Neu im (nicht im) Kino/Filmkritik: „Mulan“ straight to Disney+

September 6, 2020

Jetzt feiert der Film an dem Ort seine Premiere, an den er nicht gehört. Jedenfalls nicht in der Erstauswertung. Denn „Mulan“ ist eindeutig für die Kinoleinwand inszeniert. Aber nachdem Disney sich entschlossen hat, seine neueste Real-Action-Verfilmung nicht im Kino anlaufen zu lassen, werde ich zu den wenigen Menschen gehören, die diesen Film, wenige Tage bevor die Coronavirus-Pandemie unser normales Leben beendete, auf einer großen Leinwand sehen konnte. Und, ja, es war eine sehr große Leinwand in einem sehr großen Kinosaal mit viel Beinfreiheit, bequemen Sitzen, einem guten Blick auf die Leinwand und ohne irgendeine den Filmgenuss störende Ablenkung. Und genau da gehört „Mulan“ mit seinen Massenszenen, seinen Kämpfen und Landschaftsaufnahmen hin.

Aber in fast allen Ländern zeigt Disney „Mulan“ jetzt ausschließlich bei seinem neuen Streamingdienst „Disney+“. In Deutschland kostet der Film zusätzlich zu den normalen Abokosten (aktuell 6,99 Euro/Monat), für den VIP-Zugang, 21,99 Euro. Also insgesamt gut dreißig Euro. Das ist viel Geld für einen Film, aber letztendlich vielleicht doch immer noch günstiger als ein Kinobesuch mit Kindern, Lebensabschnittgefährten, besten Freunden des Kindes, der überdimensionierten Mega-Popcorntüte und den ungesunden Zuckergetränken. Nur das Erlebnis ist kein Kino, sondern Fernsehen. Genaugenommen ist es ein Videoabend mit (oder ohne) Freunde.

Die Geschichte von Mulan ist bekannt. In China ist Mulan eine bekannte Figur, die erstmals in einem Volksgedicht verewigt wurde. Seitdem wurde und wird Mulans Geschichte in verschiedenen Medien immer wieder neu interpretiert. Im Westen ist Mulans Geschichte vor allem aus dem 1998er Disney-Trickfilm „Mulan“ bekannt. Der Film war ein Kritiker- und Publikumserfolg. Jetzt erhielt er die Neubearbeitung, die viele andere Disney-Filme in den letzten Jahren erhielten und die aus finanzieller Sicht durchgehend überzeugte. Aus künstlerischer Sicht nicht unbedingt.

Für die Neuverfilmung als Realfilm engagierte Disney Niki Caro, die Regisseurin von „Whale Rider“ und „Die Frau des Zoodirektors“, die aus Mulans Geschichte eine farbenprächtige Abenteuergeschichte machte.

Als China aus dem Norden von einer mächtigen, scheinbar unbesiegbaren Armee bedroht wird, erlässt der Kaiser (lange vor den Tributen von Panem) ein Dekret nach dem aus jeder Familie ein Mann eingezogen werden soll.

In der glücklich in einem fotogenen Dorf lebenden Familie Hua wäre das Mulans Vater. Er ist ein aus früheren Kriegen geschätzter und geehrter Kämpfer, der jetzt als Bauer lebt und an körperlichen Gebrechen leidet. Der alte Mann würde den Kampf gegen die Invasoren nicht überleben.

Also verkleidet die abenteuerlustige, sportliche und unbekümmerte Mulan sich als Mann und tritt in die kaiserliche Armee ein. Schon in der Ausbildung überzeugt sie durch ihre überragenden Leistungen. Als sie gegen die schwarzgekleideten Invasoren, die dank übernatürliche Hilfe fast unbesiegbar sind, in den Kampf ziehen, erweist Mulan sich schnell als der tapferste und tödlichste Krieger in der gesamten Armee. Denn immer noch wissen Mulans Kampfgefährten nicht, dass Mulan eine Frau ist.

Gedreht wurde „Mulan“ in Neuseeland und China. Regisseurin Caro setzte die prächtigen Landschaften leinwandfüllend in Szene. Die oft scheinbar schwerelosen Kampfszenen wirken auf der großen Leinwand ebenfalls besser. Auch wenn wir sie aus asiatischen Filmen noch müheloser der Schwerkraft trotzend kennen. Und für die vielen Massenszenen wurden schon mal hunderte Statisten engagiert. Dummerweise sind diese Massenszenen Kriegsszenen, in denen Soldaten im Lager trainiert werden und sich verfeindete Armeen unblutig abschlachten.

Und genau hier kommen wir zu den Dingen, die „Mulan“ dann zu einem sehr problematischen und auf ideologischer Ebene reaktionärem Film werden lassen. „Mulan“ erzählt die Geschichte einer Frau, die ihre Träume verwirklicht und am Ende von allen für ihre Leistungen anerkannt wird. Allerdings wird Mulan nur anerkannt, weil sie ihren männlichen Kollegen in jedem Punkt hoffnungslos überlegen ist. Sie wird anerkannt, weil ihre Leistungen besser sind als die der anderen. Sie geht also nicht ihren eigenen Weg, sondern sie erfüllt die Anforderungen, die an Männer gestellt werden besser als die Männer. Das hat mit Emanzipation wenig zu tun.

Noch problematischer wird es durch das Arbeitsfeld, in dem Mulan anerkannt wird. Es geht nicht um sportliche oder intellektuelle Leistungen, sondern es ist das Handwerk des Kriegers. Die Leistung eines Kriegers bemisst sich daran, wie viele Menschen er ermordet. Mulan ist darin sehr gut.

