Arte, 20.15 Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
LV: Scott Thorson, Alex Thorleifson: Behind the Candelabra, 1988
Grandioses, mit Preisen überschüttetes Biopic über den klavierspielenden, stockschwulen Las-Vegas-Entertainer Liberace, der jeden verklagte, der behauptete, er sei schwul.
Derzeit ist „Liberace“ immer noch Steven Soderberghs letzter Kinofilm, obwohl die HBO-Produktion in den USA nur im Fernsehen lief.
Soderbergh erzählt pointiert, mit einem scharfen Blick auf die damalige Bigotterie und die Schauwerte, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Männern, in der der ältere Mann den anderen verführt, ausnutzt und letztendlich verstößt. Es ist auch ein Blick auf die Schattenseiten des Showgeschäfts, in denen ein Star wie ein kleiner König herrschen kann. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Dan Akroyd, Debbie Reynolds
Die ersten Minuten sind wundervoll. Zuerst wird uns wunderschön animiert die Stadt Suburbicon vorgestellt. Es ist eine dieser typischen, aus dem Nichts entstandener Suburbs, in denen alles Fünfziger-Jahre-perfekt ist. Hier leben nette Menschen in einer blütenweißen Gegend zusammen und Verbrechen gibt es nicht. Suburbicon ist der wahrgewordene amerikanische Traum.
Dann sehen wir den Postboten bei seinem täglichen Rundgang, bei dem die Bewohner ihn freundlich grüßen und schon über die neuen Nachbarn tuscheln. Als er um die Ecke biegt und sie sieht, entgleiten ihm langsam die Gesichtszüge. Die neuen Nachbarn sind Afroamerikaner, wie man heute sagt. Damals waren sie „Schwarze“, „Negroes“ oder sie wurden einfach mit einigen Schimpfworten belegt.
Für die Bewohner von Suburbicon ist klar: hier ist jeder willkommen, aber nicht die neuen Nachbarn. Eine lautstarke Bürgerwehr gründet sich.
In diesem Moment wird diese Geschichte in George Clooneys neuem Film „Suburbicon“, nach einem Drehbuch von Clooney, Grant Heslov, Joel und Ethan Coen, zu einer Nebengeschichte, die man, wie ein Halloween-Kostüm im Schrank versteckt und nur alle zwölf Monate herausholt.
Stattdessen beginnt der Hauptplot, der nichts, aber auch wirklich nichts mit den neuen Nachbarn zu tun hat. Er trägt auch unübersehbar die Handschrift der Coen-Brüder. Sie schrieben schon vor Jahren das Drehbuch, das Clooney jetzt verfilmte. Clooney verlegte die von den Coens Mitte der achtziger Jahre geschriebene und spielende Geschichte in die fünfziger Jahre. Mit Grant Heslov schrieb er den Subplot über die Familie Meyers, die in der Hoffnung auf das versprochene Paradies nach Suburbicon zieht. Das reale Vorbild für sie war die Familie Myers, die 1957 als erste afroamerikanische Familie nach Levittown zog. Schnell schlossen sich die anderen Bewohner des weißen Vorortes zusammen, um die neuen Nachbarn zu vertreiben. Clooney und Heslov erfuhren von dieser Geschichte aus der zeitgenössischen Dokumentation „Crisis in Levittown“.
Während sich die Bürgerwehr vor dem Haus der Meyers versammelt, beginnt im Nachbarhaus der von den Coen-Brüdern geschriebene Hauptplot, der auf dem Papier allerbeste Coen-Schule ist. Es ist eine herrlich-groteske Noir-Geschichte, in der einige Trottel perfekte Pläne entwerfen und an der Tücke des Objekts scheitern. Am Ende stehen sie vor einem Berg von Problemen.
Es beginnt, fast harmlos, mit einem Einbruch mit Geiselnahme. Die Einbrecher töten dabei die durch einen Autounfall querschnittgelähmte Rose Lodge (Julianne Moore). Ihr Ehemann Gardner (Matt Damon), sein Sohn Nicky (Noah Jupe) und Roses Zwillingsschwester, Tante Margaret, müssen den Mord mitansehen.
