DVD-Kritik: Über Wolfgang Petersens Damals-Skandalfilm „Die Konsequenz“

Juli 4, 2022

Das muss ich für die Jüngeren jetzt wohl erst einmal erklären. Denn als „Die Konsequenz“ am 8. November 1977 im Fernsehen laufen sollte, gab es nur drei Fernsehprogramme: ARD, ZDF und ein drittes Programm, das in jeder Region von einem anderen Sender bestritten wurde. Die Norddeutschen konnten nur den Norddeutschen Rundfunk sehen. Die Hessen den Hessischen Rundfunk. Es gab auch einen Sendeschluss und, für die Stunden zwischen Sendeschluss und Sendebeginn, ein Testbild. „Die Konsequenz“ sollte damals im ersten Programm laufen. Deutschlandweit. Aber der Bayerische Rundfunk klinkte sich aus und zeigte ein anderes Programm. Das hatten die Bayern davor schon einige Male gemacht. Dieses mal sorgte diese Zuschauerbevormundung für einen veritablen Skandal – und einer Präsentation des TV-Films im Kino.

In seinem Film erzählt Wolfgang Petersens die Liebesgeschichte von Martin Kurath (Jürgen Prochnow) und Thomas Manzoni (Ernst Hannawald). Sie lernen sich im Gefängnis kennen. Martin ist inhaftiert wegen Unzucht mit einem Fünfzehnjährigem. Der Grund für die Strafe ist, wie Martin am Anfang sagt, nicht der Sex mit einer minderjährigen Person, sondern dass es schwuler Sex war.

Thomas ist der minderjährige Sohn des Wärters Giorgio Manzoni (Walo Lüönd). Er leidet unter den Ansprüchen seines konservativen Vaters, der niemals einen homosexuellen Sohn akzeptieren wird, und der Gesellschaft, die Homosexualität ablehnt.

Nach Martins Entlassung treffen sie sich weiter. Sie ziehen sogar zusammen.

Als Thomas‘ Eltern davon erfahren, schicken sie ihren Sohn in ein Erziehungsheim, in dem die Erziehung und der Umgang untereinander von Gewalt, Machokultur, Repression, Erniedrigung und auch Folter geprägt ist. Die Kinder werden dazu erzogen, ihre Gefühle zu verheimlichen und zu gehorchen. Der sensible Thomas will das Heim möglichst schnell verlassen. Martin will ihm dabei helfen. Allerdings ist das im legalen Rahmen nicht möglich.

Als Wolfgang Petersen „Die Konsequenz“ inszenierte, war er bereits ein bekannter Regisseur. Er inszenierte die durchgehend sehenswerten Finke-“Tatorte“, unter anderem „Reifeprüfung“, die -ky-Verfilmung „Einer von uns beiden“ (ebenfalls mit Prochnow) und „Smog“, eine Semidoku über eine mehrere Tage anhaltenden Smoglage im Ruhrgebiet. Einige Zuschauer hielten den Film (der mal wieder im TV gezeigt werden könnte) für einen Dokumentarfilm und er wurde breit diskutiert. 1981 folgte „Das Boot“.

Aus heutiger (und sicher auch aus damaliger) Sicht ist „Die Konsequenz“ ein etwas aus der Zeit gefallener Film. Handlungsorte und -zeit werden nie präzise genannt. Letztendlich spielt er irgendwo zwischen der Schweiz und Deutschland und eher in den sechziger als in den siebziger Jahren. Und er wurde in SW gedreht, obwohl damals eigentlich auch alle TV-Filme in Farbe gedreht wurden.

Außerdem wurde 1977 schon länger über Homosexualität und die Erziehung in Heimen gesprochen. Es gab in den Jahren davor wichtige Liberalisierungen in den Gesetzen und in der Gesellschaft. In der Erziehung wurde Gewalt immer stärker abgelehnt (Der Film „Freistatt“ gibt einen Einblick in die Heimerziehung in den Sechzigern.). Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ (1970) war der Startpunkt für die Schwulenbewegung – und einer der Filme, deren Ausstrahlung damals ebenfalls vom Bayerischen Rundfunk boykottiert wurde.

Die Konsequenz“ ist, trotz seiner Kritik am Strafvollzug, der Heimerziehung und dem Umgang mit Homosexuellen, kein Agitprop-Film, sondern eine sensibel erzählte Liebesgeschichte über zwei Liebende und den zahlreichen Widerständen, gegen die sie kämpfen müssen. Dass diese Liebenden Männer sind, ist da eher nebensächlich; – auch wenn es damals bei den Sittenwächtern zum Skandal taugte.

Ein Terminhinweis

Am Sonntag, den 10. Juli 2022, zeigt die Astor Film Lounge (Kurfürstendamm 225, 10719 Berlin) um 11.00 Uhr den Film. Anschließend gibt es ein Filmgespräch mit dem Hauptdarsteller Jürgen Prochnow.

Die Konsequenz (Deutschland 1977)

Regie: Wolfgang Petersen

Drehbuch: Wolfgang Petersen, Alexander Ziegler

LV: Alexander Ziegler: Die Konsequenz, 1975

mit Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Walo Lüönd, Edith Volkmann, Erwin Kohlund, Hans Irle, Erwin Parker, Alexander Ziegler, Werner Schwuchow, Hans-Michael Rehberg

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9 (1,37:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial (angekündigt): Booklet

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Blu-ray identisch

Hinweise

Filmportal über „Die Konsequenz“

Wikipedia über „Die Konsequenz“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Juli: Boulevard der Dämmerung

Juli 3, 2022

NDR, 23.55

Boulevard der Dämmerung (Sunset Boulevard, USA 1950)

Regie: Billy Wilder

Drehbuch: Charles Brackett, Billy Wilder, D. M. Marsham jr.

Am Filmanfang treibt Drehbuchautor Joe Gillis tot im Swimming Pool von Norma Desmond, einem Hollywood-Stummfilmstar, von dem niemand mehr etwas wissen will. Joe kommentiert aus dem Jenseits nicht nur die Arbeit der anwesenden Polizisten, sondern er erzählt uns auch, wie der finanziell notleidende Drehbuchautor die in einer Villa lebende Norma Desmond kennen lernte, ihr nicht ganz uneigennützig verfiel, starb und so für Norma Desmonds letzten großen Auftritt sorgt.

