Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service, 2012/2013 (Secret Service)
High-Tech-Genie Valentine hat einen teuflischen Plan, um die Weltbevölkerung radikal zu verkleinern. Ein Job für die Kingsman, einer ultrageheimen globalen Agentenorganisation, die ihr Quartier sehr stilbewusst in einem noblen britischen Herenbekleidungsgeschäft hat. Dort ist, nach dem Tod eines Agenten, ein Job vakant. Kingsman Harry Hart schlägt Gary „Eggsy“ Unwin, einen kleinkriminellen Taugenichts aus der Unterschicht, als künftiges Mitglied vor. Man müsse schließlich mit der Zeit gehen.
Grandiose, witzige, äußerst stilbewusste, vespielte und auch sehr brutale Liebeserklärung an die alten James-Bond-Filme, die mit einem ordentlichen Portion Comic-Ästhetik ins 21. Jahrhundert geholt werden.
Während sein jüngerer Bruder Aki Kaurismäki seit Jahren schweigt und immer noch kein neuer Film angekündigt ist, ist sein deutlich unbekannterer Bruder Mika im Moment sehr produktiv. Im Sommer 2020 Jahr lief „Master Cheng in Pohjanjoki“ erfolgreich im Kino. Und jetzt kommt sein neuester Film „Eine Nacht in Helsinki“ in die Kinos. Seine Premiere hatte er bereits am 17. November 2020 auf dem Tallinn Black Nights Film Festival. Danach lief er auf einigen weiteren Festivals.
Kaurismäki drehte den Film, während der Coronavirus-Pandemie, in der von ihm und seinem Bruder Aki betriebenen Corona Bar. Wegen der Pandemie war das Lokal geschlossen. Also konnte es, quasi zur Zwischennutzung, als kostengünstiges Filmset benutzt werden.
Die Geschichte, die Kaurismäki erzählt, ist weitgehend improvisiert. Es gab nur einige Ideen und Vorgaben. Zusammen mit den Schauspielern entwickelte er in Einzelgesprächen die Hintergrundgeschichten zu ihren Figuren. Vor und während des Drehs kannte jeder Schauspieler nur die Geschichte der Figur, die er spielte. Die Dialoge entwickelten sich spontan. Gedreht wurde chronologisch.
Nachdem die drei Hauptfiguren kurz vorgestellt werden, beginnt die eigentliche Handlung in Heikkis Lokal. Der Kneipier isst in seinem Lokal an einem feierlich gedecktem Tisch allein zu Abend. Da klopft Risto an die Tür. Risto arbeitet in der Klinik. Heute ist während seiner Schicht ein Mädchen gestorben. Bevor er nach Hause geht, möchte er noch etwas trinken und dabei seinen Tag verarbeiten. Heikki bietet seinem Stammkunden ein Glas Rotwein an. Sie beginnen sich zu unterhalten.
Da klopft es wieder. Dieses Mal steht Juhani vor der Tür. Heikki und Risto kennen ihn nicht. Aber er bittet Heikki so verzweifelt darum, sein Handy aufladen zu dürfen, dass er ihn hineinlässt und ihm, ganz guter Gastgeber, ein Glas Wein anbietet.
Als Juhani für eine Zigarette das Lokal verlässt, wird er angerufen. Heikki nimmt das Gespräch an und erfährt, dass Juhani von der Polizei gesucht wird. Er hat vor wenigen Stunden einen Mann getötet. Anstatt ihrem ersten Impuls nachzugeben und die Polizei anzurufen, lassen Heikki und Risto sich von Juhani erzählen, wie es zur Tat kam. Beim nächsten Glas Rotwein reden sie schon darüber, ob Juhani das Richtige getan hat.
Später, fast am Ende der Nacht, stößt Ristos Frau zu ihnen. Sie wollte in ihrer Wohnung nicht länger auf Risto warten.
Aber Eeva spielt nur eine Nebenrolle. Denn letztendlich beobachtet Mika Kaurismäki nur drei Männer, die sich in einer Bar über ihr Leben, Gott und die Welt unterhalten und dabei viel Rotwein trinken.
Kaurismäki hat dieses lange Gespräch zwischen den drei Männern immer so inszeniert, dass der Film eindeutig ins Kino gehört. Immer wieder sieht man die große Halle mit den Billardtischen und der Jukebox (Hey, wir sind in Kaurismäki-Land!). Immer wieder stehen die Männer verloren in dem Lokal. Mit zunehmender Vertrautheit rücken sie näher zusammen. Oft zeigt Kaurismäki Heikki, Risto und Juhani zu zweit oder zusammen in einem Bild. Wir sehen, wie sie in dem Moment zueinander stehen und spontan aufeinander reagieren. Denn, wie gesagt, alle Dialoge sind improvisiert.
Zu einer besonderen Nacht wird diese Nacht in Helsinki, weil die drei so unterschiedlichen und doch sehr ähnlichen Männer Heikki, Risto und Juhani in dieser Nacht, ohne Larmoyanz und Selbstmitleid, ihr Leben bilanzieren und über ihr künftiges Leben entscheiden. Es ist ein ruhiges Gespräch über den Sinn des Lebens und den Sinn ihres Lebens. Das ist gleichzeitig so konkret und abstrakt, dass man dem Gespräch gebannt folgt, dabei und danach auch über sein eigenes Leben nachdenken kann und sich wieder so eine Nacht, die erst mit dem Sonnenaufgang endet, wünscht.
