
durch Indien mit äußerst seltsamen Mitreisenden.
Ein vergnüglicher Krimi.

durch Indien mit äußerst seltsamen Mitreisenden.
Ein vergnüglicher Krimi.
ZDFneo, 22.40
Super 8 (Super 8, USA 2011)
Regie: J. J. Abrams
Drehbuch: J. J. Abrams
Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.
Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Super 8“
Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)
Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)
Arte, 20.15
In der Glut des Südens (Days of Heaven, USA 1978)
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
USA 1916: Nach einem tödlichen Streit in einer Fabrik fliehen Bill und seine Freundin Abby aus Chicago in den Süden. Dort verliebt sich der reiche, todkranke Farmbesitzer in Abby und Bill wittert das Geschäft seines Lebens.
Selten gezeigtes, beeindruckend gefilmtes Südstaatendrama von Terrence Malick, der bereits mit seinem Debüt „Badlands“ einen Klassiker schuf und nach „In der Glut des Südens“ sich zwanzig Jahre aus Hollywood zurückzog. Mit dem poetischen Kriegsfilm „The Thin Red Line“ (ein starbesetztes Stück Kino, das man entweder liebt oder todsterbenslangweilig findet) kehrte er 1998 zurück.
Kameramann Nestor Almendros erhielt für seine Bilder einen Oscar.
Ennio Morricone schrieb die Musik.
Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die brandneue, knapp einstündige Doku „Terrence Malick – Suche nach dem Unsichtbaren“ (Deutschland 2025).
mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard, Linda Manz, Stuart Margolin
Hinweise
Rotten Tomatoes über „In der Glut des Südens“
Wikipedia über „In der Glut des Südens“ (deutsch, englisch) und über Terrence Malick (deutsch, englisch)
Slant Magazine: Nick Schager über „Days of Heaven“ („greatest film ever made“, 22. Oktober 2007)
Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)
Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)
Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)
Meine Besprechung von Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, Deutschland/USA 2019)
Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)
Wenn man nichts über die Hintergründe weiß, ist „Mit Hasan in Gaza“ nur ein zweistündiges unkommentiertes YouTube-Video. In langen ungeschnittenen Szenen, mit Wackelkamera, oft unpassenden Bildausschnitten und viel Leerlauf beobachtet die Kamera einfach, wie einige Männer sich durch Gaza bewegen. Mit Einheimischen wird sich über Dies und Das ausgetauscht. Aber es gibt keine Informationen zum Grund der Reise. Oder wie es dazu kam, dass „Mit Hasan in Gaza“ jetzt im Kino läuft. Im Film verrät Regisseur Kamal Aljafari das nicht. Erst im Abspann gibt er einige wenige Informationen zum Film preis.
Im Juli 2024 entdeckte der in Berlin lebende palästinensische Regisseur in seinem Archiv drei MiniDV-Kassetten, an die er sich nicht erinnerte. Auch die Beschriftung „Mit Hasan in Gaza“ löste bei ihm keine Erinnerung aus an seinen Ausflug nach Gaza am 1. und 2. November 2001. Er suchte damals einen Mann, den er 1989 im Gefängnis kennen lernte. Mit Hasan machte er sich auf die Suche. Eine Nacht, die einen großen Teil des Films einnimmt, verbrachte er in Hasans Haus und filmte aus der Wohnung heraus, was vor der Tür geschah. Aus der Ferne sind Schüsse zu hören, die von nicht vor der Kamera stehenden Männern einzelnen Waffen und Konfliktparteien zugeordnet werden. Auf der anderen Straßenseite sitzt eine Gruppe Männer. Der Rest des Films ist nicht interessanter. Er besteht aus Autofahrten, zufälligen Begegnungen am Strand, einem Marktbesuch und, immer wieder, Kindern, die darum betteln, aufgenommen zu werden,
Diese Aufnahmen von 2001 veröffentlichte Aljafan nun genau so, wie er sie damals aufnahm. Das mag für historisch Interessierte, die die Gegend wenigstens rudimentär kennen, und für Fans von Heimvideos interessant sein. Für alle anderen ist „Mit Hasan in Gaza“ eine ziemlich langweilige Angelegenheit.

Mit Hasan in Gaza (Frankreich/Katar/Deutschland/Palästina 2025)
Regie: Kamal Aljafari
Drehbuch: Kamal Aljafari
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Filmportal über „Mit Hasan in Gaza“
Moviepilot über „Mit Hasan in Gaza“
Metacritic über „Mit Hasan in Gaza“
SWR, 22.30
Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Deutschland 1981)
Regie: Ulrich Edel
Drehbuch: Herman Weigel
LV: Kai Hermann/Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1978
An der Kinokasse erfolgreiche Verfilmung des immer noch erhältlichen gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers der „stern“-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über die titelgebende drogensüchtige dreizehnjährige Christiane F. und ihre drogensüchtigen Freunde am Bahnhof Zoo in den Siebzigern.
