
TV-Tipp für den 28. Juni: Selma
Juni 27, 2022
Hessen, 00.15
Selma (Selma, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Ava DuVernay
Drehbuch: Paul Webb
Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.
Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.
Das grandiose und wichtige Drama/Biopic „Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal. DuVernays Film wurde von der Kritik abgefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung
mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston
Hinweise
Wikipedia über „Selma“ (deutsch, englisch) und Martin Luther King (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ava DuVernays „Selma“ (Selma, USA/Großbritannien 2014 – mit etlichen YouTube-Clips) und der DVD
TV-Tipp für den 27. Juni: Knives out – Mord ist Familiensache
Juni 26, 2022
ARD, 20.15
Knives out – Mord ist Familiensache (Knives out, USA 2019)
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Privatdetektiv Benoit Blanc soll herausfinden, wer den vermögenden Krimiautor Harlan Thrombey an seinem 85. Geburtstag ermordete. Blanc vermutet, dass der Mörder ein Familienmitglied ist.
TV-Premiere. Gelungenes, sehr unterhaltsames, witziges und stilbewusstes Update des klassischen Rätselkrimis.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Inzwischen ist der zweite Benoit-Blanc-Fall, „Glass Onion: A Knives Out Mystery“, abgedreht. Wieder inszeniert von Rian Johnson, wieder mit Daniel Craig als Benoit Blanc, wieder mit einigen bekannten Schauspielern als Verdächtige. Ob und wie lange Netflix den Film im Kino zeigt, ist unklar.
mit Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Don Johnson, Michael Shannon, Ana de Armas, Katherine Langford, LaKeith Stanfield, Jaeden Martell, Christopher Plummer, Riki Lindhome, Edi Patterson, Frank Oz, K Callan, Noah Segan, M. Emmet Walsh
Wiederholung: Dienstag, 28. Juni, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Knives out“
Wikipedia über „Knives out“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Rian Johnsons „Looper“ (Looper, USA 2012 – mit weiteren Bildern, Links und einem 35-minütigem Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt) und der DVD
Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017) und des Filmromans
Meine Besprechung von Rian Johnsons „Knives out – Mord ist Familiensache“ (Knives out, USA 2019)
TV-Tipp für den 26. Juni: Downsizing
Juni 25, 2022
Sat.1, 20.15
Downsizing (Downsizing, USA 2017)
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor
Forscher haben das Mittel gefunden, um die Klimakatastrophe abzuwenden: sie verkleinern einfach die Menschen. Denn so ein zwölf Zentimeter großer Mensch verbraucht fast keine Idee mehr. Der von seinem Leben gefrustete Paul lässt sich verkleinern. Seine Frau macht in letzter Sekunde einen Rückzieher und Paul muss die Miniwelt allein erkunden und neue Freunde finden.
Vor dem Hintergrund der äußerst detailliert ausgemalten Welt der Winzlinge erzählt Alexander Payne eine liebevoll erzählte Liebesgeschichte voller liebenswerter Menschen. Ein herzerwärmender Film.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Matt Damon, Kristen Wiig, Christoph Waltz, Hong Chau, Udo Kier, Jason Sudeikis, Neil Patrick Harris, Rolf Lassgård, Ingjerd Egeberg, Laura Dern
Wiederholung: Montag, 27. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Downsizing“
Wikipedia über „Downsizing“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska (Nebraska, USA 2013)
Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)
Deutscher Filmpreis 2022: Und die Lola geht an…
Juni 25, 2022Als ich die Nominierungsliste für den diesjährigen Deutschen Filmpreis veröffentlichte, vermutete ich, dass „Lieber Thomas“ der große Gewinner des Abends wird.
