VoD-Kritik: „The Tunnel – Die Todesfalle“ nach einem LKW-Unfall

Februar 16, 2021

Kurz vor Weihnachten: während in dem Dorf noch auf eine weiße Weihnacht gehofft wird, sind die Berge bereits verschneit und auch in Norwegen gibt es den üblichen vorweihnachtlichen Reiseverkehr. Da rammt im knapp zehn Kilometer langen Storfjell-Tunnel ein Tanklaster eine Tunnelwand und versperrt die Straße. Die Telefonverbindung zur Rettungsstelle – natürlich nur über Handy – ist instabil. Daher ist unklar, wo der Unfall genau passierte. Auf der einen Seite des Tunnels ist kurz vorher eine Lawine heruntergegangen, die die Straße versperrt. Auf der anderen Seite nähert sich, als Rettungstruppe, die Freiwillige Feuerwehr. Immerhin haben sie mit Stein einen alten Hasen im Team, der den Tunnel besser als seine Hosentasche kennt.

Eigentlich wollen sie den Einsatz mit der nötigen Ruhe angehen. Da explodiert der Tanklaster.

Pål Øie erzählt seinen Katastrophenthriller „The Tunnel – Die Todesfalle“ mit handgemachten Actionszenen nordisch unterkühlt. Es gibt also nicht die tapferen Helden und erbärmlichen Feiglinge und die mit pompöser Musik erhaben zelebrierten Momente von Tapferkeit, Todesverachtung und übermenschlichem Mut, die wir aus mehr oder weniger prominent besetzten US-Katastrophenfilmen kennen. Natürlich gibt es auch in „The Tunnel – Die Todesfalle“ mutige Männer und Menschen, die mehr oder weniger egoistisch um ihr und das Überleben ihrer Familie kämpfen. Es gibt auch den Schnösel, der zuerst eine geführte Kolonne überholt, anschließend sein Auto auf einer Eisfläche in den Schnee setzt (off Kamera) und seine Tochter anpflaumt. Aber im Gegensatz zu einem normalen Katastrophenfilm gerät er nicht in Lebensgefahr, sondern muss die Zeit, in der Tunnel gesperrt ist, in einem gastlichen Lokal verbringen. Die anderen Figuren sind noch sparsamer gezeichnet. Ihr Sterben (falls wir es überhaupt sehen), ihre Leiden und ihr Mut berühren uns daher nicht.

Das macht „The Tunnel – Die Todesfalle“ zu einem okayen, wahrscheinlich sogar ziemlich realistischen Katastrophenfilm, von dem kein Bild, keine Szene, kein Tod und auch keine Rettung länger im Gedächtnis bleibt.

Das am Filmbeginn erklärte Selbstrettungsprinzip und die mangelhafte Ausstattung des knapp zehn Kilometer langen Tunnels, in dem im Film die Katastrophe passiert, ist erstaunlich. Anscheinend haben die einfach einen Tunnel, also eine aus zwei Fahrspuren bestehende, enge Röhre, durch den Berg gebohrt und verlassen sich anschließend darauf, dass nichts passiert. Es gibt keine Notausgänge und keine Noträume. Keine Feuerlöscher. Keine Überwachung, egal ob über Video oder irgendein anderes System. Und das Notruftelefon funktioniert auch nicht besser als die Handys, über die zuerst um Hilfe gerufen wird. Für mich klingt das nach einem Rezept für eine Katastrophe mit chaotischen Zuständen und vielen Toten.

Dabei ist „The Tunnel – Die Todesfalle“ wohl nicht die Idee einer nach Hollywood schielenden Drehbuchautorin, sondern ziemlich nah an der norwegischen Realität. Denn vor der Filmpremiere überprüfte die Feuerwehr die Sicherheit mehrerer Tunnel, in denen der Film gedreht wurde. Ihr Fazit: Der Film ist realistisch.

Für Deutschland scheint das nicht zu gelten. So schreibt das Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST): „Für manche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ist das Durchfahren eines Tunnels mit einem unbehaglichen Gefühl verbunden, obwohl die Unfallhäufigkeit sogar nachweislich geringer ist als außerhalb von Tunneln. Deutschlands Straßentunnel gehören zu den sichersten der Welt. Die Sicherheitsstandards der Tunnel werden regelmäßig überprüft und den neuesten Erkenntnissen angepasst. Neue Tunnel werden auf Basis der aktuellen Techniken und Bauweisen errichtet und ausgestattet, ältere Straßentunnel werden entsprechend nachgerüstet.

