TV-Tipp für den 15. Januar: Smog

Januar 14, 2023

Tagesschau 24, 20.15

Smog (Deutschland 1972)

Regie: Wolfgang Petersen

Drehbuch: Wolfgang Menge

Nah an der damaligen Realität entlang inszeniertes TV-Dokudrama über eine Inversionswetterlage, die im Ruhrgebiet zu dem titelgebendem Smog führt. Wolfgang Petersen und Wolfgang Menge schildern eindrucksvoll die Auswirkungen des Smogs auf die dort lebenden Menschen und was die Regierung dagegen tut. Damals war der Film ein veritabler Skandal und Tagesgespräch. Heute ist er immer noch sehenswert.

‚Smog‘ ist sicher eine der besten Produktionen der deutschen Fernsehgeschichte.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films, 1983)

mit Wolfgang Grönebaum, Marie-Luise Marjan, Heinz Schacht, Hans Schulze, Doris Gallart

Wiederholung: Montag, 16. Januar, 01.22 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Smog“

Meine Besprechung von Wolfgang Petersens „Die Konsequenz“ (Deutschland 1977)


TV-Tipp für den 14. Januar: Ein einfacher Plan

Januar 13, 2023

RTL Zwei, 20.15

Ein einfacher Plan (A simple plan, USA 1998)

Regie: Sam Raimi

Drehbuch: Scott B. Smith

LV: Scott B. Smith: A simple plan, 1993 (Ein ganz einfacher Plan, Ein einfacher Plan)

Im verschneiten Minnesota finden drei Freunde in einem abgestürzten Flugzeug einen Koffer mit vier Millionen Dollar. Sie wollen das Geld behalten, aber Eifersucht, Paranoia und Dummheit führen zu einem anderen Ergebnis.

Temporeiche, schwarze Komödie, die natürlich an „Fargo“ erinnert, aber über eigene Qualitäten verfügt und von Raimi erstaunlich unblutig und psychologisch glaubwürdig inszeniert wurde. Denn damals war Raimi in erster Linie als der „Tanz der Teufel“-Macher bekannt, heute ist er selbstverständlich der Mann, der Spiderman inszenierte.

Mit Bill Paxton, Bridget Fonda, Billy Bob Thornton, Jack Walsh

Wiederholung: Sonntag, 15. Januar, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein einfacher Plan“

Wikipedia über „Ein einfacher Plan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Smiths „Dickicht“ (The Ruins, 2006)

Meine Besprechung von Sam Raimis „Armee der Finsternis (Tanz der Teufel III)“ (Army of Darkness – Evil Dead 3, USA 1992)

Meine Besprechung von Sam Raimis „Die fantastische Welt von Oz“ (Oz, the Great and Powerful, USA 2013)

Meine Besprechung von Sam Raimis „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ (Doctor Strange in the Multiverse of Madness, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Polizeibericht: Mord „In der Nacht des 12.“

Januar 13, 2023

Dominik Moll („Lemming“, „Die Verschwundene“) beginnt seinen neuen Film mit einer Warnung, die ich noch verschärfen möchte. Moll sagt, er schildere in „In der Nacht des 12.“ einen Mordfall, den die Polizei nicht aufklärt. Er verschweigt allerdings, was mich nicht besonders störte, dass auch wir Zuschauer am Ende den Täter nicht kennen. Damit ähnelt sein Kriminalfilm David Finchers „Zodiac“. Fincher erzählt die wahre und vor allem in den USA allgemein bekannte Geschichte der Jagd nach dem Zodiac-Killer, die nie zu einer Verhaftung führte.

Molls Film beginnt am 12. Oktober 2016. In der Nacht wird in Saint-Jean-de-Maurienne eine junge Frau auf dem Heimweg von einer Feier mit Benzin übergossen und angesteckt. Yohan und sein Team werden von Grenoble in den Ort in den französischen Alpen geschickt. Sie sollen den Fall lösen.

Moll schildert in seinem spannendem Polizeifilm peinlich genau die Ermittlungen ablaufen. Die Befragungen der Eltern, Freundinnen und der vielen Männern, mit denen die Ermordete befreundet war (und Sex hatte), die daraus entstehenden Verdachtsmomente, die Gespräche der Ermittler untereinander über den Fall und, immer wieder, das Erstellen der Protokolle stehen im Mittelpunkt des Films. Es ist unglamouröse Routine. Dazu gehört auch der tägliche Kampf mit Budgetbeschränkungen und streikenden Kopierern. Einige, wenige Einblicke in das Privatleben der Polizisten und wie sie mit dem Fall versuchen umzugehen, runden das Bild ab. Aber weitgehend bleibt Moll bei der nüchternen Schilderung der Ermittlungen – und wir Zuschauer fragen uns selbstverständlich von der ersten Minute an, wer der Täter sein könnte und, noch mehr, wo die Polizei Fehler machte, die eine Aufklärung verhindern.