Disney ließ die Schlachten so unblutig inszenieren, dass eine kindgerechte Kinofreigabe niemals gefährdet ist. Trotzdem sind es Massaker, in denen in einem Blutrausch tausende junge Menschen massakriert werden. In einem realistischen Kriegsfilm würden die Soldaten in dem Moment durch einen Matsch aus Blut, Gedärmen, abgeschlagenen Armen, Beinen und Köpfen waten und schreiende und wimmernde junge Männer hören, die gerade auf dem Feld der Ehre verrecken.

Das ist nämlich der nächste hochproblematische Punkt an „Mulan“: wieder einmal wird die Armee zur Schule des Mannes, oder in diesem Fall zur Schule des Menschen, erhoben und das Morden (und Sterben) auf dem Schlachtfeld für das Vaterland ist dann die höchste Ehre.

Mulan“ transportiert hier eine sehr konservative, reaktionäre Ideologie. Dass das in diesem Fall anhand eines chinesischen Nationalmythos erzählt wird, macht die Sache nicht besser. Nur exotischer.

Mulan (Mulan, USA 2020)

Regie: Niki Caro

Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Lauren Hynek, Elizabeth Martin (basierend auf dem Gedicht „Hua Mulan”)

mit Yifei Liu, Donnie Yen, Tzi Ma, Jason Scott Lee, Yoson An, Ron Yuan, Rosalind Chao, Nelson Lee, Cheng Pei-Pei, Gong Li, Jet Li

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage von Disney+

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mulan“

Metacritic über „Mulan“

Rotten Tomatoes über „Mulan“

Wikipedia über „Mulan“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. September: Nur ein kleiner Gefallen

September 5, 2020

Pro7, 20.15

Nur ein kleiner Gefallen (A simple Favor, USA 2018)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Jessica Sharzer

LV: Darcey Bell: A simple Favor, 2017 (Nur ein kleiner Gefallen – A simple Favor)

Die mondäne, so überhaupt nicht in die Vorstadt passende Emily bittet Stephanie, für einige Stunden auf ihren Sohn aufzupassen. Die mustergültige Vorstadtmom Stephanie tut es: Als Emily ihren Sohn nicht abholt, sondern spurlos verschwindet, beginnt sie sie zu suchen und entdeckt so einige Geheimnisse.

TV-Premiere. Äußerst gelungener Drahtseilakt zwischen harmloser Krimikomödie und fiesem Neo-Noir, der gerade weil er so unvereinbare Stile miteinander kombiniert, bis zum Schluss spannend bleibt. Paul Feig inszenierte hier einen Krimi, der auch Alfred Hitchcock ohne den Schatten eines Zweifels gefallen hätte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des „Suburban Noir“ (Paul Feig).

mit Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Andrew Rannells, Jean Smart, Bashir Salahuddin, Joshua Satine, Ian Ho, Rupert Friend

Hinweise

Moviepilot über „Nur ein kleiner Gefallen“

Metacritic über „Nur ein kleiner Gefallen“

Rotten Tomatoes über „Nur ein kleiner Gefallen“

Wikipedia über „Nur ein kleiner Gefallen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)


TV-Tipp für den 5. September: Spiel mir das Lied vom Tod

September 4, 2020

BR, 20..15

Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il west, Italien/USA 1968)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Sergio Donati (nach einer Geschichte von Dario Argento, Bernardo Bertulucci und Sergio Leone)

Die Story – Killer Frank will für die Eisenbahn an das Land der Exhure Jill gelangen, während ‚Mundharmonika‘ ihm einen Strich durch die Rechnung macht – ist eher Nebensache gegenüber den von Ennio Morricone untermalten Bildern von Tonino Delli Colli.

Ein Western-Klassiker, der eigentlich auf die große Leinwand gehört.

mit Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Frank Wolff, Gabriele Ferzetti, Keenan Wynn, Lionel Stander, Jack Elam, Woody Strode

Wiederholung: Montag, 7. September, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spiel mir das Lied vom Tod“

Wikipedia über „Spiel mir das Lied vom Tod“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. September: Tatort: Duisburg-Ruhrort

September 4, 2020

ARD, 22.15

Tatort: Duisburg-Ruhrort (Deutschland 1981)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg

Ein ermordeter Binnenschiffer treibt im Hafenbecken von Duisburg-Ruhrort. Die Kommissare Schimanski und Thanner suchen seinen Mörder.

Der erste Auftritt von Götz George als Horst Schimanski. Damals ein Skandal (Seine Manieren! Seine Sprache! Sein Umgang mit den Dienstvorschriften!), heute ein „Tatort“-Klassiker. Schimanski war schnell der beliebteste „Tatort“-Kommissar, der auch zweimal im Kino ermitteln durfte.

mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Michael Lech, Michael Rastl, Brigitte Janner, Max Volkert Martens, Barbara Focke

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Tatort-Fundus über Kommissar Schimanski

Wikipedia über „Tatort: Duisburg-Ruhrort“


Neu im Kino/Filmkritik: Polens Kandidat für den diesjährigen Auslandsoscar: „Corpus Christi“

September 3, 2020

Auf dem Plakat steht Daniel mit ausbreiteten Armen und einem Rockstar-Kreischen, das ihn sofort zum Leadsänger einer Rockband qualifiziert. Wenn da nicht die tiefkatholische Priesterkluft wäre.

