TV-Tipp für den 20. Oktober: Publlic Enemy No. 1 – Mordinstinkt

Oktober 19, 2023

3sat, 22.15

Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt (Mesrine: L’Instinct de mort, Frankreich/Kanada/Italien 2008)

Regie: Jean-François Richet

Drehbuch: Abdel Raouf Dafri, Jean-François Richet

LV: Jacques Mesrine: L’instinct de mort, 1977 (Der Todestrieb)

Zweiteiliges Biopic über Jacques Mesrine (1936 – 1979), einen im benachbarten Frankreich heute immer noch legendären Verbrecher. Im ersten Teil von „Public Enemy No. 1“ (ein sehr deutscher Titel) erfahren wir, wie Jacques Mesrine nach seiner Rückkehr aus dem Algerienkrieg 1959 den Respekt von Gangsterboss Guido gewinnt, in der Kriminellenhierarchie aufsteigt, nach Kanada fliehen muss, inhaftiert wird und aus einem Hochsicherheitsgefängnis flieht.

Im zweiten Teil „Todestrieb“, der am kommenden Freitag, den 27. Oktober, um 22.25 Uhr gezeigt wird, erfahren wir dann, wie die Geschichte weitergeht.

In Frankreich war „Public Enemy No. 1“ ein mit drei Césars ausgezeichneter Kinohit. Cassel und Richet, der zuletzt das Remake von „Assault on Precint 13“ drehte, erhielten je eine Trophäe. Vincent Cassels Leistung, der für Darstellung mehrere Preise erhielt, wird noch bemerkenswerter, wenn man weiß, dass der Film chronologisch rückwärts gedreht wurde. So konnte er während des Drehs Gewicht verlieren, während er im Film immer älter und schwerer wird.

mit Vincent Cassel, Cécile de France, Gérard Depardieu, Gilles Lellouche, Roy Dupuis, Ludivine Sagnier

Hinweise

AlloCiné über „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ 

Rotten Tomatoes über „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ 

Wikipedia über „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“ (deutsch, englisch, französisch) und über Jacques Mesrine (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-François Richets „Plane“ (Plane, USA/Großbritannien 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: “Ein Fest fürs Leben” – ein Fest fürs Publikum?

Oktober 19, 2023

Für Dieter (Christoph Maria Herbst) ist diese Hochzeit eine besondere Hochzeit. Denn dieses Mal soll jemand vorbeikommen, der seine Eventagentur für mondäne Hochzeiten kaufen möchte. Es muss also alles perfekt sein. Und selbstverständlich ist nichts perfekt, sondern immer am Rande des Chaos.

Also so weit am Chaos, wie es in einer deutschen Komödie geht, die dann doch nie dem Affen ordentlich Zucker geben will. Da tobt kein Louis de Funès durch das Schloss. Stattdessen darf Christoph Maria Herbst gequält auf das Treiben starren. Ziemlich langsam geht es von einem nicht witzigem Witz zum nächsten Gag ohne erinnerungswürdige Pointe. Die wenigen Verwicklungen sind, lange bevor sie im Film wichtig werden, absehbar. Wenn zum Beispiel dem sexhungrigen Fotografen Marcel (Jörg Schüttauf) via App ein Match angezeigt wird, dann wissen wir, noch bevor er im Schloss mit seiner Suche beginnt, wer das Match ist. Und, ja, es ist ein Match. Gleiches gilt für die anderen Liebeleien in Dieters Team mit Teammitgliedern, dem Personal im Schloss und den Teilnehmenden der Hochzeitsgesellschaft.

Diese Hochzeitsfeier ist nur die nächste vernachlässigbare deutsche Komödie, die man sich irgendwann im Fernsehen ansehen kann. Wenn man ein bestimmtes Alter deutlich jenseits der Pensionsgrenze hat. Oder die deutschen Komödien der fünfziger Jahre für den Höhepunkt deutschen Filmschaffens hält.

Ach ja, „Ein Fest fürs Leben“ ist das Kinodebüt von „Tatort“-Regisseur Richard Huber und das Remake der französischen Komödie “Das Leben ist ein Fest“ (2017). Nach dem Film wurde mir gesagt, das Remake sei eine 1-zu-1-Kopie des mir unbekannten Originals. Das verlagert dann die Verantwortung für alle Drehbuchschwächen ins benachbarte Frankreich.

Ein Fest fürs Leben (Deutschland 2023)

Regie: Richard Huber

Drehbuch: Richard Huber

mit Christoph Maria Herbst, Cynthia Micas, Marc Hosemann, Jörg Schüttauf, Johannes Allmayer, Ulrich Brandhoff, Banafshe Hourmazdi, Pit Bukowski, Jasmin Shakeri, Sahin Eryilmaz, Anne Schäfer, Ben Münchow, Charlotte Schwab, Mira Benser, Piet Fuchs, David Ali Rashed, Mouataz Alshaltouh, Sipan Hasan, Wotan Wilke Möhring, Bettina Lamprecht, Rainer Bock, Ernst Stötzner

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Ein Fest fürs Leben“

Moviepilot über „Ein Fest fürs Leben“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon“

Oktober 19, 2023

Und wieder verarbeitet Martin Scorsese eine wahre Geschichte zu einem Spielfilm. Bei „GoodFellas“, „Casino“, „Gangs of New York“ (seinem ersten Film mit Leonardo DiCaprio) und „The Wolf of Wall Street“ führte das zu inzwischen allgemein als Klassiker anerkannten Filmen. In seinem neuesten Film, dem 206-minütigem Epos „Killers of the Flower Moon“, geht es um die Serie von Morden an den in Oklahoma lebenden Osage. Zwischen 1918 und 1931, wobei der Höhepunkt zwischen 1921 und 1926 war, wurden in der menschenleeren Gegend über sechzig, nach neueren Forschungen sogar über hundert, Osage ermordet.

Durch den Fund von Ölquellen waren die Osage unglaublich reich geworden. Am Filmanfang werden wir belehrt, dass sie damals zu den reichsten Menschen auf der Erde gehörten. Soviel Geld zieht natürlich viele Glücksritter und Verbrecher an. Legal, illegal, halblegal, scheißegal, solange das Geld in den Taschen weißer Männer landet. Einer von ihnen ist William ‚King‘ Hale (Robert De Niro). Der Viehzüchter inszeniert sich als gütiger Patriarch und Freund der Osage. Hintenrum lässt er sie, vor allem Osage-Frauen, töten. Es gibt nämlich ein Gesetz, nach dem der Ehemann der Toten ihr Vermögen erbt. Und das sind in diesem Fall beträchtliche Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Deshalb fordert er seinen Neffen Ernest Burkhart (Leonardo DiCaprio) auf, eine Osage-Frau zu heiraten. In Mollie Kyle (Lily Gladstone) findet der etwas dumme Kriegsinvalide Burkhart sogar eine ansehnliche, kluge und liebenswerte Frau. Um an ihr Vermögen zu kommen, auch wenn ihn ab und an das schlechte Gewissen plagt, muss er sie vergiften.

Zur gleichen Zeit bringen die Weißen munter Osage-Männer und -Frauen um. Einmal versuchen die Indianer in Washington Gehör zu finden. Und einige Bundesagenten suchen die Täter. Für J. Edgar Hoover und das damals noch junge FBI war die Aufklärung der Mordserie ihr erster großer Fall.

Das klingt doch nach einer Geschichte, die perfekt zu Martin Scorsese passt. Die Kritiken nach der Premiere in Cannes waren überschwänglich. Ich kann sie mir nur als eine Mischung aus Festivalbesoffenheit, Freude über das Aushalten des Films ohne mehrmalige Toilettengänge (er dauert 206 Minuten, es gibt keine Pause) und die Freude, darüber, dass ihr großes Idol Martin Scorsese weiterhin Filme inszeniert. Teure Filme. So soll „Killers of the Flower Moon“ zweihundert Millionen US-Dollar gekostet haben.