Ein Klassiker und eine grandiose Abrechnung mit der Traumfabrik Hollywood, die heute immer noch einer der besten Hollywood-Filme ist.

mit William Holden, Gloria Swanson, Erich von Stroheim, Nancy Olson, Fred Clark, Lloyd Gough, Jack Webb, Cecil B. DeMille, Buster Keaton, Hedda Hopper, Ray Evans, Anna Q. Nilsson, H.B. Warner, Jay Livingston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Boulevard der Dämmerung“

Wikipedia über „Boulevard der Dämmerung“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Sunset Blvd.“


TV-Tipp für den 3. Juli: Oblivion

Juli 2, 2022

Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Tom Cruise!

RTL II, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.45 Uhr gibt es ein Tom-Cruise-Porträt (von 2011) und um 23.20 Uhr „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (USA 1996).

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Montag, 4. Juli, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)

Meine Besprechung von Joseph Kosinkis „Top Gun: Maverick“ (Top Gun: Maverick, USA 2022)


TV-Tipp für den 2. Juli: Harold und Maude

Juli 1, 2022

3sat, 23.05

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Colin Higgins

Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.

Immer wieder gern gesehener Kultfilm!

Mit der Musik von Cat Stevens.

Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Harold und Maude“

Wikipedia über „Harold und Maude“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ (Harold and Maude, 1971)

Ein gelungener Fan-Trailer


Neu im Kino/Filmkritik: Wenn die „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ sind, gibt es Chaos

Juli 1, 2022

Sieben Jahre nach ihrem ersten Solofilm „Minions“ und zwölf Jahre nach ihrem ersten Kinoauftritt in „Ich – einfach unverbesserlich“ (Despicable me) sind die Minions mit „Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ zurück im Kino. Dieses Mal spielt der Film in den Siebzigern. Die Minions, kleine tollpatschige gutmütige gelbe Wesen, leben bei dem fast zwölfjährigem Gru. Sein größter Wunsch, Lebenstraum und Berufsziel ist es, ein gefürchteter Superschurke zu werden. Als bei den „Fiesen 6“ ein Platz frei wird, will er ein Mitglied der von ihm bewunderten Verbrecherbande werden.

Der Platz wurde frei, weil die Bande ihren Anführer Wilder Knöchelknacker tötete. Er hatte unmittelbar davor den wertvollen Zodiac-Stein gefunden und befand sich in einer hilflosen Lage. Soviel zu Vertrauen unter Ganoven. Dieser mit magischen Kräften ausgetattete Stein wird später im Film wichtig. Mehr oder weniger.

Gru soll für ein Vorstellungsgespräch zum Hauptquartier der Fiesen 6 kommen. Allein.

Aber die Minions folgen ihm heimlich. Um ihn zu unterstützen. Gleichzeitig sorgen sie für eine ordentliche Menge Chaos.

Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ erreicht niemals die Qualität von „Minions“, das rückblickend ein vergnügliches Abenteuer mit Action, Slaptstick und Gags ist. Natürlich gibt es dieses Mal wieder einige Gags und Slapstick. Kindern gefällt das fröhliche Scheitern der Minions und der anderen Verbrecher. Für die Älteren gibt es auch einige popkulturelle Anspielungen.

Die Story selbst ist eine vernachlässigbar-lieblose Ansammlung bekannter Standardsituationen. Schnell wird die Suche nach dem Mini-Boss zu einer Abfolge von Episoden. Etliche, z. B. wenn die Minions vollkommen ahnungslos ein Passagierflugzeug fliegen (köstlich!) oder sie eine Kung-Fu-Lehrstunde erhalten (weniger köstlich), bringen die Handlung nicht voran. Andere Episoden haben, egal wie sie enden, keinerlei Auswirkung auf die Geschichte und ihr Ende. Dazwischen sorgen die Minions mit ihren Aktionen immer wieder für Chaos, das sich in Wohlgefallen auflöst.

So ist der zweite „Minions“-Film ein egaler Animationsfilm mit einigen wenigen Lachern und viel Leerlauf. Trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp neunzig Minuten.

Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss (Minions: The Rise of Gru, USA 2022)

Regie: Kyle Balda, Brad Ableson (Co-Regie), Jonathan del Val (Co-Regie)

Drehbuch: Matthew Fogel (nach einer Geschichte von Brian Lynch und Matthew Vogel)

mit (im Original den Stimmen von) Steve Carell, Alan Arkin, Taraji P. Henson, Jean-Claude van Damme, Lucy Lawless, Michelle Yeoh, Danny Trejo, Dolph Lundgren, RZA, Julie Andrews, Russell Brand, Steve Coogan, Will Arnett

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Oliver Rohrbeck, Thomas Gottschalk, Dela Dabulamanzi, Bastian Baker, Oliver Stritzel

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“

Metacritic über „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“

Rotten Tomatoes über „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“

Wikipedia über „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Er ist da: “Der beste Film aller Zeiten”

Juli 1, 2022

Humberto Suárez ist ein stinkreicher, immer noch agiler, aber schon älterer Unternehmer, der jetzt endlich etwas möchte, an das sich die Nachwelt erinnert. Sein Sekretär schlägt ihm eine Brücke mit seinem Namen vor. Für Suárez ist das zu gewöhnlich. Eine Brücke mit seinem Namen kann sich jeder Unternehmer leisten. Er aber will sein Geld für etwas ausgeben, das ungewöhnlich ist und an das die Menschen sich noch nach seinem Tod erinnern. Zum Beispiel einen Film. Allerdings nicht irgendeinen Film, sondern “der beste Film aller Zeiten”. Sein Sekretär soll ihm dafür die beste Regisseurin und die besten Schauspieler besorgen. Die werden dann, so denkt er sich, aus einem Bestseller den besten Film aller Zeiten herstellen. Aus den besten Zutaten kann ja nur das Beste entstehen.

