The Sisters Brothers (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)
Regie: Jacques Audiard
Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain
LV: Patrick deWitt: The Sisters Brothers, 2011 (Die Sisters Brothers)
TV-Premiere. Schön schwarzhumoriger Neowestern über zwei Kopfgeldjäger, die titelgebenden Angst und Schrecken verbreitenden und noch auf der geistigen Entwicklunsstufe eines Kindes stehenden Sisters Brothers, die quer durch den Wilden Westen einen Goldsucher jagen. Der soll im Besitz einer Zauberformel zum effektiven Goldwaschen sein.
Die zwei Gesichter des Januars (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)
Regie: Hossein Amini
Drehbuch: Hossein Amini
LV: Patricia Highsmith: The two Faces of January, 1964 (Unfall auf Kreta, Die zwei Gesichter des Januars)
Athen, 1962: Der kleine Betrüger Rydal (Oscar Isaac) schlägt sich als Fremdenführer durch, trifft das amerikanische Ehepaar Chester MacFarland (Viggo Mortensen) und Colette (Kirsten Dunst) und wird in einem Mordfall verwickelt. Denn auch Chester ist in betrügerische Geschäfte verwickelt.
Sehr stilbewusste Highsmith-Verfilmung. Zu einer ziemlich unmöglichen Uhrzeit.
Das war ein gelungenes Weihnachtsgeschenk von Frank Nowatzki. Kurz vor Weihnachten überreichte mir mein Postbote ein Paket von Pulp Master mit zwei schon lange angekündigten Büchern: nämlich die Übersetzung von Tom Franklins „Wilderer“ (sein Debüt; eine Sammlung von Kurzgeschichten) und die Neuausgabe von Ted Lewis‘ „Schwere Körperverletzung“; in einer neuen Übersetzung. Der Krimi erschien 1990 in Nowatzkis vorherigem Verlag „Black Lizard“ und ist, wie alle „Black Lizard“-Bücher, schon seit Ewigkeiten nicht mehr regulär erhältlich.
Ted Lewis ist einer der großen britischen Noir-Autoren. Sein bekanntester Roman ist „Jack Carters Heimkehr“ (bzw. „Jack rechnet ab“) (Jack’s return home, später Get Carter) von 1970. Der Noir wurde dreimal verfilmt: einmal 1971 von Mike Hodges mit Michael Caine als Jack Carter. Der Gangsterkrimi ist ein Klassiker. Einmal 2000 von Stephen Kay mit Sylvester Stallone als Jack Carter. Der Film ist überflüssiger Mist. Und einmal 1972 von George Armitage („Miami Blues“, „Grosse Pointe Blank“) mit Bernie Casey als Jack Carter, der hier Tyrone Tackett heißt. Die Rachegeschichte wurde ins afroamerikanische Milieu verlegt. Der Film wurde bei uns nur auf Video in einer gekürzten Fassung veröffentlicht.
Nach „Jack Carters Heimkehr“ schrieb Lewis zwei weitere Romane mit Jack Carter, „Jack Carters Gesetz“ (Jack Carters Law, 1974) und „Jack Carters Wut“ (Jack Carter and the Mafia Pidgeon, 1977), die ebenfalls nicht mehr auf Deutsch erhältlich sind und wieder veröffentlicht werden könnten. Denn es sind verdammt spannende, düstere Gangsterromane.
„Schwere Körperverletzung“ war dann der letzte Roman von Ted Lewis, der nicht ganz so gut wie seine Jack-Carter-Trilogie ist. Lewis starb 1982 mit zweiundvierzig Jahren.
In dem 1980 erschienenem Noir erzählt Ted Lewis die Geschichte von George Fowler. Der Gangster hat sich nach Mablethorpe zurückgezogen. In dem langweiligen Küstenkaff will er in Ruhe abwarten, bis sich der Staub über den letzten Gangsterkrieg gelegt hat. Während er, immer einen Drink in der Hand, die Seeluft geniest, erinnert er sich an sein Leben als skrupelloser Gangster in London. Aus diesen Erinnerungen entsteht ein Bild des Verbrechens in London in den siebziger Jahren, als Pornographie in Großbritannien illegal und damit ein großes Geschäft war. Schnörkel- und illusionslos erzählt Ted Lewis das.