Über die Qualität eines Films sagt das Budget nichts aus. Eher schon über das Geschäftsmodell von Streamingdiensten. „Killers of the Flower Moon“ ist eine Apple-Produktion. Sie gaben Scorsese viel Geld und ließen ihn dann machen. Danach können sie den Film auf ihrer Plattform ablegen und mit dem Namen des Regisseurs werben. Das poliert ihren Ruf als Förderer der Kinokunst auf. Gleichzeitig bringt ihnen das einige neue Abonnenten. Ob sie sich den Film ansehen, ist egal. Ob der Film gut ist, ist auch egal. Außerdem ist er schneller vergessen, als die älteren Filme der bekannten Regisseure, die sich auf dieses Geschäftsmodell einließen. Oder wer erinnert sich noch an die von den Coen-Brüdern, David Fincher, Sofia Coppola und Noah Baumbach für Streamingdienste gedrehte Filme? Wenn sie im Kino gezeigt und auf DVD/Blu-ray veröffentlicht wurden, wurde immerhin etwas mehr über sie gesprochen. Aber zwei Wochen später sind sie weitgehend vergessen. Auch Scorseses vorheriger Film, die Netflix-Produktion „The Irishman“ ist inzwischen vergessen.

Und damit wären wir bei „Killers of the Flower Moon“, einem Film der ähnlich misslungen wie „The Irishman“ ist. Der Film ist zu lang, zu unfokussiert und zu langsam, teils mit sich in Endlosschleifen wiederholenden Dialogen, erzählt. Zum Glück verzichtet Scorsese dieses Mal auf das in „The Irishman“ irritierende De-Aging.

Das Hauptproblem bei „Killers of the Flower Moon“ ist das von Eric Roth und Martin Scorsese geschriebene Drehbuch. Sie verzichten auf ein Voice-Over; – dabei ist Martin Scorsese ein Meister des Voice-Overs und ein gutes Voice-Over kann einer epischen Geschichte in jeder Beziehung den nötigen Fokus verleihen. Hier breiten Scorsese und Roth in epischer Bräsigkeit über dreieinhalb Stunden eine Geschichte aus, bei der nie klar ist, wer der Protagonist ist. Also mit welcher Figur wir uns identifizieren sollen. Am ehesten bietet sich der von Leonardo DiCaprio mit vorgestrecktem Kinn, nach unten gezogenen Mundwinkeln und starrem Blick als gutmütig-tumben Trottel gespielten Ernest Burkhart an. Er treibt passiv durch die Geschichte und verhält sich mal so, mal so, aber nie konsistent. Entsprechend unbeeindruckt verfolgt man sein Schicksal. William ‚King‘ Hale (De Niro) ist da eine wesentlich stimmigere Figur, die allerdings blasser als nötig bleibt. Alle anderen Figuren sind in dem an allen Ecken und Enden in jeder Beziehung ausfransendem Ensemblestück Nebenfiguren ohne besondere Eigenschaften. Das gilt auch für Burkharts Frau Mollie (Lily Gladstone), die als eine viel zu intelligente Frau eingeführt wird, um sich dann willenlos von ihrem Mann vergiften zu lassen.

Die teils arg elliptisch erzählte Story plätschert ähnlich unentschlossen zwischen verschiedenen Plots und Ereignissen vor sich hin. Natürlich gibt es immer wieder gute Szenen, aber eigentlich alles, was in den ersten Minuten etabliert wird, ist später höchstens ein Hintergrundrauschen. Öltürme (zur Erinnerung: die Osage wurden durch Öl reich und jeder will ein Stück von diesem Ölkuchen abhaben) sehen wir am Anfang. Dann nie wieder. Die Osage verschwinden schnell, abgesehen von den Osage-Frauen, aus der Filmgeschichte. Erst gegen Ende treten sie wieder auf, ohne einen entscheidenden Einfluss auf die Handlung zu haben. Während der Gerichtsverhandlung am Filmende dürfen sie dann als Publikum stumm die Verhandlung verfolgen.

Am Ende, wenn die Übeltäter angeklagt werden, ist unklar, wen oder was Scorsese für die Morde verantwortlich macht. Das ist die alte Frage, ob das Individuum für seine Taten oder die Gesellschaft, genauer die Strukturen einer Gesellschaft und die Umstände, unter denen der Täter lebt, für die Taten des Einzelnen verantwortlich sind. Also ob es sich bei den Morden an den Osage um die Taten von einem bösen Patriarchen und einiger gieriger und dummer Männer oder um gesellschaftliche Strukturen handelt. Strukturen, die zu diesen Morden führten und die von der herrschenden Klasse letztendllich auch gewollt waren. Diese These wird im Film nicht weiterverfolgt.

Denn im Gegensatz zu seinen anderen Filmen scheint Scorsese hier die Verantwortung bei den Tätern zu sehen. Vor allem bei ‚King‘ Hale, der einfach nur ein böser Mensch war und der die anderen Männer zu den Morden anstiftete. Zum Glück kam dann irgendwann das FBI und überführte ihn.

In dem Moment ist schon sehr viel Filmzeit vergangen. Entsprechend schnell werden die Ermittlungen von Tom White (Jesse Plemons) und seinen Männern als Pflichtprogramm vor der Gerichtsverhandlung abgehandelt.

„Killers of the Flower Moon“ gehört zu Martin Scorseses schlechteren Filmen. Dabei hätte aus der Geschichte mit einem Voice-Over, das die Geschichte der Morde an den Osage aus einer Perspektive erzählt, und, damit einhergehend, herzhaft um eine halbe Stunde oder, besser noch, eine Stunde gekürzt, ein guter Film werden können.

Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Eric Roth, Martin Scorsese

LV: David Grann: Killers of the Flower Moon: The Osage Murders and the Birth of the FBI, 2017 (Das Verbrechen)

mit Leonardo DiCaprio, Robert De Niro, Jesse Plemons, Lily Gladstone, Tantoo Cardinal, John Lithgow, Brendan Fraser, Cara Jade Myers, JaNae Collins, Jillian Dion, William Belleau, Louis Cancelmi, Tatanka Means, Michael Abbot Jr., Pat Healy, Scott Shepard, Jason Isbell, Sturgill Simpson

Länge: 206 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (und wenn die Eltern dabei sind, ist der Film ab 6 Jahre erlaubt)
–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Killers of the Flower Moon“

Metacritic über „Killers of the Flower Moon“

Rotten Tomatoes über „Killers of the Flower Moon“

Wikipedia über „Killers of the Flower Moon“ (deutsch, englisch) und die historischen Hintergründe (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Oktober: Menschliche Dinge

Oktober 18, 2023

Servus TV, 22.30

Menschliche Dinge (Les choses humaines, Frankreich 2021)

Regie: Yvan Attal

Drehbuch: Yvan Attal, Yaël Langmann

LV: Karine Tuil: Les Choses humaines, 2019 (Menschliche Dinge)

Hat der 22-jährige Alexandre die 16-jährige Mila vergewaltigt? Oder war es doch einvernehmlicher Sex? Der Vorwurf soll vor Gericht geklärt werden.

TV-Premiere. Yvan Attal bemüht sich in seinem Drama, die verschiedenen Perspektiven und Interpretationen objektiv darzustellen. Das wird dann, vor allem während der einen großen Teil des Films einnehmenden Gerichtsverhandlung, etwas didaktisch. Durch seine Inszenierung und die damit verbundene Anordnung der einzelnen Statements und Perspektiven legt er dann doch eine Interpretation des Ereignisses nahe.