Dann wollen wir mal sehen, wie sich das SW-Biopic bei der gerade erfolgten Verleihung der Lolas schlug:
Bester Spielfilm
GOLD: Lieber Thomas (Michael Souvignier, Till Derenbach)
SILBER: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Claudia Steffen, Christoph Friedel)
BRONZE: Grosse Freiheit (Benny Drechsel)
Contra (Christoph Müller, Tom Spieß)
Spencer (Jonas Dornbach, Janine Jackowski, Maren Ade)
Wunderschön (Lothar Hellinger, Christopher Doll)
–
Bester Dokumentarfilm
GEWINNER: The Other Side of the River (Frank Müller, Antonia Kilian, Guevara Namer)
We Are All Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden (Michael Loeken, Ulrike Franke)
Wem gehört mein Dorf? (Marcel Lenz, Guido Schwab)
–
Bester Kinderfilm
GEWINNER: Der Pfad (Daniel Ehrenberg)
Die Schule der magischen Tiere (Alexandra Kordes, Meike Kordes)
–
Beste Regie
Grosse Freiheit: Sebastian Meise
GEWINNER: Lieber Thomas: Andreas Kleinert
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Andreas Dresen
–
Bestes Drehbuch
GEWINNER: Grosse Freiheit: Thomas Reider, Sebastian Meise
Lieber Thomas: Thomas Wendrich
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Laila Stieler
–
Beste weibliche Hauptrolle
Ursula Strauss (Le Prince)
Sara Fazilat (Nico)
Saskia Rosendahl (Niemand ist bei den Kälbern)
GEWINNER: Meltem Kaptan (Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush)
–
Beste männliche Hauptrolle
Franz Rogowski (Grosse Freiheit)
GEWINNER: Albrecht Schuch (Lieber Thomas)
–
Beste weibliche Nebenrolle
GEWINNER: Jella Haase (Lieber Thomas)
Anja Schneider (Lieber Thomas)
Sandra Hüller (Das schwarze Quadrat)
–
Beste männliche Nebenrolle
Henry Hübchen (Leander Haußmanns Stasikomödie)
Jörg Schüttauf (Lieber Thomas)
Godehard Giese (Niemand ist bei den Kälbern)
GEWINNER: Alexander Scheer (Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush)
–
Beste Kamera / Bildgestaltung
Grosse Freiheit: Crystel Fournier
GEWINNER: Lieber Thomas: Johann Feindt
Spencer: Claire Mathon
–
Bester Schnitt
A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe: Bettina Böhler
Grosse Freiheit: Joana Scrinzi
GEWINNER: Lieber Thomas: Gisela Zick
–
Beste Tongestaltung
Axiom: Michael Schlömer, Paul Rischer, Martin Steyer
Fly: Bertin Molz, Thorsten Bolzé, Mario Hubert, Marco Hanelt, Benedikt Uebe
In den Uffizien: Andreas Hildebrandt, Filipp Forberg, Matthias Lempert
GEWINNER: Niemand ist bei den Kälbern: Jonathan Schorr, Dominik Leube, Gregor Bonse, John Gürtler
–
Beste Filmmusik
Peterchens Mondfahrt: Ali N. Askin
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Johannes Repka, Cenk Erdoğan
GEWINNER: Wunderschön: Annette Focks
–
Bestes Szenenbild
Leander Haußmanns Stasikomödie: Lothar Holler
GEWINNER: Lieber Thomas: Myrna Drews
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Susanne Hopf
–
Bestes Kostümbild
Grosse Freiheit: Tanja Hausner
Leander Haußmanns Stasikomödie: Janina Brinkmann
GEWINNER: Lieber Thomas: Anne-Gret Oehme
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Birgitt Kilian
–
Bestes Maskenbild
GEWINNER: Grosse Freiheit: Heiko Schmidt
Lieber Thomas: Uta Spikermann, Grit Kosse
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Grit Kosse, Uta Spikermann
–
Beste visuelle Effekte
Leander Haußmanns Stasikomödie: Denis Behnke
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush: Thomas Loeder
GEWINNER: Die Schule der magischen Tiere: Dennis Rettkowski, Markus Frank, Tomer Eshed
–
Besucherstärkster Film
Die Schule der magischen Tiere
–
Ehrenpreis
Jürgen Jürges
–
Bernd-Eichinger-Preis
Komplizen Film
–
Wenig überraschend ist „Lieber Thomas“ mit neun Lolas der große Gewinnerfilm des Abends.
TV-Tipp für den 25. Juni: The American
Juni 24, 2022
Servus TV, 20.15
The American (The American, USA 2010)
Regie Anton Corbijn
Drehbuch: Rowan Joffe
LV: Martin Booth: A very private Gentleman, 1991 (The American)
Nach einem missglückten Auftrag will ein Killer will aussteigen. Er zieht sich in die Abruzzen zurück und bereitet seinen letzten Auftrag vor.
Minimalistische Thriller, der weniger wegen der Story und mehr wegen der Bilder sehenswert ist. Immerhin kommt Corbijn von der Fotografie.
mit George Clooney, Violante Placido, Johan Leysen, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli
Wiederholung: Sonntag, 26. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The American“
Wikipedia über „The American“ (deutsch, englisch)
Guardian: Nachruf auf Martin Booth
Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)
Meine Besprechung von Anton Corbiijns „Life“ (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)
Neu im Kino/Filmkritik: „Elvis“ Presley, sein Leben erzählt von Colonel Tom Parker. Mehr oder weniger
Juni 24, 2022
Fans von Elvis Presley kommen in Baz Luhrmanns Biopic „Elvis“ auf ihre Kosten. Es gibt viel Elvis Presley, viel Musik und, bei seinen Liveauftritten, eine schweißtreibende animalische Entfesselung, die uns Spätgeborenen zeigt, warum in den Fünfzigern Eltern ihre Kinder vor diesem Mann beschützen wollten; – auch wenn Luhrmann hier wahrscheinlich schamlos übertreibt. Auch die Besetzung ist nicht ohne. Austin Butler (Tex Watson in „Once upon a time…in Hollywood“) spielt Elvis Presley. Tom Hanks spielt Colonel Tom Parker, den äußerst geschäftstüchtigen und skrupellosen Manager von Elvis Presley. Bevor er Presleys Entdecker, Förderer und Manager wurde, war er Schausteller auf Jahrmärkten. Mit Wanderzirkussen tingelte er durch die US-Provinz. Von Musik hatte er keine Ahnung. Von einem guten Geschäft schon und das sah er in Presley. Er ist der unzuverlässige Erzähler von Luhrmanns Biopic und damit ist von der ersten Minute an klar, dass im Zweifel eine gute Geschichte über die Fakten triumphiert. Soweit sie überhaupt bekannt sind.