Gleichzeitig wird Fowler, während er sich an die erkleckliche Zahl seiner Feinde erinnert, zunehmend paranoid. Denn er glaubt, dass sie nach Mablethorpe kommen werden, um ihn zu töten. Als Gangster der alten Schule bereitet er sich auf dieses Gefecht vor.
Für Noir-Fans und Fans von Gangsterkrimis ist „Schwere Körperverletzung“ eine klare Leseempfehlung.
Auf der „demnächst erscheinen“-Liste stehen bei Pulp Master aktuell Les Edgerton „Primat des Überlebens“ und „Das grenzgeniale Pseudo-Kidnapping“ (toller Titel), Gerald Kersh „Hirn und zehn Finger“, Dave Zeltserman „Alles endet hier“, Derek Raymond „Er starb mit offenen Augen“ (eine Neuausgabe), Paul Cain „Ansturm auf L. A.“ (dito), Garry Disher „Moder“ (ein neuer Wyatt-Roman), Mark SaFranko „Amerigone“, Buddy Giovinazzo „Keiner lebt hier“ (endlich ein neuer Roman) und Jim Nisbet „Powerball“. Für Noir-Fans ist das eine schöne Mischung alter und neuer Autoren und Bücher.
Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)
Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.
Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.
mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer
Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James, USA 1939)
Regie: Henry King
Drehbuch: Nunnally Johnson (nach historischen Recherchen von Rosalind Shaffer und Jo Frances James)
Ein Westernklassiker, der die Geschichte der Brüder Frank und Jesse James erzählt, die sich an der Eisenbahngesellschaft für erlittenes Unrecht rächen wollen und zu Verbrechern werden.
Danach geht es mit den ebenfalls sehenswerten Western „Rache für Jesse James“ (von Fritz Lang) und „Ritt zum Ox-Bow“ (von William A. Wellman) weiter.
mit Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott, Henry Hull, Brian Donlevy, John Carradine, Lon Chaney jr.
Was waren die besten und schlechtesten Filme, die ich 2020 gesehen habe und die auch einem breiten Publikum präsentiert wurden? Diese etwas verschwurbelte Frage sagt, dass ich auch Filme in die Auswahl nehme, die im Kino laufen sollten und dort nicht (siehe Disneys „Mulan“ oder, mit Tom Hanks, „Der wunderbare Mr. Rogers“ [A beautiful day in the neighborhood], der kürzlich fast unbemerkt auf DVD veröffentlicht wurde) oder nur wenige Tage (siehe die Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ oder der deutsche Oscar-Kandidat „Und morgen die ganze Welt“) liefen. Umgekehrt sind Filme, die ich bereits gesehen habe und die 2020 nicht in die Kinos kamen (zum Beispiel „Sky Sharks“ und die Billie-Holiday-Doku „Billie“, die beide an Weihnachten hätten anlaufen sollen), nicht in der Auswahl. Vielleicht 2021.
Was waren die besten Bücher, die ich 2020 gelesen habe? Schlechte Bücher habe ich eigentlich nicht gelesen. Während ich bei einem Film selbstverständlich bis zum Abspann aushalte (vor allem, wenn ich im Kino sitze), höre ich bei einem schlechten Buch mit dem Lesen schon viel früher auf. Und weil ich 2020 auch einige Bücher gelesen habe, die schon lange bei mir herumlagen und bei denen ich aus dem einen oder dem anderen Grund nie zum Lesen kam, sind auch alte Bücher in der engeren Auswahl.
Beginnen wir mit den Filmen.
Viele Filme, die ich in meine erste Auswahl aufnahm, hätten es in einem normalen Kinojahr nicht auf die Liste geschafft. Das liegt teilweise an der Qualität des Films („Tenet“ ist halt nur ein uralter James-Bond-Film mit Zeitreise-Schnickschnack; „Undine“ ist gut, aber auch der Film von Petzold, der mich am wenigsten berührt.). Das liegt aber auch daran, dass ich viele Filme allein zu Haus als Stream gesehen habe. Da fehlt die große, den Blick weitende und Details zeigende Leinwand, die die Schauspieler zu Riesen macht. Der Computerbildschirm verengt dagegen den Blick und verkleinert die Schauspieler zu Zwergen. Bei einem wirklich guten Film ist das egal. Aber alle Filme, die nicht gerade ein Meisterwerk oder eine Totalkatastrophe sind, beeindrucken auf dem Bildschirm weniger als auf der Leinwand. Im Zweifelsfall habe ich den Film dann in die erste Auswahl aufgenommen.
