Neu im Kino/Filmkritik: Wieder in „Jumanji: The next level“ stellt neue Herausforderungen

Dezember 12, 2019

Als vor zwei Jahren „Jumanji: Welcome to the Jungle“ im Kino lief, war der Film zuerst für die Kritik und dann für den Verleih eine erfreuliche Überraschung. Denn das Reboot des Originalfilms von 1995 (mit Robin Williams) ist ein rundum unterhaltsamer Abenteuerfilm mit einer glänzend aufgelegten Besetzung. An der Kasse schlug sich der Film, dem man gegen „Star Wars: Die letzten Jedi“ nur geringe Chancen einräumte, ausgezeichnet. Am Ende spielte er eine gute Milliarde US-Dollar ein und war der fünfterfolgreichste Film des Jahres 2017.

Das sich nahtlos an den ersten Film anschließende „The next level“ zeigt die Jugendlichen aus dem ersten „Jumanji“-Film getrennt. Spencer (Alex Wolff) studiert in New York. Er kommt über die Weihnachtstage zurück in seine alte Heimat Brantford, New Hampshire. Noch bevor er seine Freunde treffen kann, muss er akzeptieren, dass sein gesundheitlich angeschlagener Großvater Eddie (Danny DeVito, großartig grummelig) in seinem Kinderzimmer schläft.

Weil Spencer nicht einschlafen kann, startet er das von ihm im Keller versteckte Jumanji-Videospiel. Eigentlich hatten er und seine Freunde nach den Erlebnissen in „Jumanji: Welcome to the Jungle“ beschlossen, das lebensgefährliche Videospiel zu zerstören. Es saugt seine Spieler in das Spiel und sie können es nur verlassen, wenn sie das Spiel erfolgreich zu Ende spielen. Wenn sie Pech haben, stecken sie für immer im Spiel fest oder sterben im Spiel.

Als Spencer am nächsten Morgen spurlos verschwunden ist, machen sich seine Freunde

Martha (Morgan Turner), Bethany (Madison Iseman) und Fridge (Ser’Darius Blain) auf den Weg zu ihm. Sie entdecken das Spiel und beschließen, ihn zu retten.

Martha, Fridge, Großvater Eddie und sein zufällig anwesender alter Geschäftspartner Milo (Danny Glover) werden in das Spiel hineingezogen.

Bethany wird nicht in das Spiel hineingezogen. Die einzige Person, die ihr helfen kann, in das Spiel zu gelangen und die ihren Freunden im Spiel helfen kann, ist Alex (Colin Hanks), der zwanzig Jahre in dem Spiel gefangen war als Flugzeugpilot Seaplane (Nick Jonas).

In dem Spiel sind die alten Avatare Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Dr. Shelly Oberon (Jack Black), Mouse Finbar (Kevin Hart) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan) noch vorhanden. Weil es dieses Mal mehr Spieler als im ersten Film gibt, gibt es auch neue Avatare, wie Spencers Avatar Ming (Awkwafina), und nicht jeder Spieler hat seinen alten Avatar. Dr. Bravestone ist jetzt der Avatar von Eddie, Dr. Oberon von Fridge, Finbar von Milo und Roundhouse wieder von Martha. Die besonderen Fähigkeiten und Schwächen haben sich teilweise geändert. Aber, keine Panik, Dr. Bravestone hat immer noch seinen unwiderstehlichen Blick und Ruby Roundhouse ist immer noch eine außergewöhnlich gute Kämpferin mit atemberaubender Beinarbeit.

Die Erfahrungen aus dem letzten Spiel können sie im aktuellen Spiel nur sehr begrenzt verwenden. Denn in „The next level“ startet ein neues Spiel mit neuen Aufgaben, Gefahren und Welten. Auch die Aufgabe, die sie lösen müssen, ist neu.

Jurgen the Brutal (Rory McCann) hat das riesige lebensspendende Falkenjuwel geklaut und bringt es in seine in den Bergen liegende Burg. Dr. Bravestone, Dr. Oberon, Finbar und Roundhouse sollen das Falkenjuwel zurückstehlen. Wenn es ihnen nicht gelingt, wird Jumanji untergehen.

Auf ihrer Jagd nach Jurgen the Brutal und dem Juwel geht es von Level zu Level schwuppdiwupp vom Dschungel in die Wüste in verschneite Berge. Gezeigt wird eine Steampunk-Fantasiewelt, die mühelos Mittelalter- und Orient-Fantasievorstellungen mit Fahrzeugen aus dem nächsten „Mad Max“-Film verbindet. Aber den Machern gelingt es, auch durch die Struktur des doch ziemlich einfachen „Jumanji“-Spiels, dass mich das nicht sonderlich störte.

Störender sind dagegen die in vielen Actionszenen überhand nehmenden Computereffekte. Sie sind der schwächste Teil des Films. Dafür ist das Spiel der gut aufgelegten Schauspieler – so muss Dwayne Johnson Danny DeVito channeln – immer vergnüglich.

Jumanji: The next level“ ist ein kurzweiliger Abenteuerfilm mit viel Situationskomik, Sprüchen und Action, der beim Weitererzählen der Geschichte von „Welcome to the Jungle“ die richtige Balance zwischen Bewahrung und Innovation findet.

Außerdem kommt Jake Kasdans Abenteuerkomödie nicht mit dem ganzen mythischen Ballast und den hohen Erwartungen des neuen „Star Wars“-Films, in dem das Ende einer vor Jahrzehnten begonnenen Geschichte erzählt werden soll. „Jumanji: The next level“ ist dagegen nur das neue Level in einem Computerspiel. Am dritten Level, so heißt es, wird bereits gearbeitet.

Jumanji: The next level (Jumanji: The next level, USA 2019)

Regie: Jake Kasdan

Drehbuch: Jake Kasdan, Jeff Pinkner, Scott Rosenberg (basierend auf Chris Van Allsburgs „Jumanji“)

mit Dwayne Johnson, Jack Black, Karen Gillan, Kevin Hart, Nick Jonas, Awkwafina, Alex Wolff, Morgan Turner, Madison Iseman, Ser’Darius Blain, Danny DeVito, Danny Glover, Marin Hinkle, Colin Hanks, Rory McCann

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jumanji: The next level“

Metacritic über „Jumanji: The next level“

Rotten Tomatoes über „Jumanji: The next level“

Wikipedia über „Jumanji: The next level“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Sex Tape“ (Sex Tape, USA 2014)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (Jumanji: Welcome to the Jungle, USA 2017)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Edward Norton erkundet Jonathan Lethems „Motherless Brooklyn“ und nimmt sich einige Freiheiten

Dezember 12, 2019

Als vor zwanzig Jahren Jonathan Lethems Noir-Krimi „Motherless Brooklyn“ erschien wurde gleich über eine Verfilmung gesprochen. Denn Lethems geradlinige Kriminalgeschichte voller liebgewonnener Klischees eignet sich vorzüglich dafür. Es dauerte dann doch zwanzig Jahre und der Film hat wenig mit der Vorlage zu tun. Norton verlegte die Geschichte von den späten Neunzigern in die fünfziger Jahre und er erfand einen vollkommen neuen Kriminalfall. Nur der Held und der Grund für seine Ermittlungen blieben gleich.