Der Anfang und, ungefähr die erste Stunde des gut dreistündigen Films, ist furios. Danach scheint alle kreative Energie aufgebraucht zu sein. Damit ähnelt „Elvis“ dem Leben von Elvis Presley. Er wird am 8. Januar 1935 in East Tupelo, Mississippi, als Sohn eines Landarbeiters geboren. 1953 nimmt er seinen ersten Song für Sun Records auf. Schnell begeistert er die Massen und wird zum „King of Rock ’n’ Roll“. Er macht Blues, Gospel und Soul, also Schwarze Musik, mit einer Prise Country, für den weißen Musikhörer goutierbar.
Sein Manager, Colonel Tom Parker, ein, wie gesagt, äußerst halbseidener Charakter, sorgt dafür, dass sie viel Geld verdienen. Da sind Presleys Monate als Soldat von 1958 bis 1960 in Deutschland nur eine kurze Unterbrechung von den Live-Auftritten, die mit Schallplatten überbrückt werden.
Danach tritt Presley in über dreißig Hollywood-Filmen auf, die bis auf Don Siegels „Flammender Stern“ (Flaming Star), vergessenswerte Fließband-Musicals sind. Ab 1969 gastiert er in Las Vegas. Aus finanzieller Sicht ist das eine ertragreiche Zeit. Künstlerisch nicht.
Am 16. August 1977 stirbt er in seiner Villa Graceland in Memphis, Tennessee.
Luhrmann („Moulin Rouge“, „Der große Gatsby“) erzählt Presleys Leben chronologisch nach. Das ist bis zu seinem Aufenthalt in Deutschland als Soldat atemberaubend dicht erzählt. Wenig subtil, aber mitreisend, erzählt Luhrmann von Presleys Faszination für die Schwarze Musik. Zuerst hört er als Kind in einer Spelunke, die nur von Schwarzen besucht wird, den Blues. Dann hört er auf der gegenüberliegenden Straßenseite in einem Gottesdienst den Gospel und er ist…, nach den Filmbildern, ekstatisch besessen. Luhrmann springt in der Zeit hin und her, verdichtet und arbeitet auch mit Texteinblendungen. Das ist überbordend, maßlos und gerade deshalb mitreißend und voller Energie.
Danach handelt Luhrmann die weiteren Stationen und Jahre in Presleys Leben in gepflegter Biopic-Manier ab. Zunehmend redundant folgt ein Auftritt auf das nächste Gespräch, in dem Presley wieder sagt, er möchte eine Welttournee machen, ehe er wieder in Las Vegas auftritt und seine größten Hits präsentiert. Nichts bewegt sich in dieser Wiederholungsschleife. Unangenehmes, wie Presleys gesundheitliche Probleme, sein Drogenkonsum, seine Paranoia und sein zunehmend irrationales Verhalten, wird angesprochen weil es unbedingt angesprochen werden muss. Seine Waffensammlung wird mal gezeigt. Mit seiner dann Ex-Frau Priscilla trifft er sich am Flughafen. Aber diese Bilder hängen ohne einen Zusammenhang und ohne eine Auswirkung auf die Geschichte in der Luft.
In dem Moment löst Luhrmann sich immer mehr von seiner Prämisse nach der die Geschichte von Elvis Presley aus der Perspektive von Colonel Parker erzählt wird. Parker verschwindet aus dem Film. Stattdessen gibt es immer mehr Szenen, in denen Dinge passieren, von denen Parker nichts weiß und auch niemals erfährt. In dem Moment wird auch die Möglichkeit, das Leben von Elvis Presley aus einer radikal subjektiven und damit mit Fakten locker umgehenden Sicht zu schildern, zugunsten eines konventionellen Biopics aufgegeben, das dann ähnlich locker mit Fakten umgeht, aber implizit behauptet, die Wahrheit zu schildern. Alle negativen Aspekte von Presleys Persönlichkeit werden konsequent herunterspielt.
Das ist insofern verständlich, weil „Elvis“ kein kleiner Independent-Film ist (wie „Elvis & Nixon“), sondern mit einem offiziellem Budget von 85 Millionen US-Dollar ein Film ist, der ein breites Mainstream-Publikum und die Elvis-Fans erreichen will. Das darf dann nicht übermäßig kritisch sein. Stattdessen muss das Biopic die bekannten Hits und Konzertausschnitte präsentieren. Deshalb werden so viele Auftritte von Presley in Las Vegas gezeigt. Für den Elvis-Kult sind sie wichtig. Die echte, innovative Rockmusik fand an anderen Orten statt und wurde von anderen Musikern gespielt.
Mit gut drei Stunden ist „Elvis“ ein viel zu lang geratenes Biopic, das an seiner Länge, seinem Drang, das ganze Leben einer Figur zu schildern, und einer letztendlich unklaren Haltung zu ebendieser Figur krankt.
Wer allerdings den Saal verlässt, wenn Elvis Presley deutschen Boden betritt, sieht einen guten Film.