Und es fehlt das Gespräch nach dem Film. Nachdem man sich den Film gleichzeitig mit anderen Menschen angesehen und zusammen gelacht oder geweint hat. Oder sich über die schreckhafte Dame amüsierte.
Deshalb wird es Kinos weiterhin geben.
Nach dieser langen Vorrede komme ich zu meinem dreckigen Dutzend 2020, sortiert nach den Startterminen:
Ebenso erfreulich war, dass Terrence Malick mit “Ein verborgenes Leben” wieder etwas zum erzählenden Kino zurückkehrte.
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Die zehn schlechtesten Filme des Jahres 2020:
entfällt
Nicht, dass ich nicht auf zehn schlechte Filme kommen könnte (ich sage nur „Bloodshot“), aber dann kämen auch Filme auf die Liste, die nicht so wirklich schlecht sind.
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Die zehn besten 2020 in Deutschland erschienenen Romane (und schon sind Comics, Sachbücher, ältere Bücher von Ken Bruen, Klassiker und im Original gelesene Bücher [so lese ich im Moment zum ersten Mal alle von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten im Original] draußen); in alphabetischer Sortierung:
LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)
Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.
Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“
Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)
Dieses Jahr sind vor Sonnenaufgang und tagsüber Bob Dylan (mit einem Konzert von 1993), Ringo Star, Prince (mehrmals), Chaka Khan, Eric Clapton (sein 2019er Crossroads-Guitar-Festival), Metallica und Roger Waters dabei. Abends wird es dann poppiger mit Mariah Carey, Shakira, Christina Aguilera und einem Tribute Concert für den DJ/Remixer Avicii. Nach Mitternacht dürfen dann Alice Cooper (in jungen Jahren war der Opa ein Kinderschreck), Muse und Biffy Clyro losrocken.
Musikalisch ist das immer gut abgehangen. In den letzten Jahren überraschten mich vor allem die Konzerte von sehr entspannt aufspielenden Altstars, deren Werk ich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verfolgte.
Auf offener Straße wird Joachim Fehrlein von einem wütenden Matrosen erstochen. Kommissar Lutz ermittelt.
Wahrscheinlich kein Klassiker, aber in jedem Fall ein Oldie, der lange nicht mehr im Fernsehen lief. „Auf offener Straße“ ist der vierte „Tatort“ und der erste mit Kommissar Lutz. Lutz ermittelte im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks bis 1986 in Baden-Württemberg. Zu seinen Fällen gehört „Rot – rot – tot“ (mit Curd Jürgens).
Seinen ersten Auftritt im Film hat Kommissar Lutz allerdings erst nach 42 Minuten. Dass der Ermittler eher eine Nebenrolle hat, war damals im „Tatort“ nicht ungewöhnlich und trug zur Qualität der Krimis bei, die tief in ein Milieu eintauchten. Mit knapp 70 Minuten gehört „Auf offener Straße“ zu den kürzesten „Tatorten“; auch das war damals nicht ungewöhnlich. Damals nahm man es mit den neunzig Minuten nicht so genau.
„So ist ‚Auf offener Straße‘ eher eine Milieustudie des Mannheimer Hafenlebens geworden und das traurige Soziogramm eines Matrosen, der aus Liebesleid Totschlag begeht.“ (Eike Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen „Tatort“, 2000)
Anschließend, um 00.35 Uhr, zeigt der SWR mit „Blinde Wut“ (Deutschland 1982, Regie: Theo Mezger, Drehbuch: Peter Scheibler) einen weiteren Kommissar-Lutz-Fall.
Mit Werner Schumacher, Wolfgang Hepp, Peter Weis, Erwin Geisler, Joachim Bliese, Renée Hepp, Karl-Heinz von Hassel (hier als Geschäftsführer einer Bar, ab 1985 beim Hessischen Rundfunk Kommissar Brinkmann)
Halo Jones lebt im ‚Ring‘. Diese im 50. Jahrhundert in der Nähe vom heutigen Manhattan liegende Welt ist ein futuristischer Slum, in dem schon ein Einkaufsbummel eine Selbstmordmission ist. Jones ist 18 Jahre, arbeitslos und ohne eine wirkliche Perspektive auf einen Job oder irgendeine Art von Leben, die mehr als den Tag überleben ist. Zusammen mit einigen Freundinnen und einem Roboterhund haust sie in einer Wohneinheit. Diese muss sie jetzt verlassen, um Lebensmittel einzukaufen.
