TV-Tipp für den 19. März: Broken Flowers

März 19, 2016

Servus TV, 20.15

Broken Flowers – Blumen für die Ex (USA/Frankreich 2005, Regie: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch (inspiriert von einer Idee von Bill Raden und Sara Driver)

Don Johnston (Stoneface Bill Murray) lungert nur noch in seiner Wohnung herum und träumt von seinen früheren Frauen. Eines Tages erhält er einen anonymen Brief, in dem steht, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Don, der bislang von seinem Vaterglück nichts wusste, macht sich auf den Weg quer durch die USA zu seinen alten Freundinnen, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat und von denen eine die Mutter sein muss.

Jim Jarmusch erhielt für sein lakonisches Road-Movie über verpasste Chancen den Großen Preis der Jury in Cannes, einige weitere Preise, viel Kritikerlob – und an der Kinokasse lief der Film auch gut.

Mit Bill Murray, Julie Delpy, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Chloë Sevigny, Jessica Lange, Tilda Swinton

Wiederholung: Sonntag, 20. März, 17.05 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Broken Flowers“

Metacritic über „Broken Flowers“

Rotten Tomatoes über „Broken Flowers“

Wikipedia über „Broken Flowers“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Raum“, eine Mutter, ihr Sohn und eine Gefangenschaft

März 18, 2016

In „Raum“, dem neuen Film von „Frank“-Regisseur Lenny Abrahamson, sieht man nichts physisch schlimmes. Keine Blutbäder, keine abgetrennten Gliedmaße, keine wüsten Schießereien oder Schlägereien. Es geht ziemlich gesittet zu zwischen Ma (Brie Larson), ihrem fünfjährigem Sohn Jack (Jacob Tremblay) und Old Nick (Sean Bridgers), der Ma vor sieben Jahren entführte und seitdem in einem neun Quadratmeter großem Raum gefangen hält. Und gerade weil jeder sich diese Situation gut vorstellen kann, ist „Raum“ psychisch fordernder als das neueste Horrorfilmblutbad oder irgendein Exploitation-Film.
Ma, die als Siebzehnjährige entführt wurde, versucht Jacob möglichst normal zu erziehen. Für ihn ist daher dieser Raum die Welt. Eine Außenwelt gibt es für ihn nicht. Im Fernsehen sind keine echten Menschen. Und Old Nick versorgt sie, mehr schlecht als recht, mit allem, was sie brauchen.
Aber Jack wird älter, stellt Fragen und Ma überlegt, wie sie flüchten können.
Als in der Filmmitte die Flucht aus dem Raum gelingt, wird zwar der Raum, in dem Ma und Jack leben, größer, aber haben sie wirklich ihr Gefängnis verlassen und wie können sie außerhalb ihres vertrauten Gefängnisses, das sie in den letzten Jahren auch beschützte, überleben? Außerdem veränderte sich die Welt außerhalb des Raums. Mas Eltern, Nancy (Joan Allen) und Robert (William H. Macy), mussten mit dem spurlosen Verschwinden ihrer Tochter umgehen und die Medien interessieren sich für Ma und Jack.
Was das Kammerspiel „Raum“ so grandios macht, ist, dass es auf vielen verschiedenen Ebenen tadellos funktioniert. Es ist an der Oberfläche die Geschichte eines Jungen, der seit seiner Geburt in einem geschlossenen Zimmer lebt und danach die Welt kennenlernt. Es ist auch die Geschichte einer Mutter, die ihr Kind erzieht und vor allen Bedrohungen schützen will. Diese feinfühlig und nuanciert erzählte Mutter-Kind-Geschichte würde schon genügen, um „Raum“ sehenswert zu machen.
Daneben funktioniert „Raum“ auch als Metapher für, nun, je nachdem, wie viel wir den Film hineininterpretieren wollen und welchen Aspekt wir gerade für den Wichtigsten halten, unser Leben, das Erwachsenwerden, das Erkunden der Welt und den sich damit wandelnden Perspektiven. So erscheinen Dinge, die früher für uns groß waren, irgendwann sehr klein. Es geht um die Beziehungen von Eltern zu ihren Kindern und wie damit umgegangen wird.
Die Prämisse von „Raum“ erinnert selbstverständlich an mehrere reale Fälle. Emma Donoghue, die Autorin des Romans und des Drehbuchs, war von dem Fall Elisabeth Fritzl, die von ihrem Vater 24 Jahre in einem Keller gefangen gehalten und mehrfach vergewaltigt wurde und dadurch mehrfache Mutter wurde, inspiriert.
Eine weitere, ebenso offensichtliche und bekannte Inspiration ist der Fall Natascha Kampusch, die acht Jahre in einem Keller gefangen gehalten wurde.
Abrahamson erzählt die Geschichte konzentriert und immer nah an den beiden Hauptfiguren, ihren Gefühlen, ihrer Perspektive und ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit. „Raum“ ist gerade deshalb sehr wahrhaftig und auch unangenehm. Zu gut können wir uns eine solche Gefangenschaft vorstellen. Zu einfach können wir „Raum“ als Metapher für unser eigenes Leben verstehen.
„Raum“ ist beklemmend großartiges Kino, das seine Geschichte ganz altmodisch unaufgeregt und ohne Effekthaschereien erzählt und so auch jede emotionale Distanzierung, jede Flucht aus dem Raum, erschwert.

Raum - Plakat

Raum (Room, Irland/Kanada 2015)
Regie: Lenny Abrahamson
Drehbuch: Emma Donoghue
LV: Emma Donoghue: Room, 2010 (Raum)
mit Brie Larson, Jacob Tremblay, Joan Allen, William H. Macy, Sean Bridgers, Tom McCamus, Cas Anwar
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Raum“
Metacritic über „Raum“
Rotten Tomatoes über „Raum“
Wikipedia über „Raum“ (deutsch, englisch)
Homepage von Emma Donoghue
Meine Besprechung von Lenny Abrahamsons „Frank“ (Frank, Irland/Großbritannien 2014)

DP/30 redet mit Lenny Abrahamson und Emma Donoghue über „Room“


TV-Tipp für den 18. März: Gorky Park

März 18, 2016

3sat, 22.35

Gorky Park (USA 1983, Regie: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.

Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweise

AllMovie über “Gorky Park”

Rotten Tomatoes über “Gorky Park”

Turner Classic Movies über “Gorky Park”

Wikipedia über “Gorky Park” (deutsch, englisch)

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Tatjana“ (Tatjana, 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Bestimmung – Allegiant“ – erste Runde im Finale

März 17, 2016

Was bei Harry Potter, Twilight und Die Tribute von Panem funktionierte, soll auch bei „Die Bestimmung“ funktionieren: das Finale, die Verfilmung des abschließenden Romans der Trilogie, wird auf zwei Filme aufgeteilt zu einer „Trilogie in vier Filmen“. Deshalb wird die Geschichte gestreckt, es gibt Veränderungen zur Vorlage (hier die Details LINK) und der Film endet einfach mitten in der Geschichte, was dazu führt, dass man einen halben Film besprechen soll und die Zuschauer zwei Tickets lösen müssen, um eine Geschichte zu sehen. Dabei war und ist „Die Bestimmung“ nicht „Die Tribute von Panem“. Also von ihrer Qualität. Die Story selbst folgt den ausgetretenen dystopischen Pfaden, die sich nur anhand ihrer Hauptdarstellerin unterscheiden.
Am Ende von „Die Bestimmung – Insurgent“ warf Beatrice „Tris“ Prior (Shailene Woodley) einen Blick über die gut gesicherte Mauer von ihrer Welt, dem zerstörten Chicago und entdeckte eine Welt dahinter.
Jetzt flüchtet sie, bepackt und bekleidet als ginge es zum nächsten Café, mit ihren Freunden, die wir aus den vorherigen Filmen kennen, aus der Stadt. Tori (Maggie Q) stirbt dabei (sie ist ja auch wirklich zu alt, um mit einigen Jugendlichen abzuhängen). Peter (Miles Teller) wird mitgenommen, weil er verspricht, sich jetzt wirklich zu benehmen. Der Opportunist tut es natürlich nicht, sondern verbündet sich wieder mit den bösen, erwachsenen Mächtigen. Dieses Mal verkörpert von David (Jeff Daniels), dem Leiter des „Amt für genetisches Sozialwesen“.
David will Tris für seine Zwecke einspannen. Denn, so erklärt er Tris, Chicago sei Teil eines genetisches Experiments, das die Fehler eines vorherigen genetisches Experiments beheben soll. Tris, die zu keiner Fraktion (das waren die aufgrund ihrer Eigenschaften, vulgo Gene, in Gruppen sortierte Menschen) gehöre, sei, die Auserwählte. Ihr Genpool sei rein und daher sei sie das gelungene Ergebnis des zweihundertjährigen Experiments. Deshalb will er mit ihren reinen Genen weiterarbeiten. Sie vervielfältigen und weitere reine Menschen schaffen, während sich in Chicago die Menschen mit den defekten Genen gegenseitig weiter töten dürfen.
Ähem, abgesehen von dem idiotischen Lösungsvorschlag, misslungene genetische Experimente mit noch mehr Genetik zu beheben, ist diese Gesellschaft ein einziger faschistoider Staat, was aber die frei denkende Tris, die ja in Chicago gegen verschiedene Diktaturen kämpfte und sich eben nicht in irgendeine Gesellschaft einordnen wollte, nicht daran hindert, von Davids Vision begeistert zu sein. Jedenfalls zunächst und eher so Drehbuch-begeistert.
Wer „Die Bestimmung – Divergent“ und „Die Bestimmung – Insurgent“ nicht gesehen hat und auch nicht plant, sich in einem Jahr den Abschluss der Trilogie anzusehen, kann getrost auf „Die Bestimmung – Allegiant“ verzichten. Es ist ein Film ohne Anfang und ohne Ende. Es ist, als ob man eine Folge aus einer mediokren Soap Opera sieht und sich dabei ständig fragt: Was soll das? Weder die Welt, noch die Hauptfiguren und die Konflikte werden eingeführt, weil man das ja schon in den vorherigen beiden Filmen getan hat. Es gibt auch keine erklärende Einführung oder Zusammenfassung bisheriger Ereignisse, weil Zuschauer ja die vorherigen beiden Filmen gesehen haben.
Aber auch als weiteres Bindeglied zwischen dem Anfang der Geschichte in „Die Bestimmung – Divergent“ und dem Abschluss, nächstes Jahr in „Die Bestimmung – Ascendant“ funktioniert „Die Bestimmung – Allegiant“ nicht. Die gänzlich humorfreie Handlung, wenn man sie denn so nennen will, bewegt sich im Schneckentempo mit, jedenfalls bis zum Abschluss dieses Films, verzichtbaren Subplots, voran. So als strecke man eine dünne Suppe noch weiter. Die Konflikte sind unklar, weil einfach zwischen den verschiedenen Handlungsorten und Erzählsträngen hin und her gewechselt wird, ohne dass sie in einer erkennbaren Beziehung zueinander stehen. Anstatt die Handlung voranzutreiben, entschleunigen sie sie weiter. Die Charaktere sind erschreckend blass. Und das gilt auch für die schon aus den beiden vorherigen Filmen bekannten Figuren. Die utopische Welt ist hirnrissig in ihrer Mischung aus glänzendem High Tech und zerstörter Kriegslandschaft. Chicago sieht, immer noch, wie das zerbombte Berlin zwei Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Die menschenfeindliche Kloake um Chicago, durch die Tris und ihre Freunde gehen, wie die DDR zur Wende. Bitterfeld lässt grüßen.
Mit seinem „Amt für genetisches Sozialwesen“ (bin ja gespannt auf die anderen Projekte des Amtes) hat David mitten in einer stinkend-toxischen Müllkippe eine kleine Insel geschaffen, in der die unteren Ränge in einer riesigen Lagerhalle ohne irgendeinen Hauch von Privatsphäre übernachten müssen, während David in einem großen Zimmer logiert und die Forschungsabteilung ebenso pompös ausgestattet ist.
Hätten sie nicht in den vergangenen zwei Jahrhunderten etwas terraforming betreiben können? Und warum will irgendjemand, der High-Tech-Labore schaffen kann, nicht auch einmal etwas aufräumen? Zweihundert Jahre sollten doch genügen, um etwas Ordnung zu schaffen. Und auch bei uns ist in Internaten, Kasernen, Krankenhäusern und Gefängnissen die Zeit der Schlafsäle schon lange vorbei. Sogar Mehrbettzimmer werden immer seltener.
Auch in der dritten „Die Bestimmung“-Episode bleiben die Hauptfiguren, wie gesagt, blass. Teilweise, was vor allem für die Erwachsenen gilt, werden sie sogar zunehmend uninteressanter und hängen nur so im Film herum, um, vielleicht, im Finale eine wichtige Rolle zu haben. Den Jugendlichen geht es nur etwas besser.
Tris, die uns ja als weibliche Heldin verkauft wird, fällt im Zweifelsfall in die vertrauten, konservativen Rollenmuster zurück. Anstatt selbst zu kämpfen, lässt sie sich von ihrem Freund retten und überlässt ihm das Kämpfen. Ellen Ripley wäre das niemals eingefallen.
Wetten, dass sich am Ende von „Die Bestimmung – Ascendant“ Tris Priors Ambitionen für ihr weiteres Leben auf das Gründen einer Familie und sonntägliche Kirchenbesuche beschränken?