Die Wahl fällt auf Lola Cuevas (Penélope Cruz) und die Schauspieler Félix Rivero (Antonio Banderas) und Iván Torres (Oscar Martinez). Cuevas ist eine rundum exzentrische Avantgarde-Regisseurin mit seltsamen Arbeitsmethoden. Die Kritiker lieben ihre Filme. Rivero ist ein Star, der vor allem in banalen Hollywood-Vehikeln glänzt. Torres ist ein Theaterschauspieler, der um sein Spiel eine ganze Theorie aufgebaut hat. Ihr Spiel und auch ihre Ansprüche an ihre Spiel sind vollkommen verschieden. Aber beide sind von sich überzeugte Gockel, die sich für intelligenter halten als sie sind.

Vor dem Dreh möchte Cuevas mit ihren beiden Stars proben. In einer riesigen, einsam gelegenen modernistischen Villa treffen die Egos aufeinander.

Cuevas bestimmt als Regisseurin zwar die Spielregeln und die immer absurderen Prüfungen, die sie Rivero und Torres auferlegt. Aber es ist immer etwas unklar, ob Cuevas dabei wirklich ein künstlerisches Konzept verfolgt, das zwar mindestens etwas Gaga ist, aber ein Konzept wäre, oder ob sie die beiden Gockel und ihre Eitelkeiten einfach nur zu ihrem (und unserem) Vergnügen demaskieren möchte. In jedem Fall, auch weil Penélope Cruz, Antonio Banderas und Oscar Martinez sich mit Verve in ihre Rollen stürzen, ist „Der beste Film aller Zeiten“ ein Vergnügen.

Leider findet das Vergnügen in einem etwas luftleeren Raum statt. Denn die Regisseure Gastón Duprat und Mariano Cohn beziehen sich primär auf Ideen und Konzepte aus den sechziger und siebziger Jahren.

Am Ende vom ‚besten Film aller Zeiten‘ wissen wir nicht, ob wir den ‚besten Film aller Zeiten‘ gesehen haben, weil wir ja nur die aus dem Ruder gelaufenen Proben für den ‚besten Film aller Zeiten‘ gesehen haben.

Der beste Film aller Zeiten (Competencia oficial, Spanien/Argentinien 2021)

Regie: Gastón Duprat, Mariano Cohn

Drehbuch: Andres Duprat, Gastón Duprat (Co-Autor), Mariano Cohn (Co-Autor)

mit Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martinez, Jose Luis Gómez, Manolo Solo, Nagore Aramburu, Irene Escolar

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über “Der beste Film aller Zeiten”

Metacritic über “Der beste Film aller Zeiten”

Rotten Tomatoes über “Der beste Film aller Zeiten”

Wikipedia über “Der beste Film aller Zeiten” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. Juli: Die Stille nach dem Schuss

Juni 30, 2022

One, 21.45

Die Stille nach dem Schuss (Deutschland 2000)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Volker Schlöndorff

Eine in der BRD gesuchte RAF-Terroristen taucht in den Siebzigern in der DDR unter. Dort beginnt sie, mit einem neuen Namen, ein neues Leben als Arbeiterin.

Von wahren Ereignissen inspiriertes Drama

mit Bibiana Beglau, Martin Wuttke, Nadja Uhl, Harald Schrott, Alexander Beyer

Hinweise

Filmportal über „Die Stille nach dem Schuss“

Moviepilot über „Die Stille nach dem Schuss“

Rotten Tomatoes über „Die Stille nach dem Schuss“

Wikipedia über „Die Stille nach dem Schuss“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Film „Wie im echten Leben“

Juni 30, 2022

Ein bisschen unbeholfen ist Marianne Winckler schon als sie sich zunächst auf eine Stelle bewirbt und später als Putzfrau arbeitet. Sie hat nämlich keine Ahnung, was sie beim Jobcenter beantragen soll, welche Stellen für sie in Frage kommen und wie eine Bewerbung geschrieben wird. Sie erklärt ihre Ahnungslosigkeit damit, dass sie seit Ewigkeiten nicht arbeitete, vor kurzem von ihrem Mann verlassen wurde und jetzt in einer neuen Stadt anfangen will.

Das ist noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn Marianne ist eine Schriftstellerin, die jetzt über das Leben des Prekariats schreiben will. Nicht besserwisserisch von oben herab, sondern im Rahmen einer investigativen Recherche unter falscher Identität. Günter Wallraff wurde mit solchen Mißstände aufdeckende Reportagen bekannt. Legendär sind seine Undercover-Recherche bei der Bild-Zeitung (in den Siebzigern) und als türkischer Gastarbeiter, der in verschiedenen Firmen schlecht bezahlte Jobs annahm (in den Achtziger).

Mit Marianne tauchen wir in das anstrengende Leben der Putzfrauen in der nordfranzösischen Hafenstadt Caen ein.

Emmanuel Carrères Film basiert auf dem Bestseller „Putze: Mein Leben im Dreck“ von Florence Aubenas. Die bekannte Journalistin Aubenas schrieb im Rahmen einer Undercover-Recherche über ihre Erfahrungen als Frau, die in Caens ohne eine Ausbildung eine Arbeit sucht. Sie bekommt nur schlecht bezahlte Jobs als Putzfrau angeboten. Das 2010 erschienene Buch ist ein schonungsloser Einblick in das Leben des Prekariats. Für den Film wurde eine sich nah an den Reportagen bewegende Geschichte erfunden, die letztendlich in der Gegenwart spielt. Damit ist „Wie im echten Leben“, ohne es explizit zu sagen, auch eine Abrechnung mit Emmanuel Macron und seiner Politik, die immer wieder auf heftigen Protest, zum Beispiel von den Gelbwesten, stieß. Denn die Putzfrauen in Carrères Drama sind viel zu sehr damit beschäftigt, genug Geld für sich und ihre Familien zu verdienen, sich gegenseitig zu helfen und auch manchmal einige Stunden gemeinsamen Glücks zu erleben.

Treibende Kraft hinter dem Film war Juliette Binoche, die auch die Hauptrolle übernahm. Sie sprach immer wieder Aubenas auf eine Verfilmung an. Irgendwann gab Aubenas ihre Zustimmung für eine Verfilmung, wenn Emmanuel Carrère das Drehbuch schrieb. Er war Filmkritiker, ist Buch- und Drehbuchautor (unter anderem mehrere Fred-Vargas-Verfilmungen) und Regisseur von einem Dokumentar- und einem Spielfilm. Carrère übernahm dann auch die Regie.