Ursprünglich erschien „Die Ballade von Halo Jones“ ab Juli 1984 in dem britischen Comicmagazin „2000 AD“ als einer Serie fünf- bis sechsseitiger Episoden. Im ersten „Halo Jones“-Sammelband, der jetzt auf Deutsch erschien, sind die ersten zehn Episoden versammelt. Sie machen uns mit der Welt des Rings bekannt, erzählen die Geschichte dieser Shoppingtour und lassen in Jones die Erkenntnis reifen lassen, dass sie den Ring verlassen muss.
„Die Ballade von Halo Jones“ gehört zu den Frühwerken von Alan Moore. Damals schrieb er auch, ebenfalls für „2000 AD“, die von ihm erfundenen Serien „Abelard Snazz“, „D. R. & Quinch“ und „Skizz“ und zahlreiche Geschichten für „Future Shocks“. Sein legendärer Comic „Watchmen“, in dem er, zusammen mit Dave Gibbons, das Superheldengenre neu definierte und gleichzeitig eine deutlich vom Thatcher-England inspirierte Dystopie und der damaligen Ängste in westlichen kapitalistischen Gesellschaften erfand, erschien etwas später.
In der „Ballade von Halo Jones“ geht es um „Schiffe, Schicksen und Shoppen“ (Alan Moore). Oder etwas höflicher formuliert, um eine normale Frau in einer unnormalen Welt und ohne die normalen „2000 AD“-Zutaten, die primär Männer, Waffen und Gewalt waren. „Judge Dredd“ dürfte die allgemein bekannteste, bereits 1977 gestartete „2000 AD“-Serie sein.
Jetzt erschien, anscheinend zum ersten Mal auf Deutsch, der erste „Halo Jones“-Sammelband bei Panini Comics in einer großformatigen Ausgabe.
Der zweite Band ist für den 23. Februar 2021 angekündigt.
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Alan Moore/Ian Gibson/Barbara Nosenzo: Die Ballade von Halo Jones – Band 1
Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)(Birdman, USA 2014)
Regie: Alejandro G. Iñárritu
Drehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris Jr., Armando Bo
Fesselnde Chronologie der letzten Stunde vor der Premiere von Riggan Thomsons erster Broadway-Inszenierung. Riggan war früher als Superheld „Birdman“ bekannt und diese Filmrolle hat Spuren bei ihm hinterlassen.
TV-Premiere, seltsamerweise erst knapp sechs Jahre nach dem Kinostart und dummerweise mit Werbepausen. Denn Alejandro G. Iñárritu inszenierte „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ so, dass der Eindruck entsteht, das Drama sei ohne einen Schnitt gedreht worden.
mit Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts, Lindsay Duncan, Merritt Wever, Jeremy Shamos, Bill Camp, Damian Young
Den Science-Fiction-Horrorfilm „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ über die Besatzung eines Frachtschiffs, die während des Raumflugs aus dem Tiefschlaf geweckt wird, einem Funksignal folgt, auf einem Planeten ein havariertes Alien-Raumschiff entdeckt, aus dem Schiff ein fremdes Lebewesen an Bord bringt und, weil dem Alien jeglicher Respekt vor dem menschlichen Leben fehlt, bis zur letzten Filmminute um ihr überleben kämpft, kennen alle. Er machte 1979 Regisseur Ridley Scott und Hauptdarstellerin Sigourney Weaver zu Stars. Bis 1997 gab es drei weitere „Alien“-Filme, die, immer mit Weaver in der Hauptrolle, von James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet inszeniert wurden und die Geschichte der einzigen Überlebenden des Frachtschiffs Nostromo eigenständig weiter erzählten.
Ab 2012 wandte Ridley Scott sich mit „Prometheus – Dunkle Zeichen“ und „Alien: Covenant“ wieder der „Alien“-Welt zu – und diese Filme vergessen wir besser.
Viele dürften auch Alan Dean Fosters Romanversion von „Alien“ kennen. Sie gehört zu den wirklich lesenswerten Filmromanen.