Eine Nacht in Helsinki(Yö Armahtaa, Finnland 2020)
Regie: Mika Kaurismäki
Drehbuch: Mika Kaurismäki, Sami Keski-Vähälä
mit Kari Heiskanen, Pertti Sveholm, Timo Torikka, Anu Sinisalo
Sharon Ormsby ist eine junge FBI-Agentin, die sich im Einsatz bei einem großen Fall beweisen möchte. Am Ende ihrer Ausbildung ist sie zuerst einmal einer kleinen Einheit zugeteilt worden, die sich mit Highway-Serienkillern beschäftigt. Diese Killer bewegen sich ständig über Staatsgrenzen hinweg, bringen in verschiedenen Staaten Menschen um und laden ihre Opfer in andere Staaten ab. Bislang werden sie nicht verfolgt, weil die lokalen Behörden diese Fälle und Daten in keine Datenbank eintragen, die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Fällen finden könnte.
Bei ihrer Arbeit stößt Ormsby auf mehrere ähnliche Taten. Letztendlich glaubt sie, dass entlang der Highways ein Täter seit den achtziger Jahren Frauen ermordet. Nach ihreren Recherchen hat er mindestens fünfzig Frauen getötet und er wird weiter morden.
Um an dieses Phantom ranzukommen, begibt Ormsby sich auf einen Undercover-Einsatz als Beifahrerin des Truckers Rudy Dykstra.
„White Knuckle – Blutiger Highway“ ist der erste ins Deutsche übersetzte Roman von Eric Red. Bekannt ist er für seine Drehbücher zu „Hitcher, der Highway Killer“, „Near Dark“ und „Blue Steel“. Vier seiner Drehbücher – „Hitman – In der Gewalt der Entführer“ (Cohen and Tate), „Body Parts“, „Bad Moon“ und „100 Feet“ – verfilmte er selbst für das Kino.
Seine nächste Regiearbeit wird „White Knuckle“ sein. Gina Carano übernimmt die Hauptrolle und die Dreharbeiten sollen demnächst beginnen.
Bis dahin – und bis der Film zu uns kommt – ist noch genug Zeit, um die spannende Vorlage zu lesen, die sich immer so liest, als hätte Red diese Verfilmung seines Actionthriller von Anfang an geplant. Spannungssteigernd wechselt er zwischen verschiedenen Erzählsträngen und er verleiht den einzelnen Figuren gerade genug Tiefe, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen, ohne dass sie der Geschichte im Weg stehen. Schließlich geht es hier um die Jagd nach einem Mörder. Diese erzählt Red zügig bis zur finalen Konfrontation zwischen Ormsby, Dykstra und White Knuckle (so sein CB-Rufname) in den Bergen von Wyoming.
Natürlich ist die Prämisse ziemlich unglaubwürdig. Denn die Chance, dass Ormsby bei ihren Fahrten durch die USA zufällig über den unbekannten Mörder stolpert, ist noch nicht einmal verschwindend gering. Ähnlich unwahrscheinlich ist es, dass ein Trucker ihr etwas über ihren Serienmörder verrät. Denn niemand weiß von ihm.
Außerdem müssen wir akzeptieren, dass 2015 eines von White Knuckles Opfern sich mit ihrem Handy aus seinem Truck melden kann, die Polizei aber keine GPS-Ortung durchzuführen kann. Warum das so ist, erklärt Red nicht. Aber wenn diese Ortung möglich gewesen wäre, hätte Red diesen Roman nicht schreiben können.
Überfall der teuflischen Bestien (Rabid, Kanada 1977)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
TV-Premiere – mehr oder weniger, weil der Film in den frühen Neunzigern von RTL Plus wahrscheinlich gekürzt gezeigt wurde, aber Arte zeigt den Film ohne Werbung, ungekürzt und, wahrscheinlich, mit sehr gutem Bild (also die Gelegenheit, etwaige frühere Aufnahmen zu ersetzen).
Die Story: Nach einem schweren Motorradunfall erwacht Rose aus dem Koma – mit einem Stachel und dem Durst nach Blut. Ihre Opfer werden zu tollwütigen Amokläufern.
Heute ein Klassiker und einer der Filme, der David Cronenbergs Ruf begründete.
mit Marilyn Chambers, Frank Moore, Joe Silver, Howard Ryshpan, Patricia Gage, Susan Roman, Roger Periard
auch bekannt unter „Rabid – Der brüllende Tod“, „Rabid – Bete, dass es dir nicht passiert“ und „Der Überfall der teuflischen Bestien“
Beeindruckendes Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.
Buch zum Film: Frank Göhre: Einzelhaft (Weltbild Verlag 1999)
Schimanski glaubt im Gegensatz zu Thanner nicht, dass Rolf Vogtländer seine Frau umgebracht hat. Nach einem Gespräch mit Vogtländers schöner Tochter Ilona ermittelt Schimanski auf eigene Faust. Dummerweise will Ilona den Mörder alleine finden und sie ist lesbisch. Damit ist sie unempfänglich für seine Avancen.
Ein ruhiger Schimanski, musikalisch unterlegt von Eberhard Weber.
Mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Brigitte Karner, Juraj Kukura, Maria Hartmann, Franz Boehm
Sie gehörte zur X-Force und trat in den vergangenen dreißig Jahren in einigen Marvel-Comics auf, aber wirklich bekannt wurde ‚Domino‘ Neena Thurman durch ihren Auftritt in dem Film „Deadpool 2“. Dort stritt sie sich mit Deadpool, ob Glück eine Superheldenkraft sei. Mit dieser Fähigkeit kann sie potentiell tödliche Situationen unverletzt überleben.