Grundlage für das hohe Sicherheitsniveau sind die in Deutschland geltenden „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT). Zusätzlich regelt seit 2004 eine europäische Richtlinie den grundlegenden Sicherheitsstandard für Straßentunnel im transeuropäischen Netz, um ein weitgehend einheitliches Sicherheitsniveau in allen europäischen Tunneln zu erreichen.“ (BAST: Sicherheit geht vor – Straßentunnel in Deutschland, 2017)

Unter anderen gibt es alle 600 Meter Nothalte- und Pannenbuchten mit Notrufkabinen. Es gibt alle 150 Meter Notrufkabinen mit Brandmeldern und Feuerlöschern. Mindestens alle 300 Meter Notausgänge. Es gibt an jeder Fahrbahnseite Notgehwege. Es gibt eine Videoüberwachung und die Möglichkeit für Lautsprecherdurchsagen. Und es gibt eine selbstleuchtende Beschilderung, die einen auch in absoluter Dunkelheit zum nächsten Ausgang führt

Danach wäre in Deutschland und in der EU der im Film geschilderte Verlauf der Katastrophe nicht möglich.

Aktuell ist keine DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung geplant.

The Tunnel – Die Todesfalle (Tunnelen, Norwegen 2019)

Regie: Pål Øie

Drehbuch: Kjersti Helen Rasmussen

mit Thorbjørn Harr, Ylva Lyng Fuglerud, Lisa Carlehed, Mikkel Bratt Silset, Peter Førde, Daniel Alexander Skadal, Per Egil Aske, Tor Christian Bleikli

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

EST/TVOD unter anderem bei iTunes, Amazon, Sky, Google, Maxdome, Videoload, Videociety, Chilli, On Demand und Vodafone

Hinweis

Wikipedia über „The Tunnel – Die Todesfalle“ 

 


TV-Tipp für den 16. Februar: Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie

Februar 15, 2021

Arte, 20.15

Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (The Rise of the Murdoch Dynasty, Großbritannien 2020)

Regie: Jamie Roberts

Dreiteilige Doku, die Arte an einem Stück bis 22.45 Uhr zeigt. Es geht um Rupert Murdoch und sein, ähem, Leben und Wirken.

Hinweise

Arte über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ (bis 17. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“

Wikipedia über „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ und Rupert Murdoch (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Februar: Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Februar 14, 2021

Arte, 22.20

Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln (Mishima: A Life in four Chapters, USA/Japan 1985)

Regie: Paul Schrader

Drehbuch: Paul Schrader, Leonard Schrader, Chieko Schrader (teils nach Romanen von Yukio Mishima)

Kein leichter Film. Damals ein vor allem in Japan heftig umstrittener Film und erwartungsgemäß kein Erfolg an der Kinokasse. Heute einhellig als Meisterwerk gelabelt. In „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ nähert sich „Taxi Driver“-Autor Paul Schrader in der Form einer komplexen Collage Yukio Mishima, einem bedeutenden, bekannten und umstrittenen japanischen Schriftsteller, der 1970 Seppuku, eine besondere Form des Harakiri, beginn. Der 45-jährige war ein auch selbst politisch aktives Idol der extremen Rechten. Es setzte sich gegen die Verwestlichung und für eine Wiedereinsetzung des Tenno in seiner alten Machtfülle ein. In seinen von der westlichen Kultur und Vorbildern beeinflussten Büchern thematisierte er Masochismus, Bisexualität und kultische Todessehnsucht.

Ein durchaus komplexer Charakter, dem Schrader „einen schwer zugänglichen filmischen Traktat“ (Fischer Film Almanach 1986) widmete.

Schrader selbst nannte den Film „an egregiously under-budgeted labor of love production“.

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Ken Ogata, Masayuki Shionoya, Junkichi Orimoto, Naoko Otani, Gi Riju, Masato Aizawa, Yuki Nagahara

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“

Wikipedia über „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Februar: The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer

Februar 13, 2021

Tele 5, 00.55

The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer (The Hot Spot, USA 1990)

Regie: Dennis Hopper

Drehbuch: Nona Tyson, Charles Williams

LV: Charles Williams: Hell hath no fury, The Hot Spot, 1953 (Bis dass der Mord euch scheidet, Spiel mit dem Feuer, The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer)

Aus dem Nichts taucht Harry Maddox in einem texanischen Provinzkaff auf. Er will nur die örtliche Bank überfallen. Aber nachdem er mit zwei Frauen ein Verhältnis beginnt, gerät sein einfacher Plan aus dem Ruder.

Schwüler Film Noir mit einem glänzenden Soundtrack (Miles Davis, John Lee Hooker) und grandios aufspielenden Schauspielern. Eine gelungene Liebeserklärung an die Klassiker.