In der Nacht des 12.“ ist ein gerade wegen seiner Herangehensweise spannender und ungewöhnlicher Krimi. Die Spannung entsteht aus dem präzisen und nüchternen Einblick in die alltägliche Polizeiarbeit.

In der Nacht des 12. (La nuit du 12, Frankreich/Belgien 2022)

Regie: Dominik Moll

Drehbuch Gilles Marchand, Dominik Moll

LV: Pauline Guéna: 18.3: Une année à la PJ, 2021 (Sachbuch; eigentlich keine Verfilmung, sondern eher „lose inspiriert von einem in der Reportage geschildertem Mord“)

mit Bastien Bouillon, Bouli Lanners, Pauline Serieys, Théo Cholbi, Johann Dionnet, Thibaut Evrard, Anouk Grinberg

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „In der Nacht des 12.“

Moviepilot über „In der Nacht des 12.“

Rotten Tomaotes über „In der Nacht des 12.“

Wikipedia über „In der Nacht des 12.“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Dominik Molls „Die Verschwundene“ (Seules les bêtes, Frankreich/Deutschland 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Ziemlich beste Freundin „M3GAN“

Januar 13, 2023

Bei einem Autounfall sterben die Eltern der zehnjährigen Cady. Danach wird Gemma Cadys Vormund. Gemma hat wenig bis keine Ahnung von Kindern. Sie ist Single und hat auch kein Interesse an einem Partner. Viel lieber versinkt sie in ihrer Arbeit. Bei dem Spielzeugkonzern Funki’s Purrpetual Pet’s arbeitet sie als Robotik-Expertin. Entsprechend wenig Zeit und Nerven hat sie für ihre Nichte, die sie nur aus Pflichtgefühl bei sich aufnimmt. Schließlich starb ihre Schwester bei dem Unfall und jetzt ist sie Cadys nächste Verwandte.

Um ihren Erziehungspflichten nachzukommen und weil die ersten gemeinsam verbrachten Tage katastrophal verliefen, programmiert Gemma einen Hightech-Roboter, der wie eine Puppe aussieht, als beste Freundin von Cady. M3GAN, so ihr Produktname, wird auch schnell die beste Freundin von Cady. Und, entsprechend ihrer Programmierung, beschützt sie Cady gegen Bedrohungen. Das kann in der Vorstadtsiedlung, in der sie wohnen, die biestige Nachbarin und ihr kläffender Hund sein. Das kann bei einer Freizeit mit gleichaltriger Rüpel sein.

Die Idee für „M3GAN“ entstand, als James Wan, dem wir auch die „Insidious“- und „Conjuring“-Filme verdanken, sich mit einigen Kollegen unterhielt und sie bemerkten, dass es mehr Filme mit Killerpuppen geben sollte. So seien die Puppen in Wans bisherigen Filmen immer von Dämonen bessessen gewesen und hätten nicht aus eigenem Antrieb getötet. Dieses Gespräch führte letztendlich zu einer Story-Idee von James Wan und Akela Cooper und einem Drehbuch von Akela Cooper. Zu ihren Arbeiten gehören „Malignant“ (von Wan inszeniert) und „The Nun 2“ (von Wan produziert; soll im September 2023 anlaufen). Gerard Johnstone („Housebound“) wurde als Regisseur für diesen gradlinigen SF-Horrorthriller engagiert.

Die Story ist gut konstruiert, aber auch vorhersehbar. Denn dass M3GAN zur tödlichen Bedrohung für ihr Umfeld wird, überrascht niemand. Auch wenn es ziemlich lang dauert, bis die Killerpuppe zum ersten Mal eine Bedrohung für Cady eliminiert. Das geschieht eher unblutig. Der Grund dafür ist nicht die alte Filmweisheit, dass kein Regisseur die Vorstellungskraft seines Publikums unterschätzen sollte, sondern das in den USA angestrebte und erhaltene PG-13-Rating.

Als schwarzhumoriger Shocker mit zu vorhersehbarem Ende und milden satirischen Spitzen gegen multinationale Konzerne ist „M3GAN“ gelungen. Dafür ist Komiker Ronny Chieng („The Daily Show“), der den Firmenchef von Funkis spielt, zuständig. Auch M3GAN, gespielt von Amie Donald und im Original gesprochen von Jenna Davis, verbreitet als sich teils ungelenk, teils der Schwerkraft trotzend bewegt und mit unbewegtem Gesicht teils altklug, teils bedrohlich spricht, sorgt für etwas Komik. Schließlich ist sie eine unberechenbare Mischung aus Kinderpuppe, bester Freundin, Gouvernante und Killermaschine.

Allerdings machen Gerard Johnstone und Akela Cooper erstaunlich wenig aus der Geschichte.

Denn „M3GAN“ hätte mühelos auch eine Satire auf das US-Vorstadtleben und eine Abhandlung über die Gefahren von Künstliche Intelligenz werden können. Die Macher begnügen sich mit einem gradlinigem Horrorfilm, in dem eine KI ihre Programmierung zu umfassend interpretiert.