Diese Irritation macht neugierig und sie verrät auch schon viel über den Film, der Gegensätze aufeinanderprallen lässt und die Frage stellt, wie ein Pfarrer sein muss.

Denn Daniel ist kein Heiliger und auch kein verhinderter Rockstar, sondern ein Verbrecher mit einem Hang zum unchristlichen Leben. Im Jugendgefängnis hilft er dann als Messdiener bei den Gottesdiensten. Schon vor dem Beginn der Filmgeschichte erfolgte dabei bei ihm eine Bekehrung. Er würde, nach der Verbüßung seiner Strafe, gerne Priester werden. Aber davor stehen zwei Hürden. Die eine, seine mangelhafte schulische Bildung, könnte er überwinden. Die andere nicht. Denn Vorbestrafte werden nicht zum Priesterseminar und dem darauf folgendem Priesteramt zugelassen.

Nach der Entlassung aus der archaischen Strafanstalt soll er sich am anderen Ende Polens bei dem Besitzer eines Sägewerks melden. Der Unternehmer ist dafür bekannt, ehemaligen Gefangenen eine zweite Chance zu geben. Als Daniel vor dem abseits gelegenem Sägewerk steht, ist er unschlüssig.

Er geht zum nahe gelegenem Dorf in die Kirche. Dort sagt er gegenüber einer Besucherin, er sei Priester und zeigt ihr seine Soutane. Diese kleine Angeberei führt dazu, dass er im Haus des Dorfpfarrers aufgenommen wird. Weil dieser für einige Tage weg muss, vertraut er Daniel das Amt und seine Gläubigen an.

Daniel klärt den Irrtum nicht auf. Am nächsten Tag steht er in der Kirche vor den Gläubigen, die seiner Predigt lauschen wollen. Und mit seine unorthodoxen Predigten und Taten beginnt er das Leben seiner Gemeindemitglieder zu beeinflussen.

Dieses Jahr war Jan Komosas „Corpus Christi“ Polens Kandidat für den prestigeträchtigen Auslandsoscar. Gegen den überragenden Gewinner und großen Abräumer der Oscar-Nacht, Bong Joon Hos „Parasite“, hatte er dann keine Chance. Beim Polnischen Filmpreis sah das ganz anders aus. Dort erhielt das Drama alle wichtigen Preise, wozu die Preise für bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, beste Kamera, beste Haupt- und Nebendarsteller (beide Geschlechter) und der Publikumspreis gehörten. Insgesamt erhielt er elf von fünfzehn möglichen Auszeichnungen. Mit über 1,5 Millionen Zuschauern war er letztes Jahr in Polen ein Kinohit. In den Jahrescharts steht er auf dem achten Platz. Direkt hinter „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“.

Und es fand sich ein deutscher Verleih, der den Film jetzt in unsere Kinos bringt. Damit gehört „Corpus Christi“ zu den wenigen Filmen aus unserem Nachbarland, der bei uns im Kino läuft.

Corpus Christi“ ist sperrige Kost, die so gar nichts mit den üblichen Blockbuster und Arthaus-Hits zu tun hat. Komosa zeigt eine düstere Welt, in der sich Daniel immer mehr in Schuldgefühle und Schuld verstrickt. Er stochert im großen Trauma des Dorfes – ein nächtlicher Autounfall, bei dem sieben Mitglieder der Dorfgemeinschaft, sechs davon Jugendliche, starben – herum. Er will herausfinden, was damals geschah und er will diese Wunde in der Seele des Dorfes schließen. Mit seinen die Konventionen eines streng reglementierten Gottesdienst sprengenden Predigten und Taten irritiert er die Gläubigen. Es ist eine Irritation, die sie ihr Leben und ihren Glauben neu betrachten lassen.

Er bringt frischen Wind in ein Dorf, das wie ein deutsches Dorf aus den fünfziger Jahren aussieht. Die Dorfgemeinschaft, vor der Daniel predigt, vervollständigt das Bild. Sie erinnert an damalige Gemeinschaften, in denen Autoritäten und die Kirche nicht hinterfragt wurden. Die richtige Kleidung ist der Ausweis für die Kompetenz. Es ist damit auch eine engstirnige Dorfgemeinschaft, in der das Wort des Patriarchen, von dem alle abhängig sind, und der Kirche Gesetz sind. Das ist dann, wenn die Dörfler die Witwe des Verursachers des tödlichen Unfalls zur Aussätzigen erklären und Daniel mit den trauernden Hinterbliebenen der Opfer des Unfalls eine Urschreitherapie ausprobiert, nicht allzu weit von den „Jagdszenen aus Niederbayern“ entfernt.

Komasa zeigt diese uns so seltsam vertraut erscheinende Welt mit einer ruhig beobachtenden Kamera, die oft Aktion und Reaktion in einem Bild zeigt und einfache Antworten vermeidet.

Corpus Christi (Boże Ciało, Polen 2019)

Regie: Jan Komasa

Drehbuch: Mateusz Pacewicz

mit Bartosz Bielena, Eliza Rycembel, Aleksandra Konieczna, Tomasz Zietek, Leszek Lichota, Lukasz Simlat

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Corpus Christi“

Metacritic über „Corpus Christi“

Rotten Tomatoes über „Corpus Christi“

Wikipedia über „Corpus Christi“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. September: Aus der Mitte entspringt ein Fluss

September 3, 2020

Servus TV, 20.15

Aus der Mitte entspringt ein Fluss (A River runs through it, USA 1992)

Regie: Robert Redford

Drehbuch: Richard Friedenberg

LV: Norman MacLean: A River runs through it, 1976 (Aus der Mitte entspringt ein Fluss)

In poetischen Bildern (Philippe Rousselot erhielt dafür einen Oscar) erzählt Robert Redford in seiner dritten Regiearbeit die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die in Montana vor ungefähr hundert Jahren aufwachsen und von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, zu passionierten Fliegenfischen erzogen werden. Dabei steht das Fliegenfischen für eine bestimmte Geisteshaltung.