Die Bestimmung - Allegiant - Plakat

Die Bestimmung – Allegiant (The Divergent Series: Allegiant, USA 2016)
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Noah Oppenheim, Adam Cooper, Bill Collage
LV: Veronica Roth: The Divergent Series: Allegiant, 2013 (Die Bestimmung – Letzte Entscheidung)
mit Shailene Woodley, Theo James, Jeff Daniels, Miles Teller, Ansel Elgort, Zoë Kravitz, Maggie Q, Octavia Spencer, Naomi Watts, Ray Stevenson, Mekhi Phifer, Daniel Dae Kim, Bill Skarsgard, Jonny Weston
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Die Bestimmung – Allegiant“
Metacritic über „Die Bestimmung – Allegiant“
Rotten Tomatoes über „Die Bestimmung – Allegiant“
Wikipedia über „Die Bestimmung – Allegiant“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Insurgent“ (The Divergent Series: Insurgent, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Jesus ist „Auferstanden“ und ein Römer folgt ihm

März 17, 2016

Eines kann „Auferstanden“ nicht vorwerfen: dass er, wie „Noah“ und „Exodus“, eine weitere halbgare Neuinterpretation einer biblischen Geschichte ist, die gleichzeitig die allseits bekannte Geschichte für die Gläubigen und die Ungläubigen erzählen will. Das macht Kevin Reynolds Film aber nicht besser.
Kevin Reynolds, der „Robin Hood“, „Waterworld“ und die Mini-TV-Serie „Hatfield & McCoys“ (immer mit Kevin Costner) inszenierte, erzählt in „Auferstanden“ die Geschichte der Auferstehung von Jesus Christus aus der Sicht des römischen Militärtribuns Clavius (Joseph Fiennes) nach. Wir lernen ihn bei einer blutigen Schlacht gegen Aufständische als tapferen Kämpfer und Anführer kennen. Er ist ein echter Vorzeigesoldat, der seine Arbeit überzeugt und ohne Zweifel ausführt.
Weil es im Umfeld der Kreuzigung von Jesus viele Gerüchte und Prophezeiungen über dessen Wiederauferstehung gibt, soll und will (es ist eine typische „halb zog sie ihn, halb fiel er hin“-Situation) er herausfinden, was es damit auf sich hat. Und schwuppdiwupp wird Clavius, der zunächst nur Jesus‘ Jünger befragt und beobachtet, zu einem Gläubigen, weil, nun, weil das halt so im Drehbuch steht und Jesus, der immer wieder an den aus dem Neuen Testament bekannten Orten als schweigsamer, langhaariger Schönling auftaucht, so überirdisch charismatisch ist. Jedenfalls für Clavius, der den Heiland sieht und flugs zum Christentum konvertiert.
Dabei hätte man aus diesem schon mehrmals verwandtem Ansatz, die Geschichte der Auferstehung aus der Sicht eines Ungläubigen und Skeptikers zu erzählen, durchaus einiges machen können. Ich erinnere mich da an Damiano Damianis „Die Untersuchung“ (L’Inchiesta, Italien 1986). Damianis Kreuzung aus Bibelfilm und Politthriller im Korsett eines Kriminalfilms gefiel mir vor Ewigkeiten sehr gut.
Aber „Auferstanden“ ist, trotz einiger Momente, in denen Reynolds zeigt, dass er mit seinen Bildern die große Leinwand füllen kann und will und dass hier irgendwo in der palästinensischen Wüste eine interessante Geschichte verborgen liegt, eine banal-überflüssige Nacherzählung der bekannten Geschichte, die abgesehen von dem Protagonisten, einfach nur die bekannten Stationen der Auferstehung abhandelt. Das überzeugt höchstens blind Gläubige, die schon vor den ersten Filmbildern wissen, dass ihnen der Film gefallen wird. Alle anderen können auf diesen Christus-Kitsch getrost verzichten.
Und ich frage mich, ob es denn wirklich seit Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ (1988, die von zahlreichen Protesten Gläubiger begleitet war) und Pier Paolo Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964) keine ansehbare Interpretation des Lebens von Jesus Christus gab und warum es so kompliziert ist, eine Geschichte aus der Bibel für ein zeitgenössisches Publikum zu erzählen.
P. S.: „Das Leben des Brian“ zählt in diesem Zusammenhang nicht wirklich.

Auferstanden - Plakat

Auferstanden (Risen, USA 2016)
Regie: Kevin Reynolds
Drehbuch: Kevin Reynolds, Paul Aiello (nach einer Geschichte von Paul Aiello)
mit Joseph Fiennes, Tom Felton, Peter Firth, Cliff Curtis, María Botto, Luis Callejo, Antonio Gil, Richard Atwill, Stewart Scudamore, Andy Gathergood, Stephen Hagan
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Auferstanden“
Metacritic über „Auferstanden“
Rotten Tomatoes über „Auferstanden“
Wikipedia über „Auferstanden“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. März: Das Urteil – Jeder ist käuflich

März 17, 2016

Kabel 1, 20.15

Dar Urteil – Jeder ist käuflich (USA 2003, Regie: Gary Fleder)

Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien, Rick Cleveland, Matthew Chapman

LV: John Grisham: The runaway jury, 1996 (Das Urteil)

Die Witwe eines bei einem Amoklauf erschossenen Geschäftsmannes verklagt die Waffenhersteller. Die Angeklagten engagieren Rankin Fitch, ihnen die passenden Geschworenen herauszusuchen. Aber der Geschworene Nick Easter spielt sein eigenes Spiel.

Der erste gemeinsame Film der seit Jahrzehnten befreundeten Stars Gene Hackman (in seinem vorletztem Film vor seinem selbstgewählten Ruhestand) und Dustin Hoffman ist ein spannender Verschwörungsthriller über die Käuflichkeit des us-amerikanischen Justizsystems. Während des Drehs bemerkten die Macher, dass sie zwar einen Hackman/Hoffman-Film drehten, aber keine Hackman/Hoffman-Szene hatten. Also wurde die Toiletten-Szene geschrieben.