Elvis (Elvis, USA 2022)
Regie: Baz Luhrmann
Drehbuch: Baz Luhrmann, Sam Bromell, Craig Pearce, Jeremy Doner (nach einer Geschichte von Baz Luhrmann und Jeremy Doner)
mit Austin Butler, Tom Hanks, Olivia DeJonge, Helen Thomson, Richard Roxburgh, Kelvin Harrison Jr., David Wenham, Kodi Smit-McPhee, Luke Bracey, Gary Clark Jr., Yola
Länge: 160 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Wikipedia über „Elvis“ (deutsch, englisch) und Elvis Presley (deutsch, englisch)
TV-Tipp für den 24. Juni: Departed – Unter Feinden
Juni 23, 2022
RTL II, 20.15
Departed – Unter Feinden (The Departed, USA 2006)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefällt das Buch besser). Danach kam “The Wolf of Wall Street”.
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley), ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin
Wiederholung: Samstag, 25. Juni, 03.15 Uhr (Taggenau! – Dann sicher auch ungekürzt. Denn der Film ist ‚frei ab 16 Jahre‘)
Hinweise
Metacritic über “Departed – Unter Feinden”
Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”
Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)
Drehbuch „The Departed“ von William Monahan
Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)
Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)
Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)
Martin Scorsese in der Kriminalakte
Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)
Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)
Neu im Kino/Filmkritik: Über Scott Derricksons Joe-Hill-Verfilmung „The Black Phone“
Juni 23, 2022
Beginnen wir mit einer Warnung und einem Fazit: Scott Derricksons neuer Horrorfilm „The Black Phone“ ist ein sehenswerter Horrorthriller, der ohne das ganze Geister-Jumpscare-Gedöns auskommt. Es gibt auch keine jungfräulichen Teenager, die kreischend durch dunkle Flure laufen um sich fotogen aufschlitzen lassen. Und jetzt zur Warnung: diese Besprechung enthält Spoiler.
So!
North Denver, 1978: In der Gegend hat ein Unbekannter bereits mehrere Kinder entführt. Die Polizei hat keine Spur von ihm. Das neueste Opfer des Entführers, der nur „Der Greifer“ (The Grabber) genannt wird, ist der dreizehnjährige Finney Shaw. Finney ist ein schüchterner Junge, der von den Halbstarken in seiner Schule regelmäßig schikaniert und geschlagen wird. Zu Hause geht der Terror weiter. Sein alleinerziehender Vater ist ein depressiver, zu Gewaltausbrüchen neigender Alkoholiker. Er liebt seine beiden Kinder, ist aber hoffnungslos überfordert.
Der Entführer hält Finney in einem Keller, in dem er sich frei bewegen kann, gefangen. Er will noch irgendetwas von Finney, bevor er ihn umbringt. Was es ist, weiß Finney nicht.
In dem Raum hängt an der Wand das titelgebende schwarze Telefon. Warum es dort hängt und welchen Grund es jemals gegeben haben könnte, es dort zu installieren, bleibt unklar. Als Finney in den Raum gesperrt wird, ist das Telefon ein nicht funktionierender Kasten. Trotzdem klingelt es und der Anrufer gibt Finney Hinweise zu seinem Überleben.
Scott Derricksons Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill, die er für den Film selbstverständlich ausbaute. So erfahren wir deutlich mehr über Finneys Leben. In einem Subplot wird von den Ermittlungen der Polizei erzählt. An einigen Punkten veränderten Derrickson und sein Co-Autor C. Robert Cargill, die bereits bei „Sinister“, „Doctor Strange“ und dem Kurzfilm „Shadowprowler“ zusammen arbeiteten, auch Gewichtungen. Vor allem stärkte er die übernatürlichen Elemente. In der Kurzgeschichte hat Finneys Schwester Gwen manchmal Visionen. Im Film sind sie eine von ihrem Vater und Bruder akzeptierte Fähigkeit. Mit ihrer übernatürlichen Begabung findet sie Hinweise auf Finneys Versteck. Im Film gibt es deutliche Hinweise darauf, dass auch ihr Bruder über diese Begabung verfügt. In der Kurzgeschichte sagt der Anrufer ihm nur Dinge, die er weiß oder ahnt. Damit ist der Anrufer letztendlich ein imaginärer Freund, der es ihm ermöglicht, nicht den Verstand zu verlieren. In dem Film verraten die Anrufer ihm allerdings Dinge, die er nicht weiß. Er wird eindeutig angerufen von den Geistern der Jungen, die vor ihm von dem Greifer entführt wurden. In den Momenten wird deutlich, dass Finney übernatürlich begabt ist. Nur ist unklar, wie sehr ihm diese Begabung beim Kampf gegen den Greifer nützen wird.
In jedem Fall tragen die Anrufer dazu bei, Finney beim Erwachsenwerden zu helfen. Sie geben ihm nicht nur Tipps, wie er sich aus dem Keller befreien kann, sondern sie geben ihm auch Tipps, wie er gegen den Greifer kämpfen und ihn besiegen kann. Im Kern ist „The Black Box“ eine Coming-of-Age-Geschichte im Gewand eines Horrorthrillers. Es ist die dunkle Version von „Stand by me“, diesem Horrorfilmklassiker, der auf einer Kurzgeschichte von Joe Hills Vater Stephen King basiert.