Auf ein grundsätzliches Problem von diesem und anderen, ähnlich gelagerten Filmen wies damals der Fischer Film Almanach hin: „So paradox es klingt: Glaubwürdig hätten sie wohl nur dadurch bleiben können, dass sie diesen Film nicht gemacht hätten, sie alle, die an ihm beteiligt sind, die anonyme Christiane, die vor einigen Jahren die traurige Geschichte ihrer Sucht den beiden ’stern‘-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck auf Band gesprochen und zusammen mit ihnen die Verfilmungsrechte verkauft hat; der ehrgeizige junge Produzent Bernd Eichinger, der das Projekt – vom kaufmännischen Standpunkt aus – perfekt durchgehogen hat; der Autor Herman Weigel und der Regisseur Ulrich Edel, der sich gleich bei seinem ersten Spielfilm an solch einen Stoff wagen durfte – und mit ihm, zwangsweise, scheitern musste. Ihnen allen sollen die Redlichkeit und Ehrlichkeit ihrer Absichten gar nicht bestritten werden, nämlich unter weitgehendem Verzicht auf Spekulation einen ungeschminkten Report über die Szene der jugendlichen Fixer und Prostituierten abzuliefern (…) Sie wollen niemandem weh tun; deshalb ist aus ihrem Film nichts Richtiges geworden. Sie hätten den Mut haben müssen, Wut auszulösen, Betroffenheit. Sie begnügen sich mit dem beifällig gemurmelten: ‚So ist’s‘ – und das ist zu wenig.“ (Fischer Film Almanach 1982)
Vor Edel sollte Roland Klick das Buch verfilmen. Er hatte einen anderen Film geplant. Ob es ein besserer Film geworden wäre, werden wir nie erfahren. Edels Film ist ein heute immer noch packender Blick in das West-Berlin um 1980
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Natja Brunkhorst, Thomas Haustei, Jens Kuphal, Reiner Wölk, David Bowie
Hinweise
Filmportal über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
Rotten Tomatoes über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
Wikipedia über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Uli Edels „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (Deutschland 1981)
Meine Besprechung von Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“ (Deutschland 2008)
Fast drei Stunden lässt Sang-Il Lee sich Zeit, um strikt chronologisch die Geschichte von Kikuo und Shunsuke zu erzählen. Sie beginnt 1962 mit dem gewaltsamen Tod von Kikuos Vater und endet 2014.
Nach einer Amateur-Kabuki-Aufführung wird 1964 in Nagasaki der Vater des vierzehnjährigen Kikuo, der vorher auf der Bühne stand, von anderen Yakuzas getötet. Der berühmte Kabuki-Schauspieler Hanjiro, der von Kikuos Können fasziniert war, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Er lehrt ihn und seinen Sohn Shunsuke die Feinheiten dieser traditionellen Form des Theaters. Das Kabuki-Thater ist eine Form des japanischen Theaters, in der immer noch auch die Frauenrollen von Männern gespielt werden. Sie entstand im 17. Jahrhundert, verbindet Musik, Tanz, Pantomime, Spiel (wozu auch die Kostüme und die Schminke gehören) und das Bühnenbild zu einem Gesamterlebnis. Seit 2005 gehört Kabuki zur UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immaterilelen Erbes der Menschheit.
Die gleichaltrigen Jungen Kikuo und Shunsuke werden schnell Freunde. Sie werden zu Quasi-Brüdern. Und sie werden zu ausgezeichneten Kabuki-Schauspielern, die nach ihrer Ausbildung und Erfolgen auf der Bühne um die höchste Ehre die es gibt, die Ernennung zum Kokuho (Lebender Nationalschatz), kämpfen.
Sang-Il Lee erzählt diese Geschichte mit großem epischen Atem. Dabei ist die erste, zehn Jahre umfassende Hälfte, in der Kikuo und Shunsuke von Hanjiro ausgebildet werden und sie ihre erste Schritte als Schauspieler unternehmen stärker als die zweite, episodisch von einem Jahr zum nächsten Jahr durch die Jahrzehnte hüpfende Hälfte.
Weil beide ‚Brüder‘ Künstler sind, die um die Nachfolge von Hanjiro kämpfen, präsentiert Sang-Il Lee auch ausführlich Ausschnitte aus mehreren Theaterstücken. Sie zeigen eine fremde Kultur und eine, jedenfalls in dem Drama „Kokuho“, ungute Tendenz der Kabuki-Schauspieler, auf offener Bühne zu sterben.