Und davon gibt es einige in „Domino auf Abwegen“. Rebecca Munoz bittet die als Söldnerin arbeitende Domino, ihre beiden erwachsenen Kinder Rose und Joseph aus den Händen einer Sekte zu befreien. Sie hat Angst, dass sie andere Menschen verletzten werden. Und diese Angst ist berechtigt. Der psychopathische und paranoide Sektenführer Dallas Bader Pearson, der eine eigene erfolgreiche Radiosendung hatte, einflussreicher Stadtrat war und jetzt das unumstrittene Oberhaupt einer größeren religiösen Gemeinschaft ist, plant einen Weltuntergang, bei dem es auch einige Opfer geben wird. Seine Zentrale ist ein gut gesichertes Anwesen in Chicago. Dort lebt er mit seinen Jüngern.
Zusammen mit einigen Freundinnen, von denen Black Widow die bekannteste ist, startet Domino eine Befreiungsaktion, die schnell aus dem Ruder läuft. Denn sie haben nicht damit gerechnet, wie skrupellos Pearson ist.
Tristan Palmgren konzentriert sich in seinem Roman allerdings nicht auf diese Befreiungsaktion. Er erzählt auch ausführlich von Dominos Vergangenheit als Teenager bei Pater Boschelli in Chicago in der Sacred-Heart-Kirche. An ihre Jahre davor kann sie sich während ihrer Zeit in der Kirche nicht erinnern.
Einige Jahre später fährt sie mit Jonathan Shepherd nach Florida. Auf dem Weg zu einer geheimen militärischen Einrichtung in den Everglades wird Shepherd ermordet. Sie kann nur dank eines glücklichen Zufalls entkommen und die Anlage, in der geheime Experimente stattfanden, finden. In dem riesigen unterirdisch liegendem Labyrinth von Gängen trifft sie auf ihre Vergangenheit, ihren Bruder und ihre Mutter.
Der Roman liest sich flott. Allerdings führt die Konstruktion dazu, dass der in der Gegenwart spielende Plot und die Beziehungen der Figuren untereinander arg kurz geraten. Über Dominos aus anderen Marvel-Geschichten bekannten Freundinnen erfahren wir fast nichts und die Befreiung der Zwillinge ist eine Rein-Raus-Aktion, bei der die gesamte Action auf Pearsns Anwesen stattfindet. Es ist eine Menge Action mit einigen überraschenden Wendungen, aber es fehlt andererseits eine sich über mehrere Konfrontationen entwickelnde Steigerung.
„Domino auf Abwegen“ gehört zu den ersten Romanen, die Marvel zusammen mit Aconyte Books seit Herbst 2020 herausgibt. In ihnen werden neue Geschichten mit bekannten Marvel-Figuren erzählt. Die Kooperation startete mit vier Serien: „Legenden von Asgard“ (Legends of Asgard), „Heldinnen“ (Marvel Heroines), „Xaviers Institut“ (Xavier’s Institute) und „Marvel Untold“. In Deutschland erscheinen die Romane bei Cross-Cult.
Inzwischen hat Palmgren, allerdings mit anderen Hauptfiguren, weitere Romane für diese Reihe geschrieben. Dabei könnte Domino durchaus noch einige weitere gefährliche Abenteuer erleben. Das Potential hat sie.
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Tristan Palmgren: Domino auf Abwegen (Marvel: Heldinnen)
Mulholland Drive – Straße der Finsternis (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch
Die Handlung kann, wie beim Vorgänger “Lost Highway”, kaum wiedergegeben werden. Denn dafür springt sie zu sehr zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, hin und her. Der Film beginnt mit einem Autounfall. Eine junge Schönheit verliert ihr Gedächtnis, findet bei der jungen Schauspielerin Betty Unterschlupf und nennt sich, nach einem Filmplakat, Rita. Gemeinsam versuchen sie hinter Ritas Geheimnis zu kommen.
Zahlreiche Preise und noch mehr Nominierungen sagen einiges über die Qualität von “Mulholland Drive” aus. So erhielt er den César als bester ausländischer Film und Lynch 2001 beim Filmfestival in Cannes den Preis für die beste Regie. Aber für uns Krimifans ist natürlich nur eine Nominierung wichtig. Nämlich der Edgar. „Mulholland Drive“ wurde als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert.
Ansonsten schließe ich mich dem „Großen Filmlexikon“ von TV Spielfilm an: „Dabei erinnert Lynch an sein Werk Lost Highway, ist aber so kompromisslos irreal und scheinbar unlogisch, so wild entschlossen, dem Zuschauer die Auflösung seines Thrillers zu überlassen, dass der inszenatorisch überwältigende Mulholland Drive zu Recht als sein bis dato vollendetstes Werk gilt.“
Sein nächster und bislang letzter Kinofilm „Inland Empire“ ist für mich einfach nur ein dreistündiger, quälend-langatmiger, pseudo-intellektueller Murks. Oder wie im Kino, als es im Abspann eine weitere Szene gab, der Mann hinter sagte: „Oh Mann, ist das immer noch nicht zu Ende?“
Mit Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, Ann Miller, Robert Foster, Dan Hedaya, Lee Grant, Billy Ray Cyrus, Chad Everett
Therapie für einen Vampir (Der Vampir auf der Couch, Österreich/Schweiz 2014)
Regie: David Ruehm
Drehbuch: David Ruehm
Graf Geza von Kösznöm, ein Vampir, hat psychische Probleme. Also geht er zum Therapeuten Sigmund Freud. Dort entdeckt er ein Bild von einer Frau, die ein Ebenbild seiner großen, schon vor Jahrhunderten gestorbenen großen Liebe ist. Und ungefähr in dem Moment beginnt alles ein wenig aus dem Ruder zu laufen.