Gespielt wird der Bösewicht von Ethan Hawke, dessen Gesicht wahrscheinlich keine Minute im Film zu sehen ist. Normalerweise trägt er eine sein Gesicht verdeckende Grinse-Maske, die aus einem Alptraum zu kommen scheint und von Tom Savini (u. a. „Freitag, der 13.“, „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“, „Maniac“) entworfen wurden. Hawke spielt den Bösewicht, der selbst Probleme mit seinem Bruder hat und als Clown Geld verdient, mit spürbarer Lust als einen Dämon, der den schlimmsten Alpträumen eines Teenagers entstammen kann.

The Black Phone (The Black Phone, USA 2022)
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Scott Derrickson, C. Robert Cargill
LV: Joe Hill: The Black Phone, 2004 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Third Alternative no. 39“, später in dem Sammelband „20th Century Ghosts“ [2005, deutsche Ausgabe: Black Box])
mit Mason Thames, Madeleine McGraw, Ethan Hawke, Miguel Cazarez Mora, Jeremy Davies, James Ransone
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „The Black Phone“
Metacritic über „The Black Phone“
Rotten Tomatoes über „The Black Phone“
Wikipedia über „The Black Phone“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Scott Derricksons „Erlöse uns von dem Bösen“ (Deliver us from Evil, USA 2014)
Meine Besprechung von Scott Derricksons „Doctor Strange“ (Doctor Strange, USA 2016)
Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)
Neu im Kino/Filmkritik: „Shiver – Die Kunst der Taika Trommel“, präsentiert ohne Ablenkungen
Juni 23, 2022
Dass die Musik im Mittelpunkt steht, stimmt noch nicht einmal bei vielen Konzertmitschnitten. Zu oft drängeln sich die Kamera und der Schnitt penetrant in den Vordergrund und lenken von der Band und ihrer Performance ab.
In „Shiver – Die Kunst der Taika Trommel“ ist das nicht der Fall. Hier steht wirklich die Musik im Mittelpunkt und nichts lenkt vom Spiel der Musiker ab. Toshiaki Toyoda nahm in präzise komponierten langen Sequenzen, in denen sich die Kamera nicht oder kaum bewegt und in denen es keine oder nur wenige Schnitte gibt, das Taika Performing Arts Ensemble Kodō beim Spielen mehrerer Stücke von Koshiro Hino auf. Teils in ihrem Proberaum, teils auf der Insel Sado in der freien Natur.
Das Trommelensemble Kodō hatte seinen ersten Auftritt 1981 bei den Berliner Festspielen. Seitdem gaben die Trommler über 6500 Konzerte in 52 Ländern. Auf Sado gehört der Gruppe ein dicht bewaldetes, weitläufiges Grundstück, auf dem auch ein Schulungszentrum und weitere Gebäude stehen, in denen sie leben und trainieren. Denn die Musik wird von einem rigorosen Fitnessprogramm begleitet. Auf Sado findet auch seit 1988 das von ihnen organisierte jährliche Earth Celebration International Arts Festival statt.
Koshiro Hino, bzw. YPY, ist Musiker und Komponist, der in verschiedenen Bands und Zusammenhängen arbeitet und, immer wieder, elektronische mit natürlichen Klängen und Performance-Elementen verschmilzt.
Bei ihrer Zusammenarbeit ging es darum, wie aus Geräuschen, Klängen und Rhythmen Melodien entstehen.
Toshiaki Toyodas zurückhaltende Inszenierung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Musik und wie sie entsteht. Nichts lenkt davon ab. Gleichzeitig zwingt nichts einen dazu, den Blick ständig aufmerksam auf die Leinwand zu richten. Sie ist das filmische Äquivalent zu einer Konzertbühne, auf der schwarz gekleidete Menschen vor einem dunklen Hintergrund stehen. Deshalb ist es in diesem Film vollkommen okay, die Augen durch den dunklen Saal wandern zu lassen oder auch sie zu schließen und sich so ganz dem Klang der Trommeln hinzugeben.

Shiver – Die Kunst der Taika Trommel (Senritsu seshimeyo, Japan 2021)
Regie: Toshiaki Toyoda
Drehbuch: Toshiaki Toyoda
Musik: Koshiro Hino, Kodō
mit Kiyohiko Shibukawa, Koshiro Hino, Kodō (Yoshie Abe, Kenta Nakagome, Shogo Komatsuzaki, Yuta Sumiyoshi, Ryoma Tsurumi, Issei Kohira, Masayasu Maeda, Kodai Yoshida, Seita Saegusa, Chihiro Watanabe, Taiyo Onoda, Shun Takuma, Sho Nakatani)
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 0 Jahre (beantragt)
–
Hinweise
TV-Tipp für den 23. Juni: Ich bin dein Mensch
Juni 22, 2022
RBB, 20.15
Ich bin dein Mensch (Deutschland 2021)
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader
LV: Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch, 2019 (Kurzgeschichte, in „2029 – Geschichten von Morgen“)
Die Wissenschaflerin Alma soll über mehrere Wochen mit einem humanoiden Roboter zusammenleben und anschließend einen Forschungsbericht über die gemeinsame Zeit verfassen. Es geht um die Frage, ob humanoide Roboter Menschenrechte bekommen sollen.
