denn Sanders gehörte das Start-Up, aus dem er am Buchanfang vom Chef höchstpersönlich gefeuert wurde.

Für John Scalzi war „Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster“ ein – Wie sage ich das jetzt, ohne, dass es abfälllig kllingt? – Schnellschuss. Nachdem er seinen vorherigen Roman nicht in einer für ihn befriedigenden Form beenden konnte, schrieb er innerhalb weniger Wochen die Geschichte von Jamie und seiner Abenteuer in der Welt der Kaijū-Monster. Im Nachwort des Buches schreibt Scalzi: „GEK ist keine – und das meine ich kein bisschen abwertend – groß angelegte tiefsinnige Symphonie in Romanform. GEK ist ein Popsong. Der Roman ist einfach und eingängig, drei Minuten mit einer hübschen Melodie, die ihr mitsingen könnt, und dann ist er vorbei und ihr macht – hoffentlich mit einem Lächeln auf den Lippen – mit eurem Tag weiter. Wir alle brauchen ab und zu einen Popsong, vor allem nach einer dunklen Zeit.“

In den USA wurde die kurzweilige Abenteuergeschichte „Die Gesellschaft für die Erhaltung der Kaijū-Monster“ mit dem Locus Award ausgezeichnet. Außerdem war er für den Hugo Award und den Dragon Award als bester Roman nominiert. Die American Library Association verlieh ihm den Alex Award als bester Roman für Erwachsene, der auch jugendliche Leser anspricht.

Auch wenn ihr es euch inzwischen denken könnt: John Scalzis SF-Roman „Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster“ hat nichts mit Adam Wingards am 4. April startendem Kinospielfilm „Godzilla x Kong: The New Empire“ zu tun. Der kurzweilige Roman spielt in einer vollkommen anderen Welt. Er ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend, witzig, voller Anspielungen und Atmosphäre. Wingards Kinofilm…ist eine andere Geschichte.

John Scalzi: Die Gesellschaft zur Erhaltung der Kaijū-Monster

(übersetzt von Claudia Kern)

Cross Cult, 2024

352 Seite

16 Euro

Originalausgabe

The Kaijū Preservation Society

Tom Doherty Associates (Tor Book), 2022

Hinweise

Homepage von John Scalzi

Blog von John Scalzi

Phantastik-Couch über John Scalzi

Wikipedia über John Scalzi (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Scalzis (Hrsg.) „Metatropolis“ (METAtropolis, 2009)

Meine Besprechung von John Scalzis „Galaktische Mission“ (The End of all Things, 2015)


Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2024: Lauter nette Krimiautor*innen

März 24, 2024

Nächstes Jahr sollte ich auf der Leipziger Buchmesse endlich die vielen Cosplayer*innen aus dieser und allen anderen Welten fotografieren. Die scheinen das Posieren zu genießen. Deadpool – auch ihn habe ich auf der Messe gesehen – wohl auch.

Dieses Jahr habe ich Interviews mit Christine Lehmann (über „Alles nicht echt“), Stefán Máni (über „Abgrund“) und Anthony J. Quinn (über „Frau ohne Ausweg“) geführt. Ich muss sie die Tage noch etwas bearbeiten.

Bis dahin gibt es einige Schnappschüsse von gutgelaunten Krimiautor*innen mit ihren neuesten Kriminalromanen. In alphabetischer Reihenfolge:

Frauke Buchholz ist mit „Skalpjagd“ (Pendragon) am Ende einer Trilogie um den kanadischen Profiler Ted Garner, die vielleicht doch eine aus vier (oder mehr) Romanen bestehende ‚Trilogie‘ wird. Sie meinte, es gebe noch offene Fragen.

Jürgen Heimbach entführt uns in seinem neuen Krimi „Waldeck“ (Unionsverlag) in die sechziger Jahre zum ersten Burg-Waldeck-Festival. Während dort noch heute bekannte Musiker klampfen, sucht Journalist Ferdinand Broich einen untergetauchten SS-Arzt.

Chrstine Lehman lässt in ihrem 13. Lisa-Nerz-Krimi „Alles nicht echt“ (Ariadne) ihre Heldin in der Nachrichtenredaktion eines ÖRR-Senders ermitteln. Sie soll herausfinden, wer einige Daten aus dem Sender geklaut hat. Kurz darauf sucht sie einen Mörder.

Stefán Máni führt in Island seinen jungen Helden an den „Abgrund“ (Polar). Der Naivling glaubt, irgendetwas mit dem Verschwinden einer jungen Videothek-Mitarbeiterin zu tun zu haben. „Abgrund“ ist auch der erste Roman mit Kriminalpolizist Hörður Grímsson.

Anthony J. Quinn ist mit einer untergetauchten, aus Osteuropa kommenden „Frau ohne Ausweg“ (Polar) und seinem Ermittler Celcius Daly im irisch/nordirischen Grenzgebiet unterwegs. Daly sucht den Mörder ihres Zuhälters. Troubles garantiert

Das sind jetzt mindestens fünf leichengesättigte Lesetipps für den qualitätsbewussten Krimifan.


Über Anthony Ryans „Ein Fluss so rot und schwarz“

März 13, 2024

Das klingt jetzt wie der Beginn von einem Witz. Es ist aber der Auftakt für einen Horrorthriller.

Auf einem Boot erwachen Conrad (der sich sofort erschießt), Dickinson, Huxley, Rhys, Golding, Plath und Pynchon. Selbstverständlich heißen sie nicht so. Diese Namen bekannter und wichtiger Schriftsteller wurden ihnen auf den Arm tätowiert. An ihre richtigen Namen erinnern die Männer und Frauen sich nicht. Auch nicht an ihre Vergangenheit. Frühere Fähigkeiten und Wissen können sie aber spontan und je nach Situation abrufen. Es sind Fähigkeiten, die sie vermuten lassen, dass sie früher als Polizist, Soldat, Ärztin, Physikerin, Polarforscherin und Historiker arbeiteten. Oder sich sehr für dieses Thema interessierten. Für was sie diese Fähigkeiten jetzt brauchen könnten, wissen sie nicht. Sie wissen auch nicht, wohin das Boot sie fährt.