Sein Film ist typisches französisches Starkino mit sozialem Gewissen, das über Mißstände aufklärt und ein breites Publikum erreichen will. So sollen wir glauben, dass Frankreichs schönste Frau eine Putzfrau ist; – auch wenn sie eine Schriftstellerin ist, die eine Putzfrau spielt. Die anderen Rollen werden von Laien gespielt, die sich selbst spielen. Das verleiht dem Spielfilm eine starke dokumentarische Note.

Carrère erzählt das mit einem Blick auf die soziale Situation der porträtierten Frauen. Er verleiht ihnen eine Stimme und zeigt Probleme innerhalb der französischen Gesellschaft auf. Diese Probleme gibt es so ähnlich auch in anderen Industriegesellschaften.

Als Starkino – wie gesagt: Juliette Binoche spielt die Hauptrolle – macht der Film auch Konzessionen an den Publikumsgeschmack. Alles ist sehr gefällig erzählt. „Wie im echten Leben“ ist nie – und will es auch nie sein – ein Arthaus-Film oder radikales politisch-aufklärerisches und anklagendes Politkino, wie wir es von Ken Loach kennen. Carrères Film ist eher eine Geschichte über Freundschaft, Solidarität und Verrat. Denn natürlich erfahren Mariannes neue Kolleginnen und Arbeitsfreundinnen, die ihr bedingungslos vertrauen, irgendwann, dass sie keine mittellose geschiedene Frau, sondern eine erfolgreiche Schriftstellerin ist und zu einer ganz anderen gesellschaftlichen Klasse gehört.

In diesem Rahmen ist „Wie im echten Leben“ ein sehr gelungenes Drama, das Diskussionen anstoßen kann.

Wie im echten Leben (Ouistreham, Frankreich 2021)

Regie: Emmanuel Carrère

Drehbuch: Emmanuel Carrère, Hélène Devynck

LV: Florence Aubenas: Le Quai d’Quistreham, 2010 (Putze: Mein Leben im Dreck)

mit Juliette Binoche, Hélène Lambert, Léa Carne, Emily Madeleine, Patricia Prieur, Evelyne Porée, Didier Pupin

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Wie im echten Leben“

Moviepilot über „Wie im echten Leben“

Rotten Tomatoes über „Wie im echten Leben“

Wikipedia über „Wie im echten Leben“


TV-Tipp für den 30. Juni: Viva Zapata!

Juni 29, 2022

Servus TV, 22.10

Viva Zapata! (Viva Zapata!, USA 1952)

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: John Steinbeck

Biopic über den von Marlon Brando (in seiner dritten Filmrolle) gespielten Revolutionär Emiliano Zapata (1879 – 1919), das mit seiner ersten politischen Mission beginnt.

„‚Viva Zapata!‘ ist ein Unterhaltungsfilm auf höchster Ebene, von Kazan spannend inszeniert, der Handlung und Szenen erstaunlich wirklichkeitsnahe gestaltete und den Schauspielern alle Freiheiten ließ. (…) Brandos Zapata ist eine symbolische Figur, eine Art Jedermann der mexikanischen Revolution, ein Titan, der sich, dem Ruf des Schicksals gehorchend, aus den Rängen der Masse erhoben hat. In diesem Sinn ist ‚viva Zapata!‘ ein kraftvoller und wirklich bewegender Film.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme, 1980)

Der echte Zapata war wohl nicht so edel wie der Film-Zapata.

mit Marlon Brando, Anthony Quinn, Jean Peters, Joseph Wiseman

Wiederholung: Freitag, 1. Juli, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Viva Zapata!“

Wikipedia über „Viva Zapata!“ (deutsch, englisch)


Impressionen aus Berlin: Richard Osman in Berlin

Juni 29, 2022

Auf die Idee für seinen Donnerstagsmordclub kam Richard Osman, als er seine in einem Altersheim lebende Mutter besuchte. Die Seniorenresidenz erinnerte ihn an das Setting eines Agatha-Christie-Romans. Die Ermittler könnten, so dachte er sich, Bewohner des Hauses sein. Sie wären alle über siebzig Jahre, körperlich nicht mehr so fit, aber geistig noch sehr rege. Ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen würden bei der Aufklärung des Falles hilfreich sein. Und sie würden den Mord vor ihrer Haustür lösen wollen.

Mit dieser Idee setzte Richard Osman, der bis dahin im Fernsehen als Autor, Moderator, Produzent und Gastgeber der BBC-Quizshow „Pointless“ arbeitete, an den Schreibtisch. Er schrieb „Der Donnerstagmordclub“. Der Cozy war bei der Kritik und den Lesern ein sofortiger Erfolg. In seiner Heimat wurde sein Debütkrimi innerhalb von drei Monaten zum meistgekauften UK-Roman. Sein ein Jahr später erschienener Folgekrimi „Der Mann, der zweimal starb“ setzte die Erfolgsgeschichte fort. Jedenfalls bei den Lesern. Insgesamt wurden von beiden Romanen innerhalb von zwei Jahren weltweit fast sieben Millionen Exemplare verkauft. Außerdem waren die beiden humorvollen Kriminalromane für etliche wichtige Krimipreise, wie den Edgar, den Anthony, den Lefty und den International Thriller Award, nominiert.

Die Filmrechte gingen an Steven Spielbergs Amblin Entertainment. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Mehr konnte Richard Osman, der am Dienstag bei schönen Sommerwetter im Garten des Ullstein Verlags seine Donnerstagsmordclub-Bücher vorstellte, nicht verraten.

Aber er konnte verraten, dass es mit dem Donnerstagsmordclub weitergeht. Im Original erscheint „The Bullet that missed“ Mitte September. Die deutsche Übersetzung folgt einige Monate später.

Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub

(übersetzt von Sabine Roth)

List, 2021

464 Seiten

15,99 Euro

Originalausgabe

The Thursday Murder Club

Viking, 2020

Richard Osman: Der Mann, der zweimal starb

(übersetzt von Sabine Roth)

List, 2022

448 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

The Man who died twice

Viking, 2021

Hinweise

Richard Osman twittert

Wikipedia über Richard Osman (deutsch, englisch)

Bookmarks über Richard Osmans ersten und zweiten Kriminalroman

List über Richard Osman


TV-Tipp für den 29. Juni: 25 km/h

Juni 28, 2022

Mit dem 9-Euro-Ticket durch Deutschland rasen, oder tuckern mit

Sat.1, 20.15

25 km/h (Deutschland 2018)

Regie: Markus Goller

Drehbuch: Oliver Ziegenbalg

Nach fast dreißig Jahren, auf der Beerdigung ihres Vaters, sehen sich die Brüder Georg (Bjarne Mädel) und Christian (Lars Eidinger) wieder. Im Vollrausch beschließen sie, endlich ihren Jugendtraum in die Tat umzusetzen: eine Fahrt auf dem Moped vom Schwarzwald an die Ostsee. Born to be wild!!!

Schön verspieltes, erfrischend undeutsches Roadmovie, das auch viel über Deutschland und die Sorgen und Nöte der Mittvierziger verrät.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Bjarne Mädel, Sandra Hüller, Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Jella Haase, Jördis Triebel, Wotan Wilke Möhring

Wiederholung: Donnerstag, 30. Juni, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „25 km/h“

Moviepilot über „25 km/h“

Wikipedia über „25 km/h“

Meine Besprechung von Markus Gollers „25 km/h“ (Deutschland 2018)


Alter Scheiß? Edmond Hamiltons „Captain Future“-Romane „Verrat auf dem Mond“ und „Die Kometenkönige“

Juni 28, 2022

Im Original erschienen das zehnte Abenteuer von Captain Future „Verrat auf dem Mond“ und der darauf folgende „Captain Future“-Roman „Die Kometenkönige“ bereits 1942. Beide Geschichten wurden später auch ins Deutsche übersetzt. Schon seit Ewigkeiten sind diese Übersetzungen, zu erstaunlich hohen Preisen, nur noch antiquarisch erhältlich.

Für die jetzt erschienenen neuen Ausgaben dieser Romane als zehnter und elfter Band der im Golkonda-Verlag erscheinenden Werkausgabe wurden sie neu übersetzt. Und, wie auch bei den anderen Büchern dieser Werkausgabe, sind neben dem Roman die Zeichnungen aus der US-Erstausgabe und dem damals im „Captain Future Magazine“ erschienenem zu Captain Future gehörigem Material enthalten. Es handelt sich um Informationen zu bestimmten Aspekten des Romans, wie Informationen über den Planeten Eros, jeweils eine Kurzgeschichte aus der Jugend von Captain Future und Leserbriefe. Dieses Material ist nicht essentiell für den Roman, aber eine nette Ergänzung und eine Erinnerung an die Zeit, als ganze Romane in Heften erschienen.

Verrat auf dem Mond“ schließt insofern unmittelbar an den vorherigen Roman „Jenseits der Sterne“ an, weil Captain Future Curt Newton und seine ständigen Begleiter, – das Gehirn Simon Wright, der Roboter Grag und der Androide Otho -, in dem Roman zur sagenumwobenen Wiege der Materie reisten. Sie waren monatelang unterwegs. Jetzt sind sie auf dem Rückflug.

Auf der Erde weiß auf den ersten Seiten von „Verrat auf dem Mond“ allerdings niemand, ob sie noch leben und wo sie sind. Für Bösewichter ist das die lang ersehnte Gelegenheit, den Mond und die auf ihm befindenden Rohstoffe in Besitz zu nehmen. Denn bis jetzt hat Curt Newton, der einzige Bewohner des Mondes, ein Vetorecht gegenüber jeder Ausbeutung der sich auf dem Mond befindenden Rohstoffe. Besonders interessant ist das für die Energieerzeugung wichtige und seltene Radium. Wer es abbaut, kann viel Geld verdienen.

Larsen King, der Chef einer Bergbaugesellschaft, will das Radium unbedingt abbauen. Dafür bringt er die Futuremen in Mißkredit. Anschließend gelingt es ihm, die Weltraumregierung zu überzeugen, ihm die Ausbeutungsrechte zu übertragen. Er findet auch, fast unerreichbar im Innern des Mondes, eine riesige Menge Radium.

In dem Moment tauchen Captain Future und seine Futuremen wieder auf.

Um weiterhin ungestört den Rohstoff abbauen (und Raubbau am Mond treiben zu können), muss er Newton endgültig diskreditieren.

Die Chance dafür ergibt sich, als Newton sich mit James Carthew, dem Präsidenten der Weltraumregierung, trifft. Er bringt Carthew mit einem Telautomaton (veraltetes Wort für „Drohne“) um und lenkt den Verdacht mit einer gefälschten Aufzeichnung des Mordes auf Newton.

Dieser entzieht sich der drohenden Verhaftung. Er will den Mord auf eigene Faust aufklären und King zur Strecke bringen. Zuerst fliehen er und seine Futuremen auf die Zeitlupenwelt Eros. Von dort fliegen sie zum Mond.

Und wir erfahren, was im Mond ist; – kleiner Spoiler: es ist nicht das, was uns Roland Emmerich vor einigen Monaten in „Moonfall“ nahe legte. Laut Hamilton leben Lunarier im Mond.

In „Die Kometenkönige“ verschwinden seit Wochen Raumschiffe spurlos im Sektor hinter dem Jupiter. In dem letzten verschwundenem Raumschiff waren Captain Futures Freunde Joan Randall und Ezra Gurney.

Als Curt Newton davon erfährt, will er das Rätsel lösen. Als er und seine Futuremen sich in ihrem Raumschiff die Flugdaten der verschwundenen Raumschiffe ansehen, vermuten sie, dass sie von irgendtwas in den Halleyschen Kometen gezogen wurden. In dem Moment werden sie auch schon von dieser Kraft ergriffen. Sie zwingt sie auf den sich in der undurchdringlichen Wolke des Kometen befindenden Planeten.

Dort leben die Kometae. Seit kurzem sind ihre Körper elektrisch aufgeladen. Dadurch sind sie unsterblich geworden. Verantwortlich für diese Verwandlung sind die Allus. Sie unterdücken die Kometae und sie haben darüberhinausgehende finstere Absichten.

Newton und seine Futuremen wollen die Kometae retten, indem sie die Verwandlung rückgängig machen und die Pläne der Allus durchkreuzen.