Das Drehbuch zu dieser gelungenen Grisham-Verfilmung war 2004 für den Edgar Allan Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert.

Mit John Cusack, Gene Hackman, Dustin Hoffman, Rachel Weisz, Bruce Davison, Jennifer Beals

Wiederholung: Freitag, 18. März, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Das Urteil”

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch) und “Das Urteil” (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

John-Grisham-Fanseite

John Grisham in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Gary Fleders “Homefront” (Homefront, USA 2013)


Neuer „Indiana Jones“-Film kommt 2019

März 16, 2016

Jetzt ist es offiziell: es gibt einen neuen „Indiana Jones“-Film. Steven Spielberg ist wieder der Regisseur. Harrison Ford der titelgebende Held und der fünfte „Indiana Jones“-Film startet in den USA am 19. Juli 2019.
Mehr ist noch nicht bekannt. Auch nicht, ob George Lucas das Drehbuch nicht schreibt.
So richtig begeistert über diese Nachricht bin ich nicht. Denn Harrison Ford wird beim Filmstart 77 Jahre sein und, auch wenn Vierzig vielleicht das neue Dreißig ist, ist Siebzig definitiv nicht mehr das neue Dreißig. Dabei leben die „Indiana Jones“-Filme, also die ersten drei Filme („Jäger des verlorenen Schatzes“, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“) ja gerade von der Action, die natürlich einen entsprechend beweglichen Darsteller erfordert. Die Action war 2008 in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, neben vielen anderen Problemen, ein großes Problem. Schon damals war Harrison Ford kein junger Hüpfer mehr.
Und jetzt soll ich mir einen Mittsiebziger vorstellen, der peitschenschwingend in irgendwelchen Urwäldern Schätze sucht und sich eine wilde Hatz mit irgendwelchen Bösewichtern liefert? Uh, huh.
Auf einen Indiana Jones, der friedlich im Altersheim seine Pfeife raucht, habe ich allerdings auch keine Lust.
Tja, Clint Eastwood wusste schon, warum er als Endfünfziger zum letzten Mal Dirty Harry spielte.
Auch Sean Connery verzichtete nach „Sag niemals nie“ auf weitere Auftritte als James Bond. Und da war er noch keine 55 Jahre.


TV-Tipp für den 16. März: Fliegende Liebende

März 16, 2016

Arte, 20.15
Fliegende Liebende (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Pedro Almodóvars Version von „Airport“ (USA 1970) und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (Airplane!, USA 1980) ist nach „Die Haut, in der ich wohne“, „Zerrissene Umarmungen“, „Volver – Zurückkehren“, „La Mala Educación – Schlechte Erziehung“ und „Sprich mit ihr“ keine künstlerische Weiterentwicklung, kein neues Meisterwerk, sondern eine leichte Sommerkomödie, eine Rückkehr zu seinen überdrehten ersten Filmen, allerdings mit der lässigen Professionalität eines Altmeisters inszeniert.
Das gefällt. Mit und ohne einen Cocktail.
Danach, um 21.40 Uhr, zeigt Arte mit „Labyrinth der Leidenschaften“ (Spanien 1982) ein Frühwerk des Meisters.
mit Antonio de la Torre, Hugo Silva, Miguel Ángel Silvestre, Laya Marti, Javier Cámara, Carlos Areces, Raúl Arévale, José Maria Yazpik, Guillermo Toledo, José Louis Torrijo, Lola Duenas, Cecilia Roth, Blanca Suárez, Antonio Banderas, Penélope Cruz

Hinweise

Spanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Fliegende Liebende“

Metacritic über „Fliegende Liebende“

Rotten Tomatoes über „Fliegende Liebende“

Wikipedia über „Fliegende Liebende“ (deutsch, englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Cover der Woche

März 15, 2016

Lansdale - Gauklersommer


TV-Tipp für den 15. März: Collateral

März 15, 2016

Pro7 Maxx, 20.15

Collateral (USA 2004, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Mittwoch, 16. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Wikipidia (englisch) über „Collateral“

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Trumbo“, ein grandioses Biopic über einen Hollywood-Autor mit Berufsverbot