Mit Don Johnson, Virginia Madsen, Jennifer Connelly, Charles Martin Smith, William Sadler, Jerry Hardin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Hot Spot“

Wikipedia über „The Hot Spot“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Charles Williams


TV-Tipp für den 13. Februar: Kehraus

Februar 12, 2021

BR, 22.00

Kehraus (Deutschland 1983)

Regie: Hanns Christian Müller

Drehbuch: Hanns Christian Müller, Gerhard Polt, Carlo Fedier

Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel will mehrere vollkommen unsinnige und hoffnungslov überteuerte Versicherungen, die er abgeschlossen hat, rückgängig machen. Bei seinem Besuch in der Versicherung und der Suche nach einem Verantwortlichen platzt er in die dortige Faschingsfeier.

Gerhard Polts Spielfilmdebüt ist „eine bundesdeutsche Komödie, die diesen Namen wirklich verdient (…) eine bitterböse Paraphrase auf mehrere bundesrepublikanische Einrichtungen und Typen.“ (Fischer Film Almanach 1984)

Kinostart war der 11. November, auch bekannt als Auftakt der närrischen Jahreszeit.

mit Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Nikolaus Paryla, Dieter Hildebrandt, Jochen Busse, Hans Gündther Martens, Karl Obermayr, Bruno Jonas

Wiederholung: Dienstag, 16. Februar, 3sat, 24.15 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Kehraus“

Wikipedia über „Kehraus“


DVD-Kritik: „Vergiftete Wahrheit“ – die Sache mit der Teflon-Pfanne

Februar 12, 2021

Zum Kinostart, der pandemiebedingt letztendlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, schrieb ich über diesen tollen, auf einem wahren Fall Skandal basierenden Justizthriller, der viele, viele Zuschauer verdient hat:

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

 

Nach der zweiten Sichtung dieser David-gegen-Goliath-Geschichte fällt (wieder) auf, wie dicht und klug die Geschichte erzählt wird. Mit einem Helden, der nicht wie Erin Brockovich eine sexy Rampensau ist, sondern ein biederer, konservativer Angestellter, für den in jeder Situation ein unauffälliger Anzug die Kleidung seiner Wahl ist.

Das Bonusmaterial, über vierzig Minuten, besteht aus einer selbstablaufenden Bildergalerie, kurzen Interviews mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins und Todd Haynes und mehreren kurzen Featurettes. Das sind ein Mini-Making-of, „Uncovering Dark Waters“, „The cost of being a hero“ und „The real people“. Die Werbe-Featurettes sind solide gemacht und unterscheiden sich in ihrer Mischung aus Interviewschnipsel und Bildern aus dem Film und von den Dreharbeiten nicht von den Featurettes für irgendeinen anderen Film. Die wahren Hintergründe werden nur in einem Halbsatz angesprochen. Dabei wären gerade hier über den Film hinausgehende vertiefende Informationen zu DuPont, der Teflon-Pfanne, PFOA, den Auswirkungen der benutzten Chemikalien auf Mensch, Tier und Umwelt und Robert Bilotts unermüdlichen Kampf gegen DuPont interessant gewesen.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

DVD

Tobis Home Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englischfür Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer, OV-Trailer, Mini-Making-Of (deutsch), Featurettes (englisch), Interviews (englisch), Bildergalerie

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (Hauptfilm ab 6 Jahre; d. h. wegen eines Trailers FSK-12)

Die Blu-ray enthält zusätzlich einige B-Roll-Aufnahmen.

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019)


TV-Tipp für den 12. Februar: Making Waves: The Art of Cinematic Sound

Februar 11, 2021

Arte, 21.55

Making Waves: The Art of Cinematic Sound (Making Waves: The Art of Cinematic Sound, USA 2019)

Regie: Midge Costin

Drehbuch: Bobette Buster

TV-Premiere einer hochgelobten spielfilmlangen Doku über den Ton bei Filmen. Und wie wichtig er beim Erzählen einer Geschichte ist.

mit Walter Murch, Ben Burtt, Gary Rydstrom, George Lucas, Steven Spielberg, Robert Redford, Barbra Streisand, Ryan Coogler, David Lynch, Ang Lee, Sofia Coppola, Peter Weir, Christopher Nolan

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Making Waves“ (bis zum 13. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Making Waves“

Wikipedia über „Making Waves“


DVD-Kritik: Der gelungene Blumhouse-Horrorfilm „The Vigil – Die Totenwache“

Februar 11, 2021

Ist es wirklich eine gute Idee, sich während des Lockdowns, nach Sonnenuntergang allein zu Hause einen Horrorfilm anzusehen, in dem ein junger Mann eine Nacht mit einem Toten in einem ziemlich einsamen Haus voller knarrender Stufen und geisterhafter Erscheinungen verbringt? Und er dann auch noch in den dunklen Keller, aus dem Geräusche ertönen, geht?

Wahrscheinlich nicht.

Aber dann würde man Keith Thomas‘ „The Vigil – Die Totenwache“ verpassen. Keith Thomas veröffentlichte die nicht übersetzten Spannungsromane „The Clarify“ und „Dahlia Black“ und soll jetzt für Blumhouse Stephen Kings „Feuerkind“ (Firestarter, 1980) verfilmen.