In Japan ist „Kokuho – Meister des Kabuki“ der umsatzträchtigste japanische Spielfilm. Nur einige wenige Animes setzten mehr Geld an der Kinokasse um. Er war für dreizehn Japanese Academy Awards nominiert und erhielt den Preis unter anderem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptrolle, Beste Kamera und Besten Schnitt.
Weil „Kokuho – Meister des Kabuki“ wenige Tage vor der Kino-Wiederaufführung von Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (am 16. April; Besprechung der minimalst geänderten neuen Fassung folgt), startet, ist „Kokuhu – Meister des Kabuki“ jetzt nicht der japanische Film, den man sich im Kino ansehen kann, wenn man nach „Kill Bill“ neugierig auf die japanische Kultur wurde. Jetzt kann man ihn als Vorbereitung für „Kill Bill“ ansehen. Danach fallen einem einige weitere Anspielungen Tarantinos auf die japanische Kultur auf und man kann sie in einen Kontext setzen.
Und wer sich „Kill Bill“ nicht ansehen will, hat immerhin einen guten Spielfilm gesehen.

Kokuho – Meister des Kabuki (Kokuhō, Japan 2025)
Regie: Sang-Il Lee
Drehbuch: Satoko Okudera
LV: Shūichi Yoshida: Kokuho, 2018
mit Ryō Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Soya Kurokawa, Keitatsu Koshiyama, Mitsuki Takahata, Nana Mori, Ken Watanabe
Länge: 175 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Kokuho – Meister des Kabuki“
Metacritic über „Kokuho – Meister des Kabuki“
Rotten Tomatoes über „Kokuho – Meister des Kabuki“
Wikipedia über „Kokuho – Meister des Kabuki“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)
Was geschah nach „Nouvelle Vague„?
One, 21.45
Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, USA 2019)
Regie: Benedict Andrews
Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse
1968 trifft die Schauspielerin Jean Seberg („Außer Atem“) den Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal. Sie verlieben sich. Sie werden vom FBI beobachtet, das eine Rufmordkampagne gegen sie startet.
Biopic mit einer gewohnt überzeugenden Kristen Stewart in der Hauptrolle, das ziemlich schnell zu einem mutlosen Film über die Gewissenskonflikte eines fiktiven FBI-Agenten wird. Da wäre mehr möglich gewesen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Anthony Mackie, Vince Vaughn
Wiederholung: Montag, 30. März, 00.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Jean Seberg – Against all Enemies“
Metacritic über „Jean Seberg – Against all Enemies“
Rotten Tomatoes über „Jean Seberg – Against all Enemies“
Wikipedia über „Jean Seberg – Against all Enemies“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Benedict Andrews‘ „Jean Seberg – Against all Enemies“ (Seberg, USA 2019)
Im Sardi’s soll am 31. März 1943 nach der Premiere des Musical „Oklahoma!“ gefeiert werden. Es ist die erste Zusammenarbeit von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Lorenz Hart (Ethan Hawke) ist schon in der Bar. Der berühmte Broadway-Songautor unterhält die wenigen anwesenden Gäste und einen unbeteiligt vor sich hin lesenden Mann mit seinen scharfzüngigen Bemerkungen und lästert über „Oklahoma!“. Er ist verbittert. Denn bis dahin arbeitete er über zwanzig Jahre mit Richard Rodgers zusammen. Von ihnen stammen fast dreißig Musicals für die Bühne und den Film. Viele der über fünfhundert von ihnen geschriebenen Songs wurden zu immer wieder neu interpretierten Klassikern. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „My funny Valentine“, „Have you met Miss Jones?“, „Spring is here“, „Little Girl Blue“, „The most beautiful Girl in the World“, „Manhattan“ und „Blue Moon“.
Zwei Wochen nach „Nouvelle Vague“ startet der zweite absolut sehenswerte Film von Richard Linklater in unseren Kinos. In „Nouvelle Vague“ schildert Linklater die Vorgeschichte und die Dreharbeiten zu dem Klassiker „Außer Atem“. In „Blue Moon“ erzählt er eine andere Geschichte aus dem Showgeschäft, die gleichzeitig einen normalen Abend im Leben des damals 47-jährigen Lorenz Hart schildert und gleichzeitig, wenige Monate vor seinem Tod, sein Leben auf wenige Stunden verdichtet.
Umgeben ist er von einem wundervoll aufeinander und auf ihn eingespieltem Ensemble. Wie ein altes Ehepaar werfen sich der Songtexter und der Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) die Bälle zu. Der Barpianist Morty Rifkin (Jonah Lees) setzt als dritter Mann Akzente. Auch wenn er nur die zur Szene passende Hintergrundmusik klimpert. Damals schon bekannte Künstler und noch am Anfang ihrer Karriere stehende Künstler betreten an dem Abend die Bühne im Sardi’s.