In den USA, wo „M3GAN“ vor einer Woche startete, spielte der Film über 30 Millionen US-Dollar ein, eroberte den zweiten Platz der Kinocharts (hinter diesem Film von James Cameron) und die Herzen der Horrorfilmfans, die sich selbstverständlich auf mindestens eine Fortsetzung freuen können.

M3GAN (M3GAN, USA 2022)

Regie: Gerard Johnstone

Drehbuch: Akela Cooper (nach einer Geschichte von Akela Cooper und James Wan)

mit Allison Williams, Violet McGraw, Amie Donald, Ronny Chieng

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „M3GAN“

Metacritic über „M3GAN“

Rotten Tomatoes über „M3GAN“

Wikipedia über „M3GAN“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. Januar: Inglourious Basterds

Januar 12, 2023

Vox, 22.15

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Hinweise

Moviepilot über „Inglourious Basterds“

Metacritic über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Wikipedia über „Inglourious Basterds“ (deutsch, englisch)

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Januar: Liebe und Intrigen

Januar 11, 2023

Servus TV, 22.40

Liebe und Intrigen (Crime d’amour, Frankreich 2010)

Regie: Alain Corneau

Drehbuch: Alain Corneau, Nathalie Carter

Christine (Kristin Scott Thomas) ist die Managerin der französischen Abteilung eines US-Konzerns, die kurz vor einer Beförderung in die USA steht und die ihre Untergebenen schamlos manipuliert. Auch die sie bewundernde Isabelle (Ludivine Sagnier), die irgendwann auch anerkannt werden möchte. Es beginnt ein tödlicher Zickenkrieg voller Wendungen und Überraschungen.

„Love Crime“ ist ein edler französischer Noir. Ein elegant inszenierter Kriminalfilm, der fest in der Tradition des französischen Kriminalfilms steht und seine Vorbilder in den Filmen der sechziger und siebziger Jahre hat, in denen man niemals sicher sein konnte, welche Gerechtigkeit, falls überhaupt, am Ende siegt.

Das Sahnehäubchen ist die Musik von Pharoah Sanders.

mit Ludivine Sagnier, Kristin Scott Thomas, Patrick Mille, Guillaume Marquet, Gérald Laroche, Julien Rochefort, Olivier Rabourdin

auch bekannt als „Love Crime“ (DVD-Titel)

Hinweise

AlloCine über „Love Crime“

Rotten Tomatoes über „Love Crime“

Wikipedia über „Love Crime“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Wahl der Waffen“ (Le choix des armes, Frankreich 1981)

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Love Crime“ (Crime d’amour, Frankreich 2010)

Mein Nachruf auf Alain Corneau

Alain Corneau in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Januar: Sturm auf das Kapitol – Der Angriff auf die US-Demokratie

Januar 10, 2023

3sat, 20.15

Sturm auf das Kapitol – Der Angriff auf die US-Demokratie (Four Hours at the Capitol, Großbritannien/USA/Deutschland 2021)

Regie: Jamie Roberts

Drehbuch: Jamie Roberts

Neunzigminütige, auf kommentierende Einordnungen verzichtende Doku mit teils unveröffentlichtem Material über den Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol, um dort die Verlesung und Bestätigung des Wahlergebnis zu verhindern.

Es war, und neuere Dokumente belegen das immer eindeutiger, ein versuchter Staatsstreich von Oben. Bis jetzt gibt es keine ernstzunehmende Distanzierung oder Auseinandersetzung der Republikaner damit. Stattdessen arbeiten sie weiter an der Aushöhlung der US-Demokratie mit Wahlrechtsänderungen (die ihnen als Minderheit die Mehrheit sichern sollen) und Lügen.

Jamie Roberts: „Mein Fazit, nachdem ich die vielen unterschiedlichen Filmaufnahmen gesehen und meine Interviews geführt hatte, ist die Erkenntnis, wie zerbrechlich die Demokratie doch ist. Der Film zeigt, wie an diesem Tag die Demokratie beinahe gekippt wurde. Dieser Tag hat gezeigt, dass die Demokratie geschützt werden muss. Es gibt auch unabhängig vom Sturm auf das Kapitol bei Donald Trump und in bestimmten Teilen der Republikanischen Partei Strategien, die antidemokratisch sind. Das ist wirklich besorgniserregend für jeden, der wirklich an die Demokratie glaubt und sie schätzt.“

Hinweise

Wikipedia über den Sturm auf das Kapitol (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Januar: Tatort: Das Haus im Wald

Januar 9, 2023

WDR, 23.40

Tatort: Das Haus im Wald (Deutschland 1985)

Regie: Peter Adam

Drehbuch: Peter Adam

Ulla Berlitt bittet Schimanski, ihr bei der Suche nach ihrem verschwundenem Freund zu helfen. Sie hoffen, in einem einsam im Wald gelegenem Haus hilfreiche Hinweise zu finden. Als sie das Haus verlassen wollen, wird auf sie geschossen.