Später erkennen sie anhand einer Karte, die auf einem Bildschirm erscheint, dass sie auf der Nordsee sind und in Richtung Themse und London fahren. Es ist nicht mehr das heutige London, sondern ein zerstörtes, teils von Pflanzen überwuchertes London. Am Ufer und im Wasser sind gefährliche, teils mutierte Wesen, die sie töten wollen.

Während der Fahrt werden sie über ein Satellitentelefon immer wieder von einer ausdruckslosen weiblichen Stimme angerufen. Die Stimme gibt ihnen Anweisungen. So sollen sie jeden anderen ‚Schriftsteller‘ sofort umbringen, wenn er sich an seine Vergangenheit erinnert. Dann werde er zu einer tödlichen Gefahr für sie. Erklärungen gibt die Stimme nicht. Im Lauf der Fahrt veranlasst sie allerdings, dass bestimmte, vorher verschlossene Fächer auf dem Boot aufgehen. So erhalten sie verschiedene Dinge, die für ihre Mission wichtig sind. Zum Beispiel Sprengstoff. Ziemlich schnell ahnen Huxley und seine Mitreisenden, dass sie für diese Mission ausgewählt wurden. Sie sollen sich sogar freiwillig zu dieser Selbstmord-Mission gemeldet haben.

Ein Fluss so rot und schwarz“ ist Anthony Ryan erster Ausflug ins Horror- und Thriller-Genre. Normalerweise schreibt er dickleibige, mehrbändige Fantasy-Epen. Hier erzählt er auf unter 270 Seiten eine spannende Geschichte mit – soviel kann verraten werden – einer befriedigenden Auflösung.

Bis dahin stehen die, uh, Schriftsteller ständig vor neuen Herausforderungen, während sie versuchen, mehr über sich, ihre Vergangenheit, ihre Mission und die Welt, durch sie fahren, herauszufinden. Dabei treibt Ryan die Hauptgeschichte ständig voran, entwirft eindrückliche Bilder einer postapokalyptischen Großstadt und streut klug Informationen über die Mission und die Katastrophe, die London vernichtete, ein.

Der Pageturner könnte die Vorlage für einen spannenden Science-Fiction-Horrorthriller sein, wenn die Bootsfahrt durch London entlang der zerstörten Sehenswürdigkeiten nicht so teuer wäre.

Bis dahin muss halt gelesen werden.

Anthony Ryan: Ein Fluss so rot und schwarz

(aus dem Englischen von Sara Riffel)

Tropen, 2023

272 Seiten

22 Euro

Originalausgabe (als A. J. Ryan [Iain Banks hat in seiner Heimat, damit das Publikum auf den ersten Blick zwischen seinen Science-Fiction-Romanen und seinen Thriller unterscheiden konnte, ebenfalls mit einer kleinen Variation seines Namens gearbeitet])

Red River Seven

Orbit, London, 2023

Hinweise

Tropen über Anthony Ryan

Homepage von Anthony Ryan

Wikipedia über Anthony Ryan

 


Komplett in zwei Deluxe-Bänden: die „The Authority“-Geschichten von Warren Ellis und Bryan Hitch

März 6, 2024

Nein, eine weitere edle Superheldentruppe ist „The Authority“ nicht. Sie sind ein Team ziemlich seltsamer Menschen, die, wenn sie gegen globale Bedrohungen kämpfen, nur daran interessiert sind, die Bedrohung zu eliminieren. Kollateralschäden werden billigend in Kauf genommen; – das war, als die von Warren Ellis geschriebenen und Bryan Hitch gezeichneten „The Authority“-Geschichten 1999 und 2000 erschienen sicher revolutionärer als heute. Seitdem zerdepperten in unzähligen Kinofilmen Superhelden allein oder in Gruppen lustvoll ganze Großstädte. Mal als hulkscher Wutanfall, mal im Kampf gegen Bösewichter.

Die Authority ist eine von Jenny Sparks ins Leben gerufene und angeführte Gruppe. Sie ist die Seele des 20. Jahrhunderts. Deshalb lebt sie exakt hundert Jahre und stirbt am Ende des Jahrhunderts, der Konsens-Realität folgend, am 31. Dezember 1999. Zur Authority gehören ‚der Gott der Städte‘ Jack Hawksmoor, ein Mann, der mit Städten kommunizieren kann, die ‚Schöpferin‘ Engineer Angela Spica, der ‚Schamane‘ Doktor Jeroen Thornedike, die ‚Geflügelte Jägerin‘ Swift Shen Li-Min und ‚Sonnenkönig‘ Apollo und ‚Kriegstribun der Nacht‘ Midnighter Lucas Trent. Sie sind, auf den ersten Blick erkennbar, eine schwule Version von Superman und Batman. Sie sind mehr als nur miteinander befreundet.

Comichistorisch wurden die Authority-Figuren von Warren Ellis und Bryan Hitch davor in der bei der Kritik beliebten, vom Publikum ignorierten Serie „Stormwatch“, der WildStorm-Variante der Justice League, eingeführt und für „The Authority“ weiterentwickelt.

Ellis und Hitch schrieben zwischen Mai 1999 und April 2000 mit dieser Superheldentruppe zwölf Einzelhefte (in denen sie drei jeweils vier Hefte umfassende Geschichten erzählen) und ein Crossover mit der ebenfalls von Warren Ellis erfundenen Serie „Planetary“. 2017 folgte, als Teil eines Firmenjubiläums von WildStorm, „Die Authority: Requiem“, ein kurzes Einzelabenteuer. In den jetzt erschienenen zwei Deluxe-Bänden sind alle diese Geschichten enthalten. Zusätzlich gibt es im zweiten Sammelband einem umfangreichen Anhang mit mehreren Heftcover, Skizzen von Bryan Hitch und einige Seiten aus dem Skript von Warren Ellis für „Der Kreis“.

In dieser Geschichte, zugleich die erste „The Authority“-Geschichte, müssen die Superhelden gegen Kaizen Gamorra, einem Gegner aus Stormwatch-Tagen, kämpfen. Gamorra will mit seinen Supersoldaten die Welt vernichten. Er beginnt mit Moskau und London. Sein nächstes Ziel ist Los Angeles.

In „Phasenschiffe“ droht von einer Parallel-Erde eine Invasion. Die Authority will das verhindern.

In „Das Dunkel von Außen“ nähert sich ein Wesen der Erde, das Gott genannt wird, weil er das Leben auf die Erde brachte. Jetzt will er die Menschheit vernichten und die Erde nach seinen Vorstellungen gestalten. Die Authority will das Ende der Menschheit verhindern.