Mit der zwanzigjährigen Elizabeth Weiland (Margaret Qualley) zieht Hart sich dann länger zu einem intimen Gespräch in die Garderobe zurück. Sie vertrauen einander. Sie erzählt ihm ihre intimsten Geheimnisse, aber liebt sie ihn auch? Hart jedenfalls ist in sie verliebt. Aber er will der deutlich jüngeren Frau seine Liebe nicht gestehen. Bevor sie an dem Abend ins Sardi’s kommt, unterhält er sich mit Eddie über sie, seine Verehrung für sie und seine Gefühle für sie.
Und wenn Richard Rodgers (Andrew Scott) und die „Oklahoma!“-Entourage auftauchen gibt es Showbiz-Begegnungen und Enthüllungen.
Richard Linklater schildert eine Nacht in New York vor über achtzig Jahren, die sich kaum von einer ähnlichen Premierennacht in der Gegenwart unterscheidet. Aber dank der tollen Schauspieler und des sehr pointierten, anspielungsreichen und clever konstruierten Drehbuchs von Robert Kaplow ist „Blue Moon“ eine sehr kurzweilige Angelegenheit, die, abgesehen von einem kurzen Prolog, chronologisch und ohne Rückblenden eine Geschichte erzählt und locker viele, oft nur für Broadway-Kenner erkennbaren Anspielungen einstreut. Eine erste Fassung des Drehbuchs hatte Kaplow schon vor über zehn Jahren geschrieben. Linklater war begeistert. Ethan Hawke ebenso. Weil er damals noch auf Alt hätte geschminkt werden müssen, verschoben sie die Dreharbeiten bis Hawke in dem richtigen Alter für die Rolle war. Nicht ändern konnten sie den Unterschied in der Körpergröße zwischen Hawke (1,79 Meter) und Hart (1,52 Meter). Das wird durch Hawkes extra breitem Anzug und die von Richard Linklaters langjährigem Kameramann Shane F. Kelly gewählten Kamerawinkel versucht zu kaschieren. Es irritiert trotzdem. Wenn Hawke dann die von Kaplow aufgeschriebenen Sätze, die aus präzisen Beobachtungen, treffenden, oft gemeinen Zuspitzungen, Hass und Selbsterkenntnis bestehen, aufsagt, ist das Vergessen.
Die Sätze der anderen Figuren des Stücks sind weniger auf Pointen hin formuliert, aber zusammen ergeben sie, auch dank des guten Ensembles und des hohen Erzähltempos, eine Screwball-Comedy, in der es um verschiedene Formen von Liebe, Enttäuschung und Bewunderung geht.

Blue Moon (Blue Moon, USA 2025)
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Robert Kaplow (inspiriert von den Briefen von Lorenz Hart und Elizabeth Weiland)
mit Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Margaret Qualley, Patrick Kennedy, Jonah Lees, Simon Delaney, Cillian Sullivan, John Doran, Anne Brogan, David Rawle
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Blue Moon“
Wikipedia über „Blue Moon“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)
Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)
Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)
Meine Besprechung von Richard Linklaters „A Killer Romance“ (Hit Man, USA 2023)
Meine Besprechung von Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ (Nouvelle Vague, Frankreich/USA 2025)
Richard Linklater in der Kriminalakte
RTL II, 22.45
Source Code (Source Code, USA 2011)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.
Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Source Code“
Wikipedia über „Source Code“ (deutsch, englisch)
Script Shadow redet mit Drehbuchautor Ben Ripley über „Source Code“ (9. Februar 2010)
We got this covered redet mit Ben Ripley über „Source Code“ (20. März 2011)
Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film
Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)
Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)
Seit Jahren versteckt Michael Mason (Jason Statham) sich auf einer einsamen Insel in den Äußeren Hebriden. Alle sieben Tage bekommt er Lebensmittel geliefert. Das ist sein einziger Kontakt zum Rest der Welt. Als während eines Sturms der Kutter, der ihn mit Lebensmitteln versorgt, sinkt, kann er die dreizehnjährige Jessie (Bodhi Raie Breathnach) vor dem Ertrinken retten. Er bringt das verletzte Mädchen, das jetzt eine Vollwaise ist, nicht in das nächste Krankenhaus, sondern pflegt sie bei sich.
Als er mit ihr auf das Festland muss, um einige Kleinigkeiten zu besorgen, werden sie von einer Videokamera beobachtet. Der britische Geheimdienst MI6 sieht die Bilder, identifiziert ihn als einen gefährlichen Terroristen und schickt ein Spezialteam los. In Wirklichkeit ist Mason kein Terrorist, sondern ein abtrümmiger Agent.