Fast niemand kannte dagegen bis jetzt die frühen Drehbuchversionen für „Alien“. Ein Drehbuch ist vor allem eine Gebrauchsanweisung für die am Film beteiligten Personen, die sich während des Produktionsprozesses immer wieder, mehr oder weniger stark, verändert. Nur die wenigsten Drehbücher stoßen außerhalb eines kleinen Kreises von Hardcore-Cineasten und Drehbuchautoren auf ein wahrnehmbares öffentliches Interesse.
Christiano Seixas (Skript der Adaption) und Guilherme Balbi (Zeichner) nahmen sich jetzt eine frühe Version des Drehbuchs von Dan O’Bannon für „Alien“ vor und ‚inszenierten‘ es als Comic. Weil bei dieser Version das Aussehen der Aliens noch unklar war (HR Giger war noch nicht engagiert) und zum Geschlecht der Besatzung der Snark (so heißt das Frachtschiff Nostromo im Comic) nur stand, dass sie sowohl Männer als auch Frauen sein könnten (yep, Sigourney Weaver war damals ebenfalls noch nicht engagiert), hatten Seixas und Balbi die Freiheit, eigene Bilder zu erschaffen. Damit ist „Alien: Die Urfassung“ auf visueller Ebene eine mögliche andere Interpretation der Geschichte. Bei der Geschichte selbst gibt es Änderungen, die vor allem den genauen Kennern des Films auffallen werden und deshalb hier nicht verraten werden sollen.
Die jetzt vorliegende „Urfassung“ ist eine gelungene und für „Alien“-Fans interessante Interpretation der bekannten Geschichte, die auch in dieser Version hochspannend ist.
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Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbi: Alien – Die Urfassung
Pünktlich zum Jahresende (und als Erinnerung an mein Vorhaben, noch schnell einige Bestenlisten zu erstellen) gibt es die Jahresbestenliste der Krimibestenliste der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und des Deutschlandfunk Kultur. Diese Jahresbestenliste wird aus den monatlichen Krimibestenlisten generiert. Deshalb gibt es auch keinen Überraschungssieger, von dem vorher nie jemand gehört hat, sondern eine Begegnung mit bekannten Namen und Titeln. Danach sind die zehn besten Krimis des Jahres 2020:
1.) Hope Hill Drive von Garry Disher (original 2019: Peace)
2.) Aufzeichnungen eines Serienmörders von Young-Ha Kim (original 2013: Salinja-ui gieok-beob)
TV-Premiere. Dreistündiges Biopic über den Künstler Kurt Barnert von seiner Kindheit 1937 bis zu seinem Durchbruch 1966 in Wuppertal.
Das ist nicht wirklich schlecht, trotz der Länge unterhaltsam und auch kurzweilig, aber letztendlich nur bildungsbürgerliches Erbauungskino, das brav den Nationalsozialismus, die DDR und die frühen Jahre der BRD an der Biographie des Künstlers Kurt Barnert abhandelt.
Das reale Vorbild für Barnert war Gerhard Richter. Der war von dem Film, nachdem er den Trailer (!) gesehen hatte, nicht begeistert.
mit Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Hanno Koffler, Cai Cohrs, Jörg Schüttauf, Jeanette Hain, Ina Weise, Lars Eidinger, Jonas Dassler, Ben Becker, Hinnerk Schönemann
Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service, 2012/2013 (Secret Service)
High-Tech-Genie Valentine hat einen teuflischen Plan, um die Weltbevölkerung radikal zu verkleinern. Ein Job für die Kingsman, einer ultrageheimen globalen Agentenorganisation, die ihr Quartier sehr stilbewusst in einem noblen britischen Herenbekleidungsgeschäft hat. Dort ist, nach dem Tod eines Agenten, ein Job vakant. Kingsman Harry Hart schlägt Gary „Eggsy“ Unwin, einen kleinkriminellen Taugenichts aus der Unterschicht, als künftiges Mitglied vor. Man müsse schließlich mit der Zeit gehen.