„Ich bin dein Mensch“ ist ein feiner, auf der Berlinale abgefeierter, zum Nachdenken anregender Science-Fiction-Film und einer der besten deutschen Filme des Jahres. Er erhielt, unter anderem, vier deutsche Filmpreise als bester Film, für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Hauptrolle.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek
Wiederholung: Freitag, 24. Juni, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Filmportal über „Ich bin dein Mensch“
Moviepilot über „Ich bin dein Mensch““
Rotten Tomatoes über „Ich bin dein Mensch“
Wikipedia über „Ich bin dein Mensch“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ (Deutschland 2021)
Neu im Kino/Filmkritik: „Cop Secret“, ein Buddy-Cop-Movie aus Island
Juni 22, 2022
In Reykjavik, der Hauptstadt von Island, begeht eine Bande Banküberfälle, bei denen sie nichts klaut, aber die Polizei wie eine Bande Trottel aussehen lässt. Deshalb sollen die beiden Superpolizisten Bússi und Hörður herausfinden, was die Bankräuber vorhaben und sie zur Strecke bringen. An eine Verhaftung denkt ihre Vorgesetzte dabei nicht. Denn die beiden Polizisten sind zwar ihre besten Männer, aber an Regeln halten sie sich nicht. Auch sonst entsprechen sie den seit Jahrzehnten gut gepflegten Tough-Cop-Klischees. Als Alpha-Männer verbindet sie selbstverständlich eine herzliche Abneigung. Und weil so ein Film auch immer eine Buddy-Comedy ist, sind die beiden Polizisten zwei vollkommen gegensätzliche Figuren. Dieses Mal ist einer Polizist ist ein literweise Schnaps trinkender Prolet; der andere ist ein feinsinniger Weintrinker. Das muss als Charakterisierung genügen.
Die Bösewichter sind ähnlich rudimentär skizziert. Vor allem der Oberbösewicht Rikki ist abgrundtief böse. Munter erschießt er vor den Überfällen seine eigenen Männer, weil in solchen Filmen der ‚geniale‘ Bösewicht das immer macht.
Seine Weltpremiere hatte „Cop Secret“ 2021 im Wettbewerb von Locarno. In Island war die Actionkomödie der erfolgreichste Kinostart aller Zeiten. Das kann auch daran liegen, dass Regisseur Hannes Þór Halldórsson Torhüter der isländischen Fußballnationalmannschaft ist. Die Regieerfahrung für sein Spielfilmdebüt sammelte er in über hundert Musikvideos und Werbespots.
Der Film selbst ist eine humorlose, hektisch geschnittene Aneinanderreihung der bekannten Klischees, der vorhersehbarsten Dialogsätze und bestenfalls durchwachsener Actionszenen. Die wenigen Neuerungen (Bússi und Hörður sind schwul, Hörður passt auf seinen behinderten Bruder auf, das Finale findet in einem voll besetztem Stadion während einem Spiel der isländischen Frauennationalmannschaft statt) ändern daran nichts. „Cop Secret“ ist ein Desaster, das sogar die ersten Folgen von „Alarm für Cobra 11“ (und die sind wirklich schlecht) in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Cop Secret (Leynilögga, Island 2021)
Regie: Hannes Þór Halldórsson
Drehbuch: Nína Petersen, Hannes Þór Halldórsson, Sverrir Þór Sverrisson (nach einer Geschichte von Auðunn Blöndal, Egill Einarsson und Hannes Þór Halldórsson)
mit Auðunn Blöndal, Egill Einarsson, Björn Hlynur Haraldsson, Sverrir Þór Sverrisson, Rúrik Gíslason
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
TV-Tipp für den 22. Juni: Unknown Identity
Juni 21, 2022
Kabel Eins, 20.15
Unknown Identity (Unknown, Japan/Kanada/USA/Deutschland 2011)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell
LV: Didier van Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)
Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.
Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen das lokalpatriotische Herz.
mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg
Wiederholung: Donnerstag, 23. Juni, 02.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über “Unknown Identity”
Wikipedia über “Unknown Identity” (deutsch, englisch)
Homepage von Didier van Cauwelaert
Meine Besprechung von Didier van Cauwelaerts Roman “Unknown Identity” (Hors de moi, 2003)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Commuter“ (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Jungle Cruise“ (Jungle Cruise, USA 2021)
TV-Tipp für den 21. Juni: Eins, zwei, drei
Juni 20, 2022
HR, 00.15
Eins, zwei, drei (One, Two, Three, USA 1961)
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, I. A. L. Diamond
LV: Ferenc Molnár: Egy, kettó, három, 1929 (Theaterstück)
Der Berlin-Berlin-Film: Westberlin, August 1961: Mr. MacNamara, der Leiter der örtlichen Coca-Cola-Filiale, muss die heimliche Heirat zwischen der Tochter seines Chefs und einem Ostberliner Über-Proletarier rückgängig machen. Bevor der garstige Chef ankommt.