TV-Premiere – längst überfällig; und hoffentlich der Beginn einer kleinen Wiederentdeckung dieser herrlich biss- und therapiefreudigen Komödie mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh.
„eine gelungene Screwball-Comedy“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tobias Moretti, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley, David Bennent, Karl Fischer, Ernie Mangold, Lars Rudolph, Anatole Taubman, Julia Jelinek
Eigentlich ist die Geburt eines Kindes ein glückliches Ereignis. Entsprechend erfreut versammelt sich die Familie im Krankenhaus und freut sich über Glorias Geburt. Kurz darauf schlagen die Alltagsprobleme wieder unerbittlich zu. Denn obwohl alle Familienmitglieder arbeiten – als Putzfrau, als Busfahrer, als Verkäuferin, als Chauffeur mit eigenem Auto – reicht das Geld gerade so. Wenn kein unvorhergesehenes Unglück passiert. Wie, zum Beispiel, von Taxifahrern als unliebsame Konkurrenz zusammengeschlagen zu werden und dann als Selbstständiger keinen Anspruch auf Geld zu haben. Oder die Kollegen sich entschließen für höhrere Löhne zu streiken, während für einen selbst der klägliche Lohn überlebenswichtig ist.
Und dann muss auch noch der seit zwanzig Jahren im Gefängnis sitzende Daniel, zu dem jeder Kontakt vermieden wird, informiert werden, dass er inzwischen Großvater ist.
Als Daniel kurz darauf aus dem Gefängnis entlassen wird, kehrt er zurück nach Marseille. Er will seine Enkelin sehen. Und, als hätte Regisseur Robert Guédiguian geahnt, dass die von ihm porträtierte, drei Generationen umspannende große Familie schon genug Probleme hat, kommt es jetzt nicht zum großen Streit. Daniel ist im Gefängnis zu einem anderen Menschen geworden. Er versucht, für Gloria ein Großvater zu sein. Also übernimmt er die typischen Großvater-Aufgaben. Und er will seiner Familie helfen. Aber wie kann ein Ex-Häftling mit schlechter Vergangenheit und ebenso schlechter Zukunft ihnen helfen?
In seinem neuen Film „Gloria Mundi – Rückkehr nach Marseille“ erzählt Robert Guédiguian mit etlichen seiner Stammschauspielern wie der Kapitalismus bürgerliche Existenzen bedroht. Dabei schwankt er gekonnt und etwas spröde zwischen Analyse, Sozialdrama und, am Ende, Feelgood-Movie.
Seine Premiere hatte „Gloria Mundi“ 2019 beim Filmfestival von Venedig. Dort wurde Ariane Ascaride als beste Darstellerin ausgezeichnet.
Gloria Mundi – Rückkehr nach Marseille(Gloria Mundi, Frankreich/Italien 2019)
Drehbuch: Carlo Bonini, Giancarlo de Cataldo, Sandro Petraglia, Stefano Rulli
LV: Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra, 2013 (Suburra)
Rom, November 2011: der konservative Abgeordnete Malgradi (laut Roman „ein Musterbeispiel christlicher Lebensführung“) will für Roms Mafiapaten ein Gesetz durchbringen, das ihm ein großes Bauprojekt in Ostia ermöglicht. Dummerweise hat der Politiker gerade Probleme mit einer Prostituierten, die starb, während er in einem Hotelzimmer Sex mit ihr hatte.
Ein großartiges Sittenporträt der italienischen Gesellschaft, ein Gangsterthriller und ein Polit-Thriller in schönster italienischer Tradition.
Für historische Faktentreue interessiert Pablo Larraín sich in seinem neuen Film nicht sonderlich. Das macht er schon mit einem entsprechendem Hinweis am Filmanfang deutlich. Außerdem ist die Königsfamilie notorisch verschwiegen, wenn es um Dinge geht, die hinter den Schloßmauern stattfinden. Halt, wie man so sagt: Nichts genaues weiß man nicht.
Deshalb konnte und musste Larraín sich bei der Schilderung der Weihnachtstage 1991 in Norfolk im Sandringham House künstlerische Freiheiten nehmen.
Es war das letzte Weihnachten, das Charles und Diana gemeinsam und im Kreis der königlichen Familie verbrachten. In dem Moment wusste Diana schon, dass ihr Mann eine Affäre mit Camilla Parker Bowles hatte. Aber sie überlegte noch, wie sie damit umgehen sollte.
Diesen Prozess zeigt Larraín in seinem Film, der sich wenig für die Konventionen eines Biopics und überhaupt nicht für die Befindlichkeiten der Fans des britischen Königshauses und der Lady-Diana-Fans interessiert. Er fantasiert, nach einem Drehbuch von Steven Knight, fröhlich vor sich hin und schildert die Horrortage aus Dianas Perspektive.