Die Polizei geht von einem bedauerlichem Unfall aus. Aber spätestens als die Verbrecher Gardner in seinem Büro besuchen und er und Tante Margaret bei einer polizeilichen Gegenüberstellung behaupten, die Verbrecher nicht zu erkennen, ist klar, dass der Einbruch kein Zufall, sondern Teil eines perfekten Plans war. Ein Plan, der sich jetzt in Luft auflöst. Das ist zwar etwas vorhersehbar, aber vergnüglich, wenn der biedere Familienvater Gardner plötzlich mit Problemen kämpfen muss, von denen er noch nie gehört hat, zum Verbrecher wird und gleichzeitig ein Vorbild für seinen Sohn sein möchte. Falls er ihn nicht doch als unliebsamen Zeugen umbringen muss.
Und hätte Clooney es, wie in „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“, dabei belassen, wäre „Suburbicon“ eine schöne kleine Noir-Komödie mit satirischen Untertönen geworden. So ist sein neuer Film allerdings ein Werk, das über seine eigenen Ambitionen stolpert. Auch weil Haupt- und Nebengeschichte, bis auf einen schalen Witz am Ende, niemals miteinander verknüpft werden. Herrje, man hört im Haus der Lodges sogar niemals den Lärm des vor dem Nachbarhaus lärmenden Mobs.
Suburbicon (Suburbicon, USA 2017)
Regie: George Clooney
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov, Joel Coen, Ethan Coen
mit Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac, Noah Jupe, Glenn Fleshler, Alex Hassell, Gary Basaraba, Karimah Westbrook, Tony Espinosa, Leith Brooks, Jack Conley, Tony Espinosa
Die Bourne Identität (USA 2002, Regie: Doug Liman)
Drehbuch: Tony Gilroy, William Blake Herron
LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)
CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.
Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Aber das Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen nicht mehr.
Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins
Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.
Ein zukünftiger Western-Klassiker
mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper
No Country for Old Men (USA 2007, Regie: Ethan Coen, Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005
Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.
Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald
Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin
(Matt Damon – Departed, Andy Lau – Infernal Affairs; jetzt spielen sie in „The great Wall“ mit)
Pro7, 22.55
Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin
China im 12. Jahrhundert: Der Söldner William Garin (Matt Damon) und sein Freund Pero Tovar (Pedro Pascal) suchen das legendäre, in Europa damals noch unbekannte Schießpulver. Sie entdecken die Chinesische Mauer und den Namenlosen Orden (das ist doch einmal ein Name!), der sich auf einen großen Kampf vorbereitet. Alle sechzig Jahre greifen die Tao Tei aus den Jadebergen an. Die Bestien töten acht Tage lang Menschen, um sie für ihre Gier zu bestrafen.
Der nächste Angriff steht unmittelbar bevor und nach dieser kurzen Einführung folgt „The Great Wall“ den bekannten Mustern von Angriffen der Fremden/Invasoren/Monster/Indianer (soviel zu einer möglichen politischen Lesart des Films) und der Verteidigung der Festung bzw. hier, des Landes. In diesem Fall mit vielen einfallsreich und überraschend eingesetzten Waffen und todesmutigen Kriegern. Historisch faktengetreu ist diese amerikanisch-chinesische Produktion nicht. Sie spielt in einer Fantasy-Welt, in der es Monster gibt, die wie Filmmonster aussehen und wie eine wildgewordene Amseisenhorde angreifen.
Die Idee für den Film und der Hauptdarsteller kamen aus Hollywood, Regie, eigentlich alle anderen Schauspieler und die vielen, vielen bunt gekleideten Soldatendarsteller aus China. Die CGI-Macher arbeiteten, wie man aus dem sehr langen Abspann erfährt, rund um den Globus und sie hatten viel zu tun. Daran änderten auch die vielen Statisten nichts, die als Soldaten treppauf, treppab laufen und Pfeile, Speere, Öl und andere Dinge gegen die Tao Teis schleudern.
Die Regie übernahm Zhang Yimou, der vor fünfzehn Jahren „Hero“ inszenierte, und der für seinen ersten englischsprachigen Film anscheinend alles verlernte. „Hero“ ist ein hoch budgetiertes Prestigeprodukt, das damals Publikum und Kritik überzeugte. Zhang Yimous erster Martial-Arts-Film beeindruckt mit moralischen Ambivalenzen, tollen Kampfszenen und leinwandfüllenden Bildern, die man sich oft auch als Poster vorstellen kann.