Verrat auf dem Mond“ und „Die Kometenkönige“ sind flotte Retro-Space-Abenteuer. Auf jeder Seite passiert etwas. Entsprechend flott bewegt die Story sich, über jede Unwahrscheinlichkeit hinweg, voran. Dabei erfindet Edmond Hamilton herrlich abstruse Welten auf den verschiedenen durch das All fliegende Planeten, Kometen und Monden. „Verrat auf dem Mond“ ist mit seiner Warnung vor der hemmungslosen Ausbeutung von Rohstoffen und dem von Newton und seinen Männern praktiziertem respektvollen Umgang mit Ureinwohnern sogar erstaunlich aktuell. Newton ist halt kein Eroberer und Ausbeuter, sondern ein Forscher und Abenteurer, der neue Welten erkunden und helfen will.

Edmond Hamilton: Captain Future: Verrat auf dem Mond

(übersetzt von Maike Hallmann)

Golkonda, 2022

192 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Outlaws of the Moon

Captain Future Magazine, Frühjahr 1942

Frühere deutsche Ausgabe

Das Erbe der Lunarier

Bastei-Verlag, 1983 (übersetzt von Ralph Tegtmeier)

Edmond Hamilton: Captain Future: Die Kometenkönige

(übersetzt von Markus Mäurer)

Golkonda, 2022

192 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

The Comet Kings

Captain Future Magazine, Sommer 1942

Frühere deutsche Ausgaben

Im Schatten der Allus, Erich Pabel Verlag, 1962 (übersetzt von Horst Mayer)

Im Schatten der Allus, Bastei-Verlag, 1983 (übersetzt von Ralph Tegtmeier)

Hinweise

Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons “Captain Future: Die Herausforderung” (Captain Future’s Challenge, 1940)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Der Triumph“ (The Triumph of Captain Future, 1940)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Im Zeitstrom verschollen“ (The lost world of time, 1941)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Jenseits der Sterne“ (Quest beyond the stars, 1942)

Meine Besprechung von Hardy Kettlitz‘ „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“ (2015)

 


Cover der Woche

Juni 28, 2022


TV-Tipp für den 28. Juni: Selma

Juni 27, 2022

Hessen, 00.15

Selma (Selma, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Ava DuVernay

Drehbuch: Paul Webb

Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.

Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.

Das grandiose und wichtige Drama/Biopic „Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal. DuVernays Film wurde von der Kritik abgefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung

mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston

Hinweise

Moviepilot über „Selma“

Metacritic über „Selma“

Rotten Tomatoes über „Selma“

Wikipedia über „Selma“ (deutsch, englisch) und Martin Luther King (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ava DuVernays „Selma“ (Selma, USA/Großbritannien 2014 – mit etlichen YouTube-Clips) und der DVD


TV-Tipp für den 27. Juni: Knives out – Mord ist Familiensache

Juni 26, 2022

ARD, 20.15

Knives out – Mord ist Familiensache (Knives out, USA 2019)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

Privatdetektiv Benoit Blanc soll herausfinden, wer den vermögenden Krimiautor Harlan Thrombey an seinem 85. Geburtstag ermordete. Blanc vermutet, dass der Mörder ein Familienmitglied ist.

TV-Premiere. Gelungenes, sehr unterhaltsames, witziges und stilbewusstes Update des klassischen Rätselkrimis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Inzwischen ist der zweite Benoit-Blanc-Fall, „Glass Onion: A Knives Out Mystery“, abgedreht. Wieder inszeniert von Rian Johnson, wieder mit Daniel Craig als Benoit Blanc, wieder mit einigen bekannten Schauspielern als Verdächtige. Ob und wie lange Netflix den Film im Kino zeigt, ist unklar.

mit Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Don Johnson, Michael Shannon, Ana de Armas, Katherine Langford, LaKeith Stanfield, Jaeden Martell, Christopher Plummer, Riki Lindhome, Edi Patterson, Frank Oz, K Callan, Noah Segan, M. Emmet Walsh

Wiederholung: Dienstag, 28. Juni, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Knives out“

Metacritic über „Knives out“

Rotten Tomatoes über „Knives out“

Wikipedia über „Knives out“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Looper“ (Looper, USA 2012 – mit weiteren Bildern, Links und einem 35-minütigem Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt) und der DVD

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017) und des Filmromans

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Knives out – Mord ist Familiensache“ (Knives out, USA 2019)


TV-Tipp für den 26. Juni: Downsizing

Juni 25, 2022

Sat.1, 20.15

Downsizing (Downsizing, USA 2017)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor

Forscher haben das Mittel gefunden, um die Klimakatastrophe abzuwenden: sie verkleinern einfach die Menschen. Denn so ein zwölf Zentimeter großer Mensch verbraucht fast keine Idee mehr. Der von seinem Leben gefrustete Paul lässt sich verkleinern. Seine Frau macht in letzter Sekunde einen Rückzieher und Paul muss die Miniwelt allein erkunden und neue Freunde finden.

Vor dem Hintergrund der äußerst detailliert ausgemalten Welt der Winzlinge erzählt Alexander Payne eine liebevoll erzählte Liebesgeschichte voller liebenswerter Menschen. Ein herzerwärmender Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Kristen Wiig, Christoph Waltz, Hong Chau, Udo Kier, Jason Sudeikis, Neil Patrick Harris, Rolf Lassgård, Ingjerd Egeberg, Laura Dern

Wiederholung: Montag, 27. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Downsizing“

Metacritic über „Downsizing“

Rotten Tomatoes über „Downsizing“

Wikipedia über „Downsizing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Alexander Payne in der Kriminalakte


Deutscher Filmpreis 2022: Und die Lola geht an…

Juni 25, 2022

Als ich die Nominierungsliste für den diesjährigen Deutschen Filmpreis veröffentlichte, vermutete ich, dass „Lieber Thomas“ der große Gewinner des Abends wird.