Billy Wilders turbulente und respektlose Komödie kam wenige Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer in die Kinos und floppte. 1985, bei seiner Wiederaufführung, kam er deutlich besser an. Seitdem ist der Film ein Klassiker.
mit James Cagney, Horst Buchholz, Liselotte Pulver, Pamela Tiffin, Arlene Francis, Hanns Lothar, Karl Lieffen, Howard St. John, Ralf Wolter, Hubert von Meyerinck
Hinweise
Horst Eckert erzählt über „Das Jahr der Gier“
Juni 20, 2022
So eine Pandemie hat auch ihre Vorteile.
Horst Eckert hat nämlich die Zeit zwischen seinen Romen verkürzt. Ein Jahr nach „Die Stunde der Wut“ liegt mit „Das Jahr der Gier“ jetzt der dritte Kriminalroman mit Kriminalrätin Melia Adan, Leiterin der Kriminalinspektion 1: Gewaltverbrechen, und KHK Vincent Veih, Leiter des Kriminalkommissariats 11: Tötungsdelikte, vor.
Dieses Mal beginnt für die in Düsseldorf ermittelnden Veih und Adan der Fall mit dem Überfall auf einen britischen Journalisten. Adan bittet den ihr unterstellten Veih, sich die Aussagen über den Überfall auf Oscar Ravani noch einmal anzusehen. Bevor Veih die Unstimmigkeiten geklärt hat, hat der Journalist sich aus dem Krankenhaus entlassen und ist nach London verschwunden. Er recherchierte für die Financial Times über das Finanzunternehmen Worldcard AG (nicht Wirecard) und vermutete unsaubere Geschäfte.
Weil wir uns in einem Roman von Horst Eckert befinden, hängt Ravanis Recherche mit dem Überfall auf ihn zusammen und diese hängt mit zwei Morden zusammen. Der eine, der an Naomi Meyer-Krell, Trainee bei einer international tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, fand in der gleichen Nacht statt. Der zweite Mord war vor neun Monaten. Damals wurde in Moosbrück bei München ein Wirtschaftsprüfer verbrannt in seinem Auto gefunden.
Ebenfalls mit diesen Verbrechen verknüpft sind der neue Job eines Ex-Zielfahnders bei Worldcard als Security-Mitarbeiter und die Entdeckung des Hausjuristen von Worldcard Singapur über finanzielle Unregelmäßigkeiten und gefälschte Bilanzen.
In diesem Moment spannt Eckert geduldig, über viele Seiten ein weites Netz unterschiedlicher Handlungsstränge, Figuren und Orte auf. Lange laufen sie parallel nebeneinander her und vermitteln dem Leser gekonnt Informationen, die die anderen Figuren in dem Moment nicht haben.
„Das Jahr der Gier“ ist über viele Seiten, wenn es um Veihs Ermittlungen geht, außerdem eine Rückkehr zu Horst Eckerts Anfängen, als die normale Ermittlungsarbeit der Polizei im Mittelpunkt stand und die Fälle noch keine irgendwie geartete politische Dimension hatten. Das änderte sich schnell und auch „Das Jahr der Gier“ hat diese politische Dimension. Dieses Mal geht es um Finanzkriminalität und ihre weltumspannende Dimension.
Für Veih, der hier der Hauptermittler ist, ist es über länge Zeit allerdings eine ganz normale Ermittlungen, bei der Zeugen vernommen und Beweise gesucht werden. Das ist, nachdem Veih und Adan sich in ihren bisherigen gemeinsamen Fällen – „Im Namen der Lüge“ und „Die Stunde der Wut“ – mit dem Verfassungsschutz und seinen demokratiegefährdendem Verhalten auseinandersetzen mussten, eine willkommene andere Akzentsetzung.
Sehr erfreuchlich ist in diesem Rahmen auch, dass das Privat- und Familienleben der beiden Ermittler dieses Mal eigentlich keine Rolle spielt. Auch wenn Veihs Mutter Brigitte Veih, eine ehemalige RAF-Terroristen, die inzwischen als Fotokünstlerin (mit politischer Agenda) arbeitet, ihren Auftritt hat.
Am Ende ist „Das Jahr der Gier“ ein spannender Polit-Thriller, der gekonnt Teile der aktuellen deutschen Wirklichkeit verabeitet, einen Einblick in die Polizeiarbeit gibt und bis zu letzten Seiten spannend unterhält. Wie wir es von Horst Eckert gewohnt sind.
Und jetzt sind wir gespannt, ob Horst Eckert in diesem Tempo weiterarbeitet.