In „The Great Wall“ gibt es dagegen nur die Eindeutigkeiten einer banalen Geschichte mit Dialogen zum Vergessen und Charakteren ohne jegliche Tiefe. Das gilt auch für Matt Damon, der hier in einer Mischung aus Langeweile und Desorientierung in die Kamera blickt, während auch auf seinen Schultern der Anspruch des Films ruht, gleichzeitig das westliche und das chinesische Publikum zu begeistern.
Auch optisch ist „The Great Wall“ eine große Enttäuschung. In „Hero“ bleiben, auch nachdem man die Geschichte vergessen hat, die Bilder und einzelne Sequenzen im Gedächtnis. Auch für „The Great Wall“ wurde ein gigantischer Aufwand betrieben. Offiziell kostete der Film 150 Millionen Dollar, was ihn zum bislang teuersten chinesischen Film macht. Armeen von Statisten wurden engagiert und 13140 Kostüme für sie geschneidert. Sie wurden durch CGI-Soldaten ergänzt. Es wurde unter anderem in Huangdao, am Ufer des Gelben Meeres, und im Zhangye-Danxia-Geopark gedreht. Es wurde ein 152 Meter langes, zwölf Meter hohes Mauer-Set aufgebaut; als Teil eines der größten Green-Screen-Sets im Außenbereich, die es bislang für einen Spielfilm gab.
Aber anstatt diesen Aufwand bildgewaltig auf der Leinwand zu präsentieren, geht in „The Great Wall“ alles in einem hektischem IMAX-3D-Schnittgewitter unter, das von einem gleichbleibend lautem, von „Game of Thrones“-Komponist Ramin Djawadi geschriebenem Soundtrack aus der bombastischen Hans-Zimmer-Schule begleitet wird, die aus allen IMAX-Boxen dröhnt.
„The Great Wall“ ist ein durch und durch durchschnittliches Werk bei dem alle Beteiligten gerade so Dienst-nach-Vorschrift leisten. Da beeindruckt nichts; – was angesichts der Beteiligten dann wiederum beeindruckend ist.
In einigen Jahren wird der Abenteuerfilm sicher regelmäßig an Sonntagnachmittagen im Fernsehen laufen und zwölfjährigen Jungs, die sich über die nicht vorhandene Liebesgeschichte freuen werden, gefallen.
The Great Wall(The Great Wall, China/USA 2017)
Regie: Zhang Yimou
Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy (nach einer Geschichte von Max Brooks, Edward Zwick und Marshall Herskovitz)
mit Matt Damon, Pedro Pascal, Tian Jing, Willem Dafoe, Andy Lau, Numan Acar, Johnny Cicco
Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.
mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han
Wenn „Jason Bourne“ meine erste Begegnung mit Jason Bourne wäre, wäre ich begeistert.
Aber es ist die vierte. Und dann gab es noch „Das Bourne Vermächtnis“ mit Jeremy Renner als Bourne-Ersatz Aaron Cross.
Jetzt sind Matt Damon, der den CIA-Killer ohne Gedächtnis dreimal spielte, und Paul Greengrass, der Damon zweimal als Bourne inszenierte, zurück in der Welt von Jason Bourne. Fast zehn Jahre nach dem dritten Bourne-Film „Das Bourne Ultimatum“ kehren sie zu dem Agenten, der von seinem ehemaligen Arbeitgeber gejagt wird, zurück und letztendlich erzählen sie die gleiche Geschichte noch einmal. Mit viel Action, wenigen Dialogen, pulsierender Musik, nahtlosen Schnitten und einer Wackelkamera, die damals das Genre hin zu einem quasi-dokumentarischen Stil revolutionierte und eben für diese jede Filmschul-Regel missachtende Kameraarbeit kritisiert wurde. Das ändert nichts daran, dass Greengrass ein Meister dieses oft kopierten, in dieser Perfektion und Eleganz fast nie erreichten Stils ist.
In ihrem neuesten Film „Jason Bourne“ ist alles wie vor zehn Jahren und wenn „Jason Bourne“ 2009 (oder so) in die Kinos gekommen wäre, wäre er sicher als okaye bis grandiose Fortsetzung durchgegangen. Aber nach einer gut zehnjährigen Pause ist „Jason Bourne“ einfach nur eine Wiederholung des allseits bekannten, mit ein, zwei im Nichts verlaufenden Anpassungen an den Zeitgeist, die in der Post-Snowden-Zeit altbacken sind.