Nach dem Abspann kann dann mit Freunden, Bekannten und der Familie heftig darüber diskutiert werden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlotte Gainsbourg, Matthieu Kassovitz, Pierre Arditi, Ben Attal, Suzanne Jouannet, Audrey Dana, Benjamin Lavernhe, Judith Chemla

Hinweise

Moviepilot über „Menschliche Dinge“

AlloCiné über „Menschliche Dinge“

Rotten Tomatoes über „Menschliche Dinge“

Wikipedia über „Menschliche Dinge“

Meine Besprechung von Yvan Attals „Menschliche Dinge“ (Les choses humaines, Frankreich 2021)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Verhandlungssache

Oktober 17, 2023

Kabel Eins, 20.15

Verhandlungssache (The Negotiator, USA 1999)

Regie: F. Gary Gray

Drehbuch: James DeMonaco, Kevin Fox

Lieutenant Danny Roman (Samuel L. Jackson) ist Verhandlungsspezialist der Polizei von Chicago. Jetzt wird er verdächtigt, seinen besten Freund ermordet zu haben. In einem Hochhaus wird er zum Geiselnehmer. Er fordert seinen Kollegen Chris Sabian (Kevin Spacey) als Verhandlungsführer an. Sabian soll seine Unschuld beweisen und dabei einige korrupte Polizisten überführen. Diese wollen das natürlich verhindern.

Spannender Polizeithriller und ein grandioses Schauspielerduell zwischen Samuel L. Jackson und Kevin Spacey.

Drehbuchautor James DeMonaco ist auch für das „The Purge“-Franchise veranwortlich.

mit Samuel L. Jackson, Kevin Spacey, David Morse, Ron Rifkin, John Spencer, J. T. Walsh, Paul Giamatti, Siobhan Fallon, Dean Norris, Tom Bower, Paul Guilfoyle, Robert David Hall

Wiederholung: Donnerstag, 19. Oktober, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verhandlungssache“

Wikipedia über „Verhandlungssache“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Straight Outta Compton“ (Straight Outta Compton, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ (The Fate of the Furious, USA 2017)


TV-Tipp für den 17. Oktober: Zähl bis drei und bete

Oktober 16, 2023

ServusTV, 22.10

Zähl bis drei und bete (3:10 to Yuma, USA 1957)

Regie: Delmer Daves

Drehbuch: Halsted Welles

LV: Elmore Leonard: Three-Ten to Yuma, 1953 (Die Kurzgeschichte erschien zuerst in Dime Western, später in den Sammlungen „The Tonto Woman and other Western stories“ und „Complete Western stories“)

Der arme Rancher Dan Evans (Van Heflin) will den gesuchten Gangster Ben Wade (Glenn Ford) für eine Belohnung, die er dringend zum Überleben braucht, in Yuma abliefern. Aber Wades Bande will verhindern, dass Evans und sein Gefangener den Zug nach Yuma erreichen.

Ein viel zu selten; – naja, fast nie gezeigter Western-Klassiker, der 2007 von James Mangold mit Russell Crowe und Christian Bale durchaus gelungen, aber viel pompöser noch einmal verfilmt wurde. Delmer Daves braucht für sein packendes Moralstück letztendlich nur zwei Männer und ein Hotelzimmer.

„Delmer Daves‘ bester Film degradiert in seiner Analyse einer Held-Schurken-Partnerschaft und eines heroischen Einzelgangs Fred Zinnemanns ‚High Noon‘ zu einer Angelegenheit von geradezu lachhafter, welt- und westernfremder Simplizität.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

mit Glenn Ford, Van Heflin, Felicia Farr, Leora Dana, Henry Jones, Richard Jaeckel

Wiederholung: Mittwoch, 18. Oktober, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zähl bis drei und bete“

Wikipedia über „Zähl bis drei und bete“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Delmer Daves‘ „Der letzte Wagen“ (The last wagon, USA 1956)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Gefahr im Verzug

Oktober 15, 2023

Arte, 20.15

Gefahr im Verzug (Péril en la demeure, Frankreich 1984)

Regie: Michel Deville

Drehbuch: Michel Deville

LV: René Belletto: Sur la terre comme au ciel, 1982 (Himmlische Tage und tödliche Affären)

Julia, die Mutter einer seiner Schülerinnen, macht den Gitarrenlehrer David zu ihrem Geliebten. Als er eines Nachts überfallen wird, wird er von einem Profikiller gerettet – und schon ist der nichtsahnende Lehrer knietief in ein ziemlich undurchsichtiges Komplott verwickelt.

„Vor dem Hintergrund einer angedeuteten Kriminalhandlung inszeniert Deville ein Sechs-Personen-Ballett um Liebe, Erotik und Tod.“ (Fischer Film Almanach 1986) – Das klingt doch vielversprechend.

mit Anémone, Richard Bohringer, Nicole Garcia, Christophe Malavoy, Michel Piccoli, Hélène Roussel

Wiederholung: Mittwoch, 18. Oktober, 14.15 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Gefahr im Verzug“

Rotten Tomatoes über „Gefahr im Verzug“

Wikipedia über „Gefahr im Verzug“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 15. Oktober: James Bond 007: Skyfall

Oktober 14, 2023

 

Sat.1, 20.15

James Bond 007: Skyfall (Skyfall, Großbritannien/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

James Bond jagt Raoul Silva, der zuerst die Datei mit den Identitäten von allen Geheimagenten, die undercover in Terroristennetzwerken arbeiten, entwendet und dann den gesamten britischen Geheimdienst ins Nirvana schicken will, weil M(ama) nicht nett zu ihm war.

Insgesamt ein sehr erfreulicher James-Bond-Film, in dem wir letztendlich mehr über Bond erfahren, als wir jemals wissen wollten – und den ich zum Kinostart ausführlich besprochen habe.

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney, Rory Kinnear, Ola Rapace

Hinweise

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „1917“ (1917, USA 2019)

Meine Besprechung von Sam Mendes‘ „Empire of Light“ (Empire of Light, Großbritannien 2022)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Im Verhörzimmer: Wim Wenders über “Anselm – Das Rauschen der Zeit”

Oktober 14, 2023

Kurz vor dem Kinostart von “Anselm – Das Rauschen der Zeit” durfte die Kriminalakte mit Wim Wenders über sein bildgewaltiges Künstlerporträt und seinen nächsten, in Japan spielenden wundervollen Film “Perfect Days” (Kinostart: 21. Dezember 2023) reden.

Anselm Kiefer ist einer der, vielleicht sogar der größte lebende deutsche Künstler. Er beschäftigt sich in seinem Werk immer wieder mit der deutschen Vergangenheit und deutschen Mythen. Über die überschwängliche Anerkennung im Ausland wurde er in den achtziger Jahren auch in Deutschland anerkannt. Die Verleihung des Wolf-Preises 1990 sorgte für eine weitere Revision der bundesdeutschen Kiefer-Rezeption. Gleichzeitig erweiterte Kiefer seinen Themenkreis von der deutschen Geschichte hin zu orientalischen Kulturen, jüdischer Mystik, Astronomie und Kosmogonien.

Seine Werk umfasst Fotografie, Künstlerbuch, Holzschnitt, Malerei, Skulptur, Bühnenbild, Installation und Architektur. Seine Werke sind oft sehr groß. In Barjac, das sich grandios als Kulisse für eine Spielfilm-Dystopie eignet, gibt es mehrstöckige Häuser, ein Amphitheater und viele weitere Installationen, die – wenn man nicht das Freilichtmuseum besuchen will – auf einer großen Kinoleinwand überwältigend gut aussehen. Wim Wenders zeigt das in „Anselm – Das Rauschen der Zeit“.

Wim Wenders ist ebenfalls Jahrgang 1945 und er ist einer der wenigen weltweit anerkannten und bekannten deutschen Regisseure. Zu seinen bekanntesten und wichtigsten Filmen gehören “Alice in den Städten”, “Im Lauf der Zeit”, “Der amerikanische Freund”, “Paris, Texas” und “Der Himmel über Berlin”. Noir-Fans lieben auch seine Joe-Gores-Verfilmung “Hammett”. Neben den Spielfilmen inszenierte er zahlreiche Dokumentarfilme, wie “Tôkyô-ga“, “Pina“, “Das Salz der Erde” und, zuletzt, “Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“.