Elfter Schimanski-Tatort; aus meiner Erinnerung eine spannende Angelegenheit, die vor allem in dem titelgebendem Haus im Wald spielt.

mit Götz George, Eberhard Feik, Werner Schwuchow, Christiane Lemm, Dominic Raacke, Rolf Zacher, Andras Fricsay

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Tatort: Das Haus im Wald“


TV-Tipp für den 9. Januar: Der Mann mit zwei Frauen

Januar 8, 2023

Arte, 22.00

Der Mann mit zwei Frauen (The Bigamist, USA 1953)

Regie: Ida Lupino

Drehbuch: Collier Young

Als Harry und Eve ein Kind adoptieren wollen, kommt heraus, dass Harry bereits verheiratet ist. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung.

TV-Premiere. Lange Zeit vergessener, in Rückblenden erzählter Noir, der seit der Entdeckung von Ida Lupino als Regisseurin wieder entdeckt und als Meisterwerk abgefeiert wird.

Damals urteilte das Lexikon des internationalen Films harsch: „Wenig überzeugendes Melodram.“ Und der Film war „frei ab 18 Jahre“. Inzwischen ist er „frei ab 12 Jahre“.

Arte zeigt ihn als Original mit Untertiteln.

mit Joan Fontaine, Edmond O’Brien, Ida Lupino, Edmund Gwenn, Jane Darwell

Hinweise

Arte über „Der Mann mit zwei Frauen“

Rotten Tomatoes über „Der Mann mit zwei Frauen“

Wikipedia über „Der Mann mit zwei Frauen“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Januar: Die Akte

Januar 7, 2023

Arte, 20.15

Die Akte (The Pelican Brief, USA 1993)

Regie: Alan J. Pakula

Drehbuch: Alan J. Pakula

LV: John Grisham: The pelican brief, 1992 (Die Akte)

Politthriller über eine Jurastudentin (Julia Roberts), die einen Umweltskandal, der auch den Präsidenten belastet, aufdeckt.

Der starbesetzte Film war eine der ersten Grisham-Verfilmungen: handwerklich perfekt, grandiose Besetzung vor und hinter der Kamera, unpersönlich, mit Justiz-Grundierung und überlang. Pakula, dem wir immerhin die Klassiker „Klute“, „Zeuge einer Verschwörung“ und „Die Unbestechlichen“ verdanken, meinte, das Buch sei so aufregend wie eine Achterbahnfahrt. Das kann man von dem Film nicht behaupten.

Danach, um 22.30 Uhr, zeigt Arte das neue, gut einstündige Porträt „Denzel Washington – Spiegelbilder Amerikas“ (Frankreich 2021).

Mit Julia Roberts, Denzel Washington, Sam Shepard, Robert Culp, John Lithgow, Stanley Tucci

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Akte“

Wikipedia über „Die Akte“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Grisham

Krimi-Couch über John Grisham


TV-Tipp für den 7. Januar: Das Märchen der Märchen

Januar 6, 2023

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Wiederholung: Sonntag, 8. Januar, 23.55 Uhr

Hinweise
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Martin McDonaghs „The Banshees of Inisherin“

Januar 6, 2023

Auf dem Festland tobt der irische Bürgerkrieg. Auf der vor Irland liegenden Insel Inisherin tobt im März/April 1923 ein ganz anderer Krieg. Denn aus heiterem Himmel will Colm Doherty (Brendan Gleeson) sich nicht mehr mit Padraic Súilleabháin (Colin Farrell) unterhalten. Dabei sind sie seit Ewigkeiten Freunde. Jeden Tag trinken sie im örtlichen Pub Bier und reden miteinander. Aber jetzt bricht Colm, ohne irgendeine Erklärung, den Kontakt zu Padraic ab. Padraic will das nicht akzeptieren. Er will wissen, warum.

Im normalen Leben könnte diese Situation mit einem Gespräch, etwas Einsicht und gutem Willen einvernehmlich beendet werden. Aber Martin McDonagh lässt in seinem neuen Film „The Banshees of Inisherin“ den Konflikt zwischen Colm und Padraic schonungslos eskalieren. Denn je mehr Padraic wissen möchte, warum sein bester Freund nicht mehr mit ihm reden will, umso rigoroser verweigert Colm eine Antwort. Er droht sogar, sich einen Finger abzuschneiden, wenn Padraic ihn wieder anspricht. Als dieser es dennoch tut, schneidet Colm sich seinen ersten Finger ab.

Dieser Kampf zwischen den beiden ehemaligen Freunden wird beobachtet von den weitgehend stumm bleibenden Inselbewohnern. Ernsthaft versucht nur Colms Schwester zu vermitteln. Der Dorfpfarrer und der Dorfpolizist, der seinen Sohn missbraucht und schlägt, schauen zu. Und eine alte Frau mit seherischen Fähigkeiten macht rätselhafte Andeutungen über die Zukunft. So prophezeit sie kurz vor dem Filmende zwei Tote.