Anscheinend verbrachte Jason Bourne die letzten zwölf Jahre („Das Bourne Ultimatum“ spielt 2004) mit der Teilnahme an Undergrund-Faustkämpfen. Seine Gegner schlägt er umstandslos K. O..
In Athen trifft er Nicky Parsons (Julia Stiles). Sie hat aus dem CIA-Computer Daten über Geheimprojekte geklaut. Eines ist Treadstone, das CIA-Projekt, an dem Bourne teilnahm. Eines ist Iron Hand, ein brandneues, noch größeres, bedrohlicheres und geheimeres Projekt als Treadstone. In diesem Projekt geht es um eine Hintertür in einem populärem Computerprogramm (irgendetwas zwischen ganz vielen Apps, die miteinander verknüpft werden, und Facebook), das aber nur die Funktion eines MacGuffins hat und dazu dient, alle wichtigen Figuren nach Las Vegas zu bringen zu dem internationalen EXOCON-Kongress, auf dem sich Hacker, Überwachungs- und Cyber-Security-Industrie treffen.
Dabei beginnen die Probleme für Jason Bourne schon in Athen. Kaum hat er Nicky getroffen, will die CIA ihn schon umbringen. Dieses Mal wird die CIA von CIA-Chef Robert Dewey (Tommy Lee Jones) und der jungen, ehrgeizigen Computeranalystin Heather Lee (Alicia Vikander) verkörpert. Der eiskalte CIA-Killer Asset (Vincent Cassel) (Asset? Als CIA-Tarnname? Wirklich? Wie soll ich das übersetzen? Aktivposten? Spion?) soll Bourne und Nicky töten. In dem Getümmel zwischen Demonstranten und Polizisten kann er nur Nicky erschießen. Bourne kann am Ende dieser atemberaubenden Actionszene mit dem USB-Stick mit den Daten über die CIA-Geheimprojekte flüchten. Zuerst nach Berlin. Dann nach London und nach Las Vegas. Asset verfolgt ihn, Leichen stapeln sich (in London eine Handvoll Toter). Jede Plausibilität geht in einem Meer von Action unter. Denn das Chaos, das Asset und der CIA bei der Verfolgung von Jason Bourne anrichten, ist unglaublich. Jedenfalls wenn man unauffällig operieren möchte.
Bei dieser Hatz um den halben Globus erfährt Bourne, wie sein Vater in Treadstone involviert war und warum er sterben musste.
Und Heather Lee glaubt, nachdem sie ein psychologisches Gutachten über Bourne gelesen hat, dass Bourne eigentlich wieder zurück in den Schoß der CIA will. Das ist, immerhin ist Jason Bourne kein Jack Bauer, ein psychologisch durchgehend unplausibler Handlungsstrang. Denn warum sollte Bourne wieder zu dem Unternehmen zurückkehren, das ihn unter allen Umständen töten will?
„Jason Bourne“ ist ein einziges Déjà Vu, das bei den bekannten Teilen oft langweilt (weil wir das alles in den vorherigen Bourne-Filmen schon besser und glaubwürdiger gesehen haben), bei den Aktualisierungen, wie dem neuen CIA-Projekt, hinter der Wirklichkeit zurückbleibt und in diesen Momenten politisch naiv von einem Geheimprojekt redet, während die CIA und die NSA aus ihrer Gier nach unseren Daten keinen Hehl machen. Das gilt, ihr müsst nur eine aktuelle Tageszeitung aufschlagen, auch für Sicherheitspolitiker und Geheimdienstchefs aus anderen Ländern. In der Post-Snowden-Ära sind diese Fakten über die globale Geheimdienstüberwachung in großen Teilen bekannt. Die Zusammenarbeit zwischen Firmen und Geheimdiensten auf mehr oder weniger gesetzlicher Grundlage ist auch bekannt. Die Sicherheitspolitiker und -behörden äußern offen ihre Überwachungswünsche und der Kampf dagegen wird ebenfalls in der Öffentlichkeit ausgetragen.
Aber diese Aktualisierung ist nur ein Seitenstrang in Jason Bournes mehr oder weniger stringent betriebener Suche nach dem Mörder seines Vaters, der – Überraschung! – in der CIA sitzt. Sowieso wird die CIA hier endgültig zu einer Organisation, die vor allem mit sich selbst beschäftigt ist (nicht unwahrscheinlich) und vor allem eigene Mitarbeiter tötet. Das ist dann in der Häufung von inzwischen fünf Filmen, die im Bourne-Universum spielen, doch arg unglaubwürdig.