„Ein Plädoyer für eine natürliche Ordnung und eine Abkehr von materieller Raffgier. Ein schöner Gegenentwurf zur inhaltsleeren Konsumware Hollywoods.“ (Fischer Film Almanach 1994). Inszeniert von einem Hollywood-Star, mit einem Hollywood-Star am Anfang seiner Karriere in der Hauptrolle.

mit Brad Pitt, Craig Sheffer, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd

Wiederholung: Freitag, 4. September, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“

Wikpedia über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. September: Election Game – Amerikas Wahlsystem in der Krise

September 1, 2020

ZDFinfo, 20.15

Election Game – Amerikas Wahlsystem in der Krise (Deutschland/USA 2020)

Regie: Jan Schäfer

Drehbuch: Jan Schäfer

In der 45-minütigen Doku geht es um Probleme innerhalb des US-Wahlrechts und Wahlsystems, das vor allem von den Republikanern schamlos zu ihren Gunsten manipuliert wird.

Die Doku ist Teil eines sehr sehenswerten, informativen und langen USA-Abends mit brandneuen und etwas älteren Dokus über die nicht mehr so vereinigten Staaten unter Präsident Trump.

Davor läuft um 18.45 Uhr „Liebe und Sex in den USA – Profit, Prüderie und Polyamorie“ (USA 2019), um 19.30 Uhr „Amerikas neue Gurus – Auf der Suche nach Erleuchtung“ (ebenfalls eine TV-Premiere); danach, um 21.00 Uhr „Trumps schmutziger Deal – Der Präsident und die Ukraine-Affäre“ (Frankreich 2020, noch eine TV-Premiere), um 21.55 Uhr „Macht und Machenschaften USA – Gekaufte Politik“ (Deutschland/USA 2020), um 22.40 Uhr „Bibeltreue Supermacht – Evangelikale in den USA“ (Frankreich 2019), um 23.25 Uhr „Citizen Trump – Eine amerikanische Karriere“ (Frankreich 2019), um 00.10 Uhr „Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus“ (GB 2017) und, nach einer kurzen „heute journal“-Verschnaufpause, um 01.20 Uhr die spielfilmlange, sehr gelungene Doku „Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes“.


TV-Tipp für den 1. September: Die Truman Show

August 31, 2020

Disney, 20.15

Die Truman Show (The Truman Show, USA 1998)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: Andrew Niccol

Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.

Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.

„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Truman Show“

Wikipedia über „Die Truman Show“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Truman Show” von Andrew Niccol

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)

Meine Besprechung der “Peter Weir Collection” (mit “Die Autos, die Paris auffrassen”, “Picknick am Valentinstag”, “Die letzte Flut” und “Wenn der Klempner kommt”)


TV-Tipp für den 31. August: The Accountant

August 30, 2020

ZDF, 22.15

The Accountant (The Accountant, USA 2016)

Regie: Gavin O’Connor

Drehbuch: Bill Dubuque

Christian Wolff (Ben Affleck) ist Autist, Chef von „ZZZ Accounting“ und Kreditberater. Außerdem ist das auf seine Aufgaben fokussierte Mathegenie der Buchprüfer für verschiedene Verbrecherkartelle.

Für Living Robotics, einer Firma die auch Prothesen herstellt, soll er die Bücher prüfen. Ein hundertprozentig legaler Auftrag, der ihn in Teufels Küche bringt. Jetzt werden seine Fähigkeiten als Auftragskiller benötigt.

Wenn man darüber hinwegsieht, dass „The Accountant“ Humbug ist, ist Gavin O’Conner ein angenehm altmodischer Gangsterfilm gelungen, der seine Geschichte etwas intelligenter als erwartet zusammenfügt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Affleck, Anna Kendrick, J. K. Simmons, Jon Bernthal, Jean Smart, Cynthia Addai-Robinson, Jeffrey Tambor, John Lithgow, Rob Treveiler, Andy Umber, Ron Prather, Susan Williams

Wiederholung: Mittwoch, 2. September, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Accountant“

Metacritic über „The Accountant“

Rotten Tomatoes über „The Accountant“

Wikipedia über „The Accountant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „Jane got a Gun“ (Jane got a Gun, USA 2015)

Meine Besprechung von Gavin O’Connors „The Accountant“ (The Accountant, USA 2016)


TV-Tipp für den 30. August: Harold und Maude

August 29, 2020

SWR/SR, 00.00

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Colin Higgins

Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.

Immer wieder gern gesehener Kultfilm!

Mit der Musik von Cat Stevens.

Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Harold und Maude“

Wikipedia über „Harold und Maude“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ (Harold and Maude, 1971)

Ein gelungener Fan-Trailer


TV-Tipp für den 29. August: Gone Girl – Das perfekte Opfer

August 28, 2020

Pro7, 20.15

Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Gillian Flynn

LV: Gillian Flynn: Gone Girl, 2012 (Gone Girl – Das perfekte Opfer)

Nick Dunnes Ehefrau Amy ist spurlos verschwunden. Noch während er sich in der Öffentlichkeit als besorgter, seine Frau innig liebender Ehemann inszeniert, taucht Amys Tagebuch auf, das eine ganz andere Geschichte ihrer Ehe erzählt.

