Neu im Kino/Filmkritik: Es marvelt wieder mit „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“

September 2, 2021

Bei Marvel gab es wohl einen mehr als erleichterten Stoßseufzer, als sie vor der Schließung der Kinos wegen der Coronavirus-Pandemie ihre vierte Phase des Marvel Cinematic Universe noch nicht gestartet und die dritte Phase des MCU bereits erfolgreich abgeschlossen hatten. „Spider-Man: Far From Home“ war im April 2019 ein kleiner Nachschlag zu „Avengers: Endgame“ und dem Abschluss der großen, viele Filme umspannenden Erzählung. Dann gab es noch den „Black Widow“-Film, der in der Vergangenheit von Natasha Romanoff und damit vor den Ereignissen von „Avengers: Endgame“ spielt.

Die Zeit bis zum nächsten Kinofilm und dem richtigen Start der vierten Phase vertrieb man sich mit verschiedenen hochgelobten Streamingserien bei Disney+.

Und jetzt ist er da: der Start der neuen Großerzählung, die uns wieder in unbekannte Welten führen wird, in denen wir bekannte und unbekannte Superhelden treffen werden. Sie beginnt mit der Vorstellung einer Figur, die im Dezember 1973 ihren ersten Comicauftritt hatte und die auch „Master of Kung Fu“ genannt wird. „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ heißt der Film. Shang-Chi wird von Simu Liu gespielt und er ist der erste asiatische MCU-Superheld. Auch die übrige Besetzung hat einen asiatischen Background.

Der Film beginnt mit einer kurzen Erklärung, was die titelgebenden Zehn Ringe sind und er erzählt, wie Shang-Chis Vater Xu Wenwu (Tony Leung) 1996 seine Mutter Li kennenlernte. Dann springt der Film in die Gegenwart . Shang-Chi schlägt sich reichlich ambitionslos als Autoeinparker bei einem Nobelhotel durch das Leben. Mit seiner platonischen Freundin Katy (Awkwafina) blödelt er herum und er ist absolut zufrieden mit seinem Leben. Als sie während einer Busfahrt von einer Horde Schläger überfallen werden – sie haben es auf Shang-Chis Amulett abgesehen – vermöbelt der Schluffi Shang-Chi sie, während der Bus ungestört weiterfährt. Der Fahrer hört Musik und bekommt deshalb von der Schlägerei nichts mit. Als er ausfällt, übernimmt Katy das Lenkrad.

Gut, diese Actionszene ist vollkommen unrealistisch, aber durchaus witzig und wir sind gleich mitten in der Handlung. Wir wissen, dass der Bösewicht das Amulett will, um damit Unheil zu verursachen, und dass Shang-Chis Schwester den anderen Teil des Amuletts besitzt. Auch das Training des Helden, das in anderen Filmen den gesamten Mittelteil des Films beansprucht, wird hier schnell in einer Montage abgehandelt, die uns zeigt, wie er von Geburt an trainiert wurde. Die Macher haben also viel Zeit, sich auf den Kampf um das Amulett und das Abwenden der großen Katastrophe zu konzentrieren. Außerdem ist der Bösewicht dieses Mal präsenter als in anderen Marvel-Filmen. Dort ist er oft ja kaum erinnerungswürdig. Auch sein Motiv wird früh verraten und es ist sehr nachvollziehbar. Aber aus diesem Potential wird nichts gemacht. Im Mittelteil plätschert der Film endlos vor sich hin. Das Finale ist ebenso endlos und leider auch ein vollkommen spannungsfreier Pixelrausch. Doch dazu später mehr.

Bleiben wir noch einem Moment, ohne etwas von der Story zu verraten, bei der Story. Sie besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, die keinerlei Konsequenzen haben. Das Potential bestimmter Ideen wird auch nie ausgeschöpft. Es wirkt, als hätten die Macher einfach verschiedene Drehbücher zusammengeworfen, sie mit einigen Anspielungen auf frühere Marvel-Filme, Witzigkeiten für die vor allem Awkwafina zuständig ist, vielen, sehr vielen, also wirklich sehr vielen Spezialeffekten und Kung-Fu-Kämpfen (weil Master of Kung Fu) garniert.

Anscheinend wurde jedes Bild exzessiv am Computer bearbeitet. Alles sieht künstlich aus. Oft sind die Bilder zu dunkel und verwaschen. Dabei sind die CGI-Effekte so lieblos hingeschludert, dass sie immer – immerhin reden wir hier von einem Film mit einem sich deutlich im dreistelligem Bereich befindendem Millionenbudget – wie die Rohfassungen für eine billigeren Film aussehen.

Die Martial-Arts-Kämpfe versuchen an die aus asiatischen Filmen bekannten Kämpfe und ihre Inszenierung anzuknüpfen. Ich sage „versuchen“ und nicht „knüpfen an“ weil sie nie die Leichtigkeit und Eleganz haben, die aus asiatischen Filmen bekannt ist. Dabei zeigte Disney in „Mulan“, dass sie es besser können.

Am Ende der beiden sehr enttäuschenden Filmstunden – und das ist jetzt keine große Überraschung und auch kein Spoiler – werden Shang-Chi und seine Freundin Katy in den Kreis der Marvel-Helden aufgenommen.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, USA 2021)

Regie: Destin Daniel Cretton

Drehbuch: Dave Callaham, Destin Daniel Cretton, Andrew Lanham (nach einer Geschichte von Dave Callaham und Destin Daniel Cretton, basierend auf den Marvel-Comics von Steve Englehart und Jim Starlin)

mit Simu Liu, Tony Leung, Awkwafina, Fala Chen, Meng’er Zhang, Florian Munteanu, Ronny Chieng, Michelle Yeoh, Benedict Wong, Ben Kingsley, Tim Roth

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“

Metacritic über „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“

Rotten Tomatoesüber „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“

Wikipedia über „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Schloss aus Glas“ (The Glass Castle, USA 2017)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Just Mercy“ (Just Mercy, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, bieder verfilmt

September 2, 2021

Was haben wir? Einen Klassiker der deutschen Literatur, der schon einmal fürs Kino verfilmt verfilmt. Aber das war vor fast 65 Jahren und in Schwarzweiß. Daniel Kehlmann als Drehbuchautor. Detlev Buck als Regisseur. Sie arbeiteten schon bei „Die Vermessung der Welt“ (Deutschland/Österreich 2012) zusammen. Eine prominente Besetzung, bestehend aus Jannis Niewöhner als Felix Krull, David Kross als Marquis Louis de Venosta, Liv Lisa Fries als ihre Freundin Zaza und, in Nebenrollen, Maria Furtwängler, Joachim Król, Nicholas Ofczarek, Annette Frier, Dominique Horwitz, Martin Wuttke und Desirée Nosbusch.

Das klingt nach einer Klassikerverfilmung, die interessant sein könnte.

Felix Krull ist ein Hochstapler, der in Paris zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in einem noblen Straßencafé an einem Abend Marquis Louis de Venosta die Geschichte seines Lebens erzählt. Er erzählt von seiner Kindheit im Rheingau als Sohn eines auf großem Fuß lebenden Inhabers einer Sektfirma. Als die Firma bankrott geht, begeht Krulls Vater Suizid. Danach eröffnet seine Mutter in Frankfurt eine kleine Pension. Aus diesem Leben flüchtet Krull nach Paris, dem Land seiner Träume. In Paris heuert er im Grandhotel als Page an. Schnell steigt der allseits beliebte Schlawiner und anpassungsfähige Charmeur auf.

In Paris trifft er auch wieder Zaza. Mit ihr verbrachte er in Frankfurt glückliche Stunden. Sie ist, wie er, eine Hochstaplerin.