Mit seinem Filmdebüt „The Vigil – Die Totenwache“ bewies er sein Talent für Horror und Suspense. Eine Totenwache wird unter Juden in der Nacht vor der Beerdigung des Toten abgehalten. Der Wächter soll die Seele des Verstorbenen durch seine Gebete beschützen. Normalerweise übernehmen Familienmitglieder diese Aufgabe. Wenn das nicht möglich ist, übernimmt ein Stellvertreter die Aufgabe des Schomers. So ein Stellvertreter ist Yakov Ronen (Dave Davis). Er möchte nach einem traumatischen Erlebnis die chassidische Gemeinde in Brooklyn verlassen. Da bittet ihn der Rabbiner, gegen Geld, die Totenwache bei einem gerade verstorbenem Gemeindemitglied zu übernehmen. Litvak war Holocaust-Überlebender. Mit seiner Frau (Lynn Cohen, bekannt als Golda Meir in Steven Spielbergs „München“) lebte er seit Ewigkeiten in einem Haus in Brooklyn, das inzwischen wie ein heruntergekommenes Relikt aus den fünfziger Jahren wirkt. Mit schummeriger Beleuchtung, durchbrennenden Glühbirnen, knarrenden Stufen, bräunlich vergilbten Tapeten, altertümlichen Möbeln und einer mitten im Wohnzimmer aufgebahrten Leiche, die mit einem strahlend weißen Betttuch zugedeckt ist.

Dass die Totenwache für Yakov eine Nacht wird, in der er sich auch seinen inneren Dämonen stellen muss, ist klar.

The Vigil – Die Totenwache“ ist ein überzeugendes Debüt. Wie auch bei anderen Blumhouse-Horrorfilmen ist das Budget mehr als überschaubar. Eigentlich gibt es nur das Haus des Toten, bestehend aus Wohnzimmer, Küche und Keller, und einen Schauspieler. Die anderen Schauspieler haben, bis auf die Ehefrau des Toten und den Rabbi, nur kurze Auftritte. Bekannte Namen, die jeder kennt, sind nicht dabei.

Die von Thomas erfundene Geschichte wurzelt tief im jüdischen Glauben. Der Spannungsaufbau ist vorbildlich und alles ist äußerst elegant gefilmt. In jedem Bild ist offensichtlich, dass Thomas und sein Kameramann Zach Kuperstein („The Eyes of my Mother“, „Jonathan“) sich vorher überlegten, was sie wie zeigen wollen. So ist, beispielsweise, wenn Yakov die ersten Minuten im Haus des Toten verbringt, sich in der fremden Wohnung umsieht und mit seinem Telefon spielt, die Leiche immer so im Bild, dass ich (und damit jeder Zuschauer) nur darauf wartet, dass sich die Leiche bewegt oder etwas Unheimliches im Bildhintergrund auftaucht. Auch die Musik (von Michael Yezerski) und die Geräusche verstärken die unheimliche Stimmung gelungen. Die wenigen Jumpscares sind da störende Rückfälle in gewohnte Horrorfilmkonventionen.

Viel wichtiger als kurze Schockmomente ist die unheimliche Atmosphäre und das Gefühl einer dämonischen Bedrohung. Das macht „The Vigil – Die Totenwache“ zu einem spannenden, gelungenem und empfehlenswerten Film voller Suspense.

Horrorfilmfans, die einfach nur einen gewöhnlichen Geisterhorrorfilm sehen wollen, werden dagegen enttäuscht sein. „The Vigil – Die Totenwache“ ist nicht ‚das verwunschene jüdische Horrorhaus mit kreischenden und gemeuchelten Teenagern‘.

The Vigil – Die Totenwache (The Vigil, USA 2019)

Regie: Keith Thomas

Drehbuch: Keith Thomas

mit Dave Davis, Menashe Lustig, Malky Goldman, Lynn Cohen, Fred Melamed, Ronald Cohen, Nati Rabinowitz

DVD

EuroVideo

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch und selbstverständlich auch digital verfügbar.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Vigil“

Metacritic über „The Vigil“

Rotten Tomatoes über „The Vigil“

Wikipedia über „The Vigil“ 


TV-Tipp für den 11. Februar: Liebe und Intrigen

Februar 10, 2021

Servus TV, 20.15

Liebe und Intrigen (Crime d’amour, Frankreich 2010)

Regie: Alain Corneau

Drehbuch: Alain Corneau, Nathalie Carter

Christine (Kristin Scott Thomas) ist die Managerin der französischen Abteilung eines US-Konzerns, die kurz vor einer Beförderung in die USA steht und die ihre Untergebenen schamlos manipuliert. Auch die sie bewundernde Isabelle (Ludivine Sagnier), die irgendwann auch anerkannt werden möchte. Es beginnt ein tödlicher Zickenkrieg voller Wendungen und Überraschungen.