Daher zeigt er in jedem Bild, wie sehr Diana mit ihrer Rolle als Frau von Prinz Charles, dem Thronfolger, fremdelt. Sie lehnt die Rolle der Ehefrau ab. Sie lehnt die starren Rituale der Königsfamilie ab. Sie lehnt auch die damit verbundenen Verpflichtungen ab. Es sind Regeln, die ein Weihnachtsfest im engsten Familienkreis zu einem monatelang vorbereiteten, militärischen Kommandounternehmen machen. Das beginnt mit der Inbesitznahme des menschenleeren Anwesens durch das Militär und das Personal. Im Stechschritt werden in Metallkisten Tonnen erlesenster Lebensmittel ins Sandringham House getragen. Die Uhrzeiten der Mahlzeiten sind auf die Sekunde festgelegt. Die Kleidung ebenso. Für jede Mahlzeit muss Diana ein anderes Kostüm tragen. Und darüber, dass jede Falte akkurat sitzt, wacht das Personal. Die beim Essen von einem Streicherensemble gespielte Musik zerrt an den Nerven.
Die Königsfamilie erscheint vollkommen unnahbar. Prinz Charles, der damals noch ihr Mann ist, wirkt wie ein superfieser Bösewicht. Die Königin ist genauso unnahbar. Es ist eine Familie, die einem Horrorkabinett oder einem Alptraum entsprungen sein könnte.
Für Diana, die vollkommen desorientiert durch das Haus und die Landschaft stolpert, sind diese Tage ein Alptraum.
Dadurch wird Diana, großartig gespielt von Kristen Stewart, allerdings nicht zur Sympathieträgerin. Denn Larraín bemüht sich erfolgreich, das Gefühl der Fremdheit, das Diana gegenüber der Königsfamilie hat, auf das Verhältnis des Publikums zu Diana zu übertragen. Er unternimmt alles, um eine möglichst große Distanz zwischen ihr und dem Publikum schaffen. Sie ist nicht das Opfer einer kontrollversessenen Königsfamilie, sondern selbst eine höchst psychotische Person, die ständig kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht.
„Spencer“ ist ein Film in dem und bei dem sich niemand wohlfühlt. Daher ist das Ende, wenn sie mit ihren Kindern William und Harry aus dem Horrorhaus und von der Horrorfamilie flüchtet, so übertrieben fröhlich inszeniert, dass jeder, auch wenn er nicht wüsste, wie Dianas Geschichte weitergeht, die Falscheit und Verlogenheit dieses Happy Ends erkennt.
Pablo Larraín inszenierte seine Mär von Selbstfindung und Befreiung wie einen Horrorfilm. Damit ist „Spencer“ für Diana-Hasser sicherlich geeigneter als für Diana-Fans. Und Faktenhuber werden verzweifeln.
Dennoch, oder gerade deswegen: ein großartiger Film!
mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson
LV: Wolfgang Kohlhaase: Die Erfindung einer Sprache (Kurzgeschichte)
SS-Hauptsturmführer Koch will unbedingt persisch lernen. Gilles, einer seiner Gefangenen, der ein auf persisch geschriebenes Buch besitzt, soll es ihm beibringen. Weil er die Sprache ebenfalls nicht spricht, aber unbedingt den Krieg überleben will, erfindet er eine orientalisch klingende Fantasiesprache.
TV-Premiere zu einer unverdient ungünstigen Uhrzeit. Gut gemachtes, aber auch etwas dröges Drama.
mit Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay, Leonie Benesch, Alexander Beyer, David Schütter, Luisa-Céline Gaffron, Giuseppe Schillaci, Antonin Chalon, Mehdi Rahim-Silvioli
Und wieder klingelt in einem Vorstadthaus das Telefon. Und wieder nimmt ein gutaussehender Teenager den Anruf an. Und wieder fragt der unbekannte Anrufer, ob sie mit ihm ein Frage-und-Antwort-Spiel über Horrorfilme spielen möchte.
Aber im Gegensatz zum ersten „Scream“-Film, wo die schon damals sehr bekannte und auf den Plakaten entsprechend herausgestellte Drew Barrymore von dem maskierten Killer getötet wurde, nimmt heute, 25 Jahre später, die hierzulande deutlich unbekanntere Jenna Ortega (u. a. die Disney-TV-Serie „Mittendrin und kein Entkommen“ [Stuck in the Middle]) den Hörer ab. Vielleicht darf sie deshalb den Angriff des Killers überleben. Denn Ghostface ist, elf Jahre nach „Scream 4“, zurück. Immer noch trägt er die ikonische, von Edvard Munchs „Der Schrei“ inspirierte Maske. Und, wieder einmal, verbirgt sich hinter der Maske ein anderer Mörder oder, wie in den meisten „Scream“-Filmen, ein Mörderpaar.
Vielleicht wollten die Macher auch einfach nur eine kleine Variation ausprobieren.
Vor 25 Jahren war diese sofortige Ermordung der potentiellen Hauptperson ein schockierender Auftakt für einen Slasher-Horrorfilm, der seine Figuren über die Regeln des Slasher-Horrorfilms philosophieren ließ. Denn Mitte der Neunziger hatten alle Teenager und Twenty-Somethings ihren Teil an Horrorfilmen gesehen und sie wussten, was passiert, wenn der Boyfriend alleine in den Keller geht oder die selbstverständlich sehr gut aussehende Jungfrau Sex vor der kirchlichen Trauung haben will. Dann schlägt die puritanische Moral sofort und unbarmherzig zu. Es gibt Schreie, ein Blutbad, Tote.
Kevin Williamson schrieb das intelligente Drehbuch. Es war sein Debüt. Danach kamen „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (I Know What You Did Last Summer), „The Faculty“, weitere „Scream“-Drehbücher und die TV-Serie „Dawson’s Creek“.