Zaza ist auch die große Liebe des Marquis. Er weiß allerdings nicht, dass Krulls große Liebe auch seine große Liebe ist. Allerdings kann er Zaza wegen ihres Standes nicht heiraten. Außerdem will sein Vater ihn auf eine Weltreise schicken. Der Marquis möchte nicht. Aber der Erhalt seines Erbes ist an diese Reise geknüpft.

Diese väterliche Erpressung, von der wir erst ziemlich spät im Film erfahren, ist dann auch der Grund für Krulls Redseligkeit. Denn Krull würde sehr gerne eine Weltreise unternehmen. Sehr gerne auch unter falschem Namen und mit einer gut gefüllten Reisekasse.

Nach den grandiosen, wagemutigen, sehr eigenständigen neuen Literaturverfilmungen „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ und „Martin Eden“ ist Detlev Bucks „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ mehr als fünf Schritte zurück zu den sattsam bekannten Literaturverfilmungen, die brav die Vorlage bebildern und jegliche eigene Handschrift vermissen lassen. Wenn Detlev Buck nicht als Regisseur genannt würde, würde man es nicht einmal erahnen, dass hier der Regisseur von „Wir können auch anders…“ am Werk war.

Felix Krull“ ist selbstverständlich kein grottenschlechter Film. Dafür sind die Schauspieler zu gut. Die Kostüme und die Ausstattung ebenfalls. Und natürlich ist alles gut aufgenommen. Auch wenn das im Film gezeigte Paris der Jahrhundertwende verdächtig nach einer missglückten Mischung aus Kulisse und CGI aussieht.

Das Drehbuch krankt an seiner Rückblenden-Struktur, die keine Spannung aufkommen lässt. Schließlich ist Krull jeder gefährlichen Situation entkommen. Sonst könnte er dem Marquis jetzt nicht seine Lebensgeschichte erzählen. Warum er das tut, wird erst viel zu spät im Film deutlich und das Erzählen der eigenen Untaten ist sicher nicht die geeignetste Methode, um einen anderen Menschen zu einem Identitästausch anzustiften.

Krulls in Rückblenden erzählte Lebensgeschcihte wird so präsentiert, als gäbe es nur eine Wahrheit und als ob der passionierte Schwindler sie genau jetzt erzählt. Mit dieser Erzählhaltung fällt Bucks „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ erzählerisch hinter Alfred Hitchcocks „Die rote Lola“ (1950) zurück. In dem Film zeigte Hitchcock eine Rückblende, die eine Lüge war. Dabei galt bis dahin die Regel, dass in Rückblenden, weil sie bebildert sind, die Wahrheit erzählt wird. Heute, auch nach Filmen wie „Rashomon“ (ebenfalls 1950), betrachten wir eine Rückblende als die subjektive Sicht des Erzählenden auf die Ereignisse.

Auch Krull könnte uns belügen. Es gibt im Film allerdings keinen entsprechenden Hinweis. Außer vielleicht, dass Krull nur von schönen Frauen und honorigen Männern begehrt wird.

Und so ist „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ als langweiliges, niemals herausforderndes oder irritierendes Bildungsbürgertumskino nur die nächste Klassikerverfilmung für den Deutschunterricht.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Deutschland 2021)

Regie: Detlev Buck

Drehbuch: Daniel Kehlmann, Detlev Buck

LV: Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, 1954

mit Jannis Niewöhner, Liv Lisa Fries, David Kross, Maria Furtwängler, Nicholas Ofczarek, Joachim Król, Christian Friedel, Harriet Herbig-Matten, Dominique Horwitz, Annette Frier, Martin Wuttke, Anian Zollner, Désirée Nosbusch, Detlev Buck, Heinrich Schafmeister

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Moviepilot über „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Wikipedia über „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“

Meine Besprechung von Daniel Kehlmann/Detlev Bucks „Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film“ (2012)


TV-Tipp für den 2. September: Die Frau des Nobelpreisträgers

September 1, 2021

Ja, schon wieder, aber nur wegen der Uhrzeit

RBB, 20.15

Die Frau des Nobelpreisträgers – The Wife (The Wife, Großbritannien/Schweden/USA 2017)

Regie: Björn Runge

Drehbuch: Jane Anderson

LV: Meg Wolitzer: The Wife, 2003 (Die Ehefrau)

1992: US-Romancier Joe Castleman ist im siebten Himmel. Er erhält den Nobelpreis! Zusammen mit seiner Frau Joan und ihrem Sohn David fliegt er nach Stockholm zur Preisverleihung. Während er im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht, erinnert sich seine Frau an ihr gemeinsames Leben und ihre erste Begegnung, als sie in den fünfzigern eine Studentin mit einer verheißungsvollen Schriftstellerkarriere war und sich in Joe verliebt.

Grandioses, präzise inszeniertes Schauspielerkino, das als intimes Ehedrama die Frage stellt, wie eine langfristige Beziehung funktioniert, wer dafür mehr von seinem Leben aufgibt, was man dafür bekommt und ob es nicht doch ein ungefähr gleichgewichtiges Geben und Nehmen sein sollte.

Glenn Close wurde für ihr Spiel einhellig gelobt und erhielt etliche Preise, u. a. einen Golden Gobe. Vielleicht nicht der prestigeträchtigste Preis, den sie für diese Rolle erhielt, aber der mit dem schönsten Titel ist „Actress Defying Age and Ageism“, verliehen von der Alliance of Women Film Journalists.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung. Dort gibt es auch einige Interviews zum Film.

mit Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Annie Starke, Harry Lloyd, Alix Wilton Regan, Elizabeth McGovern, Karin Franz Körlof

Wiederholung: Freitag, 3. September, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Metacritic über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Rotten Tomatoes über „Die Frau des Nobelpreisträgers“

Wikipedia über „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Björn Runges „Die Frau des Nobelpreisträgers – The Wife“ (The Wife, Großbritannien/Schweden/USA 2017)


TV-Tipp für den 1. September: Miss Marple: Das Schicksal in Person

August 31, 2021

One, 20.15

Agatha Christies Marple: Das Schicksal in Person (Agatha Christie’s Marple: Nemesis, Großbritannien 2009)

Regie: Nicolas Winding Refn

Drehbuch: Stephen Churchett

LV: Agatha Christie: Nemesis, 1971 (Das Schicksal in Person)

Miss Marple soll für einen verstorbenen Freund einen alten Fall aufklären. Damals verschwand die junge Verity spurlos aus einem Kloster. Wurde sie ermordet?

Diese Agatha-Christie-Verfilmung ist eine der wenigen TV-Arbeiten von Nicolas Winding Refn. Zuletzt kehrte der bildgewaltige Regisseur mit der Amazon-Miniserie „Too old to die young“ wieder auf den kleinen Bildschirm zurück.

Der TV-Spielfilm ist gediegene TV-Unterhaltung, die sich primär an die Fans der Serie richtet.

mit Geraldine McEwan, Dan Stevens, Laura-Michelle Kelly, Graeme Garden, Richard E Grant, Ruth Wilson, Lee Ingleby

Wiederholung: Sonntag, 5. September, 23.15 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Agatha Christies Marple“ (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenner Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“ (Crooked House, USA 2017) (und Buchbesprechung)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“ (The Neon Demon, USA/Frankreich/Dänemark 2016)

Nicolas Winding Refn in der Kriminalakte


Cover der Woche

August 31, 2021


TV-Tipp für den 31. August: Der Fall el-Masri

August 30, 2021

Arte, 22.20

Der Fall el-Masri (Deutschland 2021)

Regie: Stefan Eberlein

Drehbuch: Stefan Eberlein

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über den deutsch-libanesischen Staatsbürger Khaled el-Masri, der 2003 von der CIA entführt und gefoltert wurde. Sie hielt ihn für einen Terroristen. El-Masri war unschuldig. Sein Leben war danach zerstört.