In den Geschichten steht die farbenprächtig und detailreich, immer wieder auf Doppelseiten, ausgemalte Action, also vor allem das Zerstören von Großstädten, im Mittelpunkt. Bekämpfen tun sich, an verschiedenen Orten, die teilweise atemberaubend schnell gewechselt werden, eine Unzahl verschiedener Figuren mit teils rätselhaften Kräften. Das sieht gut aus, ist aber auch ziemlich kindisch.

Angekündigt sind noch zwei weitere „The Authority“-Deluxe-Bände.

Warren Ellis/Bryan Hitch/Paul Neary: The Authority – Deluxe Edition Band 1

(übersetzt von Christian Langhagen)

Panini, 2023

200 Seiten

29 Euro

enthält

Der Kreis (The Circle, The Authoriy # 1 – 4, Mai – August 1999)

Phasenschiffe (Shiftships, The Authority # 5 – 8, September – Dezember 1999)

Warren Ellis/Bryan Hitch/Paul Neary/Phil Jimenez: The Authority – Deluxe Edition Band 2

(übersetzt von Christian Langhagen)

Panini, 2024

192 Seiten

29 Euro

enthält

Weltherrschaft (Ruling the World, Planetary/The Authority: Ruling the World, Juni 2000)

Die Authority: Requiem (The Authority: Requiem – WildStorm: A Celebration of 25 Years, Oktober 2017)

Das Dunkel von Außen (The Authority # 9 – 12, Januar – April 2000)

Hinweise

Wikipedia über „The Authority“

Meine Besprechung von Warren Ellis/Cully Hamners „Red“ (Red, 2003)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Jason Howards „Trees – Ein Feind“ (Trees, Volume One: In Shadow, 2015)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Bryan Hitchs „Batmans Grab – Band 1 (von 2)“ (The Batman’s Grave – Chapter 1 – 6, 2019/2020)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Bryan Hitchs „Batmans Grab – Band 2 (von 2)“ (The Batman’s Grave # 7 – 12, 2020)


TV-Tipp für den 2. März (und ein Buchtipp): Out of Sight

März 1, 2024

ZDF neo, 20.15

Out of sight (Out of Sight, USA 1998)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Elmore-Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Buchhinweis

Das wird für Elmore-Leonard-Fans ein Freudentag: am Montag erscheint sein Western „Letztes Gefecht am Saber River“ erstmals in einer deutschen Übersetzung. Der selbstverständlich lesenswerte Western ist ein Frühwerk von Leonard.

Im Zentrum steht Rancher Paul Cable. Für die Konföderierten zog er in den Bürgerkrieg, wurde schwer verwundet und möchte jetzt in Arizona friedlich auf seiner Ranch leben. Aber zwei Brüder, Anhänger der Union, haben inzwischen sein Land besetzt. Cable will das nicht akzeptieren.

Elmore Leonard: Letztes Gefecht am Saber River

(aus dem Englischen von Florian Grimm)

Liebeskind, 2024

256 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Last Stand at Saber River

1959

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

zu Elmore Leonard

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

zu Steven Soderbergh

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „No sudden move“ (No sudden move, USA 2021)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike: The Last Dance“ (Magic Mike’s Last Dance, USA 2023)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

zu Scott Frank

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


Der etwas andere Stadtführer: „Hamburg Noir“

März 1, 2024

Nach einer längeren Pause – „Paris Noir“ erschien 2017, „Berlin Noir“ 2018, „USA Noir 2019 – liegt bei CulturBooks jetzt der vierte deutschsprachige Band einer in den USA 2004 gestarteten, inzwischen weit über hundert Bände umfassenden Reihe, vor. Für die Reihe schreiben bekannte Autoren Noir-Kurzgeschichten. Jeder Band spielt in einer anderen Stadt, manchmal auch nur einem Stadtteil, wie die Bronx oder Brooklyn. CulturBooks adaptierte die Idee für den deutschsprachigen Raum. Für „Paris Noir“ schrieben Didier Daeninckx, DOA, Jerôme Leroy, Patrick Pécherot, Chantal Pelletier und Jean-Bernard Pouy Kurzgeschichten. Für „Berlin Noir“ schrieben Rob Alef, Max Annas, Zoë Beck, Katja Bohnet, Johannes Groschupf, Matthias Wittekindt und Ulrich Woelk Geschichten. Für „USA Noir“ schrieben Lee Child, Michael Connelly, Jeffery Deaver, Jonathan Safran Foer, William Kent Krueger, Dennis Lehane, Joyce Carol Oates und Don Winslow Noirs.

Für den vierten Band „Hamburg Noir“ fungieren Nora Luttmer, Till Raether, Matthias Wittekindt, Ingvar Ambjørnsen, Bela B Felsenheimer, Jasmin Ramadan, Frank Göhre, Timo Blunck, Katrin Seddig, Tina Uebel, Zoë Beck, Brigitte Helbling, Kai Hensel und Robert Brack als (kriminal)literarische Stadtführer.

Kurzgeschichten sind für mich ein schneller Weg, neue Autoren kennen zu lernen. Wenn mir die Kurzgeschichte gefällt, will ich auch die längeren Werke von dem Autor lesen. Manchmal erinnert eine Kurzgeschichte mich daran, dass ich von einem bestimmten Autoren wieder einen Roman lesen sollte. Einige der Autoren, die für „Hamburg Noir“ Geschichten schrieben, kenne ich.

Normalerweise sind Sammlungen von Kurzgeschichten irgendwie thematisch zusammengestellt. Beliebt sind Weihnachtskurzkrimis und an bestimmten Orten spielende Kurzkrimis. Seltener steht eine Figur, wie Frankenstein oder Hellboy, oder ein bestimmtes Milieu oder Beruf (Arzt? Bestatter?) im Mittelpunkt.

Bei „Hamburg Noir“ stehen die Großstadt, in der die Geschichten spielen, und die vorherschende Weltsicht schon im Titel. In Hamburg spielen alle Geschichten, auch wenn das Lokalkolorit in fast allen Geschichten ausbaufähig ist. Problematischer ist, dass ungefähr die Hälfte der Geschichten keine Noirs und keine Kriminalgeschichten sind. Und das ist, auch wenn alle Geschichten grandios wären, ein Problem. Denn wenn ich ein Buch lese, das als Sammlung von Kriminalgeschichten beworben wird, dann will ich Kriminalgeschichten lesen.