Finchers bislang letzter Kinofilm (seitdem arbeitete er für den kleinen Bildschirm): ein hübscher Noir über das Lieben und Morden glückliche verheirateter Thirty-Somethings.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Sela Ward

Wiederholung: Sonntag, 30. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Gone Girl“

Metacritic über „Gone Girl“

Rotten Tomatoes über „Gone Girl“

Wikipedia über „Gone Girl“ (deutsch, englisch)

Homepage von Gillian Flynn

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. August: Papillon

August 27, 2020

3sat, 22.25

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Dalton Trumbo (Nebenrolle)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. August: Big Fish

August 26, 2020

Disney Channel, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (Big Fish, USA 2003)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August

Rotten Tomatoes über “Big Fish”

Wikipedia über “Big Fish” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts “The Nines” (The Nines, USA 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tenet“, irgendetwas mit Zeitreisen

August 26, 2020

Jetzt, nachdem er in den vergangenen Monaten mehrmals verschoben wurde, eine abermalige Verschiebung, möglicherweise, wie bei anderen Blockbustern, gleich auf nächstes Jahr, nicht ausgeschlossen wurde, und der Film, ungefähr im gleichen Atemzug, zur Zukunft des Kinos erhoben wurde, läuft „Tenet“ in unseren Kinos an. In den USA startet „Tenet“ erst am 3. September und nur in den Staaten, in denen es sicher ist. Angesichts der aktuellen Coronavirus-Zahlen dürfte der Thriller daher dort nur in wenigen Kinos in wenigen Bundesstaaten gezeigt werden.

Bei uns markiert der Start von „Tenet“ den Moment, der wieder die Massen in die Kinos bringen soll. Das könnte gelingen. Denn Christopher Nolans „Tenet“ ist für die große Leinwand gemacht und, bei all seinen Mängeln, sehenswert.

Nolans Filme, zuletzt „Dunkirk“ und „Interstellar“, sind seit Jahren intelligentes Blockbuster-Kino, das visuelle Schauwerte mit einer Geschichte, bei der man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss, verbindet. Bis auf seine „Batman“-Trilogie handelt es sich außerdem um Einzelfilme und Originalstoffe.

Tenet“ soll daran anschließen. Über die Filmgeschichte wurde vorher, wie man es von Nolan gewohnt ist, wenig verraten. Außer dass es um einen Agenten geht, der den Untergang der Welt verhindern soll. Dabei sind das Wort ‚Tenet‘, die Idee der Invertierung (oder Umkehrung), aus der Zukunft kommende Gegenstände, die in die Gegenwart geschickt werden, um den Weltuntergang herbeizuführen, und Zeitreisen wichtig.

Zusammen mit einigen Vertrauten und unerschöpflichen Ressourcen kämpft dieser Agent ohne Name („BlacKkKlansman“ John David Washington, im Abspann wird er ‚Protagonist‘ genannt) gegen die ebenso potenten Bösewichter, deren Gesicht der russische Oligarch Andrei Sator (Kenneth Branagh, schön fies) ist. Zwischen dem Agenten und Sator steht Kat (Elizabeth Debicki), Sators wunderschöne Frau, die ihren fiesen Ehemann gerne verlassen würde, von ihm aber zum Bleiben erpresst wird. Dieses Dreieck kopiert den Plot eines typischen James-Bond-Film der Prä-Daniel-Craig-Ära. Nur dass Nolan diese altbekannte Geschichte um Zeitreise-Hokuspokus ergänzt und sich anschließend mit all den Problemen von Zeitreise-Geschichten beschäftigen muss.

Das erste und größte Problem des Films liegt im Plan des Bösewichts. Denn es ist unklar, warum die Menschen aus der Zukunft die Gegenwart (und damit sich selbst) vollkommen und endgültig vernichten wollen. Sie wollen nicht ein, zwei Menschen töten, die später vielleicht etwas sehr böses tun werden (wie die Ermordung des Kindes Adolf Hitler, um so seine späteren Taten zu verhindern) oder eine bestimmte Entwicklung verhindern (wie in den „Terminator“-Filmen, wo es letztendlich auch um das Leben und Sterben eines Mannes geht), sondern sie wollen einen Weltkrieg entfachen, der die gesamte Menschheit vernichtet. Und damit auch sie. Es handelt sich hier also um Bösewichter, die die Welt vernichten wollen, bevor sie geboren werden. Irrationaler geht es wohl kaum.

Das zweite große Problem ist, dass bei all den Zeitreisen oder Zeitsprüngen (immerhin springen die meisten Menschen nur einen kurzen Moment zurück) gar nicht mehr so klar ist, wer was wo warum tut. Da poppen Figuren auf und verschwinden. Andere haben ein zweites Leben und Zeit wird zu einem höchst variablen Gut.