Grandiose, witzige, äußerst stilbewusste, vespielte und auch sehr brutale Liebeserklärung an die alten James-Bond-Filme, die mit einem ordentlichen Portion Comic-Ästhetik ins 21. Jahrhundert geholt werden.
mit Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton, Michael Caine, Sofia Boutella
Wiederholung: Montag, 28. Dezember, 01.00 Uhr (Taggenau! – Und dann wahrscheinlich ungekürzt)
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Die Vorlage
Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2013
172 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
Secret Service # 1- 6
Millarworld, Juni 2012 – April 2013
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Mehr von Eggsy
„Jagd auf Red Diamond“ ist schon vor einiger Zeit erschienen und mein ursprünglicher Plan war, den von Rob Williams (Autor) und Simon Fraser (Zeichner) geschriebenen Comic im Zusammenhang mit dem neuen „Kingsman“-Film zu besprechen.
In dem Comic ist Eggsy inzwischen ein Kingsman. Aber nachdem er bei seinem letzten Einsatz den Duke of Edinburgh verprügelte, wird er beurlaubt. Kurz darauf gibt es ein Lebenszeichen des genialen Hacker Alias und weil gerade alle anderen Kingsman-Agenten im Einsatz sind, kehrt Eggsy zurück. Als er den Hacker schnappt, erfährt er, dass Red Diamond mit einem Virus alle Computer abschalten und so die vordigitale Welt wieder zurückholen will.
Williams und Fraser knüpfen gelungen an den Comic „Secret Service“ von Mark Millar und Dave Gibbons, der die Vorlage für Matthew Vaughns Film war, an. „Jagd auf Red Diamond“ ist ein schöner Spaß und eine gelungene Überbrückung für die Fans der Kingsman.
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Rob Williams/Simon Fraser: Kingsman: Jagd auf Red Diamond
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2019
156 Seiten
17 Euro
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Originalausgabe
Kingsman: The Red Diamond # 1 – 6
September 2017 – Februar 2018
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Demnächst im „Kingsman“-Universum
Eigentlich sollte der dritte „Kingsman“-Film bereits vor einigen Monaten im Kino laufen. Daraus wurde nichts. Jetzt soll „The King’s Man – The Beginning“ am 11. März 2021 starten; was ich für einen seh ambitionierten Starttermin halte. Ich gehe eher von einem Start Ende März oder im April aus.
Über den Inhalt ist nur bekannt, dass er eine Geschichte aus den Anfängen der „Kingsman“ erzählt. Mit viel Action, Explosionen, großer Starbesetzung und wieder von Matthew Vaughn inszeniert.
Außerdem sind geplant: ein dritter regulärer „Kingsman“-Film (der damit an „The Secret Service“ und „The Golden Circle“ anschließt, ein Film mit den „Statesman“, der aus dem zweiten „Kingsman“-Film „The Golden Circle“ bekannten US-amerikanischen Bruderorganisation, und eine achtstündige TV-Miniserie.
Da fehlt eigentlich nur noch eine Romanserie.
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The King’s Man – The Beginning (Großbritannien/USA 2021)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Matthew Vaughn, Karl Gajdusek (nach einer Geschichte von Matthew Vaughn)
mit Harris Dickinson, Gemma Arterton, Matthew Goode, Aaron Taylor-Johnson, Ralph Fiennes, Stanley Tucci, Charles Dance, Daniel Brühl, Djimon Hounsou, Rhys Ifans, Tom Hollander, Alexandra Maria Lara
Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall (Beverly Hills Cop, USA 1984)
Regie: Martin Brest
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt Foley Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Ein vierter Film ist seit Ewigkeiten im Gespräch. Aktuell soll er von Netflix produziert werden; was nicht unbedingt ein sehr vertrauenserweckendes Zeichen ist. Aus einer geplanten TV-Serie wurde nichts.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Anschließend zeigt ZDFneo den zweiten und dritten Leinwandauftritt von Axel Foley.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
Schauspieler Aidan (Zach Braff) weigert sich, trotz Frau und Kindern, erwachsen zu werden. Da erkrankt sein Vater, der die Schule der Kinder finanziert, an Krebs und Aidan muss einige Entscheidungen treffen.
Zach Braffs liebevolle Indie-Komödie „Wish I was here“ verunsichert und irritiert nie, sondern bestätigt seine Charaktere – und die Zuschauer – in ihrem Leben.
Das gesagt ist der Film, nach „Garden State“ der zweite Spielfilm von „Scrubs“-Star Zach Braff, unterhaltsam, kurzweilig, witzig, episodisch, aber auch ziellos und oft konventionell in seinen Beschreibungen und Lösungen. Es ist auch ein Film, der im Privaten steckenbleibt.