Das gilt auch für die Action, die nach dem atemberaubenden Auftakt in Griechenland, eine gewisse Routine nicht verleugnen kann und sich im Lauf des Films zunehmend in überbordende Kollateralschäden flüchtet. Schon in London werden am helllichten Tag innerhalb weniger Minuten in einem Gebäudekomplex eine Handvoll Menschen, die wahrscheinlich alle einen US-Pass und teils wichtige Jobs hatten, ermordet – und niemand soll sich dafür interessieren? In Las Vegas wird das, als Teil eines längeren Action-Set-Pieces, mit einer Dutzende Autos und Gebäude zerstörender Autoverfolgungsjagd auf einer Hauptstraße überboten. Da wandelt Jason Bourne durchaus spektakulär auf den Spuren von James Bond. Aber was in der James-Bond-Welt in Ordnung ist, funktioniert in der Jason-Bourne-Welt, in der der Held und seine Gegner sich möglichst unauffällig durch die Welt bewegen, nicht.
Diese Rückkehr von Paul Greengrass und Matt Damon in die Welt von Jason Bourne ist – zugegeben – unterhaltsam, rasant und durchaus überraschend inszeniert; wenn man die anderen Bourne-Filme nicht kennt. Aber sie fügt den vorherigen Filmen nichts wesentliches bei und als Zeitdiagnose wirkt er schon heute hoffnungslos veraltet.
Jason Bourne (Jason Bourne, USA 2016)
Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Paul Greengrass, Christopher Rouse (nach Charakteren von Robert Ludlum)
mit Matt Damon, Alicia Vikander, Tommy Lee Jones, Riz Ahmed, Vincent Cassel, Ato Essandoh, Bill Camp, Julia Stiles, Stephan Kunken, Gregg Henry
Jason Bourne trat erstmals 1980 in dem Roman „Die Bourne-Identität“ von Robert Ludlum auf. Er schrieb zu Lebzeiten noch zwei weitere Romane mit Jason Bourne, der bei ihm ein Vietnam-Veteran war. Für die Filme mit Matt Damon als Jason Bourne wurde das geändert. Neben vielen anderen Details.
Seit 2004 schrieb Eric Van Lustbader zehn weitere Jason-Bourne-Romane, die, auch wenn auf dem aktuellen Buchcover Jason Bourne Matt Damon ähnelt, unabhängig von den Filmen sind.
Mit „Die Bourne-Herrschaft“ ist jetzt sein neunter Bourne-Roman auf Deutsch erschienen. In dem Thriller wird Jason Bourne, der als Doppelgänger eines syrischen Ministers bei einem Gipfeltreffen teilnahm, von dem Terroristen El Ghadan enttarnt und erpresst, den Präsidenten der USA innerhalb der nächsten sieben Tage umzubringen. Wenn Bourne das nicht gelingt, wird El Ghadan Bournes Freundin und deren kleine Tochter töten.
Klingt nach einem Pageturner für die nächste lange Zugfahrt oder den Strandkorb.
–
Eric Van Lustbader/Robert Ludlum: Die Bourne-Herrschaft
Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.
„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.
Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.
Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert de Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.
Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro
Vox, 20.15 Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
LV: Scott Thorson, Alex Thorleifson: Behind the Candelabra, 1988
Grandioses, mit Preisen überschüttetes Biopic über den klavierspielenden, stockschwulen Las-Vegas-Entertainer Liberace, der jeden verklagte, der behauptete, er sei schwul.
Derzeit ist „Liberace“ immer noch Steven Soderberghs letzter Kinofilm, obwohl die HBO-Produktion in den USA nur im Fernsehen lief.
Soderbergh erzählt pointiert, mit einem scharfen Blick auf die damalige Bigotterie und die Schauwerte, die Liebesgeschichte zwischen den beiden Männern, in der der ältere Mann den anderen verführt, ausnutzt und letztendlich verstößt. Es ist auch ein Blick auf die Schattenseiten des Showgeschäfts, in denen ein Star wie ein kleiner König herrschen kann. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Dan Akroyd, Debbie Reynolds Wiederholung: Freitag, 4. März, 01.00 Uhr (Taggenau!)
RTL II, 22.35 Green Zone(USA 2010, Regie: Paul Greengrass)
Drehbuch: Brian Helgeland
LV: Rajiv Chandrasekaran: Imperial Life In The Emerald City, 2006
Bagdad, April 2003: Nach der Invasion suchen US-Offizier Roy Miller und sein Team die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein, die ja damals der offizielle Kriegsgrund waren.
Gelungener Mix aus Polit-Thriller und Kriegsfilm von Paul Greengrass und Matt Damon, die auch für die „Bourne“-Filme verantwortlich sind.
mit Matt Damon, Jason Isaacs, Amy Ryan, Greg Kinnear, Brendan Gleeson Hinweise Rotten Tomatoes über „Green Zone“
Wikipedia über „Green Zone“ (deutsch, englisch)
Weil am Donnerstag „Black Mass“ über Whitey Bulger anlief, empfehle ich heute den anderen und besseren Film über Whitey Bulger (auch wenn Frank Costello nur inspiriert von Bulger ist).
Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin
Pünktlich zum Filmstart von „Black Mass“ erschien das von den „Boston Globe“-Journalisten geschriebene und mit dem Edgar ausgezeichnete Sachbuch „Black Mass“, das als Vorlage für den Film diente. Das Buch ist eine ungemein spannende Lektüre, die einem viel von der US-Kriminalitätsgeschichte erzählt.
– Dick Lehr/Gerard O’Neill: Black Mass – Der Pate von Boston (übersetzt von Joachim Körber) Goldmann, 2015 512 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
Black Mass: Whitey Bulger, the FBI, and a Devil’s Deal
PublicAffairs, 2000
Nachdem die letzten Filme von Ridley Scott aus verschiedenen Gründen nicht überzeugten, obwohl „The Counselor“ einige fanatische Fans hat, kehrt Ridley Scott mit „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ wieder in die Welt zurück, die ihm seine größten Erfolge bescherte: den Weltraum. Dieses Mal mit einem Science-Fiction-Film, der die Betonung auf „Science“ legt.
In naher Zukunft wird die bemannte Mission „Ares III“ auf den Mars geschickt. Am achtzehnten Tag der Mission gibt es einen Sturm (das ist der Fiction-Part des Films). Die sechs Astronauten verlassen Hals über Kopf den Planeten. Mark Watney (Matt Damon) wird dabei verletzt und, weil Captain Melissa Lewis (Jessica Chastain) von ihm keine Lebenszeichen mehr erhält, lässt sie Watneys Leiche zurück.
Aber er ist nicht tot.
Er kehrt in das Habitat zurück und macht dann das, was jeder gute Amerikaner tut: er kämpft. Er rationiert seine Lebensmittel, er beginnt Kartoffeln anzubauen (was gar nicht so einfach ist, aber Watney ist ein Botaniker) und er nimmt Kontakt zur NASA auf. Was auch nicht so einfach ist. Denn es gibt keine Funkverbindung.
„Der Marsianer“ basiert auf dem Überraschungserfolg von Andy Weir. Er veröffentlichte den faktenversessenen Science-Fiction-Roman, vor einer steigenden Leserschar, zuerst als Fortsetzungsroman im Internet. Dann bei Amazon als E-Book und, weil es sich phänomenal verkaufte, bei dem großen Verlag Crown Publishing als gedrucktes Buch. Hollywood kaufte, wie wahrscheinlich bei jedem Bestseller, die Verfilmungsrechte und, über einige im Filmgeschäft normale Umwege, gelangte das Drehbuch in die Hände von Ridley Scott, dem Regisseur von „Alien“ und „Blade Runner“, der mit „Der Marsianer“ eine klassische Abenteuergeschichte erzählt. Robinson Crusoe auf dem Mars, nur ohne Affen und Außerirdische, aber dafür mit vielen Fakten.
Neben Watneys Kampf gegen den lebensfeindlichen Planeten gibt es zwei weitere Erzählstränge. Der eine spielt auf der Erde und erzählt wie die NASA, nachdem sie erfahren hat, dass Watney noch lebt, versucht, ihn zu retten, was angesichts der riesigen Entfernungen und der Zeit, die eine Rettungsmission benötigt, ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen ist. Der andere spielt im Raumschiff und erzählt, wie Lewis und die anderen Astronauten reagieren, als sie erfahren, dass ihr Kamerad Watney noch lebt. Dieser Erzählstrang wird allerdings lange vernachlässigt und er wirkt, weil wir nur erfahren, was Astronauten während des langen Flugs in ihrem Schiff machen, über weite Strecken etwas forciert.
Mit 144 Minuten ist „Der Marsianer“ auch zu lang geraten. Immerhin hat die Geschichte, trotz der zahlreichen Hindernisse, die der zupackende und grundoptimistischen Watney überwinden muss, keine großen Überraschungen oder Wendungen. Scott hätte die Geschichte problemlos in zwei Stunden erzählen können. Trotzdem plant er, wie auch bei einigen seiner anderen Filme, für die DVD-Auswertung eine um zwanzig Minuten längere Fassung.
Das gesagt ist „Der Marsianer“ einer der gelungensten und schönsten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre. Das liegt an den nur sparsam eingesetzten Spezialeffekte, der glaubwürdigen Geschichte und dem sorgfältigen Umgang mit Fakten. Im Gegensatz zu Christopher Nolans „Interstellar“, der letztes Jahr ja mit seiner Faktentreue hausieren ging und am Ende nur eine verquere Familienzusammenführung aus dem Reich der Phantasie erzählte, bleibt Ridley Scott bis zum Ende bei den Fakten. Die sind ja auch dramatisch genug.
In „Das Science Fiction Jahr 2015“, herausgegeben von Hannes Riffel (neu dabei) und Sascha Mamczak (schon länger dabei), erstmals im Golkonda Verlag (nachdem es fast dreißig Jahre bei Heyne erschien), ohne große Veränderungen – und, ja, die Tage, wenn ich mehrere Texte gelesen habe, gibt es eine ausführliche Besprechung –, aber schon jetzt will ich auf einen lesenswerten Text hinweisen.
In dem Sammelband ist ein 13-seitiges, interessantes Interview mit Andy Weir, dem Autor von „Der Marsianer“ über seinen Roman und alles, was damit zusammen hängt. Also wie er recherchierte, wie er sein Debüt schrieb, was er von Marsmissionen hält, wie sie möglich sind und welche Herausforderungen und Gefahren es gibt, wer seine schriftstellerischen Vorbilder sind, wer sein Lieblings-Doctor-Who ist und wie er in die Verfilmung involviert war.
Lesenswert!
– Hannes Riffel/Sascha Mamczak (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2015 Golkonda, 2015 648 Seiten
29,90 Euro
– Nachtrag 2 (10. Oktober 2015)
Eigentlich wollte ich den für den John W Campbell Memorial Award nominierten Roman ja vor dem Filmstart lesen, aber er ist eben erst bei mir eingetroffen und der dringliche Hauptlesegrund hat sich ja am Donnerstag erledigt.
Für den Filmstart hat Heyne dem Bestseller eine Filmausgabe spendiert, die sich nur durch das Cover von der vorherigen Ausgabe unterscheidet.
– Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney (übersetzt von Jürgen Langowski) Heyne, 2015 512 Seiten
999 Euro
– Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2014
– Originalausgabe
The Martian
2011 (online)
(gedruckt 2014 bei Crown und Del Rey)
–
Nachtrag 3 (15. Oktober 2015)
DP/30 unterhält sich mit Ridley Scott über „Der Marsianer“ und den ganzen Rest
Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.
Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn
LV: Philip K. Dick: Adjustment Team, 1954 (Kurzgeschichte)
Politiker David Norris verliebt sich in die Tänzerin Elise. Da tauchen einige seltsame Männer bei ihm auf, die behaupten, von einem Planungsbüro zu kommen und Norris’ Leben nachzujustieren. Denn nach dem Plan gibt es zwischen David und Elise keine Liebesgeschichte.
Bei Kritik und Publikum ziemlich gut angekommenes Spielfilmdebüt von George Nolfi, dem Drehbuchautor von „Das Bourne Ultimatum“, „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ und „Ocean’s Twelve“, über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.
„Der Plan“ reiht sich mit seiner guten Story, den guten Schauspielern, der gelungenen Inszenierung und den gelungenen Tricks (es gibt wenige Tricks und die fügen sich organisch in die Geschichte ein) in die Reihe der gelungenen Philip-K.-Dick-Verfilmungen ein.
mit Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp
Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 01.05 Uhr (Taggenau!)
Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese „The Wolf of Wall Street“.
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin
Wiederholung: Freitag, 24. April, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.
Ein zukünftiger Western-Klassiker
mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper
Nur die Sonne war Zeuge (Frankreich/Italien 1960, Regie: René Clément)
Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?
Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.
Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.
Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.
Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Paricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Mit Matt Damon, Gwynieth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett
Mit „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ kehrt Terry Gilliam, dessen künstlerischer Output in den letzten Jahren, abgesehen von der „Monty Python“-Reunion, nicht besonders erfolgreich war, wieder zurück in die Welt seiner Zukunftsdystopien. „Brazil“ und „12 Monkeys“ sind inzwischen Klassiker und sein neuester Film kann als Abschluss einer Trilogie gesehen werden, weil derzeit Trilogien in Mode sind. Wobei „The Zero Theorem“ dann der erschreckend schwache Abschluss wäre.
Im Mittelpunkt des Films steht Qohen Leth (Christoph Waltz), ein Computergenie mit einer gestörten Beziehung zu seiner Umwelt. Er lebt in einer verlassenen und verfallenden Kirche. Einem Ort der Ruhe in der chaotischen Welt. Wenn er vor die Tür geht, bricht der Alltag, der Lärm, der Schmutz, das Chaos und die nimmermüden quietschbunten Werbeschleifen auf ihn herein. Das ist die Welt von „Blade Runner“ (ohne Regen) und „Minority Report“, abgeschmeckt mit etwas Steampunk, gedrängt auf fünf Metern.
Auch Leths Arbeitsplatz entspringt der grotesken Welt von „Brazil“ und „12 Monkeys“: strampelnd und mit einer Computerspielkonsole in der Hand muss Leth hektisch irgendeine Aufgabe für den Megacomputer ManCom erledigen, die anscheinend nur einen Sinn hat: ihn zu beschäftigen. Kein Wunder, dass Leth viel lieber in seiner Wohnung arbeiten würde. Auch weil er nur dort einen ganz besonderen Anruf erhalten kann, auf den er schon seit Jahrzehnten wartet.
Nach einem absurden Gespräch mit drei Doktoren und einem Treffen mit Management, dem plötzlich auftauchendem, ebenso schnell verschwindendem Chef des Unternehmens, wird ihm dieser Wunsch erfüllt. Leth soll in seiner Kirche das titelgebende „Zero Theorem“ lösen. Was das genau ist und warum die Lösung so unglaublich wichtig ist, erfahren wir nicht, aber Leth widmet sich der Aufgabe mit nimmermüder Begeisterung.
Und schnell wirkt „The Zero Theorem“ wie eine leere Übung in technischer Brillanz. Die Ausstattung hat diesen Steampunk-Retro-Touch, der gefällt. Der überbordende Ideenreichtum und die Visualisierungen sind, wie auch in Terry Gilliams anderen Filmen, interessant. So wird die Suche nach dem Zero Theorem in einem riesigen Computerspiel gezeigt, in dem Leth Klötzchen an einen bestimmten Ort bewegen muss. Das zeigt in wenigen Bildern, wie schwierig die Aufgabe ist. Nur, weil wir nicht wissen, was das soll, entsteht der Effekt, dass Leth von seiner Aufgabe vollkommen in Anspruch genommen wird, sich über schlechte Ergebnisse aufregt und gleich noch einmal versucht, diese Aufgabe zu lösen, während wir nur einen Menschen sehen, der eine für uns vollkommen sinnlose Aufgabe erledigen soll. Das ist dann ungefähr so spannend, wie ein Spiel zu beobachten, dessen Regeln man nicht kennt und sie auch nie versteht. Spätestens zur Filmmitte mächte man dem manisch an seinem Computer herumhantierendem Leth zurufen: „Get a life!“.
Doch Leth hämmert weiter auf den Tasten herum und Terry Gilliams neuer Film, der auch fast ausschließlich in Leths Wohnung spielt, langweilt dann auch entsprechend schnell. Denn weder Leth noch die anderen Charaktere, die eigentlich alle nur Karikaturen und Metaphern sind, interessieren wirklich und besonders facettenreich sind sie auch nicht. So wirkt „The Zero Theorem“ am Ende wie eine Skizze, ein zu lang geratener Kurzfilm, bei dem viel Talent verschleudert wird.