Dann wollen wir mal sehen, wie sich das SW-Biopic bei der gerade erfolgten Verleihung der Lolas schlug:

Bester Spielfilm

GOLD: Lieber Thomas (Michael Souvignier, Till Derenbach)

SILBER: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Claudia Steffen, Christoph Friedel)

BRONZE: Grosse Freiheit (Benny Drechsel)

Contra (Christoph Müller, Tom Spieß)

Spencer (Jonas Dornbach, Janine Jackowski, Maren Ade)

Wunderschön (Lothar Hellinger, Christopher Doll)

Bester Dokumentarfilm

GEWINNER: The Other Side of the River (Frank Müller, Antonia Kilian, Guevara Namer)

We Are All Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden (Michael Loeken, Ulrike Franke)

Wem gehört mein Dorf? (Marcel Lenz, Guido Schwab)

Bester Kinderfilm

GEWINNER: Der Pfad (Daniel Ehrenberg)

Die Schule der magischen Tiere (Alexandra Kordes, Meike Kordes)

Beste Regie

Grosse Freiheit: Sebastian Meise

GEWINNER: Lieber Thomas: Andreas Kleinert

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Andreas Dresen

Bestes Drehbuch

GEWINNER: Grosse Freiheit: Thomas Reider, Sebastian Meise

Lieber Thomas: Thomas Wendrich

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Laila Stieler

Beste weibliche Hauptrolle

Ursula Strauss (Le Prince)

Sara Fazilat (Nico)

Saskia Rosendahl (Niemand ist bei den Kälbern)

GEWINNER: Meltem Kaptan (Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush)

Beste männliche Hauptrolle

Franz Rogowski (Grosse Freiheit)

GEWINNER: Albrecht Schuch (Lieber Thomas)

Farba Dieng (Toubab)

Beste weibliche Nebenrolle

GEWINNER: Jella Haase (Lieber Thomas)

Anja Schneider (Lieber Thomas)

Sandra Hüller (Das schwarze Quadrat)

Beste männliche Nebenrolle

Henry Hübchen (Leander Haußmanns Stasikomödie)

Jörg Schüttauf (Lieber Thomas)

Godehard Giese (Niemand ist bei den Kälbern)

GEWINNER: Alexander Scheer (Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush)

Beste Kamera / Bildgestaltung

Grosse Freiheit: Crystel Fournier

GEWINNER: Lieber Thomas: Johann Feindt

Spencer: Claire Mathon

Bester Schnitt

A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe: Bettina Böhler

Grosse Freiheit: Joana Scrinzi

GEWINNER: Lieber Thomas: Gisela Zick

Beste Tongestaltung

Axiom: Michael Schlömer, Paul Rischer, Martin Steyer

Fly: Bertin Molz, Thorsten Bolzé, Mario Hubert, Marco Hanelt, Benedikt Uebe

In den Uffizien: Andreas Hildebrandt, Filipp Forberg, Matthias Lempert

GEWINNER: Niemand ist bei den Kälbern: Jonathan Schorr, Dominik Leube, Gregor Bonse, John Gürtler

Beste Filmmusik

Peterchens Mondfahrt: Ali N. Askin

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Johannes Repka, Cenk Erdoğan

GEWINNER: Wunderschön: Annette Focks

Bestes Szenenbild

Leander Haußmanns Stasikomödie: Lothar Holler

GEWINNER: Lieber Thomas: Myrna Drews

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Susanne Hopf

Bestes Kostümbild

Grosse Freiheit: Tanja Hausner

Leander Haußmanns Stasikomödie: Janina Brinkmann

GEWINNER: Lieber Thomas: Anne-Gret Oehme

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Birgitt Kilian

Bestes Maskenbild

GEWINNER: Grosse Freiheit: Heiko Schmidt

Lieber Thomas: Uta Spikermann, Grit Kosse

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Grit Kosse, Uta Spikermann

Beste visuelle Effekte

Leander Haußmanns Stasikomödie: Denis Behnke

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Thomas Loeder

GEWINNER: Die Schule der magischen Tiere: Dennis Rettkowski, Markus Frank, Tomer Eshed

Besucherstärkster Film

Die Schule der magischen Tiere

Ehrenpreis

Jürgen Jürges

Bernd-Eichinger-Preis

Komplizen Film

Wenig überraschend ist „Lieber Thomas“ mit neun Lolas der große Gewinnerfilm des Abends.


TV-Tipp für den 25. Juni: The American

Juni 24, 2022

Servus TV, 20.15

The American (The American, USA 2010)

Regie Anton Corbijn

Drehbuch: Rowan Joffe

LV: Martin Booth: A very private Gentleman, 1991 (The American)

Nach einem missglückten Auftrag will ein Killer will aussteigen. Er zieht sich in die Abruzzen zurück und bereitet seinen letzten Auftrag vor.

Minimalistische Thriller, der weniger wegen der Story und mehr wegen der Bilder sehenswert ist. Immerhin kommt Corbijn von der Fotografie.

mit George Clooney, Violante Placido, Johan Leysen, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli

Wiederholung: Sonntag, 26. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The American“

Wikipedia über „The American“ (deutsch, englisch)

Guardian: Nachruf auf Martin Booth

Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Anton Corbiijns „Life“ (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Elvis“ Presley, sein Leben erzählt von Colonel Tom Parker. Mehr oder weniger

Juni 24, 2022

Fans von Elvis Presley kommen in Baz Luhrmanns Biopic „Elvis“ auf ihre Kosten. Es gibt viel Elvis Presley, viel Musik und, bei seinen Liveauftritten, eine schweißtreibende animalische Entfesselung, die uns Spätgeborenen zeigt, warum in den Fünfzigern Eltern ihre Kinder vor diesem Mann beschützen wollten; – auch wenn Luhrmann hier wahrscheinlich schamlos übertreibt. Auch die Besetzung ist nicht ohne. Austin Butler (Tex Watson in „Once upon a time…in Hollywood“) spielt Elvis Presley. Tom Hanks spielt Colonel Tom Parker, den äußerst geschäftstüchtigen und skrupellosen Manager von Elvis Presley. Bevor er Presleys Entdecker, Förderer und Manager wurde, war er Schausteller auf Jahrmärkten. Mit Wanderzirkussen tingelte er durch die US-Provinz. Von Musik hatte er keine Ahnung. Von einem guten Geschäft schon und das sah er in Presley. Er ist der unzuverlässige Erzähler von Luhrmanns Biopic und damit ist von der ersten Minute an klar, dass im Zweifel eine gute Geschichte über die Fakten triumphiert. Soweit sie überhaupt bekannt sind.