Blöderweise sind viele der Geschichten in „Hamburg Noir“ nicht gut, sondern erstaunlich misslungen. Als von seinen Schülern frustrierter Lehrer würde ich oft „Thema verfehlt“, „Kein Noir“, „Unklare Handlungsführung“ und „Absehbare Pointe“ mit einem roten Stift an den Rand schreiben. Geständnisse wie „Jetzt kommt eine Liebesgeschichte. Keine richtige Liebesgeschichte, am Ende gibt’s ein Verbrechen, auch kein richtiges Verbrechen,…“ (Kai Hensel: Der Dom und das Mädchen) mit einem „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ kommentieren.

Von den vierzehn Geschichten überzeugen nur Bela B Felsenheimers St.-Pauli-Drama „-Wer passt auf unsere Weiber auf, wenn nicht wir?-“ (in dem ein Vater im Affekt den Freund seiner mit einer Überdosis Drogen im Krankenhaus liegenden Tochter tötet und anschließend die Tat vertuschen will) und Zoë Becks „Schwarztonnensand“ (im Stil eines Drehbuchs geschriebene Groteske über einen Bootsunfall und wie der vermögende Täter zusammen mit seinen einflussreichen Freunden den Tathergang verunklart). Frank Göhre liefert nur eine okaye Geschichte mit einem Krimianteil zwischen kaum und nicht vorhanden ab.

Bei den Nicht-Krimi-Geschichten gehören Jasmin Ramadans Horrorgeschichte „Crazy Angels“ und Tina Uebels „Reeperbahn 29 Revisited“, in dem sich die Erzählerin an das Haus und die Wohnung erinnert, in der sie zwanzig Jahre lebte, zu den gelungeneren Geschichten.

Über die anderen Geschichten lege ich mal den gnädigen Mantel des Schweigens.

Dabei hat Hamburg, auch abseits der Reeperbahn, so viel Potential für stimmungsvolle Noir-Geschichten.

Jan Karsten (Hrsg.): Hamburg Noir

CulturBooks, 2023

304 Seiten

18 Euro

enthält

Nora Luttmer: Die Ameisenstraße

Till Raether: Ich bin schon fast wieder weg

Matthias Wittekindt: Schwarzdorn

Ingvar Ambjørnsen: Ganz unten

Bela B Felsenheimer: -Wer passt auf unsere Weiber wuf, wenn nicht wir?-

Jasmin Ramadan: Crazy Angels

Frank Göhre: Außénfassade

Timo Blunck: Engelfrikassee

Katrin Seddig: Der Auftrag

Tina Uebel: Reeperbahn 29 Revisited

Zoë Beck: Querab Schwarztonnensand

Brigitte Helbling: Aikido Diaries

Kai Hensel: Der Dom und das Mädchen

Robert Brack: Die Enteignung

Hinweise

CulturBooks über „Hamburg Noir“

Meine Besprechung von Aurélien Massons „Paris Noir“ (2017)

Akashic über seine Noirs


Neu im Kino/Filmkritik: „Dune: Part 2“ – zurück in Frank Herberts Wüste

Februar 29, 2024

Paul Atreides, wieder gespielt von Timothée Chalamet, ist zurück. Und jetzt wird es etwas kompliziert. Denn „Dune: Part 2“ erzählt die Geschichte des ersten Teils weiter. Dabei umfasst der zweite Teil die zweite Hälfte von Frank Herberts Science-Fiction-Roman „Der Wüstenplanet“. Der 1965 im Original erschienene Roman ist ein SF-Klassiker, der seitdem immer erhältlich war. In unzähligen Romanen wurde seitdem die Geschichte des Wüstenplaneten weiter erzählt. Herberts Roman wurde zweimal verfilmt. Einmal in einer damals gefloppten, inzwischen legendären Verfilmung von David Lynch. Einmal als wohl okaye Mini-TV-Serie. Und jetzt von Denis Villeneuve, der sich um eine möglichst große Werktreue bemüht. Deshalb machte er aus den 800 Seiten des Romans auch keinen Zwei-Stunden-Film, sondern erzählt die Geschichte in zwei überlangen Filmen. Der erste Film ist 156 Minuten. Der zweite 166 Minuten. Zusammen sind das über fünf Stunden in denen er bildgewaltig und in epischer Breite und Zähigkeit die Geschichte von Paul Atreides erzählt. Er ist der Sohn von Herzog Leto Atreides und kraft seiner Geburt der künftige Herrscher des Hauses Atreides. Seine Familie hat vom Imperator als überaus wertvolles Lehen den Wüstenplaneten Arrakis erhalten. Auf dem Planeten gibt es den für die Raumfahrt wichtigen Treibstoff, der gleichzeitig eine bewusstseinserweiternde Droge ist.

Aber die vorherigen Lehnsherrn, das Haus der Harkonnen, wollen wieder die Macht über den Planeten zurück erlagen und ihn weiter rücksichtslos ausbeuten. Sie sind die skrupellosen Bösewichter der Geschichte. Um an ihr Ziel zu gelangen, ermorden sie Leto Atreides. Bevor sie Paul Atreides ermorden können, flüchtet er in die Wüste zu dem Wüstenvolk der Fremen.

In diesem Moment beginnt der zweite Teil, der erzählt, wie Atreides zum Anführer der Fremen wird und sie gegen das Haus der Harkonnen in den Kampf führt. Atreides wird von den Fremen schnell als der in alten Schriften prophezeite Messias gesehen wird. Er nimmt den Kampf um die Herrschaft über den Planeten auf.

Viel mehr Story hat „Dune: Part 2“ nicht. Und alles was ich an dem Roman („eine arg dröge Lektüre“) und dem ersten Teil („eine viel zu ehrfurchtsvolle Bebilderung der ersten Hälfte des Romans“) kritisierte, trifft auch auf den zweiten Teil zu. So erzählt „Der Wüstenplanet“ eine typische White-Savior-Geschichte, in der der Retter kraft seines Blutes und der göttlichen Prophezeiung als künftiger Herrscher vorherbestimmt ist. Die in der Zukunft spielende Gesellschaft ist eine mittelalterliche Ständegesellschaft, in der Planeten Lehnsbesitz sind. Die Parallelen zwischen dem in den Sechzigern geschriebenem Roman, den damaligen Ansichten und Konflikten sind offensichtlich und müssen hier nicht weiter ausgeführt werden. Das habe ich bereits zum Start des ersten Teils in meiner Buch- und Filmbesprechung getan.