Wie schon in seiner vorherigen, etwas besseren Schwarzen Komödie „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ brauchen die Dorfbewohner keine Auswärtigen, um sich das Leben zur Hölle zu machen. Aber während Mildred Hayes einen guten Grund für das Aufstellen der titelgebenden Billboards, in denen sie die lokale Polizei auffordert, den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter zu suchen, hat Colm keinen ähnlich nachvollziehbaren Grund für sein Verhalten.

Weil McDonagh die Geschichte nicht irgendwann in der Vergangenheit, sondern vor hundert Jahren, ist die Geschichte von Colm und Padraic auch ein Kommentar zum irischen Bürgerkrieg und dem Nordirlandkonflikt. Es geht ihm dabei nicht um Schuldzuweisungen oder Erklärungen eines in seiner Radikalität und Dauer nicht wirklich zu erklärenden Konflikts. Ihm geht es darum, eine Dynamik zu erklären und damit auch zu erklären, warum dieser Konflikt über Jahrzehnte andauerte und, dank des Brexits, jederzeit wieder ausbrechen kann.

McDonaghs bitterböse, schwarzhumorige Parabel wird von den Kritikern geliebt. Sie ist im Moment für zahlreiche Preise nominiert und hat schon etliche gewonnen. Zu Recht.

The Banshees of Inisherin (The Banshees of Inisherin, USA 2022)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Kerry Condon, Barry Keoghan, Gary Lydon

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Banshees of Inisherin“

Metacritic über „The Banshees of Inisherin“

Rotten Tomatoes über „The Banshees of Inisherin“

Wikipedia über „The Banshees of Inisherin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)


TV-Tipp für den 6. Januar: Es war einmal in Amerika

Januar 5, 2023

Servus TV, 22.45

Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America, USA/Italien 1984)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Stuart Kaminsky (zusätzliche Dialoge), Ernesto Gastaldi (ungenannt)

LV: Harry Grey: The Hoods, 1952

Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)

Kamera: Tonino Delli Colli

Musik: Ennio Morricone

Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches enthalten.

Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern

Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Es war einmal in Amerika“

Wikipedia über “Es war einmal in Amerika” (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Guy Ritchies „Operation Fortune“

Januar 5, 2023

Orson Fortune (Jason Statham) ist der beste Geheimagent seiner Majestät, wobei er genaugenommen freiberuflich tätig ist. Seine Einsätze sind aus verschiedenen Gründen – einer ist sein exzessiver Konsum hochpreisiger Weine – sehr kostspielig. Außerdem hat er, im Gegensatz zu James Bond, mit einigen Phobien zu kämpfen. Flugangst ist eine.

Als aus einer geheimen, hoch gesicherten Versuchsanlage mit brutaler Gewalt eine unbekannte Gruppe eine sehr wertvolle „Waffe“ klaut, die im Film nur den Codenamen „Handle“ hat und früher MacGuffin hieß, beauftragt Fortunes Chef den besten Agenten, den es gibt, mit der Suche nach der Waffe.

Fortune stellt ein Team von Spezialisten zusammen und er hat einen Plan. Über den reichen, skrupellosen und gut vernetzten Waffenhändler Greg Simmonds (Hugh Grant) wollen sie an die gestohlenen Gegenstände kommen und gleichzeitig herausfinden, wer sie gestohlen hat. Denn Simmonds, so haben sie erfahren, will das Handle kaufen.

Um an den Waffenhändler heranzukommen, erpressen sie den Hollywood-Stars Danny Francesco (Josh Hartnett). Denn Simmonds ist ein großer Fan des Schauspielers.

Die erste Kontaktaufnahme soll während einer Party auf Simmonds‘ riesiger Yacht stattfinden.

Nachdem Guy Ritchies vorheriger Film „Cash Truck“ (Wrath of Man, 2021) ein eiskalter, absolut humorfreier Noir-Gangsterfilm war, ist „Operation Fortune“ wieder in Ritchies bekannter Wohlfühlzone, in der er Action mit eher rüdem Humor mixt. Dieses Mal, wie bei seinem vorherigem Agentenfilm „Codename U. N. C. L. E.“ (The Man from U.N.C.L.E., 2015), der ein durchaus charmantes Retro-Fest für die gleichnamige Sechziger-Jahre-Agentenserie und den damaligen Agentenfilm (ich sage nur James Bond) ist, ist „Operation Fortune“ so etwas wie ein in die Gegenwart verlegtes Update des Sechziger-Jahre-Agentenfilms. Denn natürlich ist der globetrottende Orson Fortune ein geistiger Bruder von James Bond. Nur dass Fortune einige Phobien hat und im Team arbeitet.