Der Anfang und, ungefähr die erste Stunde des gut dreistündigen Films, ist furios. Danach scheint alle kreative Energie aufgebraucht zu sein. Damit ähnelt „Elvis“ dem Leben von Elvis Presley. Er wird am 8. Januar 1935 in East Tupelo, Mississippi, als Sohn eines Landarbeiters geboren. 1953 nimmt er seinen ersten Song für Sun Records auf. Schnell begeistert er die Massen und wird zum „King of Rock ’n’ Roll“. Er macht Blues, Gospel und Soul, also Schwarze Musik, mit einer Prise Country, für den weißen Musikhörer goutierbar.

Sein Manager, Colonel Tom Parker, ein, wie gesagt, äußerst halbseidener Charakter, sorgt dafür, dass sie viel Geld verdienen. Da sind Presleys Monate als Soldat von 1958 bis 1960 in Deutschland nur eine kurze Unterbrechung von den Live-Auftritten, die mit Schallplatten überbrückt werden.

Danach tritt Presley in über dreißig Hollywood-Filmen auf, die bis auf Don Siegels „Flammender Stern“ (Flaming Star), vergessenswerte Fließband-Musicals sind. Ab 1969 gastiert er in Las Vegas. Aus finanzieller Sicht ist das eine ertragreiche Zeit. Künstlerisch nicht.

Am 16. August 1977 stirbt er in seiner Villa Graceland in Memphis, Tennessee.

Luhrmann („Moulin Rouge“, „Der große Gatsby“) erzählt Presleys Leben chronologisch nach. Das ist bis zu seinem Aufenthalt in Deutschland als Soldat atemberaubend dicht erzählt. Wenig subtil, aber mitreisend, erzählt Luhrmann von Presleys Faszination für die Schwarze Musik. Zuerst hört er als Kind in einer Spelunke, die nur von Schwarzen besucht wird, den Blues. Dann hört er auf der gegenüberliegenden Straßenseite in einem Gottesdienst den Gospel und er ist…, nach den Filmbildern, ekstatisch besessen. Luhrmann springt in der Zeit hin und her, verdichtet und arbeitet auch mit Texteinblendungen. Das ist überbordend, maßlos und gerade deshalb mitreißend und voller Energie.

Danach handelt Luhrmann die weiteren Stationen und Jahre in Presleys Leben in gepflegter Biopic-Manier ab. Zunehmend redundant folgt ein Auftritt auf das nächste Gespräch, in dem Presley wieder sagt, er möchte eine Welttournee machen, ehe er wieder in Las Vegas auftritt und seine größten Hits präsentiert. Nichts bewegt sich in dieser Wiederholungsschleife. Unangenehmes, wie Presleys gesundheitliche Probleme, sein Drogenkonsum, seine Paranoia und sein zunehmend irrationales Verhalten, wird angesprochen weil es unbedingt angesprochen werden muss. Seine Waffensammlung wird mal gezeigt. Mit seiner dann Ex-Frau Priscilla trifft er sich am Flughafen. Aber diese Bilder hängen ohne einen Zusammenhang und ohne eine Auswirkung auf die Geschichte in der Luft.

In dem Moment löst Luhrmann sich immer mehr von seiner Prämisse nach der die Geschichte von Elvis Presley aus der Perspektive von Colonel Parker erzählt wird. Parker verschwindet aus dem Film. Stattdessen gibt es immer mehr Szenen, in denen Dinge passieren, von denen Parker nichts weiß und auch niemals erfährt. In dem Moment wird auch die Möglichkeit, das Leben von Elvis Presley aus einer radikal subjektiven und damit mit Fakten locker umgehenden Sicht zu schildern, zugunsten eines konventionellen Biopics aufgegeben, das dann ähnlich locker mit Fakten umgeht, aber implizit behauptet, die Wahrheit zu schildern. Alle negativen Aspekte von Presleys Persönlichkeit werden konsequent herunterspielt.

Das ist insofern verständlich, weil „Elvis“ kein kleiner Independent-Film ist (wie „Elvis & Nixon“), sondern mit einem offiziellem Budget von 85 Millionen US-Dollar ein Film ist, der ein breites Mainstream-Publikum und die Elvis-Fans erreichen will. Das darf dann nicht übermäßig kritisch sein. Stattdessen muss das Biopic die bekannten Hits und Konzertausschnitte präsentieren. Deshalb werden so viele Auftritte von Presley in Las Vegas gezeigt. Für den Elvis-Kult sind sie wichtig. Die echte, innovative Rockmusik fand an anderen Orten statt und wurde von anderen Musikern gespielt.

Mit gut drei Stunden ist „Elvis“ ein viel zu lang geratenes Biopic, das an seiner Länge, seinem Drang, das ganze Leben einer Figur zu schildern, und einer letztendlich unklaren Haltung zu ebendieser Figur krankt.

Wer allerdings den Saal verlässt, wenn Elvis Presley deutschen Boden betritt, sieht einen guten Film.

Elvis (Elvis, USA 2022)

Regie: Baz Luhrmann

Drehbuch: Baz Luhrmann, Sam Bromell, Craig Pearce, Jeremy Doner (nach einer Geschichte von Baz Luhrmann und Jeremy Doner)

mit Austin Butler, Tom Hanks, Olivia DeJonge, Helen Thomson, Richard Roxburgh, Kelvin Harrison Jr., David Wenham, Kodi Smit-McPhee, Luke Bracey, Gary Clark Jr., Yola

Länge: 160 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Elvis“

Metacritic über „Elvis“

Rotten Tomatoes über „Elvis“

Wikipedia über „Elvis“ (deutsch, englisch) und Elvis Presley (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Elvis“

AllMusic über Elvis Presley


TV-Tipp für den 24. Juni: Departed – Unter Feinden

Juni 23, 2022

RTL II, 20.15

Departed – Unter Feinden (The Departed, USA 2006)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefällt das Buch besser). Danach kam “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley), ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Wiederholung: Samstag, 25. Juni, 03.15 Uhr (Taggenau! – Dann sicher auch ungekürzt. Denn der Film ist ‚frei ab 16 Jahre‘)

Hinweise

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)