Gejagt wird er auf Befehl von seinem früheren MI6-Vorgesetzten Steven Manafort (Bill Nighy). Nachdem Manafort wegen skandalträchtiger Geheimdienstaktionen in den Ruhestand versetzt wurde, agiert und manipuliert er aus dem Hintergrund. Im Rahmen eines ultrageheimen Geheimprogrammes ließ er Mason zur Tötungsmachine ausbilden. Als Mason bei einen seiner Aufträge Gewissensbisse bekam und einen Mordbefehl verweigerte, setzte Manafort seinen besten Mann auf die Abschussliste. Mason tauchte unter.
Jetzt werden Mason und Jessie von Manaforts Auftragkiller Workman (Bryan Vigler), einer jüngeren Ausgabe von Mason, und allen verfügbaren MI6-Spezialeinsatzkommandos quer durch Großbritannien bis nach London gejagt.
„Shelter“ ist der neue Film von Ric Roman Waugh. In den letzten Jahren inszenierte er mehrere Actionfilme mit Gerald Butler in der Hauptrolle. Zuletzt die Dystopie „Greenland 2“. Dieses Mal übernahm Jason Statham die Hauptrolle. Das Ergebnis unterscheidet sich kaum von seinen anderen Filmen. Auch sein neuester Actionfilm ist grundsolide, altmodische B-Picture Thrillerkost, die etwas besser ist, als man es erwartet.
Die Geschichte bewegt sich, ziemlich überraschungsfrei, innerhalb der bekannten Actionthriller-Konventionen. Einiges, wie dass Mason Jessie nicht sofort zum nächsten Krankenhaus bringt und danach entweder auf seine Insel zurückkehrt oder an einem anderen Ort untertaucht, muss man einfach akzeptieren. Es gibt eine äußerst milde Warnung vor den Möglichkeiten staatlicher Überwachung in demokratischen Gesellschaften. In erster Linie sind die überall vorhandenen öffentlichen und privaten Kameras ein spannungssteigerndes Element. Denn Masons Jäger können ihn und das Mädchen immer überall finden. Manafort kann auch, aus seinem Home-Office, nach Belieben alle Daten manipulieren. Es gibt mehrere gute Actionszenen, die teils auf dem Land und teils in London spielen und vor Ort gedreht wurden. Das trägt zum Realismus bei.
Und so schlägt Jason Statham sich in einer Rolle, die er im Schlaf beherrscht, durch eine gut abgehangene, nicht vollkommen unrealistische, angenehm bodenständig inszenierte und erzählte Geschichte, die den Fans genau das bietet, was sie erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Shelter (Shelter, Großbritannien 2026)
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Ward Parry
mit Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Naomi Ackie, Daniel Mays, Harriet Walter, Bryan Vigier, Michael Shaeffer, Bally Gill
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Shelter“
Wikipedia über „Shelter“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)
Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)
Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland“ (Greenland, USA 2020)
Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Kandahar“ (Kandahar, USA 2023)
Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland 2“ (Greenland 2: Migration, USA 2025)
Die freundlich gemeinte, auf den Badezimmerspiegel geschriebene und übersehene Warnung, die erst sichtbar wird, wenn genug Wasserdampf im Raum ist, kommt etwas spät. Denn in dem Moment hat Asia Reaves (Zazie Beetz) bereits ihr Zimmer in der Nobelherberge „Virgil“ bezogen. Es ist ein in New York liegendes, seit über hundert Jahren existierendes Gasthaus, das eine „John Wick“-Aura versprüht. Und dieser Eindruck täuscht nicht. Das „Virgil“ ist kein normales Hotel. Die Gäste und Teile des Personals sind speziell. Das stellt Asia, die hier als Zimmermädchen anfangen will, schon in der ersten Nacht fest, als einige maskierte Wesen sie im Schlaf betäuben wollen. Asia wird wach. Sie wehrt sich – und Regisseur Kirill Sokolow („Why don’t you just die!“, „No Looking Back“) präsentiert die erste große Actionszene seines neuen Films „They will kill you“. Ab diesem Moment gibt es, bis auf wenige Verschnaufpausen, nur noch Action. Und viele Lacher. Asia tritt und schlägt um sich. Sie setzt alles ein, was es in einem Personalzimmer gibt. In ihrem Koffer hat sie einige weitere Überraschungen, wie eine Schrotflinte und ein Schwert. Körperteile und Köpfe fliegen durch das Zimmer. Blut spritzt. Am Ende steht nur noch Asia – bevor einige Minuten später alle von ihr abgeschlachteten Menschen wieder aufstehen. Sie sind Unsterbliche. Asia soll für ein regelmäßig stattfindendes Ritual das Opfer sein.
Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte Asia im Gefängnis. Sie wollte ihre jüngere Schwester vor ihrem gewalttätigem Vater beschützen und verletzte ihn schwer. In den Waschräumen des Gefängnisses erhielt sie ihre Kampfausbildung. Jetzt ist sie ins „Virgil“ gekommen, um ihre Schwester aus dem Haus herauszuholen.
„They will kill you“ ist eine abgedrehte Splatter-Schlachtplatte mit viel schwarzem Humor, abstrusen Kämpfen (auch mit einer brennenden Axt), bizarren Einfälle (ich sage nur „Auge“) und sehr viel herumspritzendem Blut.
Die Story selbst ist eine neunzigminütige Nacherzählung von „Ready or not“ und „Ready or not 2“ (ab dem 9. April im Kino). Nur schlechter. Die Regeln des Tötens und Überlebens werden so improvisiert, dass der nächste Kill funktioniert. Oder halt nicht. Immerhin sind in dem Moment bereits der Kopf, Arme und Beine der Untoten fotogen durch den Raum verteilt worden. Es gibt mehrere erklärende Rückblenden, die deutlich schlechter in die Geschichte eingeflochten als zuletzt in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ oder in einem Tarantino-Film. In diesen Filmen sind sie ein Teil der Geschichte, der die Geschichte vorantreibt. In „They will kill you“ verlangsamen sie die in einer Nacht spielende Haupthandlung.
Frei nach der legendären Gerichtsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Einzug des Horrorfilms „Tanz der Teufel“, dass Zombies keine Menschen seien und ihnen damit keine Menschenwürde zukomme, dürfen die Bewohner des „Virgil“ in diesem Tanz der Untoten gequält, massakriert, um Körperteile erleichtert, dem Gelächter des Publikums zum Frass vorgeworfen und, nun, immer wieder kurzzeitig getötet werden. Die unsterblichen Mitglieder der satanischen Sekte stehen ja wieder auf. Erst am Ende des Films befördert Asia sie final (bis zur im Horrorfilmgenre natürlich immer möglichen Fortsetzung) in einen anderen Bewusstseinszustand.
Zazie Beetz, die wir spätestens seit „Deadpool 2“ als Heldin mit der Superkraft „Glück“ kennen und lieben, überzeugt auch hier als lucky Heldin, die alles tut, um ihre jüngere Schwester zu retten und eine beeindrucken Menge an Frisurvarianten präsentiert. Da ist dann wirklich keine Zeit, das blutbesudelte T-Shirt zu wechseln.

They will kill you (They will kill you, USA 2026)
Regie: Kirill Sokolow (alternative Schreibweise: Sokolov)
Drehbuch: Alex Litvak, Kirill Sokolow
mit Zazie Beetz, Myha’la, Paterson Joseph, Tom Felton, Heather Graham, Patricia Arquette
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahre (wie sich die Zeiten ändern)
–
Hinweise
Moviepilot über „They will kill you“
Metacritic über „They will kill you“
Tele 5, 22.00
Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)
Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)
Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun
In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts reist der arme chinesische Arbeiter Tietou (Jackie Chan) illegal nach Japan. Er sucht seine Freundin Xiu Xiu und schlägt sich in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien durch. Da erfährt er, dass Xiu Xiu inzwischen die Frau eines Yakuza-Bosses ist.
Noir-Drama mit einer ordentlichen Portion Action, das vor allem als Gangsterdrama mit Botschaft überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist Jackie Chan in einer ungewohnt ernsten Rolle, die ihn vor allem als Schauspieler fordert.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Stadt der Gewalt“
Wikipedia über „Stadt der Gewalt“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Derek Yees „Stadt der Gewalt“ (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)
3sat, 20.15
Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp (Deutschland 2024)
Regie: Klaus Stern
Drehbuch: Klaus Stern
Spielfilmlange Doku über Alex Karp, den Gründer der US-amerikanischen Firma Palantir. Aktuell diskutieren deutsche Sicherheitsbehörden über einen Einsatz der US-Überwachungssoftware. Aber anstatt sich mit der von Polizei und Geheimdiensten eingesetzten, von Datenschützern kritisierten Überwachungssoftware auseinanderzusetzten, konzentriert „Watching you“ sich auf Alex Karp, der als etwas schrulligen und interviewscheuer Unternehmer porträtiert wird.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt 3sat die 15-minütige Kurzdoku „Vordenker des Silikon Valley – Warum Big Tech Trump unterstützt“ (Deutschland 2026), und danach muss sofort umgeschaltet werden. Ab 22.00 Uhr zeigt der BR die 45-minütige, ebenfalls brandneue Doku „Gefährliche Intelligenz – Kindesmissbrauch mit KI“.