März 14, 2016

Er schrieb die Drehbücher für einige heute immer noch gern gesehene Filmklassiker, wie „Ein Herz und eine Krone“, „Spartacus“ und „Papillon“. Er schrieb auch die Drehbücher für „Gefährliche Leidenschaft“ (Gun Crazy), „Exodus“, „El Perdido“. „Einsam sind die Tapferen“, „Ein Mann wie Hiob“ und, seine einzige Regiearbeit, „Johnny zieht in den Krieg“, die seltener im Fernsehen gezeigt werden.
Für „Ein Herz und eine Krone“ und „Roter Staub“ (The brave one) erhielt er den Drehbuchoscar, aber weil er damals auf der Schwarzen Liste stand und deshalb weder unter seinem Namen noch unter Pseudonym arbeiten durfte, schrieb er die Bücher für deutlich weniger Geld als er es gewohnt war, nannte einen Strohmann als Autor und war bei der Preisverleihung nicht dabei. Denn Dalton Trumbo (9. Dezember 1905 – 10. September 1976) war eines der prominentesten Opfer von Senator McCarthy, der damals alle jagte, die er für Kommunisten hielt. Kommunismus war nach dem Zweiten Weltkrieg unamerikanisch und, um eine Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft zu verhindern, mussten alle, die auch nur verdächtig waren, Kommunisten zu sein, verfolgt werden. McCarthy war mit seiner Paranoia für eine in den USA ziemlich einmalige Hexenjagd verantwortlich, die auch in dem ebenfalls sehenswertem SW-Film „Good Night, and Good Luck“ (USA 2005) thematisiert wird (oder lest den Wikipedia-Artikel).
Dalton Trumbo war, im Gegensatz zu anderen McCarthy-Opfern, sogar seit 1943 Mitglied der Kommunistischen Partei, was damals vor allem bedeutete, dass er sich für Arbeiter- und Bürgerrechte engagiert und den intellektuellen Schlagabtausch genoss. Seine Tochter Niki Trumbo sagt im Presseheft: „Trumbo ist immer noch als Kommunist bekannt, aber den Menschen ist wohl nicht so richtig klar, dass er vor allem ein Patriot war. In den späten Dreißiger- und frühen Vierzigerjahren war er ein Kommunist, als das noch bedeutete, dass man für die Arbeiter eintrat und sich gegen die Jim-Crow-Mentalität stellte, dass man sich für die Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung einsetzte. Es hatte nichts mit Russland zu tun, dafür aber mit der Überzeugung, wie man ein bereits großartiges Land noch besser machen könnte.“
In seinem Film „Trumbo“ setzt Jay Roach diesem Mann ein filmisches Denkmal, das man so nicht erwartet hätte. Immerhin ist Jay Roach bei uns vor allem für die „Austin Powers“-Filme und die Komödien „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und die Fortsetzung „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ bekannt. Er inszenierte aber auch den mit drei Golden Globes ausgezeichneten, hochkarätig besetzten HBO-Film „Game Change – Der Sarah-Palin-Effekt“. „Trumbo“-Drehbuchautor John McNamara schrieb bislang nur fürs Fernsehen; für Serien wie „Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark“, „In Plain Sight“ und, aktuell, „The Magicians“ und „Aquarius“. Auch „Trumbo“ hat einen leichten, nicht unangenehmen TV-Touch mit seinen vielen Innenaufnahmen, seinen wenigen Schauplätzen, der Betonung des Dialogs und der straffen Erzählweise, die nah am klassischen Hollywood-Kino ist, als die Geschichte im Vordergrund stand und die Kamera meist unauffällig im Hintergrund blieb. Diese Erzählweise ergänzt angenehm die zwischen 1947 und 1970 spielende Filmgeschichte. Wobei sich der Film auf die Tage und Wochen vor Trumbos Berufsverbot nach seiner Anhörung vor dem HUAC (Komitee für unamerikanische Umtriebe), seinen Versuchen, die Familie in den Fünfzigern zu ernähren und er dabei mit dem B-Movie-Produzenten Frank King als Auftraggeber ein kleines, subversives Imperium von Autoren errichtete, die unter Pseudonymen, trotz des Verbots Drehbücher im Akkord schrieben, und seiner Rehabilitierung mit den Drehbüchern zu Stanley Kubricks „Spartacus“ (wobei Hauptdarsteller Kirk Douglas die treibende Kraft war) und Otto Premingers „Exodus“, die beide zeitgleich entstanden und 1960 in den Kinos anliefen. Mit „Spartacus“ endete die Ära der Schwarzen Liste.
„Trumbo“ überzeugt als historisch gesättigtes, hochkarätig besetztes Schauspielerkino, garniert mit einigen zeitgenössischen Aufnahmen und mit einer klaren, auch heute noch gültigen Botschaft. Es ist auch das ernste Gegenstück zur quietschbunten Hollywood-Nummernrevue „Hail, Caesar!“ der Coen-Brüder, die ebenfalls in den fünfziger Jahren in Hollywood spielt.
Jay Roach meint zu seinem Film: „Dalton Trumbo war ein amerikanischer Patriot, aber seine Verteidigung der Redefreiheit machte ihn in den Augen mancher Leute zum Verräter. Mein Film stellt eine entscheidende Frage: Wie sind wir als Land an einen Punkt gekommen, an dem es richtig erschien, jemanden wie Trumbo ins Gefängnis zu stecken und daran zu hindern, seinen Beruf als Autor auszuüben? Diese Frage ist wichtig in einer Zeit, in der unser Land stärker gespalten ist, als ich es in meinem Leben jemals erlebt habe. Es geht um fundamentale Dinge und wir stellen die Frage, wie wir als Land weitermachen wollen. Redefreiheit ist leicht verteidigt, wenn wir Dinge aussprechen, die nicht anecken. Aber die Bill of Rights wurde entworfen, um Menschen zu beschützen, die Dinge sagen, die unbequem sind. Trumbo hat es immer und immer wieder gesagt. Es ist die Essenz des demokratischen Experiments.“

Trumbo - Plakat
Trumbo (Trumbo, USA 2015)
Regie: Jay Roach
Drehbuch: John McNamara
LV: Bruce Cook: Trumbo, 1977
mit Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Louis C. K., David James Elliott, Elle Fanning, John Goodman, Michael Stuhlbarg, Alan Tudyk, Dan Bakkedahl, Roger Bart, Christian Berkel
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Trumbo“
Metacritic über „Trumbo“
Rotten Tomatoes über „Trumbo“
Wikipedia über „Trumbo“ (deutsch, englisch) und über Dalton Trumbo (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. März: Im Jahr des Drachen

März 14, 2016

Servus TV, 23.25

Im Jahr des Drachen (USA 1985, Regie: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Leonard Termo, Ray Barry, Caroline Kava, Eddie Jones

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Im Jahr des Drachen”

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


TV-Tipp für den 13. Mai: Landtagswahl

März 13, 2016

ARD/ZDF, 17.30
Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt
Superwahlsonntag.
Superergebnisse.
Supererklärungen – auch in der „Berliner Runde“ und von Experten.
Und, damit keine Missverständnisse aufkommen: Ihr seid dafür verantwortlich, wen ihr wählt.
Das gilt auch für die Nichtwähler.


Neu im Kino/Filmkritik: Der Oscar-Gewinner „Son of Saul“

März 12, 2016

Oscar als bester ausländischer Film – das ist nach den zahlreichen Preisen, die „Son of Saul“ seit dem Großen Preis der Jury in Cannes erhielt, der Höhepunkt an Ehrungen für den bedrückenden und nicht unumstrittenen Film. Denn es geht auch um die Frage, ob man den Holocaust zeigen kann und wie man ihn zeigt, ohne zum Voyeur zu werden. Dass László Nemes‘ Debütfilm jetzt endlich, mit dem Oscar-Gewinn als Rückenwind, in einigen Kinos bei uns anläuft ist, nun, eine glückliche Fügung, die hoffentlich für mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Zuschauer sorgt. Denn „Son of Saul“ ist wirklich kein einfacher Film und auch kein Film, den man sich als Feierabendvergnügen ansieht. Dafür gibt es ja genug andere Filme, die man teilweise schon Stunden nach dem Abspann vergisst. „Son of Saul“ ist da anders.
Im Mittelpunkt steht Saul Ausländer. Er gehört im Oktober 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau zum Sonderkommando und was er und die anderen Häftlinge, die zu diesem Arbeitskommando tun, sehen wir in den ersten Minuten in einer langen, komplizierten Plansequenz: er treibt die neu angekommenen jüdischen Häftlinge von den Bahngleisen in das Gebäude, in die Umkleidekabine und in die Gaskammer. Danach schrubben sie hastig die Böden, zerren die Leichen zur Verbrennung und plündern sie.
Nemes, der bei drei Filmen von Béla Tarr dessen Assistent war (unter anderem bei „Der Mann aus London“), schildert dieses Grauen vor allem über die Tonspur und am Bildrand. Oft verschwommen, aber immer deutlich genug erkennbar, um den Blick auf genau diese Ränder zu lenken, die man genauer erkennen will und die man aufgrund seines Vorwissens entziffern kann. Im Mittelpunkt des Bildes ist dabei immer Géza Röhrig, der Saul Ausländer spielt. Mal von vorne, mal von hinten. Entsprechend subjektiv ist der Blick des Films, der auch den zunehmenden Tunnelblick Ausländers spiegelt.
Denn Ausländer glaubt, dass einer Toten, ein Kind, aus seinem Heimatort kommt und sein Sohn ist. Er will ihm ein richtiges jüdisches Begräbnis verschaffen. Dafür benötigt er einen Rabbi.
Ausgehend von dieser Prämisse schickt Nemes seinen Protagonisten auf eine Reise durch das KZ, die er durchgehend in bis zu zehn Minuten langen Szenen erzählt, die, neben dem Bildformat und dem Ton, eine bedrückende Qualität entwickeln. Es ist eine Welt ohne Hoffnung. Und Ausländers Suche nach einem Rabbi für ein ordentliches jüdisches Begräbnis wird, angesichts des um ihn herum tobenden Wahnsinns, zunehmend irrational. Unabhängig davon, ob es sein Sohn ist oder nicht. Es ist der Strohhalm, an den er sich klammert, während gleichzeitig einige KZ-Häftlinge einen historisch verbürgten Aufstand planen.
Der Aufstand scheiterte.