Wes Craven, der Regisseur des ersten und der drei weiteren „Scream“-Filme, war damals schon ein bekannter Horrorfilm-Regisseur, dank Werken wie „Das letzte Haus links“ (The Last House on the Left, 1972), „Hügel der blutigen Augen“ (The Hills Have Eyes. 1977) und, selbstverständlich, „Nightmare – Mörderische Träume“ (A Nightmare on Elm Street, 1984). Er starb 2015. „Scream 4“ war sein letzter Film.
„Scream“ (1996) war schon Meta, als nur die „Spex“-Schreiber sich darunter etwas vorstellen konnten. Und es war der erste Teen-Horrorfilm, der diese Idee künstlerisch und kommerziell erfolgreich umsetzte.
„Scream“ (2022) ist jetzt ein Metafilm über einen Metafilm. Es wird also nicht mehr nur über die Regeln des Genres gesprochen, sondern auch darüber, dass es jetzt zunehmend Filme gibt, die an eine einstmals erfolgreiche Reihe anknüpfen und sie, meist unter Mißachtung einer oder mehrerer Vorgängerfilme, wiederbeleben wollen.
Das war zuletzt bei „Matrix Resurrection“ so. Auch da wurde über die Sinnhaftigkeit von „Matrix 4“ gesprochen, bevor einfach noch einmal „Matrix“ wiederholt wurde.
Andere jüngere Bespiele für diese Erneuerungen alter Franchises sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: „Ghostbusters“, „Halloween“, „Star Wars“ und „Terminator“ (gut, der war DOA). Bei all diesen Requels, Sequels, Reboots und Quasi-Remakes (die Unterschiede sind eher minimal) werden die alten Filmen neu inszeniert mit höherem Budget, einigen Schauspielern aus dem ersten Film der Serie (die das Herz des Fans erfreuen sollen und die den Film nicht notwendigerweise überleben), einigen jüngeren Schauspielern (die bei einem entsprechenden Kassenerfolg in den nächsten Filmen der Serie die Hauptrollen übernehmen sollen) und der altbekannten Story, die etwas abgestaubt und mit zahlreichen Verweisen auf die vorherigen Filme als neu und zugleich alt präsentiert wird.
So auch in „Scream“ (2022). Neve Cambpell, Courteney Cox und David Arquette, die Hauptdarsteller der vorherigen „Scream“-Filme, sind wieder dabei. Auch wenn einige Zeit vergeht, bis sie nacheinander im Film auftauchen. Denn nach dem ersten Anschlag, mordet Ghostface in der Kleinstadt Woodsboro munter weiter. Die wichtigste neue, allerdings ziemlich blasse Figur ist Samantha ‚Sam‘ Carpenter (Melissa Barrera). Sie verließ vor fünf Jahren ihren Geburtsort, weil sie erfuhr wer ihr Vater ist. Kleiner Hinweis: es hat etwas mit dem ersten „Scream“-Film zu tun.
Jetzt kehrt sie nach Woodsboro zurück. Begleitet wird sie von ihrem verständnisvollem Freund. Sie ist die ältere Schwester von Tara, auf die am Filmanfang der Mordanschlag verübt wurde und die jetzt schwer verletzt im Krankenhaus liegt.
Die Teenager klugscheißen über die Regeln des Horrorfilms als seien wir wieder im Jahr 1996 oder 1986, als Slasher-Filme ordentlich Geld einspielten. Sie sind auch verärgert über die Entwicklung der „Stab“-Filmreihe, die auf den Taten von Ghostface basiert und die sich zuletzt in die falsche Richtugn entwickelte. Es gibt für die Fans der vorherigen Filme etliche Easter-Eggs. Offensichtliche, wie der Vater von Figur XYZ oder dieser oder jener Schauplatz, und weniger offensichtliche.
Und mehr bietet „Scream“ (2022) dann nicht.
Das ist das filmische Äquivalent zum Revival einer bekannten Band, die einfach noch einmal ihre Hits runterspielt.
Dabei gibt es gute neue Horrorfilme, wie „The Babadook“ und „The Witch“, die auch in „Scream“ (2022) genannt werden. Das sind Filme, die alte Topoi neu interpretieren. Daran hatten die Macher von „Scream“ (2022) kein Interesse. Die Drehbuchautoren James Vanderbilt („Zodiac“, „White House Down“, „Der Moment der Wahrheit“ [Truth; auch Regie]) und Guy Busick („Ready or Not“, „Castle Rock“) und die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (das Duo inszenierte auch das kurzweilige Spektakel „Ready or Not“) gehen auf Nummer sicher, indem sie auf die Wünsche der Fans hören und letztendlich einfach „Scream“ wiederholen.
Scream(Scream, USA 2022)
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: James Vanderbilt, Guy Busick (basierend auf den von Kevin Williamson erfundenen Figuren)
mit Melissa Barrera, Kyle Gallner, Mason Gooding, Mikey Madison, Dylan Minnette, Jenna Ortega, Jack Quaid, Marley Shelton, Jasmin Savoy Brown, Sonia Ammar, Courteney Cox, David Arquette, Neve Campbell
Das hat jetzt länger gedauert, als ursprünglich geplant. Und zwar weil ich Frank Göhres neuen Roman „Die Stadt, das Geld und der Tod“ in einem Rutsch lesen wollte. Immerhin ist es mit hundertsechzig Seiten kein sonderlich dickes Buch und da sollte die Lektüre doch an einem ruhigen Tag mühelos gelingen. Also verschob ich die Lektüre von einem meiner Lieblingsautoren immer wieder. Mal las ich gerade ein anderes Buch, mal musste ich etwas erledigen, mal hätte ich es nur in kleinen Abschnitten (zehn Seiten beim Frühstück, drei Seiten in der U-Bahn, umsteigen, vier Seiten in der S-Bahn,…) lesen können.