Hinweise

Arte über die Doku (bis 29. September 2021 in der Mediathek)

Wikipedia über Khaled el-Masri (deutsch, englisch)

Süddeutsche Zeitung: Alex Rühle über die Doku


TV-Tipp für den 30. August: Halbblut

August 29, 2021

Arte, 20..15

Halbblut (Thunderheart, USA 1992)

Regie: Michael Apted

Drehbuch: John Fusco

FBI-Agent Ray Levoi soll einen mysteriösen Mord im Sioux-Indianerreservat aufklären. Das Halbblut Levoi muss sich während der Ermittlungen auch seinen verleugneten indianischen Wurzeln stellen – und er entdeckt, dass die Morde mit Bohrungen nach Uran zusammenhängen.

„Halbblut“ ist ein spannender Thriller mit einem politischen Anliegen. Denn die Filmgeschichte beruht auf wahren Ereignissen aus dem Pine-Ridge-Reservat in South Dakota in den 70er Jahren. Michael Apted drehte vor dem Spielfilm die Dokumentation „Zwischenfall in Oglala“ (Incident at Oglala, USA 1992) darüber.

mit Val Kilmer, Sam Shepard, Graham Greene, Fred Ward, Fred Dalton Thompson, John Trudell, Rex Linn

Wiederholung: Freitag, 3. September, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Halbblut“

Wikipedia über „Halbblut“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Curtis Hanson/Michael Apteds „Mavericks – Lebe deinen Traum“ (Chasing Mavericks, USA 2012)

Meine Besprechung von Michael Apteds „Unlocked“ (Unlocked, USA 2017)


TV-Tipp für den 29. August: Crawl

August 28, 2021

Pro7, 22.30

Crawl (Crawl, USA 2019)

Regie: Alexandre Aja

Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen

Florida, mal wieder ein Hurrikan. Und dann ist da noch ein riesiger, hungriger Alligator im Keller.

TV-Premiere. Schön schnörkelloser Tier-Horrorfilm.

Davor, um 20.15 Uhr (und nach „Crawl“) hat Jason Statham Ärger mit dem Riesenhai „Meg“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kaya Scodelario, Barry Pepper, Morfydd Clark, Ross Anderson, Jose Palma, George Somner, Anson Boon

Wiederholung: Montag, 30. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Crawl“

Metacritic über „Crawl“

Rotten Tomatoes über „Crawl“

Wikipedia über „Crawl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexandre Ajas „Crawl“ (Crawl, USA 2019)


TV-Tipp für den 28. August: Tully

August 27, 2021

ServusTV, 20.15/23.50

Tully (Tully, USA 2018)

Regie: Jason Reitman

Drehbuch: Diablo Cody

TV-Premiere. Gelungene Tragikomödie über eine Mutter ((Charlize Theron), die von ihrem Baby an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht wird. Aber dann taucht die Nanny Tully (Mackenie Davis) auf und alles wird besser.

Reitmans nächster Film ist „Ghostbusters: Afterlife“. Er soll noch dieses Jahr starten.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Charlize Theron, Mackenzie Davis, Ron Livingston, Mark Duplass, Lia Frankland, Asher Miles Fallica

Hinweise

Moviepilot über „Tully“

Metacritic über „Tully“

Rotten Tomatoes über „Tully“

Wikipedia über „Tully“

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung“ (Men, Women, and Children, USA 2014)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Tully“ (Tully, USA 2018)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Der Spitzenkandidat“ (The Front Runner, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“, „Die Rote Kapelle“, „Sky Sharks“, „Tides“, „Die Unbeugsamen“ – die Neustarts vom 26. August 2021, Teil 2

August 27, 2021

Im zweiten Teil meiner Besprechungen der aktuellen Filmstarts bespreche ich drei Science-Fiction-Filme und zwei Dokumentarfilme.

Im ersten Teil sind die Besprechungen von „Candyman“ (Horror), „Coup“ (Krimi), „Killer’s Bodyguard 2“ (Action), „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ (Doku) und „Martin Eden“ (Drama).

Nach „M“ geht es mit „R“ weiter:

Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ ist ein prächtig aussehender Science-Fiction-Noir, der unter seiner allzu dünnen Geschichte leidet.

Nick Bannister (Hugh Jackman) ist schon auf den ersten Blick der typische Hardboiled-Privatdetektiv. Staubmantel, Drei-Tage-Bart, Trinker und selbstverständlich vollständig desillusioniert vom Leben, der Welt und dem ganzen Rest. Seine Sekretärin Watts (Thandiwe Newton) ist eine alte Kriegsgefährtin, die immer einen Flachmann in Griffweite hat. Und eine Pistole. Ihr Arbeitsplatz ist ein heruntergekommener, riesiger Raum, der früher möglicherweise der Eingangsbereich einer Bank war. Ihre Kunden wollen von ihnen mittels einer Erinnerungsmaschine in ihren Erinnerungen abtauchen. Meistens wollen sie sich an glückliche Momente erinnern. Diese werden auf Datenträgern gespeichert. Manchmal helfen Bannister und Watts mit ihrer Erinnerungsmaschine auch der Polizei bei Ermittlungen.

Eines Tages, nach Feierabend, taucht Mae (Rebecca Ferguson) bei ihnen auf. Die umwerfend gut aussehende Nachtclubsängerin hat ihren Schlüssel verloren. Bannister kann ihr helfen, indem er sie durch ihre Erinnerungen an die vorherigen Stunden führt. Und er verliebt sich in die Frau, die Noir-Fans spätestens bei ihrem ersten Auftritt auf der Nachtclubbühne an „Gilda“ erinnert.

Das ist der Auftakt für eine erschreckend beliebige Geschichte, die sich durchgehend wenig für ihre Figuren, überhaupt nicht für die Kriminalgeschichte, kaum für die Liebesgeschichte, aber sehr für die Bilder interessiert. Sie sind sorgfältig gestaltete Tableaus, wie geschaffen für eine Fotostrecke in einem Magazin. Das im Wasser versinkende, immer noch sonnendurchflutete Miami, das sumpfig-schwüle New Orleans, die an „Blade Runner“ erinnernden Straßenschluchten (wieder in Miami), die verruchten Vierziger-Jahre-Nachtclubs (deshalb ist Mae eine Nachtclubsängerin) und die vollkommen unsinnigen Innenräume. So gibt es keinen rationalen Grund, warum Bannister die Erinnerungen seiner Kunden sehen kann und warum sie als lebensgroße Hologramme mitten im Raum stehen; außer natürlich, dass es gut aussieht, wenn Bannister vor dem singenden Mae-Hologramm steht oder er durch die schön-kitschigen Erinnerungen seiner Kunden geht.

Das sieht immer gut aus, aber es bleibt l’art pour l’art.

In „Tides“ (dazu später mehr) gelingt die Verbindung von Stil und Story viel besser und das macht „Tides“ dann auch zur besseren Dystopie. „Reminiscence“ ist dagegen nur das Blättern im Science-Fiction-Noir-Katalog.

Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie (Reminiscence, USA 2021)

Regie: Lisa Joy

Drehbuch: Lisa Joy

mit Hugh Jackman, Rebecca Ferguson, Thandiwe Newton, Cliff Curtis, Marina de Tavira, Daniel Wu, Mojean Aria, Brett Cullen, Natalie Martinez, Angela Sarafyan, Nico Parker

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Reminiscence“

Metacritic über „Reminiscence“

Rotten Tomatoes über „Reminiscence“

Wikipedia über „Reminiscence“ (deutsch, englisch)

Die Rote Kapelle“ ist ein gelungener Dokumentarfilm über eine immer noch fast vergessene Widerstandsgruppe gegen Adolf Hitler und die Nazi-Diktatur. Das kann daran liegen, dass die Rote Kapelle als Spionagering für die Sowjetunion spionierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Kommunisten im Kalten Krieg zu Bösewichtern. Da bestand im Westen kein besonders großes Interesse daran, eine Geschichte über heldenhafte Sowjet-Spione, die mit ihren Informationen zum Ende des Faschismus beitrugen, zu erzählen. Weil die Geschichte der Roten Kapelle während des Zweiten Weltkriegs einige unschöne Wendungen nahm, wurde sie auch im Osten fast vollständig vergessen. Die Mitglieder der Roten Kapelle, die den Krieg überlebten, wurden von der Gesellschaft und der erst Jahre nach dem Krieg entstehenden Erinnerungskultur, ignoriert.

Trotzdem beschäftigen sich Anfang der siebziger Jahre zwei Filme mit ihr: der DEFA-Film „KLK ruft PTX – Die Rote Kapelle“ und der deutsch-französische TV-Mehrteiler „Die Rote Kapelle“. Beide heute unbekannten Filme erzählten nur einen Teil der Geschichte der Roten Kapelle und es wurde sich auf bestimmte Gruppen der Roten Kapelle konzentriert. Denn sie war keine fest organisierte Gruppe, sondern ein loses Netzwerk Gleichgesinnter, die teilweise nichts voneinander wussten. Inzwischen sind ungefähr vierhundert Mitglieder der Roten Kapelle namentlich bekannt. Ihren Namen erhielt sie von der Gestapo, die unter dem Begriff „Rote Kapelle“ verschiedene Widerstandsgruppen zusammenfasste, die Kontakt in Richtung Sowjetunion hatten oder von denen ein solcher Kontakt vermutet wurde.

Der Dokumentarfilm „Die Rote Kapelle“ konzentriert sich auf den in Berlin agierenden Freundeskreis um Harro Schulze-Boysen, einem Offizier im Luftfahrt-Ministerium mit Zugang zu geheimen Informationen, und einen von dem Palästinakämpfer und Sowjet-Agenten Leopold Trepper in Paris und Brüssel aufgebauten Spionagering.

Ihre Geschichte erzählt Carl-Ludwig Rettinger chronologisch als eine Mischung aus sprechenden Köpfen, aktuellen und historischen Aufnahmen. Das ist von seiner Machart konventionell, aber informativ und das Material wird gelungen präsentiert. Interessant ist die fast schon exzessive Verwendung von Ausschnitten aus den beiden bereits erwähnten Filmen über die Rote Kapelle. Sie machen die Aktionen der Roten Kapelle begreifbarer. Gleichzeitig werfen sie einen Blick darauf, wie das Agieren der Roten Kapelle nach dem Krieg beurteilt wurde und sie zeigen auch, dass Geschichte immer eine Interpretation der Ereignisse ist.

Die Rote Kapelle (Deutschland/Belgien/Israel 2020)

Regie: Carl-Ludwig Rettinger

Drehbuch: Carl-Ludwig Rettinger

mit Lital Levin, Rebecca Donner, Roberta Böcker, Yehudit Kafri, Hans Coppi, Guillaume Bourgeois, Sacha Barcza, André Possot, Gerhard Sälter

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Verleihseite zum Film

Filmportal über „Die Rote Kapelle“

Moviepilot über „Die Rote Kapelle“

Wikipedia über die Rote Kapelle (deutsch, englisch)

Kommen wir zu „Sky Sharks“.

Die Idee war wohl, nach einem Filmabend mit „Iron Sky“, „Sharknado“ und zuviel Alkohol: Nazis, fliegende Haie, Trash. Aber halt bewusster Trash. Sozusagen Metatrash.

Dazu gibt es, weil das halt zu einem Trashfilm gehört, hirnlose Gewalt, Blutfontänen (CGI-Blut, nicht Kunstblut) und – Gähn! – nackte weibliche Brüste.

Herausgekommen ist Murks. „Sky Shark“ ist – und zu dem Urteil bin ich schon letztes Jahr gekommen, als die Kinos geschlossen waren und ich den Film als Stream sehen konnte – einer der schlechtesten, wahrscheinlich sogar der schlechteste Film des aktuellen Kinojahres. Zu dieser Einschätzung stehe ich immer noch. In den letzten Monaten habe ich viele, aber keinen schlechteren Film gesehen. Denn in „Sky Sharks“ stimmt nichts. Eine Story gibt es nicht. Die Dialoge sind zum Abwinken. Die Tricks sind grottenschlecht. Die Schauspieler sind zum Vergessen. Oliver Kalkofe ist wahrscheinlich nur deshalb dabei, um den Film für seine SchleFaZ-Reihe zu disqualifizieren.

Unter allen Umständen vermeiden.

Sky Sharks (Deutschland 2020)

Regie: Marc Fehse

Drehbuch: A.D. Morel, Marc Fehse, Carsten Fehse

mit Eva Haberman, Barbara Nedeljáková, Tony Todd, Naomi Grossman, Michaela Schaffrath, Oliver Kalkofe, Ralf Richter

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 18 Jahre (eine erfreuliche Meldung des Jugendschutzes)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Sky Sharks“

Moviepilot über „Sky Sharks“

Rotten Tomatoes über „Sky Sharks“

Wikipedia über „Sky Sharks“

Genau das sollte man bei „Tides“ nicht tun. Es ist der neue Film von „Hell“-Regisseur Tim Fehlbaum. Es ist wieder eine Dystopie und wieder überzeugt der Science-Fiction-Film. Vor allem visuell.

Vor einigen Jahrzehnten verließen die Menschen die von ihnen unbewohnbar gemachte Erde. Auf dem Planeten Kepler 209 fanden sie Zuflucht. Allerdings macht die Atmosphäre sie unfruchtbar. Deshalb soll jetzt eine Erkundungsmission (das Schicksal einer früheren Mission ist unklar) herausfinden, ob die Menschen wieder auf die Erde zurückkehren können.

Nach der Bruchlandung befinden die Astronauten, die die Landung überlebten, sich in einer nebligen und sehr bedrohlich wirkenden Wattlandschaft. Kurz darauf werden sie angegriffen. Nur Blake (Nora Arnezeder) überlebt. Sie wird von einer Gruppe Nomaden, den Mudmenschen, gefangen genommen. Sie sind im Krieg mit einer von Gibson angeführten Gruppe Menschen, die sie immer wieder überfällt und Mitglieder von ihnen entführt.

Und wenn dann Iain Glen auftaucht, wissen wir, wer der Bösewicht in diesem Film ist, weil Glen diese Rolle öfter übernimmt und weil der Plot aus zahlreichen anderen Dystopien bekannt ist. Aber Fehlbaum veränderte einige Details (so haben Frauen eine deutlich wichtigere Rolle) und er hat diese Welt bis ins letzte Detail liebevoll zu einer Welt ausgestaltet, in der niemand leben möchte. Diese Erde ist eine nasse, neblige Welt, in der die Menschen im Müll der Gegenwart in einem archaischen Zustand leben und einer fremden Sprache sprechen.

Kameramann Markus Förderer, mit dem Fehlbaum bereits bei seinem Debüt zusammen arbeitete, nahm diese Welt in monochromen Bildern auf, die durchgehend für die große Leinwand komponiert sind.

Und genau dort sollte „Tides“ unbedingt gesehen werden.

Tides (Deutschland 2021)

Regie: Tim Fehlbaum

Drehbuch Tim Fehlbaum, Mariko Minoguchi, Jo Rogers (Co-Autor), Tim Trachte (Co-Autor)

mit Nora Arnezeder, Iain Glen, Sarah-Sofie Boussnina, Sope Dirisu, Sebastian Roché, Joel Basman, Kotti Yun, Bella Bading, Chloé Heinrich, Eden Gough

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Tides“

Moviepilot über „Tides“

Metacritic über „Tides“

Rotten Tomatoes über „Tides“

Wikipedia über „Tides“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Hell“ (Deutschland/Schweiz 2011)

Nach mehrmaligen pandemiebedingten Verschiebungen läuft Torsten Körners neuester Dokumentarfilm „Die Unbeugsamen“ endlich an. Von ihm ist auch die Doku „Angela Merkel – Die Unerwartete“. In „Die Unbeugsamen“ geht es um die Politikerinnen, die während der Bonner Republik, im Bundestag saßen und welche Widerstände sie erlebten. Damit ist der jetzige Starttermin, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, perfekt, um auf ihre Leistungen, die gesellschaftlichen Veränderungen und den Backlash durch die AfD in den Parlamenten, hinzuweisen.

Körner unterhielt sich für „Die Unbeugsamen“ mit, u. a. Herta Däubler-Gmelin, Ingrid Matthäus-Maier, Renate Schmidt, Rita Süssmuth, Christa Nickels (die 1952 geborene ist die jüngste Interviewte) und Marie-Elisabeth Klee. Die 1922 geborene, 2018 verstorbene CDU-Politikerin ist seine älteste Gesprächspartnerin. Sie sind schon lange keine Mitglieder des Bundestages mehr. Konkret gesagt, beendeten sie fast alle ihre Arbeit im Bundestag bevor dieser nach Berlin umzog.

Aus den Gesprächen und den vielen sehr klug und pontiert gewählten Ausschnitten aus Parlamentsdebatten, historischen Interviews und TV-Beiträgen, die heute alle unbekannt sind, ergibt sich eine Historie und Sittengeschichte der Bundesrepublik. Denn egal zu welcher Partei die Parlamentarierinnen gehören, sie muissten alle mit den gleichen Widerständen kämpfen. Die Männer, auch heute noch geachtete Top-Politiker, benahmen sich aus heutiger Sicht atemberaubend unmöglich. Vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren nahmen sie ihr Verhalten als normal wahr. Petra Kelly sagte dazu: „Seit ich in Bonn bin, werde ich immer männerfeindlicher.“

Die Unbeugsamen“ zeigt, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. Der Einzug der AfD und ihr Verhalten im Bundestag zeigt auch, dass der Kampf noch nicht gewonnen ist. Und genau deshalb startet Körners beeindruckender Dokumentarfilm, den ich schon gerne letztes Jahr auf meine Jahresbestenliste gesetzt hätte, jetzt zu einem passenden Zeitpunkt.

Die Unbeugsamen (Deutschland 2020)

Regie: Torsten Körner

Drehbuch: Torsten Körner

mit (den Interviewpartnerinnen) Herta Däubler-Gmelin, Renate Faerber-Husemann, Elisabeth Haines, Renate Hellwig, Marie-Elisabeth Klee, Ursula Männle, Ingrid Matthäus-Maier, Christa Nickels, Renate Schmidt, Helga Schuchardt, Rita Süssmuth, Roswitha Verhülsdonk, Carola von Braun, Sabine Gräfin von Nayhauß-Cormons

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Unbeugsamen“

Moviepilot über „Die Unbeugsamen“

Wikipedia über „Die Unbeugsamen“


TV-Tipp für den 27. August: Unheimliche Begegnung der dritten Art

August 26, 2021

ZDF neo, 21.35

Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters of the third kind, USA 1977)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Steven Spielberg

Unglaublich: Anscheinend sind Außerirdische auf der Erde gelandet und sie sind überhaupt nicht böse. Jedenfalls interpretiert Normalbürger Roy Neary die Zeichen so und er macht sich auf die Suche nach ihnen.

Inzwischen ein Science-Fiction-Klassiker.

mit Richard Dreyfuss, Francois Truffaut, Teri Garr, Melinda Dillon, Bob Balaban, Lance Henriksen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

Wikipedia über „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“, „Martin Eden“ – die Neustarts vom 26. August 2021, Teil 1

August 26, 2021

Zehn Film werde ich jetzt besprechen. Dabei starten heute sogar siebzehn Filme. Und nur einem Film wünsche ich eine möglichst kurze Zeit in den Kinos. Die anderen sind vielleicht nicht alle kommende Klassiker, manche sind auch zwiespältig oder nur für ein bestimmtes Publikum geeignet (Ja, Killer’s Bodyguard, du bist gemeint), aber doch, in dem Fall für die Zielgruppe, mindestens einen Blick wert.

Im ersten Teil bespreche ich „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ und „Martin Eden“; im zweiten Teil „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“, „Die Rote Kapelle“, „Sky Sharks“, „Tides“ und „Die Unbeugsamen“.

Beginnen wir in alphabetischer Reihenfolge mit dem Mann, der Süßigkeiten an kleine Kinder verteilt.

Candyman“ ist irgendetwas zwischen Remake, Reboot, Prequel und Weitererzählung von „Candyman’s Fluch“ (Candyman, USA 1992). In den ersten Minuten wird nämlich von einem Auftauchen des titelgebenden Candymans im Sommer 1977 in Chicago in der real existierenden Sozialwohnungssiedlung Cabrini-Green erzählt. Dann springt die Filmgeschichte in die Gegenwart. Cabrini-Green ist inzwischen gentrifiziert. In einem der neuen Nobelapartments wohnt der schwarze Künstler Anthony McCoy. Als er die Geschichte von Candyman hört, ist er fasziniert. Schnell beschließt er, dass er sich in seinem neuen Projekt mit diesem Candyman und seinen Taten in Cabrini-Green beschäftigen will. In dem Moment ahnt er noch nicht, dass er dabei auch dem titelgebenden Mann mit den Süßigkeiten begegnen wird. Denn er taucht immer dann auf, wenn man seinen Namen fünfmal in einen Spiegel sagt (Nein! Nicht ausprobieren!).

Jordan Peele („Get out“) produzierte und schrieb das Drehbuch für diese Neuinterpretation einer Großstadtlegende. Die Regie übernahm die 1989 in Brooklyn geborene Nia DaCosta. Ihr Spielfilmdebüt war „Little Woods“. Ihr nächster Film ist der Marvel-Film „The Marvels“.

Candyman“ überzeugt vor allem als fast schon hypnotisch langsam erzählter, ätzender Kommentar zu Gentrifizierung, Rassismus und männlichen Selbstzweifeln. Weil der Protagonist ein Künstler ist, sind diese Sellbstzweifel monströs und die Macher können auch einen sarkastischen Blick auf die Kunstszene werfen. In den Städten ist sie ein Treiber der Gentrifizierung und Anthonys neues Projekt lebt genau von diesem Zwiespalt: einerseits will er in seinem neuen Werk auf die Geschichte bekannter machen, andererseits beutet er sie für seine Karriere aus. Vor allem nachdem nach der Präsentation seiner Werke in einer Galerie ein bestialischer Doppelmord geschieht, steigt der Preis für seine Bilder rapide.

Die üblichen Horrormomente, also vor allem die brutalen und blutige Morde, werden meistens nicht gezeigt. Die Opfer schon. Traditionelle Jumpscares werden auch größtenteils vermieden. Stattdessen wird die Vergangenheit von Candyman im Stil eines Schattenspiels erzählt.

Insofern kann „Candyman“ als gelungene Wiederbelebung eines schon toten Horrorfilm-Franchises aus dezidiert afroamerikanischer Perspektive gesehen werden. Denn selbstverständlich gab es nach dem überraschenden Erfolg des ersten „Candyman“-Films weitere, schlechtere und unbekanntere „Candyman“-Filme.

Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass der „Candyman“-Mythos die Macher beim Erzählen ihrer Geschichte etwas hinderte. Schließlich mussten sie immer wieder auf die aus den vorherigen Filmen bekannte Großstadtlegende von dem Killer mit der Hakenhand, sein Schicksal und seine Taten verweisen, anstatt eine eigene urban legend zu erfinden.

Candyman (Candyman, USA 2021)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Nia DaCosta

mit Yahya Abdul-Mateen II, Teyonah Parris, Nathan Stewart-Jarrett, Colman Comingo, Kyle Kaminsky, Vanessa Williams, Brian King, Rebecca Spence, Tony Todd

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

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Moviepilot über „Candyman“

Metacritic über „Candyman“

Rotten Tomatoes über „Candyman“

Wikipedia über „Candyman“ (deutsch, englisch)

Auf den ersten Blick wirkt „Coup“ wie der nächste Versuch eines deutschen Genrefilms. Im Mittelpunkt der wahren Geschichte steht ein 22-jähriger Bankangestellter. Obwohl er nur lustlos arbeitet, hat er eine feste Anstellung und finanziell eigentlich ausgesorgt. Da entdeckt er eine Sicherheitslücke. Er nutzt sie aus und hat plötzlich mehrere Millionen Deutsche Mark. Zusammen mit seinem besten Freund, wie er ein Rocker, flüchtet er nach Australien. Dort geben sie das erbeutete Geld mit vollen Händen aus. Er möchte auch, dass seine große Liebe und ihr gemeinsames Kind nachkommen. Aber sie will nicht.

In seinem Regiedebüt erzählt Sven O. Hill diese Geschichte mit einem minimalen Budget und einem Mix aus Real- und Animationsfilm. Erzählt wird die Geschichte von dem Bankräuber, der sie Hill erzählte und der immer noch etwas fassungslos über seinen 1988 erfolgten Bankraub ist.

Das Problem dieser verfilmten wahren Geschichte ist dann die wahre Geschichte, die halt nicht den Hollywood-Drehbuchregeln folgt und deshalb etwas spannungs- und konfliktfrei ist. Denn brenzlig oder gefährlich wird es für für ihn nie.

Coup“ ist kein pulstreibendes Krimidrama, sondern eine Schnurre mit nett-verpeilten Hamburger Jungs und ein Blick in die bundesdeutsche Vergangenheit als eine Anstellung bei einer Bank eine krisensichere Arbeit bis zur Rente war.

Coup (Deutschland 2019)

Regie: Sven O. Hill

Drehbuch: Sven O. Hill

mit Daniel Michel, Rocko Schamoni, Tomasz Robak, Paula Kalenberg

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Coup“

Moviepilot über „Coup“

Die Story von „Killers’s Bodyguard 2“, bzw. im Original mit „The Hitman’s Wife Bodyguard“ treffender betitelt, ist Unfug, der nur existiert, um exzessive Gewalt, Brachialhumor und ein gutgelauntes Ensemble im konstanten Overacting-Modus zusammem zu führen.

Diese Fortsetzung knüpft an „Killer’s Bodyguard“ an. In dem Überraschungserfolg musste der Top-Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) den erfolgreichen Profikiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) lebendig von Coventry nach Den Haag bringen. Bei der Mission gab es Verletzte, Tote und erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden.

Jetzt ist Bryce immer noch todunglücklich über den Verlust seines Top-Ratings als Bodyguard (das gibt es in dieser Welt) und seiner Lizenz (auch das gibt es in dieser Welt). Als er sich auf Anraten seiner Therapeutin, die ihren therapieunfähigen Patienten unbedingt loswerden will, in einen Erholungsurlaub begibt, wird er von Sonia Kincaid (Salma Hayek), der Frau von Darius Kincaid, gefunden und sofort in ein riesiges Gefecht mit einer Hundertschaft schieß- und gewalttätiger Männer verwickelt. Während er unter keinen Umständen eine Waffe anrühren möchte, ballert sie wild drauflos.

Sie entkommen und stolpern gleich in die nächste Schlacht. Denn Sonia will unbedingt ihren von einem Mafiosi entführten Mann befreien und sie möchte Mutter werden (dabei ist sie die ungeeignetste Person dafür). Außerdem werden sie von dem echt harten, immer schlecht gelauntem Interpol-Agenten Bobby O’Neill (Frank Grillo), der unbedingt wieder zurück in die USA will, erpresst, den größenwahnsinnigen griechischen Cyberterroristen Aristoteles Papadopolous (Antonio Banderas) auszuschalten.

Die James-Bond-würdige Geschichte erhebt sich bei ihrer europäischen Sightseeing-Tour nie über das Niveau der Rollennamen. Da werden die Klischees munter aneinandergereiht und zitiert; in dem vollen Bewusstsein, dass jeder im Saal die Anspielungen versteht.

Und dann tritt auch noch Morgan Freeman als Quasi-Gott auf. Im Film ist das einer der wirklich überraschenden Momente. Wer allerdings einen Blick auf das Plakat geworfen hat, weiß, dass Morgan Freeman mitspielt.

In der richtigen Stimmung ist Buddy-Movie (oder Buddy-Buddy-Movie) „Killer’s Bodyguard 2“ ein spaßiger Film, sozusagen der räudige, sich schlecht benehmende, sein schlechtes Benehmen geniesende Bruder von „Free Guy“, ebenfalls mit Ryan Reynolds.

Killer’s Bodyguard 2 (The Hitman’s Wife Bodyguard, USA 2021)

Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Tom O’Connor

mit Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek, Antonio Banderas, Morgan Freeman, Frank Grillo, Caroline Goodall, Rebecca Front, Gabriella Wright, Alice McMillan,

Kristofer Kamiyasu, Tom Hopper

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Killer’s Bodyguard 2“

Metacritic über „Killer’s Bodyguard 2“

Rotten Tomatoes über „Killer’s Bodyguard 2“

Wikipedia über „Killer’s Bodyguard 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „The Expendables 3“ (The Expendables, USA 2014)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „Killer’s Bodyguard“ (Hitman’s Bodyguard, USA 2017)

Bleiben wir in Italien. Aber während „Killer’s Bodyguard 2“ Italien nur für den Klischeetrip US-amerikanischer Prägung benutzt, taucht Franco Maresco in seinem neuen Film „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ tief in den sizilianischen Alltag ein.

Am 23. Mai 1992 und am 19. Juli 1992 verübte die Mafia Bombenattentate auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Die Attentate, bei denen auch mehrere Unbeteiligte starben, waren letztendlich auch das Ende der Mafia, wie wir sie aus unzähligen Filmen kennen.

25 Jahre später will Maresco in Palermo die Feiern zu ihrem Todestag aufnehmen. Dafür begleitet er die Fotografin Letizia Battaglia. Sie dokumentierte ab den Siebzigern die Morde der Mafiosi. Sein zweiter Protagonist ist der Party-Veranstalter Ciccio Mira, der mit vielen Künstlern eine Feier zu Ehren der beiden ermordeten Mafiajäger durchführen will. Seine an Peinlichkeit kaum zu überbietende Dorfkirmes-Veranstaltung mit untalentierten Amateurkünstlern lebt von dem Gegensatz zwischen der erklärten Absicht, Borsellino und Falcone zu ehren, und der Realität, in der die Veranstalter und die Künstler wortreich nicht erklären können, warum sie an der Veranstaltung teilnehmen wollen und sie sich nicht von der Mafia distanzieren wollen.

In seinem Dokumentarfilm bedient Maresco sich eines satirischen Ansatzes, bei dem immer unklar ist, wie sehr die einzelnen Szenen inszeniert sind. Denn er ist ein ausgesucht respektloser und penetranter Fragensteller. Trotzdem ertragen seine Interviewpartner ihn klaglos und höflich. Auch wernn er zum x-ten Mal von ihnen ein Bekenntnis gegen die Mafia hören will. Oder er den immer freundlichen, aber auch sehr halbseidenen Festivalveranstalter Mira ins Kreuzverhör nimmt und dieser wort- und gestenreich ausweicht.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ ist eine sehr italienische satirische Doku, die perfekt in kleine, schummerige Arthauskinos passt. Die Studentenkinos sind ja noch geschlossen.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war (La mafia non è più quella di una volta, Italien 2019)

Regie: Franco Maresco

Drehbuch: Franco Maresco, Claudia Uzzo, Francesco Guttuso, Giuliano La Franca, Uliano Greca

mit Letizia Battaglia, Ciccio Mira, Matteo Mannino, Christian Miscel, Franco Zecchin

Länge: 105 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Verleihseite zum Film

Moviepilot über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Rotten Tomatoes über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Wikipedia über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ (englisch, italienisch)

Wir bleiben in Italien. „Martin Eden“ ist die freie Verfilmung von Jack Londons gleichamigem, autobiographisch inspiriertem Roman. Pietro Marcello verlegte die Geschichte in seinem Spielfilmdebüt in das Nachkriegsitalien des Neorealismus.

Wie Dominik Graf in seiner Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ erstarrt Marcello nicht in Ehrfurcht vor der Vorlage. Er bebildert sie nicht, sondern eignet sie sich an, interpretiert und verändert sie; dabei benutzt er die filmischen Mittel, die ihm passen. Die Geschichte gewinnt eine zeitlose Qualität, die immer an eine unspezifische Vergangenheit und die große Zeit des italienischen Kinos erinnert.

Martin Eden ist ein ungebildeter Seemann und Landarbeiter. Er gehört zum Subproletariat. Als er im Hafen von Neapel die großbürgerliche Elena Orsini vor einigen Schlägern rettet, öffnet sich für ihn eine Tür in eine andere Welt. Er verliebt sich in sie und sie scheint auch etwas für ihn zu empfinden. Um sie zu beeindrucken, beginnt er hochliterarische Werke zu lesen und er möchte Schriftsteller werden.

Einer der wenigen Menschen, die an ihn glaubt ist der Bohemien und Sozalist Russ Brissenden. Er fragt sich aber auch, ob Eden erfolgreich sein kann, ohne sich zu verraten. Falls er überhaupt einen Text verkaufen kann.

Martin Eden (Martin Eden, Italien/Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: Pietro Marcello

Drehbuch: Maurizio Braucci, Pietro Marcello

LV: Jack London: Martin Eden, 1909 (Martin Eden)

mit Luca Marinelli, Jessica Cressy, Denise Sardisco, Vincenzo Nemolato, Carmen Pommella, Elisabetta Volagoi, Marco Leonardi, Autilia Ranieri, Pietro Raguso, Carlo Cecchi

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Martin Eden“

Moviepilot über „Martin Eden“

Metacritic über „Martin Eden“

Rotten Tomatoes über „Martin Eden“

Wikipedia über „Martin Eden“ (deutsch, englisch, italienisch)


TV-Tipp für den 26. August: Sommer vorm Balkon

August 25, 2021

Auch wenn die Tage kürzer und kälter werden, haben wir immer noch

RBB, 20.15

Sommer vorm Balkon (Deutschland 2005)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase

Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.

Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld

Wiederholung: Freitag, 27. August, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Sommer vorm Balkon“

Wikipedia über „Sommer vorm Balkon“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andres Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 25. August: Die letzten Tage der Menschheit

August 24, 2021

Arte, 20.15

Die letzten Tage der Menschheit (Les derniers jours du monde, Frankreich/Spanien 2009)

Regie: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrieu

Drehbuch: Arnaud Larrieu, Jean-Marie Larrieu

LV: Dominique Noguez: Les derniers jours du monde, 2001

TV-Premiere. Die Welt geht gerade mit allen nur denkbaren Katastrophen gleichzeitig unter, aber Robinson hat ein ganz anderes Problem. Er sucht in Frankreich und Spanien nach Lae. Mit ihr hatte er vor einem Jahr eine leidenschaftliche Affäre.

SF-Film

mit Mathieu Amalric, Catherine Frot, Karin Viard, Sergi Lopez, Clotilde Hesme, Omahyra Mota, Sabine Azema, Pierre Pellet, Manon Beaudoin

Hinweise

AlloCiné über „Die letzten Tage der Menschheit“

Rotten Tomatoes über „Die letzten Tage der Menschheit“

Wikipedia über „Die letzten Tage der Menschheit“ (englisch, französisch)


Cover der Woche

August 24, 2021

Meine aktuelle Lektüre, wegen der demnächst startenden Verfilmung.


TV-Tipp für den 24. August: Tatort: Spätlese

August 23, 2021

WDR, 23.40

Tatort: Spätlese (Deutschland 1977)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Herbert Lichtenfeld

Kommissar Haferkamp sucht Paul Bernholds Mörder. Zunächst verdächtigt er dessen Frau und den Hausarzt.

Wie alle Haferkamp-Tatorte: gelungen und heute immer noch sehenswert als Krimi und als Porträt der siebziger Jahre.

Herbert Lichtenfeld, ein vielbeschäftigter Drehbuchautor, schrieb auch das Buch für den „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“.

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Andrea Jonasson, Claudia Wedekind, Horst Michael Neutze, Pierre Franckh

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Herbert Lichtenfeld

Tatort-Fundus über Kommissar Haferkamp

Wikipedia über „Tatort: Spätlese“


TV-Tipp für den 23. August: The Crying Game

August 22, 2021

Arte, 22.15

The Crying Game (The Crying Game, Großbritannien 1992)

Regie: Neil Jordan

Drehbuch: Neil Jordan

In Nordirland entführt die IRA während des damals tobenden Bürgerkriegs einen schwarzen britischen Soldaten. Während Fergus (Stephen Rea) ihn bewacht, unterhält er sich mit ihm und findet ihn ganz sympatisch. Kurz vor seinem Tod bittet Jody Fergus sich um seine Geliebte Dil zu kümmern. Nach Jodys Ermordung fährt Fergus, der mit dem Morden nichts mehr zu tun haben will, nach London. Dort trifft er Dil und er verliebt sich in die Nachtclub-Sängerin. Währenddessen suchen ihn seine alten Kampfgefährten.

Selten gezeigtes Drama, das souverän zwischen Entführungsthriller, Politdrama, Liebesgeschichte und Thriller pendelt und ein überraschendes und erschütterndes Ende hat.

Einer von Neil Jordans besten Filmen.

Der Thriller war für den Edgar Allan Poe Award nominiert. Um nur den für Krimifans wichtigsten Preis zu nennen.

Mit Stephen Rea, Forest Whitaker, Jaye Davidson, Miranda Richardson, Adrian Dunbar, Breffini McKenna, Jim Broadbent

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Crying Game“

Wikipedia über „A Crying Game“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Neil Jordans „Mona Lisa“ (Mona Lisa, Großbritannien 1986)

Meine Besprechung von Neil Jordans „Die Fremde in dir“ (The Brave One, USA 2007)


DVD-Kritik: Liam Neeson ist „The Marksman – Der Scharfschütze“

August 22, 2021

Jim Hanson ist Witwer, Vietnam-Veteran und Rancher in Arizona. Sein Land direkt liegt an der Grenze zu Mexiko. Seine Tochter arbeitet bei der Grenzpolizei. Täglich meldet er der Polizei Illegale. Das will er auch jetzt tun, aber die beiden Flüchtlinge, Rosa und ihr Sohn Miguel, werden von einigen Kartellmännern gejagt, die schnell zu den Waffen greifen. Spontan wehrt Jim sich. Am Ende der Grenzschießerei sind die Mutter und einer der Verbrecher tot. Der tote Verbrecher war der Bruder von Mauricio, dem Anführer der kleinen Gruppe von Kartellmännern.

Als Jim kurz darauf erfährt, dass Miguel zurück nach Mexiko in den sicheren Tod geschickt werden soll, befreit er ihn aus dem Polizeigewahrsam. Er will den Zehnjährigen, dem Wunsch seiner toten Mutter folgend, zu Verwandten nach Chicago bringen.

Auf ihrer Fahrt werden sie von Mauricio und seinen Männern verfolgt. Denn er will den Tod seines Bruder rächen. Und die Tasche mit Geld haben, die sich in Miguels Besitz befindet und das dem Kartell gestohlen wurde.

Spätestens ab diesem Moment entwickelt sich die Handlung von „The Marksman“ so gradlinig wie die Autobahn nach Chicago. Das ist nie innovativ, aber druckvoll und mit einem engagiertem Ensemble erzählt. Im Mittelpunkt des Road-Movies steht die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Jim und Miguel, die natürlich zwei sehr gegensätzliche Charaktere sind, und ihrer Flucht vor den Bösewichtern, die auf ihrer Jagd nach Jim und Miguel über Leichen gehen. Sie bringen sogar Jims Hund um!

Schon von der ersten Minute an, wirkt „The Marksman“ wie ein Thriller, der ursprünglich als Vehikel für Clint Eastwood geplant war. Dazu hätte es der Szene aus dem Clint-Eastwood-Western „Hängt ihn höher“ (Hang ‚em high), den Jim und Miguel sich in einem Motel ansehen, nicht bedurft.

Der Eindruck, dass der Thriller mit Clint Eastwood als Hauptdarsteller im Hinterkopf geschrieben wurde, verstärkt sich, wenn man weiß, dass Robert Lorenz seit den „Brücken am Fluss“ (The Bridges of Madison County) zu Clint Eastwoods Crew gehört. Meistens als Second Unit Director oder Producer. Sein Regiedebüt war „Back in the Game“ (Trouble with the curve) mit, ihr ahnt es, Clint Eastwood in der Hauptrolle. Trotzdem war Eastwood niemals offiziell in das Projekt involviert.

Jedenfalls hat jetzt Liam Neeson die Hauptrolle des konservativen Haudegen, der tut, was ein rechtschaffener Mann tun muss, übernommen. Und das ist, den letzten Wunsch einer sterbenden Frau erfüllen, einen Jungen zu seinen Verwandten bringen und dabei böse Verbrecher töten. Denn auf den Staat, verkörpert durch korrupte Polizisten, kann man sich dabei nicht verlassen.

The Marksman“ ist gut abgehangenes Thriller-Kino, das man wie einen Country-Song schon beim ersten Mal mitsingen kann.Und das ist nicht unbedingt schlecht.

Das vernachlässigbare Bonusmaterial besteht aus einem Making of mit den üblichen Werbe-Statements und einem Video-Interview mit Liam Neeson.

(c) 2021 LEONINE Studios

The Marksman – Der Scharfschütze (The Marksman, USA 2021

Regie: Robert Lorenz

Drehbuch: Chris Charles, Danny Kravitz, Robert Lorenz

mit Liam Neeson, Jacob Perez, Juan Pablo Raba, Katheryn Winnick, Teresa Ruiz

Blu-ray

Leonine Studios

Bild: 2,40:1 (1080p/24)

Ton. Deutsch, Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interview – Liam Neeson. Trailer

FSK: ab 16 Jahre

Länge: 108 Minuten

DVD identisch. Außerdem als Download erhältlich.

Hinweise

Moviepilot über „The Marksman“

Metacritic über „The Marksman“

Rotten Tomatoes über „The Marksman“

Wikipedia über „The Marksman“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. August: Nachtschicht: Das tote Mädchen

August 21, 2021

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Das tote Mädchen (Deutschland 2010, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.

Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Chaddr – Unter uns der Fluss“, hoffentlich vereist

August 21, 2021

Schule ist die Hölle. Heißt es. Die achtzehnjärige Tsangyang Tenzin dürfte eher den Weg zur Schule für die Hölle halten. Ihre Schule ist ein Internat in Leh. Die Kreisstadt liegt im Himalaya auf indischen Provinz Ladakh, nahe der Grenze zu Pakistan und China. Seit zwölf Jahren besucht Tsangyang die Schule. Nach der Schule möchte sie ein Informatikstudium in Neu-Dehli beginnen.

Zweimal im Jahr muss sie den hundert Kilometer langen Weg zwischen ihrem Heimatdorf und der Schule zurücklegen. Ihr Dorf ist im Winter nur, so wird uns gesagt, über den Chaddr erreichbar. Das ist ein mehrtätiger Marsch über einen vereisten Fluss. Der Weg ist gefährlich und mühsam. Vor allem seitdem das Eis auf dem Fluss immer dünner wird. Begleitet wird Tsangyang von ihrem Vater Tundup Tsering, der den Weg seit seiner Jugend kennt.

Regisseur Minsu Park begleitet die beiden. Er zeigt ihren beschwerlichen Weg ausführlich im Stil einer beobachtenden Dokumentation, in der die Filmemacher nicht im Bild auftauchen und auch sonst möglichst unsichtbar bleiben. Es gibt also auch keine Hintergrundinformationen von ihnen. Weder als sprechende Köpfe (wobei wir gut auf Regisseure, die sich penetrant im Stil einer billigen TV-Dokumentation ins Bild rücken, verzichten können), noch als Voice-Over. Damit beraubt Minus Park sich der Möglichkeit, uns zu erklären, wer die vielen anderen Wanderer sind, denen Tsangyang und Tundup auf ihrem Marsch über den vereisten Fluss begegnen, warum sie ihren Rucksack und Schlitten mal dabei haben, mal nicht. Oder wie das Gepäck um eine Klippe befördert wird. Und auch, warum sie heute diesen zunehmend gefährlichen Weg immer noch benutzen.

Denn in ihrem Dorf gibt es Autos. Und damit müsste es auch einen anderen Weg geben, auf dem sie gefahrloser ans Ziel gelangen könnten. Manchmal klettern sie aus dem Flusstal hinauf. Den Weg, den sie dann zurücklegen, sehen wir nicht und wir erfahren auch nicht, warum sie wieder zu dem vereisten Fluss hinabsteigen. Und wir sehen nicht das letzte Stück des Weges. In dem einen Moment sind sie noch im Flusstal, im nächsten am heimischen Herd. Einige Lücken können auch daran liegen, dass Park während der viertägigen Wanderung nur acht Stunden aufnehmen konnte (im DOK.fest-Interview erzählt er davon).

Das ist dann doch ein etwas plötzlicher und prosaischer Abschluss einer mehrtätigen, gefährlichen Wanderung, die sie vielleicht nur unternommen haben, um gemeinsam einige Zeit zu verbringen; – während wir im Film davor und danach etwas über das Leben in Ladakh und eine dort lebende Familie erfahren haben.

Chaddr – Unter uns der Fluss (Deutschland 2020)

Regie: Minsu Park

Drehbuch: Gregor Koppenburg

mit Tsangyang Tenzin, Tundup Tsering

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Chaddr – Unter uns der Fluss“

Moviepilot über „Chaddr – Unter uns der Fluss“