Wim Wenders über die erste Begegnung mit Anselm Kiefer und wie es zu „Anselm“ kam:

Das war im Februar 1991. Ich war damals in Berlin und habe einen meiner Filme geschnitten. Abends bin ich immer zu Fuß in mein Lieblingsrestaurant, das „Exil“, gegangen. Anselm hat zur gleichen Zeit mehrere Wochen lang seine Ausstellung in der Nationalgalerie vorbereitet. Eines Tages kam er in das „Exil“. Es war ihm wohl empfohlen worden. Es gab nur einen Tisch mit einem freien Platz. Das war meiner. Er hat sich zu mir hingesetzt. Ich wusste, wer er ist. Und er wusste wohl auch, wer ich war. Wir haben, etwas schüchtern, angefangen, uns zu unterhalten. Wir verstanden uns gut. Er bot mir sogar eine seiner Zigarren an. In der Zeit war das „Exil“ immer unglaublich verqualmt.

Am Ende des Abends verabredeten wir uns für den nächsten Abend. Das haben wir fast zwei Wochen lang gemacht und viel über uns erfahren.

In den zwei Wochen kam dann irgendwann der feste Plan für einen Film auf. Ich wusste, dass Anselm ein Maler war, der auch eigentlich Filme machen wollte. Er wusste, dass ich ein Filmemacher war, der eigentlich Maler werden wollte. Wir dachten, dass wenn wir zwei was machen würden, daraus etwas Interessantes entstehen könnte.

Das hat dann Gott sei Dank dreißig Jahre gedauert. Ich weiß nicht, was damals aus unserer Idee geworden wäre.

Über seinen ersten Besuch in Barjac, die Dreharbeiten und den Schnitt:

Vor dreißig Jahren wäre es jedenfalls ein völlig anderer Film geworden. Ich habe ja erst langsam die Möglichkeiten des Dokumentarfilm entdeckt. Dass ich „Anselm“ in 3D drehen würde, wusste ich nach meinem ersten Besuch in Barjac. 2019 lud mich Anselm dorthin ein. Er gab mir eine Karte vom Gelände und hat mich allein gelassen.

Das mache ich sehr gerne, dass mir niemand was erklärt und ich alles allein erkunde. Im Museum nehme ich keine Audioguides mit. Städte erkunde ich lieber mit einem Stadtplan als mit einem Navi. Ich möchte einfach gucken. Und wenn ich dann was verpasse, dann ist das völlig egal.

Ich verbrachte dann den ganzen Tag auf dem Gelände. Zehn Stunden. Es war ein schöner Sommertag. Ich habe mich in den Gängen verloren und musste manchmal wieder zurückgehen, um den Weg rauszufinden. Ich sah das Amphitheater, die ganzen Häuser und die Himmelspaläste.

Am Abend haben wir uns wieder gesehen. Und dann habe ich eigentlich gleich, als wir uns hingesetzt haben, gesagt: „Ich weiß, warum du mich eingeladen hast.“ Er sagte: „Ich werde älter und möchte nicht, dass wir den Film erst machen, wenn ich sowieso alles vergessen habe.“ Danach versprachen wir uns, dass wir bald mit dem Film anfangen würden.

Als ich das erste Mal in Barjac drehte, wusste ich noch nicht, wie der Film am Ende aussehen sollte. Ich sagte ihm, wann ich wo drehte. Beim Dreh im Odenwald war er nicht dabei. In Rastatt nur am Schluss. In Barjac haben wir sieben Mal gedreht. Während des zweieinhalbjährigen Drehs schnitten wir den Film. Der Rohschnitt hat dann beeinflusst, was wir drehten. So wussten wir irgendwann, dass auch Anselms Zeit im Odenwald und seine Kindheit in den Film gehörten.

Ganz am Schluss bemerkten wir, dass wir Anselm noch nicht in einer Ausstellung gezeigt hatten. Da erzählte er mir von seiner geplanten Ausstellung im Dogenpalast in Venedig. Diese Ausstellung war der letzte Dreh. Kurz danach war der Film fertig.

Im Nachhinein ist vielleicht einiges zu kurz gekommen. Aber ich wollte nicht alles zeigen. Ich will die Zuschauer mitnehmen in dieses Universum von Anselm Kiefer.

Über die Zusammenarbeit mit Anselm Kiefer:

Anselms Ästhetik ist in jedem seiner Gebäude und all seinen Werken, die in Barjac stehen. Barjac ist ein großes Gesamtkunstwerk, unter und oberirdisch.

Er arbeitet gerne alleine und mitten in der Nacht, wenn keine Seele mehr wach ist. Dann steigt er in seine Schluppen und zieht den Bademantel an. Er malt dann bis die Sonne aufgeht. Danach geht er wieder schlafen.

Auf die Gestaltung des Films hat er keinerlei Einfluss gehabt. Er wollte das auch absolut nicht. Er sagte mir: „Du sagst mir, was du drehen willst und dann bin ich da.“

Der einzige Widerspruch von ihm war, als er bei einem langen Gespräch sagte: „Findest du nicht auch, dass es das Langweiligste ist, einen Maler beim Malen zu sehen?“ Ich sagte ihm, dass ich ihm gerne dabei zusähe. Dann hat er ein bisschen gegrummelt, aber weil er mir ja vorher gesagt hatte, ich könne machen, was ich wolle, hat er letztlich zugestimmt.

Vor den Dreharbeiten: Gespräche mit Anselm Kiefer und die Bedeutung des Rheins für Kiefer und Wenders:

Zur Vorbereitung des Films haben Anselm und ich erst einmal lange geredet. Wir haben uns an zehn Tagen getroffen und für jeden Tag ein Thema gehabt. Wir haben uns ziemlich gut an das für den Tag vorgegebene Thema gehalten und in allen Facetten, auch mit Beispielen aus seinen Arbeiten, beleuchtet. Wir haben alles aufgenommen. Daraus wurden allen Ernstes 1200 Transkriptseiten, die mein Büro schreiben musste.

Aber es war gut, denn so musste ich ihn später nicht mehr über sein Leben und seine Ansichten befragen. Ich habe ihn auch beobachtet. Wenn man sich genauer kennenlernt, merkt man auch, wie viel Kind in jemand übrig geblieben ist. Ich habe dafür einen besonderen Blick. Ich will in einem Erwachsenen eigentlich immer das Kind erkennen, das er oder sie mal war. Manchmal sieht man nichts. Bei vielen Menschen sieht man es nicht mehr. Ich weiß nicht, wie das bei mir selbst ist, aber es liegt auch an anderen, das zu sehen. In Anselm habe ich das Kind gut gesehen.

Damals habe ich nicht gedacht, dass seine Kindheit im Film vorkommen würde. Ich wollte nur, dass wir über alles, was mir wichtig schien, reden.

Nachdem wir schon einige Male gedreht hatten, bemerkte ich, dass ich das Thema Kindheit nur über Text behandelte. Dabei wollte ich im Film nichts sagen. Ich wollte auch nicht, dass Anselm im Film viel redet.

Da habe ich gedacht: dann muss ich es inszenieren. In dem Moment hat mir geholfen, dass ich zu dem Zeitpunkt das Haus entdeckte, in dem Anselm als Kind lebte, und das er zurückgekauft hatte. Sein Vater unterrichtete an dieser Grundschule. Anselm wohnte in einem Zimmer unter dem Dach, das immer noch so erhalten ist.

Seine Kindheit habe ich dann in dem Zimmerchen unter dem Dach und dem nahen Rhein inszeniert. Ich wusste, dass er viel Zeit am Rhein zugebracht hat.

Das verband mich mit ihm. Der große Abenteuerplatz meiner Kindheit war der Rhein. In Düsseldorf gab es auch nichts anderes. Da gab es den Rhein und die Rheinwiesen. Vieles war verboten. Trotzdem sind wir als Kinder dann doch in die Ruinen reingegangen. Wir waren immer in den Trümmern.