Hinweise
Filmportal über „Watching you“
Moviepilot über „Watching you“
Wikipedia über Klaus Stern, Palantir (deutsch, englisch) und Alex Karp (deutsch, englisch)

Gutes Buch, gut verfilmt von John Huston mit Albert Finney in der Hauptrolle.
Eine absolute Leseempfehlung.
Kabel 1, 22.30
The Nice Guys – Nett war gestern! (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016
Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.
Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre. Kultig.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
Wiederholung: Donnerstag, 26. März, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „The Nice Guys“
Metacritic über „The Nice Guys“
Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“
Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)
Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray
Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)

Dann wollen wir, nach dem Prolog, in drei kurzen Kapiteln berichten
die Fakten
Am Donnerstag und Freitag besuchten 105.000 Menschen die Leipziger Buchmesse. Einer davon war ich. Insgesamt kamen über 313.000 Besucher zur diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das ist ein Rekordbesuch. Letztes Jahr waren es 296.000 Besucher. Über 2.000 Aussteller aus 54 Ländern (auch Grönland) präsentierten ihre Bücher. Es gab über 3.000 Veranstaltung, meistens Lesungen und Gesprächsrunden, auf dem Messegelände und in der Stadt.
Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, sagt dazu: „Ob Belletristik oder Sachbücher, gezeichnete oder gesprochene Bücher – dass die Leipziger Buchmesse mit ihrem Angebot noch mehr Menschen als je zuvor anzieht, macht uns wirklich stolz. Sie ist ein unverzichtbarer Treffpunkt für alle, die Bücher lieben.“

Der bekannteste Preis ist der Preis der Leipziger Buchmesse. Er ging an:
Belletristik: Katerina Poladjan: Goldstrand [S. Fischer]
Sachbuch/Essayistik: Marie-Janine Calic: Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa [C.H. Beck]
Übersetzung: Manfred Gmeiner: Unten leben (von Gustavo Faverón Patriau) [Literaturverlag Droschl]
Es gab aber auch noch andere Preise:
Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung
Miljenko Jergović: Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered (Übersetzung: Brigitte Döbert, Suhrkamp)
–
Erster Tancho Award für herausragende deutschsprachige Mangaka:
Kategorie Verlagspublikation: Sozan Coskun: Kiela und das letzte Geleit (Band 3) (altraverse)
Kategorie Selfpublishing: Lisa Santrau (LIAN): Rabenfluch 3: Zauber und Schatten
–
die Eindrücke
Zwischen den Gesprächen an verschiedenen Ständen (und meiner Meisterleistung, den großen Stand von Random House [Heyne, Goldmann, Blanvalet, usw.] zu übersehen, obwohl ich davor stand) besuchte ich dieses Jahr auch zwei Lesungen:

Horst Eckert las aus seinem neuen Thriller „Die Praktikantin“ (Heyne). In ihm will die titelgebende Praktikantin Carla Bergmann, zusammen mit dem Investigativjournalisten Jan Koller, herausfinden, warum in ein von Exilrussen gemietetes Büro eingebrochen wurde und die deutschen Behörden den Einbruch vertuschen wollen. Eckert verriet mir vor der Lesung, dass er bereits an seinem nächsten Roman schreibt und wir in ihm Figuren aus der „Praktikantin“ wieder begegnen werden.

Malin Thunberg Schunke (rechts im Bild), die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, stellte zusammen mit ihrer Übersetzerin Stefanie Werner (links im Bild) ihren zweiten auf Deutsch erschienenen Roman vor. „Tödliche Fehler“ (Polar Verlag) ist ihr zweiter Roman (von fünf) mit dem Eurojust-Ermittlerduo Fabia Moretti und Esther Edh. Dieses Mal wollen sie herausfinden, was mit polnischen und rumänischen Saisonarbeitern auf einem in der Nähe von Neapel liegendem Bauernhof geschah. Thunberg Schunke und Werner meinten, bei der Lektüre könne einem der Appetit vergehen. Außerdem verriet Werner, dass sie gerade den dritten Roman der Serie übersetze. Er soll nächstes Jahr erscheinen.

Schon im letzten Jahr fiel auf, dass Dark Romance/Fantasy-Romane vor allem bei Leserinnen äußerst beliebt sind. Die großen Stände von einzelnen Autorinnen und die langen Schlangen sagen alles.
Sebastian Fitzek, den ich nicht traf, dürfte sich auf der Messe bei seinen täglichen, immer mehrstündigen Signierstunden einen veritablen Tennisarm erschrieben haben. Wie letztes Jahr.
–

die Pläne
Wieder einige Interviews führen oder ein absolut unvor….ich bleibe bei den Interviews. Das ist schwieriger.