Dazu kommen im zweiten Teil, in dem Villeneuve die zweite Hälfte des Romans bebildert, weitere Probleme. So ist die Geschichte eine zufällige Ansammlung von Szenen. Wie Atreides zum Führer der Fremen aufsteigt, ist nebulös. Anstatt die einzelnen Schritte zu zeigen, überspringt Villeneuve diese. Irgendwann reitet Atreides auf einem Sandwurm und ist danach der von alptraumhaften Visionen geplagte Anführer. Bei den Kämpfen wird nie erklärt, wie sehr ein Sieg die Fremen in ihrem Kampf gegen die Ausbeuter ihrem Ziel näherbringt. Es ist einfach nur eine plötzlich endende Actionszene ohne jeden Kontext, die mühelos mit einem späteren Kampf zwischen den tapferen Fremen und den gesichtslosen Harkonnen-Söldnern getauscht werden könnte. Es würde nicht auffallen. Dazwischen gibt es Szenen von Männern, die in die Wüste starren und auf Sandwürmer warten. Es gibt religiös gefärbten Mythenbrei. Es gibt Szenen, in denen die Schauspieler salbungsvolle Sätze in enervierender Langsamkeit von sich geben. Am Ende wird in den gut drei Stunden, die „Dune: Part 2“ dauert, wahrscheinlich weniger als in einem halben Film von Woody Allen gesprochen. Dafür darf Javier Bardem als tapferer Fremen-Krieger Stilgar in jedem zweiten Satz sagen, dass Atreides der Messias ist. Zunächst glauben seine Kampfgefährten ihm nicht und auch Atreides möchte noch nicht die Rolle des Messias annehmen. Weitere Stars, wie Josh Brolin, Austin Butler, Florence Pugh, Dave Bautista, Christopher Walken, Léa Seydoux, Stellan Skarsgård und Charlotte Rampling, haben teils nur kurze Auftritte. Darüber legt Hans Zimmer einen Ambient-Soundteppich, der vor allem aus bedeutungsschwangerem Brummen besteht, das in diesem Fall die Grenze zur Parodie schon lange überschritten hat.

Immerhin sehen die in der Wüste aufgenommenen Bilder gut aus, einige computergenierte Spezialeffekte sind gelungen und es immer erfreulich, einige Schauspieler im Kino zu sehen. Auch wenn sie in dem Film, außer ihrer Anwesenheit, nicht viel zu tun haben.

Das ändert nichts daran, dass Welt des Wüstenplaneten immer noch keine Welt für mich ist.

In aktuellen Interviews sagte Villeneuve, dass er das Drehbuch für einen dritten „Dune“-Film bereits fast fertig geschrieben habe. Der Film, basierend auf dem zweiten „Dune“-Roman „Der Herr des Wüstenplaneten“ (Dune Messiah, 1969), würde zwölf Jahre nach den in „Der Wüstenplanet“ geschilderten Ereignissen spielen. Wann „Dune Messiah“ verfilmt wird, ist unklar. Aber es dürfte keine zwölf Jahre dauern.

Dune: Part 2 (Dune: Part 2, USA 2024)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Denis Villeneuve, Jon Spaihts

LV: Frank Herbert: Dune, 1965 (Dune – Der Wüstenplanet)

mit Timothée Chalamet, Zendaya, Rebecca Ferguson, Josh Brolin, Austin Butler, Florence Pugh, Dave Bautista, Christopher Walken, Léa Seydoux, Souheila Yacoub, Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling, Javier Bardem

Länge: 166 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (mit dem aktuellen Cover)

Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Heyne, 2024 (die Filmausgabe)

800 Seiten

12,99 Euro

Vor dem Filmstart erschien der Roman bereits in mehreren Übersetzungen und Ausgaben.

Originalausgabe

Dune

Chilton Books, 1965

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dune: Part 2“

Metacritic über „Dune: Part 2“

Rotten Tomatoes über „Dune: Part 2“

Wikipedia über „Dune: Part 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune“ (Dune, USA 2021)

Meine Besprechung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965)

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Jonathan Glazers grandiose Martin-Amis-Verfilmung „The Zone of Interest“

Februar 28, 2024

Wenige Tage vor der Oscar-Verleihung, den er fünfmal gewinnen könnte, läuft Jonathan Glazers hochgelobtes Drama „The Zone of Interest“ endlich bei uns an. Glazer inszenierte vorher die sehr unterschiedlichen, in jedem Fall sehenswerten Filme „Sexy Beast“ (2000), „Birth“ (2004, sein schwächstes Werk) und „Under the Skin“ (2013) und etliche Musikvideos.

Seit seiner Premiere in Cannes, wo „The Zone of Interst“ den Großen Preis der Jury erhielt, wird sein neuester Film überall abgefeiert. Vor wenigen Tagen erhielt „The Zone of Interest“ den BAFTA als „Bester britischer Film“ und als „Bester nicht-englischsprachiger Film“. Das ging, weil in der britischen Produktion nur Deutsch gesprochen wird. Hauptdarstellerin Sandra Hüller erhielt vor wenigen Tagen einen weiteren Schauspielpreis. In diesem Fall war es am 23. Februar 2024 ein César als beste Schauspielerin für „Anatomie eines Falls“. Aber im Moment ist das wie eine Münze werfen und am Ende erhält Sandra Hüller den Preis für „Anatomie eines Falls“ oder für „The Zone of Interest“. Die Nominierungen und Preise werden begleitet von euphorischen Kritiken. „The Zone of Interest“ ist unbestritten und schon jetzt einer der besten Filme des Jahres und, falls ich im Dezember eine Jahresbestenliste erstelle, wird Glazers Film einen der vorderen Plätze der Top Ten belegen. Er ist auch eine grandiose Romanverfilmung, obwohl Glazer sich viele Freiheiten nimmt und oft gesagt wird, der Film sei nur inspiriert von Martin Amis‘ Roman „Interessengebiet“. Glazer, der auch das Drehbuch schrieb, veränderte die Geschichte und die Namen der Figuren. Aber er übernahm die kalt-analytische Sicht auf die Figuren, das Thema und den Handlungsort. Ironischwerweise hat sein Film, wie Amis‘ Roman, Probleme im dritten Akt und damit mit dem Ende. Amis und Glazer finden verschiedene Lösungen, um die Geschichte zu beenden. Für mich funktioniert keine hundertprozentig. Glazers Film gehört zu den Romanverfilmungen, die sich alle erdenklichen Freiheiten bei der Bearbeitung der Vorlage nehmen und ihr dabei treu bleiben.