Wer jetzt aber denkt, dass Jonathan Lethem in Interviews Gift und Galle über die Verfälschung seines literarischen Meisterwerks speit, irrt sich. Er äußerte sich wohlwollend über den Film und er weist darauf hin, dass Buch und Film zwei verschiedene Sachen sind, die eigenen Regeln gehorchen.

Im Roman wird Lionel Essrogs Chef Frank Minna ermordet. Minna zog ihn und einige andere Waisenkinder groß, indem er sie immer wieder für sich arbeiten ließ. Zuletzt als „Privatdetektive“. Dabei waren ihre Aufträge meistens mehr, selten weniger halbseiden. Jetzt sollen sie Minna beschützen, während er sich in einem Apartmentzimmer mit einem Auftraggeber trifft. Das Treffen gerät aus dem Ruder. Minna wird angeschossen und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Essrog und seine Kollegen haben keine Ahnung, wer der Täter ist.

Essrog beginnt den Täter zu suchen. Dabei versucht er aus seinen Beobachtungen und Frank Minnas rätselhaften letzten Worten eine Spur zum Täter zu finden.

Im Buch bewegen Essrog und die anderen Minna Men sich durch das heutige Brooklyn wie klassische Hardboiled-Dicks. Nur ist halt nicht mehr 1950 und sie sind alle keine Sam Spades und Philip Marlowes, sondern mäßig begabte Waisenkinder. Sie sind Handlanger, die in eine Geschichte hineinstolpern, die zu groß für ihre geistigen Fähigkeiten ist.

Außerdem leidet Ich-Erzähler Lionel Essrog am Tourette-Syndrom.

Edward Norton, der das Drehbuch schrieb, die Regie führte und die Hauptrolle übernahm, verlegt die Geschichte von der Gegenwart in die das New York der späten fünfziger Jahre und damit in die Zeit des klassischen Noirs. Damit erscheinen die Minna Men und ihr Verhalten nicht mehr anachronistisch.

Gleichzeitig erfand Norton einen Fall, der deutlich von Roman Polanskis „Chinatown“ beeinflusst ist. Nur dass es dieses Mal um einen Bauskandal aus New York geht.

Moses Randolph (Alec Baldwin) ist ein skrupelloser Baumogul und Teilzeitpolitiker, der mit seinem politischen Amt seine Bauprojekte fördert. Dazu gehört die Zerstörung von von armen, hauptsächlich Schwarzen bewohnten Wohnvierteln. Anschließend baut er dort moderne Mietwohnungen, die für Schwarze nicht bezahlbar sind. Oder er baut eine Schnellstraße. Er hat sich die Stadt zur Beute gemacht und verdient mächtig daran.

Baldwins Figur ist am deutlichsten von Robert Moses inspiriert. Der Stadtplaner entwarf das Gesicht des heutigen New Yorks.

Dieser sich tief in die Stadtgeschichte von New York hineingrabende Plot hat mit Lethems Plot nichts zu tun.

Mit gut zweieinhalb Stunden ist der Film deutlich zu lang geraten. Es ist eine Länge, die vor allem die Eitelkeit des Hauptdarstellers befriedigt, der mit seiner Performance überdeutlich auf einen Oscar zielt.

Für die anderen Schauspieler bleiben da nur noch Nebenrollen. Bruce Willis, der Essrogs Mentor Frank Minna spielt, verschwindet aus dem Film genauso schnell wie aus dem Buch. Nach ein paar Minuten Minuten ist er tot. Danach taucht er noch einige Male in Flashbacks und kurzen Traumszenen, in denen er Essrog kluge Ratschläge gibt, auf. Damit reiht sich diese Rolle vom Umfang her mühelos in Bruce Willis‘ Spätwerk ein. Immerhin tritt er dieses Mal in einem besseren Film auf.

Alec Baldwin, Willem Dafoe und Gugu Mbatha-Raw überzeugen in ihren wenigen, aber wichtigen Auftritten. Gerade Baldwins erster Auftritt ist sehr gelungen inszeniert.

Trotzdem ist „Motherless Brooklyn“ vor allem eine zu lang geratene Fleißarbeit. Noir-Motive werden zitiert, die bekannten Plot-Points mit den vertrauten Figuren abgehandelt. Nur der Protagonist, der Möchtegern-Privatdetektiv Lionel Essrog, fällt mit seiner Störung und den damit verbundenen Macken aus dem Rahmen. Norton präsentiert das überzeugend als ein Period-Piece.

So ist „Motherless Brooklyn“ ein Noir, der weniger Interesse am Krimiplot und dem überschaubar kompliziertem Mordkomplott, als am Ausstellen der schauspielerischen Fähigkeiten von Edward Norton hat.

Motherless Brooklyn (Motherless Brooklyn, USA 2019)

Regie: Edward Norton

Drehbuch: Edward Norton

LV: Jonathan Lethem: Motherless Brooklyn, 1999 (Motherless Brooklyn)

mit Edward Norton, Gugu Mbatha-Raw, Alec Baldwin, Willem Dafoe, Bruce Willis, Ethan Suplee, Cherry Jones, Boby Cannavale, Dallas Roberts, Josh Pais, Radu Spinghel, Michael Kenneth Williams, Leslie Mann

Länge: 145 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(lesenswert und ganz anders als die Verfilmung)

Jonathan Lethem: Motherless Brooklyn

(übersetzt von Michael Zöllner)

Tropen Verlag, 2019

376 Seiten

9, 95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Tropen Verlag, 2001

Originalausgabe

Motherless Brooklyn

Doubleday, New York 1999

Neu von Jonathan Lethem

Wenige Tage vor dem Kinostart von „Motherless Brooklyn“ erschien die deutsche Ausgabe von Jonathan Lethems Kurzgeschichtensammlung „Alan, der Glückspilz“. Die neun Geschichte richten sich dabei nicht an den Lethem-Neueinsteiger. Der sollte besser mit einem seiner Romane, wie „Motherless Brooklyn“, beginnen. Die Kurzgeschichten sind Stilübungen, Skizzen, Momentaufnahmen, Ideen und auch Was-zur-Hölle-hat-er-sich-dabei-gedacht?-Texte. Mal mehr, mal weniger absurd, mal mehr, mal weniger in unserer Wirklichkeit spielend.

Jonathan Lethem: Alan, der Glückspilz

(übersetzt von Johann Christoph Maass)

Tropen, 2019

176 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Lucky Alan and other stories

Doubleday, New York 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Motherless Brooklyn“

Metacritic über „Motherless Brooklyn“

Rotten Tomatoes über „Motherless Brooklyn“

Wikipedia über „Motherless Brooklyn“ (deutsch, englisch)

Perlentaucher über den Roman „Motherless Brooklyn“

Book Marks über den Roman „Motherless Brooklyn“

Homepage von Jonathan Lethem

Wikipedia über Jonathan Lethem (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonathan Lethems „Der wilde Detektiv“ (The feral detective, 2018)


TV-Tipp für den 12. Dezember: Lost in Translation

Dezember 11, 2019

Servus TV, 20.15

Lost in Translation – Zwischen den Welten (Lost in Translation, USA/Japan 2003)

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

Bob (Bill Murray) trifft in seinen Luxushotel Charlotte (Scarlett Johansson) und weil beide einsam in Tokio sind, verbringen sie einige Tage zusammen.

Sofia Coppolas (jaja, die Tochter von dem „Der Pate“-Regisseur) bei den Kritikern und dem Publikum erfolgreichster Film: eine wunderschöne Stillstandsbeschreibung über zwei verlorene Seelen in einer fremden Stadt.

mit Bill Murray, Scarlett Johansson, Giovanni Ribisi, Anna Faris, Furnihiro Hayashi

Wiederholung: Freitag, 13. Dezember, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lost in Translation“

Wikipedia über „Lost in Translation“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sofia Coppolas „The Bling Ring“ (The Bling Ring, USA 2013)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Collateral

Dezember 10, 2019

Kabel Eins, 22.55

Collateral (Collateral, USA 2004)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Donnerstag, 12. Dezember, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Collateral“

Wikipidia über „Collateral“ (deutsch, englisch)

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Dezember: Unternehmen Capricorn

Dezember 10, 2019

Servus TV, 22.10

Unternehmen Capricorn (Capricorn One, USA 1978)

Regie: Peter Hyams

Drehbuch: Peter Hyams

Peter Hyams schildert die erste Marslandung, die allerdings, aufgrund von Sicherheitsproblemen, von den USA gefälscht wurde. Als beim Eintritt in den Erdorbit die Raumkapsel verglüht, ahnen die NASA-Astronauten, dass ihre Tage gezählt sind. Offiziell sind sie ja schon tot. Aber ein Journalist versucht das Komplott aufzudecken.

Kommerziell erfolgreicher, erzählerisch unbeholfener Science-Fiction-Verschwörungsthriller mit viel Action und einer Top-Besetzung. Inzwischen kann der Thriller durchaus als Kultfilm bezeichnet werden. Und nach dem Film wissen wir, wie das mit der gefakten Mondlandung war. Ehrlich!

„Unglücklicherweise wird die interessante Grundidee von Hyams Drehbuch (…) durch Hyams unausgeglichene Regie abgeschwächt.“ (Phil Hardy, Hrsg.): Die Science Fiction Filmenzyklopädie)

mit Elliott Gould, James Brolin, Karen Black, Brenda Vaccaro, Sam Waterston, O. J. Simpson, Hal Holbrook, Telly Savalas

Wiederholung: Mittwoch, 11. Dezember, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Unternehmen Capricorn“

Wikipedia über „Unternehmen Capricorn“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peter Hyams‘ „Gegen jeden Zweifel“ (Beyond a reasonable doubt, USA 2009)


(Un)eigennütziger Veranstaltungshinweis: Präsentation des Dokumentarfilms „XY Chelsea“ mit anschließender Diskussion

Dezember 9, 2019

Am Dienstagabend darf ich wieder ran als Moderator. Dann präsentieren wir von der Bürgerrechtsorganisationen „Humanistische Union“ im Rahmen der monatlichen Reihe „One World Berlin – Menschenrechte“ um 20.00 Uhr im Lichtblick-Kino (Kastanienallee 77, Berlin/Prenzlauer Berg) den beeindruckenden Dokumentarfilm „XY Chelsea“ (Originalfassung) über die Whistleblowerin Chelsea Manning, geborene Bradley Manning.

Nach dem Film unterhalten wir uns mit

Darnell Stephen Summers, ehemaliger US-Soldat, Friedensaktivist, Künstler

Daniel Lücking, Journalist (Der Freitag – Die Wochenzeitung)

Lennart Mühlenmeier, Journalist (netzpolitik.org)

über den Film.

Das dürfte die einzige Vorführung des Films in einem Berliner Kino sein. Jedenfalls ist es die einzige Vorführung mit diesem Programm. Und weil ich als Moderator da immer etwas subjektiv begeistert bin, gibt es jetzt die offizielle Ankündigung:

Zum Film „XY Chelsea“ (Großbritannien 2019, Regie: Tim Travers Hawkins)

Von manchen für ihren Mut verehrt, von anderen wegen Vaterlandsverrat verhasst: Chelsea Manning sollte 35 Jahre ihres Lebens im Gefängnis verbringen. Grund für das Urteil gegen den damals als Bradley Manning in der US-Armee in Irak tätigen Nachrichtendienst-Spezialisten war die Weitergabe von über 750.000 geheimen Dokumenten an Wiki-Leaks. Mannings Whistleblower-Tätigkeit enthüllte Operationen der US-Streitkräfte und Spionagedienste in Afghanistan und Irak, die teils mit erheblichen Bürgerund Menschenrechtsverletzungen einher gingen.

Im Gefängnis vollzog Manning gegen erhebliche Widerstände eine Geschlechtsanpassung vom Mann zur Frau. Anfang 2017 hob US-Präsident Barack Obama – als eine seiner letzten Amtshandlungen – die Strafe auf und gewährte Chelsea Manning nach sieben Jahren in Gefangenschaft die Freiheit.

Seitdem kämpft sie nicht nur für Anerkennung in der Gesellschaft, sondern vor allem beständig für Pressefreiheit und unbeschränkt zugängliche Informationen. Derzeit ist Chelsea Manning wieder in Haft, weil sie die Aussage gegen Julian Assange beim Verhör vor der Grand Jury verweigert hat.

Mannings Persönlichkeit steht für konsequente Zivilcourage und das Ausleben einer selbstbestimmten Identität.

Veranstaltung in Kooperation mit dem Human Rights Film Festival Berlin

 

Zur „One World Berlin – Menschenrechte aktuell“-Filmreihe:

Die neue monatliche Filmreihe im Lichtblick-Kino, mit Dokumentarfilmen über Bürger- und Menschenrechte. Filmemacher*innen und Expert*innen diskutieren mit dem Publikum über Fragen, die Menschen in der Stadt bewegen, lokal und global.

Für das Recht auf Wohnraum, gegen Überwachung und Datenspeicherung, für Menschsein und Menschenrechte in der digitalen Welt.

Die Filmreihe versteht sich auch als Plattform für Berliner Bürger und Menschenrechts-Initiativen, die zu den in den Filmen verhandelten Fragen arbeiten.

Die Filmreihe wird organisiert von der Humanistischen Union, Deutschlands ältester Bürgerrechts-Organisation (mitbegründet von Fritz Bauer), One World Berlin – Human Rights Film Festival, das sich seit 2004 durch Menschenrechts-Filmarbeit engagiert, und dem Lichtblick-Kino.

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „XY Chelsea“

Metacritic über „XY Chelsea“

Rotten Tomatoes über „XY Chelsea“

Wikipedia über „XY Chelsea“ und Chelsea Manning (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Dezember: Der Clou von Paris

Dezember 9, 2019

Arte, 22.10

Der Clou von Paris (Le Voyou, Frankreich/Italien 1970)

Regie: Claude Lelouch

Drehbuch: Claude Lelouch, Claude Pinoteau, Pierre Uytterhoeven

Ein sympathischer Berufsverbrecher entführt einen fünfjährigen Jungen. Während der Lösegeldverhandlungen bemerkt er, dass er sich sehr gut mit dem Jungen versteht. Und danach beginnen seine wirklichen Probleme.

Eine seit Ewigkeiten nicht mehr, falls überhaupt jemals im TV gezeigte Gaunerkomödie.

Erfrischend gespielte Krimi-Komödie mit einem hervorragenden Hauptdarsteller. Die eleganten formalen Spielereien können auf Dauer aber nicht die Banalität der Handlungs- und Typenklischees verdecken.“ (Lexikon des internationalen Films)

Lelouch ist vor allem für seine Liebesfilme bekannt. Er inszenierte u. a. „Ein Mann und eine Frau“, „Ein glückliches Jahr“, „Ein Hauch von Zärtlichkeit“, „Der Mann, der mir gefällt“ und „Die Entführer lassen grüßen“.

mit Jean-Louis Trintignant, Charls Denner, Danièle Delorne, Christine Lelouch, Yves Robert, Sacha Distel

alternative Titel: „Voyou – Der Gauner“, „Voyou oder ein Strolch in Paris“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Clou von Paris“

Wikipedia über „Der Clou von Paris“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 8. Dezember: Don’t Breathe

Dezember 7, 2019

RTL II, 22.25

Don’t Breathe (Don’t Breathe, USA 2016)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Schnell mal einen Einbruch begehen und mit der Kohle abhauen wollen die drei jugendlichen Kleinkriminellen. Dummerweise kehrt der Hausbesitzer zurück. Zum Glück ist er blind. Dummerweise hört er sehr gut und er ist extrem stinkig.

TV-Premiere. Fieser kleiner Spannungsthriller, der genau das hält, was er verspricht.

Danach drehte Fede Alvarez den Elisabeth-Salander-Thriller „Verschwörung“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik

Wiederholung: Montag, 9. Dezember, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Don’t Breathe“

Metacritic über „Don’t Breathe“

Rotten Tomatoes über „Don’t Breathe“

Wikipedia über „Don’t Breathe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Fontane Effi Briest

Dezember 7, 2019

3sat, 20.15

Fontane Effi Briest (Deutschland 1974)

Regie: Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

LV: Theodor Fontane: Effi Briest, 1895

Fassbinders grandiose Fontane-Verfimung heißt eigentlich „Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen und dennoch das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen“.

Die Leidensgeschichte der unglücklich zwangsverheirateten und in einen anderen Mann verliebten Effi Briest bestätigt dann den langen Titel.

Zur Einstimmung zeigt 3sat um 19.20 Uhr die neue Doku „Effi Briest oder die Elastizität der Herzen“ über das Frauenbild in den verschiedenen „Effi Briest“-Verfilmungen.

Mit Hanna Schygulla, Wolfgang Schenck, Karlheinz Böhm, Ulli Lommel, Ursula Strätz, Irm Hermann, Hark Bohm, Rudolf Lenz, Barbara Valentin, Eva Mattes

Hinweise

Filmportal über „Fontane Effi Briest“

Rotten Tomatoes über „Fontane Effi Briest“

Wikipedia über „Fontane Effi Briest“ (deutsch, englisch) und Rainer Werner Fassbinder

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 6. Dezember: Butch Cassidy und Sundance Kid

Dezember 5, 2019

3sat, 22.25

Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: William Goldman

In Wirklichkeit waren Butch Cassidy und Sundance Kid zwei Verbrecher, die zu Legenden wurden, und deren Leben öfters verfilmt wurde. Am erfolgreichsten von George Roy Hill, nach einem Drehbuch von William Goldman, der damit in die Topliga der Drehbuchautoren aufstieg, und mit Paul Newman als Butch Cassidy und Robert Redford als Sundance Kid. Der eine war damals schon ein Star, der andere danach.

In „Butch Cassidy und Sundance Kid“ erzählen sie das Leben der beiden Verbrecher in einem locker-flockigen Stil, bei dem die beiden einfach nette Jungs sind, die gegen die Autoritäten kämpfen, Züge und Banken überfallen, immer ihren Spaß haben und die besten Freunde sind.

Der Film war ein Kinohit. 1973 trafen sich George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford wieder für die ebenfalls sehr erfolgreiche Gaunerkomödie „Der Clou“ (The Sting, USA 1973), die mir nicht so gefällt. William Goldman erhielt für „Butch Cassidy und Sundance Kid“ einen Drehbuchoscar und schrieb in den nächsten Jahren die Drehbücher für „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The hot rock, USA 1972), „Die Frauen von Stepford“ (The Stepford Wives, USA 1975), „Tollkühne Flieger“ (The great Waldo Pepper, USA 1975, ein schöner, unterschätzter Film mit Robert Redford), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976, für den er seinen zweiten Drehbuchoscar erhielt) und „Der Marathon-Mann“ (Marathon Man, USA 1976, nach seinem Roman).

mit Robert Redford, Paul Newman, Katherine Ross, Strother Martin, Henry Jones, Jeff Corey

Hinweise

Turner Classic Movies über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Rotten Tomatoes über „Butch Cassidy und Sundance Kid“

Wikipedia über „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Roy Hills „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist los im „Auerhaus“?

Dezember 5, 2019

Die achtziger Jahre in der westdeutschen Provinz: „Formel Eins“ (die Musiksendung) im Fernsehen, zum Vorbild taugliche Terroristen auf Fahndungsplakaten, die neben Che-Guevara-Plakaten in WG- und Studentenwohnungen hängen, das Waldsterben vor der Haustür und die Gefahr des ersten und zugleich letzten Atomkrieg im Bewusstsein. Denn wenn Ost- und Westblock demnächst ihre Waffen ausprobieren, hat Deutschland nur als atomar verseuchte Wüste eine Zukunft.

In diesem Deutschland entschließen sich die Jugendlichen Frieder, Höppner, Vera und Cäcilia in ihrem Dorf in das verlassene Haus von Frieders Großvater einzuziehen. Später ziehen als Mitbewohner die Pyromanin Pauline und der Freigeist Harry in die WG ein. Er ist mehr ein Drogen liefernder ständiger Gast als ein richtiger Mitbewohner. Bov Bjerg erzählt in seinem erfolgreichen, jetzt verfilmten Roman „Auerhaus“ von den Erlebnissen der Schüler-WG.

Die Vier sind im letzten Jahr vor dem Abitur und ziemlich normal. Nur Frieder war wegen eines Suizidversuchs in der Psychiatrie. Jetzt wollen sie auf ihren Mitschüler aufpassen und schon einmal die kleine Freiheit genießen. Ohne Eltern, die ständig ihre Schlaf- und Trinkgewohnheiten überwachen, aber noch mit der elterlichen Vollversorgung bei den unangenehmen Dingen. Anscheinend sind alle Eltern sofort mit der Idee der Wohngemeinschaft damit einverstanden. „Auerhaus“-Regisseurin Neele Leana Vollmar zeigt jedenfalls keine Szene, in der die künftigen WG-Bewohner mit ihren Eltern über ihren Plan streiten müssen.

Aus dieser Idee einer Schüler-WG auf dem Dorf hätte ein vielschichtiges Sittengemälde der Bundesrepublik in den frühen achtziger Jahren und wie es war, in dieser bleiernen, vom Weltuntergang bedrohten Zeit am Arsch der Welt aufzuwachsen, entstehen können.

Es entstand allerdings ein in einer von der Welt abgewandten Blase spielendes Drama. Das beginnt schon mit der Ortlosigkeit der Geschichte. Alle Figuren sprechen Hochdeutsch. Eine regionale Verankerung gibt es nicht. Das Dorf scheint nur aus der Wohngemeinschaft, einem netten Polizisten und Höppners Mutter zu bestehen. Ihr neuer Freund, der ein cholerischer Idiot ist und vom Erzähler Höppner nur F2M2 genannt wird, tritt auch kurz auf. Diese wenigen Figuren können nie die Vielfalt eines ganzen Dorfes ersetzen. Es kann nichts über das Verhältnis der Dorfbewohner zur Wohngemeinschaft erzählt werden. Im Film scheint der einzige Konflikt zu sein, dass sie vielleicht mal etwas zu laut sind und dann Wachtmeister Bogatzki vorbeikommen muss. Wenn Frieder im Lebensmittelladen des Dorfes das Essen für eine Woche zusammenklaut, scheint das niemand zu stören. Wahrscheinlich weil seine Einkäufe anschließend bezahlt werden.

Die politischen Bezüge erschöpfen sich in einem in der WG-Küche aufgehängtem Terroristen-Fahndungsplakat. Ohne das Plakat könnte der Film auch zu irgendeiner anderen Zeit spielen.

Die episodenhafte Story kann mit viel Wohlwollen als Coming-of-Age-Geschichte gesehen werden, weil die sechs WG-Bewohner halt in dem Alter sind, in dem sie erwachsen werden und nach der Schule einige Entscheidungen anstehen. Für mich gehört zu einer Geschichte auch dazu, dass die Figuren etwas gelernt haben und dass sie am Ende des Films eine Entwicklung durchgemacht haben. Das kann über die Bewohner des Auerhauses nicht gesagt werden. Außerdem ist eine Ortsveränderung keine Erkenntnis, sondern in erster Linie eine Ortsveränderung.

Auerhaus (Deutschland 2019)

Regie: Neele Leana Vollmar

Drehbuch: Neele Leana Vollmar, Lars Hubrich

LV: Bov Bjerg: Auerhaus, 2015

mit Damian Hardung, Max von der Groeben, Luna Wedler, Devrim Lingnau, Ada Philine Stappenbeck, Sven Schelker, Hans Löw, Milan Peschel

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Auerhaus“

Moviepilot über „Auerhaus“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allen verbringt „A rainy Day in New York“

Dezember 5, 2019

Schon der Titel „A rainy Day in New York“ deutet es an: das ist ein Film, bei dem beiläufige Beobachtungen und Begegnungen wichtiger als eine stringente Geschichte sind. Das ist auch kein Film, der große und letzte Wahrheiten verkünden will. Schließlich geht es nur um irgendeinen verregneten Tag. Ausgehend von diesem selbstgewählten Anspruch und weil Woody Allens letzte Filme eher solala waren, sind die Erwartungen für den neuen Film von Woody Allen nicht besonders hoch. Es ist einfach der neue Film eines Regisseurs, der seit gut fünfzig Jahren zuverlässig jedes Jahr einen Film dreht, dessen bekanntesten und besten Filme, wie „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ vor allem in den Siebzigern entstanden, der in den achtziger und neunziger Jahren abwechslungsreich darauf aufbaute und der seit zwanzig weitgehend selbstgenügsam vor sich hin arbeitet. Wenige Filme, wie „Match Point“ und „Blue Jasmine“, stechen hervor. Der Rest versinkt in einem immer wieder durchaus unterhaltsamen Strom recyclter Woody-Allen-Beliebigkeit mit sattsam bekannten Themen, Figuren, Witzen und einem aus alten Jazz-Songs bestehendem Soundtrack, der schon vor vierzig Jahren sehr retro war. Oder erinnert sich noch jemand ernsthaft an „Sweet and Lowdown“, „Schmalspurganoven“ (Small Time Crooks), „Im Bann des Jade Skorpions“ (The Curse of The Jade Scorpion), „Hollywood Ending“ (okay, der lief niemals in Deutschland), „Anything Else“, „Melinda und Melinda“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“ (Cassandra’s Dream), „Vicky Cristina Barcelona“, „Whatever Works – Liebe sich wer kann“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (You will meet a tall dark Stranger), „Midnight in Paris“, „To Rome with Love“, „Magic in the Moonlight“, „Irrational Man“, „Café Society“ und „Wonder Wheel“.

Das sind Filme, die, bis auf wenige Ausnahmen („Cassandras Traum“, „Midnight in Paris“), wie ein Griff in den Zettelkasten wirken.

Auch „A rainy Day in New York“ ist so ein Griff in den Zettelkasten. Da fährt Gatsby (!!!) (Timothée Chalamet) mit seiner Freundin Ashleigh (Elle Fanning) nach New York. Das kükenhafte Landei will für die Studentenzeitung Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Der von ihr abgöttisch bewunderte Arthaus-Regisseur lädt sie ein, sich mit ihm den Rohschnitt seines neuen Films anzusehen. Selbstverständlich ist sie einverstanden.

Währenddessen bummelt ihr Freund durch Manhattan, trifft alte Freunde, hilft bei einem Filmdreh für einen Noir aus, küsst dafür die jüngere Schwester einer Ex-Freundin und muss zu einer von seinen Eltern veranstalteten Feier.

Diese Abfolge von Episoden mit absehbaren amourösen Entwicklungen versucht nie mehr zu sein als eine beliebige Abfolge zufälliger Begegnungen fast ausschließlich weißer Menschen. Selena Gomez als in Gatsby verliebte jüngere Schwester und Diego Luna als Filmstar (und Latin Lover) bringen da etwas Farbe ins Bild.

Die von Woody Allen geschriebenen Monologe und Dialoge sind vertraut aus seinen früheren Filmen. Es ist, immerhin sind alle zentralen Figuren Jugendliche, aber nie die Sprache junger Leute. Die von ihnen benutzten Vergleiche und Anspielungen würden junge Menschen nicht wählen. Es wird nicht auf Harry Potter oder die Marvel-Filme angespielt, sondern auf den literarischen und filmischen Kanon, der vor über einem halben Jahrhundert en vogue war. Mit ihm konnte man sich als Zugehöriger zu einem bestimmten literarisch gebildetem Bildungsbürgermilieu zu erkennen geben. Da wurde, bei der richtigen cineastischen Bildung, die Anspielung auf „Out of the Past“ verstanden. Aber wer kennt heute diesen Vierziger-Jahre-Noir, der unter Noir-Fans ein Klassiker ist, überhaupt?

Allen drehte seinen verregneten Tag in Manhattan vor allem in langen Szenen, die oft nicht oder nur sparsam geschnitten sind. Keine Szene hinterlässt, im Gegensatz zum farbenprächtigen, oft wunderschön durchkomponiertem „Wonder Wheel“, einen visuell bleibenden Eindruck. Bei „A rainy Day in New York“ wirkt alles, als sei es schnell heruntergedreht worden. Fast jede Szene ist auch oft einfach zu lang geraten. Im endlosen Geplänkel seiner Stadtneurotiker fehlt jeder dramaturgische Fokus.

A rainy Day in New York““ ist der selbstgenügsame Film eines alten Mannes, der erfundene Jugendliche durch ein ebenso erfundenes Manhattan gehen lässt als ob es immer noch 1946 oder kurz danach wäre. Das ist sogar zu belanglos, um sich richtig darüber zu ärgern.

A rainy Day in New York (A rainy Day in New York, USA 2019)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Timothée Chalamet, Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law, Diego Luna, Liev Schreiber, Annaleigh Ashford, Rebecca Hall, Cherry Jones, Will Rogers, Kelly Rohrbach

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A rainy Day in New York“

Metacritic über „A rainy Day in New York“

Rotten Tomatoes über „A rainy Day in New York“

Wikipedia über „A rainy Day in New York“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 5. Dezember: El Clan

Dezember 5, 2019

3sat, 22.25

El Clan (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)

Regie: Pablo Trapero

Drehbuch: Pablo Trapero, Esteban Student (Mitautor), Julián Loyala (Mitautor)

Argentinien in den frühen achtziger Jahren, kurz nach dem Ende der Militärdiktatur: Patriarch Puccio und seine Familie sichern sich ihren Lebensstandard, indem sie Mitglieder reicher Familien. Als sein Sohn aussteigen will, hängt der Haussegen schief.

Unglaublich, aber wahr: „El Clan“ basiert auf einem wahren Fall. Pablo Trapero inszenierte das auch gut. Aber seine assoziative Erzählweise raubt dem Film fast alles von seinem Potential.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Guillermo Francella, Peter Lanzani, Lili Popovich, Giselle Motta, Gastón Cocchiarale, Franco Masini, Antonia Bengoechea, Stefania Koessl

Hinweise
Moviepilot über „El Clan“
Metacritic über „El Clan“
Rotten Tomatoes über „El Clan“
Wikipedia über „El Clan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pablo Traperos „El Clan“ (El Clan, Argentinien/Spanien 2015)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Tatort: Der Pott

Dezember 2, 2019

WDR, 23.35

Tatort: Der Pott (Deutschland 1989)

Regie: Karin Hercher

Drehbuch: Axel Götz, Thomas Wesskamp

Schlechte Stimmung im Pott: Stahlarbeiter demonstrieren gegen drohende Massenentlassungen. Die mit 500.000 DM gefüllte Streikkasse wird geklaut. Ein Gewerkschaftsfunktionär wird ermordet. Kommissar Schimanski ermittelt zwischen und hinter allen Fronten.

Mit viel Ruhrpott-Patina gesättigter Schimanski-Krimi, der seine Geschichte nah an damals aktuellen Schlagzeilen und Konflikten entlang erzählt. Rio Reiser liefert den Streikenden die revolutionäre musikalische Unterstützung.

Mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Thomas Rech, Sabine Postel, Michael Brandner, Miroslav Nemec, Axel Götz, Ludger Pistor, Rio Reiser

Hinweise

Host-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Tatort: Der Pott“


TV-Tipp für den 2. Dezember: Flucht in Ketten

Dezember 1, 2019

Arte, 20.15

Flucht in Ketten (The defiant ones, USA 1958)

Regie: Stanley Kramer

Drehbuch: Nathan E. Douglas, Harold Jacob Smith

Klassiker über zwei Sträflinge, die aneinandergekettet sind, und deshalb bei ihrer Flucht kooperieren müssen. Weil der eine ein Weißer, der andere ein Afroamerikaner ist, hassen sie sich. Gelingt es ihnen, ihre Vorurteile überwinden?

Stanley Kramers enorm erfolgreicher Film (außer in den Südstaaten) ist ein heute immer noch aktueller Aufruf gegen Rassismus und zur Toleranz.

„Packender, visuell starker und ausgezeichnet gespielter Film – in seinen moralischen Absichten vielleicht etwas überdeutlich.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Tony Curtis, Sidney Poitier, Theodore Bikel, Charles McGraw, Lon Chaney Jr., Claude Akins

Wiederholung: Mittwoch, 4. Dezember, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht in Ketten“

TCM über „Flucht in Ketten“

Wikipedia über „Flucht in Ketten“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Mein Ende. Dein Anfang.“ Zufall oder Bestimmung?

Dezember 1, 2019

Was bestimmt unser Leben? Zufall oder Bestimmung? In ihrem Spielfilmdebüt geht Mariko Minoguchi dieser Frage anhand eines gegensätzlichen Paares und mehrerer schicksalshafter Ereignisse nach. Nora treibt ziellos vor sich hin. Aron ist ein ambitionierter Physik-Dokorand. In seiner Arbeit, deren These er am Filmanfang ausführlich erklärt, will er beweisen, dass es keine Zufälle gibt, sondern dass alles einem vorher bestimmten Plan folgt. Zum Beispiel, dass er Nora kennen lernte. Allein schon ihre Namen Nora und, rückwärts gelesen, Aron zeigten das. (Schnelle persönliche Notiz: ich muss meinen Eltern für meinen Namen danken und meine Lexa suchen.)

Eines Tages geraten Aron und Nora in einen Banküberfall. Aron wird angeschossen und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Dieser Überfall ist der Kulminationspunkt für die verschiedenen Geschichten, die Minoguchi auf mehreren Zeitebenen. Dabei geht es immer um die Frage, ob Arons Tod ein dummer Zufall war oder ob er von Anfang an vorherbestimmt war. Und ob, kurz nach Arons Tod, Noras Begegnung mit Natan Zufall oder wieder Schicksal ist. Jedenfalls spürt sie eine seltsame Verbundenheit zu ihm.

Natans Geschichte ist, daraus macht der Film kein großes Geheimnis, selbstverständlich mit ihrem Leben verbunden und, ja, sie sind sich schon einmal begegnet. Durch Arons Tod und den danach folgenden Ereignissen steht Nora irgendwann vor einer Entscheidung, die Natans Leben entscheidend beeinflussen kann. Vor dieser Entscheidung steht sie allerdings nur, weil sie vorher Natan traf und Aron getötet wurde. Damit stellt sich wieder die Frage, ob alles Zufall ist oder alles einem vorher bestimmten Plan folgt.

Minoguchi erzählt die Geschichte von Nora, Aron und Natan nicht chronologisch. Sie wählte eine „elliptische, puzzleartige Erzählweise, um für den Zuschauer, für die Dauer des Films, die Zeit anders erlebbar zu machen“ (Minuguchi).

Dieses Erzählen auf mehreren Zeitebenen, die man nicht unbedingt sofort eindeutig zuordnen kann, führt dazu, dass man in „Mein Ende. Dein Anfang.“ viel Zeit damit verbringt, die einzelnen Szenen in einen zeitlichen Verlauf und in eine Dramaturgie einzuordnen, in der jedes Ereignisse eine genau definierte Ursache hat.

Gleichzeitig sind die einzelnen Szenen willkürliche Teile einer größeren Geschichte, die als einzelne Szene, manchmal auch nur wegen des Zeitpunkts, an dem sie im Film gezeigt werden, nicht überzeugen. Auch das nach gut zwei Stunden entstandene Gesamtbild überzeugt nicht. Es regt nicht zum Nachdenken an. Im Gegensatz zu Denis Villeneuves grandioser Ted-Chiang-Verfilmung „Arrival“, die uns in die Welt des nichtlinearen Denkens einführte.

Dagegen ist „Mein Ende. Dein Anfang.“ nur ambitioniertes Kunstkino.

Mein Ende. Dein Anfang. (Deutschland 2019)

Regie: Mariko Minoguchi

Drehbuch: Mariko Minoguchi

mit Saskia Rosendahl, Edin Hasanovic, Julius Feldmeier, Emanuela von Frankenberg, Hanns Zischler, Jeanette Hain

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Moviepilot über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Rotten Tomatoes über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Wikipedia über „Mein Ende. Dein Anfang.“


TV-Tipp für den 1. Dezember: The Witch

Dezember 1, 2019

RTL 2, 22.25

The Witch (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers

Neuengland, 1630: Die sehr (aber)gläubischen puritanischen Siedler glauben, dass die pubertierende Thomasin eine Hexe ist. Und was verbirgt sich im Wald?

TV-Premiere. Der Horrorfilm ist das überzeugende Regiedebüt von Robert Eggers. Sein ebenfalls überzeugender neuer Horrorfilm „Der Leuchtturm“ läuft seit Donnerstag im Kino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ralph Ineson, Kate Dickie, Anya Taylor-Joy, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Lucas Dawson, Julian Richings, Wahab Chaudhry

Wiederholung: Montag, 2. Dezember, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Witch“

Metacritic über „The Witch“

Rotten Tomatoes über „The Witch“

Wikipedia über „The Witch“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „The Witch“ (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Eggers‘ „Der Leuchtturm“ (The Lighthouse, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Hustlers“ – Ex-Stripperinnen auf der Suche nach Geld

Dezember 1, 2019

Nach der Finanzkrise überlegen einige Stripperinnen, wie sie an Geld kommen können. Dabei erinnern sie sich an ihre alte Kundschaft, die spendierfreudigen Wall-Street-Banker, und an ihre Talente, die sie jetzt mit zunehmend geschärftem kriminellem Bewusstsein einsetzen.

Diese Art der Geldbeschaffung sorgt dann für andere Probleme, Ärger mit dem Gesetz und eine lange „New York Magazine“-Story, die jetzt von Lorene Scafaria nach ihrem Drehbuch, mit einem fast rein weiblichen Cast (u. a. Jennifer Lopez) und, immerhin spielt der Film in der Welt der Stripclubs, viel nackter Haut verfilmt wurde. Wobei der Anteil nackter Haut in Deutschland gerade so für eine FSK-12-Freigabe reichte. In den prüderen USA gab es ein R-Rating und ein gutes Einspielergebnis an der Kinokasse.

Den Rahmen des Films bildet ein Geständnis von Destiny (Constance Wu). Sie spricht direkt zu ihrer erst sehr spät im Film gezeigten Gesprächspartnerin. Ihr Blick ist in den Kinosaal gerichtet und damit werden wir Zuschauer zu Destinys Vertrauten und Verbündeten. Sie erzählt, wie sie zu einer Stripperin wurde. Sie braucht Geld für ihre bedürftige Großmutter und sich. Und als Stripperin scheint man sehr schnell sehr viel Geld zu verdienen. Sie wird von Ramona (Jennifer Lopez), der Königin des Clubs, unter die Fittiche genommen. Vor der Bankenkrise verdienen sie im Stripclub als glückliche Familie viel Geld.

Nach der Bankenkrise, als viele Wall-Street-Banker nicht mehr kommen und die, die doch noch kommen, sie mit 1-Dollar-Noten abspeisen, haben sie eine höchst illegale Idee um für den dringend nötigen Unterhalt zu sorgen. Denn sie sind nicht nur Stripperinnen, sondern auch Mütter, die ihre Kinder groß ziehen und ein fast schon bürgerliches Leben leben.

Scarafia zeichnet die Welt im Stripclub und die Stripperinnen als eine Frauengemeinschaft, in der die Stripperinnen sich nicht von anderen Frauen unterscheiden. Hinter der Bühne werden Gesundheits- und Schönheitstipps ausgetauscht und über die Kundschaft getratscht.

Das erinnert an Steven Soderberghs ungleich gelungeneres Drama „Magic Mike“ über die unbekannte Welt männlicher Stripper, ihre Träume und ihren Kampf ums Überleben. Bei ihm und Scarafia ist der Stripclub eine sehr offensichtliche Metapher für den US-amerikanischen Kapitalismus, bei dem sich alles um Geld dreht.

Es gibt allerdings einen gewaltigen Unterschied. Bei Soderbergh arbeiten die Stripper in einem ungewöhnlichen, gesellschaftlich nicht angesehenem Beruf, aber sie übertreten keine Gesetze.

Bei Scarafia werden die Stripperinnen zu Verbrecherinnen. Sie nehmen die reichen Wall-Street-Banker aus, die mit ihren Spekulationen das Geld von Millionen Amerikaner verbrannten und die sich durchgehend wie Arschlöcher verhalten. Zuerst indem sie sie mit Alkohol gefügig machen und sie dann überhöhte Rechnungen bezahlen lassen. Später indem sie mit Drogen nachhelfen und die Kreditkarten der Betäubten bis zum Limit ausschöpfen. Ihre Opfer zahlen und schweigen aus Scham darüber, von einer Gruppe Frauen ausgenommen worden zu sein.

Aber Ramona, Destiny und die anderen Stripperinnen tun es nicht als weibliche Robin Hoods. Sie wollen das Geld für sich haben. Sie wollen es für Luxusgüter ausgeben. Skrupel oder ein schlechtes Gewissen haben sie nicht. Letztendlich unterscheiden sich sich nicht von ihren Opfern. Entsprechend überschaubar bleibt dann die Sympathie für sie. Gleichzeitig fällt die Kritik am Kapitalismus, seinen Exzessen und seiner verlogenen Moral erstaunlich zahm aus.

So befriedigt „Hustlers“ am Ende, wie eine Stripshow, in der wohlproportionierte, junge, gutaussehende Frauen vor Geld werfenden Männern tanzen, vor allem Oberflächenreize.

Hustlers (Hustlers, USA 2019

Regie: Lorene Scafaria

Drehbuch: Lorene Scarafia

LV: Jessica Pressler: The Hustlers at Scores: The Ex-Strippers who stole from (mostly) rich men and gave, well, themselves (New York Magazine, 28. Dezember 2015)

mit Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles, Keke Palmer, Lili Reinhart, Mercedes Ruehl, Cardi B, Lizzo, Mette Towley, Wai Ching Ho, Marcy Richardson, Usher (Cameo)

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Hustlers“

Metacritic über „Hustlers“

Rotten Tomatoes über „Hustlers“

Wikipedia über „Hustlers“

Meine Besprechung von Lorene Scafarias „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ (Seeking a Friend for the End of the World, USA 2012)

Meine Besprechung von Lorene Scarafias „Mit besten Absichten“ (The Meddler, USA 2015)


TV-Tipp für den 30. November: The Score

November 29, 2019

Wenige Tage bevor Edward Nortons sehr freie Jonathan-Lethem-Verfilmung „Motherless Brooklyn“ (mit ihm in der Hauptrolle) bei uns am 12. Dezember anläuft, gibt es einen älteren Spielfilm mit ihm

RTL 2, 20.15

The Score (The Score, USA/Deutschland 200)

Regie: Frank Oz

Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)

Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.

Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper.

“The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.

Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles

Hinweise

Wikipedia über „The Score“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “The Score”

Metacritic über “The Score”

Cineclub unterhält sich mit Frank Oz über “The Score”


Neu im Kino/Filmkritik: „The good Liar – Das alte Böse“ ist quicklebendig

November 29, 2019

Schon in den ersten Minuten sät Bill Condon in „The good Liar – Das alte Böse“ die Saat des Zweifel. Betty McLeish (Helen Mirren) und Roy Courtnay (Ian McKellen) erstellen, jeder für sich, rauchend und Alkohol trinkend, bei einer Online-Agentur ein Dating-Profil. Selbstverständlich sagen sie da nicht immer die Wahrheit. Als sie sich kurz darauf in London in einem noblen Café zu ihrem ersten Date treffen, gestehen sie sich einige der getätigten Schwindeleien. Aber was verbergen McLeish und Courtnay noch? Bei Courtnay wissen wir schnell, dass er ein Berufsgauner ist, dessen Leben aus Trickbetrügereien besteht. Skrupel kennt er nicht. McLeish soll sein nächstes Opfer sein.

Ian McKellen spielt diesen ebenso skrupellosen, wie charmanten, langsam in die Jahre kommenden Trickbetrüger mit sichtlicher Freude. Courtnays einzige Sorge ist, dass er wieder ein Opfer aus einem früheren Betrug trifft und dieses Opfer sich von ihm nicht bequatschen lässt. Aber da gibt es zur Not die U-Bahn.

Was McLeish verbirgt, ist lange, sehr lange, unklar. Klar ist allerdings, dass McLeish nicht die vertrauensselige, leicht tütelige, begüterte alte Dame ist, als die sie auftritt. Das zeigt Helen Mirren mit kleinsten Gesten und minimal irritierenden Gesichtsausdrücken. Außerdem kennen wir sie seit „RED“ und „Fast & Furious“ als Dame, die ohne erkennbare Skrupel ihren Willen durchsetzt. Auch als Alma Reville in „Hitchcock“ hatte sie es faustdick hinter den Ohren. So eine Frau ist nicht das Opfer eines Heiratsschwindlers.

Dieses Duell zwischen Helen Mirren und Ian McKellen steht im Zentrum von „The good Liar – Das alte Böse“. Bill Condon inszenierte das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden alten Herrschaften als betuliches Schauspielerkino, das sich vor allem auf Mirren und McKellen blind verlassen kann und verlässt.

Ihr Spiel ist so unterhaltsam und Condons Regie so souverän unauffällig, dass man gerne über die unglaubwürdigeren Momente der Geschichte hinwegsieht. Diese häufen sich in der zweiten Hälfte, wenn wir mehr über Betty McLeish und ihre Vergangenheit erfahren.

Und, soviel kann verraten werden, es hat einen Grund, weshalb die Geschichte 2009 spielt.

The good Liar – Das alte Böse (The good Liar, USA 2019)

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Jeffrey Hatcher

LV: Nicholas Searle: The good Liar, 2016 (Das alte Böse)

mit Helen Mirren, Ian McKellen, Russell Tovey, Jim Carter, Mark Lewis Jones, Laurie Davidson, Phil Dunster, Lucian Msamati, Aleksandar Jovanovic

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The good Liar“

Metacritic über „The good Liar“

Rotten Tomatoe über „The good Liar“

Wikipedia über „The good Liar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Condons „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ (Inside Wikileaks, USA 2013)

Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Bill Condons „Die Schöne und das Biest“ (Beauty and the Beast, USA 2016)