Allerdings ist „Operation Fortune“ kein gelungenes Update. Zu viel ist bereits aus anderen Filmen bekannt. In der Melissa-McCarthy-Komödie „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, 2015) spielte Jason Statham bereits – gelungener – eine ähnlich Figur wie Orson Fortune. Die Idee, dass die Gesetzeshüter mit der Hilfe eines Hollywood-Stars einen Waffenhändler überführen wollen, wurde vor wenigen Monaten mit Nicolas Cage als Nicolas Cage in „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, 2022) durchgespielt. Ebenfalls besser. Und die James-Bond-Filme, vor allem die aus der Prä-Daniel-Craig-Ära, parodieren sich mehr oder weniger selbst. Deshalb ist es so schwer, eine gelungene Parodie auf James Bond zu inszenieren.

Aber dieses Mal findet Guy Ritchie niemals den richtigen Ton und Rhythmus. Stattdessen setzt die in einem monotonem Stakkato geschnittene Agentenfilmparodie sich unglücklich zwischen die Stühle. Für eine Komödie ist „Operation Fortune“ nicht witzig genug. Für einen Actionfilm gibt es zu wenig Action. Vor allem zu wenig gut gemachte und interessante Action. Für einen Agentenfilm ist die mit den sattsam bekannten Klischees erzählte Stoy zu banal. Auch für einen pulpigen, sich in James-Bond-Gefilden bewegenden Agentenfilm. Es vergeht nämlich viel Zeit, bis das Team sich zusammengefunden hat, bis der Hollywood-Star überzeugt ist und alle Spieler sich erstmals auf dem Schiff des Bösewichts treffen. Dort geht es dann eher überraschungsfrei mit vielen Faustkämpfen weiter.

Für die gesamte Familie ist der Film deswegen zu brutal. Für einen Guy-Ritchie-Film ist er allerdings zu brav geraten.

Am Ende des Spionageabenteuers ist immer noch unklar, ob Fortune eine Parodie auf globetrottende, eskapistischen Agentenfilme mit mühelos die Welt rettenden Geheimagenten oder ein ernst gemeintes Update dieser Agententhriller für die Gegenwart sein soll.

Operation Fortune (Operation Fortune: Ruse de guerre, USA 2022)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Ivan Atkinson, Marn Davies, Guy Ritchie

mit Jason Statham, Aubrey Plaza, Cary Elwes, Hugh Grant, Josh Hartnett, Bugzy Malone, Eddie Marsan

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Opertation Fortune“

Metacritic über „Operation Fortune“

Rotten Tomatoes über „Operation Fortune“

Wikipedia über „Operation Fortune“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Aladdin“ (Aladdin, USA 2019)

Meine Bepsrechung von Guy Ritchies „The Gentlemen“ (The Gentlemen, Großbritannien/USA 2019)

Meine Kurzbesprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)

Meine ausführliche Besprechung von Guy Ritchies „Cash Truck“ (Wrath of Man, USA 2021)


TV-Tipp für den 5. Januar: Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Januar 4, 2023

Heute startet Martin McDonaghs neuer hochgelobter Film „The Banshees of Inisherin“ im Kino. Das ist eine gute Gelegenheit, sich noch (?) einmal seinen vorherigen Film anzusehen:

ZDF, 23.00

Three Billboards outside Ebbing, Missouri (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Mildred Hayes (Frances McDormand, die für ihre Rolle ihren zweiten Oscar erhielt) ist stinkig. Ihre Tochter wurde vergewaltigt und ermordet. Aber die Polizei findet den Täter nicht. Also macht sie auf drei angemieteten Werbetafeln ihrem Ärger Luft – und setzt damit im Dorf einiges in Gang.

Bitterböse, scharfsinnige Schwarze Komödie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Peter Dinklage, Abbie Cornish, John Hawkes, Zeljko Ivanek, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones, Sandy Dixon, Clarke Peters, Samara Weaving, Amanda Warren, Kerry Condon

Hinweise

Moviepilot über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Metacritic über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Rotten Tomatoes über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“

Wikipedia über „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)


DVD-Kritik: „Blacklight“, der nächste Actionfilm mit Liam Neeson

Januar 4, 2023

Und wieder spielt Liam Neeson einen Mann mit „a very particular set of skills“. Travis Block heißt er dieses Mal. Er rettet FBI-Undercover-Agenten aus der Bredouille, wenn sie enttarnt wurden und sich nicht mehr selbst retten können.

Jetzt schlägt er sich mit Dusty Crane herum. Crane ist ein FBI-Undercover-Agent und Block sieht ihn als seinen Schützling an. Aus rätselhaften Gründen will er mit einer Journalistin über seine Arbeit reden. Und das muss verhindert werden. Warum erfahren wir erst nach mehreren ausgedehnten Actionszenen im Auto und zu Fuß. Beide Male in einer anonym bleibenden Großstadt. Und beide Male ohne dass wir als Zuschauer uns wahnsinnig dafür interessieren. Denn in dem Moment ahnen wir noch nicht einmal, warum Crane mit der Journalistin reden will und warum Block ihn so fanatisch verfolgt. Über die Beziehung der beiden Männer, die sich schon länger kennen, zueinander wissen wir auch nichts.