„Love Crime“ ist ein edler französischer Noir. Ein elegant inszenierter Kriminalfilm, der fest in der Tradition des französischen Kriminalfilms steht und seine Vorbilder in den Filmen der sechziger und siebziger Jahre hat, in denen man niemals sicher sein konnte, welche Gerechtigkeit, falls überhaupt, am Ende siegt.

Das Sahnehäubchen ist die Musik von Pharoah Sanders.

mit Ludivine Sagnier, Kristin Scott Thomas, Patrick Mille, Guillaume Marquet, Gérald Laroche, Julien Rochefort, Olivier Rabourdin

auch bekannt als „Love Crime“ (DVD-Titel)

Wiederholung: Freitag, 12. Februar, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCine über „Love Crime“

Rotten Tomatoes über „Love Crime“

Wikipedia über „Love Crime“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Wahl der Waffen“ (Le choix des armes, Frankreich 1981)

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Love Crime“ (Crime d’amour, Frankreich 2010)

Mein Nachruf auf Alain Corneau

Alain Corneau in der Kriminalakte


„Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ berichten von mörderischen Geistern

Februar 10, 2021

Als FBI-Agentin Odessa Hardwicke und ihr älterer Partner Walt Leppo den Tatort betreten, sieht das Familienhaus wie nach einem Schlachtfest aus. Überall sind Blut und Leichen. Der Täter ist der ehemalige Stabschef des Gouverneurs von New Jersey. Er kämpft gerade gegen eine seine Existenz bedrohende Korruptionsklage. Jetzt ist er ausgerastet. Als sie ihn verhaften wollen, gibt es ein Getümmel, in dem Odessa ihren Partner erschießt. Er hat, ohne einen ersichtlichen Grund, versucht, die Tochter des Stabschefs zu töten. Anschließend sieht Odessa einen Schatten aus Leppos totem Körper aufsteigen.

Selbstverständlich wird Odessa danach in den Innendienst versetzt. Sie wird beauftragt, das Büro ihres schon seit Ewigkeiten pensionierten Kollegen Earl Solomon auszuräumen. Solomon liegt nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Als sie ihn besucht, kann er mit ihrer Beobachtung etwas anfangen. Er empfiehlt ihr, Hugo Blackwood zu kontaktieren. Mit einem in einer besonderen Weise gefaltetem Brief, den sie in den Briefkasten eines scheinbar verlassenen Hauses in Manhattan werfen soll.

Solomon lernte Blackwood 1962 im Mississippi-Delta bei seinem ersten bedeutenden Fall als FBI-Agent kennen. Solomon sollte in den Südstaaten den Lynchmord an einem Weißen aufklären.

Blackwood reagiert umgehend, um nicht zu sagen mit beängstigender Schnelligkeit, auf Odessas Brief. Er sieht wie ein aus einem anderen Jahrhundert kommender Mann aus. Und, das kann verraten werden, er kommt aus dem 16. Jahrhundert. Er ist ein Geisterjäger, der den Schatten jagt, der aus Leppos Körper entwichen ist. Dieser Geist spring von Körper zu Körper und es gefällt ihm, wenn sein Wirtskörper möglichst spektakulär stirbt.

Der Untertitel „Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ verrät die Absicht von Guillermo del Toro und Chuck Hogan neuem Roman. „Die Schatten“ soll der Auftakt für eine neue Serie sein.

Bereits zwischen 2009 und 2011 schrieben sie gemeinsam die Trilogie „Die Saat – The Strain“. Die Vampirhorrorromane waren die Vorlage für eine Comic- und TV-Serie, in die del Toro und Hogan involviert waren. Ursprünglich hatte del Toro die „The Strain“-Geschichte als TV-Serie geplant.

Diesen Eindruck, also dass auch in diesem Fall die Idee und das Script für eine TV-Serie zu einem Roman umgeschrieben wurden, hatte ich auch bei „Die Schatten“. Der ganze Horrorroman liest sich wie ein Roman zum Film. Es gibt viele kurze Szenen und schnelle Wechsel zwischen Schauplätzen und Zeitebenen. Der Roman spielt gleichzeitig 1582 in Mortlake bei London, 1962 im Mississippi-Delta und, größtenteils, 2019 in Newark, New Jersey. Und, ja, es wäre besser gewesen, zuerst die Ereignisse von 1582, dann die von 1962 und dann die von 2019 zu schildern. Dann wäre allerdings sofort aufgefallen, wie wenig sie miteinander zu tun haben. So hofft man immer noch auf ein großes Finale, das das alte England mit den rassistischen Südstaaten mit den heutigen USA verbindet.