Son of Saul - Plakat

Son of Saul (Saul fia, Ungarn 2015)
Regie: László Nemes
Drehbuch: László Nemes, Clara Royer
mit Géza Röhrig, Levente Molnár, Urs Rechn, Todd Charmont, Sándor Zsótér, Marcin Czarnik, Jerzy Walczak
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Son of Saul“
Metacritic über „Son of Saul“
Rotten Tomatoes über „Son of Saul“
Wikipedia über „Son of Saul“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Lászlo Nemes, dem Regisseur des Films, und Mátyás Erdély, dem Kameramann

und, wieder mit dem Regisseur und Hauptdarsteller Géza Röhrig


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Spion und sein Bruder“ sind die Brothers Grimsby

März 12, 2016

Vor 28 Jahren hat Nobby (Sacha Baron Cohen) seinen kleinen Bruder Sebastian zuletzt gesehen. Trotzdem sucht er ihn immer noch und auch Sebastians Kinderzimmer in dem viel zu kleinen Haus ist unverändert.
Sebastian (Mark Strong) arbeitet inzwischen als Top-Agent für den MI6 und er denkt überhaupt nicht mehr an Nobby. Nobby und das im Nordosten England liegende, heruntergekommene, von der Moderne übersehene Arbeiterdorf Grimsby sind schon lange nicht mehr Teil seiner Welt.
Als Nobby erfährt, dass Sebastian noch lebt und er demnächst in London einen Wohltätigkeitsball der oberen Zehntausend besuchen wird, schleicht er sich ebenfalls ein und sabotiert ein von langer Hand geplantes Mordkomplott so gründlich, dass nicht nur der Anschlag schief geht (es gibt dafür andere Verletzte und Tote), sondern auch die Tarnung von Sebastian auffliegt. Außerdem wird er jetzt von seinen Leuten als Attentäter verfolgt. Soviel zum Vertrauen des MI6 in seinen besten Mann.
Es gibt nur einen Ort, an dem Sebastian – jedenfalls in der kruden Theorie von Nobby, einem wahren Trottel vor dem Herrn – von niemand gesucht wird: Grimsby.
„Der Spion und sein Bruder“ ist vor allem ein Film von Sacha Baron Cohen, der mit der Ali G. Show bekannt wurde, mit „Borat“, „Brüno“ und „Der Diktator“ seinen Ruf als respektloser Komiker zementierte und der sich in „Der Spion und sein Bruder“ den Agentenfilm in der globetrottend-eskapistischen „James Bond“-Tradition und die ultrarealistischen „This is England“-Sozialdramen vornimmt. Dabei schreckt er erwartungsgemäß vor keiner Peinlichkeit zurück. Der Humor ist immer reichlich derb und oft vulgär, wozu auch eine Szene in einem Elefanten gehört. Aber im Gegensatz zu chauvinistisch-reaktionärem US-Klamauk, wie zuletzt „Dirty Grandpa“, gehen die Witze nicht nur auf Kosten von Minderheiten. Es wird gleichmäßig gegen alle ausgeteilt. Oft werden Klischees umgedreht. So liebt Nobby seine Frau, die zu ihren Pfunden steht und auch später, in Südafrika, hält er das sehr kräftige afrikanische Zimmermädchen für das Zielobjekt, während er das wirkliche Zielobjekt, das locker eine Playboy-Photostrecke erhalten könnte, links liegen lässt und sie sogar später für das Zimmermädchen hält, die für ihn eine unangenehme Aufgabe im Badezimmer (denkt euch euren Teil) erledigen soll. In diesem Moment ist „Der Spion und sein Bruder“ schon länger nur noch eine knallige Nummernrevue, die einfach nur, garniert mit etwas Action, mehr oder weniger gelungene Gags aneinanderreiht, während die beiden Brüder von Südafrika nach Chile zum Fußballendspiel fliegen. Dort will der Bösewicht während des Spiels seinen teuflischen Plan in die Tat umsetzten.
Seine stärksten Szenen hat der von „Transporter“- und „Die Unfassbaren – Now you see me“-Regisseur Louis Leterriers inszenierte Film in Grimsby. Dort malt er zuerst das Leben der Arbeiter- und Arbeitslosenklasse breit aus (wegen des Dialekts empfiehlt sich die Originalfassung) und zeichnet dabei ein vor Klischees strotzendes Bild, das nichts, aber auch überhaupt nichts mit der Welt der Hightech-Spionage zu tun hat. Aus diesem Zusammenprall der beiden Welten hätte man etwas machen können. Aus dem Gegensatz von High-Tech-Spionage und der schusswaffenstarrenden Welt der Spione und dem Zusammenhalt der Arbeiterklasse und den trinkfreudigen Fußballhooligans im Pub, die ihr Revier mit ungeahnter Effektivität verteidigen, hätte man viel mehr komödiantisches Gold schöpfen können.
Letztendlich ist „Der Spion und sein Bruder“ nur ein derber Cartoon mit übertriebener Action, reichlich Klamauk und zotigem Humor.