Aber jetzt habe ich endlich die nötige ungestörte Lesezeit gefunden. Und, um jetzt die offensichtliche Frage gleich zu beantworten: ja, das Warten hat sich gelohnt. Es ist ein guter Noir.
Die Geschichte beginnt mit dem Tod des sechzehnjährigen David Wójcik und der Entlassung von seinem neununddreißigjährigem Vater Ivo Jasari. Der gebürtige Rumäne saß wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge im Zusammenhang mit dem Schmuggel von Luxusartikeln über fünf Jahre in Haft. Ivo kehrt schnell in sein altes Leben als Partner von Nicolai Radu zurück. Sie verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Nicolai und er eroberten in den Neunzigern, mehr oder weniger legal, den Kiez. Nicolai kaufte Immobilien, ging eine Beziehung mit der Tochter eines angesehenen Kaffeeimporteurs ein und wurde so ein ehrenwerter Geschäftsmann, dem man nie etwas Illegales nachweisen konnte. Aber es gab immer Gerüchte, der Radu-Clan bilde den Kopf der Organisierten Kriminalität in Hamburg.
Ivo will zwar auch wissen, warum sein Sohn David an einer größeren Dosis Amphetaminen starb und wer dafür verantwortlich ist, aber allzu engagiert hört er sich nicht um.
Auch Frank Göhre interessiert sich kaum für diese potentielle Rachegeschichte. Er interessiert sich viel mehr dafür, wie zu Beginn dieses Jahrhunderts das Organisierte Verbrechen in Hamburg agierte. Es ist nicht mehr das Organisierte Verbrechen der alten Kiezkönige, die er ab den Achtzigern in seinen Kiez-Romanen beschrieb.
Jetzt sind es Auswanderer aus Rumänien. In den achtziger und neunziger Jahren waren sie Kleinkriminelle. Sie betrieben Diskotheken und Clubs, kauften Immobilien. Einige Jahre später, in den Nullerjahren, sind sie mittelalte Männer, die immer noch mit dem kriminellen Milieu und ihrer vermutlich kriminellen Vergangenheit (es gab Gerüchte, aber keine Gerichtsurteile) assoziiert werden, aber legalen Geschäften nachgehen. Mehr oder weniger.
Göhre beschäftigt sich in „Die Stadt, das Geld und der Tod“, dem neuesten Teil seiner Hamburger Sittengeschichte, wieder einmal, mit den Verbindungen zwischen Verbrechen, Wirtschaft und Politik und den damit verbundenen fließenden Grenzen zwischen legalen, halblegalen und schlichtweg illegalen Geschäften.
Der von Göhre gewählte Titel „Die Stadt, das Geld und der Tod“ ist selbstverständlich eine Anspielung auf Rainer Werner Fassbinders sehr umstrittenes Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“.
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Einsame Entscheidung (Executive Decision, USA 1996)
Regie: Stuart Baird
Drehbuch: Jim Thomas, John Thomas
Terroristen entführen eine Boing 747. Das Militär schleust eine Spezialeinheit, die von dem Antiterrorexperten Dr. David Grant (Kurt Russell) begleitet wird, in das Flugzeug. Dummerweise stirbt dabei deren Chef (Steven Seagal!) und der Zivilist Grant muss jetzt, bevor der Jumbo abgeschossen wird, im Alleingang die Terroristen besiegen und die Passagiere retten.
Der flotte Thriller ist das Regiedebüt von Stuart Baird, der vor allem als Editor bekannt ist. Zum Beispiel für die James-Bond-Filme „Casino Royale“ und „Skyfall“.
mit Kurt Russell, Steven Seagal, Halle Berry, John Leguizamo, Oliver Platt, David Suchet, Joe Morton, BD Wong, J. T. Walsh, Jon Huertas (sein Spielfilmdebüt, als Terrorist)
Wer „Dampfnudelblues“ oder eine der darauf folgenden Franz-Eberhofer-Krimikomödien gesehen hat, wird im neuen Franz-Eberhofer-Krimi „Kaiserscharrndrama“ die gewohnte Kost bekommen.
Der Kriminalfall war schon immer nebensächlich.
Dieses Mal wird in dem niederbayerischen Dorf Niederkaltenkirchen eine Joggerin erschlagen. Sie ist das dorfbekannte Webcam-Girl Simone. Dorfpolizist Franz Eberhofer muss den Mörder suchen. Sein penetranter Kumpel und Co-Ermittler (ohne Dienstmarke) Rudi Birkenberger sitzt derweil, nach einem von Eberhofer verursachtem Autounfall, im Rollstuhl.
Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, richtet er sich häuslich auf dem Eberhofer-Hof ein. Dort lebt im Moment auch Franz‘ verhasster, weil biederer Bruder Leopold. Der Spießer möchte auf dem Hof ein Familienhaus für sich und seinen Bruder erbauen. Gegen den Widerstand von Franz, der niemals in das neue Haus einziehen möchte, und ihres Vaters, der sich gegen diese Verschandelung seines Hofes wehrt.
Selbstverständlich sind im neuen Eberhofer-Krimi auch die aus den vorherigen Eberhofer-Krimis bekannten trinkfreudigen Kumpels von Franz Eberhofer dabei. Dieses Mal sind sie sogar etwas in den Mordfall verwickelt.