Aber der Rhein und der Geruch des Rheins sind meine allertiefste Erinnerung. Der Rhein hat Anselm und mich verbunden. Außerdem unser Aufwachsen in einem Land, das es nicht mehr gab und das nach dem Krieg erst wieder neu erfunden werden musste.

Über Daniel Kiefer (Sohn von Anselm Kiefer) und Anton Wenders (Großneffe von Wim Wenders), die Anselm Kiefer als jüngeren Mann und Jungen spielen:

Wir haben Daniel Kiefer als jungen Anselm genommen, ohne Anselm zu fragen. Das wollte er so. Er hat mir vorher gesagt: „Ich will nicht wissen, was du drehst. Du drehst, was du willst. Solange du mich überraschst, kannst du drehen, was du willst. Von mir kriegst du keinen Input.“

Daniel war für mich wichtig, weil er mein einziger Zeitzeuge für die fünfzehn Jahre war, in denen Anselm niemand traf. Nur seine Frau und seine Kinder wussten, wie er gelebt hat. Es gibt ein paar Fotos, aber es hat ihn dort im Odenwald niemand besucht. Da war kein Galerist, da war kein Kunsthändler, da war kein Kunstgeschichtler, Anselm ist fünfzehn Jahre in völliger Anonymität als Maler großgeworden und hat vieles von dem, was sein Schaffen ausmacht, in den Grundzügen schon im Odenwald in Hornbach in seinem Atelier in der Dorfschule geschaffen. Er hat da ganz allein gearbeitet und war völlig unbekannt. Der einzige, der ein bisschen was von seinem Werk kannte, war Joseph Beuys. Zu ihm ist er, mit ein paar aufgerollten Leinwänden, hin und wieder gefahren. Kiefers Frau arbeitete als Lehrerin. Anselm beaufsichtigte die Kinder. Er hat gekocht, viel im Haushalt gemacht und er malte. Daniel saß dann oft auf dem Dachboden-Atelier bei ihm. Sie unternahmen auch viele gemeinsame Fahrradtouren.

Erst von Daniel erfuhr ich, dass Anselm fast jeden Tag die Landschaft fotografierte. Bis heute gehen viele seiner Bilder zurück auf diese Fotos. Anselms gesamte Malerei ist nach wie vor realitäts- und fotobezogen.

Daniel war für diese Zeit mein Kronzeuge. Nachdem er mir so viel über seinen Vater erzählt hatte, habe ich ihn gefragt, ob er sich, wenn wir die richtigen Drehorte fänden, zutrauen würde, seinen Vater zu spielen. Er war einverstanden.

Nach den Aufnahmen mit Daniel, in denen wir einen Maler zeigen, den niemand kennt, entschloss ich mich, auch Anselms Kindheit in Ottersdorf zu zeigen.

Wir suchten in der Gegend von Karlsruhe nach Kindern, die den dortigen Akzent beherrschen. Anselm hat als Junge richtig fett badisch gesprochen. Den Akzent hat er immer noch. Beim Casting überzeugte mich niemand und ich überlegte schon, wie ich diesen Abschnitt aus Anselms Leben anders zeigen könnte.

Als ich das nächste Mal bei meiner Familie in München war, hat mein Großneffe Anton mir mal wieder die Welt erklärt. Das kann er gut. Er will Wissenschaftler werden. Er weiß wirklich sehr viel über Physik, Biologie und Chemie. Er programmiert auch Computer. Ich habe ihm nur zugehört und zugeguckt und dachte: „Warum suchst du denn groß? Er hat alles, was du suchst.“

(Den zweiten Teil des Interviews gibt es im Dezember zum Start von „Perfect Days“. Foto: Axel Bussmer)

Anselm – Das Rauschen der Zeit (Deutschland/Frankreich 2023)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders

mit Anselm Kiefer, Daniel Kiefer, Anton Wenders

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Anselm“

Moviepilot über „Anselm“

Rotten Tomatoes über „Anselm“

Wikipedia über „Anselm“ (deutsch, englisch), Anselm Kiefer (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eric Fiedlers „It must schwing – The Blue Note Story“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ “Anselm – Das Rauschen der Zeit” (Deutschland/Frankreich 2023)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders

 


TV-Tipp für den 14. Oktober: Bombshell – Das Ende des Schweigens

Oktober 13, 2023

ZDFneo, 20.15/23.30

Bombshell – Das Ende des Schweigens (Bombshell, USA/Kanada 2019)

Regie: Jay Roach

Drehbuch: Charles Randolph

Gelungenes, nah an den Fakten entlang erzähltes, leicht satirisches Drama über die Klagen von Gretchen Carlson und Megyn Kelly gegen ihren Arbeitgeber Fox News.

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt ZDFneo die spielfilmlange Doku „Harvey Weinstein – Macht und Missbrauch“ (Großbritannien 2019).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Nicole Kidman, Margot Robbie, John Lithgow, Kate McKinnon, Allison Janney, Connie Britton, Mark Duplass, Nazanin Boniadi, Malcolm McDowell

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bombshell“

Metacritic über „Bombshell“

Rotten Tomatoes über „Bombshell“

Wikipedia über „Bombshell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Trumbo“ (Trumbo, USA 2015)

Meine Besprechung von Jay Roachs „Bombshell – Das Ende des Schweigens“ (Bombshell, USA/Kanada 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Wim Wenders über Kiefer, „Anselm – Das Rauschen der Zeit“

Oktober 13, 2023

Wim Wenders erkundet Städte und Museen gerne auf eigene Faust. Er läuft los und lässt sich überraschen. Auch Barjac erkundete er so. Anselm Kiefer hatte ihm einen Plan der Anlage gegeben und ließ den gleichaltrigen Wenders losziehen. Das war 2019. Danach wusste Wenders, dass er jetzt endlich den schon seit Ewigkeiten geplanten Film mit und über Anselm Kiefer machen musste.

Der am 8. März 1945 in Donaueschingen geborene Kiefer ist einer der, vielleicht sogar der größte deutsche Künstler. Er beschäftigt sich immer wieder mit der deutschen Vergangenheit und deutschen Mythen. Erst über die Anerkennung im Ausland wurde er in den achtziger Jahren auch in Deutschland anerkannt. Die Verleihung des Wolf-Preises 1990 sorgte für eine weitere Revision der bundesdeutschen Kiefer-Rezeption. Gleichzeitig erweiterte Kiefer seinen Themenkreis von der deutschen Geschichte hin zu orientalischen Kulturen, jüdischer Mystik, Astronomie und Kosmogonien.

Seine Werk umfasst Fotografie, Künstlerbuch, Holzschnitt, Malerei, Skulptur, Bühnenbild, Installation und Architektur. Seine Werke sind oft sehr groß. In Barjac, das sich grandios als Kulisse für eine Spielfilm-Dystopie eignet, gibt es mehrstöckige Häuser, ein Amphitheater und viele weitere Installationen, die – wenn man nicht das Freilichtmuseum besuchen will – auf einer großen Kinoleinwand überwältigend gut aussehen.

Ob das unbedingt in 3D sein muss, ist dagegen eher Geschmacksache. Ich empfand die 3D-Bilder, wieder einmal, als zu dunkel und unnatürlich.

Diese Idee des ziellosen Erkundens überträgt Wenders auf seinen Dokumentarfilm „Anselm – Das Rauschen der Zeit“. Er erkundet, was oft begeht bedeutet, die Werke von Kiefer. Er zeigt ihn bei der Arbeit in seinem riesigen Atelier mit seinen Assistenten und seinem Fahrrad, das er wegen der Größe seines Ateliers benötigt. Daneben taucht Wenders in die Vergangenheit von Kiefer und die damit verbundene Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik ein. Dabei nennt er, notgedrungen, die biographischen Eckdaten.

Trotzdem ist „Anselm“ kein konventioneller Dokumentarfilm mit vielen Informationen über die porträtierte Person. Das war, um einen anderen großen deutschen Künstler zu nennen, „Beuys“ von Andres Veiel.