Der Spion und sein Bruder - Hauptplakat

Der Spion und sein Bruder (The Brothers Grimsby, USA 2016)
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Phil Johnston, Peter Baynham (nach einer Geschichte von Sacha Baron Cohen und Phil Johnston)
mit Sacha Baron Cohen, Mark Strong, Isla Fisher, Rebel Wilson, Gabourey Sidibe, Penélope Cruz
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Der Spion und sein Bruder“
Metacritic über „Der Spion und sein Bruder“
Rotten Tomatoes über „Der Spion und sein Bruder“
Wikipedia über „Der Spion und sein Bruder“

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Und so hört sich die Originalversion an


TV-Tipp für den 12. März: Der Krieg des Charlie Wilson

März 12, 2016

ZDFneo, 20.15

Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007, Regie: Michael Nichols)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: George Crile: Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of the Largest Covert Operation in History, 2003 (Der Krieg des Charlie Wilson)

Auf Tatsachen basierende, von der Kritik abgefeierte und für viele Preise nominierte Polit-Komödie über den liberal-demokratischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den Achtzigern half den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets finanziell und mit Waffen zu unterstützten.

Die Folgen – nun, heute kennen wir die weitere Geschichte von Afghanistan, den Taliban und von Al-Qaida.

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffmann, Amy Adams, Ned Beatty, Emily Blunt, Michael Spellman

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Rotten Tomatoes über “Der Krieg des Charlie Wilson”

Wikipedia über “Der Krieg des Charlie Wilson” (deutsch, englisch)


Wer hat „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gewonnen?

März 11, 2016

Der Staat gegen Fritz Bauer - DVD - Blu-ray

Nachdem die Verlosung der Blu-ray von „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (sehenswerter Film!) gestern endete, 33 Menschen sie haben wollten und die Glücksfee heftig rotierte, steht die glückliche Gewinnerin fest. Es ist

Imke H. aus Laatzen

Der Blu-ray ist unterwegs und die Kriminalakte wünscht viel Vergnügen beim Ansehen des Films!


TV-Tipp für den 11. März: Der amerikanische Freund

März 10, 2016

3sat, 22.35

Der amerikanische Freund (Deutschland/Frankreich 1976, Regie: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Wim Wenders in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „London has fallen“, aber Präsidenten-Bodyguard Banning ist vor Ort

März 10, 2016

In „Stirb langsam 2“ konstatiert John McClane leicht ungläubig: „How can the same shit happen to the same guy twice?“ (oder in der deutschen Übersetzung: „Dieselbe Scheiße passiert dem selben Mann zum zweiten mal.“) Denn schon wieder muss er sich an Weihnachten mit Terroristen, die zwecks einer Gefangenenbefreiung einen Flughafen kapern, herumschlagen. Und das ist, auch wenn es mehr Action und mehr Tote gibt und der Spielplatz größer ist, nur eine Variation der Geschichte des ersten Films. In „Stirb langsam“ war es ja nur ein Hochhaus.

In „London has fallen“ weist Mike Banning, den wir aus dem 2013er Actionfilm „Olympus has fallen“ kennen, nicht auf diese Parallelität der Ereignisse hin. Denn Banning (Gerald Butler) ist immer noch der Bodyguard des Präsidenten der USA und mögliche Attentate auf ihn sind ein Teil der Jobbeschreibung.

„Olympus has fallen“ war – zur Erinnerung und damit ihr ihn nicht mit „White House Down“ verwechselt – der Film in dem in einem „Stirb langsam“-Szenario, Terroristen das Weiße Haus zerdeppern und nur Bodyguard Banning Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) retten kann.

Der Präsident der Vereinigten Staaten ist immer noch Asher. Sein aus „Olympus has fallen“ bekanntes Gefolge ist ebenfalls immer noch im Amt, weshalb wir auch, oft nur kurz, wieder viele bekannte Gesichter, die uns am Filmanfang arg länglich vorgestellt werden, sehen dürfen: Morgan Freeman als Vizepräsident Trumbull, Melissa Leo als Verteidigungsministerin McMillan, Angela Bassett als Secret-Service-Chefin Jacobs und Robert Forster als General Clegg. Bannings Frau Leah (Radha Mitchell) ist auch wieder dabei und hochschwanger; was für die Filmgeschichte unwichtig ist.

Dieses Mal muss Präsident Asher kurzfristig London besuchen. Der britische Premierminister verstarb überraschend in seinem Bett und jetzt gibt es ein großes Staatsbegräbnis, zu dem alle wichtigen und weniger wichtigen Staatsoberhäupter kommen. Die Gefahr eines Anschlages ist hoch. Die Sicherheit ist hoch – und dennoch gelingt es Terroristen, in einer Abfolge von präzise geplanten Anschlägen, halb London und seine allseits bekannten Wahrzeichen innerhalb weniger Minuten in ein Trümmerfeld zu verwandeln.

Banning kann Asher bei dem Anschlag vor der St. Paul Cathedral beschützen. Sie versuchen, verfolgt von einer Hundertschaft schießwütiger Attentäter, an einen sicheren Ort zu flüchten. Denn der Organisator der Anschläge, der Waffenhändler Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul), hat es eigentlich nur auf den US-Präsidenten, der seine Familie mit einem Drohnenangriff während einer Hochzeitsfeier tötete, abgesehen.

„London has fallen“ hat die allseits bekannte und gefürchtete Fortsetzungskrankheit. Es wird einfach alles genommen, was wir aus dem ersten Teil kennen, inclusive dem Cast, und alles noch einmal, aber viel größer erzählt. Also mit mehr Explosionen, mehr Toten, mehr Angreifern und nicht mehr in einem Gebäude, sondern in einer Millionenstadt. Es gibt mehr CGI, weil dieses Mal die Terroristen nicht mehr nur ein Gebäude, sondern gleich mehrere Wahrzeichen zerstören. Und aus einem kleinen, harten Thriller wird eine erschreckend unglaubwürdige Actionplotte, die sich keinen Deut um auch nur ein Minimum an Plausibilität schert. Vor allem nicht bei dem Plan der Terroristen.

Das beginnt schon mit dem ersten Angriff, der mehrere Minuten vor der Trauerfeier in der St. Paul’s Cathedral beginnt: plötzlich verwandeln sich alle Polizisten, die die Trauerfeier bewachen sollen, in schießwütige Terroristen, die wild auf die ankommenden Staatsoberhäupter ballern. Die echte Polizei und alle westlichen Sicherheitsdienste haben von dieser Unterwanderung nichts mitbekommen. Auch nicht von den abertausend anderen schießfreudigen Terroristen und Söldnern, die sich schneller als ein Computervirus verbreiten und flugs ganz London bei ihrer Jagd nach Banning und Asher bevölkern.