Aber, und das ist ein großer Pluspunkt des Films, es sieht spektakulär aus, wenn Fahrzeuge und Menschen gleichzeitig vorwärts und rückwärts durch das Bild laufen, sich verfolgen und miteinander kämpfen. Oder wenn Nolan in den ersten Minuten in einer atemberaubenden Actionsequenz zeigt, wie groß die Bedrohung ist. Da stürmen in Kiew Terroristen in einen vollbesetzten Konzertsaal. Kaum haben sie in der Oper die Besucher als Geisel genommen, stürmt eine Eliteeinheit das Gebäude und tötet alle. Diese eindeutig von den Ereignissen im Moskauer Dubrowka-Theater 2002 inspirierte Geiselnahme ist ein Ablenkungsmanöver, um einen Agenten, dessen Tarnung aufgeflogen ist, zu schützen und um an einen wichtigen Gegenstand zu kommen. Wie wichtig der Gegenstand für die Guten und die Bösewichter ist, zeigt die Zahl der bei dem Ablenkungsmanöver ermordeten Menschen. Später gibt es ein ähnlich spektakuläres Ablenkungsmanöver, wenn unser Held und sein Vertrauter Neil (Robert Pattinson) auf dem Osloer Flughafen aus einer Boeing 747 Goldbarren auf der Startbahn verteilen und das riesige Flugzeug in das Flughafengebäude fahren lassen. Dieser Crash soll von einem Einbruch in ein, zugegeben sehr gut gesichertes, Warenlager ablenken. Für diese Szene, die wie bei Nolan üblich, real gedreht wurde, schrotteten sie einen Jumbo-Jet. In einem anderen Fall sperrten sie für mehrere Wochen für einen komplizierten Diebstahl aus einem fahrenden Laster mit einer anschließenden Verfolgungsjagd und Schießerei mehrere Kilometer einer innerstädtischen Hauptverkehrsstraße. Wirklich spektakulär wird diese Szene, weil hier die Zeit vorwärts und rückwärts läuft.

Die Geschichte bewegt sich, wie man es aus den James-Bond- und „Mission Impossible“-Filmen kennt, globetrottend um die Welt. Gedreht wurde in Estland, Italien, Indien, Dänemark, Norwegen, Großbritannien und den USA.

Die reichlich vorhandenen Schauwerte können allerdings nicht über die enttäuschende Story hinwegtäuschen. Letztendlich erzählt „Tenet“ einen uralten Agententhrillerplot aus den sechziger und siebziger Jahren, als im Gefolge der unglaublich erfolgreichen James-Bond-Filme Geheimagenten um die Welt reisten, Sex mit schönen Frauen hatten (hier ist Nolan deutlich prüder) und gegen größenwahnsinnige Bösewichter, die die Welt vernichten wollten, kämpften. Spätestens mit den Austin-Powers-Filmen wurde dieser Plot zu Grabe getragen.

Nolan reanimiert ihn wieder und die Idee der Inversion und der Zeitreisen beschert etlichen Szenen interessante Wendungen. Auch weil die verschiedenen Figuren immer wieder bestimmte Orte und Ereignisse besuchen können. Aber weil Nolan seine abstruse und letztendlich sehr einfache Agentengeschichte mit heiligem Ernst und fern der Selbstironie der Bond-Filme erzählt, wird die Idiotie des Plans des Bösewichts unerträglich offensichtlich.

Beim Sound führt Nolan das Sounddesign von „Dunkirk“ fort. Es ist oft atemberaubend laut. Als Stilprinzip ist das okay. Leider versumpfen die Erklär-Dialoge oft im Sound. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es immer dann besonders laut wurde, wenn eine der Figuren zu einer längeren Erklärung ansetzte. Aber dafür gibt es ja Untertitel.

Im Gegensatz zu „Inception“, wo er eine vollkommen neue Welt und Physik erfand, bedient Nolan in „Tenet“ nur abgestandene Spionage- und Zeitreisetopoi. Am Ende können die Bilder, die Bildkompositionen, die Kamerafahrten und die druckvolle Inszenierung nur mühsam die Leere der Story übertünchen.

Tenet (Tenet, USA 2020)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

mit John David Washington, Robert Pattinson, Kenneth Branagh, Elizabeth Debicki, Dimple Kapadia, Aaron Taylor-Johnson, Michael Caine, Martin Donovan, Fiona Dourif, Yuri Kolokolnikov, Himes Patel, Clémence Poésy

Länge: 150 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Tenet“

Metacritic über „Tenet“

Rotten Tomatoes über „Tenet“

Wikipedia über „Tenet“ (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 26. August: Meine schöne innere Sonne

August 26, 2020

Arte, 22.00

Meine schöne innere Sonne (Un beau soleil intérieur, Frankreich/Belgien 2017)

Regie: Claire Denis

Drehbuch: Claire Denis, Christine Angot

Juliette Binoche, die hier die Künstlerin Isabelle spielt, taumelt allein und unglücklich durch Paris. Denn sie sucht die bedingungslose und kompromisslose Liebe.

TV-Premiere. „Ein brillantes Diskurs-Kino im Rückgriff auf Roland Barthes und Niklas Luhmann.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Juliette Binoche, Xavier Beauvois, Philippe Katerine, Sandrine Dumas, Nicolas Duvauhelle, Gérard Depardieu

Hinweise

AlloCiné über „Meine schöne innere Sonne“

Rotten Tomatoes über „Meine schöne innere Sonne“

Wikipedia über „Meine schöne innere Sonne“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 25. August: Forrester – Gefunden!

August 24, 2020

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Sean Connery!

 

Servus TV, 20.15

Forrester – Gefunden! (Finding Forrester, USA 2000)

Regie: Gus Van Sant

Drehbuch: Mike Rich

Als Mutprobe bricht der sechzehnjährige Jamal Wallace (Rob Brown) bei dem Einsiedler William Forrester (Sean Connery) ein. Daraus entwickelt sich die Freundschaft zwischen einer Schriftstellerlegende und einem begabtem Schüler.