Die Personen sind nur oberflächlich skizziert. Keine hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck oder gewinnt eine größere Individualität. Die Geschichte selbst folgt, wenn wir die umständliche Konstruktion mit den drei parallel geführten Zeitebenen ignorieren, ohne große Überraschungen oder Vertiefungen, der Struktur, die man aus unzähligen TV-Serien kennt. Wobei „Die Schatten“ hier die Funktion eines Pilotepisode hat, in der die Figuren ausführlich vorgestellt werden und das Team für die nächsten Episoden zusammengestellt wird. Dann vielleicht mit einem überzeugenderem ‚Fall der Woche‘.

P. S.: Schönes Cover!

Guilermo del Toro/Chuck Hogan: Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1

(übersetzt von Kristof Kurz)

Heyne, 2021

416 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

The Hollow Ones

Grand Central Publishing, 2020

Hinweise

The Big Thrill: Interview mit Chuck Hogan über „Die Schatten“

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Pacific Rim“ (Pacific Rim, USA 2013)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „Crimson Peak“ (Crimson Peak, USA 2015)

Meine Besprechung von Guillermo del Toros „The Shape of Water – Das Flüstern des Waters“ (The Shape of Water, USA 2017)

Meine Besprechung von Guillermo del Toro/Daniel Kraus‘ „The Shape of Water“ (The Shape of Water, 2018) (Roman zum Film)


TV-Tipp für den 10. Februar: Unstoppable – Außer Kontrolle

Februar 9, 2021

Kabel 1, 20.15

Unstoppable – Außer Kontrolle (Unstoppable, USA 2010)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Mark Bomback

Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.

„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.

mit Chris Pine, Denzel Washington, Rosario Dawson

Wiederholung: Donnerstag, 11. Februar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Unstoppable – Außer Kontrolle”

Rotten Tomatoes über “Unstoppable – Außer Kontrolle”

Wikipedia über “Außer Kontrolle” (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Februar 9, 2021

wurde auch verfilmt


TV-Tipp für den 9. Februar: Atemlos vor Angst

Februar 8, 2021

Servus TV, 22.05

Atemlos vor Angst (Sorcerer, USA 1977)

Regie: William Friedkin

Drehbuch: Walon Green

LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)

Vier im lateinamerikanischen Dschungel gestrandete Existenzen erhalten die Chance auf einen Neuanfang. Sie müssen nur zwei mit Nitro bepackte Laster durch den unwegsamen Dschungel zu einer Ölbohrstelle fahren. Wer von ihnen wird den Höllentrip überleben?

Georges Arnauds kurzer, spannender Thriller wurde bereits 1952 als „Lohn der Angst“ erfolgreich verfilmt. Friedkins sträflich unterschätztes Remake konzentriert sich in der europäischen Version stärker auf die Spannungsmomente.

Die zeitgenössische Filmkritik verglich das Remake mit dem hochgeschätzten Original und verriss den Film ziemlich einhellig. Das Publikum sah sich lieber Weltraumschlachten an.

Servus TV zeigt die zweistündige Originalfassung.

Die Musik ist von Tangerine Dream.

Mit Roy Scheider, Bruno Cremer, Francisco Rabal, Amidou

Wiederholung: Mittwoch, 10. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Atemlos vor Angst“

Wikipedia über „Atemlos vor Angst“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Februar: Früchte des Zorns

Februar 7, 2021

Arte, 20.15

Früchte des Zorns (The Grapes of Wrath, USA 1940)

Regie: John Ford

Drehbuch: Nunnally Johnson

LV: John Steinbeck: The Grapes of Wrath, 1939 (Früchte des Zorns)

Selten gezeigter Filmklassiker über verzweifelte Farmer, die in den USA während der Weltwirtschaftskrise (vor gut hundert Jahren) um ihr Land gebracht wurden und sich auf den Weg nach Kalifornien machen. Dort soll es fruchtbaren Boden geben.

das wohl beste Werk John Fords, das dieser außerhalb des Western-Genres drehte.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Henry Fonda, Jane Darwell, John Carradine, Charley Grapewin, Dorris Bowdon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Früchte des Zorns“

Wikipedia über „Die Früchte des Zorns“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Österreichisches Filmmuseum/Viennale(herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch) „John Ford“ (2014)


TV-Tipp für den 7. Februar: Elvis & Nixon

Februar 6, 2021

Tele 5, 00.40

Elvis & Nixon (Elvis & Nixon, USA/Deutschland 2016)

Regie: Liza Johnson

Drehbuch: Joey Sagal, Hanala Sagal

Am 21. Dezember 1970 treffen sich im Oval Office US-Präsident Richard Nixon und Sänger Elvis Presley. Von dem Treffen gibt es ein Bild, aber keinen Tonmitschnitt. In der wunderschönen Komödie/Charakterstudie „Elvis & Nixon“ erfahren wir jetzt, wie es zu dem Treffen kam (keine leichte Angelegehnheit für die Kofferträger der beiden prominenten Männer) und was damals im Weißen Haus geschah. Denn Elvis war von der Hippie(un)kultur genervt und er wollte als Undercover-FBI-Agent gegen die Langhaarigen, die Kommunisten und Drogen kämpfen.