Gleichzeitig greifen die Bösewichter mehrere Wahrzeichen an und die Staatsoberhäupter, die noch an anderen, oft sehr touristischen Orten sind, werden ebenfalls angegriffen. Immerhin spielen die Macher in diesen Szenen durchaus humorvoll mit einigen Klischeevorstellungen über verschiedene europäische Länder und auch die deutsche Kanzlerin hat einen kurzen Auftritt.

Aber insgesamt ist der Plan der Terroristen absurd und vollkommen realitätsfern. Denn es hätte viele andere Möglichkeiten gegeben, einfacher und schneller zum Ziel zu kommen. Und jede dieser Pläne hätte schon im Planungsstadium weniger Risiken für eine Entdeckung gehabt.

Zum Beispiel hätten sie warten können, bis alle Staatsoberhäupter in der Kirche sind und sie dann angreifen können (was natürlich sehr an „Olympus has fallen“ erinnern würde) oder sie hätten nur ein Staatsoberhaupt töten wollen.

Dabei haben die Terroristen dieses Mal sogar ein ziemlich gutes Motiv, aus dem das Drehbuchautorenkollektiv (vier Autoren!) deutlich mehr hätte machen können. Der Drahtzieher ist Aamir Barkawi, der sich an den USA für einen Drohnenangriff, bei dem, während einer Hochzeitsfeier fast seine gesamte Familie starb, rächen will.

Zwar ist Barkawi als Waffenhändler der besonders skrupellosen Art auch kein Unschuldslamm, aber ausgehend von diesen Motiven hätten die Macher einige Grauzonen ausloten können. Grau sind allerdings höchstens die Anzüge. Der Rest ist altbekannte Schwarz-Weiß-Malerei mit eindimensionalen Charakteren (was auch für die aus „Olympus has fallen“ bekannte US-Administration gilt) in einem typischen B-Movie-Actionplot, in dem Kugeln Argumente ersetzen.

Nicht mehr, aber auch nicht weniger und natürlich sehr patriotisch.

London has fallen - Plakat

London has fallen (London has fallen, USA 2016)
Regie: Babak Najafi
Drehbuch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Christina Gudegast, Chad St. John
mit Gerald Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Alon Moni Aboutboul, Angela Bassett, Robert Forster, Jackie Earle Haley, Melissa Leo, Radha Mitchell, Sean O’Bryan, Charlotte Riley, Waleed F. Zuaiter
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „London has fallen“
Metacritic über „London has fallen“
Rotten Tomatoes über „London has fallen“
Wikipedia über „London has fallen“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Choice – Bis zum letzten Tag“ soll unsere Liebe nie enden

März 10, 2016


Willkommen in Sparks-Land! Wieder einmal und natürlich ist alles sehr vertraut: die schönen Menschen, die große Liebe und die Taschentuchszenen. Und dennoch gibt es Unterschiede zwischen, nun, gutem und schlechtem Kitsch. „The Choice – Bis zum letzten Tag“ zeigt dabei eindrucksvoll, wie man die Geschichte der großen Liebe besser nicht erzählt und dafür verantwortlich ist nicht Nicholas Sparks, der Autor der Vorlage.
Dieses Mal erzählt er und damit der Film von Travis Parker (Benjamin Walker), einem allein lebendem Frauenschwarm, der sich dann doch unsterblich in die neue Nachbarin Gabby Holland (Teresa Palmer) verliebt. Dass ihre erste Begegnung eher ein veritabler Nachbarschaftsstreit um, nun, abendlichen Lärm ist, ist nicht störend. Denn bekanntlich ziehen Gegensätze sich an.
Dass spätestens ab diesem Moment die Geschichte von „The Choice“ absolut vorhersehbar ist, ist gerade angesichts des Drehbuchs und der Inszenierung sogar ein Vorteil. Immerhin wissen wir, wohin sich die Geschichte bewegen soll. Der Film selbst plätschert dagegen vor sich hin, reiht schöne Bilder und harmonische Szenen hintereinander, ohne dass es ihm gelingt, diese Szenen so zu einer Geschichte zusammenzufügen, dass jede Szene auf die titelgebende Entscheidung hinausläuft und das ganze Drama dieser Entscheidung für Travis Parker begreifbar wird. Denn er muss sich entscheiden, ob Gabby, die Liebe seines Lebens, nach einem Autounfall weiterleben oder sterben soll. Genau diesen Punkt, diese Entscheidung über das Leben eines anderen Menschen, hätte Drehbuchautor Bryan Sipe (demnächst „Demolition: Lieben und Leben“, auf den ich wegen Regisseur Jean-Marc Vallée und Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal gespannt bin) herausarbeiten müssen. Er tat es nicht. Stattdessen erzählt er eine rundum harmonische Love Story, die von einem Unfall unterbrochen wird.
Wenn schon das Drehbuch schwach ist, können die Schauspieler immer noch einiges herausreißen. Aber vor allem Teresa Palmer legt die Rolle der Gabby so widersprüchlich an, dass ich mich fragte, warum der Regisseur sie nicht bremste. Jetzt beendet sie eine Wutrede gegen Parker mit einem Lachen, das signalisiert, dass sie doch nicht wütend ist. Bei einem Liebesgeständnis geschieht das Gleiche. Die anderen Schauspieler sind da nicht viel besser und Tom Wilkinson beschränkt sich einfach auf seine Präsenz.
Eine Schnulze, bei der alle immer wieder überdeutlich signalisieren, dass sie das Ganze, den Kitsch und auch das Pathos, nicht ernst nehmen, scheitert an ihrem eigenen Anspruch und verachtet auch ihr Zielpublikum, das eben genau für diesen Kitsch und auch das Pathos ins Kino geht.
Da helfen auch keine Sonnenuntergänge über dem Meer.
„The Choice – Bis zum letzten Tag“ ist von all den Nicholas-Sparks-Verfilmungen, die ich kenne, die mit Abstand schwächste und ärgerlichste.

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The Choice – Bis zum letzten Tag (The Choice, USA 2016)
Regie: Ross Katz
Drehbuch: Bryan Sipe
LV: Nicholas Sparks: The Choice, 2007 (Bis zum letzten Tag)
mit Teresa Palmer, Benjamin Walker, Maggie Grace, Tom Wilkinson, Tom Welling, Alexandra Daddario
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „The Choice“
Metacritic über „The Choice“
Rotten Tomatoes über „The Choice“
Wikipedia über „The Choice“ (deutsch, englisch)
Homepage von Nicholas Sparks