Arte, 20.15
Razzia in Paris (Razzia sur la chnouf, Frankreich 1955)
Regie: Henri Decoin
Drehbuch: Henri Decoin, Maurice Griffe
LV: Auguste le Breton: Razzia sur la chnouf, 1954
Ein Polizist ermittelt undercover gegen eine Bande von Rauschgifthändlern.
Dies ist wahrscheinlich Decoins bester Film: ein halbdokumentarischer, eher unbekannter, trotzdem wichtiger film policier, der ein genaues Bild des Drogenhandels in Paris in den Fünfzigern liefert. Außerdem verschwimmen, wie später bei Melville, die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Mit Jean Gabin, Lino Ventura, Albert Remy
Wiederholung: Mittwoch, 25. März, 14.00 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Razzia in Paris“ (deutsch, englisch, französisch)
Sat.1, 23.40
Shutter Island (Shutter Island, USA 2009)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
–
Lesetipp

Dennis Lehane: Shutter Island
(übersetzt von Steffen Jacobs)
Diogenes, 2015
432 Seiten
14 Euro
–
Originalausgabe
Shutter Island
William Morrow, 2003
–
Hinweise
Metacritic über „Shutter Island“
Rotten Tomatoes über „Shutter Island“
Wikipedia über „Shutter Island“ (deutsch, englisch)
The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über “Shutter Island” (14. Februar 2010)
Kriminalakte über den Film „Shutter Island“
zu Dennis Lehane
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)
Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)
Dennis Lehane in der Kriminalakte
zu Martin Scorsese
Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)
Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)
Nach einem gemeinsamen Abend bei Freunden trennen sich auf dem Heimweg die Wege von Alex Novak (Will Arnett) und Tess (Laura Dern). Tess fährt zu ihren Kindern. Alex driftet durch das nächtliche New York und landet, weil er kein Geld dabei hat, um den Eintritt zu bezahlen, er aber noch nicht nach Hause gehen will, auf der Open-Mic-Bühne des Olive Tree Cafes. Vor dem Publikum erzählt er spontan aus seinem Leben. Witzig ist das nicht. Noch nicht einmal wirklich tragikomisch. Aber irgendwie sind das Publikum und vor allem die anderen Open-Mic-Performer berührt. Sie ermuntern ihn zu einem weiteren Auftritt. Und Alex hat auf der Bühne etwas verspürt, was ihn zum weitermachen antreibt.
Fortan erzählt er auf der Bühne, mehr wahrhaftig als komisch, aus seinem Leben und von seinen Gefühlen.
Dazwischen zeigt Bradley Cooper in seinem dritten Spielfilm dieses Leben. Nach über sechsundzwanzig Jahren, zwanzig davon verheiratet, haben Alex und Tess sich getrennt. Warum wird in Coopers „Is this thing on?“ nicht wirklich deutlich. Sie leben jetzt zwar in getrennten Wohnungen, aber sie verstehen sich immer noch ausgezeichnet und die Kindererziehung teilen sie sich problemlos. Sie sind immer füreinander da. Sogar glückliche Familien wären über so viel Harmonie und selbstlosen Zusammenhalt begeistert.
Gleichzeitig beginnen sie darüber nachzudenken, wie sie ihr weiteres Leben gestalten sollen. Tess knüpft an ihr früheres Leben als Spitzensportlerin an. Alex scheint auf der Comedy-Bühne als Stand-up-Komiker seinen Leben einen neuen Sinn zu geben. Er findet neue Freunde und kann auf der Bühne eine Bestätigung finden, die er vorher anscheinend nicht hatte. Denn obwohl Alex die Hauptfigur der warmherzigen Komödie ist, erfahren wir wenig über ihn.
Zwei Stunden erzählt Bradley Cooper, keiner strikten Dramaturgie gehorchend, feinfühlig, wahrhaftig und mit spürbarer Sympathie für seine durchgehend sympathischen Figuren aus dem Leben einiger stinknormaler Menschen, die keinerlei finanzielle Probleme haben und die offensichtlich glücklich und zufrieden sind.
Das mag vor allem Menschen in einer ähnlichen Situation wie Alex und Tess ansprechen.

Is this thing on? (Is this thing on?, USA 2025)
Regie: Bradley Cooper
Drehbuch: Bradley Cooper, Will Arnett, Mark Chappell (nach einer Geschichte von Will Arnett, Mark Chappell und John Bishop)
mit Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Amy Sedaris, Sean Hayes, Christine Ebersole, Ciarán Hinds, Scott Icenogle
Länge: 121 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Is this thing on?“
Metacritic über „Is this thing on?“
Rotten Tomatoes über „Is this thing on?“
Wikipedia über „Is this thing on?“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Bradley Coopers „A Star is born“ (A Star is born, USA 2018)