In dem im ‚Interessengebiet Auschwitz‘ spielendem Roman erzählt Amis eine Liebesgeschichte, die aus einer Schmonzette stammen könnte. SS-Offizier Golo Thomsen verliebt sich in Hannah Doll, die Frau des Lagerkommandanten Paul Doll. Sie erwidert seine Avancen. Neben dieser Liebesgeschichte erzählt Amis von Dolls Arbeit als Behfelshaber über das Konzentrationslager, die er möglichst perfekt und zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ausführen möchte, und von Szmul, einem im KZ sitzendem Juden und Führer des Sonderkommandos, das bei der Vernichtung von Juden mithilft. Geschrieben hat Amis seinen aus diesen drei Plots und damit verbundenen Perspektiven bestehenden Roman in einem nüchternen Tonfall, der einem genau deshalb erschauern lässt. Er schildert den Alltag der Familie Doll als ob es neben ihrem Haus nicht das Vernichtungslager gäbe, das ihnen allen ein gutes Leben beschert. Denn der Krieg ist weit weg und die Arbeit im KZ verhindert eine Einberufung an die Front. Währenddessen schwarwenzelt Thomsen um seine Frau herum.

Interessengebiet“ ist einer von Martin Amis‘ besten Romanen.

In der Verfilmung konzentriert Jonathan Glazer sich auf die Familie Doll, die im Film, wie in der Realität, Höß heißt. Glazer verzichtet auf die Liebesgeschichte. Er blickt auch nicht hinter die Mauer, die, wie ein Schutzwall, das KZ von dem Haus der Familie Höß trennt. Von dem KZ sind nur einige Häuserdächer und Wachtürme zu sehen. Die aus dem KZ kommenden Geräusche sind für die Familie Höß Hintergrundgeräusche, die sie in ihrem Alltag in ihrem Haus und Garten nicht weiter wahrnehmen. Während Rudolf Höß (Christian Friedel) jeden Tag das Familienhaus verlässt und über den Hof zu seinem Arbeitsplatz geht, betritt seine Gattin Hedwig (Sandra Hüller) niemals das KZ. Sie führt den Haushalt, erzieht die fünf Kinder, bewirtet Gäste und bestellt den Garten. Neben dem Interessengebiet Auschwitz hat sie sich den Traum vom trauten Heim erfüllt. Dieses Paradies will sie unter keinen Umständen verlassen.

Glazer beschreibt das Leben der Familie Höß als Situationsbeschreibung. Er verzichtet auf einen Plot. Er verzichtet auf eine vertiefende Analyse der Figuren. Dafür hätte es nämlich Konflikte benötigt. Er zeigt sie nur in ihrem selbstgeschaffenem kleinen Paradies.

Aufgenommen hat er diese Situationsbeschreibung in der Nähe des Konzentrationslagers. Ursprünglich wollte er in dem KZ und in dem Haus, in dem die Familie Höß gelebt hat, filmen. Als das wegen des Denkmalschutzes und Veränderungen auf dem Gelände des KZ (so sind vor über achtzig Jahren gepflanzte Bäume heute größer als damals) nicht möglich war, drehte er in der Nähe in einem Nachbau des Hauses, das er mit teils versteckten, teils fest installierten Kameras ausstattete. Die Kameras nahmen den gesamten Raum auf. Die Schauspieler konnten sich während der Dreharbeiten frei im Set bewegen. Sie wussten allerdings auch nicht, wann sie aufgenommen wurden. Sie wurden ständig überwacht. Gleichzeitig verhinderte diese Anordnung der Kameras und der damit verbundenen Ästhetik, dass der Regisseur spontan eingreifen oder Szenen in einer normalen Abfolge von Einstellungen und Schnitten auflösen konnte. Mit diesen starren Einstellungen, in denen verschiedene Dinge geschehen, wirkt „The Zone of Interest“ wie ein Theaterstück, das man als Zuschauer aus dem Saal heraus erlebt. Deshalb sollte das Drama im Kino gesehen werden. Auf einem kleinen Bildschirm sieht man einfach zu wenig.

Die für einen Spielfilm ungewohnt detailreichen Bilder (bei Dokumentarfilmen ist das anders), die präzisen Bildkompositionen und die kluge Farbdramaturgie verstärken gekonnt das Unwohlsein, das man beim Ansehen des banalen Lebens in der Villa Höß, hat.

The Zone of Interest“ ist ein sehr sehenswerter, konzentrierter und in sich geschlossener Feelbad-Film, der die Banalität des Bösen zeigt und, mit chirurgischer Präzision, die Frage stellt, wie man sich selbst verhalten würde. Oder, anders gesagt: wie viel Unrecht und Terror ist man bereit für seinen eigenen kleinen Traum vom Glück zu ignorieren?

Nach dem Kinobesuch sollte man den Roman lesen, der faktenreich, auch die Dinge erzählt, die einige im Film vermissen.

The Zone of Interest (The Zone of Interest, Großbritannien/Polen/USA 2023)

Regie: Jonathan Glazer

Drehbuch: Jonathan Glazer

LV: Martin Amis: The Zone of Interest, 2014 (Interessengebiet)

mit Christian Friedel, Sandra Hüller, Johann Karthaus, Luis Noah Witte, Nele Ahrensmeier, Lilli Falk, Anastazja Drobniak, Cecylia Pękala, Julia Polaczek, Kalman Wilson, Imogen Kogge, Medusa Knop, Zuzanna Kobiela, Martyna Poznańska, Stephanie Petrowitz, Max Beck, Andrey Isaev

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Originalfassung ist die deutsche Fassung.