Erst viel später erfahren wir und Block, dass der mit ihm seit ihrer gemeinsam verbrachten in Vietnam verbrachten Militärzeit befreundete FBI-Chef Gabriel Robinson für die Operation Unity verantwortlich ist. Im Rahmen dieser Operation schaltet das FBI echte und vermeintlliche Gegner der US-Regierung, des Staates und des FBIs aus. Robinson ist damit ein Wiedergänger von J. Edgar Hoover – und Mark Williams‘ Thriller „Blacklight“ fischt ein wenig im Siebziger-Jahre-Paranoia-Kino. Allerdings mit einer Story, die schon auf den ersten Blick unplausibel ist und die durchgehend, auch weil die Figuren sich ständig unvernünftig verhalten, eben jene unplausiblen Teile betont, anstatt schnell darüber hinweg zu inszenieren. Wenn man schon keine schlüssige Geschichte erfinden will.

Als Block die Umfänge der Operation Unity erkennt und er so erfährt, dass er in den vergangenen Jahrzehnten nicht für die Guten, sondern die Bösen kämpfte, will er das Treiben seines Freundes Robinson beenden. Dieser schickt seine Leute los. Sie sollen Block und die Journalistin umbringen.

Liam Neeson,spielt in „Blacklight“ ein weiteres Mal in einem Actionfilm mit. Seine auch für ihn überraschende Karriere als Actionheld begann 2008 mit „Taken“. In dem Thriller spielt er einen ehemaligen Green Beret und Ex-CIA-Agenten. Als seine Tochter in Paris entführt wird, fliegt er nach Europa und jagt die Bösewichter. Davor spielte Neeson natürlich immer wieder in Actionfilmen oder Filmen mit viel Action mit, aber der überraschende Kassenerfolg von „Taken“ etablierte ihn als Actionhelden. Er übernahm in zwei weiteren „Taken“-Filmen die Hauptrolle. Und er spielte in weiteren Actionfilmen mit. Einige gute Thriller waren dabei. Aber auch viele überflüssige 08/15-Thriller. „Blacklight“ gehört zur zweiten Gruppe.

Wie auch „Honest Thief“, seine erste Zusammenarbeit mit Mark Williams, die ebenfalls an einer vollkommen unplausiblen Prämisse leidet, ist „Blacklight“ bestenfalls schnell vergessenes Actionfutter für die Fans von Actionfilmen, die sich jeden Actionfilm ansehen müssen, und die fanatischen Liam-Neeson-Fans, die auch den x-ten vollkommen uninteressantesten Actionfilm mit ihm sehen müsse, weil er mitspielt. Wer nicht zu einer dieser beiden Gruppen gehört, kann getrost verzichten.

Blacklight (Blacklight, USA/Australien 2022)

Regie: Mark Williams

Drehbuch: Nick May, Mark Williams (nach einer Geschichte von Nick May und Brandon Reavis)

mit Liam Neeson, Aidan Quinn, Taylor John Smith, Emmy Raver-Lampman

DVD

Wild Bunch Germany/LEONINE Distribution

Bild: 2,39:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Blu-ray und 4k UHD Blu-ray identisch.

Hinweise

Moviepilot über „Blacklight“

Metacritic über „Blacklight“

Rotten Tomatoes über „Blacklight“

Wikipedia über „Blacklight“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über „Was man von hier aus sehen kann“

Januar 4, 2023

Wenn Oma Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand in dem Dorf im Westerwald. Aber das passiert nur alle Jubeljahre. Das Dorf sieht wie eine liebevoll zusammengestellte, die alte Bundesrepublik in all ihrer provinziellen Enge und wohligem Charme repräsentierende Modellstadt aus. Zwischen Oma Selmas Okapi-Träumen geht das Leben im Dorf seinen gewohnten Gang zwischen Erwachsenwerden, Liebe und nicht eingestandener Liebe weiter. Es passiert einiges. Und doch passiert nichts.

Erzählt wird die Romanverfilmung „Was man hier aus sehen kann“ von Selmas Enkeltochter Luise, „die vor der Liebe genauso viel Angst hat wie vor dem Tod“ (Mariana Leky).

Wenn Luise lügt, fällt etwas Großes herunter. Das kann sie sich allerdings auch einbilden. Trotzdem sorgt ihr schlechtes Gewissen für einige überraschende Splattereinlagen, die sich Sekunden später als Phantasien herausstellen. Irgendwann verliebt sie sich in einen schweigsamen jungen buddhistischen Mönch, den sie im Wald trifft. Er wohnt mit seinem Glaubensbrüdern bei einer abergläubischen Hausvermieterin. Und so könnte das Leben weiter seinen geruhsamen Gang gehen.

Das ändert sich, als Selma wieder von einem Okapi träumt und die Dorfbewohner von ihrem Traum erfahren.