Nach dem zweiten Mord übernimmt die Münchner Über-Ermittlerin Thin Lizzy den Fall. Eberhofer-Fans kennen sie bereits aus den vorherigen Filmen und sie wissen, dass jetzt der Ermittler-Ehrgeiz von Eberhofer geweckt ist. Denn er will unbedingt vor ihr den Fall lösen.
„Kaiserschmarrndrama“ ist der siebte Eberhofer-Film. Die Krimikomödie sollte bereits vor einem Jahr im Kino laufen. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde der Starttermin mehrmals verschoben.
Für die Fans hat sich das Warten gelohnt. Es sind alle aus den vorherigen Komödien vertrauten und beliebten Figuren mit ihren Schrullen wieder dabei. Und wie immer verändern sich einige Kleinigkeiten. Einerseits weil Franz Eberhofers Dauerfreundin seit Kindertagen, die Susi, mehr von ihm will als er geben möchte. Eigentlich möchte er – immer noch – nur mit seinen Kumpels abhängen und in seiner Junggesellenbude, einem riesigen Zimmer in der Scheune des elterlichen Hofes, versacken. Susi findet das weniger toll. Und ihr gemeinsames Kind, der Paul, wird auch mit jedem neuen Eberhofer-Krimi größer.
Auch hinter der Kamera veränderte sich nichts. Ed Herzog ist weiterhin der Regisseur der Serie. Stefan Betz schrieb wieder das Drehbuch. Das weitere Team, Kamera, Schnitt undsoweiter, war ebenfalls bei den vorherigen Filmen dabei. Die Schauspieler übernahmen wieder, mit offensichtlichem Vergnügen, ihre vertrauten Rollen.
An dem Erfolgsrezept – die Filme wurden zuerst nur in Bayern im Kino gezeigt und, wegen des überragenden und überraschenden Erfolgs, später in ganz Deutschland – änderten sie nichts. Für die zahlreichen Fans ist das eine sehr gute Nachricht.
Und die strömten im Sommer auch eifrig ins Kino. Über 1,1 Millionen Eintrittskarten wurden verkauft. Damit steht das „Kaiserschmarrndrama“, noch vor „Venom: Let There Be Carnage“ und „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“, auf dem siebten Platz der deutschen Kinojahrescharts 2021.
Beim zweiten Ansehen fällt noch mehr auf, wie unwichtig den Machern der Kriminalfall ist. Eigentlich geht es nur noch um das gemeinsame Abhängen mit Eberhofer und seinen Kumpels. Das ist vergnüglich; vor allem wenn man die Figuren und ihre Schrullen aus den vorherigen Filmen bereits kennt. Aber auf lange Sicht dürfte die Konzentration auf persönliche Probleme und das intensive Pflegen von Schrullen, Freund- und Feindschaften in eine erzählerische Sackgasse führen.
Schließlich handelt es sich bei den Eberhofer-Filmen doch irgendwie um Krimikomödien und da sollte es einen nennenswerten Kriminalfall geben, der, wenn er schon nicht im Mittelpunkt des Films steht, für die Filmgeschichte wichtig ist. Im neuesten Eberhofer-Film könnte man die wenigen Szenen mit dem Kriminalfall ohne Probleme aus dem Film herausschneiden. Er wäre nur wenige Minuten kürzer und niemand würde etwas vermissen.
Das Bonusmaterial ist mit über vierzig Minuten quantitativ umfangreich, vergnüglich und kurzweilig, aber wenig informativ. Es handelt sich um „Kaiserschmarrndrama – Making of“ (21:51 Minuten), die Mini-Featurettes „Rudis Rezeptereigen – Leckereien leicht gemacht“ (2:02 Minuten), „Richtig protestieren mit Papa Eberhofer“ (1:43 Minuten) und „Equipment Check mit Max Simmerl“ (2:13 Minuten), Interviews mit, in der Reihenfolge ihrer Kurzstatements den Hauptdarstellern Sebastian Bezzel, Enzi Fuchs, Christine Neubauer, Simon Schwarz und Gerhard Wittmann (insgesamt 5:07 Minuten), B-Roll (8:15 Minuten) und dem Trailer (2:33 Minuten).
Kaiserschmarrndrama(Deutschland 2021)
Regie: Ed Herzog
Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog
LV: Rita Falk: Kaiserscharrndrama, 2018
mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Sigi Zimmerschied, Nora Waldstätten, Michael Ostrowski, Thomas Kügel, Maria Hofstätter, Matthias Egersdörfer, Rüdiger Klink, Thomas Mraz, Ferdinand Hofer, Mai Le, Theresa Walter, Marek Fis, Christine Neubauer, Willy Astor, Olivia Pascal, Sarah Viktoria Frick
Bonusmaterial: Kaiserschmarrndrama – Making of, Rudis Rezeptereigen – Leckereien leicht gemacht, Richtig protestieren mit Papa Eberhofer, Equipment Check mit Max Simmerl, Interviews, Trailer, B-Roll
weil am Donnerstag der fünfte „Scream“-Film anläuft. Dann erscheint auch meine Filmkritik.
Das 496-seitige, 2000 erschienene Werk dürfte so ungefähr jede Frage zu den ersten drei „Scream“-Filmen beantworten. Der vierte „Scream“-Film, gleichzeitig der letzte Film von Wes Craven, erschien 2011. Und jetzt, ungefähr zehn Jahre später, schlägt der Ghostface-Killer wieder zu.