Horst Eckert: Das Jahr der Gier
Heyne, 2022
432 Seiten
13 Euro
–
Hinweise
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)
Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)
Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“
Meine Besprechung von „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)
Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)
TV-Tipp für den 20. Juni: Official Secrets
Juni 19, 2022
ZDF, 22.40
Official Secrets (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: Gregory Bernstein, Sara Bernstein, Gavin Hood
LV: Marcia Mitchell, Thomas Mitchell: The Spy who tried to stop a War: Katharine Gun and the secret plot to sanction the Iraq Invasion, 2008
TV-Premiere eines spannenden, auf wahren Begebenheiten beruhenden Polit-Thrillers: Katharine Gun, Übersetzerin beim britischen Nachrichtendienst GCHQ, wird 2003 von ihrem Arbeitgeber angeklagt, gegen den Official Secrets Act verstoßen zu haben. Sie gab, über Umwege, eine Mail des US-amerikanischen Geheimdienstes weiter, in der sie aufgefordert werden, fünf Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Die Staaten sollen erpresst werden, der US-Invasion in den Irak zuzustimmen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Keira Knightley, Matt Smith, Adam Bakri, Matthew Goode, Ralph Fienes, Rhys Ifans
Wiederholung: Mittwoch, 22. Juni, 00.45 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Official Secrets“
Metacritic über „Official Secrets“
Rotten Tomatoes über „Official Secrets“
Wikipedia über „Official Secrets“ (deutsch, englisch) und über Katharine Gun (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)
Meine Besprechung von Gavin Hoods „Official Secrets“ (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)
TV-Tipp für den 19. Juni: Love, Simon
Juni 18, 2022
Sixx, 20.15
Love, Simon (Love, Simon, USA 2018)
Regie: Greg Berlanti
Drehbuch: Isaac Aptaker, Elizabeth Berger
LV: Becky Albertalli: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda, 2015 (Nur drei Worte; Love, Simon)
Simon ist ein gutaussehender, allgemein beliebter, in der US-Provinz lebender Teenager. Er könnte an der Schule jedes Mädchen haben. Dummerweise ist er homosexuell. An der Schule weiß nur ein Mitschüler davon, den Simon nur unter seinem Chatnamen „Blue“ kennt.
„Love, Simon“ ist eine sehr stimmige, feinfühlige und gelungene Coming-of-Age-Geschichte, die erstmals (!) in einer Mainstream-Highschool-Komödie eine schwule Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Diese kleine Änderung macht die Suche nach dem Märchenprinz zu einem erfrischend anderem Film.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung von Buch und Film.
mit Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg Jr., Logan Miller, Miles Heizer, Kerynan Lonsdale, Josh Duhamel, Jennifer Garner, Tony Hale, Natasha Rothwell
Wiederholung: Montag, 20. Juni, 00.30 Uhr (Taggenau!)
–
Der Roman

Becky Albertalli: Love, Simon
(Filmausgabe)
(übersetzt von Ingo Herzke)
Carlsen, 2018
336 Seiten
8,99 Euro
–
Deutsche Erstausgabe
Nur drei Worte
Carlsen, 2016
–
Originalausgabe
Simon vs. the Homo Sapiens Agenda
Balzer + Bray, 2015
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Love, Simon“
Wikipedia über „Love, Simon“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Greg Berlantis „Love, Simon“ (Love, Simon, USA 2018)
TV-Tipp für den 18. Juni: Blade Runner: Final Cut
Juni 17, 2022
Tele 5, 20.15
Blade Runner: Final Cut (Blade Runner, USA 1982)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples
LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)
LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.
Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.
„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.
Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)
Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“
Schon vor Jahren hat sich diese Einschätzung geändert: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)
„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Blade Runner“
Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise
Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut
Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)
Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)
Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)
Neu im Kino/Filmkritik: Pascal Elbé hat „Schmetterlinge im Ohr“ und im Bauch
Juni 17, 2022
Antoine hört schlechter als noch vor einigen Jahren. Aber anstatt zum Ohrenarzt zu gehen und sich, wenn nötig, ein Hörgerät verschreiben zu lassen, stellt der Geschichtslehrer einfach seine Stereoanlage lauter und beschwert sich, wenn sich die Nachbarn bei ihm beschweren. Schließlich steht in seiner Berufsbezeichnung als Lehrer, dass er alles besser weiß und immer Recht hat.
Das führt zunächst zu verbalem Streit mit seiner neuen Nachbarin Claire, der in den folgenden knapp neunzig Minuten in den erwartbaren Bahnen gelöst wird.
Vor allem nachdem Antoine beginnt, sich um Claires Tochter Violette zu kümmern. Seit dem Tod ihres Vaters spricht sie nicht mehr. Nachts schreit sie, aber das stört Antoine nicht. Er hört es ja nicht. Noch nicht.
„Schmetterlinge im Ohr“ ist Pascal Elbés dritte Regiearbeit. In Frankreich ist er vor allem als Schauspieler bekannt. In diesem Film verarbeitet er seine eigene Schwerhörigkeit.
Entstanden ist eine nette romantische Komödie. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Kleiner Tipp: wer auf der gleichen Anlage seine Lieblingsmusik und -filme ständig lauter stellen muss, sollte wirklich mal zum Hörtest gehen.
Oder die Musik auflegen, die die Nachbarn hören wollen.

Schmetterlinge im Bauch (On est fait pour s’entendre, Frankreich 2021)
Regie: Pascal Elbé
Drehbuch: Pascal Elbé
mit Pascal Elbé, Sadrine Kiberlain, Valérie Donzelli, François Berléand, Emmanuelle Devos, Manon Lemoine
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
AlloCiné über „Schmetterlinge im Bauch“
Moviepilot über „Schmetterlinge im Bauch“
Veröffentlicht von AxelB 