Herziges, aufbauendes Drama, das damals oft mit Gus Van Sants „Good Will Hunting“ verglichen wurde.

Nach „Forrester – Gefunden!“ drehte Sean Connery noch „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (ein Desaster, über das sie niemand freute und über das wir gerne ignorieren).

Anschließend, um 22.55 Uhr, zeigt Servus TV mit „Die Wiege der Sonne“ (Rising Sun, USA 1993) einen weiteren Connery-Film.

Mit Sean Connery, Rob Brown, F. Murray Abraham, Anna Paquin, Busta Rhymes, Matt Damon

Wiederholung: Mittwoch, 26. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Forrester – Gefunden!“

Wikipedia über „Forrester – Gefunden!“ (deutsch, englisch) und Sean Connery (deutsch, englisch)

My-Space-Seite von Gus Van Sant

Meine Besprechung von Gus Van Sants „The Sea of Trees – Liebe wird dich nach Hause führen“ (The Sea of Trees, USA 2015)

Meine Besprechung von Gus Van Sants „Don’t worry, weglaufen geht nicht“ (Don’t worry, he won’t get far on foot, USA 2018)

Homepage von Sean Connery

Sean Connery in der Kriminalakte

Mein Text zu einem früheren Geburtstag von Sean Connery

 


TV-Tipp für den 24. August: Die Verfolgten

August 23, 2020

Arte, 20.15

Die Verfolgten (Les Guichets du Louvre, Frankreich 1974)

Regie: Michel Mitrani

Drehbuch: Albert Cossery, Michel Mitrani (nach einer Geschichte von Roger Boussinot)

Paris, Juli 1942: Student Paul versucht möglichst viele jüdische Bewohner des Viertels Saint-Paul vor einer Großrazzia zu warnen. Aber niemand glaubt ihm.

Der heutige TV-Tipp, ein ziemlich vergessener und daher sehr unbekannter Film, ist möglicherweise eine echte Entdeckung. 1974 lief „Die Verfolgten“ auf der Berlinale im Wettbewerb und anschließend nicht in den deutschen Kinos. Warum ist unklar. An der Qualität des Dramas scheint es, wenn man den positiven Besprechungen glaubt, nicht gelegen zu haben.

So urteilt der Filmdienst: „Ein authentisches Filmporträt der Einkesselung Pariser Juden durch die französische Polizei, durchweg eindringlich inszeniert und hervorragend gespielt. Bedeutsam auch als erster Spielfilm, der die maßgebliche Beteiligung von Behörden und Bevölkerung an der Judenverfolgung in Frankreich behandelte.“

mit Christian Rist, Christine Pascal, Judith Magre, Henri Garcin, Michel Robin, Michel Auclair

Hinweise

Arte über „Die Verfolgten“

Rotten Tomatoes über „Die Verfolgten“

Wikipedia über „Die Verfolgten“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 23. August (+ Buchtipps): World War Z

August 22, 2020

Pro7, 22.20

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

LV: Max Brooks: World War Z, 2006 (Operation Zombie, World War Z)

Wissenschaftler Gerry Lane (Brad Pitt) globetrottet auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen den Zombievirus um die Welt – und überall, wo er auftaucht, tauchen sind auch die sich unglaublich flott bewegenden Zombies.

Unterhaltsamer Zombie-Horror mit einer schwierigen Produktionsgeschichte. Als der Film sich in World-War-Z-Zombiegeschwindigkeit zum Kassenhit entwickelte, war schnell eine Fortsetzung im Gespräch. Inzwischen ist die Arbeit an ihr eingestellt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Wiederholung: Montag, 24. August, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „World War Z“

Rotten Tomatoes über „World War Z“

Wikipedia über „World War Z“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ (Roman) und Max Brooks (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Max Brooks‘ „World War Z“ (World War Z, 2006)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Christopher Robin“ (Christopher Robin, USA 2018)

Die Vorlage (derzeit nur antiquarisch erhältlich)

Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

Lesehinweis

Vor wenigen Tagen erschien der neue Roman von Max Brooks auf Deutsch. In „Devolution“ muss sich eine in der Wildnis lebende Gruppe von Aussteigern gegen affenähnliche Kreaturen, die vom Instinkt zu überleben getrieben sind, wehren. Weil sie nach einem Vulkanausbruch von der Außenwelt abgeschnitten sind, sind sie auf sich allein gestellt.

Devolution“ ist sein erster Roman seit „World War Z“. Die ersten US-Kritiken sind positiv.

Max Brooks: Devolution

(übersetzt von Thomas Bauer)

Goldmann, 2020

464 Seiten

10 Euro

Originaltitel

Devolution

Del Rey, 2020


TV-Tipp für den 22. August: Terror 2000 – Intensivstation Deutschland

August 21, 2020

Arte, 01.30

Terror 2000 – Intensivstation Deutschland (Deutschland 1992)

Regie: Christoph Schlingensief

Drehbuch: Christoph Schlingensief, Oskar Roehler, Uli Hanisch

Gut versteckt mitten in der Nacht zeigt Arte zu Schlingensiefs zehntem Todestag den Abschluss seiner Deutschland-Trilogie. Die beiden Gangster Bössler und Jablo finden in der ostdeutschen Kleinstadt Rassau Asyl. Dort beginnen sie mit der Säuberung Deutschlands, wie das damals von einem rassistischen Mob auf der Straße gefordert wurde.