„Anselm“ ist, auch für Wenders‘ Verhältnisse, ein Experimentalfilm, der einen ersten Eindruck von Kiefers Werk vermittelt. Er macht neugierig auf das Werk, die Person, seine Themen und die mit ihm verbundene Rezeptionsgeschichte.

Anselm – Das Rauschen der Zeit (Deutschland/Frankreich 2023)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders

mit Anselm Kiefer, Daniel Kiefer, Anton Wenders

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Anselm“

Moviepilot über „Anselm“

Rotten Tomatoes über „Anselm“

Wikipedia über „Anselm“ (deutsch, englisch), Anselm Kiefer (deutsch, englisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eric Fiedlers „It must schwing – The Blue Note Story“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders


TV-Tipp für den 13. Oktober: 7500

Oktober 12, 2023

3sat, 22.25

7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

auch bekannt als „Code 7500“ (alternativer TV-Titel)

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Zur neuesten Verfilmung von Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“

Oktober 12, 2023

Die erste Verfilmung entstand 1954, einundzwanzig Jahre nach dem Erscheinen der Vorlage. Schon damals verlegte der Drehbuchautor die Geschichte in die Gegenwart. 1973 und 2002 folgten die nächsten Verfilmungen, die Erich Kästners bekanntes Kinderbuch wieder mehr oder weniger gelungen modernisierten. Und jetzt gibt es die vierte Verfilmung, die sich erstaunlich unglücklich zwischen die Stühle setzt. Für Erwachsene ist das Ergebnis entsprechend ungenießbar. Kinder sehen das vielleicht anders.

Dabei inszenierte Regisseurin Carolina Hellsgård mit ihren vorherigen Filmen „Endzeit“ und „Sunburned“ zwei insgesamt sehenswerte Filme, die die Hoffnung auf eine interessante Neuinterpretation weckten. In beiden Filmen stehen junge Frauen, einmal ein Teenager, einmal zwei Mittzwanzigerinnen, im Mittelpunkt. Das Drehbuch ist von Gerrit Hermans. Er schrieb „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“, „Tabaluga – Der Film“ und „Vier zauberhafte Schwestern“. Tom Schilling, Trystan Pütter, Hannah Herzspurng und, in einer Minirolle, Jördis Triebel spielen mit.

Aber es nutzt nichts, dieses fliegende Klassenzimmer hebt nie ab. Und wer daran Schuld ist, ist natürlich offensichtlich: die Macher des Films.

Als ich allerdings Kästners Kinderbuch wieder las (ich hatte es schon einmal als Kind gelesen) und mir – endlich – die hochgelobte erste Verfilmung des „fliegenden Klassenzimmers“ (die jetzt wieder im Kino läuft) ansah, bemerkte ich, dass viele der Probleme der aktuellen Verfilmung schon im Buch und der ersten Verfilmung vorhanden sind. Für diese schrieb Kästner das Drehbuch. Am Anfang und Ende des Films hat er, wie im Buch, als Erzähler einen durchaus längeren Auftritt. Im allgemeinen wird diese Verfilmung als die originalgetreueste Verfilmung bezeichnet. Und sie ist auch sehr nah am Buch, das eine kurz vor Weihnachten spielende Abfolge von Episoden ist.

In Hellsgårds Remake steht die 13-jährige Martina (Martin in Kästners Buch) im Mittelpunkt der Geschichte. Sie lebt in Berlin in einer Hochhaussiedlung in ärmlichen Verhältnissen. Als sie zur Prüfung für ein Stipendium am begehrten Südtiroler Johann-Sigismund-Gymnasium zugelassen wird, ist sie begeistert. Für die Prüfung muss sie nach Kirchberg fahren und im Sommer einige Wochen im Internat verbringen.

In dem, bis auf einen kleinen Skatepark und einige akkurate Graffitis, aus der Zeit gefallenem, beschaulichen Dorf herrscht seit Ewigkeit ein erbitterter Krieg zwischen den Externen und den Internen. Die Externen sind die im Dorf lebenden Schüler. Die Internen sind die in der „Schülerkaserne“ (Kästner) lebenden Schüler. Den Grund für die Feindschaft kennt niemand mehr, aber das hindert die Kinder nicht daran, die Feindschaft zwischen den Internen und den Externen zu pflegen. Deshalb wird Martina, wenige Minuten nachdem sie ihre neuen ‚internen‘ Schulfreunde kennen gelernt hat, von einigen Externen durch das Dorf gejagt.

Dieser Krieg zwischen den beiden Gruppen führt, wie im Roman, zur Entführung eines Klassenkameraden der Internen. Während seiner Befreiung kommt es zu einer großen Schlägerei zwischen den Internen und den Externen. Im Roman im Schnee und mit einer Schneeballschlacht. Im Film am See mit Plantschen im See. Es gibt auch die Mutprobe von Uli, der nicht mehr für eine Feigling gehalten werden will. Beide Male endet sie im Krankenhaus. Es gibt die Proben für das von den Schülern inszenierte Theaterstück „Das fliegende Klassenzimmer“. Am Ende des Films sehen wir das Stück. Es gibt selbstverständlich den legendären „Nichtraucher“, der in einem stillgelegtem Eisenbahnwagon lebt, viel liest, musiziert und raucht.

Dass jetzt Jungen und Mädchen gemeinsam die Schule besuchen und dass die Geschichte von den Vorweihnachtstagen in den Sommer verlegt ist kein Problem. Auch Kästners Botschaft, die am Ende des Films vom „Nichtraucher“, dem Erzählers des Films, nochmal erklärt wird, ist immer noch richtig. Aber auch etwas von der Realität überholt. Vor neunzig Jahren war sie revolutionär. Bei ihm sind die Schüler (es ist ein reines Jungeninternat) eigenständige Menschen, die in der Schule von ihren Lehrern auch so wahrgenommen werden. Sie haben viel freie Zeit, die sie unbehelligt von den Lehrern und schulischen Pflichten außerhalb des Internats verbringen können. Die Lehrer wollen sie auf ihr künftiges Leben vorbereiten. Sie erklären ihnen alles. Sie wollen sie mit besseren Argumenten und Geschichten überzeugen. Das war damals ein utopischer Gegenentwurf zum Kasernenhofton, dem Kadavergehorsam und der Prügelstrafe. In „Das fliegende Klassenzimmer“ verprügeln sich die Schüler untereinander. Heute ist das, was bei Kästner eine Utopie ist, in der Schule schon seit Jahrzehnten gelebte Realität.

Die Schauspieler überzeugen nicht. Teils müssen sie mit papiernen Dialogen kämpfen. Tom Schilling ist als sich streng gebenden Internatsleiter Justus Bökh eine glatte Fehlbesetzung. Er wirkt immer zu jung für den Posten, den er hat, und es gelingt ihm nie, die richtige Balance zwischen strengen Auftritten und gutmütig-vertrauensvollen Gesprächen mit den Internen, vor allem mit Martina und ihren neuen Freunden, zu finden.

Auch seine Beziehung zum „Nichtraucher“ wirkt mit einem behaupteten Konflikt künstlich. Bei Kästner ist das anders. Da gibt es keinen Konflikt zwischen den beiden Jugendfreunden. Da meint Justus Bökh, nachdem er von seinen Schülern zum „Nichtraucher“ geführt wurde, nur „Alter Junge! Dass ich dich endlich wiederhabe!“ und sie beginnen einträchtig in Erinnerungen zu schwelgen.

Carolina Hellsgård inszeniert das episodische Drehbuch ohne ein Gefühl für die Welt der auf das Johann-Sigismund-Gymnasium gehenden Schüler. Bei Kästner waren die Schüler liebenswerte Bengel. Bei Hellsgård sind sie alles und nichts, auf dem Weg zu einem Fotoshooting.