Die Vorlage

Martin Amis: Interessengebiet

(übersetzt von Werner Schmitz)

Kein & Aber, 2017

416 Seiten

16 Euro (Taschenbuch)

13,99 Euro (E-Book)

Deutsche Erstausgabe

Kein & Aber, 2015

Originalausgabe

The Zone of Interest

Jonathan Cape, London, 2014

Hinweise

Moviepilot über „The Zone of Interest“

Metacritic über „The Zone of Interest“

Rotten Tomatoes über „The Zone of Interest“

Wikipedia über „The Zone of Interest“ (deutsch, englisch) und die Vorlage

Perlentaucher über Martin Amis „Interessengebiet“

 


Vorbereitende Lektüre: Über die ersten beiden Bände von Tade Thompsons Rosewater-Trilogie

Februar 26, 2024

Im April erscheint, so die Planung des Golkonda Verlags, „Die Erlösung“, der abschließende Band der Wormwood-Trilogie, die auch mal Rosewater-Trilogie genannt wird. Wormwood bezeichnet das außerirdische Wesen, das 2012 in London gelandet ist und sich durch die Erdkruste bewegt; Rosewater den Ort, an dem die Science-Fiction-Romane spielen.

Bis „Die Erlösung“ in wenigen Wochen erscheint, ist also noch genug Zeit, sich die ersten beiden in der Science-Fiction-Community hochgelobten Bände durchzulesen. So erhielt der erste Band den Arthur C. Clarke Award.

Rosewater ist eine prosperierende Stadt in Nigeria. Dort hat ein außerirdisches Wesen eine Biokuppel errichtet, die anscheinend einfach nur so da ist. Einmal im Jahr öffnet sich die Kuppel und heilt Menschen. Sicher, manchmal ist das Ergebnis etwas schräg. Aber normalerweise sind danach auch unheilbare Kranke genesen. Die wiederauferstandenen Toten, die Reanimierten, sind in den kommenden Monaten vielleicht etwas nervig, aber nicht weiter störend.

Dass die Außerirdischen nicht nur harmlose, physisch nicht in Erscheinung tretende Wohltäter sind, verrät Tade Thompson in „Rosewater: Der Aufstand“, dem zweiten Band der Trilogie.

Im ersten Band „Rosewater“, der vor allem 2066 in Rosewater spielt, konzentriert sich auf Kaaro. Er gehört zu den Menschen, die nach einem Kontakt mit den Außerirdischen, zu einem „Empfänger“ wurde. Seitdem kann er auf die Gedanken, Gefühle und Erinnerungen von anderen Menschen zugreifen. Für Strafverfolger ist diese Gabe natürlich ein Gottesgeschenk. Für die Empfänger nicht so sehr. Denn wer will schon ständig wissen, was Verbrecher, Vergewaltiger und Mörder denken und fühlen? Weil Kaaro, wie wir aus Rückblenden erfahren, eine kriminelle Vergangenheit hat, wird er von der Regierungsbehörde Sektion 45, verkörpert durch Femi Allagomeji, gezwungen, für sie in die Gehirne von anderen Menschen einzudringen.

Als immer mehr Empfänger unter ungeklärten Umständen sterben, beginnt Kaaro nach Zusammenhängen und dem Täter zu suchen.

Rosewater: Der Aufstand“ spielt ein Jahr später. Kaaro hat nur eine Nebenrolle. 2067 fordert Jack Jacques, der Bürgermeister von Rosewater, die Unabhängigkeit Rosewaters von Nigeria. Der Präsident von Nigeria lehnt die Forderung rundweg ab. Es kommt zu dem titelgebenden Machtkampf um Rosewater. Währenddessen arbeiten die Außerirdischen im Hintergrund weiter daran, die Welt zu erobern.

Im Gegensatz zum ersten Wormwood-Band, einer mit vielen Zeitsprüngen erzählten Hardboiled-Ich-Erzählung, erzählt Tade Thompson in „Der Aufstand“ parallel ungefähr ein halbes Dutzend Geschichten mit unterschiedlichen Protagonisten und wie sie sich begegnen.

Es sind unter anderem Alyssa Sutcliffe, eine in einer ruhigen Vorstadt von Rosewater lebende Ehefrau und Mutter. Eines Tages kann sie sich an nichts mehr erinnern. Ihr Körper wurde von den Außerirdischen übernommen.

Anthony ist ein menschlicher Avatar von Wormwood. Über ihn erfahren wir Leser mehr über die Außerirdischen, ihren Planeten und ihre Pläne. Denn es gibt, soviel kann verraten werden, nicht nur einen Außerirdischen.

Kaaros Freundin Aminat arbeitet für die Sektion 45. Sie soll ein Mittel gegen die Xenoform finden. Das sind Mikroorganismen, die menschliche Zellen nachahmen und so menschliche Körper übernehmen. Sie und ihre Chefin Femi werden von Jack Jacques in den Kampf um die Unabhängigkeit Rosewaters verwickelt.

Und Bewon ärgert sich mit einer Pflanze herum, die aus seiner Spüle kommt und die immer größer wird.

Rosewater“ ist eine Ich-Erzählung im Stil eines Hardboiled-Krimis. „Der Aufstand“ ist als Ensembledrama eine episch angelegte Mischung aus Alien-Invasions-Geschichte und Politthriller, in dem es um Intrigen und Machtkämpfe geht. In beiden postmodern erzählten Science-Fiction-Geschichten gibt es außerdem eine satte Portion Cyberpunk und Afrofuturismus.

In beiden Bücher überzeugt Tade Thompson, wie auch in seinem Rätselkrimi „Fern vom Licht des Himmels“, als Stilist, schwarzhumoriger Erzähler und Schöpfer einer ganz eigenen zukünfttigen Welt.

Rosewater“ und „Der Aufstand“ sind äußerst lesenswerte Hard-Science-Fiction-Thriller mit einem Hauch afrikanischer Mystik. Der Handlungsort und das Verwenden von Ideen des Afrofuturismus führen zu einem ganz neuen Blick auf bekannte Cyberpunk-Topoi.

In einigen Wochen erfahren wir dann, wie die Wormwood-Trilogie endet. Unter anderem sind Kaaro, seine Freundin Aminat, Femi und ‚Bicycle Girl‘ Oyin Da wieder dabei. In „Rosewater“ sollte Kaaro sie 2055 für die Sektion 45 suchen. Er führte den Auftrag anders als von seinen Auftraggebern geplant aus.