Aron Lehmanns „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein zwischen Gegenwart und Vergangenheit vor sich hin mäanderndes Märchen voller skuriller Figuren. Ihre Wohnungen und die Stadt sind aus der Zeit gefallen und existieren jetzt in einer Fantasiezeit. Das ist durchaus sympathisch, aber auch arg ziellos und gefällig in seiner Beschwörung der heilen Vergangenheit des Dorflebens. Eigentlich irritieren, nachdem man sich auf diese etwas seltsame, gleichzeitig sehr vertraute und wohlige Welt eingelassen hat, nur die unpassenden, sekundenlangen Traum-Splatter-Einlagen.

Das gesagt, hat der Film „Triangle auf Sadness“ als Spitzenreiter der der Arthouse-Kinocharts abgelöst.

Was man von hier aus sehen kann (Deutschland 2022)

Regie: Aron Lehmann

Drehbuch: Aron Lehmann

LV: Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, 2017

mit Corinna Harfouch, Luna Wedler, Karl Markovics, Ava Petsch, Cosmo Taut, Rosalie Thomass, Benjamin Radjaipour, Katja Studt

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Was man von hier aus sehen kann“

Moviepilot über „Was man von hier aus sehen kann“

Wikipedia über „Was man von hier aus sehen kann“

Perlentaucher über den Roman „Was man von hier aus sehen kann“

Meine Besprechung von Aron Lehmanns „Highway to Hellas“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 4. Januar: Green Book – Eine besondere Freundschaft

Januar 3, 2023

ARD, 20.15

Green Book – Eine besondere Freundschaft (Green Book, USA 2018)

Regie: Peter Farrelly

Drehbuch: Peter Farrelly, Nick Vallelonga, Brian Currie

Gut gemachtes, auf einer wahren Geschichte basierendes Feelgood-Movie über die sich während einer Konzerttour durch die Südstaaten in den frühen sechziger Jahren entwickelnde Freundschaft zwischen dem Konzertpianisten Don Shirley (Mahershala Ali) und seinem für diese Tournee engagiertem Fahrer und Rausschmeißer Tony ‚The Lip‘ Vallelonga (Viggo Mortensen).

Der allgemeine Jubel über den Film, die zahlreichen Preise, unter anderem der Oscar als bester Film des Jahres (Spike Lee hatte mit seinem Wutausbruch, dass jeder andere nominierte Film den Oscar mehr verdient hätte als „Green Book“, vollkommen recht), können nicht über die doch ziemlich altbackene Ideologe des Films (der weiße Mann als Retter des Schwarzen und mit etwas gutem Willen kann der Rassissmus besiegt werden) hinwegtäuschen. „Green Book“ ist halt perfektes Hollywood-Wohlfühlkino.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P. J. Byrne

Wiederholung: Donnerstag, 5. Januar, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Green Book“

Metacritic über „Green Book“

Rotten Tomatoes über „Green Book“

Wikipedia über „Green Book“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood sieht sich diese Männerfreundschaft an

Meine Besprechung von Peter Farrellys „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ (Green Book, USA 2018)


TV-Tipp für den 3. Januar: The Homesman

Januar 2, 2023

Servus TV, 22.15

The Homesman (The Homesman, USA 2014)

Regie: Tommy Lee Jones

Drehbuch: Wes Oliver, Kieran Fitzgerald, Tommy Lee Jones

LV: Glendon Swarthout: The Homesman, 1988 (The Homesman – Es führt ein Weg zurück)

Nebraska, 1854: Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) soll drei verrückt gewordene Frauen nach Hebron, Iowa in ein Sanatorium bringen. Der Strauchdieb George Briggs (Tommy Lee Jones) soll ihr helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die über sechshundert Kilometer lange, mehrere Woche dauernde Reise.

grandioser, wahrhaftiger, aufbauender, aber auch deprimierender Film, in dem der Wilde Westen als eine von nicht vollkommen zurechnungsfähigen, fehlerhaften Menschen bevölkerte, weitgehend menschenleere Landschaft gezeigt wird; was mit Sicherheit viel näher an der Wirklichkeit ist, als die üblichen Hollywood-Western.

Einer des schönsten Filme des Kinojahres.“ schrieb ich schwer begeistert zum Kinostart.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, Grace Gummer, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader, John Lithgow, William Fichtner

Wiederholung: Mittwoch, 4. Januar, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Homesman“

Metacritic über „The Homesman“

Rotten Tomatoes über „The Homesman“

Wikipedia über „The Homesman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tommy Lee Jones‘ „The Homesman“ (The Homesman, USA 2014)


TV-Tipp für den 2. Januar: Werk ohne Autor

Januar 1, 2023

ARD, 20.15

Werk ohne Autor (Deutschland 2018)

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.

Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.

Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann

Wiederholung: Dienstag, 3. Januar, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Das Buch zum Film

Florian Henckel von Donnersmarck: Werk ohne Autor

Suhrkamp, 2018

200 Seiten

18 Euro

Hinweise

Filmportal über „Werk ohne Autor“

Moviepilot über „Werk ohne Autor“

Rotten Tomatoes über „Werk ohne Autor“

Wikipedia über „Werk ohne Autor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Florian Henckel von Donnersmarcks „Werk ohne Autor“ (Deutschland 2018)