Im aktuellen „Fliegenden Klassenzimmer“ wird zu viel aus Kästners neunzig Jahre altem und damit, notgedrungen, teilweise veraltetem Buch bruchlos übernommen, und viel zu wenig konsequent der Gegenwart angepasst. Das endet in einem Fantasieland, in dem die Einrichtung des Internats aus den Siebzigern kommt und der Eisenbahnwaggon, in dem „Nichtraucher“ lebt, von außen ein richtig alter, enger Eisenbahnwagen, von innen ein viel größerer, ungefähr quadratischer Raum mit viel Platz für viel Zeug ist.

Das fliegende Klassenzimmer (Deutschland 2023)

Regie: Carolina Hellsgård

Drehbuch: Gerrit Hermans

LV: Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer, 1933

mit Tom Schilling, Trystan Pütter, Hannah Herzsprung, Jördis Triebel, Leni Deschner, Lovena Börschmann Ziegler, Morten Völlger, Wanja Kube, Franka Roche, Holly Schiek, Leander Schumann, Aaron Sansi, Paul Sundheim, Gabriel Salhab, David Bredin, Anna Ewelina

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Die Vorlage (aktuell mit Filmcover und 16 Seiten Filmbilder; – so liebe ich Filmausgaben)

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

Atrium, 2023

192 Seiten

15 Euro

–

Erstausgabe

Friedrich Andreas Perthes, 1933

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das fliegende Klassenzimmer“

Moviepilot über „Das fliegende Klassenzimmer“

Wikipedia über „Das fliegende Klassenzimmer“ (2023) und der Vorlage

Meine Besprechung von Carolina Hellsgård Olivia-Vieweg-Verfilmung „Endzeit“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechng von Carolina Hellsgårds „Sunburned“ (Deutschland/Niederlande/Polen 2019)

Homepage von Carolina Hellsgård

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021) (überzeugend mit Tom Schilling als Fabian)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Luc Bessons „Dogman“

Oktober 12, 2023

Endlich! Nachdem Luc Bessons zuletzt überflüssige und schlechte Remakes seiner früheren Filme drehte, hat er mit „Dogman“ wieder einen Film inszeniert, der an sein Frühwerk anschließt. Weniger vom Inhalt, – die Story ist eine herrlich abgefahrene Pulp-Geschichte -, sondern von der Haltung. „Dogman“ ist originäres und auch originelles Kino, in dem die Bilder und die Inszenierung an erster Stelle stehen.

Im Mittelpunkt der in Newark, New Jersey, spielenden Geschichte steht der titelgebende „Dogman“. Er, stark geschinkt, blutverschmiert, ein Abendkleid und eine Perücke tragend, wird bei einer nächtlichen Polizeikontrolle verhaftet. Der Laderaum seines Lasters ist voller Hunde. Wer ist dieser seltsame, sich verdächtig höflich, rücksichtsvoll, fast schon devot verhaltende Mann mit den vielen Hunden?

Im Verhörzimmer beginnt Douglas die Geschichte seines Lebens zu erzählen.

Es ist die Geschichte eines Mannes, der mit Hunden besser zurecht kommt als mit Menschen. Sie sind seine Freunde. Sie helfen ihm, wenn er angegriffen wird. Und er sagt ihnen, wen sie angreifen und wen sie beschützen sollen.

„Dogman“ ist primär eine Charakterstudie. Wie in einem Porträt werden die wichtigen Stationen aus Dougs Leben behandelt. Besson wechselt dabei immer wieder zwischen dem Gespräch bei der Polizei, in dem Doug freimütig die Geschichte seines Lebens erzählt und dies illustrierenden Rückblenden. Er erzählt ein Leben, das über weite Strecken ein Leben voller Demütigungen, seltener Triumphe, Verbrechen und einer tiefen Freundschaft zu Hunden ist. Sie helfen ihm immer wieder, halten ihn am Leben und werden von ihm trainiert. Beispielsweise um perfekt koordinierte Einbrüche zu begehen.

Die Hunde – es wurde mit echten Hunden gedreht – sind erschreckend ‚menschlich‘. Nicht in einer platten Vermenschlichung, wie wir sie aus Dokumentarfilmen kennen, sondern, wie bei einem Pantomimen. Ihre Bewegungen, die Haltung ihres Kopfes und wie sie die Menschen beobachten, sagen alles. Ohne ein Wort zu sagen.

Die sich aus der Ausgangsfrage entwickelnde Story ist ein düsteres und auch brutales Noir-Märchen. Es ist eine krude Pulp-Geschichte, in der die Figuren, außer Doug (Caleb Landry Jones; grandios!), ziemlich eindimensionale Abziehbilder sind. So ist Clemens Schick als Dougs Vater in einem seltsam ortlosen Fünfziger-Jahre-Hillbilly-Amerika vor allem und nur ein die Familie und Doug quälender Tyrann.

Aber das ist nur ein kleiner Einwand gegen ein Noir-Märchen, das vor allem mit seinen Bildern, dem Schnitt, dem Hauptdarsteller und den Hunden überzeugt.

„Dogman“ ist endlich wieder KINO von dem Mann, der mit „Der letzte Kampf“ (sein hier fast unbekanntes Debüt), „Subway“, „Im Rausch der Tiefe“, „Nikita“, „Léon – Der Profi“, „Das fünfte Element“ und „Johanna von Orleans“ (gut, der ist schwächer, aber auch er hat eine überwältigende Vision) in den achtziger und neunziger Jahren einen bemerkenswerten Film (um hier nicht „Klassiker“ zu sagen) nach dem nächsten inszenierte.

Nach „Dogman“ bin ich endlich wieder gespannt auf seinen nächsten Film.

Dogman (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson

mit Caleb Landry Jones, Jojo T. Gibbs, Christopher Denham, Grace Palma, Clemens Schick, John Charles Aguilar, Marisa Berenson, Lincoln Powell, Alexander Settineri

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Dogman“

Moviepilot über „Dogman“

Metacritic über „Dogman“

Rotten Tomatoes über „Dogman“

Wikipedia über „Dogman“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Oktober: Der unverhoffte Charme des Geldes

Oktober 11, 2023

Servus TV, 20.15

Der unverhoffte Charme des Geldes (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)

Regie: Denys Arcand

Drehbuch: Denys Arcand

In Montreal stolpert Paketfahrer Pierre-Paul Daoust, hochintelligenter, studierter Philosoph, leidenschaftlicher Kaptitalismusgegner und überaus gesetztestreuer Bürger, in einen schief gehenden Überfall. Bevor die Polizei auftaucht, versteckt er die Beute in seinem Laster. Danach steht er vor der Frage, was er mit den Säcken voller Geld machen soll. Eine Escort-Dame, ein vorbestrafter Finanzjongleur und ein Offshore-Banker wollen ihm helfen das Geld zu waschen. Gleichzeitig suchen die Polizei und einige Mafiosi die Beute.

Muntere, äußerst philosophische Krimikomödie, die gleichzeitig eine Lehrstunde in der Kunst des Geldwaschens ist und eine sehr interessante Antwort auf die Frage gibt, was ein armer, ehrlicher Mann macht, wenn er plötzlich reich ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des humanistischen Verbrecherfilms.

mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Pierre Curzi, Vincent Leclerc, Louis Morissette, Maxim Roy

Wiederholung: Freitag, 13. Oktober, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Metacritic über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Rotten Tomatoes über „Der unverhoffte Charme des Geldes“

Wikipedia über „Der unverhoffte Charme des Geldes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denys Arcands „Der unverhoffte Charme des Geldes“ (La chute de l’empire américain, Kanada 2018)


TV-Tipp für den 11. Oktober: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

Oktober 10, 2023

Kabel Eins, 23.00

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (Out of Time, USA 2003)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen von Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Donnerstag, 12. Oktober, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über”Out of Time”

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Oktober: Geronimo – Eine Legende

Oktober 9, 2023

Servus TV, 22.10

Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend, USA 1993)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: John Milius, Larry Gross

Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.

Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)

mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon

Wiederholung: Mittwoch, 11. Oktober, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geronimo“

Wikipedia über „Geronimo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „The Ritual Killer“ serienkillt sich durch Clinton, Mississippi

Oktober 9, 2023

Die Opfer von Randoku sind fürchterlich verstümmelt und sehr jung. Kinder. Randoku ist dabei kein normaler Serienkiller (wenn es so etwas überhaupt gibt), sondern ein afrikanischer Hexenmeister, der für gut betuchte Kunden Riten ausführt. Das tat er in Rom. Und jetzt in Clinton, Mississippi.

Der in Clinton ermittelnde Detective Lucas Boyd vermutet nach einer im Film nicht gezeigten Google-Recherche über die Mordmerkmale, dass es sich um Ritualmorde mit afrikanischem Hintergrund handelt. Er bittet den Afrikanistik-Professer Dr. Mackles um Hilfe. Dieser unterrichtet zufällig an der örtlichen Universität und er ist ebenso zufällig der Experte für die afrikanische Kultur und Zauberei.

Mehr oder weniger gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem Mörder. Währenddessen springt Regisseur George Gallo (Drehbücher/Story für „Wise Guys“, „Midnight Run“ und „Bad Boys“) möglichst viel und sinnfrei zwischen den voneinander unabhängigen Ermittlungen der Polizei in Rom und Clinton, Randokus Morden und den entspannten Nachmittagen von Randokus Auftraggeber. Das ist so ungeschickt, lustlos und mit dem Mut zur Lücke – elliptisches Erzählen kann das nicht genannt werden – zusammengefügt, dass ich mich fragte, ob „The Ritual Killer“ ein Abschreibungsprojekt ist, bei dem allen gesagt wurde, dass sie nur zum Dreh erscheinen müssten. Oder ob aufgrund finanzieller Probleme nur ein Teil des Drehbuch verfilmt werden konnte.

Wobei die Szenen, die es in den fertigen Serienkillerthriller schafften, nicht so aussehen. Sie sind unbeholfen inszeniert und geschnitten. Die wenigen Actionszenen sind ein Graus. Die Dialoge ebenso. Da fechten die Schauspieler einen aussichtslosen Kampf mit dem von sechs Autoren geschriebenem Drehbuch und der abwesenden Regie aus. Cole Hauser, der aktuell in der TV-Serie „Yellowstone“ mitspielt, gelingt es nie, den von Erinnerungen an den tödlichen Verlust von Frau und Tochter geplagten Alkoholiker-Polizisten mit Selbstjustiz-Anwandlungen, auch nur halbwegs glaubhaft zu spielen. Wahrscheinlich guckt er deshalb immer so betrübt in die Kamera.

Immerhin ist Morgan Freeman als Dr. Mackles dabei. Freeman strahlt hier seine gewohnte und immer willkommene majestätische, über allen schlechten Drehbüchern und abwesenden Regisseuren stehende Ruhe aus. Er braucht keine Regieanweisungen, um zu überzeugen.

„The Ritual Killer“ ist ein lieblos runtererzählter, spannungsfreier Serienkillerthriller, der die bekannten Klischees ohne einen erkennbaren Funken von Inspiration oder Engagement vorhersehbar und mit dem Mut zur erzählerischen Lücke zusammenfügt.

The Ritual Killer (The Ritual Killer, USA 2023)

Regie: George Gallo

Drehbuch: Bob Bowersox, Jennifer Lemmon, Francesco Cinquemani, Giorgia Iannone, Luca Giliberto, Ferdinando Dell’Omo (nach einer Geschichte von Joe Lemmon, Francesco Cinquemani und Giorgia Iannone)

mit Morgan Freeman, Cole Hauser, Vernon Davis, Giuseppe Zeno, Murielle Hilaire, Luke Stratte-McClure, Brian Kurlander, Peter Stormare

–

Blu-ray

SquareOne Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9, 1080p HD)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Deutscher Trailer

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

DVD und Blu-ray sind ab dem 13. Oktober erhältlich.

Digital ist das Werk seit dem 5. Oktober verfügbar.

–

Hinweise

Moviepilot über „The Ritual Killer“

Metacritic über „The Ritual Killer“

Rotten Tomatoes über „The Ritual Killer“

Wikipedia über „The Ritual Killer“

Meine Besprechung von George Gallos „Kings of Hollywood“ (The Comeback Trail, USA 2020)


TV-Tipp für den 9. Oktober: Terminator

Oktober 8, 2023

Kabel 1, 20.15

Terminator (The Terminator, USA 1984)

Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron, Gale Anne Hurd

Los Angeles, 1984: Ein Terminator kommt aus der Zukunft. Er hat den Auftrag, Sarah Connor zu finden und zu töten. So soll verhindert werden, dass sie ein Kind bekommt, das in der Zukunft der Anführer des Widerstandes gegen die Roboter wird.

Zur gleichen Zeit wird Kyle Reese aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Er soll den Terminator zerstören, bevor dieser seine Mission ausführt.

Und schon beginnt eine actionhaltige Jagd durch Los Angeles.

Heute ein Science-Fiction-Klassiker, der etliche Karrieren beförderte.

Damals ein kleines B-Picture, von dem vor dem Kinostart niemand viel erwartete.

Anschließend, um 22.30 Uhr, zeigt Kabel 1 Paul Verhoevens „Robocop“ (USA 1987). Auch gewaltig kultig.

mit Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Rick Rossovich, Bill Paxton

Wiederholung: Dienstag, 10. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Terminator“

Metacritic über „Terminator“

Rotten Tomatoes über „Terminator“

Wikipedia über „Terminator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)

Meine Besprechung von James Camerons „Avatar: The Way of Water“ (Avatar: The Way of Water, USA 2022)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters Filmroman „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Meine Besprechung von Alan Taylors „Terminator: Genisys“ (Terminator: Genisys, USA 2015)

Meine Besprechung von Tim Millers „Terminator: Dark Fate“ (Terminator: Dark Fate, USA 2019)


TV-Tipp für den 8. Oktober: James Bond 007: Ein Quantum Trost

Oktober 7, 2023

Sat.1, 20.15

James Bond 007: Ein Quantum Trost (Quantum of Solace, Großbritannien 2008)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost, Ein Quantum Trost [Kurzgeschichte])

Die Story aka Der Vorwand für ganz viele, ganz doll im schlechten Jason-Bourne-Stil zerschnipselte Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (eine, wie wir jetzt wissen, Tarnorganisation von Spectre) an.

Auch wenn der zweite Einsatz von Daniel Craig als James Bond nicht der schlechteste Bond aller Zeiten ist, hat er unbestritten einen Platz in den Top Drei. Denn Craigs letzter Einsatz als James Bond „Keine Zeit zu sterben“ ist ebenfalls ziemlich katastrophal. „Octopussy“ ist auch ziemlich mies. „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat bei mir den Einer-der-ersten-Bond-Filme-die-ich-gesehen-habe-Bonus. Die anderen waren „Diamantenfieber“, „In tödlicher Mission“ und, ich glaube, „Feuerball“ – und immer im Kino; – ach, das wissen die Jüngeren wahrscheinlich nicht: bis in die neunziger Jahre liefen auch ältere Filme auch in der Provinz immer wieder regulär in normalen Kinos.

Anschließend, um 22.25 Uhr, zeigt Sat.1 „Stirb an einem anderen Tag„, mit Pierce Brosnan als James Bond.

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Wiederholung: Pro7, Freitag, 13. Oktober, 23.05 Uhr

–

Die titelgebende Kurzgeschichte ist enthalten in

Ian Fleming: In tödlicher Mission

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2013

272 Seiten

12,80 Euro

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Originalausgabe

For your eyes only, 1960

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Hinweise

Metacritic über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Rotten Tomatoes über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Wikipedia über „James Bond: Ein Quantum Trost“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Christopher Robin“ (Christopher Robin, USA 2018)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Ein Mann namens Otto“ (A man called Otto, USA 2022)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte