Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (Mishima: A Life in four Chapters, USA/Japan 1985)
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Paul Schrader, Leonard Schrader, Chieko Schrader (teils nach Romanen von Yukio Mishima)
Kein leichter Film. Damals ein vor allem in Japan heftig umstrittener Film und erwartungsgemäß kein Erfolg an der Kinokasse. Heute einhellig als Meisterwerk gelabelt. In „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ nähert sich „Taxi Driver“-Autor Paul Schrader in der Form einer komplexen Collage Yukio Mishima, einem bedeutenden, bekannten und umstrittenen japanischen Schriftsteller, der 1970 Seppuku, eine besondere Form des Harakiri, beginn. Der 45-jährige war ein auch selbst politisch aktives Idol der extremen Rechten. Es setzte sich gegen die Verwestlichung und für eine Wiedereinsetzung des Tenno in seiner alten Machtfülle ein. In seinen von der westlichen Kultur und Vorbildern beeinflussten Büchern thematisierte er Masochismus, Bisexualität und kultische Todessehnsucht.
Ein durchaus komplexer Charakter, dem Schrader „einen schwer zugänglichen filmischen Traktat“ (Fischer Film Almanach 1986) widmete.
Schrader selbst nannte den Film „an egregiously under-budgeted labor of love production“.
Die Musik ist von Philip Glass.
mit Ken Ogata, Masayuki Shionoya, Junkichi Orimoto, Naoko Otani, Gi Riju, Masato Aizawa, Yuki Nagahara
The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (The Hot Spot, USA 1990)
Regie: Dennis Hopper
Drehbuch: Nona Tyson, Charles Williams
LV: Charles Williams: Hell hath no fury, The Hot Spot, 1953 (Bis dass der Mord euch scheidet, Spiel mit dem Feuer, The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer)
Aus dem Nichts taucht Harry Maddox in einem texanischen Provinzkaff auf. Er will nur die örtliche Bank überfallen. Aber nachdem er mit zwei Frauen ein Verhältnis beginnt, gerät sein einfacher Plan aus dem Ruder.
Schwüler Film Noir mit einem glänzenden Soundtrack (Miles Davis, John Lee Hooker) und grandios aufspielenden Schauspielern. Eine gelungene Liebeserklärung an die Klassiker.
Mit Don Johnson, Virginia Madsen, Jennifer Connelly, Charles Martin Smith, William Sadler, Jerry Hardin
Drehbuch: Hanns Christian Müller, Gerhard Polt, Carlo Fedier
Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel will mehrere vollkommen unsinnige und hoffnungslov überteuerte Versicherungen, die er abgeschlossen hat, rückgängig machen. Bei seinem Besuch in der Versicherung und der Suche nach einem Verantwortlichen platzt er in die dortige Faschingsfeier.
Gerhard Polts Spielfilmdebüt ist „eine bundesdeutsche Komödie, die diesen Namen wirklich verdient (…) eine bitterböse Paraphrase auf mehrere bundesrepublikanische Einrichtungen und Typen.“ (Fischer Film Almanach 1984)
Kinostart war der 11. November, auch bekannt als Auftakt der närrischen Jahreszeit.
mit Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Nikolaus Paryla, Dieter Hildebrandt, Jochen Busse, Hans Gündther Martens, Karl Obermayr, Bruno Jonas
Zum Kinostart, der pandemiebedingt letztendlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, schrieb ich über diesen tollen, auf einem wahren Fall Skandal basierenden Justizthriller, der viele, viele Zuschauer verdient hat:
Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.
Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.
Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.
Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.
Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.
Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.
Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.
Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.
Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.
Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.
Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.
Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.
Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.
Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.
„Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).
Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.
Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.
2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.
Nach der zweiten Sichtung dieser David-gegen-Goliath-Geschichte fällt (wieder) auf, wie dicht und klug die Geschichte erzählt wird. Mit einem Helden, der nicht wie Erin Brockovich eine sexy Rampensau ist, sondern ein biederer, konservativer Angestellter, für den in jeder Situation ein unauffälliger Anzug die Kleidung seiner Wahl ist.
Das Bonusmaterial, über vierzig Minuten, besteht aus einer selbstablaufenden Bildergalerie, kurzen Interviews mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins und Todd Haynes und mehreren kurzen Featurettes. Das sind ein Mini-Making-of, „Uncovering Dark Waters“, „The cost of being a hero“ und „The real people“. Die Werbe-Featurettes sind solide gemacht und unterscheiden sich in ihrer Mischung aus Interviewschnipsel und Bildern aus dem Film und von den Dreharbeiten nicht von den Featurettes für irgendeinen anderen Film. Die wahren Hintergründe werden nur in einem Halbsatz angesprochen. Dabei wären gerade hier über den Film hinausgehende vertiefende Informationen zu DuPont, der Teflon-Pfanne, PFOA, den Auswirkungen der benutzten Chemikalien auf Mensch, Tier und Umwelt und Robert Bilotts unermüdlichen Kampf gegen DuPont interessant gewesen.
Vergiftete Wahrheit(Dark Waters, USA 2019)
Regie: Todd Haynes
Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan
LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)
mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper
Making Waves: The Art of Cinematic Sound (Making Waves: The Art of Cinematic Sound, USA 2019)
Regie: Midge Costin
Drehbuch: Bobette Buster
TV-Premiere einer hochgelobten spielfilmlangen Doku über den Ton bei Filmen. Und wie wichtig er beim Erzählen einer Geschichte ist.
mit Walter Murch, Ben Burtt, Gary Rydstrom, George Lucas, Steven Spielberg, Robert Redford, Barbra Streisand, Ryan Coogler, David Lynch, Ang Lee, Sofia Coppola, Peter Weir, Christopher Nolan
Ist es wirklich eine gute Idee, sich während des Lockdowns, nach Sonnenuntergang allein zu Hause einen Horrorfilm anzusehen, in dem ein junger Mann eine Nacht mit einem Toten in einem ziemlich einsamen Haus voller knarrender Stufen und geisterhafter Erscheinungen verbringt? Und er dann auch noch in den dunklen Keller, aus dem Geräusche ertönen, geht?
Wahrscheinlich nicht.
Aber dann würde man Keith Thomas‘ „The Vigil – Die Totenwache“ verpassen. Keith Thomas veröffentlichte die nicht übersetzten Spannungsromane „The Clarify“ und „Dahlia Black“ und soll jetzt für Blumhouse Stephen Kings „Feuerkind“ (Firestarter, 1980) verfilmen.
Mit seinem Filmdebüt „The Vigil – Die Totenwache“ bewies er sein Talent für Horror und Suspense. Eine Totenwache wird unter Juden in der Nacht vor der Beerdigung des Toten abgehalten. Der Wächter soll die Seele des Verstorbenen durch seine Gebete beschützen. Normalerweise übernehmen Familienmitglieder diese Aufgabe. Wenn das nicht möglich ist, übernimmt ein Stellvertreter die Aufgabe des Schomers. So ein Stellvertreter ist Yakov Ronen (Dave Davis). Er möchte nach einem traumatischen Erlebnis die chassidische Gemeinde in Brooklyn verlassen. Da bittet ihn der Rabbiner, gegen Geld, die Totenwache bei einem gerade verstorbenem Gemeindemitglied zu übernehmen. Litvak war Holocaust-Überlebender. Mit seiner Frau (Lynn Cohen, bekannt als Golda Meir in Steven Spielbergs „München“) lebte er seit Ewigkeiten in einem Haus in Brooklyn, das inzwischen wie ein heruntergekommenes Relikt aus den fünfziger Jahren wirkt. Mit schummeriger Beleuchtung, durchbrennenden Glühbirnen, knarrenden Stufen, bräunlich vergilbten Tapeten, altertümlichen Möbeln und einer mitten im Wohnzimmer aufgebahrten Leiche, die mit einem strahlend weißen Betttuch zugedeckt ist.
Dass die Totenwache für Yakov eine Nacht wird, in der er sich auch seinen inneren Dämonen stellen muss, ist klar.
„The Vigil – Die Totenwache“ ist ein überzeugendes Debüt. Wie auch bei anderen Blumhouse-Horrorfilmen ist das Budget mehr als überschaubar. Eigentlich gibt es nur das Haus des Toten, bestehend aus Wohnzimmer, Küche und Keller, und einen Schauspieler. Die anderen Schauspieler haben, bis auf die Ehefrau des Toten und den Rabbi, nur kurze Auftritte. Bekannte Namen, die jeder kennt, sind nicht dabei.
Die von Thomas erfundene Geschichte wurzelt tief im jüdischen Glauben. Der Spannungsaufbau ist vorbildlich und alles ist äußerst elegant gefilmt. In jedem Bild ist offensichtlich, dass Thomas und sein Kameramann Zach Kuperstein („The Eyes of my Mother“, „Jonathan“) sich vorher überlegten, was sie wie zeigen wollen. So ist, beispielsweise, wenn Yakov die ersten Minuten im Haus des Toten verbringt, sich in der fremden Wohnung umsieht und mit seinem Telefon spielt, die Leiche immer so im Bild, dass ich (und damit jeder Zuschauer) nur darauf wartet, dass sich die Leiche bewegt oder etwas Unheimliches im Bildhintergrund auftaucht. Auch die Musik (von Michael Yezerski) und die Geräusche verstärken die unheimliche Stimmung gelungen. Die wenigen Jumpscares sind da störende Rückfälle in gewohnte Horrorfilmkonventionen.
Viel wichtiger als kurze Schockmomente ist die unheimliche Atmosphäre und das Gefühl einer dämonischen Bedrohung. Das macht „The Vigil – Die Totenwache“ zu einem spannenden, gelungenem und empfehlenswerten Film voller Suspense.
Horrorfilmfans, die einfach nur einen gewöhnlichen Geisterhorrorfilm sehen wollen, werden dagegen enttäuscht sein. „The Vigil – Die Totenwache“ ist nicht ‚das verwunschene jüdische Horrorhaus mit kreischenden und gemeuchelten Teenagern‘.
The Vigil – Die Totenwache (The Vigil, USA 2019)
Regie: Keith Thomas
Drehbuch: Keith Thomas
mit Dave Davis, Menashe Lustig, Malky Goldman, Lynn Cohen, Fred Melamed, Ronald Cohen, Nati Rabinowitz
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DVD
EuroVideo
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Blu-ray identisch und selbstverständlich auch digital verfügbar.
Liebe und Intrigen (Crime d’amour, Frankreich 2010)
Regie: Alain Corneau
Drehbuch: Alain Corneau, Nathalie Carter
Christine (Kristin Scott Thomas) ist die Managerin der französischen Abteilung eines US-Konzerns, die kurz vor einer Beförderung in die USA steht und die ihre Untergebenen schamlos manipuliert. Auch die sie bewundernde Isabelle (Ludivine Sagnier), die irgendwann auch anerkannt werden möchte. Es beginnt ein tödlicher Zickenkrieg voller Wendungen und Überraschungen.
„Love Crime“ ist ein edler französischer Noir. Ein elegant inszenierter Kriminalfilm, der fest in der Tradition des französischen Kriminalfilms steht und seine Vorbilder in den Filmen der sechziger und siebziger Jahre hat, in denen man niemals sicher sein konnte, welche Gerechtigkeit, falls überhaupt, am Ende siegt.
Das Sahnehäubchen ist die Musik von Pharoah Sanders.
mit Ludivine Sagnier, Kristin Scott Thomas, Patrick Mille, Guillaume Marquet, Gérald Laroche, Julien Rochefort, Olivier Rabourdin
Als FBI-Agentin Odessa Hardwicke und ihr älterer Partner Walt Leppo den Tatort betreten, sieht das Familienhaus wie nach einem Schlachtfest aus. Überall sind Blut und Leichen. Der Täter ist der ehemalige Stabschef des Gouverneurs von New Jersey. Er kämpft gerade gegen eine seine Existenz bedrohende Korruptionsklage. Jetzt ist er ausgerastet. Als sie ihn verhaften wollen, gibt es ein Getümmel, in dem Odessa ihren Partner erschießt. Er hat, ohne einen ersichtlichen Grund, versucht, die Tochter des Stabschefs zu töten. Anschließend sieht Odessa einen Schatten aus Leppos totem Körper aufsteigen.
Selbstverständlich wird Odessa danach in den Innendienst versetzt. Sie wird beauftragt, das Büro ihres schon seit Ewigkeiten pensionierten Kollegen Earl Solomon auszuräumen. Solomon liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Als sie ihn besucht, kann er mit ihrer Beobachtung etwas anfangen. Er empfiehlt ihr, Hugo Blackwood zu kontaktieren. Mit einem in einer besonderen Weise gefaltetem Brief, den sie in den Briefkasten eines scheinbar verlassenen Hauses in Manhattan werfen soll.
Solomon lernte Blackwood 1962 im Mississippi-Delta bei seinem ersten bedeutenden Fall als FBI-Agent kennen. Solomon sollte in den Südstaaten den Lynchmord an einem Weißen aufklären.
Blackwood reagiert umgehend, um nicht zu sagen mit beängstigender Schnelligkeit, auf Odessas Brief. Er sieht wie ein aus einem anderen Jahrhundert kommender Mann aus. Und, das kann verraten werden, er kommt aus dem 16. Jahrhundert. Er ist ein Geisterjäger, der den Schatten jagt, der aus Leppos Körper entwichen ist. Dieser Geist spring von Körper zu Körper und es gefällt ihm, wenn sein Wirtskörper möglichst spektakulär stirbt.
Der Untertitel „Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ verrät die Absicht von Guillermo del Toro und Chuck Hogan neuem Roman. „Die Schatten“ soll der Auftakt für eine neue Serie sein.
Bereits zwischen 2009 und 2011 schrieben sie gemeinsam die Trilogie „Die Saat – The Strain“. Die Vampirhorrorromane waren die Vorlage für eine Comic- und TV-Serie, in die del Toro und Hogan involviert waren. Ursprünglich hatte del Toro die „The Strain“-Geschichte als TV-Serie geplant.
Diesen Eindruck, also dass auch in diesem Fall die Idee und das Script für eine TV-Serie zu einem Roman umgeschrieben wurden, hatte ich auch bei „Die Schatten“. Der ganze Horrorroman liest sich wie ein Roman zum Film. Es gibt viele kurze Szenen und schnelle Wechsel zwischen Schauplätzen und Zeitebenen. Der Roman spielt gleichzeitig 1582 in Mortlake bei London, 1962 im Mississippi-Delta und, größtenteils, 2019 in Newark, New Jersey. Und, ja, es wäre besser gewesen, zuerst die Ereignisse von 1582, dann die von 1962 und dann die von 2019 zu schildern. Dann wäre allerdings sofort aufgefallen, wie wenig sie miteinander zu tun haben. So hofft man immer noch auf ein großes Finale, das das alte England mit den rassistischen Südstaaten mit den heutigen USA verbindet.
Die Personen sind nur oberflächlich skizziert. Keine hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck oder gewinnt eine größere Individualität. Die Geschichte selbst folgt, wenn wir die umständliche Konstruktion mit den drei parallel geführten Zeitebenen ignorieren, ohne große Überraschungen oder Vertiefungen, der Struktur, die man aus unzähligen TV-Serien kennt. Wobei „Die Schatten“ hier die Funktion eines Pilotepisode hat, in der die Figuren ausführlich vorgestellt werden und das Team für die nächsten Episoden zusammengestellt wird. Dann vielleicht mit einem überzeugenderem ‚Fall der Woche‘.
P. S.: Schönes Cover!
Guilermo del Toro/Chuck Hogan: Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1
Unstoppable – Außer Kontrolle (Unstoppable, USA 2010)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Mark Bomback
Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.
„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.
LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)
Vier im lateinamerikanischen Dschungel gestrandete Existenzen erhalten die Chance auf einen Neuanfang. Sie müssen nur zwei mit Nitro bepackte Laster durch den unwegsamen Dschungel zu einer Ölbohrstelle fahren. Wer von ihnen wird den Höllentrip überleben?
Georges Arnauds kurzer, spannender Thriller wurde bereits 1952 als „Lohn der Angst“ erfolgreich verfilmt. Friedkins sträflich unterschätztes Remake konzentriert sich in der europäischen Version stärker auf die Spannungsmomente.
Die zeitgenössische Filmkritik verglich das Remake mit dem hochgeschätzten Original und verriss den Film ziemlich einhellig. Das Publikum sah sich lieber Weltraumschlachten an.
Servus TV zeigt die zweistündige Originalfassung.
Die Musik ist von Tangerine Dream.
Mit Roy Scheider, Bruno Cremer, Francisco Rabal, Amidou
LV: John Steinbeck: The Grapes of Wrath, 1939 (Früchte des Zorns)
Selten gezeigter Filmklassiker über verzweifelte Farmer, die in den USA während der Weltwirtschaftskrise (vor gut hundert Jahren) um ihr Land gebracht wurden und sich auf den Weg nach Kalifornien machen. Dort soll es fruchtbaren Boden geben.
„das wohl beste Werk John Fords, das dieser außerhalb des Western-Genres drehte.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
mit Henry Fonda, Jane Darwell, John Carradine, Charley Grapewin, Dorris Bowdon
Elvis & Nixon (Elvis & Nixon, USA/Deutschland 2016)
Regie: Liza Johnson
Drehbuch: Joey Sagal, Hanala Sagal
Am 21. Dezember 1970 treffen sich im Oval Office US-Präsident Richard Nixon und Sänger Elvis Presley. Von dem Treffen gibt es ein Bild, aber keinen Tonmitschnitt. In der wunderschönen Komödie/Charakterstudie „Elvis & Nixon“ erfahren wir jetzt, wie es zu dem Treffen kam (keine leichte Angelegehnheit für die Kofferträger der beiden prominenten Männer) und was damals im Weißen Haus geschah. Denn Elvis war von der Hippie(un)kultur genervt und er wollte als Undercover-FBI-Agent gegen die Langhaarigen, die Kommunisten und Drogen kämpfen.
TV-Premiere eines rundum gelungenen Films mit viel Zeitkolorit über eine kleine, unbedeutende Anekdote der Weltgeschichte zu einer unmöglichen Uhrzeit.
Kommissar Trimmel glaubt, den Richtigen erwischt zu haben. Aber ein Verteider paukt den Mordverdächtigen heraus. Denn: Im Zweifel für den Angeklagten.
Werremeiers Auseinandersetzung mit dem Rechtsstaat, den Rechten der Polizei, denen der Beschuldigten und dem Auftreten von Starverteidigern (damals eindeutig Rolf Bossi). Immer noch aktuell, immer noch spannend.
Mit Walter Richter, Ulrich von Bock, Joachim Richert, Wolf-Dietrich Berg, Volker Eckstein, Klaus Herm, Karl-Heinz Vosgerau, Horst Michael Neutze
Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz
Blanvalet, München 2020
1194 Seiten, 26 Euro
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9 (-) Doug Johnstone: „Der Bruch“
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Polar, Stuttgart 2021
308 Seiten, 20 Euro
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10 (8) Nicci French: „Eine bittere Wahrheit“
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
C. Bertelsmann, München 2020
506 Seiten, 16 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Tim MacGabhanns „Der erste Tote“ (Remmidemmi in Mexiko), David Whish-Wilsons „Das große Aufräumen“ (Remmidemmi in Perth) und Doug Johnstones „Der Bruch“ (Remmidemmi in Edinburgh) sind auch weit oben auf meiner Zu-lesen-Liste.
Im Moment lese ich den neuen Roman „Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ (Heyne, 16,99 Euro) von „Hellboy“ Guillermo del Toro und Chuck Hogan. Natürlich gibt es einige Morde (auf den ersten Seiten gibt es einen Amoklauf, eine FBI-Agentin erschießt einen Kollegen und einen Lynchmord an einem Weißen), aber irgendwie geht es um etwas viel größeres. Nämlich „einen jahrhundertealten Krieg (…): dem Krieg der Menschen gegen das Böse“.
LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)
Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.
Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.
mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo
Angela Eßer in Würdigung ihres bereits zwei Jahrzehnte andauernden, herausragenden Engagements im Bereich der deutschsprachigen Kriminalliteratur.
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Und, als schneller Nachtrag: der 37. Deutsche Krimipreis (DKP) ging Ende Dezember an folgende Kriminalromane, die „dem Genre literarisch gekonnt und inhaltlich originell neue Impulse geben“:
TV-Premiere. Feinfühliges, in Cannes mehrfach ausgezeichnetes Drama über einen fünfzehnjährigen Jungen, der gerne ein Mädchen und Balletttänzerin wäre.