TV-Premiere eines rundum gelungenen Films mit viel Zeitkolorit über eine kleine, unbedeutende Anekdote der Weltgeschichte zu einer unmöglichen Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Michael Shannon, Kevin Spacey, Alex Pettyfer, Johnny Knoxville, Colin Hanks, Evan Peters, Sky Ferreira, Tracy Letts

Hinweise

Moviepilot über „Elvis & Nixon“

Metacritic über „Elvis & Nixon“

Rotten Tomatoes über „Elvis & Nixon“

Wikipedia über „Elvis & Nixon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Liza Johnsons „Elvis & Nixon“ (Elvis & Nixon, USA/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 6. Februar: Tatort: Trimmel hält ein Plädoyer

Februar 5, 2021

NDR, 23.30

Tatort: Trimmel hält ein Plädoyer (Deutschland 1978)

Regie: Peter Schulze-Rohr

Drehbuch: Friedhelm Werremeier

LV: Friedhelm Werremeier: Trimmel hält ein Plädoyer, 1976 (überarbeitete Ausgabe 1983)

Kommissar Trimmel glaubt, den Richtigen erwischt zu haben. Aber ein Verteider paukt den Mordverdächtigen heraus. Denn: Im Zweifel für den Angeklagten.

Werremeiers Auseinandersetzung mit dem Rechtsstaat, den Rechten der Polizei, denen der Beschuldigten und dem Auftreten von Starverteidigern (damals eindeutig Rolf Bossi). Immer noch aktuell, immer noch spannend.

Mit Walter Richter, Ulrich von Bock, Joachim Richert, Wolf-Dietrich Berg, Volker Eckstein, Klaus Herm, Karl-Heinz Vosgerau, Horst Michael Neutze

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Paul Trimmel

Wikipedia über „Trimmel hält ein Plädoyer“

Krimilexikon über Friedhelm Werremeier

Meine Besprechung von Friedhelm Werremeiers „Trimmels letzter Fall“ (2009)


Die Krimibestenliste Februar 2021

Februar 5, 2021

Etwas früher als gewohnt (also nicht am ersten Sonntag des Monats) gibt es die neue Krimibestenliste, die inzwischen nur noch vom Deutschlandfunk Kultur präsentiert wird. Auf der monatlichen Empfehlungsliste lesenswerter Kriminalromane stehen im närrischen Februar:

1 (4) Tim MacGabhann: „Der erste Tote“

Aus dem Englischen von Conny Lösch

Suhrkamp, Berlin 2020

274 Seiten, 15,95 Euro

2 (10) David Whish-Wilson: „Das große Aufräumen“

Aus dem Englischen von Sven Koch

Suhrkamp, Berlin 2020

327 Seiten, zehn Euro

3 (6) Samantha Harvey: „Westwind“

Aus dem Englischen von Steffen Jacobs

Atrium, Hamburg 2020

382 Seiten, 22 Euro

4 (2) Dominique Manotti: „Marseille.73“

Aus dem Französischen von Iris Konopik

Ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020

400 Seiten, 23 Euro

5 (- ) Stephen Hunter: „Im Visier des Snipers“

Aus dem Englischen von Patrick Baumann

Festa-Verlag, Leipzig 2020

592 Seiten, 14,99 Euro

6. (-) Graham Moore: „Verweigerung“

Übersetzt von André Mumot

Eichborn, Köln 2020

400 Seiten, 22 Euro

7 (1) Candice Fox: „Dark“

Aus dem Englischen von Andrea O‘Brien

Suhrkamp, Berlin 2020

394 Seiten, 15,95 Euro

8 (5) Robert Galbraith: „Böses Blut“

Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz

Blanvalet, München 2020

1194 Seiten, 26 Euro

9 (-) Doug Johnstone: „Der Bruch“

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Polar, Stuttgart 2021

308 Seiten, 20 Euro

10 (8) Nicci French: „Eine bittere Wahrheit“

Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller

C. Bertelsmann, München 2020

506 Seiten, 16 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Tim MacGabhanns „Der erste Tote“ (Remmidemmi in Mexiko), David Whish-Wilsons „Das große Aufräumen“ (Remmidemmi in Perth) und Doug Johnstones „Der Bruch“ (Remmidemmi in Edinburgh) sind auch weit oben auf meiner Zu-lesen-Liste.

Im Moment lese ich den neuen Roman „Die Schatten – Die Blackwood-Aufzeichnungen 1“ (Heyne, 16,99 Euro) von „Hellboy“ Guillermo del Toro und Chuck Hogan. Natürlich gibt es einige Morde (auf den ersten Seiten gibt es einen Amoklauf, eine FBI-Agentin erschießt einen Kollegen und einen Lynchmord an einem Weißen), aber irgendwie geht es um etwas viel größeres. Nämlich „einen jahrhundertealten Krieg (…): dem Krieg der Menschen gegen das Böse“.


TV-Tipp für den 5. Februar: Minority Report

Februar 4, 2021

RTL II, 22.05

Minority Report (Minority Report, USA 2002)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Samstag, 6. Februar, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Die Glauser-Nominierungen 2021 – und die Gewinner des Deutschen Krimipreis

Februar 4, 2021

Jedes Jahr zum Geburtstag von Friedrich Glauser, dieses Jahr sogar zu seinem 125. Geburtstag, verkündet das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, die Nominierungen für seinen Preis. Den Glauser. Verliehen wird er online am Samstag, den 24. April 2021.

Nominiert sind:

Bester Roman

Zoë Beck: Paradise City, Suhrkamp

Oliver Buslau: Feuer im Elysium, emons

Tommie Goerz: Meier, ars vivendi

Christoph Heiden: Zurück im Zorn, Gmeiner

Stefan Slupetzky: Im Netz des Lemming, Haymon

Bester Debüt-Kriminalroman

Grandl, Peter: Turmschatten. Verlag Das neue Berlin

Horvath, Michael: Wiener Hundstage. Emons-Verlag

Noll, Laura: Der Tod des Henkers. Gmeiner-Verlag

Riffko, Ben: Grünes Öl. Heyne

Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg. Btb

Bester Kurzkrimi

Raoul Biltgen mit „Der ruhende Pol“ In: Les Cahiers Luxembourgoises, 3/2020

Katja Bohnet mit „Die Schwarzfahrerin“ In: Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel. Knaur 2020

Joe Fischler: „Konrad war ein guter Mann“ In: Stille Nacht, nie mehr erwacht. Krimis für die kalte Jahreszeit. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2020

Regina Schleheck: „Peinlich“ In: Diebe, Mörder, Galgenstricke. Wellhöfer 2020

Leif Tewes: „Der Sinn des Lebens“ In: Banken, Bembel und Banditen. Gmeiner 2020

Bester Kinderkrimi

Sven Gerhardt: Mister Marple und die Schnüfflerbande – Die Erdmännchen sind los, Verlag CBJ

Jana Scheerer: Geister sind unser Geschäft, Verlag Woow Books

Oliver Schlick: Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Verlag Ueberreuter

Bester Jugendkrimi

Andreas Götz: Wir sind die Wahrheit, Verlag Dressler

Hansjörg Nessensohn: Delete Me, Verlag Ueberreuter

Ursula Poznanski: Cryptos, Verlag Loewe

Ehren-Glauser

Angela Eßer in Würdigung ihres bereits zwei Jahrzehnte andauernden, herausragenden Engagements im Bereich der deutschsprachigen Kriminalliteratur.

Und, als schneller Nachtrag: der 37. Deutsche Krimipreis (DKP) ging Ende Dezember an folgende Kriminalromane, die „dem Genre literarisch gekonnt und inhaltlich originell neue Impulse geben“:

National:

1. Platz: Zoë Beck: Paradise City (Suhrkamp)

2. Platz: Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit (Rowohlt)

3. Platz: Frank Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam (CulturBooks)

International:

1. Platz: Denise Mina: Götter und Tiere (Gods and Beasts) deutsch von Karen Gerwig (Argument/Ariadne)

2. Platz: Garry Disher: Hope Hill Drive (Peace) deutsch von Peter Torberg (Unionsverlag)

3. Platz: Young-ha Kim: Aufzeichnungen eines Serienmörders (Salinja-ui gieok-beob) deutsch von Inwon Park (cass verlag)

 

 

 


TV-Tipp für den 4. Februar: Mandela – Der lange Weg zur Freiheit

Februar 3, 2021

RBB, 20.15

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Regie: Justin Chadwick

Drehbuch: William Nicholson

LV: Nelson Mandela: Long Walk to Freedom, 1995 (Der lange Weg zur Freiheit)

Sehenswertes Biopic über Nelson Mandela.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Idris Elba, Naomi Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa, Fana Mokonea

Wiederholung: Freitag, 5. Februar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Metacritic über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Rotten Tomatoes über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“

Wikipedia über „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (deutsch, englisch) und Nelson Mandela

Meine Besprechung von Justin Chadwicks „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ (Mandela: Long Walk to Freedom, USA 2013)

Meine Besprechung von Justin Chadwicks „Tulpenfieber“ (Tulip Fever, USA/Großbritannien 2017)