Terror 2000 – Intensivstation Deutschland“ ist nicht das ‚deutsche Kettensägenmassaker‘ aber trotzdem, inspiriert von den Schlagzeilen und diese konsequent weiterdenkend, geschmacksicher alle Tabus und Geschmacksgrenzen übertretend.

mit Alfred Edel, Udo Kier, Peter Kern, Margit Carstensen, Susanne Bredehöft, Dietrich Kuhlbrodt, Christoph Schlingensief, Oskar Roehler

Hinweise

Filmportal über „Terror 2000“

Moviepilot über „Terror 2000“

Rotten Tomatoes über „Terror 2000“

Wikipedia über Christoph Schlingensief


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Rüden“: Hunde, aggressive Männer und eine Trainerin

August 21, 2020

Das Gefängnis, in dem die Hundetrainerin Lu mit vier Häftlingen ein Anti-Gewalttraining absolvieren darf, ist kein reales Gefängnis, sondern eine Arena, die auch in einer Dystopie nicht deplatziert wäre. Sie ist ein auf ihre Wirkung beim Zuschauer hin entworfenes, ihre Künstlichkeit betontes brutalistisches Bühnenbild, das hundertprozentig zur Aussage des Films passt.

Die erste Idee für ihren neuen Film „Die Rüden“ hatte Connie Walther als sie die Hundetrainerin Nadin Matthews, die im Film Lu spielt, kennen lernte und sie zu einem viertägigen Aggressions-Seminar in die JVA Wriezen begleitete.

Bei der Recherche für den Film kontaktierte sie später den Berliner Verein Gangway. Gangway ist der größte Träger von Straßensozialarbeit in Deutschland. Zusammen führten sie einen Workshop durch, in dem Laien mit professionellen Schauspielern zusammen arbeiteten. Daraus entstand das Theaterstück „Wir müssen draußen bleiben“, das im April 2017 in Berlin seine Premiere hatte.

In dem Film, der eine ganz andere Geschichte als das Theaterstück erzählt, arbeitet Walther wieder mit Laien zusammen, die mehr oder weniger sich selbst spielen. Die Filmgeschichte, in der sie mitspielen, funktioniert vor allem als Versuchsanordnung, in der vier Häftlinge auf drei hoch aggressive Hunde und eine toughe Hundetrainerin treffen. Die Häftlinge sollen so ihre Aggressionen verarbeiten und auch eine Beziehung zu den Hunden herstellen.

Walther erzählt diese Annäherung und mögliche Wandlung extrem stilisiert in langen Einstellungen, kargen Dialogen und kurzen Fantasy-Sequenzen. Es sind Sätze und Situationen, aus denen die Botschaft über das Tier im Menschen und wie die Gesellschaft über Macht- und Unterdrückungsverhältnisse strukturiert ist, förmlich herausgehauen wurden. Wenn Lu mit den Gefangenen über das Verhältnis von Hund zu Mensch redet, dann redet sie gleichzeitig über das Verhältnis der gewalttätigen Sträflinge zur Gesellschaft und unter welchen Bedingungen sie an ihr teilnehmen dürfen.

In der im Film präsentierten Weltsicht gibt da keinen Unterschied. Menschen sind hier wie Tiere. Mitgefühl und Empathie gibt es nicht. Gewalt kann nur mit Gewalt beantwortet werden. Die furchtlosere und damit physisch stärkere Person überlebt und setzt sich an die Spitze des Rudels. Beziehungsweise der Gesellschaft.

Allerdings ist ein Gefängnis kein 1-zu-1-Abbild der Gesellschaft und es ist das Gegenteil eines herrschaftsfreien Raums. Der gesamte Tagesablauf der Gefangenen ist strukturiert. Ihnen wurde jede Freiheit genommen. Für eine bestimmte Zeit, die, wenn sie sich falsch verhalten, verlängert werden kann. Die Wärter entscheiden über jede Kleinigkeit. Sie können Vergünstigungen gewähren und sie nach Belieben entziehen. Das ist der Rahmen für Lus Anti-Gewalt-Training. Die aus dieser künstlich herbeigeführten Situation entstehende Analyse der Gesellschaft ist bitter und letztendlich auch ohne Hoffnung auf eine bessere Welt.

Allerdings bestimmt das Design der Situation das Verhalten der teilnehmenden Akteure. Entsprechend determiniert ist das Ergebnis. Es wird halt nur das bewiesen, was man auch beweisen wollte. Bewusste Auslassungen – So erfahren wir nie, wann, wo und in welcher Gesellschaft „Die Rüden“ spielt. – betonen das Allgemeingültige der Situation.

Am Ende der düsteren Allegorie bleibt der Eindruck eines betont künstlichen Gedankenspiels. Faszinierend und auch interessant ist der extrem stilisierte Film gerade wegen seiner extrem düsteren Sicht auf das menschliche Zusammenleben und der Konsequenz mit der diese Sicht auf die conditio humana erzählt wird. Ein richtiges Feelbad-Movie eben.

Die Rüden (Deutschland 2018)

Regie: Connie Walther

Drehbuch (Konzept): Nadin Matthews

mit Nadin Matthews, Ibrahim Al-Khalil, Konstantin-Philippe Benedikt, Ali Khalil, Marcel Andrée, Sabine Winterfeldt, Robert Mehl, Mathis Landwehr

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Rüden“

Moviepilot über „Die Rüden“