Tade Thompson: Rosewater (Band 1 der Wormwood-Trilogie)

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Golkonda, 2020

440 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Rosewater

Apex Publications, Lexinton, Kentucky/USA, 2016

Britische Erstausgabe

Orbit, 2018 (Imprint von Little, Brown Book Group, London, UK)

Tade Thompson: Rosewater: Der Aufstand (Band 2 der Wormwood-Trilogie)

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Golkonda, 2022

424 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

The Rosewater Insurrection

Orbit, 2019

 

Hinweise

Bookmarks über „Rosewater“ und über „Rosewater: Der Aufstand“

Golkonda über Tade Thompson

Wikipedia über Tade Thompson und über die Rosewater-Trilogie (Band 1, Band 2)

Meine Besprechung von Tade Thompsons „ Fern vom Licht des Himmels“ (Far from the Light of Heaven, 2021)


Über die ersten beiden Bände von Robert Kirkmans „The Astounding Wolf-Man“

Februar 23, 2024

Bekannt wurde Robert Kirkman mit „The Walking Dead“. Der von ihm geschriebene Comic führte zu einer Wiederbelebung von Zombies im Horrorgenre. Der Comic war auch die Vorlage für eine erfolgreiche und langlebige TV-Serie mit mehreren Spin-offs.

Daneben erfand Kirkman die 144 Hefte umfassende Serie „Invincible“. Sie erschien von 2003 bis 2018. Und damit kämen wir zu „The Astounding Wolf-Man“. Die Serie spielt im „Invincible“-Universum. Zwischen 2007 und 2010 schrieb Kirkman 25 „The Astounding Wolf-Man“-Hefte, die später in vier Sammelbänden gesammelt wurden. Jetzt sind die ersten beiden Bände auf Deutsch erschienen. Der dritte „The Astounding Wolf-Man“-Sammelband ist für Mitte Juli angekündigt.

Der titelgebende „Astounding Wolf-Man“ ist Gary Hampton, ein verheirateter erfolgreicher Geschäftsmann mit einer Tochter im Teenageralter. In den Wäldern von Montana wird er von einem Tier angegriffen. Schwer verletzt überlebt er und bemerkt seltsame Veränderungen an sich. Denn er wurde nicht von einem Bären, sondern von einem Werwolf angegriffen und seitdem ist er selbst ein Werwolf.

Während er diese Veränderung noch verarbeitet, taucht Zechariah bei ihm auf. Der Vampir erzählt ihm alles über Werwölfe und andere Wesen, die in dieser von Texter Robert Kirkman und Zeichner Jason Howard erfundenen Welt wirklich leben. In unserer Welt sind es gut abgehangene Legenden aus dem Reich der Fantasie. Dabei verwickelt Zechariah Hampton in einen seit Jahrhunderten andauernden Kampf.

Gleichzeitig setzt Hampton seine neuen Kräfte ein. Er rettet, wie es sich für einen Superhelden gehört, Menschen aus lebensgefährlichen Situationen und wird, nachdem die Medien über seine Taten berichten, zur Berühmtheit.

Und er baut für sich und seine Familie ein riesiges unterirdisches Versteck. Denn Hampton hat ungefähr so viele Geldprobleme wie Bruce Wayne. Nur muss sich Batman nicht mit einer Ehefrau und einer pubertierenden Tochter herumschlagen.

Der erste „The Astounding Wolf-Man“-Band endet mit dem Tod von Hamptons Frau.

Im zweiten Band (in dem es auch ein Crossover zu „Invincible“ gibt) wird Hampton, aufgrund der Aussage seiner Tochter, die ihn über die Leiche ihrer Mutter gebeugt sah, unter anderem von der Polizei verfolgt.

Auf den ersten Blick, also auf dem Cover, wirkt „The Astounding Wolf-Man“ wie eine Rückkehr zu den Comics aus längst vergangenen Jahrzehnten. Aber Robert Kirkman und Jason Howard konzentrieren sich von Anfang an nicht auf kurze Geschichten mit dem Bösewicht der Woche. Sie erzählen eine größere Geschichte, für die sie eine ganze Welt mit entsprechend vielen Figuren entwerfen und den Helden zum Familienvater mit entsprechenden Problemen machen. Während Batman Verbrecher jagt und den Playboy spielt, muss Hampton sich um Frau und Kind kümmern.

Das war damals – zur Erinnerung: geschrieben wurden die Comics vor über fünfzehn Jahren und teilweise noch bevor der erste „Iron Man“-Film im Kino lief – sicher ziemlich ungewöhnlich. Heute wirkt die Geschichte vom „Astounding Wolf-Man“ wie eine weitere Superheldenfamiliengeschichte, die wir so oder so ähnlich schon etliche Male gelesen oder gesehen haben.

Robert Kirkman/Jason Howard: The Astounding Wolf-Man – Band 1

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2023

184 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

The Astounding Wolf-Man, Vol. 1

Skybound/Image Comics, 2008

Robert Kirkman/Jason Howard: The Astounding Wolf-Man – Band 2

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2023

152 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

The Astounding Wolf-Man, Vol. 2

Skybound/Image Comics, 2008

Hinweise

Wikipedia über „The Astounding Wolf-Man“ und über Robert Kirkman (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Grenzen (Band 18)“ (The Walking Dead, Vol. 18: What comes after, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Auf dem Kriegspfad (Band 19)“ (The Walking Dead, Vol. 19: March to War, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Stefano Gaudiano/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Krieg – Teil 1 (Band 20)“ (The Walking Dead, Vol. 20: All Out War, Part One, 2014)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Meine Besprechung der TV-Serie “The Walking Dead – Staffel 3″ (USA 2013)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Phil Hester/Cory Walker/Khary Randolphs „Ant-Man Megaband “ (The Irredeemable Ant-Man, 2006/2007)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Scott M. Gimple/Chris Burnham/Nathan Fairbairns „Die!Die!Die! (Band 1)“ (Die!Die!Die! – Volume 1, 2019)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Scott M. Gimple/Chris Burnham/Nathan Fairbairns „Die!Die!Die! (Band 2)“ (Die!Die!Die! – Volume 2, 2021)

Meine Besprechung von Chris McKays „Renfield“ (Renfield, USA 2023) (Spielfilm, nach einer Idee von Robert Kirkman)